Hauptseite: MARIA DIE UNBEFLECKTE JUNGFRAU
UND GOTTESMUTTER MARIA - MUTTER JESU UND UNSERE MUTTER
Die "Wundertätige Medaille" der Immakulata. Gebete. Segensformel. Novene. Bestellung der geweihten Medaille
Das Karmel-Skapulier Marienweihen Weitere Gebete und Voschläge zur Marienweihe
Enzyklika INEFFABILIS DEUS von Papst Pius IX. zur Verkündigung des IMMAKULATA-DOGMAS mit Kommentaren und einschlägigen Botschaften von JNSR | |
Marienerscheinungen seit 1830. Warum Maria und nicht Jesus? Was isr das für eine Zeit, in der wir sind? | |
Erscheinungsorte weltweit durch alle Jahrhunderte |
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Zwiegespräch mit der Immakulata zum 8. Dezember | |
Selige Katharina Emmerick: Vision über die „Unbefleckte Empfängnis Mariä" (Vgl. JNSR Aussage zum selben Thema) | |
DNA-Analysen an Ikonen-Bild ergeben aufsehenerregende Resultate | |
15. August: Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel. / Blumen- und Kräuterweihe | |
Warum kommt es zu Marienerscheinungen? | |
Glaubensentscheidungen der katholischen Kirche zu Maria, der Mutter des Herrn | |
8. Dezember 2004: 150 Jahre seit der Verkündigung des Dogmas der IMMAKULATA durch Papst Pius IX. | |
ROSENKRANZENZYKLIKA Papst Johannes Paul II: "Rosarium Virginis Mariae" / Rosenkranz der Jungfrau Maria: |
1) Erläuterungen zum Beten des Rosenkranzes.
2) Die neuen fünf Rosenkranzgeheimnisse
Dogma von der Unbefleckten Empfängnis ist Impuls für Evangelisierung |
Die Dogmen der kath. Kirche über die Gottesmutter Maria
MARIA IST IMMERWÄHRENDE JUNGFRAU
MARIA WURDE OHNE MAKEL DER ERBSÜNDE EMPFANGEN
MARIA WURDE MIT LEIB UND SEELE IN DEN HIMMEL AUFGENOMMEN
Wissenswerte Vorbemerkungen:
Maria heute. Vorausüberlegungen
Prüfstand der Ehrlichkeit für die Ökumene heute
"Maria ist nicht nur katholisch"
Maria, Mutter Jesu und der Kirche
Das Verhältnis von Dogma und Schrift
Maria - die Brücke zwischen Konfessionen und Religionen
"Dir wird der Kopf zertreten werden" - so lautet das Urteil Gottes über Verführung und Sünde, als an der Geburtsschwelle der Menschheit jene Frau in den Heilsplan Gottes gestellt wird, die am Ende der Zeiten in der Geheimen Offenbarung als die Siegerin über den Drachen und als die Königin, bekleidet mit der Sonne und mit Sternen umgeben, geschildert wird. Wie Maria damals, am Anfang, als rettende Säule vorausprojektiert wird, so steht sie auch als Vorausprojektion in der Apokalypse als jene zweite Säule, die der Heilswille Gottes umspannt, auf denen er aufruht. In der Mitte der Zeiten aber ist diese Frau erschienen und wurde die Mutter des Erlösers. Sie war es auf dieser Erde und wird es in der Ewigkeit immer bleiben! Daher muss ein offenes und klares Wort über Maria gesprochen werden im Hinblick auf die von allen Menschen herbeigesehnten Ökumene, damit es bald nur eine Herde und ein Hirt werde! Wir alle sind davon überzeugt, dass es nur Maria sein kann, die die Brücke aller Konfessionen und Religionen hin zu Jesus bildet. Über Maria zu reden und schreiben ist daher in keiner Weise gegen die Ökumene - das Gegenteil ist wahr: Je mehr wir über Maria in klaren Worten reden, je mehr wir Maria so hinstellen, wie Gott sie uns gab (und nicht wie wir sie oft gerne hätten!), umso mehr bauen wir Brücken zu einer echten Ökumene, das heisst zu einer echten Einheit aller Christen! Maria verschweigen hiesse, die Ökumene nicht ernst zu nehmen, ja, gegen die von Christus gewollte Einheit Seiner Kirche zu sündigen!
In seinem großen und großartigen Entwurf über die Vorbereitung der Christenheit auf das Jahr 2000 stellt der Hl. Vater, Papst Johannes Paul II., "die selige Jungfrau Maria, erwählte Tochter des Vaters, den Gläubigen vor Augen als vollkommenes Beispiel der Liebe sowohl gegenüber Gott, wie gegenüber dem Nächsten" um schließlich den Christen aller Konfessionen mit dem Apostel zuzurufen: "Was Christus euch sagt, das tut" (Joh 2,5). Über diesem "ganzen weitgespannten Horizont" der Vorschau des Papstes auf das Jahr 2000, dem Jahr der Eucharistie und der Danksagung an die allerheiligste Dreifaltigkeit, steht also das Imperativ der Muttergottes: Was Er euch sagt, das tut! Gerade weil es die Mutter Jesu war, die diese Worte sprach, soll verdeutlicht werden, was Katholiken unter Marienverehrung verstehen. In seinem Apostolischen Schreiben "Tertio millenio adveniente" sieht der Papst die Krönung der "ökumenischen und universalen Dimension des Jubeljahres" verwirklicht in "einem denkwürdigen panchristlichen Treffen". Maria ist eindeutig die Brückenfunktion zwischen den christlichen Konfessionen - ja sogar zwischen den monotheistischen Religionen zugewiesen.
Prüfstand der Ehrlichkeit für die Ökumene heute
Längst sind jene Zeiten der Mottenkiste anvertraut, in welchen die "Papisten" den "Ketzern" alles nur denkbare an Unchristlichem - und diese wiederum den Ersteren die "Anbetung" Marias, um nur ein Beispiel zu nennen, vorwarfen. Der heutige Stand der Ökumene kann in der vom II. Vatikanum verlangten Toleranz dem Andersgläubigen gegenüber ausgemacht werden. So banal dies klingt, stimmt es dennoch: Auch dies mußte von der "ersten ökumenischen Generation" gelernt werden. Fehler waren unvermeidlich auf allen Seiten. Die bis heute mühsam erreichte Toleranz aber zwingt uns, über die jeweilen andere christliche Konfession nur noch streng genommen das zu sagen, was diese in ihren Lehräusserungen als Glaubensgut festgelegt hat. Hier setzt der ökumenische Wert der genauen Kenntnis marianischer Dogmen an. Ohne gleich die ganze Mariologie der römisch-katholischen Kirche im einzelnen erklären zu wollen soll jedem, dem Katholiken wie dem Protestanten, ein Minimum dessen nahegelegt werden, was die katholische Kirche über Maria bindend aussagt.
Auch wenn der ganze Inhalt von manch einem protestantischen Mitchristen (noch) nicht geteilt werden kann, möge man, in großer Toleranz gegenüber der Glaubensüberzeugung des anderen, wie soeben erwähnt, bei jeder Erwähnung Marias hinzufügen, daß dies die katholische Kirche so lehrt und hält, unter Weglassung überalterter Klischees und Vorurteilen. Erst wenn die Katholiken die seit Jahrhunderten gewachsenen Strukturen der Kirchen der Reformation in deren Sinne - und die Mirchristen der protestantischen Kirchen die in den Konzilien festgelegten bindenden Glaubenssätze in unserem Sinne weitergeben und bereit sind zu interpretieren, kann man von einem echten Fortschritt in der Ökumene, vielleicht sogar vom großen Durchbruch, der uns den Horizont der Einheit in Christus erblicken läßt, reden. Daher müssen die Katholiken endlich den Schritt wagen, in offenem, ökumenischem Geist darzulegen, was die katholische Kirche, insbesondere im Lichte des II. Vatikanums, in bestimmten Glaubensartikeln aussagt, welchen Glaubensinhalt und Glaubensbindung sie in die Lehrsätze legt. Wenn wir wirklich Ökumene wollen - und wer will das nicht? -, dann müssen wir in der Tat damit anfangen, offen miteinander auch über jene Themen zu reden, bei denen wir uns vordergründig einbilden, dies oder jenes könnte der Ökumene schaden. Echte Ökumene kann demnach nur dort erspriessen, wo die Gesprächspartner alles offen auf den Tisch legen.
Von diesem Gedanken lassen wir uns leiten, wenn wir hier über Maria schreiben. Nur die Kenntnis und die Annahme des anderen in seinem Anders-sein kann das ökumenische Gespräch ehrlich werden lassen und vorantreiben. Abgesehen davon tut es auch vielen Katholiken gut, die ökumenische Dimension katholischer Mariologie aufzufrischen bzw. selber kennen zu lernen.
"Maria ist nicht nur katholisch"
Die ganze christliche Welt ist sich dessen bewusst, dass Maria jene Frau ist, die gerade in unserer Zeit dazu berufen ist, die verschiedenen christlichen Konfessionen zur Einheit in und mit Christus zu führen. Es gibt ernste Anzeichen dafür, dass auch die protestantische Welt sich dieser Erkenntnis nicht mehr verschliessen kann, nachdem über vierhundertfünfzig Jahre lang die "Marienverehrung" eine "rein katholische" Angelegenheit war. Aber Maria ist weder katholisch, noch sonstwas - sie ist schlicht und einfach die Mutter unseres Herrn und Gottes Jesus Christus. Nur wer diese letzte Aussage nicht voll bejahen kann, wird sich scheuen, Maria das gebührende Lob und die Anerkennung zu geben.
Schon im Evangelischen Erwachsenekatechimsus (Gütersloh 1975, S. 392) lesen wir erstmals seit langer Zeit die späte, doch richtige Einsicht: "Maria ist nicht nur ‘katholisch’, sie ist auch ‘evangelisch’. Protestanten vergessen das leicht. Aber Maria ist ja die Mutter Jesu, ihm näher als seine nächsten Jünger. Mit welcher Menschlichkeit zeichnet das Neue Testament diese Nähe, ohne Marias Abstand von Jesus zu verschweigen!" Hier wird, als gemeinsamer Anknüpfungspunkt im ökumenischen Gespräch, die geschichtliche Existenz Marias angesprochen. Und genau auf diese geschichtlich-persönliche Existenz bezieht sich auch das Dogma der Unbefleckten Empfängnis. Mögen die historisch greifbaren Tatsachen über Maria auch spärlich sein (die Bibel beschreibt ja das Leben Jesu und nicht das Marias oder der Apostel, mit Ausnahme der Apostelgeschichte, die sich zum grossen Teil mit den Reisen des Apostel Paulus beschäftigt), dennoch findet sich bei Lukas schon sowas wie ein "Marienbild". Daher können Kirchen, deren einzige Glaubensquelle die Bibel ist ("sola scriptura"-Prinzip), nicht darauf verzichten, gerade diese Aussagen, die vorhanden sind, auszuwerten. Schliesslich kann für Menschen, die sich zu Christus bekennen, die Mutter Jesu nicht ohne Bedeutung sein. Es gibt eine ganze Reihe von Gründen für die Christen aller Konfessionen, die positive Bedeutung Marias im Heilsgeschehen unserer Erlösung hervorzuheben und zu einer echten und ehrlichen Marienfrömmigkeit zurückzufinden.
Maria, Mutter Jesu und der Kirche
Maria, die seit Ewigkeit auserlesene Tochter des Schöpfergottes, der Mutter des Eingeborenen Sohnes Gottes Jesus Christus und die unbefleckte, makellose, sündenfreie Braut des Heiligen Geistes ist dem Denken des modernen Menschen irgendwie abhanden gekommen. Ohne hier eine Untersuchung über die Gründe dafür anstellen zu wollen, bemühen wir uns, auf dem positiven Pfad der Darstellung kirchlich verbindlicher Aussagen zu bleiben. Tatsache scheint zu sein, daß wer den Plan Gottes mit Maria nicht annimmt, Gefahr läuft, auch Gott zu verlieren! Es täuscht zu meinen, man könne in der Ganzheit biblischer Aussagen an Gott glauben, ohne dem einmaligen und großartigen Heilsplan Gottes in der Menschwerdung seines Sohnes aus der Jungfrau Maria den ihm geziemenden Platz einzuräumen.
Intuitiv verspürt es der Christ, daß der von Gott Vater in der Kraft des Heiligen Geistes zu uns gekommene Sohn Gottes selbst es war, der sich diese reinste aller Menschen zur Mutter auserkoren hat. So kommt es, daß die Kirche seit den ersten Zeiten ihres Bestehens in Maria ihre Mutter und Wegbegleiterin sieht. Mit Maria betet die Kirche, wie damals am ersten Pfingstfest bei der Herabkunft des Heiligen Geistes über die Apostel und die Mutter Jesu im Abendmahlssaal, um den Beistand des von Jesus und Gott dem Vater uns gesandten Geistes der Liebe und der Treue zur Offenbarung. Maria ist die Mutter der Kirche und die Mutter aller Menschen. Durch sie wollte Gott der Vater uns seinen Sohn Jesus Christus senden; in ihr wollte die Zweite Göttliche Person Mensch werden, ihre Pflege und menschliche Liebe dreissig Jahre lang genießen und ihr wollte er "untertan" sein. Maria aber "bewahrte" alles aus dem Leben Jesu "in ihrem Herzen" (vgl. Lk 2,51-52), um es den späteren Jüngern und Evangelisten preiszugeben. Darum baut marianische Hoffnung und Verehrung auf Jesus auf. Maria ist von Jesus genauso wenig abtrennbar wie Jesus von Maria. Nur in der Erkenntnis des Heilsplanes Gottes mit Maria können wir dem Anspruch der Erlösung gerecht werden. Freilich gehört Jesus, dem Gottessohn, ewige Anbetung, Lob und Verherrlichung - Maria jedoch dürfen wir mit dem größten Lob, der allen Lob der Heiligen übersteigt, verehren. So ist auch die Aussage des Credo, "geboren aus der Jungfrau Maria" im richtigen Sinne als ein Hinweis auf die ewige Mutterschaft Mariens zu deuten.
Das Verhältnis von Dogma und Schrift
Vielfachen Gegensätzen ausgesetzt, sich widersprechenden Meinungen gegenübergestellt und mit halben Wahrheiten täglich in Funk und Schrift berieselt (mit ihnen können katholische, ja ganz allgemein christliche Grundwerte und Wahrheiten am unauffälligsten geleugnet werden, da ihnen der Nachweis des Irrtums schwerfällt), stellt sich der Christ zum Ende dieses Jahrtausends die Frage nach der korrekten Antwort. In den meisten Fällen wird man daher katholischerseits keine andere Antwort geben, als die Antwort der Kirche: die für jedermann verbindlichen, unveränderbaren und in verschiedenen Konzilien festgelegten Grundsätze christlichen Glaubens. Es handelt sich um die verbindlichen Lehrsätze oder, mit einem Fremdwort ausgedrückt, die Dogmen.
Es bringt uns nicht weiter, die Dogmen der Kirche als "starr" und "unbeweglich" hinzustellen. Christus hat nun mal keine unverbindlichen Meinungen, sondern Wahrheiten mitgeteilt, er, der "die Wahrheit" selbst ist, dessen Wesen es ist, Wahrheit zu sein! (Joh 14,6). Wahrheit hat mit Starrheit nichts zu tun, aber christliche Wahrheit ist unbeweglich, weil das Wesen Gottes Änderungen in sich ausschließt! Wer es der Kirche nicht zumutet, die Lehren Jesu in gültiger und Gott wohlgefälliger Weise festzulegen beziehungsweise die als Wahrheit erkannten Glaubenssätze in jeder Zeit gültig und authentisch zu interpretieren, das ist gutes katholisches Glaubensgut, der widerspricht den Worten Jesu, nach welchen seine Gründung auf Erden, die Kirche, die zu seinen Lebzeiten einem Senfkorn gleicht, welche aber nach seinem Weggang heranwachsen wird zu einem großen Baum (vgl. Mt 13,31-32); und er widersetzt sich der Tätigkeit des Heiligen Geistes, den der Vater im Namen Jesu, also im Auftrag des Erlösers, (nach Jesu Himmelfahrt!!) senden wird, und der "alles lehren und euch an alles erinnern wird, was ich euch gesagt habe" (Joh 14,26).
Schließlich ist noch eines zu beachten. Während wir eben sahen, daß Christus einerseits seinen Aposteln den Hl. Geist als Beistand in der Auslegung seiner Worte anvertraute, das heißt eine spätere Tradition, eine rechtmäßige Überlieferung seiner Lehren grundlegte (der Grund, warum christliche Kirchen, mit Ausnahme der Kirchen der Reformation, die Überlieferung als genauso wichtig wie die Schrift halten), hat er anderseits weder einen Auftrag gegeben, seine Worte aufzuschreiben, noch hat er selbst seine Worte auf Pergament gebracht, wie es damals in Rom und Athen die Großen dieser Welt schon mit geübter Hand taten. Die Bibel entstand in der Folge des gepredigten Wortes - was ihrem göttlichen Ursprung im Sinne der Inspiration (Eingebung durch den Heiligen Geist) absolut nicht abträglich ist; ja, ich bin davon überzeugt, daß genau das Gegenteil der Fall ist: Weil das Wirken des Hl. Geistes am Pfingstfest in der Kirche Christi einsetzte, konnte in der Überlieferung des Wortes Christi heranwachsen, was der Erlöser selbst ausgestreut hat. Bibel und Überlieferung auseinanderzudividieren hieße, die Wirkkraft des Heiligen Geistes auf dem Pilgerweg der Kirche in seinen Anfängen schon zu leugnen und entzieht mancher pneumatologisch orientierten Sekte der Neuzeit die Berechtigungsgrundlage.
Da heute die im Heiligen Geist erkannten christlichen Wahrheiten über die Mutter Jesu vielfachem Unverständnis und verwirrender Umdeutung unterliegen, wollen wir uns in der Folge die Aussagen und Inhalte dieser Lehrsätze (Dogmen) näher betrachten.
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1. Lehrsatz: "MARIA IST IMMERWÄHRENDE JUNGFRAU"
Die Bezeugung des Glaubenssatzes in der Überlieferung der Kirche
Die Aussagen des Lehramts der Kirche Die Christusbezogenheit des Glaubenssatzes
Die Problematik des Glaubenssatzes und heutige Zweifel Argumente für die Jungfrauenlehre der Kirche
Die Bedeutung des Glaubenssatzes
Die sechzehnte Erscheinung in Lourdes
"Von innerer Gewalt gedrängt stand Bernadette schon früh auf, besuchte die hl. Messe und eilte zur Grotte. Früher erschien die Dame immer erst nach andächtigem Gebete. Dieses Mal hatte sie gleichsam auf Bernadette gewartet und lächelt. Überwältigt von dieser Freundlichkeit, fragt das Kind inständig: 'Madame, haben Sie die Güte und sagen Sie mir, wer Sie sind.' Auf die dritte Anfrage hin faltet die Dame ihre Hände und antwortet im Dialekt von Lourdes: "Qué soy éra Immaculada Councepciou". - Ich bin die Unbefleckte Empfängnis. Und ein drittes Mal bittet sie: "Ich wünsche eine Kapelle hier." So lesen wir im Bericht über die Erscheinungen.
Von hier ausgehend möchte ich von einem fundierten dogmatischen Hintergrund her das erste marianische Dogma der röm.- kath. Kirche beleuchten. Dies, wie erwähnt, da gerade in unseren Tagen die Dogmen unserer Kirche und insbesondere die Lehraussagen über Maria ins heftige Kreuzfeuer der Leugnung, Preisgabe und Verzerrung gelangt sind. Mit diesem Hinweis auf die Rolle Mariens im christlichen Glauben soll ein solides Glaubens- und Kenntnisfundament angeboten sowie die Liebe und Hingabe an Maria gefördert werden.
Die Bezeugung des Glaubenssatzes in der Überlieferung der Kirche
Seit dem 4. Jahrhundert glaubt die Kirche ausdrücklich als Tatsache, das heißt in geschriebener Form, daß Maria immerwährende Jungfrau ist. Diese Überzeugung schließt drei verschiedene Glaubensinhalte ein.
1. Die Jungfrauschaft Marias bis zur Empfängnis Jesu. Dies besagt, daß die Menschwerdung Jesu nicht auf menschliche Zeugung, sondern auf ein Tätigwerden des Schöpfergottes zurückzuführen ist.
2. Die Jungfräulichkeit in der Geburt Jesu. Der eigentliche Geburtsvorgang ist in außerordentlicher, die natürliche, biologische Unversehrtheit der Mutter nicht berührender Weise vor sich gegangen.
3. Die lebenslange Jungfräulichkeit Marias, das heißt, Maria ist auch nach der Geburt Jesu Jungfrau geblieben.
Der biblische Hintergrund dieser drei Momente ist unterschiedlich. Die Kindheitsgeschichten bei Matthäus und Lukas setzen die erste und die dritte Aussage eindeutig und klar voraus. Das zweite Moment bleibt überhaupt außerhalb der neutestamentlichen Aufmerksamkeit, da es, nach der überzeugten Darlegung des ersten Moments überhaupt keinen Zweifel gibt, dies bekräftigen zu müssen. Ferner ist die immerwährende Jungfrauschaft der Muttergottes von den Anfängen an Gegenstand ungezählter Verlautbarungen der Kirche, auch solcher feierlicher Natur. Für den Theologen kann es keinen Zweifel geben, daß auch in dieser Lehre ein Offenbarungselement ausgedrückt wird: er muß sie als de fide d.h. zum Glaubensgut unzertrennbar gehörend, zum Glauben verpflichtend, bezeichnen.
Die Aussagen des Lehramts der Kirche
Die jungfräuliche Empfängnis wird in den frühchristlichen Glaubensbekenntnissen in dem Moment schriftlich bezeugt, als sich das ursprünglich an Gott dem Schöpfer orientierte Bekenntnis um die Aussage von der Menschwerdung des Sohnes Gottes erweitert. Jesus wird dort als der vom Heiligen Geist und aus der Jungfrau Maria Geborene bezeichnet. Spätestens seit dem Beginn des 3. Jhs gehört diese Aussage zum Bestand der in der Liturgie gebräuchlichen Bekenntnisgebete. Sie wird dann auch von den konziliaren Glaubensbekenntnissen des 4. und 5. Jhs. übernommen. So erklärt das Konzil von Konstantinopel (381): "Für uns Menschen und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen. Er hat Fleisch angenommen durch den Hl. Geist aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden." (Großes Glaubensbekenntnis der Messe).
Seitdem verschwindet dieses Bekenntnis nicht mehr aus dem Lehrgut der Kirche. Gegebenenfalls wird es lebhaft gegen Irrlehren verteidigt, was aus den Schriften katholischer Theologen in großer Regelmäßigkeit hervorleuchtet.
Die jungfräuliche Geburt ist eine Lehraussage, die sich seit dem 3. Jh. langsam in der Kirche ausbreitet. Als ersten deutlichen kirchenamtlichen Text muß hier ein Passus, von italienischen und afrikanischen Bischöfen der Lokalsynode im Lateran (649) vorgelegt, Erwähnung finden. Sein Hauptthema galt der Bekämpfung der Irrlehre des Monotheletismus. Indem sie sich gegen diese Irrlehre wenden, beschreiben sie vier Merkmale Marias:
"Wer nicht mit den heiligen Vätern im eigentlichen und wahren Sinne die heilige und immer jungfräuliche und unbefleckte (1) Maria als Gottesgebärerin bekennt, da sie eigentlich und wahrhaft das göttliche Wort selbst, das vom Vater vor aller Zeit gezeugte, in den letzten Zeiten, ohne Samen, vom Heiligen Geist empfangen (2) und unversehrt geboren (3) hat, indem unverletzt blieb ihre Jungfrauschaft auch nach der Geburt (4): der sei verurteilt."
Die lebenslange Jungfräulichkeit der Gottesmutter hat die Kirche seit alters festgehalten, auch wenn der eine oder andere Kirchenvater vor dem 4. Jahrhundert die gegenteilige Überzeugung nicht für glaubenswidrig hielt. Jedoch schon seit dem 4. Jh. nimmt diese Überzeugung im Ausdruck "semper virgo", d.h. immerwährende Jungfrauschaft, Gestalt an. Das 2. Konzil von Konstantinopel (553) verwendet ihn schon wie selbstverständlich in seinen Lehrdokumenten.
Die Christusbezogenheit des Glaubenssatzes
Die glaubensinhaltliche Eröffnung der kirchlichen Lehre über Maria muß davon ausgehen, daß die drei erwähnten Momente der Jungfräulichkeit nicht unmittelbar Maria, sondern der Absicherung des christologischen Dogmas: "Gott ist Mensch" dienen. Der zweite Artikel des Credo: "Und an Jesus Christus seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn" ist ein Christusbekenntnis. Offensichtlich aber konnten und wollten die alten Kirchenväter im Kontext der gegenwärtigen Erlösung die Geburt Jesu nicht erwähnen, ohne auf die Jungfrauenempfängnis zu sprechen zu kommen. Schon der Völkerapostel Paulus hat die Erkenntnis, daß der am Ostersonntag glorreich von den Toten Erstandene der Sohn Gottes war, bis an den Anfang des Lebens Jesu verlängert (Gal 4,4). Matthäus und Lukas greifen das bei ihm nur andeutungsweise Gesagte in den Einleitungen ihrer Evangelien auf in der Erzählung von der Geburt aus der Jungfrau. Die lehramtlichen Aussagen über Maria sind also ganz vom Osterereignis her und ganz christuszentriert zu verstehen. Erst sekundär dienen sie auch der Umschreibung der Bedeutung und der Persönlichkeit Marias, die diese in der Heilsgeschichte hat. Der gleiche Grund erklärt auch, weshalb die jungfräuliche Empfängnis erst spät in den Horizont der neutestamentlichen Schriften in Erscheinung tritt: das Nachdenken über Ostern führt allmählich zu den konkreten Aussagen über Maria. Weil die Mutter Christi heilsgeschichtliche Bedeutung hat, besagt der tiefere Inhalt dieser Lehre dann auch etwas über die anthropologische und religiöse Bedeutung der auf die sexuelle Selbstverwirklichung im anderen Geschlecht verzichtenden Existenz. Sie wird durch die Sätze von der geburtlichen und lebenslangen Jungfrauschaft der Mutter Jesu geklärt und vertieft. Diese haben also ihren Sinn in einer sich an Maria orientierenden christlichen Sicht des menschlichen Wesens.
Die Problematik des Glaubenssatzes und heutige Zweifel
Man kann nicht sagen, daß die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens in der Kirche fraglos gewesen sei; gerade in den ersten Jahrhunderten der Geschichte der Mariologie gab es nicht unerhebliche Irritationen. Dennoch ist spätestens seit der Mitte des ersten Jahrtausends aufs ganze gesehen die Lehre innerhalb der gesamten Christenheit unangefochten. Sie bleibt es auch über die Glaubensspaltungen des 11. und des 16. Jhs. Erst in der Neuzeit gerät sie unter Kritik. Diese setzt an verschiedenen Punkten an.
a) Vom naturwissenschaftlich-biologischen Denken her schien es unmöglich, daß menschliches Leben anders denn durch sexuelle Zeugung entstehen könne. Zudem sind wir in unserem wissenschaftsgläubigen Jahrhundert daran gewöhnt, als streng wissenschaftlich nur das zu akzeptieren, was im Labor bzw. in der Praxis unter denselben Voraussetzungen jederzeit nachvollziehbar oder multiplizierbar ist. Jungfrauengeburt ist jedoch weder nachvollziehbar, wissenschaftlich beweisbar, noch irgendwie wiederholbar. Sie ist an den einmaligen, unwiderruflichen Erlösungswillen Gottes gebunden und nur im Glauben faßbar.
b) Dem kommt hinzu, daß religionsgeschichtliche Erkenntnisse scheinbare Parallelen zur Jungfrauengeburt Marias bei heidnischen Autoren zutage förderten, wonach Jungfrauengeburten offenbar zu gängigen antiken Vorstellungen gehörten. Ohne Scham verfällt auch die katholische Exegese unserer Zeit vereinzelt dem Irrtum, Marias Jungfrauengeburt in die Reihe dieser heidnischen Götterwelt einzuordnen. Insbesondere extreme feministische Theologie knüpft an diesem fatalen Irrtum an und widersetzt sich so einer von Anfang an geglaubten Offenbarungswahrheit. Von der ernsten Theologie her ließen sich diese Einwände relativ leicht entkräften, denn zu den christlichen Grundüberzeugungen gehört jene von der Allmacht und Schöpferkraft Gottes. Nimmt man sie an und stellt man sich damit mitten in den Glauben hinein, gibt es keine ernstlichen Einwände dagegen, daß Gott zwar nicht die Naturgesetze aufhebt, sie aber dergestalt in den Dienst seines Willens nehmen kann, daß er die von ihm gewünschten Wirkungen hervorbringt.
c) Eine genauere Analyse der heidnischen "Jungfrauen"-Sagen zeigt, daß es sich bei den diesbezüglichen Berichten allenfalls um Analogien zum biblischen Bericht handelt. Wenn im Mythos ein Mensch aus einer Verbindung eines Mädchens mit einer "Gottheit" entspross, handelte es sich stets um eine sexuelle Verbindung, um eine in sich normale Zeugung, bei der irgend einer der vielen Götter den Part des menschlichen Mannes übernahm. Gerade dies aber schließen die Kindheitsevangelien und die gesamte spätere christliche Tradition aus.
d) Theologisch wesentlich ernster zu nehmen waren die Einwände, die sich von den Untersuchungen der historisch-kritischen Exegese aus erhoben. Sie versuchten nachzuweisen,
- das die Kindheitsgeschichte keine "historischen Reports" sind;
- daß der lebenslangen Jungfrauenschaft Marias von vielen Texten der Bibel widersprochen zu werden scheint;
- daß endlich die Vorstellungen einer geburtlichen Unversehrtheit Marias den Aussagen über den Gottmenschen Jesus Christus widersprächen.
Ist die Jungfrauenempfängnis also eine nur-theologische Aussage, oder ist sie doch auch ein geschichtliches Ereignis? So stellt sich die Frage. In diesem Zusammenhang kann man wohl auch nicht ungerührt an der Tatsache vorbeigehen, daß heute sehr viele Katholiken keinerlei Zugang, Verständnis oder Bindung mehr zu diesem Glaubenssatz haben.
Argumente für die Jungfrauenlehre der Kirche
Es werden im allgemeinen folgende fünf Begründungen zur Stützung des Dogmas herangezogen:
- Die Reinheit und Sündenlosigkeit Jesu wie auch Marias lassen es als notwendig erscheinen, daß seine Zeugung auf die direkte Einwirkung der Kraft Gottes zurückzuführen sei. Zu dieser Auffassung tragen auch viele offizielle liturgische Texte bei. (Vgl. die "Präfation von der sel. Jungfrau Maria" im dt. Meßbuch S. 419: "Vom Heiligen Geist überschattet, hat sie deinen eingeborenen Sohn empfangen und im Glanz unversehrter Jungfräulichkeit... geboren.")
- Die Notwendigkeit eines Ausschlusses der Erbsünde von Jesus erfordert eine nichtsexuelle Zeugung.
- Die sexuelle Zeugung hätte die radikale Verfügbarkeit Marias geschmälert und sie ins Partikuläre des Generationenprozesses versetzt. (H.U. v Balthasar).
- Die wunderbare Empfängnis war für Maria und Josef ein Hinweis auf die Messianität ihres Kindes.
- Als tiefster Grund wird angeführt, daß die Gottessohnschaft Jesu letztendlich diese Weise der Menschwerdung erforderlich mache. (Diese Aussage führt vor allem H.U. v. Balthasar ins Feld).
In seinem Buch "Die Tochter Zion" schreibt Ratzinger: "Die jungfräuliche Geburt ist der notwendige Ursprung dessen, der der Sohn ist, und der darin auch erst der messianischen Hoffnung einen bleibenden und über Israel hinausweisenden Sinn gibt."
Die Bedeutung des Glaubenssatzes
Ist Maria tatsächlich durch Überschattung des Hl. Geistes schwanger geworden, dann kann das mit empirischen (d.h. mit Methoden der Erfahrung durch Beobachtung und Vergleich) oder historischen Mitteln nicht nachgewiesen, aber auch nicht bestritten werden, weil sich das Wirken des Geistes Gottes unserer Erfahrung entzieht. Die jungfräuliche Empfängnis Jesu ist eine Aussage vom Horizont des Ostergeschehens aus. Wie der Überstieg aus der Geschichte in Gottes Herrlichkeit, ist auch sein Einstieg ein Geschehen, in dem der Gottessohn die Grenze menschlicher Erfahrbarkeit überschreitet. Diesen Weg zeichnet das biblische Verständnis über die jungfräuliche Empfängnis Jesu. Diese Dimension kann zwar nicht nachgewiesen, wohl aber glaubend akzeptiert werden, weil sich darin göttliches Handeln widerspiegelt. In Jesus Christus ist das Biologische geistig-geistlich, das Göttliche leibhaftig geworden. Grundlage des kirchlichen Glaubens über die Jungfrauengeburt ist also die Menschwerdung des Gottessohnes.
Bei der Betrachtung dieses marianischen Dogmas darf die in der Bibel sehr klar formulierte Wirkkraft des Geistes Gottes nicht übersehen werden. Die Schwangerschaft Marias wird durch den Hl. Geist bedingt. Dadurch erscheint der Heilige Geist, die Dritte Göttliche Person, in der Heilsgeschichte in Einheit und zugleich trinitätsentsprechender Verschiedenheit zum Vater und Sohn.
Seine Übernatürlichkeit wird dadurch hervorgehoben, daß er deutlich nicht als Mariens Partner, sondern als göttliche Ursache der Zeugung Jesu beschrieben wird. Seine Wirkkraft ist daher mit den Erdentagen Jesu nicht beendet. Indem er den Geist in seine Kirche sendet, lebt Jesus in ihr real weiter - die Kirche hingegen ist real sein Leib, Gottes Volk und Grundsakrament des Christusheils.
Nicht an letzter Stelle ist durch die jungfräuliche Zeugung Jesu auch die wesentliche Gestalt von Jungfräulichkeit sichtbar geworden. Ihr eigentlicher Sinn ist nicht negativ, die Enthaltsamkeit oder gar die Verweigerung der menschlichen Geschlechtlichkeit, sondern positiv, eine Bewahrung der eigenen Integrität und Menschlichkeit für eine andere Person, in unserem Falle die Dritte Göttliche Person, um für diese und mit dieser fruchtbar zu werden. Jungfräulichkeit ist Haltung, nicht Enthaltung. Sie hat also ihrem Wesen nach einen positiven Charakter.
