IV. KOMMENTARE, DEUTUNGEN UND ÜBERLEGUNGEN ZUM DREITEILIGEN FATIMA-GEHEIMNIS

Privatoffenbarungen - ihr theologischer Ort       soteriologischer  

Verheissungen U.L.F. von Fatima              Warum fünf Sühnesamstage         Kein Geheimnis mehr?

Die nichterfüllte Bitte von Fatima              Die Vision des Hl. Don Bosco vom Mai 1862     

Der Engel mit dem FlammenschwertPredigt        Prophetie und Erfüllung         Zeitungsecho  

Die Gnadenstatue U. L. Frau von Fatima ein zweites Mal in Rom

Versuch einer Auslegung des Geheimnisses     Eine Katechese zu Fatima   

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V. Fatima: DIE ZEIT NACH 1917: Pontevedra - Tuy

Ankündigung der Veröffentlichung des 3. Teils des Fatimageheimnisses

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Wer den Text des sogenannten "Dritten Geheimnisses" von Fatima aufmerksam liest, der hier im Auftrag des Heiligen Vaters erstmals wörtlich veröffentlicht wird, wird nach allen vorangegangenen Spekulationen vermutlich enttäuscht oder verwundert sein. Keine großen Geheimnisse werden enthüllt; der Vorhang vor der Zukunft wird nicht aufgerissen. Wir sehen im Zeitraffer die Kirche der Martyrer des nun abgelaufenen Jahrhunderts in einer schwer deutbaren Symbolsprache zusammengefaßt. Ist es nun das, was die Mutter des Herrn der Christenheit, der Menschheit in einer Zeit großer Fragen und Bedrängnisse kundgeben wollte? Hilft es uns im Anbruch des neuen Jahrtausends? Oder sind es vielleicht gar nur Spiegelungen der Innenwelt von Kindern, die in einem Milieu tiefer Frömmigkeit aufgewachsen, zugleich aber auch von den drohenden Gewittern ihrer Zeit aufgewühlt waren? Wie sollen wir die Vision verstehen, was von ihr halten?

Öffentliche Offenbarung und Privatoffenbarungen - ihr theologischer Ort

Bevor wir den Versuch einer Interpretation unternehmen, deren wesentliche Linien in der Ansprache zu finden sind, die Kardinal Sodano am 13. Mai dieses Jahres am Ende der vom Heiligen Vater zelebrierten Eucharistiefeier in Fatima gehalten hat, sind einige grundsätzliche Klärungen darüber notwendig, wie nach der Lehre der Kirche Phänomene wie dasjenige von Fatima grundsätzlich ins Leben des Glaubens einzuordnen sind. Die Lehre der Kirche unterscheidet zwischen der "öffentlichen Offenbarung" und den "Privatoffenbarungen". Zwischen beiden besteht nicht nur ein gradueller, sondern ein wesentlicher Unterschied. Das Wort "öffentliche Offenbarung" bezeichnet das der ganzen Menschheit zugedachte Offenbarungshandeln Gottes, das seinen Niederschlag in der zweiteiligen Bibel aus Altem und Neuem Testament gefunden hat. "Offenbarung" heißt es, weil Gott darin sich selbst Schritt um Schritt den Menschen zu erkennen gegeben hat, bis zu dem Punkt hin, da er selbst Mensch wurde, um durch den menschgewordenen Sohn Jesus Christus die ganze Welt an sich zu ziehen und mit sich zu vereinigen. Es handelt sich also nicht um intellektuelle Mitteilungen, sondern um einen Prozeß des Lebens, in dem Gott auf die Menschen zugeht; in diesem Prozeß werden dann freilich auch Inhalte für den Intellekt und für das Verstehen von Gottes Geheimnis sichtbar. Der Prozeß richtet sich an den ganzen Menschen und so auch an den Verstand, aber nicht nur an ihn. Weil Gott nur einer ist, ist auch die Geschichte, die er mit der Menschheit eingeht, eine einzige, die für alle Zeiten gilt und mit Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi ihre Vollendung erreicht hat. In Christus hat Gott alles, nämlich sich selbst gesagt, und deswegen ist die Offenbarung mit der Gestaltwerdung des Christusgeheimnisses im Neuen Testament abgeschlossen. Der Katechismus der Katholischen Kirche zitiert, um diese Endgültigkeit und Vollständigkeit der Offenbarung zu verdeutlichen, einen Text des heiligen Johannes vom Kreuz: "Seit er uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein Wort ist, hat Gott uns kein anderes Wort zu geben. Er hat alles zumal in diesem einen Worte gesprochen... Denn was er ehedem nur stückweise zu den Propheten geredet, das hat er nunmehr im ganzen gesprochen, indem er uns das Ganze gab, nämlich seinen Sohn. Wer demnach jetzt noch ihn befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott geradezu beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richten würde, ohne jegliches Verlangen nach anderen oder neuen Dingen" (KKK 65, Carm. 2,22).