Bei Maria geht die jungfräuliche Bewahrung nicht auf der biologischen Ebene in der Gemeinschaft mit einem anderen Mann auf, sondern auf der Ebene von Gnade und Glaube in der Gemeinschaft mit Gott. Jungfräuliche Mutterschaft ist unter diesem Aspekt kein Widerspruch, keine Zusammenbindung widerstrebender Sachverhalte, sondern eine durchaus sinnenhafte und innerhalb des göttlichen Heilsplanes auch (theo-)logische Folgerung aus dem
Wesen menschlicher Jungfrauschaft überhaupt. Genau diese Kompromißlosigkeit zeichnet Maria vor allen anderen Menschen aus. Die aus ihrer Erwählung sich ergebende intensive Hinwendung zu Christus, ja Jüngerschaft und Nachfolge überhaupt, sind grundsätzlich, im Fall Marias auch tatsächlich, total. Sie macht ihre Zusage an Gott und damit ihre Mütterlichkeit zu ihm in keinem Moment mehr Rückgängig. Sie bleibt vollkommen in Gottes Gnade.
Erst recht gilt das von der Dimension der jungfräulichen Geburt. Sie ist gleichfalls ein Ausdruck für die vollendete Jüngerschaft, in der die endgültige Bestimmung des Menschen ausreift und sich im Eingehen zu Gott verwirklicht.
Auch hier gilt der alte Grundsatz: Was nicht von Christus aufgenommen wird, das wird auch nicht erlöst. Gerade in der Geburt des Gottessohnes erweist sich Maria als echte Partnerin im Heilsplan Gottes.
2. Lehrsatz:
"MARIA WURDE OHNE MAKEL DER ERBSÜNDE EMPFANGEN"
Maria ist heilig und sündenlos Die Würde Marias entspringt ihrer Erwählung Die Gnadenfülle Marias
Maria ist von der Erbschuld bewahrt geblieben
Die marianischen Dogmen wurden nicht zufällig als verbindlich definiert. Seit der Zeit der Apostel, dieselben eingeschlossen, geglaubt, wurden sie in die mündliche Weitergabe des Evangeliums Jesu Christi miteinbezogen und gelehrt. Erst als verschiedene Irrlehren die wahre Menschheit Christi zu leugnen begannen, führte dies folgerichtig auch zur Leugnung der wahren Mutterschaft Mariens. Jedoch auch umgekehrt läßt sich feststellen: Die später folgende Leugnung der wahren Gottheit Christi führte geradewegs zur Verneinung der Gottesmutterschaft Mariens. Die Gottesmutterschaft Mariens wurde ausdrücklich von den Nestorianern bestritten, die Maria den Titel "Gottesgebärerin" aberkannten und sie nur als "Menschengebärerin" sehen wollten. In dieser geschichtlichen Entwicklung wird schon fürs erste klar, daß man die marianischen und christologischen Dogmen nicht voneinander trennen und einzeln behandeln kann, zieht doch die Leugnung des einen unweigerlich auch die Verneinung des anderen mit sich. Eine Tatsache, die wir auch in unseren Tagen auffällig bemerken können.
Maria ist heilig und sündenlos
Das Zweite Vatikanische Konzil sagt über Maria (Lumen Gentium 56): "Sie umfing den Heilswillen Gottes mit ganzem Herzen und von Sünde unbehindert und gab sich als Magd des Herrn ganz der Person und dem Werk ihres Sohnes hin und diente so unter ihm und mit ihm in der Gnade des allmächtigen Gottes dem Geheimnis der Erlösung. Mit Recht sind also die heiligen Väter der Überzeugung, daß Maria nicht bloß passiv von Gott benutzt wurde, sondern in freiem Glauben und Gehorsam zum Heil der Menschen mitgewirkt hat."
Die Auserwählung Marias
Heiligkeit ist im eigentlichen Sinne des Wortes eine Ur-Eigenschaft Gottes. "Denn Du allein bist der Heilige", beten wir im Gloria der hl. Messe. Er ist der Heilige in und aus sich selbst! Im abgeleiteten Sinn bezeichnet man sodann mit "heilig" jene Ebene der Menschen, auf der sie in einer bestimmten Nähe zu Gott stehen. Der Mensch kann sich, anhand seines freien Willens, ändern, währenddessen der Heilswille Gottes uns gegenüber unverändert bleibt. Erreicht der Mensch nun eine "gottähnliche" unveränderte Ebene in seiner Gottesbeziehung, welche nie auf der Leistung des Menschen, sondern immer auf der Gnade Gottes aufruht, so sprechen wir von einem besonderen Ruf Gottes, einem Charisma oder von der Heiligkeit eines Menschen. Auch Paulus nennt schon seine Adressaten "Heilige" (vgl. dazu Röm 1,7; 15,25; 1 Kor 1,2,; 16,1.15; 2 Kor 8,4). Hier ist an zweierlei gedacht: an die Heiligkeit, die jedem Menschen innewohnen muss anhand seiner Taufe (= Auserwählung in Tod und Auferstehung Jesu) und an den eben erwähnten besonderen Ruf Gottes zur Heiligkeit.
Unter diesen Aspekten wird die kirchliche Überzeugung von der Heiligkeit und Sündenlosigkeit der Gottesgebärerin verständlich.
Die Berufung Marias zur Gottesmutterschaft als Gottesgebärerin ist eine in der Heilsgeschichte einmalige Erwählung. So definiert schon das Konzil von Ephesus (431) gegen die Irrlehre des Nestorius das Dogma (de fide/zum Glauben verpflichtend): "Wenn jemand nicht bekennt, dass Christus in Wahrheit Gott ist und dass deswegen die Heilige Jungfrau Gottesgebärerin ist - denn sie hat dem Fleische nach den aus Gott stammenden fleischgewordenen Logos [das "Wort"] geboren -, so sei er im Banne." Sämtliche folgenden Konzile bestätigten diese Lehre des Epheser Konzils. Dieses Dogma umfasst zwei Wahrheiten:
a) Maria ist wahrhaft Mutter und
b) Maria ist wahrhaft Gottesmutter, da sie den Sohn Gottes geboren hat.
Die heilige Sündenlosigkeit Marias ist also ganz und gar eine Tat Gottes selber. Reden wir also von der Heiligkeit, von den Vorzügen, ja von der der kindlichen Hingabe an die Mutter Jesu, dann ist dies in letzter Instanz ein Loblied auf die Heiligkeit Gottes, ein Dank an die Erwählung und die Erlösung durch Jesus Christus, die Zweite Göttliche Person.
Die Würde Marias entspringt ihrer Erwählung
Der hl. Thomas von Aquin bezeichnet die Würde Marias in einem gewissen Sinn als "unendlich", ist sie doch anhand ihrer Auserwählung durch den Vater in der Kraft des Heiligen Geistes zur Mutter einer unendlichgen Person, der Zweiten Göttlichen Person geworden. (Vgl. S.th. I 25,6 ad 4). Die Kirchenväter loben Maria in erhabenen Versen und Lobgesängen, in Predigten und Schriften als ihre Herrin und Königin. "Fürwahr, im eigentlichen und wahren Sinne ist sie Gottesgebärerin und Herrin; sie gebietet über alle Geschöpfe, da sie zugleich Magd und Mutter des Schöpfers ist" (Johannes Damascenus, De fide orth. IV 14).
Wir sagten oben, dass die Heiligkeit des Menschen von der Nähe zu Gott abhängig ist. Dies bezieht sich in eminentem Masse auch auf seine Würde. Maria hat diese Würde in Demut angenommen und preist ihre Nähe zu Gott im Magnifikat: "Herabgeschaut hat der Herr auf seine niedrige Magd, darum werden mich seligpreisen alle Geschlechter."
Biblisch angedeutet ist die Gnadenfülle Marias im Gruss des Engels: Gegrüsset seist Du, Maria, "Du bist voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir!" Aus dem Alten Testament wissen wir, dass nur Gott allein sich das Prädikat: "Ich bin der »Ich-bin«", der ewig in der Gegenwart Lebende, zulegte. Der ganze Zorn der Pharisäer ergoss sich des öfteren auf Jesus ob seiner "Anmassung", dasselbe Wort auch auf sich zu bezihen: "Ich bin... das Brot des Lebens, ...der Weg, das Leben und die Wahrheit, ...der gute Hirte". Nun aber verwendet der Engel eine fast ähnliche Ansprache: "...Maria, »Du bist« voll der Gnaden, der »Ich-bin« ist bei Dir"!
Der hl. Thomas von Aquin begründet die Gnadenfülle Marias so: "Je näher etwas einem Prinzip steht, umso mehr empfängt es von der Wirkung des Prinzips. Maria steht aber unter allen Geschöpfen Christus, der Urgrund der Gnade ist, als seine Mutter, körperlich und geistig am nähesten. Folglich musste sie von ihm das höchste Mass der Gnaden empfangen. Die Bestimmung Marias, die Mutter des Sohnes Gottes zu werden, erforderte eine besonders reiche Gnadenausstattung" (S.th. II 27,5).
Der Kirchenlehrer Ephräm überliefert uns den Glauben der ersten christlichen Jahrhunderte über Maria (Carm. Nisib. 27): "Du und Deine Mutter, ihr seid die einzigen, die in jeder Hinsicht ganz schön sind; denn an dir, o Herr, ist kein Flecken; und kein Makel an Deiner Mutter." Und weiter heisst es bei demselben Kirchenvater, dass Maria ein Abbild Evas in ihrer Reinheit vor dem Sündenfall sei, ein Gegenbild jedoch, insofern Eva, nach dem Bericht der Bibel, die Ursache des Verderbens, Maria die Ursache des Heiles geworden ist. "Zwei unschuldige, zwei Einfache: Maria und Eva, waren sich ganz gleich. Später jedoch wurde die eine Ursache unseres Todes, die andere Ursache unseres Lebens" (Op. syr. II 327).
Wir sollten uns in einer Zeit, in der man sich gerne auf das Urchristentum bezieht, die Worte der Kirchenlehrer der ersten christlichen Jahrhunderte mehr und öfter ins Gedächtnis rufen!
Maria ist von der Erbschuld bewahrt geblieben
Die beiden neuzeitlichen Mariendogmen von der Unbefleckten Empfängnis und der Aufnahme Mariens in den Himmel können nicht auf empirisch nachprüfbare Tatsachen zurückgeführt werden. Sie knüpfen aber an die Realität der historischen Existenz Marias an.
Papst Pius IX. hat am 8. Dezember 1854 den Glaubenssatz: "Maria wurde ohne Makel der Erbsünde empfangen" im päpstlichen Rundschreiben "Ineffabilis" als von Gott geoffenbarte und darum von allen Gläubigen fest und standhaft zu glaubende Lehre definiert:
"Die seligste Jungfrau Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, rein von jedem Makel der Erbschuld bewahrt."
Der "erste Augenblick" der Empfängnis ist jener Zeitpunkt, in dem jede einzelne Seele, von Gott neu und einmalig erschaffen, dem von den Eltern gezeugten Leib eingegeben wird. Im allgemeinen wird die erste Zellteilung nach der Befruchtung als dieser Zeitpunkt angesehen. "Erbsünde" wiederum besagt den Mangel an heiligmachender Gnade, der allen Menschen in und durch die Zeugung weitergegeben wird und vom Sündenfall Adams herrührt. Maria blieb, so sagt dieser Glaubenssatz der Kirche, vor diesem Mangel bewahrt, so dass sie im Zustand der heiligmachenden Gnade ins menschliche Dasein trat. So hat sich Gott einen für ihn würdigen Weg zu den Menschen selbst gebahnt.
Auch das Protoevangelium (Gen 3,15) stellt Maria als jene Frau in die Mitte der kommenden Generationen, die in einem unüberwindbaren Gegensatz, ja Feindschaft, dem Geist des Hochmuts, dem Satan, entgegensteht. Jeder Hochmut muss an ihr zerbrechen, jeder Stolz zuschanden werden. Dieser Gegensatz bezieht sich sowohl auf ihre Nachkommenschaft als auch auf die des Satans, dem "Vater der Lüge von Anbeginn" (vgl. Joh 8,44). So besteht denn auch der grösste Triumph des Urprinzips der Sünde und der Verführung, des Satans, darin, die Menschen von der Heiligkeit und Reinheit Marias wegzuführen, was ihm im Laufe der Geschichte nicht selten auch gelungen ist. Der Triumph Marias jedoch ist vorausgesagt: Sie wird ihm den Kopf, den Sitz des Hochmuts und des Stolzes, zertreten. Zusammen mit Christus ist sie von Gott, dem Vater, zu einer vollendeten und siegreichen Feindschaft mit der Sünde berufen. Der Sieg Marias aber wäre kein endgültiger gewesen, wenn sie jemals, und sei es nur einen Augenblick lang, unter der Sünde gestanden hätte.
3. Lehrsatz:
"MARIA WURDE MIT LEIB UND SEELE IN DEN HIMMEL AUFGENOMMEN"
Die Gnadenvermittlung durch Maria
Seit dem sechsten Jahrhundert schon findet sich dieser Glaubenssatz in der theologischen Überlieferung vor. Papst Pius XII. verkündete in seiner Konstitution "Munificentissimus Deus" am Allerheiligentag des Jahres 1950 das Dogma:
"Nachdem Wir nun immer wieder inständig zu Gott gefleht und den Geist der Wahrheit angerufen haben, verkünden, erklären und definieren Wir zur Verherrlichung des allmächtigen Gottes, dessen ganz besonderes Wohlwollen über der Jungfrau Maria gewaltet hat, zur Ehre seines Sohnes, des unsterblichen Königs der Ewigkeit, des Siegers über Sünde und Tod, zur Mehrung der Herrlichkeit der erhabenen Gottesmutter, zur Freude und zum Jubel der ganzen Kirche, in der Kraft der Vollmacht unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und Unserer eigenen Vollmacht: es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen ist."
Vorgängig hatte Papst Pius XII. am 1. Mai 1946 an alle Bischöfe des Erdkreises die offizielle Anfrage gerichtet, ob sie und ihr Volk die feierliche Definition der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel wünschten. Fast alle Bischöfe der Welt hatten zustimmend geantwortet (ihre Namen sind in der Peterskirche zu Rom in der Apsis angebracht). Schon in seiner berühmten Enzyklika "Mystici Corporis" (1943) schreibt derselbe Papst, dass es von den Anfängen an zum Glaubensgut gehöre, dass Maria "jetzt im Himmel in der Herrlichkeit des Leibes und der Seele erstrahlt und zugleich mit ihrem Sohne herrscht".Tod und Zerfall des Leibes sind Straffolgen der Sünde. Maria aber ist die Unbefleckt Empfangene, die Sündenlose und Heilige. So war es nur geziemend, dass ihr Leib vor der allgemeinen Auflösung ausgenommen wurde.
Die Gnadenvermittlung durch Maria
In den Himmel aufgenommen, herrscht Maria mit Christus, ihrem göttlichen Sohne. Obwohl Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist (vgl. 1 Tim 2,5), so ist doch dadurch eine sekundäre, der Erlösung durch Jesus Christus unterworfene Mittlerschaft Marias nicht ausgeschlossen. Man wird in einem zweifachen Sinne Maria als Vermittlerin verehren.
1. Maria hat, durch den Willen Gottes dazu auserkoren, der Welt den Erlöser, die Quelle der Gnaden, vermittelt.
2. Maria bleibt auch im Himmel die Mutter Jesu. Daher wird seit ihrer Aufnahme in den Himmel keine Gnade ohne ihre aktuelle Fürbitte den Menschen zuteil.
Hier sei ein Blick in unsere Schwesterkirche, in die Kirchen der Orthodoxie, erlaubt. Die fast überschwenglichen Marienhymnen kreisen um Empfängnis und Geburt Jesu und bringen Maria das höchste Lob dar. Als Beispiel diene der Hymnos Akathistos, der mit der Begegnung des Engels Gabriel mit Maria beginnt und zur Verherrlichung Marias im Himmel führt. Auffällig ist dabei, dass die lange Reihe der Lobpreisungen Marias zwar immer deutlich in Beziehung zum Geheimnis der Menschwerdung gestellt werden, Maria jedoch hin und wieder zugeschrieben wird, was streng genommen nur von Christus selber zu sagen wäre. So zum Beispiel gleich in der erstem Strophe dieses östlichen Marienhymnus:
"Sei gegrüsst, durch dich leuchtet das Heil hervor;
sei gegrüsst, dunkel wird das Unheil vor Dir!
Sei gegrüsst, den gefallenen Adam richtest Du wieder auf;
sei gegrüsst, von ihren Tränen erlösest du Eva.
Sei gegrüsst, allem menschlichen Überlegen hoch überlegen bist du;
sei gegrüsst, so abgrundtief erschauen dich die Engel nicht einmal.
Sei gegrüsst, von Uranfang des Friedensfürsten Thron;
sei gegrüsst, denn du trägst den, der alles erträgt.
Sei gegrüsst, du Stern, der offenbart die Sonne;
sei gegrüsst, aus deinem Leib ward Gott der Menschensohn.
Sei gegrüsst, aus Dir wird die Schöpfung neu geboren;
sei gegrüsst, durch dich wirkt der Schöpfer ungeboren als Kind.
Sei gegrüsst, du jungfräuliche Mutter!"
Noch weiter wagt sich im Lobpreis Marias die sechste Strophe:
"Sei gegrüsst, du erneuerst die Würde des Menschen;
sei gegrüsst, zu Grunde gehen lässt du die Verführer.
Sei gegrüsst, zertreten hast du den betrogenen Betrüger;
sei gegrüsst, die vergötterten Abgötter hast du entthront.
Sei gegrüsst, du Meer, das verschlungen die Welt der Pharaonen;
sei gegrüsst, du Fels, daran getrunken, die nach Leben dürsten.
Sei gegrüsst, Flammenzeichen, welches die Umnachteten geführt;
sei gegrüsst, du Schutzmantel um aller Welt Drangsal.
Sei gegrüsst, du Nahrung, die das Manna abgelöst;
sei gegrüsst, denn du dienst uns mit heiliger Speise.
Sei gegrüsst, du Land der Verheissungen;
sei gegrüsst, daraus Milch und Honig fliesst
Sei gegrüsst, du jungfräuliche Mutter!"
Papst Johannes Paul II.: ROSARIUM VIRGINIS MARIAE
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1. APOSTOLISCHES SCHREIBEN "ROSARIUM VIRGINIS MARIAE"
SEINER HEILIGKEIT PAPST JOHANNES PAUL II.
AN DIE BISCHÖFE, DEN KLERUS, DIE ORDENSLEUTE UND DIE GLÄUBIGEN
ÜBER DEN ROSENKRANZ
DIE LICHTREICHEN GEHEIMNISSE Die Päpste und der Rosenkranz
Oktober 2002 – Oktober 2003: Jahr des Rosenkranzes Einwände gegen das Rosenkranzgebet
Weg der Betrachtung Gebet für den Frieden und für die Familie »Siehe, deine Mutter«
I. KAPITEL: MIT MARIA CHRISTUS BETRACHTEN
II. KAPITEL: GEHEIMNISSE CHRISTI – GEHEIMNISSE DER MUTTER
III. KAPITEL: "FÜR MICH IST CHRISTUS DAS LEBEN"
SCHLUSS »Gebenedeiter Rosenkranz Mariens, süße Kette, die uns an Gott bindet«
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1. Der Rosenkranz der Jungfrau Maria (Rosarium Virginis Mariae), der sich allmählich im zweiten Jahrtausend unter dem Wehen des Geistes Gottes entwickelt hat, ist ein durch das Lehramt empfohlenes beliebtes Gebet vieler Heiliger. In seiner Schlichtheit und Tiefe bleibt der Rosenkranz auch in dem soeben begonnenen dritten Jahrtausend ein Gebet von großer Bedeutung und ist dazu bestimmt, Früchte der Heiligkeit hervorzubringen. Dieses Gebet reiht sich gut ein in den geistigen Weg des Christentums, das nach zweitausend Jahren nichts von der Frische des Ursprungs verloren hat und das sich durch den Geist Gottes gedrängt fühlt, »hinauszufahren« ( »duc in altum!« ), um der Welt wieder und wieder Christus zuzurufen, noch mehr ihn »hinauszurufen« : Christus, als den Herrn und Erlöser, als »den Weg, die Wahrheit und das Leben« (Joh 14,6), als »das Ziel der menschlichen Geschichte, der Punkt, auf den hin alle Bestrebungen der Geschichte und Kultur konvergieren« .(1)
Tatsächlich ist der Rosenkranz, wenn auch von seinem marianischen Erscheinungsbild her charakterisiert, ein zutiefst christologisches Gebet. In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung(2) ist. In ihm erklingt das Gebet Marias, ihr unaufhörliches Magnificat durch das Werk der erlösenden Menschwerdung, die in ihrem jungfräulichen Schoß ihren Anfang nahm. Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen. In der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse schöpft der Gläubige Gnade in Fülle, die er gleichsam aus den Händen der Mutter des Erlösers selbst erhält.
2. Diesem Gebet haben viele meiner Vorgänger große Bedeutung zugemessen. Besondere Verdienste erwarb sich Papst Leo XIII., der am 1. September 1883 die Enzyklika Supremi apostolatus officio veröffentlichte,(3) eine Erklärung hoher Bedeutung, die am Beginn von zahlreichen anderen Äußerungen über dieses Gebet stand und in der der Papst auf dieses Gebet als wirksames geistiges Mittel angesichts der Übel der Gesellschaft hinwies. Unter den Päpsten der jüngeren Geschichte, die sich in der Konzilszeit durch die Verbreitung des Rosenkranzes ausgezeichnet haben, möchte ich an den seligen Johannes XXIII.(4) erinnern und vor allem an Paul VI., der im Apostolischen Schreiben Marialis cultus in Übereinstimmung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil den evangeliumsgemäßen Charakter des Rosenkranzgebetes und seine christologische Ausrichtung hervorgehoben hat.
Auch ich selbst habe in der Folge keine Gelegenheit verabsäumt, um zum häufigen Rosenkranzgebet zu ermutigen. Seit meinen Kinder- und Jugendjahren hat dieses Gebet einen wichtigen Platz in meinem geistlichen Leben eingenommen. Daran habe ich mich während meiner letzten Reise nach Polen erinnert, vor allem beim Besuch des Wallfahrtsortes Kalwaria Zebrzydowska. Das Rosenkranzgebet hat mich in Augenblicken der Freude und der Prüfung begleitet. Viele Sorgen habe ich in dieses Gebet hineingelegt und habe dadurch stets Stärkung und Trost erfahren. Vor vierundzwanzig Jahren, am 29. Oktober 1978, gerade zwei Wochen nach meiner Wahl auf den Stuhl Petri, habe ich mich, gleichsam mein Herz öffnend, wie folgt ausgedrückt: »Der Rosenkranz ist mein Lieblingsgebet. Er ist ein wunderbares Gebet, wunderbar in seiner Schlichtheit und seiner Tiefe. [...] Man kann sagen, der Rosenkranz ist in gewisser Weise ein Gebetskommentar zum letzten Kapitel der Konstitution Lumen Gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem Kapitel, das von der wunderbaren Gegenwart der Muttergottes im Geheimnis Christi und der Kirche handelt. In der Tat ziehen vor dem Hintergrund der Worte des Ave Maria vor den Augen der Seele die wichtigsten Ereignisse des Lebens Jesu vorbei. Sie bilden zusammen den freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz, der uns – so könnten wir sagen – durch das Herz seiner Mutter in lebendige Verbindung mit Jesus bringt. Gleichzeitig kann unser Herz in die Abfolge dieser Geheimnisse des Rosenkranzes alle Ereignisse einschließen, die das Leben des einzelnen, der Familie, der Nation, der Kirche und der Menschheit ausmachen; die persönlichen Erfahrungen und die des Nächsten, in besonderer Weise die jener Menschen, die uns am allernächsten stehen, die uns am Herzen liegen. So bekommt das schlichte Gebet des Rosenkranzes den Rhythmus des menschlichen Lebens« .(5)
Mit diesen Worten, meine lieben Brüder und Schwestern, stellte ich das erste Jahr meines Pontifikates in den täglichen Rhythmus des Rosenkranzgebetes hinein. Heute, am Anfang des fünfundzwanzigsten Jahres des Dienstes als Nachfolger Petri, möchte ich dasselbe tun. Wie viele Gnaden habe ich in diesen Jahren von der Heiligen Jungfrau durch das Rosenkranzgebet empfangen: Magnificat anima mea Dominum! Meinen Dank an den Herrn möchte ich mit den Worten der heiligsten Mutter ausdrücken, unter deren Schutz ich mein petrinisches Dienstamt gestellt habe: Totus tuus!
Oktober 2002 – Oktober 2003: Jahr des Rosenkranzes
3. Im Zuge der Überlegungen des Apostolischen Schreibens Novo millennio ineunte, in welchem ich das Volk Gottes nach der Erfahrung des Großen Jubiläums dazu eingeladen habe, »von Christus her neu aufzubrechen« ,6 erachte ich es als notwendig, eine Betrachtung über das Rosenkranzgebet zu entfalten. Diese dient gleichsam einer marianischen Krönung des genannten Apostolischen Schreibens, um in Gemeinschaft und in der Schule der Allerseligsten Mutter zur Betrachtung des Antlitzes Christi zu ermutigen. Den Rosenkranz beten ist tatsächlich nichts anderes, als mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten. Um dieser Einladung eine noch größere Bedeutung zu geben, nutze ich gerne die Gelegenheit, die sich durch den kommenden hundertzwanzigsten Jahrestag der bereits genannten Enzyklika von Papst Leo XIII. bietet. Ich wünsche, daß dieses Gebet im Laufe dieses Jahres in den verschiedenen christlichen Gemeinschaften besonders angeboten und geschätzt wird.
Deshalb erkläre ich den Zeitraum vom Oktober dieses Jahres bis zum Oktober 2003 zum Jahr des Rosenkranzes.
Diese pastorale Anleitung vertraue ich der Initiative der einzelnen kirchlichen Gemeinschaften an. Mit ihr beabsichtige ich nicht, die pastoralen Vorhaben der Teilkirchen zu hemmen, sondern sie vielmehr zu ergänzen und zu konsolidieren. Ich vertraue darauf, daß sie mit Großherzigkeit und Bereitwilligkeit aufgenommen wird. Der Rosenkranz, in seiner ganzen Bedeutung wieder neu entdeckt, führt ins Herz des christlichen Lebens selbst hinein. Er bietet eine gewohnheitsmäßige und ebenso fruchtbare geistige wie pädagogische Möglichkeit der persönlichen Betrachtung, der geistlichen Bildung des Volkes Gottes und der Neuevangelisierung. Ich möchte dies auch anläßlich eines anderen freudigen Jubiläums bekräftigen: Vierzig Jahre sind seit dem Beginn des Ökumenischen II. Vatikanischen Konzils vergangen (11. Oktober 1962), der »großen Gnade« , die der Geist Gottes für die Kirche unserer Zeit vorgesehen hat.(7)
Einwände gegen das Rosenkranzgebet
4. Das Ergreifen dieser Initiative entspringt verschiedenen Überlegungen. Die erste betrifft die Notwendigkeit, einer gewissen Krise dieses Gebetes zu begegnen. Im derzeitigen geschichtlichen und theologischen Kontext läuft der Rosenkranz Gefahr, in seinem Wert ungerechterweise vermindert zu werden, und wird darum nur kaum an die neuen Generationen weitergegeben. Manche denken, die zentrale Bedeutung der Liturgie, wie sie richtigerweise vom Ökumenischen II. Vatikanischen Konzil unterstrichen wurde, müsse notwendigerweise eine Abwertung des Rosenkranzes zur Folge haben. Paul VI. hat klargestellt, daß dieses Gebet nicht nur der Liturgie nicht entgegensteht, sondern sie unterstützt. Denn der Rosenkranz bereitet auf die Liturgie vor und ist ihr Widerhall, indem er uns ermöglicht, diese in der Fülle innerer Anteilnahme zu leben und daraus gute Früchte für das Leben im Alltag hervorzubringen.
Vielleicht besteht auch die Befürchtung, der Rosenkranz könne wegen seines ausgesprochen marianischen Charakters als wenig ökumenisch gelten. In Wirklichkeit führt uns dieses Gebet in einen viel klareren Horizont der Verehrung der Mutter Gottes, den das Konzil aufgezeigt hat: eine Frömmigkeitsform, die sich am christologischen Zentrum des christlichen Glaubens orientiert, und zwar in der Weise, daß »wenn die Mutter geehrt wird, der Sohn [...] richtig erkannt, geliebt, verherrlicht wird« .(8) Wenn das Rosenkranzgebet in angebrachter Weise neu entdeckt wird, ist es eine Hilfe und sicher kein Hindernis für die Ökumene!
5. Der wichtigste Grund, um die Übung des Rosenkranzgebetes erneut kraftvoll vorzuschlagen, ist jedoch die Tatsache, daß er ein sehr nützliches Mittel darstellt, um unter den Gläubigen das wichtige Anliegen der Betrachtung des Christusgeheimnisses zu fördern, die ich im Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte als wahre und eigentliche ,,Pädagogik der Heiligkeit" vorgestellt habe: »Es braucht ein Christentum, das sich vor allem durch die Kunst des Gebetes auszeichnet«.(9) Während in unserer gegenwärtigen Kultur trotz vieler Widersprüche eine neue Notwendigkeit von Spiritualität aufscheint, die auch durch Einflüsse anderer Religionen beschleunigt wird, ist es umso vordringlicher, daß unsere christlichen Gemeinden »echte Schulen des Gebetes«(10) werden.
Das Rosenkranzgebet ist in der besten und bewährten Tradition der christlichen Betrachtung angesiedelt. Es hat sich als ein eigentümlich meditatives Gebet im Westen entwickelt und ist in gewisser Weise eine Entsprechung zum »Herzensgebet« oder »Jesusgebet« , welches auf dem Humus des christlichen Ostens gewachsen ist.
Gebet für den Frieden und für die Familie
6. Um der Neubelebung des Rosenkranzgebetes größere Aktualität beizumessen, sind hier einige geschichtliche Umstände anzufügen. Als erster sei die Notwendigkeit genannt, Gott inständig um das Geschenk des Friedens zu bitten. Meine Vorgänger und ich selbst haben den Rosenkranz wiederholt als Gebet um den Frieden empfohlen. Am Beginn eines neuen Jahrtausends, welches mit den Schauder erregenden Bildern des Attentates vom 11. September 2001 begonnen hat und jeden Tag in vielen Teilen der Welt neue Szenen von Blut und Gewalt aufweist, bedeutet die Wiederentdeckung des Rosenkranzes, sich in die Betrachtung des Geheimnisses dessen zu vertiefen, der »unser Friede ist« , indem er »die beiden Teile vereinigte und die trennende Wand der Feindschaft niederriß« (Eph 2, 14). Somit kann man den Rosenkranz nicht beten, ohne den Auftrag zur Teilnahme am Dienst des Friedens anzunehmen, mit einem besonderem Augenmerk auf das so schwer geprüfte Land Jesu, das uns Christen so teuer ist.
Dieselbe Dringlichkeit an Einsatz und Gebet tritt an einem anderen kritischen Punkt unserer Zeit hervor, nämlich dem der Familie, der Keimzelle der Gesellschaft, die immer mehr durch zersetzende Kräfte auf ideologischem oder praktischem Niveau bedroht ist. Solche Einflüsse lassen um die Zukunft dieser fundamentalen und unverzichtbaren Institution für sie selbst sowie für die gesamte Gesellschaft fürchten. Die Wiederbelebung des Rosenkranzes in den christlichen Familien stellt im Spektrum einer weit angelegten Pastoral der Familie eine wirksame Hilfe dar, um die verheerenden Auswirkungen dieser epochalen Krise einzudämmen.
»Siehe, deine Mutter« (Joh, 19, 17)
7. Zahlreiche Zeichen weisen darauf hin, wie sehr die heilige Jungfrau auch heute gerade durch dieses Gebet jene mütterliche Sorge walten lassen will, welcher der sterbende Erlöser in der Person des Lieblingsjüngers alle Kinder der Kirche anvertraut hat: »Frau, siehe dein Sohn!« (Joh 19, 26). Bekannt sind die verschiedenen Umstände im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, in denen die Mutter Christi in der einen oder anderen Weise ihre Gegenwart und ihre Stimme vernehmbar gemacht hat, um das Volk Gottes zu dieser Form des betrachtenden Gebetes aufzurufen. Wegen ihres bedeutenden Einflusses auf das Leben vieler Christen und wegen der amtlichen Anerkennung, die sie seitens der Kirche erfahren haben, möchte ich besonders an die Erscheinungen in Lourdes und Fatima (11) erinnern. Diese Wallfahrtsorte sind das Ziel zahlreicher Pilger auf der Suche nach Trost und Hoffnung.
8. Es wäre unmöglich, die zahllosen Heiligen zu nennen, die im Rosenkranzgebet einen authentischen Weg der Heiligung entdeckt haben. Es wird genügen, hier an den heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort zu erinnern, den Autor eines kostbaren Werkes über den Rosenkranz,(12) und in größerer zeitlicher Nähe zu uns an Pater Pio von Pietrelcina, dn ich zu meiner Freude vor kurzem heiligsprechen konnte. Ein besonderes Charisma hatte weiterhin der selige Bartolo Longo, der ein wahrer Apostel des Rosenkranzes gewesen ist. Sein Weg der Heiligkeit gründete auf einer Eingebung, die er in der Tiefe seines Herzens vernahm: »Wer das Rosenkranzgebet verbreitet, ist gerettet!«(13). Auf dieser Grundlage fühlte er sich berufen, in Pompeji ein Heiligtum der Jungfrau vom Heiligen Rosenkranz zu errichten, welches auf den Ruinen der antiken Stadt ruht, die gerade erst von der Botschaft des Christentums berührt worden war, bevor sie im Jahre 79 durch den Ausbruch des Vesuvs begraben wurde. Aus ihrer Asche erhebt sie sich Jahrhunderte später zum Zeichen für das Licht und die Schatten der Gesellschaft der klassischen Epoche.
Mit seinem ganzen Werk, und vor allem durch die »Fünfzehn Samstage« , hat Bartolo Longo das christozentrische und betrachtende Wesen des Rosenkranzes herausgearbeitet, wobei er besondere Ermutigung und Unterstützung durch Leo XIII., den »Papst des Rosenkranzes« , fand.
I. MIT MARIA CHRISTUS BETRACHTEN
ERSTES KAPITEL
Ein Antlitz, leuchtend wie die Sonne Maria, Vorbild der Kontemplation Die Erinnerungen Mariens
Der Rosenkranz, ein betrachtendes Gebet Sich mit Maria an Christus erinnern Christus von Maria lernen
Gleichgestaltung in Christus mit Maria Mit Maria Christus bitten Mit Maria Christus verkünden
Ein Antlitz, leuchtend wie die Sonne
9. »Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne« (Mt17, 2). Die im Evangelium berichtete Szene von der Verklärung Christi, in der die drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes wie verzückt von der Schönheit des Erlösers erscheinen, kann zu einem Bild christlicher Kontemplation erhoben werden. Es bleibt der Auftrag eines jeden Jüngers Christi, und somit auch unser Auftrag, die Augen auf das Antlitz Christi gerichtet zu halten und darin das Geheimnis des gewöhnlichen und schmerzlichen Weges seiner Menschheit zu erkennen, bis hin zum Begreifen des göttlichen Glanzes, der sich endgültig im Auferstandenen, der zur Rechten des Vaters verherrlicht ist, kundtut. Im Betrachten dieses Angesichtes öffnen wir uns, um das Geheimnis des dreifaltigen Lebens in uns aufzunehmen und um stets aufs Neue die Liebe des Vaters zu erfahren und die Freude des Heiligen Geistes zu verkosten. So verwirklicht sich auch für uns das Wort des heiligen Paulus: »Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn« (2 Kor 3, 18.)
Maria, Vorbild der Kontemplation
10. Die Betrachtung Christi hat in Maria ihr unübertreffliches Vorbild. Das Antlitz des Sohnes gehört in besonderer Weise zu ihr. In ihrem Schoß hat er Gestalt angenommen und von ihr ein menschlich ähnliches Aussehen empfangen, das eine sicher noch größere geistliche Verbundenheit mit sich bringt. Niemand hat sich mehr als Maria der Betrachtung des Antlitzes Christi mit gleicher Beharrlichkeit hingegeben. Die Augen ihres Herzens richten sich in gewisser Weise schon bei der Verkündigung auf ihn, als sie ihn durch das Wirken des Heiligen Geistes empfängt. In den folgenden Monaten beginnt sie, seine Gegenwart zu spüren und seine Züge zu erahnen. Als sie ihn schließlich in Bethlehem zur Welt bringt, sind auch die Augen ihres Leibes zärtlich auf das Angesicht des Sohnes gerichtet, den sie in Windeln wickelte und ihn in eine Krippe legte« (vgl. Lk 2, 7).
Von jetzt an wird ihr Blick, der immer mehr anbetendem Staunen gleicht, nicht mehr von ihm weichen. Es wird zuweilen ein fragender Blick sein, wie beim Ereignis der Wiederauffindung im Tempel: »Kind, wie konntest du uns das antun?« (Lk 2, 48). In jeden Fall wird es ein durchdringender Blick sein, der fähig ist, im Innersten Jesu seine verborgenen Gefühle wahrzunehmen und seine Absichten zu erahnen, wie in Kana (vgl. Joh 2, 5). Andere Male wird es ein schmerzlicher Blick sein, vor allem unter dem Kreuz, wo es wieder in gewissem Sinn der Blick der ,,Gebärenden" sein wird, da Maria sich nicht darauf beschränkt, das Leiden und den Tod des Eingeborenen mitzuvollziehen, sondern im Lieblingsjünger (vgl. Joh 19, 26-27) den neuen Sohn aufzunehmen. Am Ostermorgen wird es ein strahlender Blick in der Freude der Auferstehung sein, und schließlich am Pfingsttag ein durch die Ausgießung des Geistes (vgl. Apg 1, 14) glühender Blick.
11. Maria lebt mit den Augen auf Christus gerichtet und macht sich jedes seiner Worte zu eigen: »Sie bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach« (Joh 19, vgl. 2, 51). Die Erinnerungen an Jesus, die sich ihrer Seele einprägten, haben sie in allen Umständen begleitet, indem sie die verschiedenen Momente ihres Lebens, die sie an der Seite Jesu verbrachte, in Gedanken nochmals durchlief. Diese Erinnerungen bildeten, in gewisser Weise, den ,,Rosenkranz", den sie selbst unaufhörlich in den Tagen ihres irdischen Lebens wiederholte.
Und auch jetzt, inmitten der Freudengesänge des himmlischen Jerusalems, bleibt der Grund ihres Dankes und ihres Lobes unverändert. Dieser Grund regt ihre mütterliche Sorge für die pilgernde Kirche an, in der sie fortfährt, die Handlung ihrer Geschichte als Verkündigerin zu entfalten. Maria legt den Gläubigen nochmals unaufhörlich die ,,Geheimnisse" ihres Sohnes vor, mit dem Wunsch, daß sie betrachtet werden, auf daß sie ihre erlösende Kraft ausströmen können. Beim Beten des Rosenkranzes kommt die christliche Gemeinde mit dem Andenken und dem Blick Marias in Einklang.
Der Rosenkranz, ein betrachtendes Gebet
12. Gerade aus der Erfahrung Marias ist der Rosenkranz ein ausgesprochen kontemplatives Gebet. Wenn es diese Dimension entbehrt, würde ein entstelltes Gebet entstehen, wie Paul VI. unterstrichen hat: »Ohne Betrachtung ist der Rosenkranz ein Leib ohne Seele, und das Gebet läuft Gefahr, zu einer mechanischen Wiederholung von Formeln zu werden, ganz im Widerspruch zur Mahnung Jesu: ,,Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen" (Mt 6, 7). Seiner Natur nach verlangt das Rosenkranzgebet einen ruhigen Rhythmus und ein besinnliches Verweilen, was dem Betenden die Betrachtung der Geheimnisse im Leben des Herrn erleichtert und diese gleichsam mit dem Herzen derjenigen schauen läßt, die dem Herrn am nächsten stand. So werden sich ihm die unergründlichen Reichtümer dieser Geheimnisse erschließen« .(14)
Es lohnt sich, bei diesen tiefen Gedanken von Paul VI. zu verweilen, um einige Dimensionen des Rosenkranzes herauszustellen, die besser den Eigencharakter der christologischen Betrachtung bestimmen.
Sich mit Maria an Christus erinnern
13. Das Betrachten Mariens ist in erster Linie ein Erinnern. Es ist jedoch notwendig, dieses Wort im biblischen Sinn von Gedächtnis (zakar) zu begreifen, das die Werke, die Gott in der Heilsgeschichte erfüllt hat, wieder gegenwärtig setzt. Die Bibel ist eine Erzählung von Heilsereignissen, die ihren Höhepunkt in Christus selbst finden. Diese Ereignisse sind nicht nur ein ,,Gestern"; zugleich sind sie das ,,Heute" der Erlösung. Diese Aktualisierung verwirklicht sich vor allem in der Liturgie: das, was Gott vor Zeiten vollbracht hat, betrifft nicht nur die unmittelbaren Zeugen der Ereignisse, sondern erreicht mit dem Geschenk der Gnade Menschen zu jeder Zeit. Das gilt in gewisser Weise auch für jede andere fromme Annäherung an jene Ereignisse: sich in der Haltung des Glaubens und der Liebe daran ,,erinnern", heißt, sich der Gnade öffnen, die Christus uns in den Geheimnissen seines Lebens, seines Todes und seiner Auferstehung erworben hat.
Indem wir nachdrücklich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bekräftigen, daß die Liturgie als Ausübung des priesterlichen Amtes Christi und öffentlicher Gottesdienst »der Höhepunkt ist, dem das Tun der ganzen Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt« ,15 muß auch daran erinnert werden, daß sich »das geistliche Leben aber nicht schlechthin mit der Teilnahme an der heiligen Liturgie deckt. Der Christ ist zwar berufen, in Gemeinschaft zu beten, doch muß er auch in sein Kämmerlein gehen und den Vater im Verborgenen anbeten (vgl. Mt 6, 6); ja ohne Unterlaß beten, wie der Apostel mahnt (vgl. 1Thess 5, 17)« .16 Es entspricht einer seiner Besonderheiten, daß sich der Rosenkranz in dieses bunte Bild des ,,unaufhörlichen" Gebetes gut einordnet. Wenn die Liturgie, das Handeln Christi und der Kirche, ein Heilswerk par excellence darstellt, dann ist der Rosenkranz als eine Meditation über Christus mit Maria Heilsbetrachtung. In der Tat stellt die von Geheimnis zu Geheimnis vollzogene Vertiefung in das Leben des Erlösers sicher, daß wir das, was Er gewirkt hat und was die Liturgie vergegenwärtigt, tief in uns aufnehmen und es unsere Existenz gestaltet.
14. Christus ist der Lehrer schlechthin, der Offenbarer und die Offenbarung. Es genügt nicht nur, die Dinge zu lernen, die Er gelehrt hat, sondern ,,ihn selbst zu lernen". Gibt es darin eine Lehrerin, die uns mehr sagen könnte als Maria? Wenn auf der göttlichen Seite der Geist der innere Meister ist, der uns zur Fülle der Wahrheit Christi führt (vgl. Joh 14, 26; 15, 26; 16, 13), kennt unter den Geschöpfen niemand besser als sie Christus; niemand kann uns besser als seine Mutter in eine tiefe Kenntnis seines Geheimnisses einführen. Das erste der von Jesus vollbrachten ,,Zeichen" – die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kana – zeigt uns Maria gerade im Gewand der Lehrerin, die dabei ist, die Diener zur Folgsamkeit gegenüber Christi Anweisungen aufzufordern (vgl. Joh 2, 5). Wir können uns gut vorstellen, daß Sie diese Aufgabe auch nach der Himmelfahrt des Herrn ausgeübt hat, als Sie bei ihnen geblieben ist, um den Heiligen Geist zu erwarten, und sie in ihrer ersten Mission bestärkt hat. Das Gehen durch die Szenen des Rosenkranzes an der Seite Marias bedeutet, sich ,,in die Schule Mariens" zu begeben, um Christus zu erfassen und um in die Geheimnisse einzudringen, schließlich um seine Botschaft zu verstehen.
Eine Schule wie die Mariens ist um so wirksamer, wenn man bedenkt, daß sie diese abhält, um uns der Gaben des Heiligen Geistes in Fülle teilhaftig werden zu lassen. Sie stellt uns dabei das Beispiel der »Pilgerschaft im Glauben« (17) vor Augen, in der sie unsere unvergleichliche Lehrerin ist. Angesichts eines jeden Geheimnisses des Sohnes lädt Sie uns ein, wie bei ihrer Verkündigung, die Fragen in Demut zu stellen, die auf das Licht hin öffnen, um stets im Glaubensgehorsam abzuschließen: »Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast« (Lk 1, 38).
Gleichgestaltung in Christus mit Maria
15. Die christliche Frömmigkeit zeichnet sich durch ihr Merkmal aus, daß der Jünger die Verpflichtung zu einer immer vollständigeren Gleichgestaltung mit seinem Meister auf sich nimmt (vgl. Röm 8, 29; Phil 3, 10.21). Die Ausgießung des Geistes in der Taufe fügt den Glaubenden gleich einem Rebzweig in den Weinstock ein, der Christus ist (vgl. Joh 15, 5), und macht ihn zu einem Glied seines Mystischen Leibes (vgl. 1 Kor 12, 12; Röm 12, 5). Dieser Einheit zu Beginn muß ein Weg der wachsenden Gleichförmigkeit mit Ihm entsprechen, wobei sich das ganze Verhalten des Jüngers immer mehr an der ,,Logik" Christi ausrichtet: »Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht« (Phil 2, 5). Nach den Worten des Apostels tut es Not, den Herrn Jesus Christus anzulegen (vgl. Röm 13, 14; Gal 3, 27).
Während des geistlichen Vollzugs des Rosenkranzes, der – in Gemeinschaft mit Maria – auf der unaufhörlichen Betrachtung des Antlitzes Christi gründet, erreicht man dieses anspruchsvolle Ideal des Ähnlichwerdens mit Ihm mittels eines Weges, den wir einen freundschaftlichen Besuch nennen könnten. Dieser versetzt uns ganz natürlich in das Leben Christi und erlaubt uns gleichsam, seine Empfindungen nachzuvollziehen. Der selige Bartolo Longo sagt dazu: »Wie zwei Freunde, die sich öfters besuchen, sich in ihren Gewohnheiten anzugleichen pflegen, so können auch wir, die wir in familiärer Vertrautheit mit Jesus und der Jungfrau in der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse sprechen und gemeinsam ein und dasselbe Leben in der Kommunion vollziehen, ihnen gleich werden, soweit dies unsere Begrenztheit erlaubt: Von diesen höchsten Beispielen können wir das demütige, arme, verborgene, geduldige und vollkommene Leben erlernen«.(18)
Für diesen Prozeß der Gleichgestaltung mit Christus vertrauen wir uns im Rosenkranz besonders dem mütterlichen Wirken der heiligen Jungfrau an. Sie, die Gottesgebärerin, gehört einerseits selbst zur Kirche als ihr »überragendes und völlig einzigartiges Glied«(19) und ist zugleich die ,,Mutter der Kirche". Als solche ,,gebiert" sie ständig Kinder für den Mystischen Leib des Sohnes. Dies übt sie durch die Fürbitte aus, indem sie für diese die unerschöpfliche Ausgießung des Geistes erfleht. Sie ist das vollkommene Bild der Mütterlichkeit der Kirche.
Der Rosenkranz führt uns mystisch an die Seite Marias, die damit beschäftigt war, das menschliche Heranwachsen Jesu im Haus von Nazareth zu begleiten. Dies erlaubt ihr, auch uns mit derselben Sorgfalt zu erziehen und uns zu formen, bis Christus vollkommen in uns Gestalt angenommen hat (vgl. Gal 4, 19). Dieses völlig auf Christus gegründete und ihm gänzlich untergeordnete Handeln Mariens »verhindert in keiner Weise die unmittelbare Vereinigung der Glaubenden mit Christus, sondern wird vielmehr gefördert«.(20) Es ist dies das vom Zweiten Vatikanischen Konzil formulierte erleuchtete Prinzip, das ich in meinem Leben so stark erfahren habe, um es zur Grundlage meines bischöflichen Wappenspruches zu machen: Totus tuus.(21) Dieses Motto inspiriert sich bekanntlich an der Lehre des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort, der die Rolle Mariens auf dem Weg eines jeden von uns zur Gleichgestaltung mit Christus wie folgt erklärt hat: »Unsere ganze Vollkommenheit besteht darin, gleichförmig mit Christus Jesus, geeint und geweiht an ihn zu sein. Jedoch die vollkommenste aller Formen der Hingabe ist unbestreitbar jene, die uns noch vollkommener mit Christus gleichgestaltet, vereinigt und uns ihm weiht. Da Maria das Geschöpf ist, welches am meisten Christus gleichgestaltet ist, folgt daraus, daß unter den Frömmigkeitsformen jene, die eine Seele besser unserem Herrn gleichgestaltet und ihm weiht, die Marienverehrung ist, die Verehrung seiner heiligen Mutter, und daß umso mehr eine Seele ihr geweiht ist, sie auch mehr Jesus Christus selbst geweiht ist«.(22) Nirgends sonst erscheinen der Weg von Christus und jener von Maria so tief vereinigt zu sein wie im Rosenkranzgebet. Maria lebt ganz in Christus und in der Funktion Christi!
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6. Christus hat uns aufgetragen, uns mit Beharrlichkeit und Vertrauen an Gott zu wenden, um Erhörung zu finden: »Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet« (Mt 7, 7). Das Fundament dieser Kraft des Gebetes ist die Güte des Vaters, aber auch die Mittlerschaft Christi vor Gott (vgl. 1 Joh 2, 1) und das Wirken des Heiligen Geistes, der »für uns eintritt« nach dem Plane Gottes (vgl. Röm 8, 26-27). Tatsächlich »wissen wir nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen« (Röm 8, 26) und manchmal werden wir nicht erhört, weil wir »schlecht bitten« (vgl. Jak 4, 2-3). Zur Unterstützung unseres Betens, welches Christus und der Geist in unserem Herzen hervorbringen, kommt uns Maria mit ihrer mütterlichen Fürsprache zu Hilfe. »Das Gebet der Kirche ist durch das Gebet Marias wie getragen« .(23) Tatsächlich ist es so, daß, wenn Jesus, der einzige Mittler, der Weg unseres Gebetes ist, Maria, die ganz durchlässig für ihn war, uns den Weg zeigt. »Ausgehend von dieser einzigartigen Mitwirkung Marias am Wirken des Heiligen Geistes haben die Kirchen das Gebet zur heiligen Mutter Gottes entfaltet. Sie richteten dieses Gebet ganz auf Christus aus, wie er sich in seinen Mysterien zeigt«.(24) Gerade bei der Hochzeit zu Kana verdeutlicht das Evangelium die Wirksamkeit der Fürbitte Marias, die sich bei Jesus zur Sprecherin für menschliche Anliegen macht: »Sie haben keinen Wein mehr« (Joh 2, 3).Der Rosenkranz ist gleichzeitig Betrachtung und Bittgebet. Die beharrliche Anrufung der Mutter Gottes stützt sich auf das Vertrauen, daß ihre mütterliche Fürsprache beim Herzen ihres Sohnes alles vermag. Sie ist »allmächtig aus Gnade«, wie der selige Bartolo Longo es in einer kühnen Formulierung, die richtig verstanden werden muß, in seiner Supplica alla Vergine formulierte.(2)5 Dies ist eine Sicherheit, die sich, ausgehend vom Evangelium, im gläubigen Volk im Laufe der Zeit immer mehr gefestigt hat. Der große Dichter Dante hat dies, ganz in der Meinung des heiligen Bernhard, in wunderbarer Weise formuliert, wenn er singt: »Du bist als Frau so groß und giltst so viel, / daß, wer nach Gnade dürstend dich nicht anruft, / umsonst zu fliegen suchte, ohne Flügel«.(26) Während wir im Rosenkranz zu Maria flehen, stellt sie, das Heiligtum des Heiligen Geistes (vgl. Lk 1, 35), sich für uns vor den Vater, der sie mit Gnade erfüllt hat, und vor den Sohn, der aus ihrem Schoß geboren wurde, um für uns und mit uns zu beten.
17. Der Rosenkranz stellt ebenso einen Weg der Verkündigung und der Vertiefung dar, auf dem sich das Christusgeheimnis unaufhörlich auf den verschiedenen Ebenen der christlichen Erfahrung vergegenwärtigt. Seine Struktur ist die der betenden und betrachtenden Darstellung, die danach strebt, den Christen nach dem Herzen Jesu Christi zu formen. In der Tat müssen beim Rosenkranzgebet alle seine Elemente für eine gute Betrachtung entsprechend geschätzt werden. Nur dann erwächst aus ihm, besonders beim gemeinschaftlichen Gebet in den Pfarreien und an Wallfahrtsorten, eine bedeutende katechetische Möglichkeit, die die Hirten zu nutzen wissen sollten. Die Jungfrau des Rosenkranzes führt auch in dieser Weise ihr Werk der Verkündigung Christi fort. Die Geschichte des Rosenkranzes zeigt uns, wie gerade dieses Gebet in schwierigen Zeiten besonders von den Dominikanern benutzt wurde, um die Kirche vor den sich verbreitenden Häresien zu schützen. Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen. Warum nehmen wir den Rosenkranz nicht mit dem Glauben unserer Vorfahren in die Hände? Der Rosenkranz bewahrt seine ganze Kraft und bleibt ein nicht zu vernachlässigender Schatz für die pastorale Ausrüstung jeder guten Glaubensverkündigung.
2. GEHEIMNISSE CHRISTI – GEHEIMNISSE DER MUTTER
ZWEITES KAPITEL
Der Rosenkranz: »Kurzfassung des Evangeliums« Eine angemessene Ergänzung Die freudenreichen Geheimnisse
Die lichtreichen Geheimnisse Die schmerzhaften Geheimnisse Die glorreichen Geheimnisse
Von den ,,Geheimnissen" zum ,,Geheimnis": Der Weg Marias Geheimnis Christi, „Geheimnis" des Menschen
Der Rosenkranz: »Kurzfassung des Evangeliums«
18. In die Betrachtung des Antlitzes Christi werden wir eingeführt, indem wir im Geist die Stimme des Vaters hören; denn »niemand kennt den Sohn, nur der Vater« (Mt 11, 27). Auf das Bekenntnis des Petrus hin verdeutlicht Jesus im Gebiet von Cäsarea Philippi den Ausgangspunkt für eine so klare Erkenntnis seiner Identität: »Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel« (Mt 16, 17). Also ist die Offenbarung aus der Höhe notwendig. Um sie aufzunehmen, ist es unabdingbar hinzuhören: »Allein die Erfahrung des Schweigens und des Gebetes bietet den geeigneten Horizont, in dem die wahrste, getreueste und stimmigste Erkenntnis jenes Geheimnisses heranreifen und sich entfalten kann«.(27) Der Rosenkranz ist einer der traditionellen Wege des christlichen Gebetes, das sich der Betrachtung des Antlitzes Christi widmet. Papst Paul VI. beschrieb ihn so: »Als biblisches Gebet, in dessen Mitte das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung steht, ist der Rosenkranz ganz klar auf Christus hin ausgerichtet. Auch sein charakteristischstes Element, die litaneiartige Wiederholung des ,,Gegrüßet seist du, Maria", wird zu einem unaufhörlichen Lobpreis Christi, um den es eigentlich bei der Verkündigung des Engels und dem Gruß der Mutter des Täufers geht: ,,Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes" (Lk 1, 42). Wir möchten noch mehr sagen: die Wiederholung des Ave Maria ist der tragende Grund, auf dem sich die Betrachtung der Geheimnisse entfaltet. Jener Jesus, den jedes Ave Maria erwähnt, ist derselbe, den die Folge der einzelnen Geheimnisse uns vorstellt: Sohn Gottes und der Jungfrau ...«.(28)
19. Von den vielen Geheimnissen des Lebens Christi führt der Rosenkranz, so wie er in der allgemeinen Frömmigkeitspraxis entstanden ist und von der kirchlichen Autorität bestätigt wurde, nur einige an. Diese Auswahl ist durch die ursprüngliche Gebetskette vorgegeben, die sich basierend auf der dem Psalterium entsprechenden Zahl 150 herausgebildet hat.
Um den christologischen Gehalt dieses Gebetes deutlicher zu machen, halte ich es für angebracht, eine angemessene Ergänzung vorzunehmen, die auch die Geheimnisse des öffentlichen Lebens zwischen der Taufe und dem Leidensweg Christi einbezieht, wobei ich es den einzelnen und den Gemeinschaften überlasse, davon Gebrauch zu machen. In der Tat können wir im Verlauf dieser Geheimnisse bedeutsame Aspekte der Person Christi als dem endgültigen Offenbarer Gottes betrachten. Er ist derjenige, der bei der Taufe im Jordan der geliebte Sohn des Vaters genannt wurde, der das Kommen des Reiches verkündigt, es mit Werken bezeugt und den daraus folgenden Anspruch kundtut. In den Jahren seines öffentlichen Lebens zeigt sich das Geheimnis Christi in besonderer Weise als das Geheimnis des Lichtes: »Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt« (Joh 9, 5).
Damit sich der Rosenkranz in einem umfassenderen Sinne des Wortes »Kompendium des Evangeliums« nennen kann, ist es sinnvoll, die Betrachtung auch auf einige besonders bedeutende Momente des öffentlichen Lebens Jesu zu lenken (lichtreiche Geheimnisse). Diese lassen sich nach dem Gedächtnis der Inkarnation und des verborgenen Lebens Christi (freudenreiche Geheimnisse) einordnen, und vor der Betrachtung seines Erleidens der Passion (schmerzhafte Geheimnisse), auf die der Triumph der Auferstehung (glorreiche Geheimnisse) folgt. Ohne irgendeinem wesentlichen Aspekt des traditionellen Aufbaus dieses Gebetes Abbruch tun zu wollen, ist die Einbeziehung neuer Geheimnisse dazu bestimmt, daß der Rosenkranz mit einem erneuten Interesse an der christlichen Spiritualität gelebt werden kann und so eine wirkliche Einführung in die Tiefen des Herzens Jesu, den Urgrund der Freude und des Lichtes, des Leidens und der Verherrlichung wird.
Die freudenreichen Geheimnisse
20. Der erste Zyklus der ,,freudenreichen Geheimnisse" ist tatsächlich von der Freude gekennzeichnet, die vom Ereignis der Menschwerdung ausgeht. Das wird bereits deutlich in der Verkündigung, wo sich der Gruß des Erzengels Gabriel an die Jungfrau von Nazareth mit der Einladung zur messianischen Freude verbindet: »Sei gegrüßt, du Begnadete«. An diese Verkündigung lehnt die ganze Heilsgeschichte, ja in gewisser Weise sogar die Weltgeschichte an. Wenn nämlich der Plan des Vaters darin besteht, alles in Christus zu vereinen (vgl. Eph 1, 10), ist es das ganze Universum, das in gewisser Weise eingeholt wird von der göttlichen Gunst, mit der sich der Vater über Maria neigt, um sie zur Mutter seines Sohnes zu machen. Ihrerseits ist so die ganze Menschheit eingeschlossen in dem Fiat, mit dem Maria unverzüglich dem Willen Gottes entspricht. Zum Frohlocken kommt es dann bei der Begegnung mit Elisabeth, wo Marias Stimme und die Gegenwart Christi in ihrem Leib Johannes »vor Freude hüpfen läßt« (vgl. Lk 1, 44). Erfüllt von Freude ist auch das Ereignis von Bethlehem, in der die Geburt des göttlichen Kindes, des Heilands der Welt, von den Engeln besungen und den Hirten als »eine große Freude« (Lk 2, 10) verkündet wird.
Obwohl sie noch den Tonfall der Freude tragen, nehmen die beiden letzten Geheimnisse schon die Zeichen des Dramas vorweg. Die Darstellung im Tempel drückt zwar die Freude über die Weihe aus und mündet zugleich ein in den Jubel des alten Simeon, aber bemerkt auch die Prophezeiung des »Zeichens des Widerspruchs«, das das Kind für Israel sein wird, und des Schwertes, das durch die Seele der Mutter dringen wird (vgl. Lk 2, 34-35). Freudig und zugleich spannungsvoll ist auch die Begebenheit des zwölfjährigen Jesus im Tempel. Er erscheint hier in seiner göttlichen Weisheit, wie er zuhört und Fragen stellt, und schon ganz in der Haltung dessen auftritt, der ,,lehrt". Die Offenbarung seines Geheimnisses, als Sohn ganz an den Willen des Vaters ergeben zu sein, ist die Botschaft jener Radikalität des Evangeliums, die selbst die liebsten menschlichen Bindungen in die Krise führt, angesichts des absoluten Anspruchs des Evangeliums. Selbst Josef und Maria, voller Sorgen um den Sohn, verstanden seine Worte nicht (vgl. Lk 2, 50).
Das Betrachten der freudenreichen Geheimnisse bedeutet demnach ein Eintreten in die letzten Beweggründe und in die tiefe Bedeutung der christlichen Freude. Dies bedeutet, das Augenmerk auf die konkrete Wirklichkeit der Menschwerdung und auf die dunkle Vorankündigung des heilbringenden Geheimnisses des Leidens Christi zu richten. Maria führt uns dazu, das Geheimnis der christlichen Freude aufzunehmen, indem sie uns daran erinnert, daß das Christentum vor allem euangelion, die »gute Nachricht« ist, die ihren Mittelpunkt, besser ihren ganzen Inhalt, in der Person Jesu Christi, im fleischgewordenen Wort, dem einzigen Erlöser der Welt hat.
.... Jesus, der sich im Jordan taufen liess
.... Jesus, der in Kana sein erstes Wunder wirkte
.... Jesus, der zur Umkehr aufrief und sein Königreich ankündigte
.... Jesus, der auf dem Berge Tabor verklärt wurde
.... Jesus, der für uns das Allerheiligste Altarsakrament eingesetzt hat
21. Wenn wir von der Kindheit und dem Leben in Nazareth zum öffentlichen Wirken Jesu übergehen, führt uns die Betrachtung zu jenen Geheimnissen, die in besonderer Weise ,,Geheimnisse des Lichtes" genannt werden können. Tatsächlich ist das ganze Geheimnis Christi Licht. Er ist das »Licht der Welt« (Joh 8, 12). Diese Dimension kommt allerdings in den Jahren seines öffentlichen Auftretens besonders zum Ausdruck, als er das Evangelium vom Reich verkündet. Im Bemühen, der christlichen Gemeinde fünf bedeutungsvolle Momente dieser Lebensphase Jesu – ,,lichtreiche" Geheimnisse – aufzuzeigen, erachte ich, daß diese entsprechend ausgemacht werden können:
Seine Taufe im Jordan,
seine Selbstoffenbarung bei der Hochzeit zu Kana,
Seine Verkündigung des Reiches Gottes mit dem Ruf zur Umkehr,
seine Verklärung und schließlich
die Einsetzung der Eucharistie, der sakramentale Ausdruck des Ostergeheimnisses.
Jedes dieser Geheimnisse ist Offenbarung des Reiches, das in der Person Jesu Christi schon eingetroffen ist.
Die Taufe im Jordan
ist ganz besonders ein Geheimnis des Lichtes. Während Jesus Christus, der Unschuldige, der sich für uns zur ,,Sünde" macht (vgl. 2 Kor 5, 21), in die Wasser des Flusses hinabsteigt, öffnet sich der Himmel und der Vater proklamiert ihn als seinen geliebten Sohn (vgl. Mt 3, 17 par.). Der Geist läßt sich auf ihm nieder und überträgt ihm die erwartete Mission.Der Beginn der Zeichen Christi in Kana
(vgl. Joh 2, 1-12) ist Geheimnis des Lichtes, wo er das Wasser in Wein verwandelt und auf die Fürsprache Marias hin, der ersten aller Glaubenden, das Herz der Jünger für den Glauben öffnet.Geheimnis des Lichtes ist die Predigt, mit der Jesus das Kommen des Reiches Gottes ankündigt und zur Bekehrung aufruft (vgl. Mk 1, 15), indem er denen die Sünden nachläßt, die sich ihm mit demütigem Vertrauen nähern (vgl. Mk 2, 3-13; Lk 7, 47-48). Dies ist der Beginn des Dienstes des Erbarmens, den er bis zum Ende der Welt auszuüben fortfährt, besonders durch das Sakrament der Versöhnung, das er seiner Kirche anvertraut hat (vgl. Joh 20, 22-23).
Geheimnis des Lichtes schlechthin ist die Verklärung, die sich nach der Überlieferung auf dem Berg Tabor ereignet hat. Auf dem Antlitz Christi erstrahlt göttliche Glorie, während der Gottvater ihn vor den verzückten Aposteln beglaubigt, damit sie »auf ihn hören« (vgl. Lk 9, 35 par.) und sich darauf einstellen, mit ihm auch die schmerzvollen Augenblicke seiner Passion zu leben, um mit ihm zur Freude der Auferstehung und zu einem im Heiligen Geist verklärten Leben zu gelangen.
Geheimnis des Lichtes ist schließlich die Einsetzung der Eucharistie, in der Christus sich mit seinem Leib und seinem Blut unter den Gestalten von Brot und Wein zur Speise gibt und so der Menschheit seine Liebe »bis zur Vollendung« erweist (Joh 13, 1), zum Heil derselben er sich im Opfer darbringt.
Die Präsenz Mariens bleibt in diesen Geheimnissen im Hintergrund mit Ausnahme der Hochzeit zu Kana. Die Evangelien deuten gelegentlich ihre Anwesenheit bei dieser oder jener Predigttätigkeit Jesu an (vgl. Mk 3, 31-35; Joh 2, 12), aber sie schweigen hinsichtlich einer eventuellen Teilnahme ihrerseits bei der Einsetzung der Eucharistie im Abendmahlssaal. Die ihr in Kana zugefallene Aufgabe begleitet jedoch in gewisser Weise den ganzen Weg Jesu. Die Offenbarung, die bei der Taufe im Jordan direkt vom Vater ausgeht und in den Worten des Täufers widerhallt, liegt zu Kana auf ihren Lippen und wird zu der großen mütterlichen Ermahnung, die Maria an die Kirche aller Zeiten richtet: »Was er euch sagt, das tut!« (Joh 2, 5). Hier finden wir die Mahnung, die die Worte und Zeichen Jesu während seines ganzen öffentlichen Wirkens vorbereitet und somit den marianischen Hintergrund aller ,,lichtreichen Geheimnisse" bildet.
22. Die Evangelien messen den Geheimnissen des Leidens Christi große Bedeutung zu. Immer schon hat sich die christliche Frömmigkeit, besonders in der Fastenzeit, mittels der Übung des Kreuzweges den einzelnen Momenten der Passion zugewandt, in denen sie den Höhepunkt der Offenbarung der Liebe und die Quelle unseres Heiles erahnt. Der osenkranz wählt einige Momente der Passion aus und veranlaßt so den Betenden, den Blick seines Herzens darauf auszurichten und danach zu leben. Der betrachtende Weg öffnet sich mit Getsemani, dort wo Jesus einen besonders angstvollen Moment gegenüber dem Willen des Vaters durchlebt, dem die Schwachheit des Fleisches sich zu widersetzen versucht wäre. Dort, am Ort aller Versuchungen der Menschheit und angesichts aller Sünden der Menschen nimmt es der Sohn auf sich, zum Vater zu sagen: »Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen« (Lk 22, 42 par.). Sein Ja stößt das Nein der Stammeltern von Eden um. Wie viel ihn diese Einwilligung in den Willen des Vaters gekostet haben mag, geht aus den folgenden Geheimnissen hervor, in denen er mit der Geißelung, der Dornenkrönung, dem Weg nach Golgotha und schließlich seinem Kreuzestod die tiefste Erniedrigung erleidet: Ecce homo! (Seht den Menschen!)
In dieser Erniedrigung wird nicht nur die Liebe des Vaters offenbar, sondern die Sinnhaftigkeit des Menschen. Ecce homo: wer den Menschen erkennen will, muß den Sinn, die Wurzel und die Erfüllung anerkennen, die ihm von Christus her eignet, von Gott, der sich aus Liebe herabläßt »bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz« (Phil 2, 8). Die schmerzhaften Geheimnisse führen den Glaubenden dazu, den Tod Christi nachzuleben, indem er sich neben Maria unter das Kreuz stellt, um mit ihr in die Tiefe der Liebe Gottes für den Menschen einzudringen und daraus die ganze neubelebende Kraft zu erfahren.
23. »Die Betrachtung des Antlitzes Christi kann nicht beim Bild des Gekreuzigten stehen bleiben. Er ist der Auferstandene!«.(29) Der Rosenkranz drückt schon immer diese Glaubensgewißheit aus und lädt die Gläubigen dazu ein, über das Dunkel der Passion hinauszugehen, um den Blick auf die Herrlichkeit Christi in Auferstehung und Himmelfahrt zu richten. In der Betrachtung des Auferstandenen entdeckt der Christ die Gründe seines Glaubens (vgl. 1 Kor 15, 14). Er erlebt nicht nur die Freude derjenigen, denen sich der auferstandene Christus zeigte – den Aposteln, Maria von Magdala, den Jüngern von Emmaus –, sondern auch die Freude Marias, die eine nicht geringere Erfahrung der neuen Wirklichkeit ihres verherrlichten Sohnes machen durfte. Zu dieser Herrlichkeit, die in der Himmelfahrt Christus an die Rechte des Vaters setzt, wurde auch sie erhoben und erlangte so das ganz außerordentliche Vorrecht, die bei der Auferstehung des Fleisches allen Gerechten zugedachte Bestimmung voraushaben zu dürfen. Schließlich wurde sie mit Herrlichkeit gekrönt – wie es im letzten glorreichen Geheimnis aufscheint – und erstrahlt als Königin der Engel und der Heiligen als Vorwegnahme und Höhepunkt der eschatologischen Wirklichkeit der Kirche.
Im Mittelpunkt dieses Weges der Verherrlichung des Sohnes und der Mutter steht im dritten Rosenkranzgeheimnis das Pfingstereignis, welches das Angesicht der Kirche als einer mit Maria vereinten Familie zeigt. Sie wird durch die kraftvolle Ausgießung des Heiligen Geistes belebt und ist bereit, ihre Sendung der Glaubensverbreitung zu erfüllen. Die Betrachtung dieses wie auch der anderen glorreichen Geheimnisse soll in den Gläubigen das stets lebendigere Bewußtsein ihres neuen Lebens in Christus stärken. Dabei stellt die Pfingstszene im Innenraum der ekklesialen Wirklichkeit eine große ,,Ikone" dar. Die glorreichen Geheimnisse nähren so in den Gläubigen die Hoffnung auf das eschatologische Ziel, zu dem sie als Glieder des durch die Geschichte pilgernden Gottesvolkes unterwegs sind. Dies kann sie nur zu einem mutigen Zeugnis für die »Frohe Botschaft« anspornen, die ihrer ganzen Existenz Sinn verleiht.
Von den ,,Geheimnissen" zum ,,Geheimnis":
Der Weg Marias24. Diese betrachtenden Schritte, wie sie im Rosenkranz vorgeschlagen werden, schöpfen sicher nicht das ganze Geheimnis aus, bringen aber die wesentlichen Punkte zum Ausdruck und verleihen dem Geist den Geschmack einer Erkenntnis Christi, die sich ständig an der reinen Quelle des biblischen Textes labt. Jeder einzelne von den Evangelisten berichtete Lebensabschnitt Jesu erstrahlt in jenem Geheimnis, das alle Erkenntnis übersteigt (vgl. Eph 3, 19). Es ist das Geheimnis des fleischgewordenen Wortes, in dem »wirklich die ganze Fülle Gottes wohnt« (Kol 2, 9). Deshalb besteht der Katechismus der Katholischen Kirche so sehr auf den Geheimnissen Christi, wenn er uns daran erinnert, daß »im Leben Jesu alles Zeichen seines innersten Geheimnisses ist«.(30) Das »Duc in altum« der Kirche des dritten Jahrtausends bemißt sich an der Fähigkeit der Christen, »die tiefe und reiche Erkenntnis zu erlangen und das göttliche Geheimnis zu erkennen, das Christus ist. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.« (Kol 2, 2-3). Der brennende Aufruf des Epheserbriefes ergeht an jeden Getauften: »Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, [...] die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt« (3, 17-19).
Der Rosenkranz stellt sich in den Dienst dieses Ideals, indem er das ,,Verborgene" darbietet, um sich leichter für eine tiefe und eingängige Erkenntnis Christi zu öffnen. Wir könnten ihn den Weg Marias nennen. Er ist der modellhafte Weg der Jungfrau von Nazareth, der Frau des Glaubens, des Schweigens und des Hörens. Zugleich ist dies der Weg einer marianischen Frömmigkeit, die vom Bewußtsein der unzertrennlichen Beziehung animiert ist, welche Christus mit seiner Mutter verbindet: die Geheimnisse Christi sind in gewisser Weise auch die Geheimnisse der Mutter; dies gilt sogar für die Situationen, in denen sie nicht direkt einbezogen ist, und zwar aufgrund der Tatsache, daß sie von ihm her und für ihn lebt. Wenn wir uns die Worte des Erzengels Gabriel und der heiligen Elisabeth im Ave Maria zu eigen machen, regt uns dieses Gebet dazu an, stets aufs Neue bei Maria, auf ihren Armen und in ihrem Herzen, die »gebenedeite Frucht ihres Leibes« (vgl. Lk 1, 42) zu suchen.
Geheimnis Christi, „Geheimnis" des Menschen
25. In meinem schon erwähnten Zeugnis von 1978 über den Rosenkranz als meinem Lieblingsgebet, habe ich ein Bild gebraucht, zu dem ich gerne zurückkehren möchte. Damals sagte ich, daß das »schlichte Gebet des Rosenkranzes den Rhytmus des menschlichen Lebens bekommt«.(31) Im Licht der bisher erfolgten Überlegungen über die Geheimnisse Christi ist es nicht schwer, diese anthropologischen Implikationen des Rosenkranzes zu vertiefen. Dieser Bedeutungsinhalt ist radikaler, als es am Anfang erscheinen mochte. Wer die Betrachtung Christi entlang seiner verschiedenen Lebensabschnitte unternimmt, wird in ihm auch die Wahrheit über den Menschen erfassen. Es ist die großartige Feststellung des II. Vatikanischen Konzils, die ich seit der Enzyklika Redemptor hominis in meinem Lehramt immer wieder aufgegriffen habe: »Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf«.(32) Der Rosenkranz hilft, sich diesem Licht zu öffnen. Beim Mitgehen des Weges Christi, in dem der Weg des Menschen »rekapituliert«,33 enthüllt und erlöst wird, stellt sich der Gläubige dem Bild des wahren Menschen. Die Geburt betrachtend erfährt er die Heiligkeit des Lebens; im Blick auf das Haus von Nazareth erfaßt er die ursprüngliche Wahrheit über die Familie nach dem Plan Gottes. Wo er dem Meister in den Geheimnissen seines öffentlichen Wirkens folgt, kommt er mit dem Licht in Berührung, um in das Reich Gottes einzutreten, und indem er den Weg zum Kalvarienberg beschreitet, lernt er den Sinn des erlösenden Leidens kennen. Schließlich betrachten wir Christus und seine Mutter in der Glorie des Himmels und sehen das Ziel, zu dem jeder von uns berufen ist, wenn wir uns vom Heiligen Geist heilen und verklären lassen. Man kann somit sagen, daß jedes Rosenkranzgeheimnis, wenn wir es gut meditieren, Licht auf das Geheimnis des Menschen wirft.
Gleichzeitig ist es dann ganz natürlich, zu einer Begegnung mit der heiligen Menschheit des Erlösers die vielen Probleme, Drangsale, Mühen und Vorhaben mitzunehmen, die unser Leben kennzeichnen. »Wirf deine Sorge auf den Herrn, er hält dich aufrecht« (Ps 55, 23). Den Rosenkranz betrachtend zu beten bedeutet, unsere Anliegen dem erbarmenden Herzen Jesu und dem seiner Mutter zu übergeben. Im Abstand von fünfundzwanzig Jahren und im Rückblick auf die Prüfungen, die in meiner Ausübung des petrinischen Dienstamtes nicht ausgeblieben sind, möchte ich im Sinne einer an alle gerichteten herzlichen Einladung daran erinnern, daß allen diese persönliche Erfahrung zuteil werden kann: Im Rosenkranz schlägt wirklich der Rhythmus des menschlichen Lebens, um dieses mit dem Rhythmus des göttlichen Lebens in der freudvollen Gemeinschaft der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die die Bestimmung und Sehnsucht unserer Existenz ist, in Einklang zu bringen.
»FÜR MICH IST CHRISTUS DAS LEBEN«
III. DRITTES KAPITEL
Der Rosenkranz: Weg zur Aufnahme des Geheimnisses Eine wirksame Methode
Die Nennung des Rosenkranzgeheimnisse Das Hören auf Gottes Wort Die Stille
Das »Vaterunser« Die zehn »Gegrüßet seist du Maria« Das »Gloria« Das abschließende Stoßgebet
Die Perlenschnur des Rosenkranzes Der Beginn und das Ende Die Aufteilung in der Zeit
Der Rosenkranz: Weg zur Aufnahme des Geheimnisses
26. Der Rosenkranz stellt die Betrachtung der Geheimnisse Christi mit einer charakteristischen Methode vor, die auf eine Erleichterung ihrer Zueigenmachung ausgerichtet ist. Diese Methode beruht auf der Wiederholung. Dies gilt insbesondere für das Ave Maria, welches in jedem Gesätz zehnmal wiederholt wird. Bei einer oberflächlichen Betrachtung dieser Wiederholungen könnte man versucht sein, das Rosenkranzgebet als eine trockene und langweilige Frömmigkeitsform anzusehen. Zu einer ganz andere Einschätzung hingegen gelangen wir, wenn wir dieses Gebet als Ausdruck einer Liebe betrachten, die nicht müde wird, sich der geliebten Person zuzuwenden. Obschon ähnlich in der Ausdrucksform, ist dabei das Ausströmen der Liebe wegen der Gefühle, die es durchdringt, stets neu.
In Christus hat Gott wirklich ein menschliches Herz angenommen. Er hat nicht nur ein göttliches Herz, reich an Barmherzigkeit und Vergebung, sondern auch ein menschliches Herz, fähig zu allen Gefühlsregungen. Sollten wir dazu einen Belegtext aus dem Evangelium benötigen, würde es nicht schwerfallen, diesen im bewegenden Gespräch Christi mit Petrus nach der Auferstehung zu finden: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?«. Dreimal stellt der Herr die Frage, dreimal erfolgt die Antwort: »Herr, du weißt, daß ich dich liebe!« (vgl. Joh 21, 15-17). Über die spezifische Bedeutung dieses Abschnitts für die Sendung des Petrus hinaus, kann niemandem die Schönheit dieser dreifachen Wiederholung entgehen, in der sich die drängende Frage und die entsprechende Antwort in einer Weise ausdrücken, die die allgemeine Erfahrung menschlicher Liebe widerspiegeln. Um den Rosenkranz richtig zu verstehen, müssen wir in die psychologische Eigendynamik der Liebe eintreten.
Eine Sache ist klar: wenn sich die Wiederholung des Ave Maria direkt an Maria wendet, dann richtet sich der Akt der Liebe mit ihr und durch sie schließlich an Jesus
. Die Wiederholung nährt sich aus dem Verlangen nach einer immer vollkommeneren Gleichgestaltung mit Christus, dem wahren »Programm« des christlichen Lebens. Der heilige Paulus hat dieses Programm mit flammenden Worten dargelegt: »Für mich ist Christus das Leben, und Sterben ein Gewinn« (Phil 1, 21). Nochmals: »Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2, 20). Der Rosenkranz hilft uns, auf dem Weg des Gleichförmigwerdens mit Christus dem Ziel entgegenzuwachsen, das in der Heiligkeit besteht.27. Wir dürfen nicht überrascht sein, daß unsere Christusbeziehung sich der Hilfe einer Methode bedienen kann. Gott teilt sich dem Menschen in einer Weise mit, die unsere Natur und ihre vitalen Rhythmen respektiert. Die christliche Frömmigkeit weiß um die sublimen Formen mystischen Schweigens, in dem gewissermaßen alle Bilder, Worte und Gebärden von der Intensität einer erhabenen Gottesbeziehung des Menschen überstiegen werden. Dennoch kennzeichnet diese Spiritualität normalerweise ein totales Hineingenommensein der Person in ihrer komplexen psychisch-physischen und zwischenmenschlichen Wirklichkeit. Dies scheint besonders in der Liturgie auf. Die Sakramente und die Sakramentalien haben ihre Struktur in einer Abfolge von Riten, die die verschiedenen Dimensionen des Menschen ansprechen. Auch das nicht-liturgische Gebet entspricht dieser Notwendigkeit. Dies wird durch die Tatsache bestätigt, daß im Osten das charakteristischste Gebet der Christus-Betrachtung herkömmlicherweise dem Atemrhythmus folgt: »Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, hab Erbarmen mit mir Sünder!« 34 Gleichzeitig fördert es die Beharrlichkeit der Anrufung und verleiht dem Wunsch, daß Christus selbst zum Atem, zur Seele und zum ,,alles" des Lebens wird, gewissermaßen eine physische Dichte. ... die jedoch verbessert werden kann (34). Im Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte habe ich daran erinnert, daß es heute auch in der westlichen Welt eine neue Notwendigkeit der Betrachtung gibt, die zuweilen in anderen Religionen ziemlich gewinnende Ausdrucksformen annimmt.(35) Es fehlt nicht an Christen, die sich auf Grund geringen Wissens um die kontemplative Gebetstradition des Christentums von solchen Formen anziehen lassen. Obschon sie positive Elemente in sich bergen, die manchmal die christliche Gebetserfahrung ergänzen, enthalten diese Formen oftmals einen unannehmbaren ideologischen Hintergrund. Auch in solchen Gebetsformen ist eine Methodologie sehr beliebt, die sich mit dem Ziel hoher geistlicher Konzentration Techniken psychisch-physischer, wiederholender und symbolischer Natur bedient. Der Rosenkranz läßt sich in dieses Bild weltweit verbreiteter religiöser Phänomene einordnen, jedoch bietet er sich mit eigenen Merkmalen dar, die den typischen Anforderungen der Besonderheit des Christentums entsprechen.
Der Rosenkranz ist in Wahrheit nur eine Methode der Betrachtung. Als Methode muß er in Bezug auf das Ziel verwendet werden und kann nicht selbst zum Ziel werden. Als Frucht jahrhundertealter Erfahrung darf jedoch auch die Methode nicht unterschätzt werden. Die Erfahrung unzähliger Heiliger spricht für sie. Dies heißt jedoch nicht, daß sie nicht verbessert werden könnte. Genau darauf hin zielt die Ergänzung des Rosenkranzes durch einen Zyklus von Geheimnissen, die neuen Gesätze der mysteria lucis, die ich in diesem Schreiben zusammen mit einigen Hinweisen für das Beten des Rosenkranzes vorschlagen möchte. Obgleich ich die weithin gefestigte Struktur dieses Gebetes aufrechterhalte, möchte ich den Gläubigen helfen, mit den neuen Gesätzen das Rosenkranzgebet auf seiner symbolischen Ebene zu begreifen, in Übereinstimmung mit den Anforderungen, die das tägliche Leben an uns stellt. Ohne dies besteht die Gefahr, daß das Gebet nicht nur die gewünschten geistlichen Früchte nicht hervorbringt, sondern daß die Perlenschnur, mit der man den Rosekranz zu rezitieren pflegt, schließlich einem Amulett oder einem magischen Gegenstand gleicht, in radikaler Entstellung seiner Bedeutung und seiner Funktion.
Die Nennung des Rosenkranzgeheimnisses
29. Die Nennung des jeweiligen Rosenkranzgesätzes, die möglicherweise mit der etrachtung einer bildlichen Darstellung seines Inhaltes einhergehen kann, gleicht dem Öffnen einer Szene, auf die sich die Aufmerksamkeit konzentriert. Die Worte führen die Vorstellungskraft und den Geist zum betreffenden Ereignis oder Moment im Leben Christi. In der Spiritualität, die sich in der Kirche herausgebildet hat, berufen sich sowohl die Verehrung heiliger Bilder als auch die anderen an sinnlichen Elementen reichen Frömmigkeitsformen, wie ebenso die vom heiligen Ignatius von Loyola in seinen geistlichen Exerzitien vorgeschlagene Methode auf die Seh- und Vorstellungskraft (compositio loci), die als große Hilfe zur Förderung der Konzentration der Seele auf das zu betrachtende Geheimnis beurteilt werden. Es handelt sich hier übrigens um eine Methodologie, die der Logik der Menschwerdung selbst entspricht: Gott wollte in Jesus menschliche Züge annehmen. Durch diese seine körperliche Wirklichkeit werden wir dazu angeleitet, mit seinem göttlichen Geheimnis in Kontakt zu treten. Auch die Nennung der verschiedenen Rosenkranzgeheimnisse versucht diesem konkreten Anliegen zu entsprechen. Sie ersetzen gewiß nicht das Evangelium, noch rufen sie uns alle seine Seiten in Erinnerung. Der Rosenkranz ersetzt daher auch nicht die lectio divina (geistliche Lesung), die sie, ganz im Gegenteil, voraussetzt und anregt. Auch wenn die im Rosenkranz meditierten Geheimnisse mit der Ergänzung der mysteria lucis sich auf die Grundzüge des Lebens Christi beschränken, gelingt es der Seele leicht, über den Rest des Evangeliums zu schweifen, vor allem wenn der Rosenkranz in gewissen Momenten ausgedehnter innerer Sammlung gebetet wird.
30. Um der Meditation eine biblische Grundlage und größere Tiefe zu geben, ist es sinnvoll, daß der Ansage des Rosenkranzgesätzes die Verkündigung eines passenden Bibelabschnittes folgt. Dieser kann je nach den Umständen mehr oder weniger ausgedehnt sein. Andere Texte erreichen sicherlich nie die dem inspirierten Wort innewohnende Wirksamkeit. Dieses muß mit der Gewißheit vernommen werden, daß es Wort Gottes ist, das in das Heute hinein und »für mich« verkündet wird. So aufgenommen, geht das Wort Gottes in die Wiederholungsmethodologie des Rosenkranzbetens ein, ohne Langeweile hervorzurufen, die durch den Verweis auf eine bereits gut bekannte Information entstehen könnte. Es handelt sich nicht um ein erneutes in Erinnerung bringen einer Information, sondern vielmehr um das Sprechen lassen Gottes. Zu manchen Anlässen des feierlichen und gemeinschaftlichen Gebetes kann dieses Wort in angebrachter Weise durch einen kurzen Kommentar erläutertwerden.
31. Das Hören und die Meditation nähren sich von der Stille. Es ist angemessen, nach der Ankündigung des Rosenkranzgeheimnisses und nach der Wortverkündigung eine Zeit lang innezuhalten und den Blick auf das zu betrachtende Gesätzchen zu richten, bevor das hörbare Beten ansetzt. Die Wiederentdeckung des Wertes der Stille ist eines der Geheimnisse in der Übung der Kontemplation und der Meditation. Die Tatsache, daß Stille heute immer schwieriger wird, gehört zu den Grenzen einer stark technisierten und durch die Massenmedien geprägten Gesellschaft. Wie in der Feier der Liturgie Momente der Stille angebracht sind, so erscheint es auch beim Beten des Rosenkranzes sinnvoll, nach dem Hören des Wortes Gottes eine kurze Pause zu machen, damit sich die Seele auf den Inhalt eines bestimmten Geheimnisses besinnen kann.
32. Nach dem Hören des Wortes und der Besinnung auf das Geheimnis erhebt sich naturgemäß die Seele zum Vater. Jesus führt uns in jedem einzelnen seiner Mysterien zum Vater, auf den er beständig hingewendet ist, weil er an seinem ,,Herzen" ruht (vgl. Joh 1,18). Er will uns in die Vertrautheit mit dem Vater einführen, so daß wir mit ihm »Abba, Vater« sagen können (Röm 8, 15; Gal 4, 6). Es ist in der Verbindung mit dem Vater, daß Er uns zu seinen Brüdern und zu Brüdern untereinander macht, indem er uns den Geist mitteilt, der zugleich der seinige und der des Vaters ist. Das sich beim Ave Maria wiederholende »Vaterunser« bildet gleichsam das Fundament dieser christologisch – marianischen Betrachtung und verleiht der Meditation des Geheimnisses selbst beim Beten in Einsamkeit eine kirchliche Dimension.
Die zehn »Gegrüßet seist du Maria«
33. Dieser Teil ist der umfangreichste des Rosenkranzes und macht ihn im Gesamt zu einem marianischen Gebet par excellence. Gerade im Licht des recht verstandenen Ave Maria läßt sich jedoch mit Klarheit feststellen, daß der marianische Charakter dem christologischen nicht nur nicht entgegensteht, sondern – im Gegenteil – ihn unterstreicht und hervorhebt. Der erste Teil des Ave Maria, der sich aus den Worten des Erzengels Gabriel und der heiligen Elisabeth an Maria herleitet, ist in der Tat eine anbetende Betrachtung des Geheimnisses, das sich in der Jungfrau von Nazareth erfüllt. Diese Worte drücken sozusagen die Bewunderung des Himmels und der Erde aus und lassen in gewisser Weise die Freude Gottes selbst durchscheinen, wenn er sein Meisterwerk – die Menschwerdung des Sohnes im jungfräulichen Schoß Marias – betrachtet, im Sinne jenes freudigen Blickes der Genesis (vgl. Gen 1, 31), jenes ursprünglichen »pathos, mit welchem Gott, am Anfang der Schöpfung das Werk seiner Hände betrachtete«.36 Das wiederholte Ave Maria des Rosenkranzes bringt uns an die Freude Gottes heran: es ist Jubel, Staunen und Dankbarkeit für das größte Wunder der Geschichte. Es ist die Erfüllung der Verheißung, die an Maria ergangen ist: »Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter« (Lk 1, 48).
Der Mittelpunkt des Gegrüßet seist du Maria, gleichsam das Scharnier zwischen dem ersten und dem zweiten Teil, ist der Name Jesus. Manchmal geschieht es, vor allem in einer hastigen Betweise, daß dieser Mittelpunkt entweicht und mit ihm auch der Kontakt zum Mysterium, welches man soeben betrachtet. Gerade die Betonung, die man dem Namen Jesu und seinem Geheimnis beimißt, macht jedoch ein bedeutungsvolles und fruchtbares Beten des Rosenkranzes aus. Papst Paul VI. erinnerte bereits im Apostolischen Schreiben Marialis cultus daran, daß es in einigen Gegenden den Brauch gibt, den Namen Jesu hervorzuheben, indem man eine Anrufung des Gesätzes, welches man gerade betrachtet, einfügt.37 Dies ist ein lobenswerter Brauch, besonders beim gemeinsamen Gebet. Er drückt kraftvoll den christologischen Glauben aus, der sich den verschiedenen Momenten im Leben des Erlösers zuwendet. Dies ist Bekenntnis des Glaubens und gleichzeitig eine Hilfe, um die Betrachtung wach zu halten. So kann die der Wiederholung des Ave Maria innewohnende assimilierende Funktion in Bezug auf das Christusgeheimnis gelebt werden. Einen Weg der Assimilierung, der darauf abzielt, uns immer tiefer in das Leben Christi eintreten zu lassen, bildet die Wiederholung des Namens Jesu – der einzige Name, der uns gegeben ist, durch den wir gerettet werden sollen (vgl. Apg 4, 12) – verflochten mit jenem der Allerseligsten Mutter. Dabei lassen wir gleichsam zu, daß sie uns diesen Namen eingibt.
Sodann ergibt sich aus der ganz besonderen Christusbeziehung, die Maria, die Mutter Gottes, die Theotòkos (Gottesgebärerin), werden ließ, die Kraft der Bitte, mit der wir uns im zweiten Teil des Gebetes an sie wenden, indem wir ihrer mütterlichen Fürsprache unser Leben und die Stunde unseres Todes anvertrauen.
34. Die trinitarische Doxologie ist der Zielpunkt der christlichen Kontemplation. Christus ist tatsächlich der Weg, der uns im Geist zum Vater führt. Wenn wir diesen Weg bis zum Ende durchlaufen, finden wir uns immerfort vor dem Geheimnis der drei göttlichen Personen wieder, die wir loben, anbeten und denen wir danken. Es ist wichtig, daß das Gloria, der Höhepunkt der Kontemplation, beim Rosenkranzbeten gut hervorgehoben wird. Beim öffentlichen Beten könnte es auch gesungen werden, um so der tragenden Struktur und Perspektive eines jeden christlichen Gebetsvollzugs geeigneten Nachdruck zu verleihen.
Die trinitarische Verherrlichung in jedem Rosenkranzgesätz erhält, ohne sich auf eine schnelle Beendigung zu beschränken, eine entsprechende kontemplative Tonlage, und zwar in dem Maße, in dem die Betrachtung des Geheimnisses – von Ave zu Ave – durch die Liebe zu Christus und zu Maria aufmerksam, vertieft und wiederbelebt wird. So als ob der Geist sich zur Höhe des Paradieses erhebt und uns in gewisser Weise die Erfahrung von Tabor, die Vorwegnahme der zukünftigen Schauung wieder erleben läßt: »Es ist gut, daß wir hier sind« (Lk 9, 33).
35. Nach der geläufigen Praxis des Rosenkranzgebetes folgt auf die trinitarische Schlußformel ein Stoßgebet, daß je nach Gewohnheit verschieden ist. Ohne etwas vom Wert dieser Anrufungen wegnehmen zu wollen, scheint es angebracht zu betonen, daß die Betrachtung der Geheimnisse ihre ganze Fruchtbarkeit besser entfalten kann, wenn darauf geachtet wird, daß jedes Gesätz mit einem Gebet endet, das darauf ausgerichtet ist, die besonderen geistlichen Früchte aus der Betrachtung des jeweiligen Geheimnisses zu gewinnen. In diesem Sinn wird das Rosenkranzgebet noch wirksamer in Verbindung zum christlichen Leben stehen. So schlägt es ein schönes Gebet aus der Liturgie vor, welches uns einlädt, durch die Betrachtung der Geheimnisse des Rosenkranzes das »nachzuahmen, was sie enthalten und zu erlangen, was sie verheißen«.(38)
Das abschließende Gebet kann, wie bereits üblich, legitimerweise vielfältige Formen annehmen. So paßt sich das Rosenkranzgebet auch an die unterschiedlichen geistlichen Traditionen in den verschiedenen christlichen Gemeinschaften an. In dieser Perspektive ist es wünschenswert, daß die besten Formulierungsvorschläge mit gebührender pastoraler Klugheit Verbreitung finden. Dazu sind die Erfahrungen in marianischen Zentren und Wallfahrtsorten dienlich, in denen dem Rosenkranz ein besonderer Stellenwert zukommt, so daß sich das Volk Gottes des ganzen echten geistlichen Reichtums erfreuen und daraus Nahrung für die eigene Betrachtung erlangen kann.
Die Perlenschnur des Rosenkranzes
36. Das gebräuchliche Hilfsmittel für das Rosenkranzgebet ist die Perlenschnur. In einer eher oberflächlichen Sichtweise ist sie lediglich ein Gegenstand zum Zählen der aufeinanderfolgenden Ave Maria. Jedoch hat sie auch eine symbolische Bedeutung. Sie kann dazu beitragen, der Betrachtung eine noch tiefere Innigkeit zu verleihen. Diesbezüglich ist erstens festzuhalten, daß der Rosenkranz auf das Kreuz hin zusammenläuft, das somit den Weg des Gebetes selbst eröffnet und abschließt. In Christus finden Leben und Gebet der Gläubigen ihren Mittelpunkt. Alles geht von ihm aus, alles strebt zu ihm hin, alles führt durch ihn im Heiligen Geist zum Vater. Als Hilfsmittel zum Zählen der fortlaufenden Gebetselemente erinnert uns der Rosenkranz an den beharrlichen Weg der christlichen Kontemplation und Vervollkommnung. Der selige Bartolo Longo sah in ihm auch eine ,,Kette", die uns an Gott bindet. Eine Kette, aber eine süße Kette, die uns immer die Beziehung zu einem Gott offenlegt, der unser Vater ist. Er ist die Kette der Kindschaft, die uns in Einklang mit Maria, der »Magd des Herrn« (Lk 1, 38) bringt und schließlich mit Christus selbst verbindet, der, obwohl er Gott gleich war, aus Liebe zu uns zum »Sklaven« wurde (vgl. Phil 2, 7).
Es ist schön, diese symbolische Bedeutung der Perlenschnur des Rosenkranzes auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auszuweiten und darin das Band der Gemeinschaft und der Brüderlichkeit zu erkennen, das alle in Christus vereint.
37. Entsprechend den kirchlichen Gebräuchen sind in der gegenwärtigen Praxis die Einführungsgebete des Rosenkranzes verschiedenartig. In einigen Gebieten pflegt man ihn mit der Anrufung des Psalmes 70 zu beginnen: »O Gott, komm mir zu Hilfe; Herr, eile mir zu helfen«, um im Beter das demütige Bewußtsein seiner Bedürftigkeit zu nähren. Anderswo hingegen beginnt das Rosenkranzgebet mit dem Credo, um das Glaubensbekenntnis dem Betrachtungsweg sozusagen als Grundlage voranzustellen. Diese und ähnliche Gebetsweisen sind gleichermaßen berechtigt, insofern sie den Geist gut auf die Betrachtung einzustimmen vermögen. Der Rosenkranz schließt mit dem Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters ab. Er weitet so den Blick des Betenden auf den umfassenden Rahmen kirchlicher Anliegen und Nöte. Um dem Rosenkranz gerade diese gesamtkirchliche Blickrichtung zu geben, wollte die Kirche ihn mit Ablässen für diejenigen versehen, die ihn in der richtigen Absicht beten.
So gesehen wird das Rosenkranzgebet tatsächlich zu einem wahren geistlichen Weg, auf dem Maria sich zur Mutter, Lehrerin und Führerin macht, um die Gläubigen mit ihrer mächtigen Fürbitte zu unterstützen. Es ist also nicht verwunderlich, daß der Geist am Ende dieses Gebetes, in dem er die Mütterlichkeit Mariens so inniglich erfahren durfte, sich gedrängt fühlt, im Lob an die heilige Jungfrau aufzugehen. Sei es im herrlichen Gebet des Salve Regina, oder in jenem der Lauretanischen Litanei. Der Rosenkranz krönt einen inneren Weg, der die Gläubigen in lebendigen Kontakt mit dem Geheimnis Christi und seiner heiligsten Mutter gebracht hat.
38. Der Rosenkranz kann jeden Tag ganz gebetet werden. Nicht wenige tun dies lobenswerterweise. Er dient dazu, den Tageslauf vieler kontemplativer Menschen im Gebet zu erfüllen; ebenso ist er ein Begleiter der kranken und alten Menschen, die ausreichend über Zeit verfügen. Andererseits ist es klar, daß viele Menschen nur einen Teil des Rosenkranzes entsprechend einer bestimmten wöchentlichen Ordnung beten können. Dies gilt umso mehr angesichts der Hinzufügung der neuen lichtreichen Geheimnisse. Diese wöchentliche Einteilung verleiht letztendlich den verschiedenen Tagen der Woche eine gewisse geistliche ,,Färbung", analog zu den verschiedenen Zeiten des liturgischen Jahres.
Nach der üblichen Praxis sind Montag und Donnerstag den freudenreichen Geheimnissen,
Dienstag und Freitag den schmerzhaften Rosenkranzgesätzen, sowie Mittwoch, Samstag und Sonntag den glorreichen Geheimnissen gewidmet. Wo sollen nun die »lichtreichen Rosenkranzgeheimnisse« eingefügt werden? Unter der Rücksicht, daß die glorreichen Geheimnisse sich in der Abfolge von Samstag und Sonntag direkt wiederholen und der Samstag traditionell als ein Tag besonderer Marienverehrung begangen wird, scheint es zweckmäßig, die zweite wöchentliche Betrachtung der freudenreichen Gesätze auf den Samstag zu verschieben, in denen die Gegenwart Marias am stärksten betont ist. So bleibt der Donnerstag für die Betrachtung der lichtreichen Geheimnisse frei.
Diese Anleitung beabsichtigt allerdings keine Einschränkung der gebührenden Freiheit in der persönlichen und gemeinschaftlichen Betrachtung, die sich an den spirituellen und pastoralen Bedürfnissen sowie vor allem an den liturgischen Feiern ausrichtet, die entsprechende Anpassungen nahelegen können. Wirklich wichtig ist, daß der Rosenkranz immer besser als betrachtende Wegstrecke erfaßt und erfahren wird. In liturgieergänzender Weise prägt die Rosenkranzbetrachtung die Woche des Christen, deren Angelpunkt der Sonntag, der Tag der Auferstehung, ist. Sie wird zu einem Weg, auf dem wir die Geheimnisse des Lebens Christi durchschreiten, der sich im Leben seiner Jünger als Herr von Zeit und Geschichte erweist.
»Gebenedeiter Rosenkranz Mariens, süße Kette, die uns an Gott bindet«
39. Die bisherigen Überlegungen geben den Reichtum dieses althergebrachten Gebetes ausführlich wieder, das die Einfachheit eines Volksgebetes mit der theologischen Tiefe eines Gebetes verbindet, welches sich für Menschen eignet, die die Notwendigkeit einer reiferen Betrachtung spüren.
Die Kirche hat diesem Gebet stets eine besondere Wirksamkeit zugesprochen. Sie legt die schwersten Anliegen vertrauensvoll in das gemeinsame und beharrliche Beten des Rosenkranzes hinein. In Zeiten, in denen die Christenheit selbst bedroht war, hat dieses Gebet zur Errettung aus Gefahr beigetragen und die Jungfrau vom Heiligen Rosenkranz wurde als Mittlerin zum Heil verehrt. Gerne anempfehle ich der Wirksamkeit dieses Gebetes – wie ich eingangs erwähnt habe – die Bitte um den Frieden in der Welt und die Anliegen der Familien.
Der Friede
40. Die Probleme, die die Bühne der Welt zu Beginn dieses neuen Jahrtausends zeigt, bringen uns auf den Gedanken, daß nur ein Eingriff von oben – der die Herzen all jener, die in Konfliktsituationen leben, zu lenken vermag, und all derer, denen die Führung der Geschicke der Nationen obliegt – auf eine weniger dunkle Zukunft hoffen läßt. Seiner Natur nach ist der Rosenkranz auf den Frieden ausgerichtet. Dies ergibt sich aus der Tatsache, daß dieses Gebet in der Betrachtung Christi des Fürsten des Friedens besteht, der »unser Friede« ist (Eph 2, 14). Wer das Christusgeheimnis verinnerlicht – und genau darauf zielt der Rosenkranz ab –, eignet sich das Geheimnis des Friedens an und macht es zu seinem Lebensentwurf. Kraft seines meditativen Charakters übt das Rosenkranzgebet ferner in der ruhigen Abfolge des Ave Maria auf den Beter selbst einen friedensstiftenden Einfluß aus. Es disponiert ihn für das Empfangen und das Erfahren seines Seins in der Tiefe und macht ihn bereit, den wahren Frieden, der das besondere Geschenk des Auferstandenen ist (vgl. Joh 14, 17; 20, 21), in seiner Umgebung weiterzuschenken.
Sodann ist der Rosenkranz Friedensgebet auch aufgrund der Früchte der Liebe, die er hervorbringt. Wenn er als eigentliche Meditation gut gebetet wird, weist der Rosenkranz, indem er die Begegnung mit Christus in seinen Geheimnissen fördert, auf das Antlitz Christi in den Brüdern hin, vor allem auf das in denen, die sehr leiden müssen. Wie könnten wir bei der Betrachtung der freudenreichen Geheimnisse das zu Bethlehem geborene Kind anschauen, ohne vom Wunsch erfüllt zu sein, das Leben aufzunehmen, zu verteidigen und zu fördern, sowie uns der Leiden der Kinder in vielen Teilen der Welt anzunehmen? Wie könnten wir Christus, dem Offenbarer, in den lichtreichen Geheimnissen nachgehen, ohne daß wir uns vornehmen, seine Seligpreisungen im täglichen Leben zu bezeugen? Und wie könnten wir den mit dem Kreuz beladenen und gekreuzigten Christus betrachten, ohne daß wir uns gedrängt fühlen, selbst zum Simon von Cyrene für jeden Bruder zu werden, der erschöpft von Krankheit oder überwältigt von der Hoffnungslosigkeit ist? Wie könnten wir schließlich die Augen auf die Herrlichkeit des auferstandenen Christus und auf die zur Königin gekrönten Maria gerichtet halten, ohne den Wunsch zu verspüren, diese Welt schöner und gerechter zu machen und sie dem Plan Gottes näher zu bringen?
Indem der Rosenkranz uns den Blick auf Christus richten läßt, macht er uns also auch zu Friedensstiftern in der Welt. Weil er in besonderer Weise ein inständiges und gemeinsames Bittgebet ist, das im Einklang mit der Aufforderung Christi steht, allezeit zu beten »und darin nicht nachzulassen« (vgl. Lk 18, 1), erfüllt er uns mit der Hoffnung, daß auch heute eine so schwierige ,,Schlacht", wie die des Friedens gewonnen werden kann. Weit davon entfernt eine Flucht vor den Problemen dieser Welt zu sein, drängt uns der Rosenkranz, diese mit den Augen der Verantwortung und des Großmutes zu betrachten. Er erwirkt uns die Kraft, uns der Probleme in der Gewißheit göttlicher Hilfe und mit dem festen Vorsatz zuzuwenden, unter allen Umständen die Liebe zu bezeugen, die »das Band ist, das alles vollkommen macht« (Kol 3, 14).
Die Familie: Die Eltern...
41. Als Gebet um den Frieden ist der Rosenkranz auch und schon immer das Gebet der Familie und für die Familie. Früher war dieses Gebet den christlichen Familien besonders teuer und hat sicherlich die Eintracht unter ihren Gliedern gefördert. Dieses kostbare Erbe darf nicht verlustig gehen. Es tut Not, zum Beten in der Familie und zum Gebet für die Familien zurückzukehren, indem gerade von dieser Gebetsform Gebrauch gemacht wird.
Im Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte habe ich dazu ermutigt, daß die Feier des Stundengebetes auch von den Laien im gewöhnlichen Leben der Pfarrgemeinden oder in verschiedenen christlichen Gruppen39 vollzogen wird. Dasselbe wünsche ich auch für das Rosenkranzgebet. Hierbei handelt es sich nicht um zwei alternative Vorschläge, sondern um zwei einander ergänzende Wege der christlichen Betrachtung. Deshalb bitte ich all jene, die sich in der Familienseelsorge engagieren, mit Überzeugung zum Rosenkranzgebet anzuregen.
Eine Familie, die vereint betet, bleibt eins
. Seit altersher wird der Rosenkranz in besondererWeise als Gebet gepflegt, zu dem sich die Familie versammelt. Indem die einzelnen Familienmitglieder ihren Blick auf Jesus richten, werden sie befähigt, sich stets aufs Neue in die Augen zu schauen, miteinander zu sprechen, füreinander einzustehen, sich gegenseitig zu vergeben und in einem durch den Heiligen Geist belebten Liebesbündnis wieder neu zu beginnen.Viele Probleme der heutigen Familien, insbesondere in der wirtschaftlich hochentwickelten Gesellschaft, hängen damit zusammen, daß die Kommunikation untereinander immer schwieriger wird. Es gelingt nicht mehr, gemeinsam Zeit zu verbringen, und sogar jene wenigen Augenblicke des Zusammenseins werden von den Bildern des Fernsehens beherrscht. Die Wiederbelebung des Rosenkranzgebetes in der Familie bedeutet, ganz andere Bilder in das alltägliche Leben hineinzulassen, und zwar die der Heilsmysterien: das Bild des Erlösers, das Bild seiner heiligsten Mutter. Die Familie, die zusammen den Rosenkranz betet, gibt ein wenig das Klima des Heimes von Nazareth wieder: sie stellt Jesus in den Mittelpunkt, sie teilt mit ihm Freud und Schmerz, sie legt Bedürfnisse und Vorhaben in seine Hände, von ihm schöpft sie Hoffnung und Kraft für den Lebensweg.
... und die Kinder
42. Es ist auch schön und fruchtbar, diesem Gebet die Jahre des Wachstums der Kinder anzuvertrauen. Ist nicht vielleicht gerade das Rosenkranzgebet der Weg des Lebens Jesu – von seiner Empfängnis, seinem Tod, bis zur Auferstehung und zur Verherrlichung? Es wird gerade heute für die Eltern immer schwieriger, die Kinder in den verschiedenen Etappen ihres Lebens zu begleiten. In der heutigen Gesellschaft der hochentwickelten Technologie, der Massenmedien und der Globalisierung ist alles so viel schneller geworden, und der kulturelle Generationenunterschied wird immer einschneidender. Eine Fülle von Informationen und ganz unvorhersehbare Erfahrungen nehmen früh Raum im Leben der Kinder und der Heranwachsenden ein. Für die Eltern ist die Bewältigung der Risiken, die die Kinder eingehen, manchmal beängstigend. Nicht selten machen sie Erfahrungen unsäglicher Enttäuschung, wenn sie das Scheitern der eigenen Kinder angesichts der Verführung zur Droge, der Reize eines zügellosen Hedonismus, der Versuchung zur Gewalt, sowie angesichts der verschiedensten Ausdrucksformen der Sinnlosigkeit und der Verzweiflung feststellen.
Das Rosenkranzgebet für die Kinder, und noch wichtiger mit den Kindern, – wobei sie vom zartesten Alter an zu dieser täglichen Atempause des ,,betenden Innehaltens" in der Familie erzogen werden – ist sicher nicht die Patentlösung für jedes Problem, aber es ist eine geistliche Hilfe, die nicht unterschätzt werden darf. Dem könnte man entgegenhalten, daß der Rosenkranz ein Gebet sei, das dem Geschmack der Kinder und der Jugendlichen von heute wenig entspricht. Der Einwand bezieht sich vielleicht auf eine Art und Weise des Rosenkranzbetens, die es oftmals an Sorgfalt vermissen läßt. Unter der Voraussetzung, daß die grundlegende Struktur des Rosenkranzes gewahrt bleibt, spricht übrigens nichts dagegen, den mit Kindern und Jugendlichen in der Familie oder in Gruppen gebeteten Rosenkranz mit angebrachten symbolischen und praktischen Elementen zu versehen, die geeignet sind, das Verständnis und die Wertschätzung dieses Gebetes zu fördern. Warum nicht ausprobieren? Eine Jugendpastoral, die nicht nur auf nichts Wesentliches verzichtet, sondern begeistert und kreativ ist, kann mit der Hilfe Gottes durchaus so wichtige Dinge vollbringen. Die Weltjugendtage haben dafür den Maßstab angegeben! Wenn der Rosenkranz in guter Weise eingeführt wird, bin ich sicher, daß die Jugendlichen selbst die Erwachsenen noch einmal überraschen können, indem sie sich dieses Gebet zu eigen machen und es mit dem für ihr Alter typischen Enthusiasmus vollziehen.
Der Rosenkranz – ein Schatz, der wiederentdeckt werden muß
4
3. Liebe Brüder und Schwestern! Ein Gebet, das so einfach und gleichzeitig so reich ist, verdient es wirklich, von der christlichen Gemeinschaft neu entdeckt zu werden. Dies wollen wir vor allem im laufenden Jahr tun, indem wir dieses Angebot als eine bestärkende Fortsetzung der Grundlinien annehmen, die das Apostolische Schreiben Novo millennio ineunte vorgezeichnet hat, von dem sich viele Teilkirchen bei der Erarbeitung ihrer Pastoralpläne für die nächste Zukunft haben inspirieren lassen. Besonders wende ich mich an Euch, liebe Mitbrüder im Bischofsamt, Priester und Diakone, und an Euch, die Ihr in den verschiedenen Diensten der Seelsorge tätig seid: Wenn Ihr die Schönheit des Rosenkranzes persönlich erfahrt, werdet Ihr selbst zu eifrigen Förderern dieses Gebetes!Auch in Euch, die Theologen, setze ich mein Vertrauen, daß Ihr im Rahmen gleichermaßen präziser und weiser Überlegungen, die mit Achtsamkeit gegenüber dem Lebensvollzug des Gottesvolkes auf das Wort Gottes gründen, mithelft, die biblischen Grundlagen, den geistlichen Reichtum und die pastorale Wirksamkeit dieses Gebetes zu entdecken.
Ich zähle auf Euch, die gottgeweihten Gläubigen
, die Ihr in ganz besonderer Weise dazu berufen seid, das Antlitz Christi in der Schule Mariens zu betrachten.Auf Euch alle schaue ich, Brüder und Schwestern jeglichen Standes, auf Euch, die christlichen Familien, auf Euch, die Kranken und die betagten Menschen, auf Euch, die Jugendlichen: nehmt aufs Neue den Rosenkranz mit Vertrauen in Eure Hände! Entdeckt den Rosenkranz wieder im Licht der Heiligen Schrift, in Einklang mit der Feier der Liturgie und unter den Umständen des alltäglichen Lebens.
Dieser Aufruf darf nicht ungehört bleiben!
44. Zu Beginn des fünfundzwanzigsten Jahres meines Pontifikates lege ich dieses Apostolische Schreiben vertrauensvoll in die weisen Hände der Jungfrau Maria. Im prachtvollen Heiligtum, das der selige Bartolo Longo, der Apostel des Rosenkranzes, zu ihrer Ehre erbaut hat, werfe ich mich geistig vor ihrem Bilde nieder. Gerne mache ich mir die berührenden Worte zu eigen, mit welchen er die berühmte Bitte an die Königin des Heiligen Rosenkranzes beschließt:
»O Rosenkranz, gesegnet von Maria, süße Kette,
die uns an Gott bindet,
Band der Liebe, das uns mit den Engeln vereint,
Turm des Heiles gegen die Angriffe der Hölle,
sicherer Hafen im allgemeinen Schiffbruch,
dich lassen wir nie mehr los.
Du, unsere Stärke in der Stunde des Todes.
Dir gilt der letzte Kuß unseres Lebens,
wenn wir sterben.
Der letzte Gruß unserer Lippen sei dein holder Name,
o Königin des Rosenkranzes (von Pompeji)!
O gute Mutter,
du Zuflucht der Sünder,
erhabene Trösterin der Betrübten,
sei überall gepriesen,
heute und immer im Himmel und auf Erden!« .
Aus dem Vatikan, am 16. Oktober des Jahres 2002, dem Beginn des
fünfundzwanzigsten Jahres meines Pontifikates.
JOHANNES PAUL II.
Fussnoten
1 Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 45.
2 Paul VI., Marialis cultus (2. Februar 1974) 42: AAS 66 (1974), 153; vgl. OR dt., Nr. 20 (1974), 8.
3 Vgl. Acta Leonis XIII, 3 (1884), 280-289.
4 Insbesondere verdient sein Apostolisches Schreiben über den Rosenkranz »Il religioso convegno« vom 29. September 1961 Beachtung: AAS 53 (1961), 641-647.
5 Angelus: Insegnamenti I (1978), 75-76; vgl. OR dt., Nr. 44 (1978), 3.
6 AAS93 (2001), 285.
7 In den Jahren der Vorbereitung auf das Konzil hat Papst Johannes XXIII. es nicht versäumt, die christliche Gemeinschaft zum Rosenkranzgebet um einen guten Ausgang dieses großen kirchlichen Ereignisses einzuladen: vgl. Brief an den Kardinalvikar vom 28. September 1960: AAS 52 (1960), 814-817.
8 Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 66.
9 Nr. 32: AAS 93 (2001), 288.
10 Ebd.,33, l.c., 289.
11 Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, daß sich die Privatoffenbarungen ihrer Natur nach von der allen zugänglichen Offenbarung unterscheiden, die für die Kirche normativ ist. Es bleibt Aufgabe des Lehramtes, die Echtheit der Privatoffenbarungen und ihre Bedeutung für die Frömmigkeit der Gläubigen zu beurteilen und anzuerkennen.
12 Il segreto meraviglioso del Santo Rosario per convertirsi e salvarsi, in S. Luigi Maria Grignion de Montfort, Opere, 1, Scritti Spirituali, Roma 1990, pp.729-843.
13 Sel. Bartolo Longo, Storia del Santuario di Pompei, Pompei 1990, p.59.
14 Apost. Lehrschreiben Marialis cultus (2 febbraio 1974) 47: AAS (1974), 156, vgl. OR dt., Nr. 20 (1974), 8.
15 Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, 10.
16 Ebd., 12.
17 Ökum. II. Vatikanisches Konzil, Dogmat. Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 58.
18 I Quindici Sabati del Santissimo Rosario, 27ª ed., Pompei 1916, p.27.
19 Ökum. II. Vat. Konzil, Dogmat. Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 53.
20 Ebd., 60.
21 Vgl. Primo radiomessaggio Urbi et Orbi (17 ottobre 1978): AAS 70 (1978), 927.
22 Trattato della vera devozione a Maria, 120, in: Opere. Vol. I. Scritti spirituali, Roma 1990, p.430.
23 Katechismus der Katholischen Kirche, 2679.
24 Ebd., 2675.
25 Der selige Bartolo Longo hat im Jahre 1883 die Supplica alla Regina del Santo Rosario, die zweimal jährlich, im Mai und im Oktober, feierlich verrichtet wird, geschrieben. Damit entsprach er einer Einladung Papst Leo XIII. in seiner ersten Enzyklika über den Rosenkranz an die Katholiken, um den Übeln der Zeit mit geistlichem Bemühen zu begegnen.
26 Die Göttliche Komödie, XXXIII. Gesang, 13-15.
27 Johannes Paul II., Apost. Schr. Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), 20: AAS 93 (2001), 279.
28 Apost. Lehrschreiben Marialis cultus, 46: AAS 66 (1974), 155.
29 Johannes Paul II., Apost. Schr. Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), 28: AAS 93 (2001), 284.
30 Nr. 515
31 Angelus vom 29. Oktober 1978: Insegnamenti I (1978), 76; vgl. OR dt., Nr. 44 (1978), S.3.
32 Ökum. II. Vat. Konzil, Pastoralkonst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 22.
33 Vgl. hl. Irenäus von Lyon, Adversus haereses, III, 18, 1: PG 7, 932.
34 Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2616.
35 Vgl. Nr. 33: AAS 93 (2001), 289.
36 Johannes Paul II., Brief an die Künstler (4. April 1999), 1: AAS 91 (1999), 1155.
37 Vgl. Nr. 46: AAS 66 (1974), 155. Dieser Brauch wurde auch kürzlich von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung lobenswert erwähnt im »Direktorium über die Liturgie und Volksfrömmigkeit. Prinzipien und Orientierungshilfen« (17. Dezember 2001), 201, Vatikanstadt 2002, 165.
38 Missale Romanum1960, in festo B.M. Virginis a Rosario.
39 Vgl. Nr. 34: AAS 93 (2001), 290.
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Dogma von der Unbefleckten Empfängnis ist Impuls für Evangelisierung
14. Internationales Symposium über die Unbefleckte Empfängnis in Rom.
Rom (www.kath.net / zenit) Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariä, die Probleme der heutigen Welt und ein neuer Verständniszugang – das waren die Themen des internationalen mariologischen Symposiums, das am Freitag am Päpstlichen Marianum beendet wurde. Der Theologin Isabel Gómez-Acebo zufolge ist das Dogma der Unbefleckten Empfängnis eine Antriebskraft für die Evangelisierung, gehe es doch um eine moderne und aktive Frau, die das Böse durch das Gute überwinde und den Menschen einen Dienst leiste. Die Professorin, die an der Päpstlichen Jesuitenuniversität "Comillas" in Madrid doziert, sagte hinsichtlich der Verwechslung des besagten Dogmas mit dem der Jungfrauengeburt: "90 Prozent der Katholiken antworten auf die Frage, was das Dogma der Unbefleckten Empfängnis sei, dass es die Jungfrauengeburt Marias bedeute und nicht, dass Maria ohne Erbsünde empfangen wurde". Das liege zum Teil daran, dass wir "in einer Gesellschaft leben, die vor der Sünde die Augen verschließt".
Mutter Rita Burley, Präsidentin der Internationalen Union der Generaloberinnen, sagte: "Ich muss sagen, ich trage das Jawort Marias im Herzen wie ein Feuer, das mich für Gott entbrennen und für die Rechte der Frau eintreten lässt". Erzbischof Angelo Amato, Sekretär der Glaubenskongregation, eröffnete das Symposium. Persönlichkeiten wie Prof. Ignacio M. Calabuig (Marianum) Miguel Ponce Cuéllar vom Zentrum für Höhere Theologische Studien in Mérida-Badajoz oder Bernard Sesboϋé, Mitglieder von «Groupe des Dombes» gehörten zu den geladenen Gästen. Kardinalpräfekt José Saraiva Martins von der Kongregation für Heiligsprechungen eröffnete die Veranstaltung, bei der Msgr. René Laurentin dem spanischen Mariologen und Professor an der Theologischen Fakultät der Universität Granada, Pater Cándido Pozo, S.J. den Preis «R. Laurentin- Pro Ancilla Domini» verlieh. Dieses Symposium war der Beitrag der von Serviten geleiteten Päpstlichen Fakultät "Marianum" zum 150. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis, die vom seligen Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 vorgenommen worden war.
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NOVENE ZUR PERSÖNLICHEN VORBEREITUNG AUF DIE MARIENWEIHE
Beten (oder singen) Sie täglich als Einleitung:
a) Hymne zum Heiligen Geist (Veni Creator Spiritus oder Veni Sancte Spiritus)
b) Der Engel des Herrn (Angelus)
c) Einleitende Gebete:
O Maria, unbefleckte Braut des Heiligen Geistes, Mutter Jesu und meine Mutter, meine Herrin und Königin! Dir will ich mich ganz hingeben, durch dich ganz Jesus gehören. Erflehe mir Licht und Kraft vom Heiligen Geist und reinige mich vom Geist der Welt. - Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in uns das Feuer Deiner göttlichen Liebe.
Amen.
Herr, unser Gott! Komm unserem Beten und Arbeiten mit deiner Gnade zuvor und begleite es, damit alles, was wir beginnen, bei Dir seinen Anfang nehme und durch Dich vollendet werde. Darum bitten wird durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen
Diese Novene zur Vorbereitung auf die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist geeignet, um vom 17.-25. Dezember (Weihnachten: "Den Du, o Jungfrau, geboren hast!"), vom 24. Dezember bis 1. Januar (Fest der Gottesmutterschaft Mariens!), vom 17.-25 März ("Den Du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast") oder vor einem beliebigen Marienfest gehalten zu werden. Der letzte Tag schließt mit der (persönlichen- , Gruppen- oder Familien- )Weihe. Sie kann jedoch jederzeit auch von Einzelnen gebetet werden. Die Gottesmutter wünscht unsere Weihe an Ihr Unbeflecktes Herz. Hier soll eine Anleitung dazu geboten werden.
1. Tag
Jesus sagt: Liebe mich, wie du bist!
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung (alle verharren nach dem Verlesen des folgenden Textes einige Minuten in Stille)
Wenn wir darauf warten, schon auf Erden ein Engel zu werden, um uns ganz der Liebe Gottes hingeben zu können, werden wir zu Gott immer auf Distanz bleiben - das Gegenteil von dem, was wir eigentlich wollen! Sind wir in der Erfüllung unserer Pflichten, in der Übung der Tugenden, in der Abwehr unserer täglichen kleinen Sünden und in der Verhütung größerer Sünden auch gestrauchelt - sehen wir es vor uns und Jesus ruhig ein, daß wir immer wieder dem Bösen Verlangen in uns erliegen - Jesus erlaubt es auch dann nicht, ihn nicht zu lieben. Gerade unser eingesehene Schwäche zieht ihn an, will er ganz für sich haben, sie auf sein Kreuz legen, sie mit uns tragen und besiegen. Er ruft uns zu: Liebe mich, genau so, wie du bist!
b) Bibellesung: 2 Kor 12,6-10; Mt 8, 14-17
c) Geistliche Lesung
Zur geistlichen Lesung empfehle ich Ihnen das Büchlein: "Mein höchstes Ideal, Jesus - Mariens Sohn" oder Thomas von Kempen, "Nachfolge Christi" oder "Das goldene Buch" des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort.
Folgende Abschnitte sind für die neun Tage empfehlenswert:
"Ideal": Seiten 123, 23, 36, 42, 47, 52, 90, 98, 131
"Nachfolge": Buch/Kapitel: I/1. II/11, III/31, III/4, I/6, III/43, III/36, I/24, II/4
"Montfort": Brief an die Kreuzesfreunde
Schlussgebet: Herr Jesus Christus, wir bitten dich: Erhalte in uns den Glauben, daß deine Worte sich an uns erfüllen. Gib uns das Feuer deiner Liebe, so daß wir dich und unsere Mitmenschen mit Deiner Liebe lieben können und laß uns nicht aufhören, deinen Namen hoffnungsvoll anzurufen. Der du lebst und liebst in Ewigkeit. Amen
- Schlusslied nach Belieben
2. Tag
Jesus ruft zur eucharistischen Anbetung
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung
Es gibt ein Brot, das allein den ewigen Hunger des Menschen zu stillen vermag: Jesus in der allerheiligsten Eucharistie. Der tiefe Glaube an die reale Gegenwart Jesu verlangt von uns eine demütige Annahme der Worte des Erlösers, denn nur "der Glaube kann uns lehren, was das Auge nicht erkannt" (Tantum ergo). In der Eucharistie schenkt sich uns Jesus, um in uns, durch uns und mit uns zu lieben. Darum ist die Eucharistie das Zentrum unseres Gebets, des Lebens, des Glaubens. Wir müssen vermehrt zurückkehren zur feierlichen und öffentlichen Anbetung des Allerheiligsten, in welchem unser Herr und Heiland mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit wahrhaft zugegen ist. Diese Anbetung kann sowohl gemeinsam, als auch allein vor dem Tabernakel geschehen.
b) Bibellesung: 1 Kor 11,17-29; Joh 6,26-59
c) Geistliche Lesung
Schlussgebet
Preise Zunge das Geheimnis (Tantum ergo... Strophen 1-6 und anschließendes Gebet)
- Schlusslied
3. Tag
Jesus, ich vertraue auf Dich!
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung
Vor Christus war das Verhältnis der Menschen zu Gott von der Furcht bestimmt. Die Heiden fürchten auch heute noch ihre Götter. Wie gut, daß unser Hingehen zu Gott vom Vertrauen auf die Barmherzigkeit geprägt ist. Wie könnte man sich auch vor dem sanften Osterlamm Jesus Christus fürchten? Er wollte und er will uns alle bei sich haben. Darum üben wir ab heute einen Tag lang das große Vertrauen in Gott. Nichts, wirklich nichts soll dieses Vertrauen erschüttern können - selbst unsere Sünden nicht; auch dann nicht, wenn es dem Teufel gelungen ist, mit neuer List uns in die alte Sünde zu verführen. Sprechen wir in der Krankheit und Gesundheit, in Freud und Leid ein überzeugtes: Jesus, ich vertraue auf Dich!
b) Bibellesung: 2 Tim 3,10-17; Mt 27,39-44
c) Geistliche Lesung
Schlussgebet
O Gott, dessen Barmherzigkeit ohne Grenzen und dessen Mitleid unerschöpflich ist, schaue gnädig herab auf uns und vermehre in uns Deine Barmherzigkeit, auf daß wir auch in größten Schicksalsschlägen und Nöten nicht in Verzweiflung fallen, sondern uns immer hoffnungsvoll Deinem Willen öffnen, der voller Barmherzigkeit zu uns ist. Durch unsern Herrn Jesus Christus, den König der Barmherzigkeit, der uns mit Dir und dem Heiligen Geist Barmherzigkeit erweist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
- Schlusslied
4. Tag
Jesus sendet uns seine Engel zur Hilfe
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung
Die Forderung Jesu, wir sollen wie die Kinder werden, verlangt von uns eine absolute Wahrhaftigkeit des Geistes vor Gott und uns selbst. Das Kind weiß, daß es klein und schwach ist, daß es völlig von der Liebe und der Gunst des Erwachsenen abhängt. Aber liegt nicht gerade in dieser Schwachheit die unwiderstehliche Macht eines Kindes? Wenn wir echte Marienkinder sein wollen, müssen wir es ernst machen, Kind zu sein, ganz von der Liebe der Gottesmutter und der Gnade des Erlösers abhängig. Um diese Schule des Lebens gut bestehen zu können, gibt uns Gott die reinen Geisteswesen, die Engel, zur Hilfe. Sie wollen nur eins: Unseren Weg zu Gott ebnen. Kein Tag, ohne Gedenken an diesen treuen Gottesdiener und Lebensbegleiter, unseren Schutzengel!
b) Bibellesung: Ex 23,20-23a; Mt 18,1-5.10
c) Geistliche Lesung
Schlussgebet
Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe. Gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei du unser Schutz! Gott möge ihm gebieten, so bitten wir dich flehentlich! Dich aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, bitten wir: stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen, durch die Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen
- Schlusslied
5. Tag
Jesus gibt uns Maria als unsere Mutter
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung
Wir sollen täglich den Heiligen Geist um Erkenntnis bitten, damit wir immer mehr in das "Geheimnis Mariens" eindringen können. Er, die Dritte Göttliche Person, ist nämlich der Hüter dieses Unbefleckten Geheimnisses. Von Ihm geführt, entdecken wir die gottgewollten und gottgegebenen Schönheiten in Maria: Ihre Demut, Ihre bedingungslose Gottesliebe, Ihre vollkommene Hingabe an den Willen Gottes, Ihre die Engel übersteigende keusche Reinheit und ihre alle Geschöpfe überragende Heiligkeit. Maria wird uns, wenn wir diese Gottesgaben in Ihr bewundern, in großer Liebe zu ihrem Kind auf Erden als erstes den Heiligen Geist vermitteln, in dessen Licht und Erkenntnis wir die Größe der Liebe Gottes erfahren können.
b) Bibellesung: Schriftwort, von der Kirche auf Maria bezogen: Spr 8, 22-35; Joh 19, 25-27
c) Geistliche Lesung
Schlussgebet
O Maria, unbefleckte Jungfrau und Gottesmutter! Du bist die auserwählte Tochter des Vaters, die treue Braut des Heiligen Geistes und die reinste Mutter Jesu. Jesus gab Dich auch uns zur Mutter. So erwähle ich Dich heute als meine Mutter, meine Herrin und Königin meines Herzens! Erflehe mir Erleuchtung und Liebe vom Heiligen Geist, damit ich den Geist dieser Welt immer recht erkenne, immer mehr in die Erkenntnis Deiner Auserwählung eindringen und Dich so immer mehr zu lieben vermag. Wenn ich dann ganz dir gehöre, werde ich auch ganz Jesus gehören. Amen
6. Tag
Jesus gibt uns Maria als Mutter der Kirche
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung
Mariens ganze Größe und Hoheit ist begründet in ihrer Gottesmutterschaft. Sie ist aber nicht nur die Mutter Christi, sondern auch die Mutter seines geheimnisvollen Leibes, der Kirche. In ihr ist die Kirche - sind wir alle zu Erben Gottes und Miterben Jesu Christi im Reich des himmlischen Vaters geworden. "Zu Beginn dieses neuen Jahres begegne ich auf dem Weg nach Kalvaria allen meinen Kindern: dem Papst, der von mir besonders geliebt, geführt und verteidigt wird, den Bischöfen, den Priestern, den Ordensleuten und den Gläubigen. Welch schweres Kreuz müssen heute diese meine geliebtesten Kinder tragen! Das Kreuz des Abfalls und des Glaubensverlustes, das Kreuz der Sünden und der unzähligen Sakrilegien, das Kreuz der Verlassenheit und der Zurückweisung, das Kreuz der Verurteilung und der Kreuzigung. Für meine Kirche ist der Augenblick des Blutvergießens und ihrer blutigen Aufopferung nahe. Besonders in diesen Zeiten bin ich immer dieser meiner leidenden und im Todeskampf liegenden Tochter nahe, wie ich unter dem Kreuz gestanden bin, an dem Jesus für unsere Erlösung geopfert wurde. Als Mutter bin ich dieser armen Menschheit, die krank ist und unter dem Gewicht ihrer hartnäckigen Zurückweisung Gottes und seines Gesetzes der Liebe erdrückt ist, nahe. Wie sehr hat sie sich vom Herrn entfernt!" (Don Stefano Gobi, 1. Januar 1991).
b) Bibellesung: Gal 4,4-7; Lk 1,26-38
c) Geistliche Lesung
Schlussgebet
Gott, du schaust auf den Niedrigen und blickst nur von Ferne auf die Stolzen; verleihe uns, reinen Herzens die Demut und Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria zu verehren. In ihrer Jungfräulichkeit hat sie dein Wohlgefallen gefunden und in ihrer Demut durfte sie zum Heil der Menschen empfangen unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
- Schlusslied
7. Tag
Jesus gibt uns alle Gnaden durch Maria
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung
Jesus, die einzige Quelle der Gnaden unserer Erlösung, wurde uns von Gott Vater im Heiligen Geist durch Maria geschenkt. Sollte Gott dieses Gnadengeschenk nur einmal der Welt geschenkt haben? Wird er uns nicht vielmehr alle Gnaden, die Jesus uns vom himmlischen Vater im Kreuzestod erworben hat, bis ans Ende der Zeiten durch dieses sein großartiges Werk, die Unbefleckte Jungfrau, vermitteln? Jesus hat auf die Bitte Marias sein erstes Wunder in der Ordnung der Natur gewirkt, als er in Kanaa Wasser zu Wein verwandelte; das erste Wunder Jesu in der Ordnung der Gnade vermittelte Maria schon vor Jesu Geburt, als Johannes der Täufer schon im Mutterschoss durch ihren Besuch geheiligt wurde. Wenn wir mit der Gnade Gottes zusammenwirken, führt uns Maria unfehlbar in die Ordnung der Glorie, zu Gott. Es gibt keinen Grund anzunehmen, daß Gott das allerreinste seiner Geschöpfe, das er schon im Paradiese als solches verkündet und nach ihrem irdischen Leben mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen hat, Maria, bei der Mitwirkung auf unserem Weg in den Himmel ausschließen sollte. Im Gegenteil. Schon an der Wiege der Menschheit gab Gott uns Maria als jene, die dem Satan das Haupt zertritt.
b) Bibellesung: Gen 3,9-15; Joh 2,1-9; Lk 1,39-56
c) Geistliche Lesung
Schlussgebet
Großer und heiliger Gott! Im Hinblick auf den Erlösertod Christi hast du die selige Jungfrau Maria schon im ersten Augenblick ihres Daseins von jeder Sünde bewahrt, um deinem Sohn Jesus Christus eine würdige Wohnung zu bereiten. Höre auf ihre Fürsprache, wenn Sie vor Deinem Throne für uns eintritt: Mache uns frei von Sünden, schenke uns auf die Fürbitte Mariens hin alle jene Gnaden, die Du uns bereithälst und um die wir noch nicht gebeten haben und erhalte uns so in deiner Gnade. Darum bitten wir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, den Du uns in Maria schenken wolltest. Amen
- Schlusslied
8. Tag
Jesus gibt uns Maria als Patronin unseres täglichen Apostolats
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung
Das Wesen des christlichen Apostolats ist es, Christus in den Seelen der Menschen hervorzubringen. Das aber ist die Weiterführung der mütterlichen Aufgabe Mariens. Niemals wird man Marienverehrung und Apostolat von einander trennen können. Die Marienweihe, auf die wir uns vorbereiten, darf sich nicht in Frömmigkeitsübungen oder sentimentaler Hingabe an Maria erschöpfen. Wir dürfen und müssen Maria mit aller Glut unseres Herzens lieben, ab und zu auch mit unseren Gefühlen - doch ist dies nur die Rinde des Baumes; das edle Holz steckt unter der Rinde, wenngleich die Rinde notwendig zum Leben des Baumes gehört. Unsere Marienweihe muß uns anspornen, für die Ausbreitung des Gottesreiches auf Erden unerschrocken einzutreten, den offensichtlichen Irrtümern zu wehren und der echten, innigen Marienverehrung erneut zum Durchbruch zu verhelfen. Maria hatte keine Furcht, angesichts der Peiniger sich unter das Kreuz Jesu zu stellen! Dürfen wir uns dann zurückziehen, wenn es um die Sache Gottes, um das ewige Heil unsterblicher Seelen geht? Apostolat heißt: Mit Maria Christus in den Seelen der Mitmenschen aufstrahlen zu lassen!
b) Bibellesung: 1 Joh 3,10-18.23.24; Joh 12,24-26
c) Geistliche Lesung
Schlussgebet
Gott, du hast deinen Aposteln, die mit Maria, der Mutter Jesu, einmütig im Gebet verharrten, den Heiligen Geist, den Geist der Stärke gegeben. Verleihe uns Gesundheit für den Leib, Weisheit, Klugheit und Standhaftigkeit für den Geist und Reinheit für Die Seele, damit wir unter dem Schutz der Königin der Apostel, die auch unsere Mutter ist, dir treu dienen und die Herrlichkeit deines Namens durch Wort und Beispiel auszubreiten vermögen.
9. Tag
Jesus gibt uns seine Mutter in unsere Zeit
a) Gedanken zur Tagesbetrachtung
Maria geht ihrem Sohn immer voraus. Daß Jesus in Herrlichkeit wiederkommen wird, hat er uns in klaren Worten gesagt. Als die sonnenumkleidete Frau wird Maria den letzten Kampf der Heilsgeschichte gegen die Mächte der Hölle führen. Mit dem Heiligen Geist, dessen Braut sie immer bleibt, wird sie selbst ihre Kämpfer sich berufen und sie in den Endkampf gegen das Böse führen. Die Marienweihe, die Ganzhingabe an Jesus durch Maria, will sagen, daß wir dazu bereit sind, uns von unserer himmlischen Mutter für ihre Zwecke im Kampf gegen das Böse und die Sünde, die Welt immer mehr überfluten, "einteilen" zu lassen und im Vertrauen mit ihr unseren Lebenskampf bestreiten zu wollen. Maria wird durch die Weihe zum Weggefährten meiner irdischen Zeit! Es wird sich immer von neuem erweisen, was unsere Ahnen im Sprichwort prägten: Nie geht ein Marienkind verloren!
b) Bibellesung: Offb 12,1-18; Apg 1,13-14; 2,1-6
c) Geistliche Lesung
Schlussgebet
Herr, unser Gott! Der Heilige Geist entflamme uns mit jenem Feuer, das unser Herr Jesus Christus auf die Erde sandte und von dem er wollte, daß es gewaltig brenne. So nimm unsere Opfer und unseren guten Willen gnädig an und mache uns selber zu einer Opfergabe für dich, die dir wohlgefällt. Amen.
(Falls die Weihe in Gemeinschaft vorgenommen wird, beten alle gemeinsam)
DER WEIHEAKT
Wenn es Ihnen möglich ist, besuchen Sie eine Kirche oder Kapelle und knien Sie vor dem Allerheiligsten nieder. Zünden Sie eine Kerze an (falls dies in der Kirche möglich ist) oder verrichten Sie ein anderes ganz kleines Opfer, in dem Ihre Liebe zu Maria und Jesus zum Ausdruck kommen soll. Beten Sie den freudenreichen Rosenkranz und anschließend das "Weihegebet" als Einleitung (im Falle der GANZHINGABE). Wichtig ist, daß Sie innerlich ganz abschalten und zur Ruhe kommen. Wenn Sie sich in der Familie auf die Marienweihe vorbereitet haben, können Sie den Weiheakt gemeinsam auch zu Hause vor einem schön geschmückten Kreuz und einer Marienstatue beten. Beten sie ihn voller Demut und Hingabe an Jesus und Maria! Jeder einzelne soll aber am selben Tage noch nach Möglichkeit in die Kirche gehen, um vor dem Allerheiligsten für die erhaltenen Gnaden zu danken. Desgleichen sollten Sie während der Zeit der Novene eine gute persönliche Beichte abgelegt haben, am Weihetag zur hl.Kommunion gehen und für den Papst 6 Vaterunser, Gegrüßet seist Du Maria und Ehre sei dem Vater beten.
Weihegebet an das Unbefleckte Herz Mariens
Mutter der Barmherzigkeit, Königin des Himmels und der Erde, Zuflucht der Sünder, wir alle weihen uns in besonde- rer Weise Deinem unbefleckten Herzen. Mit diesem Weiheakt erneuern wir mit Dir und durch Dich unser Taufgelübde und bemühen uns, die vom Evangelium geforderte innere Umkehr zu vollziehen, uns von der Eigenliebe loszulösen und keine billigen Kompromisse zu machen, wenn es um unser Seelenheil geht, damit wir ganz zu Deiner Verfügung stehen und - wie Du - stets den Willen des hirnmlischen Vaters erfüllen.
Ausserdem vertrauen wir Dir, gütigste und mildreichste Mutter, unser ganzes Sein und unsere christliche Berufung an. Wir wollen unser Leben nach Deinem Vorbild ausrichten im Geiste der Busse und des Gebetes. Wir wollen mit Eifer das heilige Messopfer mitfeiern, sooft dies uns rnöglich ist, täglich einen Teil des Rosenkranzes andächtig beten und entsprechend dem Evangelium ein opferfreudiges Leben führen - fähig zu Verzicht und Sühne. Wir wollen in der heutigen Welt ein Beispiel christlicher Tugend und Reinheit leben.
Mitten in der vielfachen Auflehnung gegen das päpstliche Lehr- und Hirtenamt, dem Fundament der Kirche, ver- sprechen wir, dem Heiligen Vater die Treue zu halten - vereint mit den ihm verbundenen Bischöfen und Priestern, für die wir täglich beten wollen, damit Du sie in Deinen Schutz nimmst.
Unter Deinem mütterlichen Schutz wollen wir die Apostel der heute so notwendigen Gebets- und Liebesgemeinschaft für Papst und Kirche sein. Auch versprechen wir Dir, für alle Seelen zu beten, und - soweit es uns möglich ist - Menschen, die uns begegnen, immer und überall Dir zuzuführen und zu einer echten Verehrung Deines Heiligsten Herzens zu bewegen, damit alle Menschen durch Dich zu Deinem göttlichen Sohne Jesus Christus geführt werden. Da die Gottlosigkeit sehr vielen Menschen den Glauben geraubt hat, die Entweihung bis in den heiligen Tempel eingezogen ist, das Böse und die Sünde immer mehr die Welt überfluten, wagen wir vertrauensvoll die Augen zu Dir zu erheben, Du Mutter Jesu und unsere barmherzige Mutter und bitten Dich jetzt erneut um die Rettung aller Deiner Kinder.
0 meine Gebieterin, o meine Mutter. Dir bringe ich mich ganz dar, und um Dir meine Hingabe zu bezeigen, weihe ich Dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar. Weil ich also Dir gehöre, o gute Mutter, bewahre mich, beschütze mich als Dein Gut und Eigentum. Amen.
Schlusslied
Sie haben sich der Gottesmutter geweiht. Das folgende Gebet - DIE GANZHINGABE - sollten Sie nur nach reiflicher Überlegung oder nach 2-3jähriger Wiederholung der obigen Weihe vornehmen. Die Gottesmutter wird Sie von nun an an der Hand nehmen und führen. Lassen Sie sich von IHR führen!!!
Tragen Sie ab heute immer eine Marienmedaille auf sich. Wir empfehlen Ihnen, die WUNDERTÄTIGE MEDAILLE DER IMMAKULATA oder das KARMELSKAPULIER.
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Pfarrei- und Familienweihe. Eine Novene
Sie können diese Novene auch allein zu Hause beten. Gehen Sie jedoch vor dem Weihetag zur hl. Beichte und am Tag selbst zur hl. Messe und zur hl. Kommunion!
I. Tag: Freitag
Herr, unser Gott! Komm unserem Beten und Arbeiten mit deiner Gnade zuvor und begleite es, damit alles, was wir beginnen, bei Dir seinen Anfang nehme und durch Dich vollendet werde. Darum bitten wird durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen
O mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an und ich liebe Dich.
Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die nicht glauben, Dich nicht anbeten, nicht hoffen und Dich nicht lieben.
Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist!
Ich opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt:
zur Sühne für die Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch welche Er selbst beleidigt wird.
Durch die unendlichen Verdienste Seines heiligsten Herzens und durch die des Unbefleckten Herzens Mariens erflehe ich von Dir die Bekehrung der armen Sünder. Amen
II. Tag: Samstag
1. Schmerzhafter Rosenkranz (vor d. hl. Messe)
2. Der Engel des Herrn
- Nach der hl. Kommunion:
3. Hymnus zum Heiligen Geist. KG 228, 1-4
4. Gebet: (gemeinsam):
Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
5. Gebet (In der Kirche: Vorbeter)
Gott, du hast deinen Aposteln, die mit Maria, der Mutter Jesu, einmütig im Gebet verharrten, den Heiligen Geist, den Geist der Stärke, gegeben. Verleihe uns Gesundheit für den Leib, Weisheit, Klugheit und Standhaftigkeit für den Geist und Reinheit für die Seele, damit wir unter dem Schutz der Königin der Apostel, die auch unsere Mutter ist, Dir treu dienen und die Herrlichkeit deines Namens durch Wort und Beispiel auszubreiten vermögen. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen
6. Schlusslied: Ein Marienlied
III. Tag: Sonntag1. Glorreicher Rosenkranz (vor der hl. Messe)
2. Der Engel des Herrn
3. Hymnus: In Demut bet ich Dich verbirgne Gottheit an
(nach d. Kommunion / Wenn Sie in der hl. Messe sind))4. Gebet: (gemeinsam):
Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
5. Gebet (In der Kirche: Vorbeter)
Gott, du schaust auf den Niedrigen und blickst nur von Ferne auf die Stolzen; verleihe uns die Gnade, reinen Herzens die Demut und Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria zu verehren. In ihrer Jungfräulichkeit hat sie dein Wohlgefallen gefunden und in ihrer Demut durfte sie zum Heil der Menschen unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, empfangen, ihn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
6. Schlusslied: Ein Marienlied
1. Hymnus
zum Hl. Geist2. Der Engel des Herrn
3. Gebet: (gemeinsam):
Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
4
. Freudenreicher Rosenkranz5. Gebet (Wenn in der Kirche: Vorbeter)
O Gott, dessen Barmherzigkeit ohne Grenzen und dessen Mitleid unerschöpflich ist, schaue gnädig herab auf uns und vermehre in uns Deine Barmherzigkeit, auf daß wir auch in größten Schicksalsschlägen und Nöten nicht in Verzweiflung fallen, sondern uns immer hoffnungsvoll Deinem Willen öffnen, der voller Barmherzigkeit zu uns ist. Durch unsern Herrn Jesus Christus, den König der Barmherzigkeit, der uns mit Dir und dem Heiligen Geist Barmherzigkeit erweist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
6. Ein Marienlied
1. Hymnus
2. Der Engel des Herrn
3. Gebet: (gemeinsam):
Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
4
. Schmerzhafter Rosenkranz5. Gebet (In der Kirche: Vorbeter)
Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe. Gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei du unser Schutz! Gott möge ihm gebieten, so bitten wir dich flehentlich! Dich aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, bitten wir: stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen, durch die Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen
6. Ein Marienlied
1. Hymnus
2. Der Engel des Herrn
3. Gebet: (gemeinsam):
Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
4
. Glorreicher Rosenkranz5. Gebet (In der Kirche: Vorbeter)
O Maria, unbefleckte Jungfrau und Gottesmutter! Du bist die auserwählte Tochter des Vaters, die treue Braut des Heiligen Geistes und die reinste Mutter Jesu. Jesus gab Dich auch uns zur Mutter. So erwähle ich Dich heute als meine Mutter, meine Herrin und Königin meines Herzens! Erflehe mir Erleuchtung und Liebe vom Heiligen Geist, damit ich den Geist dieser Welt immer recht erkenne, immer mehr in die Erkenntnis Deiner Auserwählung eindringen und Dich so immer mehr zu lieben vermag. Wenn ich dann ganz dir gehöre, werde ich auch ganz Jesus gehören. Amen
6. Ein Marienlied
1. Hymnus
2. Der Engel des Herrn
3. Gebet: (gemeinsam):
Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
4
. Freudenreicher Rosenkranz5. Gebet (In der Kirche: Vorbeter)
Großer und heiliger Gott! Im Hinblick auf den Erlösertod Christi hast du die selige Jungfrau Maria schon im ersten Augenblick ihres Daseins von jeder Sünde bewahrt, um deinem Sohn Jesus Christus eine würdige Wohnung zu bereiten. Höre auf ihre Fürsprache, wenn Sie vor Deinem Throne für uns eintritt: Mache uns frei von Sünden, schenke uns auf die Fürbitte Mariens hin alle jene Gnaden, die Du uns bereithälst und um die wir noch nicht gebeten haben und erhalte uns so in deiner Gnade. Darum bitten wir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, den Du uns in Maria schenken wolltest. Amen
6. Ein Marienlied
1. Hymnus
2. Der Engel des Herrn
3. Gebet: (gemeinsam):
Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
4
. Schmerzhafter Rosenkranz5. Gebet (In der Kirche: Vorbeter)
Herr, unser Gott! Der Heilige Geist entflamme uns mit jenem Feuer, das unser Herr Jesus Christus auf die Erde sandte und von dem er wollte, daß es gewaltig brenne. So nimm unsere Opfer und unseren guten Willen gnädig an und mache uns selber zu einer Opfergabe für dich, die dir wohlgefällt. Amen
6. Ein Marienlied
1. Glorreicher Rosenkranz (vor d. hl. Messe)
2. Der Engel des Herrn
- Nach der hl. Kommunion:
3. Hymnus: In Demut bet ich Dich...
4. Gebet: (gemeinsam):
Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
5. Gebet (In der Kirche: Vorbeter)
O meine Gebieterin, / o meine Mutter, / Dir bringe ich mich ganz dar. / Und um Dir meine Hingabe zu bezeigen, / weihe ich Dir heute meine Augen, / meine Ohren, / meinen Mund, / mein Herz, / mich selber ganz und gar. / Weil ich also Dir gehöre, / o gute Mutter, / bewahre mich, / beschütze mich, / als Dein Gut und Eigentum. / Amen.
6. Schlusslied: Ein Marienlied
Als Abschluss der Novene am Tag der Weihe - Sonntag
Vor der hl. Messe
:| Rosenkranz | |
| Engel des Herrn |
- Herr unser Gott ... (wie am 1. Tag, Nr. 3)
Nach der hl. Kommunion:
MARIENWEIHE
GEMEINSAM (Falls Sie die Wehe gemeinsam in einer Gruppe vollziehen):
(Beim "/" und Absatzende: Pause!)
Vor dir, o Mutter Christi, / vor deinem Unbefleckten Herzen, / möchten wir uns heute, / im Schosse der weltweiten katholischen Kirche, vereinen, / durch die dein Sohn aus Liebe zu uns sich selber dem Vater geweiht hat, / indem er sprach: / "Für sie weihe ich mich, damit auch sie in Wahrheit geweiht seien" / (Joh 17,19). Wir wollen uns in dieser Weihe / für die Welt und für die Menschen mit unserem Erlöser verbinden; / in seinem göttlichen Herzen findet eine solche Weihe die Kraft, / Verzeihung zu erlangen und Sühne zu leisten.
Die Kraft der Weihe an Dich, / unser Erlöser und Heiland, / dauert durch alle Zeiten und umfängt alle Menschen, Völker, Nationen; / sie überwindet alles Böse, / welches der Fürst der Finsternis im Herzen des Menschen / und in seiner Geschichte zu wecken vermag / und in unseren Zeiten auch tatsächlich geweckt hat. / Laß die Kraft dieser Weihe für ewige Zeiten auf dieser Pfarrei, / auf allen Familien / und auf jeder Person ruhen!
Wie tief empfinden wir das Bedürfnis nach dieser Weihe für die Menschheit / und für die Welt, / für unsere heutige Welt: / der Weihe, / die wir in Einheit mit Christus vollziehen. / Das Erlösungswerk Christi muß ja durch die Kirche / an die Welt vermittelt werden.
Wenn wir dir, Mutter, die Welt, / unsere Pfarrei, / unsere Familien und jede einzelne Person / heute und für alle Zukunft anvertrauen, / so legen wir sie zugleich in dein mütterliches Herz.
O unbeflecktes Herz, / hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden, / das so leicht in den Herzen der heutigen Menschen Wurzel faßt / und dessen unermeßlichen Auswirkungen über dem heutigen Leben lasten / und den Weg in die Zukunft zu versperren scheinen.
Von Hunger und Krieg: / befreie uns!
Von Atomkrieg, / unkontrollierbarer Selbstzerstörung / und jeder Art des Krieges: befreie uns!
Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: / befreie uns!
Von Haß und von der Mißachtung der Würde der Kinder Gottes: / befreie uns!
Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, / nationalen und internationalen Leben: / befreie uns!
Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: / befreie uns!
Vom Versuch, / in den Herzen der Menschen sogar die Wahrheit von Gott zu ersticken: / befreie uns!
Vom Verlust des Bewußtseins von Gut und Böse: / befreie uns!
Von den Sünden gegen den Heiligen Geist: / befreie uns! Befreie uns!
Von der Nichtbefolgung der anerkannten Wahrheit / aus Angst und Menschenfurcht: / befreie uns!
Höre, Mutter Christi, diesen Hilfeschrei, / in welchem das Leid der Menschen zu dir ruft, / das Leid unserer Familien, / unserer Kinder, / unserer Jugendlichen, / unserer Einsamen und Kranken, / das Leid ganzer Völker. / Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, / alle Sünden zu besiegen; / die Sünden der Menschen und die "Sünde der Welt" - / die Sünde in jeglicher Form. Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt / die unendliche Heilskraft der Erlösung: / die Macht der erbarmenden Liebe Gottes!
Daß sie dem Bösen Einhalt gebiete!
Daß sie die Gewissen wandle!
In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen / das Licht der Hoffnung!
Amen.
(falls in der Kirche, ansonsten privat): VORBETER:
Weihegebet des Hl. Vaters, Rom, am 8. Oktober 2000, in Anwesenheit von 1500 Bischöfen!
1.
"Frau, siehe, dein Sohn!" (Joh 19,26).2. In diesem Gnadenjahr erlebten und erleben noch viele Menschen die überströmende Freude des Erbarmens, das der Vater uns in Christus geschenkt hat.
In den Teilkirchen, die über die ganze Erde verstreut sind, haben Menschen aller Klassen dieses Geschenk in Empfang genommen.
Alle erkannten in deinem geliebten Sohn
das Wort Gottes, das in deinem Schoß Fleisch geworden ist.
Erflehe, o Mutter, durch deine Fürsprache,
daß die Früchte dieses Jahres nicht verloren gehen,
und daß die Samenkörner der Gnade sich bis zum Vollmaß der Heiligkeit entwickeln, zu der wir alle berufen sind.
3.
Wir wollen dir heute die Zukunft anvertrauen, die vor uns liegt.Die Menschheit besitzt heute niedagewesene Mittel zur Macht:
Sie ist imstande, diese Welt zu einem blühenden Garten zu machen oder sie völlig zu zerstören.
Die Menschheit hat die außerordentliche Fähigkeit erlangt, sogar in die Anfänge des Lebens einzugreifen.
Sie kann dies zum Wohl aller im Rahmen des Moralgesetzes nutzen oder dem kurzsichtigen Hochmut einer Wissenschaft nachgeben, die keine Grenzen anerkennt und sogar die gebührende Achtung vor jedem Menschenleben verweigert.
Die Menschheit steht heute an einem Scheideweg wie nie zuvor.
Die Rettung, o heiligste Jungfrau, ist wiederum dein Sohn Jesus allein.
4.
Deshalb wollen wir dich, Mutter, wie der Apostel Johannes bei uns aufnehmen (vgl. Joh 19,27), um von dir zu lernen, deinem Sohn ähnlich zu werden.5. Mutter, du kennst die Leiden und Hoffnungen der Kirche und der Welt.
Steh deinen Söhnen und Töchtern in den Prüfungen bei, die der Lebensalltag für jeden bereithält.
Gib, daß dank des gemeinsamen Bemühens aller
die Finsternis nicht über das Licht siegt.
- "Morgenröte der Erlösung!"
Dir,
Morgenröte der Erlösung, vertrauen wir unseren Weg ins neue Jahrtausend an,SCHLUSSLIED: Ein Marienlied
Warum kommt es zu Marienerscheinungen?
Interview mit Pater Jesús Castellano Cervera: Marienerscheinungen können der Kirche behilflich sein, da sie den Glauben stärken und dem Volk Gottes die Gewissheit ihrer Gegenwart und ihres mütterlichen Schutzes vermitteln
Rom (kath.net/Zenit)
In Schlüsselmomenten kann eine Erscheinung der Jungfrau Maria zur Stärkung des Glaubens beitragen, erklärte ein Mariologe. Im folgenden Interview mit ZENIT spricht Karmeliterpater Jesús Castellano Cervera, ein Berater der vatikanischen Glaubenskongregation und Professor an der Päpstlichen Theologischen Fakultät Teresianum, über die Ursachen von Marienerscheinungen und die Vorgehensweise der Kirche bei der Überprüfung ihrer Echtheit.
ZENIT: Welche Bedeutung haben Erscheinungen in der Heilslehre des christlichen Glaubens?
Pater Castellano Cervera: Auf der einen Seite beruht die theologische Bedeutung authentischer Erscheinungen darin, dass sie ein Zeichen für die lebendige Gegenwart Christi in der Kirche sind. Im Fall Mariens sind sie ein Zeichen ihrer besondere Gegenwart an der Seite Christi als Jungfrau, die in den Himmel aufgenommen wurde.
Marienerscheinungen können der Kirche behilflich sein, da sie den Glauben stärken und dem Volk Gottes die Gewissheit ihrer Gegenwart und ihres mütterlichen Schutzes vermitteln, besonders in bestimmten Momenten der Geschichte, wenn ein Bedürfnis nach Stärkung im Glauben und in der Hoffnung besteht.
Manchmal haben Marienerscheinungen oder wunderwirkende Bilder eine ekklesiologische Bedeutung, insofern als sie durch ein übernatürliches Ereignis Sicherheit darüber verleihen, dass Maria zugegen ist, um die Versöhnung zwischen den Menschen zu fördern, wie im Falle der Jungfrau von Guadalupe.
ZENIT: Wie überprüft die Kirche die Echtheit der Erscheinungen?
Pater Castellano Cervera: Zunächst ist die Kirche davon überzeugt, dass Gott sich gegenüber seinem Volk wie es ihm beliebt offenbaren kann, wie er dies auch in den Theophanien des Alten Testaments und in den Erscheinungen des Auferstandenen getan hat.
Die Jungfrau Maria ist dazu ebenso in der Lage. Aber die Kirche bemüht sich, im Hinblick auf Fälle von subjektiver Mystifizierung, Betrug und Leichtgläubigkeit, die auftreten können, und durch die viele Visionäre oder sogenannte Visionäre angeleitet sind, Sicherheit über diese Gegenwart zu gewinnen.
Da dies nun einmal vorkommt, ist die Kirche, mit der Absicht, die Gläubigen zur Wahrheit zu führen, immer darum bemüht, an erster Stelle die Wahrhaftigkeit der Ereignisse zu ermitteln und dabei jegliche Möglichkeit der Verwirrung oder des Irrtums auszuschließen. Es geht darum zu verifizieren, dass es keine Widersprüchlichkeiten bei den Ereignissen und den Personen gibt, die im Gegensatz zum Glauben, der Moral oder dem christlichen Leben stehen könnten.
Sie versucht auch zu überprüfen, inwieweit die verkündeten Botschaften der Wahrheit entsprechen und forscht nach, welche bleibende Früchte sich zeigen.
Die Kirche tut dies mit Bedacht und auf ernsthafte Weise. Deshalb vergehen manchmal Jahre, ohne dass es zu einem offiziellen Urteil der Kirche kommt. In der Zwischenzeit sind alle dazu eingeladen, den Glaubensrichtlinien sowie den Prinzipien einer gesunden marianischen Theologie und Spiritualität zu folgen.
ZENIT: Hat es in letzter Zeit Erscheinungen gegeben? Wo? Sind sie es Wert, in nähere Erwägung gezogen zu werden?
Pater Castellano Cervera: Es gibt eine lange Liste von angeblichen Offenbarungen und Erscheinungen der Jungfrau Maria, sodass es unmöglich ist, hier eine Darstellung abzugeben. Die Bischöfe haben die Verpflichtung, den Heiligen Stuhl in Kenntnis zu setzen, wenn ein solches Phänomen über die Grenzen ihrer Diözese hinausgeht.
Dann wird vom Heiligen Stuhl durch das zuständige Dikasterium, in dem Falle, die Glaubenskongregation, eine Untersuchung eingeleitet und demnach vorgeschlagen, wie weiter vorzugehen ist. Dabei wird vor allem das Glaubensgut beherzigt, sowie all das, was wesentlich zur Lehre und zum Leben der Kirche gehört, das heißt: ihre liturgische Praxis; der Stellenwert jener Volksfrömmigkeit, die auf den Wahrheiten der Heiligen Schrift fußt; die Tradition und die Lehre der Kirche im Bezug auf Maria, welche so umfangreiches Schriftmaterial umfasst, wie die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils; außerdem wird Bezug genommen auf die Schriften von Papst Paul VI. und Johannes Paul II.: „Marialis Cultus“, deren 30-jähriges Veröffentlichungsjubiläum in diesem Jahr gefeiert wird und die wundervolle Enzyklika „Redemptoris Mater“.
ZENIT: Die Erscheinungen von Lourdes sind jetzt 150 Jahre her. Was haben sie für die Glaubensgeschichte bedeutet, und welche Lehren können wir daraus ziehen?
Pater Castellano Cervera: Die Botschaft von Lourdes scheint mir sehr klar zu sein. Mit ihrer Erscheinung bekräftigt Maria die Wahrheit des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis, denn als solche gab sie sich gegenüber der heiligen Bernadette aus. Vom diesem Augenblick an wurde die „Marienoffenbarung“ von Lourdes, die von der Kirche als echte Erscheinung anerkannt ist, zu einem Bezugspunkt der Marienverehrung.
Die Muttergottes wirkt in Lourdes auf geheimnisvolle Art und Weise auch als Quelle der Gnade und des Lichts durch die gewöhnliche seelsorgliche Betreuung, welche die Kirche den Gläubigen spendet, zum Vorteil der physischen, psychischen und spirituellen Gesundheit jener, die sich zu diesem charismatischen Ort mit Glauben, Hoffnung und Liebe hinbegeben.
Die selige Katharina Emmerick: Vision über die „Unbefleckte Empfängnis Mariä"
Joachim war die ganze Nacht im Tempel eingeschlossen und betete mit grosser Sehnsucht. Ich sah ihn in Entzückung. Es trat eine leuchtende Gestalt zu ihm, wie zu Zacharias, und gab ihm eine Rolle mit leuchtenden Buchstaben. Es waren die drei Namen Helia, Hanna, Mirjam und bei diesem das Bild einer kleinen Bundeslade oder eines Tabernakels. Joachim legte diese Rolle unter sein Gewand auf die Brust
. Der Engel sprach: Anna werde ein unbeflecktes Kind empfangen, von dem das Heil der Welt ausgehen werde. Er solle nicht trauern über seine Unfruchtbarkeit, diese sei nicht eine Schande, sondern ein Ruhm für ihn; denn was sein Weib empfangen werde, solle nicht von ihm, sondern durch ihn eine Frucht aus Gott, der Gipfel des Segens Abrahams sein. Ich sah, dass Joachim dies nicht fassen konnte, und dass der Engel ihn hinter den Vorhang führte, welcher das Gitter des Allerheiligsten so weit umgab, dass man dahinter stehen konnte…Ich vernahm. dass der Engel dem Joachim die Bewahrung des Geheimnisses gebot
, und erkannte daraus die Ursache, warum Zacharias, der Vater des Täufers stumm geworden, nachdem er den Segen und die Verheissung der Fruchtbarkeit Elisabeths aus dem Geheimnis der Bundeslade empfangen hatte. Erst später nachher wurde von den Priestern das Geheimnis der Bundeslade vermisst. Da wurden sie erst in sich verwirrt und wurden ganz pharisäisch. Der Engel führte nun Joachim wieder aus dem Allerheiligsten heraus und verschwand. Joachim aber lag wie erstarrt an der Erde…Hernach wurde Joachim von den Priestern an die Türe des unterirdischen Ganges geführt, welcher unter dem Tempel und
unter der goldenen Pforte sich hinzog. Es war dies ein eigener Weg, in den man unter gewissen Umständen zur Reinigung, Versöhnung und Lossprechung geführt wurde. Die Priester verliessen unter der Türe den Joachim, der allein in dem anfangs engen, dann sich erweiternden Gang voranging, der unmerklich abwärts führte. Es standen gewundene Säulen wie Bäume und Weinstöcke darin und es schimmerten die goldenen und grünen Verzierungen der Wände in einem rötlichen Licht, das von oben einfiel.Joachim war ein Dritteil des Weges gewandelt, als Anna ihm an einer Stelle entgegenkam, wo in der Mitte des Ganges
unter der goldenen Pforte eine Säule, wie ein Palmbaum mit niederhängenden Blättern und Früchten stand. Anna war vom Priester, dem sie mit ihrer Magd die Opfertauben in Körben gebracht und eröffnet hatte, was der Engel ihr gesagt, durch einen Eingang auf der anderen Seite in den unterirdischen Weg geführt worden. Auch von einigen Frauen, unter denen die Prophetin Hanna, war sie mit dem Priester dahin begleitet worden.Ich sah, dass Joachim und Anna in Entzückung sich umarmten. Sie waren von einer unzählbaren Menge von Engeln umgeben, welche mit einem leuchtenden Turme, wie aus den Bildern der lauretanischen Litanei, über sie nieder schwebten. Es verschwand der Turm zwischen Joachim und Anna, und beide waren von Glanz und grosser Glorie umgeben. Ich sah zugleich, dass der Himmel über ihnen sich auftat, und sah die Freude der Engel und der heiligen Dreifaltigkeit und den Bezug derselben auf die Empfängnis Mariä. Beide waren in einem übernatürlichen Zustand.
Als sie sich umarmten und der Glanz sie umgab, erfuhr ich, dass dieses die Empfängnis Mariä sei und zugleich, Maria sei empfangen, wie die Empfängnis ohne Sündenfall geschehen sein würde…Zu Hause angekommen eröffneten sich die heiligen Eheleute die Erbarmungen Gottes in rührender Freude und Andacht. Sie lebten fortan in vollkommener Enthaltung und grosser Gottesfurcht. Ich hatte eine Belehrung, welch grossen Einfluss die Reinheit der Eltern, ihre Enthaltsamkeit und Abtötung auf die Kinder habe.
(Einzelne Teile aus: Emmerick. Visionen. Erste Auflage, 1. Band. Hg. E. Schmöger, Immaculata-Verlag Reussbühl 1970, Seite 229: „Die heilige und unbefleckte Empfängnis Mariä")
Zwiegespräch mit der Immakulata
Fest der UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS am 8. Dezember
Muttergottes, warum bist Du ohne jede Schuld? Wenn jene, die der Sitz der Weisheit ist, auf Kinderfragen antwortet, spitzt selbst Salomon die Ohren. Kann unverständliches Zeug aus dem alten Griechenland Klarheit ins babylonische Sprachengewirr rund um die Immakulata bringen? Die Muttergottes wagt den Versuch.
Am 8. Dezember des Jahres 1854 verkündete der selige Papst Pius IX. das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Dieses Dogma löst in manchen von uns Fragen auf. Ein erklärender Dialog.
Frage: Muttergottes, was bedeutet Deine Unbefleckte Empfängnis?
Muttergottes: Meine Unbefleckte Empfängnis bedeutet, daß ich seit meiner Zeugung ohne jede Schuld bin.
Frage: Warum bist Du ohne jede Schuld?
Muttergottes: Weil der allmächtige Gott es so gewollt hat.
Frage: Jetzt bin ich genauso schlau, wie vorher. Kannst Du das erklären?
Muttergottes: Gerne. Der griechische Philosoph Aristoteles († 322 v. Chr.) gibt dazu einige Erklärungshilfen.
Frage: Wie kommt es, daß ein vorchristlicher Heide etwas zur Erklärung der Unbefleckten Empfängnis beitragen kann?
Muttergottes: Der vorchristliche heidnische Philosoph Aristoteles hat einige Begriffe eingeführt, die auch heute noch nützlich sind. Er spricht- nicht erschrecken – von „causa efficiens“, „causa meritoria“ und „causa finalis“. Diese Begriffe helfen, um Ordnung und Licht in das theologische Durcheinander um die Unbefleckte Empfängnis zu bringen.
Frage: Diese unverständlichen lateinischen Begriffe sollen Klarheit schaffen?
Muttergottes: Du sagst es. „Causa efficiens“ kann man auf Deutsch mit ‘Wirkursache’ übersetzten. Jedes Ding, das etwas bewirkt, ist eine Wirkursache. Zum Beispiel. Die Sonne ist die Wirkursache dafür, daß es am Tage hell ist. Der Zucker ist die Wirkursache dafür, daß der Kaffee süß ist. Auf die Unbefleckte Empfängnis angewendet: Der allmächtige Gott ist die Wirkursache dafür, daß ich, die Muttergottes, seit meiner Zeugung ohne die Schuld bin, die seit Adam und Eva auf der Menschheit lastet.
Frage: Bist Du sicher, daß die Erklärungen des vorchristlichen heidnischen Philosophen Aristoteles wirklich dazu beitragen, Deine Unbefleckte Empfängnis besser zu verstehen?
Muttergottes: Nur Geduld, kleiner Mann. Höre den weisen Philosophen Aristoteles bis zum Schluß. Denn der Anfang ist nur die Hälfte des Ganzen.
Frage: Gut, dann weiter mit deiner „causa efficiens“. Was ist ‘causa’?
Muttergottes: ‘Causa’ ist lateinisch und bedeutet ‘Ursache’. Jede ‘Ursache’ bewirkt eine Wirkung. Ist zwar häßliches Deutsch, aber im Grunde sehr einfach. Von der Auswirkung kann man auch auf die Ursache schließen. Du siehst Rauchzeichen (‘Auswirkung’) und schließt auf die Anwesenheit eines Indianerstammes (‘Ursache’). Die Wirkung ist meine Bewahrung vor der Erbsünde, die Ursache ist der liebe Gott.
Frage: Was war der nächste Ausdruck, den Du genannt hast?
Muttergottes: Das war – entschuldige das Latein – die ‘causa meritoria’. Auf Deutsch: die ‘Verdienstursache’. Für jeden Menschen – auch für mich – muß die Erlösung verdient werden. Jener, der die Erlösung verdient, ist die ‘Verdienstursache’. Jesus Christus hat für jeden Menschen – auch für mich – die Erlösung verdient. Er ist die ‘Verdienstursache’. Oder wie man normalerweise sagt: der Erlöser, dein Erlöser und mein Erlöser.
Frage: Jetzt sind wir im Dschungel der Widersprüche gelandet. Erstens. Du hast gesagt, daß Du ohne Schuld gezeugt wurdest. Wer keine Schuld hat, braucht keine Erlösung. Wer keine Erlösung braucht, braucht keinen Erlöser, keine ‘Verdienstursache’. Zweitens. Selbst wenn Du, o Allerseligste, einen Erlöser gebraucht hättest: Wie kann Dich Christus erlösen, da Du doch unbefleckt empfangen wurdest, bevor er auf die Welt kam?
Muttergottes: Zur ersten Frage. Auch ich bin erlöst worden. Jedoch auf eine vollkommenere Weise. Die in der Erbsünde gezeugten Menschen werden durch Christus von der Erbsünde befreit. Ich bin von Christus vor der Erbsünde bewahrt worden.
Frage: Was für schwierige Unterscheidungen.
Muttergottes: Geduld, mein Freund. Ich bin gerade dabei, es zu erklären. Auch ich bin durch die ‘Wirkursache’, den Erlöser Jesus Christus, erlöst worden. In meinem Fall war die Erlösung schneller als die Erbsünde. Bei den übrigen Menschen kam zuerst die Erbsünde, dann erst wurde sie von Jesus Christus in der Taufe weggenommen.
Frage: Vorher, nachher. Letztlich kommt doch beides auf das gleiche heraus?
Muttergottes: Nicht ganz. Denn ich bin auch von den Folgen der Erbsünde befreit. Die übrigen Menschen sind wie ein geflicktes Unfallauto. Sie werden zwar von der Schuldhaftigkeit der Erbsünde befreit. Aber ein Unfallauto bleibt ein Unfallauto. Bestimmte Schäden, welche die Erbsünde verursacht hat, bleiben im Getauften zurück.
Frage: Zum Beispiel?
Muttergottes: Ein Schaden, der seit der Erbsünde auch im getauften Menschen ist, ist seine Geneigtheit zum Bösen. Ich aber bin nie zum Bösen geneigt gewesen. Diese Neigung führt dazu, daß der Mensch sündigt. Ich aber habe nie auch nur eine einzige persönlich Sünde begangen.
Frage: Keine einzige?
Muttergottes: Keine einzige. Ich bin auch Jungfrau geblieben vor, in und nach der Geburt.
Frage: Welche Frau kann ohne Verletzung der Jungfräulichkeit ein Kind bekommen?
Muttergottes: Nur ich konnte es. Denn Christus, den ich gebar, ist nicht gekommen zu zerstören und zu verletzen, sondern um jene zu heilen, die zerstört und verletzt sind.
Frage: Warum hat Gott dich vor der Befleckung der Erbsünde bewahrt?
Muttergottes: Eine gute Frage. Damit schneiden wir den dritten Punkt der heutigen Lektion: die ‘causa finalis’. Die ‘causa finalis’ wird im deutschen ‘Zweckursache’ genannt. Sie ist der ‘Grund, warum etwas geschieht’. Wer eine Warum-Frage stellt, stellt – philosophisch gesprochen – die Frage nach der ‘causa finalis’.
Frage: Sehr schön. Also, warum hat dich Gott von vornherein erlöst?
Muttergottes: Gott hat mich von vornherein erlöst, damit ich die Gottesmutter werde. Der Sohn Gottes hat meinen Schoß für seine Menschwerdung vorbereitet.
Frage: Als Frau bist Du bestimmt ein bißchen Stolz auf diese Bevorzugung?
Muttergottes: Kein bißchen. Ich habe das Freisein der Erbsünde nicht selbst verdient. Die Gnade Gottes hat mir alles geschenkt. Alles ist reine Gnade.
Frage: Das heißt, daß wir trotz der Bußzeit des Adventes an deinem Hochfest Wein trinken können?
Muttergottes: Kein Fasten am Hochfest, ganz richtig. Dafür kannst Du mir zum Fest einen Wunsch gewähren und Dir folgendes fest hinter die Ohren schreiben: Was mein Sohn Dir sagt, das tue!
Marienerscheinungen seit 1830. Warum MARIA und nicht Jesus? Was ist das für eine Zeit, in der wir leben?
Eines der bemerkenswertesten Dinge des christlichen Glaubens ist die Feststellung, dass Jesus und Maria leben und fähig sind, in die Geschichte der Menschen, sowie in die persönliche Geschichte jedes einzelnen konkret einzugreifen.
Um ihr für diese mütterliche Anwesenheit und die Zuverlässigkeit ihrer Fürsorge zu danken, flehen die Christen seit Jahrhunderten zu ihr, indem sie beten:
Gedenke o gütigste Jungfrau Maria,es ist noch nie gehört worden,
daß jemand, der zu Dir seine Zuflucht nahm,
Deinen Beistand anrief und um Deine Fürbitte flehte
von Dir verlassen worden ist.
Von diesem Vertrauen beseelt,
nehme ich meine Zuflucht zu Dir,
o Jungfrau der Jungfrauen,
meine Mutter, zu Dir komme ich, seufzend als Sünder da.
O Mutter des EWIGEN WORTES, verschähe nicht meine Worte
sondern höre mich gnädig und erhöre mich.
Amen.
Ja, wahrhaftig, Maria kann für uns und für jeden vermittelnd einschreiten, vorausgesetzt, dass wir zu ihr beten und dies für die Ehre Gottes geschieht.
Maria ist die Mutter des Lebens, in erster Linie durch die Menschwerdung dessen, den sie in ihrem Schoß trug und der selbst das Leben ist, das göttliche Wort, „gekommen, um der Welt das Leben zu bringen“. In zweiter Linie, indem Maria zur Leidensstunde am Fuß des Kreuzes von Golgotha die universelle Mutterschaft über jedes Menschenkind erhielt, die ihr gekreuzigter Sohn ihr anbot mit Hinweis auf den Apostel Johannes: „Frau, siehe, dein Sohn“... (s. Joh 19,26).
Maria steht somit im Zentrum der Kultur des Lebens, auf natürlicher wie auf übernatürlicher Ebene. Als Mutter des Jesuskindes hat sie wie jede andere Mutter auch die Erfahrung der menschlichen Mutterschaft gemacht und all dessen, was die alltägliche Erziehung eines kleinen Kindes bis zum Mannesalter an Aufopferung mit sich bringt. Lebte Jesus nicht dreißig Jahre lang das Leben der heiligen Familie in Nazareth? Als Mutter der Menschen und der Kirche übt Maria eine spirituelle Mutterschaft auf all jene aus, die sich darauf einlassen, durch die christliche Taufe in den Bund mit ihrem Sohn einzutreten.
Ebenso rückt die Kontemplation Marias und Josefs inmitten der heiligen Familie von Nazareth die entsprechenden Berufungen von Mann und Frau in ein eingehendes und ganz neues Licht: Maria und Josef liebten sich, und selbst, wenn ihre Liebe in völliger Keuschheit gelebt war, waren sie doch wahre Eheleute und als solche ganz ein Herz und eine Seele. Und dennoch: auf eine so harte Probe gestellt, hätte auch eine solche Liebe zerbrechen können!
Sollten wir uns angesichts dessen nicht ganz besonders Maria zuwenden, der Mutter, Ehefrau, Erzieherin und Gebärerin dessen, der das Leben selbst ist, und dies insbesondere bei Problemen, die das Familienleben betreffen, die Erziehung, den Empfang des Lebens oder die Liebesbeziehung in der Ehe?
Man sollte nicht glauben, dass Marienerscheinungen etwas Aussergewöhnliches wären: Maria ist die, uns von Jesus gegebene und ihren Kindern sehr nahe stehende Mutter, die sich wirklich für jeden von uns sorgt, auch wenn sie nicht immer dabei erscheint.
Viele stellen sich die Frage, warum Gott fast immer nur die Heilige Jungfrau Maria und viel weniger oft alle anderen Heiligen des Himmels schickt … Die Antwort ist natürlich nicht, dass Gott selbst von dieser „Marienvergötterung“, derer man auf Erden so oft denunziert wird, (obwohl deren tatsächliche Zerstörungen nicht einleuchtend sind), angesteckt wäre. Die Erklärung findet sich in Wirklichkeit in der einmaligen und herrlichen, unentbehrlichen Rolle, die der Herr seiner Mutter im Heilsgeschehen anvertraut hat.
Maria ist Die, die uns der Herr gegeben hat und sie ist auch Jene, die zu Ihm führt! Sie tut dies sehr eingehend, vor allem mittels ihrer Erscheinungen: 1986 haben die Sachverständigen der 42. Marianischen Woche in Saragossa mindestens 21 000 Marienerscheinungen seit dem Jahre 1000 aufgezählt, wenn auch die Kirche nur wenige davon offiziell als echt anerkannt hat.
Allein im Laufe des XX. Jahrhunderts, wurden an die 400 Marienerscheinungen (oder als solche genannte) erfasst, davon allein 200 im Zeitraum von 1944 bis 1993
Die meisten werden von erstaunlichen Zeichen und Wundern begleitet, die wie eine Vollmacht Gottes erscheinen, die er seinen Wunderwerken gibt, um sie zu beglaubigen. Bei sieben von ihnen wurde vom örtlichen Bischof offiziell ein übernatürlicher Charakter der Ereignisse anerkannt:
Fatima (1917 – Portugal), | Beauraing (1932 – Belgien), | Banneux (1933 – Belgien), | Akita (1973 – Japan), | Syrakus (1953 – Italien), | Betania (1976 – Venezuela), | Kibeho (1981 – Ruanda), | |
welchen man
Zeitoun (1968 – Ägypten), | Shoubra (1983 – Ägypten), | |
beifügen muss, die vom den geistlichen der Koptischen Kirche anerkannt sind.
In siebzehn Fällen, hat der Bischof – unabhängig eines Urteils, den übernatürlichen Charakter der Ereignisse betreffend, gestattet, die Abhaltung einer Verehrung des Erscheinungsortes zum Ausdruck zu bringen. In 79 Fällen wurde ein negatives oder zurückhaltendes Urteil gefällt, aber in den meisten Fällen hat die Kirche nicht das Bedürfnis, öffentlich und schnell ein Urteil zu fällen, wenn die Verehrung und die Gebete, die sich um die Ereignisse entwickeln, in einer gesunden Glaubensausübung verbleiben.
Das Wesentliche besteht in der Tat in der pastoralen Begleitung, die den Erscheinungen folgt: sie muss dem Samenkorn, ausgesät von der Heiligen Jungfrau Maria, gestatten, sich völlig zu entwickeln, ohne sich zu sehr mit Unkraut zu vermischen, um alle Früchte der Gnade, die der Himmel sich von seinem Einschreiten erwartet, hervorzubringen
Marienerscheinungen ab 1830
Seit 1830 häufen sich die Berichte von Marienerscheinungen innerhalb der katholischen Kirche. Maria erscheint ihren Kinder - das können wir noch glauben. Aber warum? Und warum seit 1830 in zunehmenden Maße? Und warum gerade Maria - und nicht Jesus?
Um diesem Phänomen gerecht zu werden, stellen wir uns zuerst die Frage: In was für einer Zeit leben wir denn - seit 1830?
Das Übel unserer Zeit
Wir leben in einer Zeit, die vom Unglauben (Horizontalismus - Antisupranaturalismus - Materialismus - Immanentismus - die Ausdrücke meinen immer das Gleiche) geprägt ist. Es mag hier gleichgültig sein, ob diese Strömung der Grund dafür ist, daß der Glaube schwindet, oder aber ob «Horizontalismus» nur ein anderes Wort für «Unglauben» ist.
Wir denken - auch als Christen und als Katholiken - zunehmend in diesen innerweltlichen Kategorien; wir sind in dieser Welt und können uns diesem Denken, das versucht, ohne Gott auszukommen, nicht entziehen. Paul VI. spricht davon, daß «der Rauch Satans in die Kirche eingedrungen ist». Damit meint er vielleicht genau das: Daß wir, obwohl wir aufrichtig darum bemüht sind, Gottes Offenbarung ganz zu leben, uns verführen lassen, das Natürliche absolut zu setzen und das Übernatürliche zu leugnen.
Als ein Beispiel betrachten wir einmal unser Bittgebet: Wenn wir für Opfer von Krieg und Naturkatastrophen beten - beten wir dann, daß Gott ihnen Helfer schicken möge? Oder beten wir, daß Gott ihnen helfe? Und wenn ein Krieg vom Frieden abgelöst wird - sind wir uns bewußt, durch unser Gebet dazu beigetragen zu haben? Die Fürbitten im Gottesdienst - sind sie nur ein andachtsvolles Gedenken - oder eine vertrauensvolle Bitte um das Eingreifen Gottes?
Das Rechnen mit der Güte und Allmacht Gottes findet auch im gläubigen Volk der Kirche noch wenig Anhang. Immer mehr wird alles, was gnadenhaft und göttlich ist, verdrängt. Heute gilt beispielsweise:
Gebet ist Selbsterfahrung, Selbstheilung. Jede Antwort im Gebet wird als Stimme des Unterbewußten gedeutet Sünde ist Krankheit, «anderes» Verhalten, therapierbar Wunder sind Parabeln, Bilder, Massenphänomene, hysterische Phänomene Sakramente sind nur Heilszeichen, Verdeutlichungen, Bilder, Symbolhandlungen Das Lehramt ist soziologisch und geschichtlich gewachsen, bar jeder Geistbegabung Die Bibel ist literarisch zu sehen und zu verstehen, die Inspiration wird abgelehnt Der Teufel ist abgeschafft, das Böse lebt nur in Strukturen Die Hölle gibt es nicht mehr, bzw. ist leer |
Im Grunde läuft alles auf die Abschaffung des Glaubens hinaus, aber eben so schleichend und unbemerkt, daß es Vorstufen gibt, die wir noch als christlich empfinden und nicht energisch genug bekämpfen. So eben die o.g. Geistesströmungen.
Die «Epoche des Teufels»
In dem Film «Die üblichen Verdächtigen» heißt es: «Der größte Trick, den der Teufel jemals gebracht hat, ist die Welt glauben zu machen, daß es ihn nicht gäbe». In dem Film «Im Auftrag des Teufels» sagt der Teufel: «Bei allen großen Fortschritten habe ich meine Finger im Spiel gehabt. Ich bin ein Fan der Menschen! Ich bin Humanist. Kein Mensch, der noch ein bißchen Verstand besitzt, wird ernsthaft leugnen, daß das vergangene Jahrhundert mein Jahrhundert gewesen ist.»
Wir Christen kommen nicht darum herum, die Existenz des Teufels als eine bösartige und intelligente Quelle anzunehmen, wenn wir die Geschichte verstehen wollen. Unser Leben besitzt eine Ernsthaftigkeit, die es notwendig macht, Position zu beziehen. Mit der Abschaffung des Satans und der Hölle, also der Leugnung der realen Möglichkeit, sich gegen Gott zu entscheiden (s. Rahner und das anonyme Christentum), wird jede Lebensentscheidung bedeutungslos und somit jede Erlösung überflüssig:
Wenn es keinen Satan gibt, gibt es auch keine Hölle.
Wenn es keine Hölle gibt, gibt es auch keine Sünde, die von Gott auf Dauer trennt.
Wenn es keine Sünde gibt, brauchen wir auch keine Erlösung.
Also brauchen wir auch keine Sakramente, vor allem nicht die Eucharistie und die Beichte.
Also ist auch an Maria nichts Besonderes, ebensowenig brauchen wir die Kirche.
Wir kommen also sehr gut ohne Gott und Glauben aus.
Wir kommen sehr gut ohne Gott und Glauben aus, selbst, wenn wir dessen Existenz nicht leugnen! Wir können gottlos leben und trotzdem (aus kulturellen oder sozialen Gründen) einer Religionsgemeinschaft angehören. Das ist der praktische Atheismus, die Geißel unserer Zeit.
Seit wann ist das so?
Aufgekommen ist das langsame, heimliche Leugnen (im Gegensatz zum offenen Glaubensabfall, den es schon immer gegeben hat) im 19. Jahrhundert, also 1800 und später, mit der Aufklärung, vor allem mit den französischen Aufklärern. Eine konkrete Ausformung war z.B. die französischen Revolution. Die Leugnung der Existenz des Bösen - auch ein Zeichen des Materialismus - begann mit der Zeit der Aufklärung.
Und nun komme ich - indem ich zwei marianische Paralellen zum oben Gesagten ziehe - zum Thema des Vortrages:
1. Genau seit dieser Zeit beginnen die Marienerscheinung der Neuzeit (warum diese sich von den früheren Erscheinungnen unterscheiden, wird noch herausgestellt); und zwar beginnend mit den ersten Marienerscheinungen in Frankreich: In der Rue du Bac, in Pontmain, in Lourdes. Denn in Frankreich hat ja der praktische Atheismus seinen Ausgangspunkt!
2. Die im praktischen Atheismus gemachten ersten Schritte - Leugnung des Bösen, der Sünde, der Erlösung, der Sakramenten und der Kirche - finden ihren Widerspruch ausdrücklich in den Marienerscheinungen der Neuzeit: Warnung vor dem Bösen, Mahnung zur Umkehr und Ablassen von der Sünde, Hinweis auf die einzige Erlösung in Christus, Mahnung zum Gebet, zur Buße und Beichte und zur Eucharistiefrömmigkeit, ausgesprochene Beichtpraxis und Kirchlichkeit.
Analysiert man die Botschaften Mariens, von der Rue du Bac bis nach Medjugorje, so finden sich genau diese Elemente im Kern der Botschaften. Der «Epoche des Teufel» steht somit Zug umg Zug das marianische Zeitalter gegenüber.
Maria als Prophetin des Neuen Bundes
Ein Prophet ist Gottes Sprachrohr
Ein Prophet ist jemand, der das «göttlich Richtige und Wahre» sagt, der Prophet ist jemand, der erfüllt ist von Gottes Geist und deshalb zum Sprachrohr Gottes wird. Der Prophet ist dem Priester gegenübergestellt, ergänzt ihn und bewahrt ihn. Während der Priester auf die Lehre und Tradition bezogen ist, schöpft der Prophet seine Autorität aus der Offenbarung. Beide stützen sich gegenseitig.
Ein Prophet ist ganzheitlich
Prophetie ist nicht nur Gerede, Vortrag und mündliche Mahnung. Prophetie ist verbunden mit Symbolhandlungen (Hos 1,2: Der Prophet heiratet eine Kultdirne um die Prostitution des Volkes zu kritisieren), mit Zeichen und Wundern (2 Kön 5; Naaman wird vom Aussatz befreit), mit Visionen (Jes 6; Jesaja sieht in einer Vision seine Berufung zum Propheten) und Auditionen.
Ein Prophet ist politisch
Ein Prophet spricht nicht nur von Frömmigkeit und Theologie; vielmehr spricht er in seine Zeit hinein, d.h. er antwortet auf Fragen der Zeit, mahnt entgegen dem Zeitgeist und warnt vor falschen Entwicklungen. Die Warnung ist verbunden mit dem Aufzeigen von (fatalen) Konsequenzen, das Beherzigen der Mahnungen mit Verheißungen. Das Anliegen der Prophetie ist also nicht die Weissagung und Vorhersage, sondern die Umkehr.
Ein Prophet ermutigt zur Umkehr und Neubeginn
Propheten zeigen Wege auf, zu Gott zurückzukehren. Sie mahnen nicht nur, um zu kritisieren, sondern um Neubesinnung und Neubeginn zu ermöglichen. Prophetie hat, trotz aller Gesellschafts- und Religionskritik, ein positives Anliegen: Das Volk soll das Gute ergreifen und sich der Zuneigung Gottes bewußt werden. Dazu ermutigen Propheten, indem sie die Verheißung und den Lohn Gottes vor Augen führen.
Ein Prophet hilft, die Zeichen der Zeit zu verstehen
Ein Prophet öffnet die Augen für die verborgenen Gründe, die zu den Mißständen geführt haben. Er kritisiert nicht nur die Mißstände, er hilft auch zu verstehen, wie es dazu gekommen ist. Er öffnet die Augen derjenigen, die bereit sind, sich und die Gesellschaft zu bessern.
Maria als Prophetin
Daß Maria in ihrem Wesen und Handeln diesen Kritierien entspricht, zeigt sich, wenn wir die Erscheinung einmal im Einzelnen betrachten:
Sie ist das Sprachrohr Gottes in die Zeit hinein, ihre Botschaften sind ganzheitlich, verknüpft mit Visionen, Audition, Bildern und Gegenständen. Die Zielrichtung der Marienerscheinungen ist nicht nur die reine Frömmigkeit, sondern sie mischt sich in die Politik ein. Nachdem sich die Kirchengeschichte und die Profangeschichte endgültig getrennt hatte, verknüpft Maria wieder das Geschehen in der Welt mit dem göttlichen Plan. Sie bezieht sich auf die Verhältnisse der Zeit. Maria gibt uns eine Fülle von Verheißungen (weltliche, ewige, persönliche und allgemeine). Wir erfahren nicht nur, wenn wir auf die Bedürfnisse der Welt schauen, daß die Marienerscheinungen darauf die entsprechenden Antworten geben, sondern wir können auch umgekehrt anhand der Botschaften erkennen, wo die «Knackpunkte» unseres Zeitgeschens liegen. Wie eine echte Propheten öffnet Maria uns die Augen, um zu erkennen, was zu tun ist und wo wir den göttlichen Hebel der Gnade ansetzen müssen. |
Nun aber zu den einzelnen Erscheinungen
Rue du Bac
Zum Erscheinungsort:
Katharina Labouré, geb. am 2.5.1806 als Zoe Labuoré, trat 1830 bei den Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul ein. Bis zu ihrem Tod am 31. Dezember 1876 widmet sie sich bescheiden und hingebungsvoll den Alten und Kranken, nachdem sie zuvor in der Küche gearbeitet hat.
In der Nacht zum 19. Juli 1830 sah sie die Gottesmutter, die ihr empfahl, am Altar der Kapelle des Klosters in ihren Leiden und Bedrängnissen Trost zu suchen. Ihrem Beichtvater mußte sie ausrichten, daß Mißstände in ihrem Orden abgestellt werden sollten.
Am 27. November 1830 erschien ihr die Gottesmutter wieder: Sie stand auf einer Halbkugel, wobei sich unter ihren Füßen eine Schlange wand (dieses Bild symbolisiert die Unbefleckte Empfängnis Mariens), von den Ringen ihrer Finger ging ein wunderbares Licht aus. Dann läßt Maria die Hände nach unten sinken, und Ströme von Licht fallen auf die Erde (das Bild symbolisiert die Mittlerin der Gnaden). In einem Halbkreis erscheinen um Maria die goldenen Buchstaben: «O Maria, ohne Makel der Erbsünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen.»
Sie hört die Worte: «Laß eine Medaille nach diesem Bild prägen. Wer sie trägt, wird große Gnaden empfangen...».
Zur Bedeutung der Erscheinung:
Neu an der Erscheinung ist vor allem die Aussage Mariens, eine Botschaft für die ganze Welt zu haben. Auch wenn Maria hinzufügt, daß sie vor allem Frankreich gilt, ist diese Botschaft universal. Von nun werden sich alle Erscheinungen Mariens nur vordergründig auf eine einzelne Person beziehen, im Hintergrund aber werden sie die Erde und alle Menschen zum Ziel haben.
Das ist das eigentlich neue an den Marienerscheinung ab 1830. Auch zuvor hat es immer wieder Marienerscheinungen gegeben, aber immer war die Botschaft nur an die Person gerichtet, die die Vision hatte.
Wenn es heißt: «Die Gnaden werden überreich sein für jene, die die Medaille mit Vertrauen tragen», dann schaltet der moderne Mensch ab. Hier wird die Materie, die doch für den modernen Menschen Selbstzweck ist, zum Instrument des Unsichtbaren. Hier verschmelzen die beiden Regionen, die der Skeptiker so gerne trennt: Das Greifbare und das Unbegreifbare. Das Prinzip der Inkarnation, der Fleischwerdung, wird so auch hier festgehalten. Damit wird ein erster, wichtiger Gegenpol zum Materialismus gesetzt.
Desweiteren wird in der Rue du Bac angekündigt, was erst 24 Jahre später geschehen wird: Die Verkündigung des Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens im Jahre 1854. Dogma und Vision ergänzen sich so gegenseitig, wie der Prophet und der Priester sich ergänzen.
Die zentrale Botschaft aber ist die der Hoffnung: Gott ergreift die Initiative, wir sind nicht allein, der Teufel, die Schlange zu Füssen Mariens, wird zertreten; es gibt keinen Grund zur Verzweiflung.
La Salette
Zum Erscheinungsort:
Zwei Hirtenkinder, der elfjährige Maximin Giraud und die fünfzehnjährige Melanie Calvet (oder Calvat - oder Mathieu?) wurden am 19. September 1846 in einer Senke des Sesia-Baches Zeugen eines überirdischen Geschehens: Eine Lichtkugel, die um sich selbst rotiert und sich dann öffnet, wird für die Kinder sichtbar. In ihrem Inneren sehen sie eine menschliche Gestalt, die auf einem Stein neben der seit Monaten ausgetrockneten Quelle sitzt, die Ellbogen auf die Knie und den Kopf in die Handflächen gestützt.
Den vom Glanz geblendeten Kindern ruft die Gestalt, das Gesicht von Tränen überströmt, entgegen, Mut zu fassen und näher zu kommen. Sie wolle, so sagt sie, eine große Botschaft überbringen. Um ihren Kopf waren Rosen gewunden, die leuchteten. Die während der ganzen Erscheinung weinenende «schöne Dame» richtete den Kindern in französischer Sprache aus: «Wenn mein Volk sich nicht unterwerfen will, muß ich den Arm meines Sohnes walten lassen. Er ist so mächtig und drückt so schwer, daß ich ihn nicht aufhalten kann.» Maria kündigt großes Unheil an.
Danach spricht sie über die Sonntagsheiligung, über das Gebet und über die Fastengebote. Die Botschaft schließt mit dem Satz: «Nun denn, meine Kinder, laßt dies mein ganzes Volk wissen».
Die Bedeutung der Erscheinung:
Über die Tränen Mariens ist viel geschrieben worden; und die Theologen haben noch nicht aufgehört, darüber nachzudenken, wie denn diese Tränen mit der seligen Gottesschau zu vereinbaren sind.
Nimmt man aber die Erscheinung in Verbindung mit der Zeit (1846 trafen sich in Paris junge Menschen als Protest gegen die religiösen Normen jeden Sonntag zum Satanskult) und auch in Verbindung mit der Folge-Geschichte (noch nie hat die Welt so gezielt versucht, ein religiöses Phänomen zu torpedieren), so trifft vermutlich die Antwort Papst Pius IX., als er nach dem Kern des großen Geheimnisses von La Salette gefragt wurde: «Sie wollen die Geheimnisse von La Salette wissen? Nun, das sind sie: Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle zugrunde gehen.»
Vieles, was Päpste erst hundert Jahre später in ihren Botschaften aufnahmen, wurde schon in La Salette ausgesprochen. Damals noch unerhört, spricht später Papst Paul VI. selbst von der «Selbstzerstörung der Kirche», vom «Rauch Satans in der Kirche».
Vieles von dem, was in La Salette angekündigt worden ist, ist nicht eingetroffen. Aber (wie oben angemerkt) sind Prophetien keine Vorhersagen, sondern Warnungen, die nicht eintreffen, wenn sie beherzigt werden. Oder - die verschoben werden können. Dem entspricht, daß Maria auch später wieder als weinende Muttergottes erscheint (siehe Syrakus und Maasmechelen).
Lourdes
Zwischen den Erscheinungen in Lourdes und in der Rue du Bac liegt die Dogmaverkündung von 1854, und von daher erfährt die «Unbefleckte Empfängnis» die zentrale Bedeutung für das marianische Zeitalter. Sie zeigt uns den Himmel und macht uns Hoffnung, während unsere Welt eher zur Verzweiflung Anlaß gibt.
Die Geschichte Lourdes möchte ich hier nicht wiedergeben, ich setze sie als bekannt voraus.
Die Bedeutung der Erscheinungsorte
Wenn die Erscheinung von Lourdes eine Bestätigung des Himmels zur Dogmaverkündigung von 1854 und der Ausblick auf eine heile Welt ist, so läßt sich die Bedeutung vielleicht in dem Gegensatz zusammenfassen: «In Lourdes wird der Himmel hineingestellt in eine kranke Welt.» Unsere liebe Frau von Lourdes mahnt mit einem einzigen Wort die Welt: «Buße» (in Lourdes gleich dreimal mit besonderer Bedeutung ausgesprochen), und sie läßt die Hl. Bernadette auch eine prophetische Zeichenhandlung vollziehen: Sie ißt bittere Kräuter und wäscht sich im Schlamm. Aber - Maria gibt auch das Zeichen ihrer Heilkraft (bzw. der Heilkraft ihres Sohnes), indem aus dem Schlamm eine Quelle aufbricht, die Lourdes zum Ort der Heilungswunder werden läßt.
Damit steht Lourdes ganz in der biblischen Tradition der Umkehrrufe des Johannes des Täufers und der Heilungswunder Jesu. Die Offenbarung ist zwar mit dem Tod des letzten Apostel abgeschlossen, aber sie wirkt fort - nicht, indem sie Neues hinzufügt, sondern indem sie gegenwärtig bleibt, wie auch die Eucharistie eine Vergegenwärtigung des Heilsgeschehen am Kreuz ist. Lourdes ist biblisch.
Papst Johannes Paul II. bezeichnet Lourdes als «Thron des eucharistischen Geheimnisses, das alle anderen an Herrlichkeit in der katholischen Welt übertrifft.»
In der Lourdes-Enzyklika Pius XII. heißt es: «Marienverehrung ist die kollektive Bewegung zur christlichen Erneuerung der Gesellschaft». Erneuerung - eines der wesentlichen Elemente der Marienverehrung und damit auch der Marienerscheinung.
Pontmain
Nur ganz kurz: Am 17. Januar 1871 kündigt Maria in Pontmain das baldige Ende des deutsch-französischen Krieges an. «Aber betet, meine Kinder. Gott wird euch bald erhören, mein Sohn wird sich rühren lassen.» Nur 11 Tage später, am 28. Januar, wird der Waffenstillstand unterzeichnet.
Auch in Fatima sagt Maria: Der Krieg geht bald zu Ende. Damit kommt ein neues, prophetisches Element in die Marienerscheinung hinein: Der Vorstoß in den politischen Raum.
Fatima
Zeitgeschichtlicher Rahmen:
Die zeitgeschichtlichen Zustände Portugals waren damals niederdrückend: Ermordung König Karls I. und Kronprinz Ludwig Philipps (1. Februar 1908), Verschwörung, Revolution in Lissabon am 4. Oktober 1910... moralischer, politischer und wirtschaftlicher Niedergang; die Freimauerer hatten die Macht in Händen, Alonso Costa prophezeite die Erledigung des Katholizismus innerhalb zweier Generationen...
In einer Radioansprache sagte der Papst am 31. 10. 1942: «In einer tragischen Stunde der Finsternis und Verwirrung, da das portugiesische Staatsschiff abgeirrt war von dem Kurs der Traditionen und wie verloren im antichristlichen und antinationalen Wettersturm dem Schiffbruch entgegenzutreiben schien, da griff der Himmel helfend ein. Und aus der Finsternis strahlte das Licht auf, aus dem Chaos tauchte die Ordnung empor...»
Ein Historiker von Rang hat das Jahr 1917 als das entscheidende Jahr in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnet, und zwar deswegen, weil damit das Zeitalter der Weltideologien beginnt. Denn in diesem Jahr schalten sich von Westen her die Vereinigten Staaten von Amerika durch ihre Kriegserklärung an Deutschland vom 6. April in die Geschichte Europas ein, während im Osten der Ausbruch der bolschewistischen Revolution in Rußland am 17. November jene zweite ideologische Macht auf den Plan ruft, die bis 1989 die Welt in Spannung halten soll. Zwischen diesen beiden Ereignissen liegen die Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917.
Maximilian Kolbe erlebt 1917 eine Demonstration auf dem Petersplatz, bei der Freimaurer anläßlich ihrer 200-Jahr-Feier Satansbanner mitführen, auf denen die Losung steht: «Satan soll herrschen im Vatikan, und der Papst wird ein Sklave sein.» (Bezug zum 3. Geheimnis von Fatima), und gründet daraufhin mit sieben jungen Freunden die Immaculata(!)-Miliz.
Am 13. Mai 1917 wurde der spätere Papst Pius XII. zum Bischof geweiht.
Bedeutung des Erscheinungsortes
In der dritten Erscheinung Mariens, am 13. Juli 1917, sehen die Seherkinder eine Vision der Hölle, die ihnen Schrecken und Entsetzen einflößt; am 13. Oktober 1917 geschieht das sogenannte Sonnenwunder. Beide in Zusammenhang gebracht bildet den Rahmen für die eine, immer gleiche marianische Botschaft: «Betet, betet, betet, tut Buße, bringt Opfer für die Sünder, die Leute sollen sich bessern und um Verzeihung ihrer Sünden bitten, sie sollen den Herrn nicht mehr beleidigen, der schon zu viel beleidigt wurde.» Damit drückt sich das marianische Programm als Heilmittel für die Schwächen unserer Zeit aus: Der mangelnde Glaube an die Ernsthaftigkeit unserer Freiheit, die Leugnung der Sünde, der Hölle und des Bösen.
Gleichzeitig wird aber auch in der zweiten o.g. Erscheinung der Sieg über die Übel der Zeit als Verheißung im Sonnenwunder bildlich dargestellt: «Ein großes Zeichen erschien am Himmel, eine Frau, mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Füßen und ein Krone von 12 Sternen auf ihrem Haupt» (Offb 12,1). Fatima ist somit genauso biblisch gegenwärtig wie Lourdes, Maria als Heilszeichen und prophetische Frau genauso mahnend wie verheißend.
Fatima ist vor allem mit der Geschichte unseres jetzigen Papstes verbunden, verbunden auch mit dem Anfang und dem Ende des kalten Krieges. Viele Ereignisse ranken sich um den 13. Mai oder den 13. eines anderen Monats, vom Papst-Attentat (13. Mai 1981, an diesem Tag erneuerten die Bischöfe Portugals die Weihe an das unbefleckte Herz und beteten für den Papst, noch bevor die Nachricht des Attentats nach Portugal kam) bis hin zur Verhinderung eines Atomschlages der UdSSR. Während der Erscheinungen in Fatima findet die berühmte Reise Lenins durch Deutschland und Schweden statt, die im Herbst zur Revolution in Rußland führt.
Genauso wie Fatima mit dem Ende des 1. Weltkrieges, Pontmain mit dem Ende des deutsch-französische Krieges verbunden ist, so ist eine weitere Erscheinung mit dem zweiten Weltkrieg verbunden: Die Erscheinung Mariens in Belgien, in Beauraing und Banneux 1932 und 1933, dicht an der deutschen Grenze. Beide Erscheinungen zielen auf das Gebet, beide gelten vermutlich dem nationalsozialistischen Deutschland.
In allen Erscheinung tritt Maria als Prophetin auf, die Umkehr fordert, die Hoffnung stärkt, zum Gebet (vor allem des Rosenkranzes) auffordert und die Macht der Sünde in die Erinnerung der Menschen ruft. Verbunden mit der Mahnung, das Böse nicht zu unterschätzen, weist sie immer auch auf das Heilmittel hin: Die Weihe an das unbefleckte Herz Mariens.
Grundsätzliches zu Marienerscheinungen
Der größte Marienverehrer, Ludwig Maria Grignion, schreibt in seinem «goldenen Buch»: «Das erste Kommen Jesu geschah in Verborgenheit; das zweite Kommen Jesu wird sich in Herrlichkeit vollziehen. So ist es auch mit Maria: Zuerst liebte und lebte sie in Verborgenheit und Armut - jetzt bereitet sie in der Herrlichkeit der Erscheinungen ihr Volk auf die Ankunft des Herrn vor.» So schreibt auch schon Kaiser Konstantin der Große vor 1300 Jahren.
Wenn es in der Offenbarung des Johannes heißt (Kap 12,1): «Ein großes Zeichen erscheint am Himmel» so ist damit Maria zu einem Zeichen der Endzeit, der Entscheidung und der Verheißung erhoben. (Rundschreiben Paul VI.: Signum magnum über Maria, 13.5.1967)
Maria ist als Mutter der Kirche nicht nur Bild des Volkes Israel und des neuen Volkes, sondern als Braut des Heiligen Geistes auch Mittlerin der Gnaden - und auch Mittlerin der Mahnungen und Verheißung. (Als Mittlerin bezeichnet sich Maria bereits 1846 in La Salette, im Bild ist dies sogar schon in der Rue du Bac vorweggenommen). Die Prophetin und damit die Gestalt der Kirche ist Maria, nicht Petrus und nicht Johannes.
Wir leben in einem marianischen Zeitalter
Das zeigen nicht nur die großen, neuerdings universalen Botschaften Mariens seit 1830.
Neben den anerkannten Erscheinungen (1830 in der Rue du Bac, 1846 in La Salette, 1858 Lourdes, 1871 Pontmain, 1917 Fatima, 1932 Beauraing, 1933 Banneux, 1950 in Syrakus die weinende Madonna) gibt es zahlreiche weitere Erscheinung und Privatoffenbarungen. Zwischen 1928 und 1971 wurden 210 Marienerscheinungen registriert: Von 1830 bis 1984: 379. Spitzenzahlen in den Jahren: 1933 (14), 1947 (18), 1948 (29) und 1954 (18)), lediglich im Jahr 1941 wurde keine Marienerscheinung festgestellt. Was die Erscheinungsort betrifft, so befinden sie sich in verschiedensten Ländern (Israel, Ungarn, Litauen, Brasilien, Spanien, Polen, USA, Philippinen, Griechenland und China). Die Mehrheit ereignete sich in Italien (71), in Frankreich (37), Deutschland (19), Belgien (17), Spanien (9), USA (8) und Kanada (6), in jüngster Zeit wurde vor allem San Damiano, Garabandal und Medjugorje bekannt.
Hiervon sind lediglich 40 negativ beurteilt, also abgelehnt worden, und selbst diese schließen nicht immer das Verbot des Kultes ein.
Grundsätzlich ist es die Pflicht eines Christen, dem Anspruch einer Privatoffenbarung kritisch gegenüberzustehen. Satan hat auch hier seine Finger im Spiel: "Die Schlange trifft die Frau an der Ferse" - der Sieg Mariens ist kein müheloser Sieg, sondern setzt genau das voraus, was auch das Anliegen ihrer Botschaft ist: Ernsthaftigkeit in der Entscheidung und Standhaftigkeit im Leben. Und zudem gilt auch für Maria, was von Jesus gesagt wird: Dieser wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Von einigen angeblichen Marienerscheinung ist es offentsichtlich, daß es sich um Imitationen des Teufels handelt. Ja, sogar während der Erscheinungen in Lourdes hatte die kleine Bernadette mit den Einflüsterungen Satans zu kämpfen.
Es ist Vorsicht geboten,
um dem Urteil der Kirche nicht vorzugreifen oder sogar ungehorsam zu sein (s. Heroldsbach). Solange das Urteil der Kirche aussteht, gibt es einige Kriterien aus der Erfahrung der Kirche, die zur Echtheit von Privatoffenbarungen (oder Teilen davon) angeführt werden können:
Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche.
Die Offenbarungen dienen dem Seelenheil - und nicht der Neugierde des Menschen.
Die Visionen und der Empfangende fügen sich der Autorität der Kirche.
Der Visionär zeichnet sich durch Ehrfurcht und Demut aus (und nicht durch Rechthaberei, Ruhmsucht, Geltungssucht, Stolz, Eitelkeit)
Die Visionäre bedürfen zwar keiner besonderen Heiligkeit, wohl aber psychische Gesundheit.
Die Offenbarungen zeichnen sich durch Transparenz aus (im Gegensatz zu Zweideutigkeiten, Bizzarerien, Undurchsichtigkeiten)
Die Botschaften sind immer auf das Ganze des christlichen Glaubens bezogen (sie zeigen keine Einseitigkeit, z.B. in der ausschließlichen Betonung der Sünde, in der Überbetonung der Mittel gegenüber dem Inhalt, des Äußerlichen und Nebensächlichen etc.)
An den Früchten werdet ihr sie erkennen (damit sind die Auswirkung im Leben des Empfängers gemeint).
Fazit
Es wäre verfehlt, von den Überlegungen, die Grignion und Konstantin der Große ausgesprochen haben, nun auf die nahe Wiederkunft Christi zu spekulieren. Maria als prägende Gestalt unserer Zeit betont nur die eschatologische Dimension der nachchristlichen Zeit insgesamt; in einer Epoche, wo das eschatologische Bewußtsein zurückgebildet ist.
Eschatologische (endzeitliche) Zeichen dienen nicht der zeitlichen Abschätzung der Weltendauer, sondern der Bereitung und Umkehr. Seit Jesus Christus hat die Endzeit - oder vielmehr die Gnadenzeit - schon begonnen. Mit Endzeit ist ja nichts anderes gemeint, als die Überlappung von bloß Zeitlichem und Ewigem. Gegenüber dem Immanentismus, der jede eschatologische Dimension der Zeit leugnet, betont Maria die Qualität der Zeit als Heilszeit (=Endzeit).
Maria erinnert uns daran, daß wir bereits mit einem Fuße in der Ewigkeit stehen und daher unsere Lebensvollzüge nun auch Konsequenzen für die Ewigkeit haben. Sind wir uns dessen bewußt, so müssen wir in unserem Leben einiges neu ausrichten, vielleicht sogar vollkommen ändern. Umkehr meint, unter dieser neuen Perspektive eine Richtungsänderung vorzunehmen (und wenn es nur wenige Grade sind, die wir uns wenden müssen), und gestärkt auf das ewige Ziel zuzugehen.
Die Immaculata
Eine wesentlicher Gedanke zum Schluß: Das alles beherrschende Motiv all der Offenbarungen ist das der unbefleckten Empfängnis, der Immaculata. Warum? Warum nicht als Jungfrau, Mutter, im Himmel Gekrönte und als Mittlerin?
Das erste Kommen Jesu konnte geschehen, da Gott die Herrschaft der Sünde im neuen Menschen, in Maria, gebrochen hatte (Rue du Bac: Maria zertritt die Schlange). Er hat für die Menschwerdung seines Sohnes eine Wohnung bereitet, die frei war von der Beeinflußung Satans. In Maria hat die neue Schöpfung begonnen.
Wollen wir uns auch aus der von der Sünde durchseuchten Welt befreien, so finden wir diesen Schutz - so wie Christus selbst - nur bei der Immaculata. Somit wird Maria zum Bild der Kirche, die Schutz und Heil gewährt, weil sie dem Zugriff Satans entzogen ist. Wir können Jesus folgen und uns so wie er unter ihr Herz begeben (uns ihrem Herzen weihen). Die Immaculata - die Kirche unter dem Herzen der Immaculata - ist der einzige Ort, in dem wir die Seligkeit finden.
Wenn Maria sich als die unbefleckte Empfängnis offenbart, so zeigt sie uns den Weg, uns von der Macht Satans zu befreien. Sie sammelt ihre Kinder, um sie zu beschützen und mit Gott zu vereinigen. Damit fügt sie den Heilmitteln der Kirche kein neues hinzu und sie schränkt die vielen Heilswege innerhalb der Kirche auch nicht ein, vielmehr offenbart sie die Kirche mit ihren Gnadenmitteln als den sicheren Weg.
Wenn in vielen Erscheinungsorten der jüngsten Zeit Maria als Heilsmittlerin, als Mittlerin aller Gnaden verehrt wird, dann ist damit ebensowenig ein Einschränkung der Heilswege gemeint (etwa in Konkurrenz zu Christus oder zur Kirche). Vielmehr bekommt das biblische Geschehen eine präsentische Dimension: Jetzt ist die Zeit der Erlösung uns genauso nahe wie zur biblischen Zeit.
(Aus: Karl-Leisner-Jugend, http://www.karl-leisner-jugend.de/marien.htm)
Akita 1973, Banneux 1933, Bayside 1970, Beauraing 1932, Caravaggio 1432, Catania 1954, Collevalenca 1951, Damaskus 1982, Dietrichswalde 1877, Dülmen 1812, Düsseldorf 1983, Eisenberg 1954, Ellwangen 1696, Eupen 1870, Florenz 1969, Fontanelle 1966, Heede 1937, Inzing 1686, Kairo 1341/1985, Kevelar 1641, Kibeho 1981, Köln 1002/1157/1225/1587, Konstantinopel 455/552/626/714, Konstanz 1312/1633, Krakau 1472/1550/1957, Konnersreuth 1926, Leipzig 1813, Lemberg 1985/1986, Lissabon 1450, London 1138, Loreto 1260, Luzern 1531, Maasmechelen 1982/1983, Madrid 1444/1578/1583/1972, Mailand 1968/1973, Maria-Buchen 1495, Manila 1986/1987, Mexico-City 1931/1968, Montichiari 1947/1966, Moskau 1641, München 1947, Naju 1985, New York 1960/1984, Nürnberg 1614, Ohlau 1981, Padua 1230/1950/1987, Paris 16x zwischen 1180 und 1988, Rimini 1850, Rom 13x zwischen 363 und 1980, San Nicolas 1983, Schio 1985, Syrakus 1953, Tinos 1822/1951, Tschenstochau 1382/1951, Warschau 1959, Wigratzbad 1938, Zeitoun 1968, Sievenich 2001
1 9 0 0
1989 Itatiba (Brasilien), 1988 Friaul (Italien), 1987 Manila (Philippinen), Valencia (Spanien), Aurach-Fischbachau bei Bayrischzell, Padua (Italien), Grushew (Hruschiw, Ukraine), Port-au-Prince (Haiti), El Repilado (Süd-Spanien), Bilychi (Rußland), Terra Blanca (Mexiko), 1986 Lemberg (UdSSR), Scarpape (Italien), Belpasso (Sizilien), 1985 Jezzine (Südlibanon), Montreal (Canada), Naju (SW-Korea), Oliveta Citra (Italien), Lemberg, Mubuga (Rwanda), Kairo (Ägypten), Fina-Betania (Venezuela), Ziementshausen (bei Augsburg), Schio (Italien), Nowy Dwor (bei Warschau), Ballinsptle (England), Mushasah (Burundi), 1984 Neuental Pfarrhaus von Pfr. Lambert, Cotrone (Süditalien), Jall-El-Dib (Libanon), Remisch (Süd-Libanon), Montpichon (Frankreich), Lützenkirchen (bei Leverkusen), Gargallo (Italien), Mushasah (Burundi), Caiolo (Italien), Brüssel (Belgien), Chicago, Los Charcos (Kolumbien), New York, Montenaken (Belgien), 1983 San Nicolas (Argentinien), Villa Alemana (Chile), St. Germain-Laprade (Frankreich), Ranschbach (BRD), Maasmechelen (Belgien), Marpingen (Saarland), Düsseldorf, Bethlehem, Granda (Spanien), 1982 Verviers (Belgien), Maasmechelen (Belgien), Eupen (Belgien), Damaskus, 1981 Medjugorje (Bosnien-Herzegowina), La Talaudiere (Frankreich), Ohlau (Polen), Kibeho (Rwanda), 1980 Rom, Philadelphia, Niscima (Sizilien), Genua (Italien), Escorial (Spanien), Deir-el-Ahmar (Libanon), Cuapa (Nikaragua), 1978 Brüssel, Berlicum (Holland), 1977 Schwandorf (Bayern), Damaskus (Syrien), Beirut (Libanon), Frechou (Frankreich), 1976 Cua (Venezuela), 1975 Viversel-Zolder (Belgien), Saigon (Vietnam), Mendoza (Argentinen), Dugny (France), Gray (France), 1974 Picots (Polen), Manchiet-el-Tahrir (Ägypten), Gussago (Italien), Castel-San-Lorenzo (Italien), 1973 Villerfranche (Frankreich), Sant`Agata del Bianco (Italien), Puruaran (Mexiko), Olmes (Peru), Mailand, Caltanissetta (Sizilien), Akita (Japan), 1972 Tongerlo-Opitter (Belgien), Ravenna (Italien), Porziano (Italien), New Orleans (USA), Montreal (Kanada), Mimbal (Spanien), Madrid, Lendinara (Norditalien), Commark (Long Island), Cinquefrondi (Süditalien), Brüssel, 1971 Piendamo (Kolumbien), Ica (Peru), Amman (Jordanien), Maropati (Diöz. Mileto-Italien), 1970 Sesto San Giovanni (bei Mailand Italien), Lecce (Süditalien), Graffenstaden (Diöz. Straßburg, Frankreich), Bayside, (Long Island, New York), 1969 Florenz (Italien), Le Frechou (Frankreich), Barcelona (Spanien), 1968 Mexiko-City, Wollongong (Australien), Vercelli (Italien), Zeitoun (Ägypten), Saint-Bruno (Kanada), Palmar de Troya (bei Sevilla, Spanien), Maille (France), Mailand (Italien), L'Anse aux-Gaxons (Kanda), Fort Kent (im Staate Maine USA), Cabra-Insel (Philippinen) 1967 Oulx Susa im Piemont (Italien), Rom, Raccuja (Italien), Quebec (Kanada), Natividade (Brasilien), Mortsel (bei Antwerpen), Cefala Diana (Sizilien), 1966 Porto Santo Stefano (Italien), Fontanell-Montichiari (Italien), Ayn el Delb (Libanon), Paris, 1965 Lüttich (Belgien), Freiburg (Schweiz), St. Emmerich-Berg (Ungarn), Conchar (bei Granada, Spanien), 1964 San Damiano (Italien), 1963 Saigon (Vietnam), 1962 Skiemoniai (Jaoniai-Litauen), Ladeira do Pinheiro (Portugal), 1961 Craveggia (Italien), Garabandal (Spanien), Budapest, Brigueil-le-Chantre (Frankreich), 1960 New York, Neuweier (Baden-Baden), 1959 Warschau (Polen), Vivo-Valentia (Italien), Scheggia (Italien), Gaeta (Italien), 1958 Villa Brone di San Secondo (Italien), Turzovka (Tschechoslowakei), San Vittorino (bei Rom), Orcas (Spanien), 1957 Staffelfelden (Frankreich), Sansolitho (USA), Rocca Corneta (Italien), Krakau (Polen), 1956 Urbania (Italien), Englecourt (Frankreich), Assoro (Italien), 1955 Nongoma (Südafrika), Graveggia (Nord-Italien), Reggio Emilia (Norditalien), 1954 Vittoria (Italien), St. Tropez (Südfrankreich), Serdine (Westukraine), Pombia (Italien), Pingsdorf (Deutschland), Newcastle (England), Mezzolombardo (Italien), Marche-en-Famenne (Belgien), Lourdes (France), Jerusalem (Israel), Ibdes (Spanien), Giarrre (Italien), Catania (Sizilien), Eisenberg (Burgenland, Österreich), Budapest, Angri (bei Salermo, Italien), 1953 Syrakus (Sizilien), Santo Saba di Sparta (Italien), Rom, Porto Empedroles (Italien), Philadelphia (USA), Hydrequent (bei Calais, France), Frignano Maggiore (Italien), Calabro di Mileto (Italien), Bivigliano (bei Florenz, Italien), 1952 Rodalben (BRD), Orria (Italien), Gerpinnes (Belgien), 1951 Tschenstochau (Polen), Tinos (Griechenland), Tangua (Brasilien), Oriolo Calabro (Italien), Dugny (bei Verdun France), Collevalenza (Umbrien-Italien), Arluno (bei Mailand), 1950 Vatikan (Rom), Ribera (Italien), Remagen am Rhein, Perregaux (Algerien), Padua (Italien), Guarcino (Italien), Granby (Kanada), Finisterre (Bretagne, Frankreich), Denver (Colorado, USA), Bienvenida-Usagre (Spanien), Belmullet (Ostirland), Acquaviva-Platani (Sizilien), 1949 Düren (Rheinland), Balestrino (bei Loano, Italien), Zo-se (Schanghai), Würzburg, Weert (Holland), Necedah (Wisconsin, USA), Montreal (Kanada), Lublin (Polen), Heroldsbach (Diöz. Bamberg), Haszos (Ungarn), Fehrbach (Diöz. Speyer), 1948 St. Jean-aux bois (franz. Ardennen), Schichowitz (Tschechoslowakei), Nocera Superiore (Italien), Montlucon (Frankeich), Marta (Viterbo, Italien), Marina di Pisa (Italien), Lipa (Philippinen), L'lle Napoleon (Frankreich), Liart (frz. Ardennen), La Forclaz (France), Gimigliano (Italien), Cluj (Rumänien), Caserta (Italien), Assisi, Asprang (Nieder-Österreich), Altenmark (bei Salzburg), 1947 Vorstenbosch (Holland), Tre Fontane (Rom), Varzi (Italien), Urucaina (Brasilien), Tyromestice (Slowakei), Tannhausen (Schwaben), Stockport (bei Manchester England), Montichiari (Italien), L'll Bouchard (Frankreich), Pieskop (Frankreich), München, Montepoli (Italien), Kayl (Luxenburg), Hasznos (Ungarn), Grottamare (Italien), Forstweiler (BRD), Casanova (Italien), 1946 Vilar-Chao (Portugal), Pasman-Insel (Dalmatien), Espis (Südfrankreich), Pfaffenhofen a.d. Roth (BRD), 1945 Amsterdam (Holland), La Codosera (Spanien), 1944 Detroit (Michigan, USA), Clarksdale (Mississippi, USA), Bonate (Diöz. Bergamo), 1943 Grinakalnes (Litauen), Athis-Mons (Vorort von Paris), 1942 Sonnenhalb (Appenzell, Schweiz), Cornamona (Irland), 1941 Lauquiniz (bei Bilbao, Spanien), 1940 Ortoncourt (frz. Vogesen), Bodonou (Bretagne), 1939 St. Placide,Charlevoix (Kanada), Kerrytown (Donegal, Irland), Kexskemèt (Ungarn), Dublin (Irland), Bouxieres (France), 1938 Wigratzbad (Allgäu), 1938 Pradnik (Polen), Oberpleis (BRD), Mailand, Kerizien (France), Bochum, 1937 Heede (Emsland, BRD), Oberbrück (Elsaß, Frankreich), Voltago (Italien), 1936 Ham-sur-Sambre (Belgien), 1935 Rom, 1934 Viareggio (Italien), Roggliswil (Luzern, Schweiz), Marpingen (Saarland), Lavang (Annam), 1933 Wielsbeke (Belgien), Tubize (Belgien), Onkerzele (Belgien), Olsene (Belgien), Lokeren (Belgien), Herzele (Belgien), Foy N.D. (Belgien), Etikhove (Belgien), Crollon (France), Chaineux (Belgien), Banneux (Belgien), Bad Lippspringe (Diöz. Paderborn), 1932 Metz (France), Marmagen (BRD), Beauraing (Belgien), 1931 Mexiko-City, Ezquioga (Nordspanien), 1930 Pailly (bei Paris), Chateauneuf-de-Galaure (Frankreich), Campinas (Brasilien), 1929 St. Theodore de Chertsey (Kanada), 1928 Ferdrupt (Vogesen, Frankreich), 1927 Trept (Diöz. Grenoble, Frankreich), Rochehaut (Belgien), 1926 Marlemont (Frz. Ardennen), 1925 Fauroeulx (Diöz. Tournai, Belgien), 1925 Pontevedra (Galicien-Spanien), Aichstetten (bei Memmingen, Schwäb. Allgäu), 1923 Szolnok (Ungarn), 1922 Herentals (Belgien), Cosenza (Italien), 1921 Florival (Papua), Bickendorf (Diöz. Trier), 1920 Ratibor (Oberschlesien), 1919 Malmedy (Belgien), 1918 Turin (Italien), Muzillac (bei Vannes, Frankreich), 1917 Fatima (Portugal), Kolomenskoje (bei Moskau), Chateau-Gombert (Diöz. Marseille, Frankreich), 1916 Paris (Rue du Buc), 1915 Welberg (Diöz. Breda, Holland), 1914 Violet (Frankreich), La Marne (Frankreich), 1913 Alzonne (Carcassonne, Südfrankreich), 1911 Weyburn (Kanada, Diöz. Regina), 1910 Tourtres (Diöz. Valence, Frankreich), Baden-Baden (BRD), 1909 Loublande (Frankreich, Diöz. Poitiers), Gray (Frankreich), 1908 Lummen (Belgien), 1907 Obermarchtal (BRD), Bordeaux (Frankreich), 1906 Quito (Ecuador), 1904 Zdunska-Wola (bei Lodz Polen), 1900 Tong-Lu (China), Tanganika (Afrika), Sän-Tai-Dse (Südmandschurei), Peking (China)
1 8 0 0
1899 Campitello (Diöz. Ajaccio, Korsika), 1898 Loretteville (Kanada), Schippach (bei Aschaffenburg, Bayern), Tilly sur Seulles 1996 (Diöz. Bayeux, Frankreich), 1894 Szezyk-Bita (Kreis Bielitz, Polen), 1893 Enghien (Belgien), 1892 Campocavallo (bei Ancona, Italien), 1890 Signy (Nordfrankreich), 1888 Vallensanges (Frankreich), Castelpetroso (bei Bojano Süditalilen), 1886 Saint-Pierre-Eynac (Diöz. Puy, Frankreich), 1884 Montilgeon (Orne, Frankreich), Lyon und Diemoz (französische Alpen), Neapel (Italien), 1883 Rovigo (Norditalien), 1882 Lyon, 1879 Cnox Mhuire (Irland), 1877 Dietrichswalde (Diöz. Ermland, heutiges Polen), 1876 Mettenbuch (Bayern), Marpingen (Saarland), Pellevoisin (Indre, Frankreich),Baltimore (U.S.A.), 1875 Villareggia (Diöz. Ivrea, Prov. Turin-Italien), Boulleret (Diöz. Bourges, Frankreich), 1874 Noyal-Muzillac (Bretagne), 1873 Wittelsheim (bei Mülhauen, Frankreich), Walbach (Elsaß, Frankreich), Samois (Diöz. Meaux, Frankreich), Saint-Bauzille de la Sylvie (Diöz. Montepellier, Frankreich), Rixheim (bei Mülhausen Frankreich), Paris 2x, La Fraudais (Frankreich), Fontet (bei Reole, Frankreich), Biding (bei St. Avold Lothringen), 1972 Valle di Pompei (Italien), Pouille-les-Coteaux (Diöz. Nantes, Frankreich), Neubois ( = Krüth, Elsaß), L`Hospital (bei Forbach, Frankreich), 1871 Pontmain (Nordfrankreich), Paris, Rom, Locherboden (bei Innsbruck, Österreich), St. Louis (U.S.A.), Chapelles (Schweiz Diöz. Lausanne), 1870 Walschbronn (Ostfrankreich), Eupen (Belgien), Nancy (Frankreich), Metz (Frankreich), Loigny (Frankreich), 1869 Tsuwanocho (Japan), 1868 Bois d`Haine (Belgien), 1867 Kirchdorf (Ober-Österreich bei Wels), 1866 Philippsdorf (Böhmen), 1858 Abellin (Israel), Torrazza (Diöz. Genua, Italien), Spoleto (Italien), Orero (Diöz. Genua, Italien), Assisi (Italien), 1855 Taggia (bei San Remo, Italien), Bordeaux (Frankreich), 1854 La Pierraz (bei Freiburg in der Schweiz), 1853 Cerreto (bei Sorano Toscana), 1850 Lichen (Polen), Rimini (Italien), Vatikan (Italien), 1848 Obermauerbach (bei Aichbach, Bayern), Montousse (Diöz. Tarbes, Frankreich), 1846 Turin (Italien), La Salette (Isere, Frankreich), 1842 Celles (bei Tornai, Belgien), Rom, Ars (Frankreich), 1840 Paris (Rue du Bac), Nantes (Frankreich), 1835 Trinitapoli (Apulien, Italien), 1833 Capriana (im Fleimstal, Österreich) Bous-Septfontaines-Clairefontaines (Luxemburg), 1830 Paris, Mimbaste (Frankreich), Sallent (Nordspanien), 1822 Tinos (Griechenland), 1820 Lescoüet-Gouarec (Diöz. St. Brieuc, Bretagne), 1813 Leibzig (ehem. DDR), 1812 Dülmen (Nord-Deutschland) 1803 Grandchamps (Dep. Doubs-Frankreich)
1 7 0 0
1780 Hadamar (Nassau), 1798 La-Vang (Annam), 1797 Absam (Tirol), 1792 Doroszlo (Ungarn), 1791 Bordeaux (Franreich), 1782 Sarov (Rußland), 1759 Mariabesuyü (Ungarn), 1747 Bois-de-la-Roche en Neant (Diöz. Saint Malo, Bretagne), 1745 Celldümülk (Ungarn), 1740 Mariakemend (Ungarn), 1729 Pine (Südtirol), 1719 Aparecida (Brasilien), 1717 Sajopalfalva (Ungarn), 1715 Szent-Antal (Ungarn), Pötsch (Ungarn), 1710 Ovada (Oberitalien), 1709 Foret de la Maeleine (Bretagne)
1 6 0 0
1699 Sümeg (Ungarn), Klausenburg (Siebenbürgen), 1697 Györ-Raab (Ungarn), 1696 Pötsch (Diöz. Ungarn), Ellwangen (Württemberg), 1695 Radna (Ungarn), 1692 Verviers (Belgien), Le Guiaudet-Lanrivain (Bretagne), 1686 Budapest, Inzing (Tirol), 1685 Inzing (zwischen Innsbruck und Telfs in Österreich), 1680 Saint-Carre (Diöz. Tregnier, Bretagne), 1670 Klokoosko (Ungarn) 1667 Maria-Tax (bei Staus in Tirol), 1664 Le Laus (Diöz. Gap.-Frankreich), 1663 Nagyszombat-Tyrnava (Ungarn), 1660 Malta, 1652 Prenessaye (Bretagne), Campeneac (Bretagne), 1651 Guanare (Venezuela), 1649 Plounevez-Quintin (Bretagne), Neapel, Paris, 1646 Huronsee (Kanada) 1641 Moskau, Kevelar (BRD), Calanda (Spanien), 1640 Würzburg, Cast (Diöz. Quimper, Bretagne), Beaune (Cote d´Or, Frankreich), 1638 Prag, Sinopoli (Kalabrien, Italien), 1634 Quito (Ecuador), Huronsee (Kanada), 1633 Konstanz (BRD), 1632 Japan, 1631 Neapel (Italien), 1630 Lure (Diöz. Digne, Frankreich), 1629 Maria-Bildstein (Vorarlberg, Österreich), 1627 Langeac (Frankreich), 1625 Quimper (Bretagne), Paris, 1624 Goa (Indien), 1623 Paris, 1621 Hoheneich (Niederösterreich), 1616 Stans (Schweiz), Philippinen, 1614 Paris, Nürnberg, Lublin (Polen), 1610 Malta, Freiburg (Schweiz), Rom, 1609 Rom, Le Puy (Frankreich), Chiavari (Italien), Bordeaux (Frankreich), 1608 Paris, Florenz (Italien), 1608 Bamberg (BRD), 1606 Heiligwasser (bei Innsbruck in Tirol), 1605 Le Puy-en-Velay (Frankreich), 1604 Ingoldstadt (Oberbayern), 1603 Scherpenheuvel-Montaigu (Belgien), 1602 Burgo Santa Caterina (Italien), 1602 Reggio (Norditalien), Verdun (Frankreich), 1600 Mariahilf bei Passau, Palma (Malorca), Brügge (Belgien)
1 5 0 0
1598 Puy (Frankreich), Mesagna (Italien), 1597 Freiburg i.d. Schweiz, 1596 Arona (Italien), 1595 Pumengo (Italien), Dijon (Frankreich), 1594 Acquasparta (Umbrien-Italien), 1590 Lima (Peru), Braga (Portugal), 1588 Neapel, 1587 Rom, Köln, Angola, 1583 Madrid, Copacabana (Bolivien), 1582 Plouguerneau (Diöz. Leon in der Bretagne), Plochberg bei Bopfingen, 1581 Löwen (Belgien), 1580 Ziteil i. Kanton Graubünden (Schweiz), Trivento (Italien), Torrehermosa (Aragonien-Spanien), 1579 Kasan (Rußland), 1578 Madrid, 1576 Nursia (Italien), 1576 Gubbio (Italien), 1573 Languedoc (Frankreich), 1570 Sevilla (Spanien), Pistoja (Italien), 1569 Mariagyüd (Ungarn), Faenza (Prov. Ravenna - Italien), 1568 Ancora (Italien), Amendola (Italien), 1567 Wien, 1566 Forli (Italien), 1563 Avila (Spanien), 1562 Arenas bei Avila (Spanien), 1561 Monomotapa (Rhodesien), 1560 Cordoba (Spanien), 1557 Montallegro (Italien), Brescia (Italien), 1553 Weißenstein in Südtirol, 1550 Vailankami (Indien), Krakau (Polen), Granada (Spanien), 1547 Löwen (Beligien), 1539 Görz (Italien), 1536 Savona (Italien), 1531 Guadalupe (Mexico), Luzern (Schweiz), Gubel (Schweiz), 1529 Sens (Frankreich), 1522 Loyola (Spanien), 1520 Tarbes (Süd-Frankreich), 1519 Catignac (Süd-Frankreich), 1518 Camogli bei Genua, 1512 Krakau (Polen), 1511 Treviso (Italien), Castelleone (Italien), 1509 Motta (Italien), 1506 Leon (Spanien), 1504 Tirano (Italien)
1 4 0 0
1496 Azagna bei Madrid, 1495 Maria-Buchen (Würzburg), 1491 Tois-Epis (Elsaß), 1490 Alaexos (Spanien), 1489 Pennabille (Italien), 1480 Rhodus, Locarno (Schweiz), 1472 Krakau (Polen), 1468 Flüeli (Schweiz), 1467 Genazzano (Italien), 1465 Paris, 1464 Görgsöny (Ungarn), 1460 Loreto (Italien), 1459 Florenz, 1457 Matraverebely-Szentkist (Ungarn), 1450 Lissabon (Portugal), Ferrara und Bologna (Italien), Betharram (Frankreich), 1447 Saluzzo (Italien), 1446 Fiesole bei Florenz, 1444 Madrid, 1443 Fes (Marokko), 1438 Bologna (Italien), 1436 Rom, 1432 Caravaggio (Italien), 1429 Pena de Francia (Spanien), 1426 Vincenza (Italien), 1425 Warta (Böhmen), Domremy (Frankreich), 1420 Faenza (Italien), 1417 Siena (Italien), 1407 Maria-Waldrast (bei Matrei im Brennertal), 1400 Chalons-sur-Marne (Frankreich),
1 3 0 0
1392 Segovia (Spanien), 1382 Rostow (Rußland), Tschenstochau (Polen), 1370 Toledo (Spanien), 1367 Valencia (Spanien), 1359 Neapel (Italien), 1341 Kairo (Ägypten), 1340 Tournai (Belgien), 1338 Paris, 1336 Pistoja (Italien), 1336 Estremoz (Spanien), 1330 Mariental bei Preßburg, Leon (Spanien), Condom (Frankreich), 1328 Florenz (Italien), 1326 Guadalupe (Spanien), 1325 Zargrad (Rußland), 1325 Mont-Serrat (Spanien), 1313 Avignon (Frankreich), 1312 Konstanz (BRD), 1310 Finstad bei Upsala (Schweden), 1308 Spoleto (Italien), 1306 Proceno (Italien), 1300 Mühllacken (Österreich)
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1290 Foligno (Italien), 1285 Tolentino (Italien), 1283 Forli (Italien), 1282 Helfta (BRD), 1280 Siena (Italien), 1275 Tortosa (Spanien), 1270 Margareteninsel (Ungarn), 1260 Heisterbach (BRD), 1252 Florenz (Italien), 1251 Cambridge (England), 1250 Lucca (Italien), Helfta (BRD), 1246 Viterbo (Italien), 1240 Wranau (Mähren), Monte Fano bei Fabriano (Italien), 1238 Agde (Frankreich), 1233 Florenz (Italien), 1231 Kiew (Rußland), 1230 Villers (Belgien), Padua (Italien), 1225 Wartburg (BRD), 1226 Rom 1225 Köln, Bonn, 1223 Barcelona (Spanien), 1222 Bologna (Italien), 1221 Löwen (Belgien), 1220 Viterbo (Italien), Trier, 1219 Rom, 1216 Claireftaine (Belgien), 1215 Toulouse (Frankreich), Paris, 1210 Villers (Belgien), Assissi (Italien), 1205 St. Trond (Belgien), 1200 Patrion (Italien), Heisterbach (BRD), Cluny (Frankreich)
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1190 Steinfeld (Eifel), 1180 Abtei St. Viktor in Paris, 1179 Clairvaux, 1165 Durham (England), 1163 Melrose (Schottland), 1157 Köln, 1155 Clairvaux (Frankreich), 1153 Clairvaux, 1150 Noiretable (Frankreich), 1147 Le Hamel (Frankreich), 1140 Mazieres (Frankreich), 1138 London, 1133 Ampudia (Spanien), 1120 Laon (Frankreich), 1115 Citeaux (Frankreich), 1112 Hildesheim, 1105 Arras (Spanien), 1104 Turin (Italien), 1100 Los Llanos (Spanien),
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1087 Oudenburg (Belgien), 1085 Lüttich (Belgien), 1070 Nordsee, 1060 Cluny (Frankreich9, 1050 Sopetrau (Spanien), 1026 Chartres 1024 Champagne (Frankreich), 1008 Valenciennes, 1002 Köln, 1001 Incoronata (Italien), 980 Canterbury (England), 970 Sion Les Saintois (Lothringen), 958 Herford (Westfalen), 915 Utrecht (Holland), 836 Toulouse (Frankreich), 815 Corbie (Frankreich), 766 Montreuil (Frankreich), 714 Konstantinopel, 709 Evesham (England), 684 Clermont in der Auvergne, 684 Toledo (Spanien), 626 Konstantinopel, 552 Tardinae (Italien), Konstantinopel, 455 Konstantinopel, 431 Behuard (Frankreich), 371 Tours (Frankreich), 363 Cäsarea in Kappadokien, Rom, 325 Myra (Türkei), 231 Neocäsarea in Pontus, 47 Le Puy* (Frankreich), 41 Saragossa** (Spanien), 35 Ephesus (Türkei).
** SARAGOSSA Jakobus der Ältere war mit einigen Jüngern nach Spanien gereist um dort das Evangelium zu verkünden. Jedoch hatte er fast keinen Erfolg. Eines Tages flehte er mit den Jüngern am Ufer des Ebro, der Herr möge sein Apostolat segnen. Da erschien ihm auf einer Marmorsäule stehend Maria, die nun schon im Himmel war. Sie redete ihm Mut zu und versprach, sich Spanien auf besonderer Weise anzunehmen. Auch erbat sie sich eine Kirche, in der diese Säule aufbewahrt werde.
So entstand das Heiligtum U. L. Frau del Pilar in Saragossa. Es gilt heute noch als das Nationalheiligtum Mariens für ganz Spanien. Hier ist die Marmorsäule in der Basilika zu sehen. Saragossa ist für die Spanier zu einem großen Wallfahrtsort geworden.
* LEY PUY Eine Frau namens Villa, welche hier durch die ersten Glaubensboten bekehrt wurde, hatte in einer hier erbauten Marienkapelle eine Erscheinung Mariens, wodurch sie von einer schweren Krankheit geheilt wurde. Weitere Wunder und Erscheinungen an dieser marianischen Gnadenstätte veranlaßten die Bischöfe von Le Puy auf diesem Berg eine prächtige Kirche zu bauen, 1254 schenkte der hl. König Ludwig der Kirche ein wertvolles Marienbild. 1860 errichtete man auf dem 757m hohen Felsen auf einem Sockel von 7m eine 16m hohe Marienstatute. Auch heute noch ist Le Puy ein bedeutender Wallfahrtsort.