Die Tatsache, daß mit Christus und mit seiner Bezeugung in den Büchern des Neuen Testaments die allen Völkern zugedachte eine Offenbarung Gottes abgeschlossen ist, bindet die Kirche an das einmalige Ereignis der heiligen Geschichte und an das biblische Wort, das dieses Ereignis verbürgt und auslegt, aber sie bedeutet nicht, daß die Kirche nun nur auf die Vergangenheit schauen könnte und so zu einer unfruchtbaren Wiederholung verurteilt wäre. Der KKK sagt dazu: "...Obwohl die Offenbarung abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft; es bleibt Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite zu erfassen" (Nr. 66). Sehr schön sind die beiden Aspekte von Bindung an das Einmalige und Fortschritt in dessen Verstehen in den Abschiedsreden des Herrn ausgelegt, wo der scheidende Christus den Jüngern sagt: "Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden... Er wird mich verherrlichen, denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es verkünden" (Joh 16,12?14). Einerseits führt der Geist und eröffnet so Erkenntnis, für deren Tragen vorher die Voraussetzung fehlte - das ist die immer unabgeschlossene Weite und Tiefe des christlichen Glaubens. Andererseits ist dieses Führen ein "Nehmen" aus dem Schatz Jesu Christi selbst, dessen unerschöpfliche Tiefe sich in diesem Führen offenbart. Der Katechismus zitiert dazu ein tiefes Wort von Papst Gregor dem Großen: "Die göttlichen Worte wachsen mit den Lesenden" (KKK 94, Gregor, in Ez 1,7,8). Das II. Vatikanische Konzil kennt drei wesentliche Wege, wie sich die Führung des Heiligen Geistes in der Kirche und so das "Wachsen des Wortes" vollzieht: Es vollzieht sich durch Betrachtung und Studium der Gläubigen, durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt und durch die Verkündigung derer, "die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben" (Dei Verbum, 8). An dieser Stelle wird es nun möglich, den Begriff der "Privatoffenbarung" richtig einzuordnen, der sich auf alle nach dem Abschluß des Neuen Testaments auftauchenden Schauungen und Offenbarungen bezieht, also die Kategorie ist, unter die wir die Botschaft von Fatima einordnen müssen. Hören wir auch dazu zunächst den KKK: "Im Laufe der Jahrhunderte gab es sogenannte "Privatoffenbarungen", von denen einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden... Sie sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu 'vervollkommnen'..., sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben" (Nr. 67). Zweierlei wird klar:

1. Die Autorität der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einen, öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns. Der Glaube an Gott und ein Wort unterscheidet sich von allem menschlichen Glauben, Vertrauen, Meinen. Die Gewißheit, daß Gott redet, gibt mir die Sicherheit, daß ich der Wahrheit selbst begegne, und damit eine Gewißheit, die in keiner menschlichen Form von Erkenntnis sonst vorkommen kann. Es ist die Gewißheit, auf die ich mein Leben baue und der ich im Sterben traue.

2. Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich als glaubwürdig gerade dadurch, daß sie mich auf die eine, öffentliche Offenbarung verweist. Kardinal Prosper Lambertini, nachher Papst Benedikt XIV., sagt in seinem klassisch, ja normativ gewordenen Traktat über die Selig- und Heiligsprechungen dazu: "Eine Zustimmung des katholischen Glaubens wird anerkannten Privatoffenbarungen in diesem Sinne nicht geschuldet, und sie ist auch nicht möglich. Diese Offenbarungen fordern vielmehr eine Zustimmung des menschlichen Glaubens gemäß den Regeln der Klugheit, die sie uns  als wahrscheinlich und glaubwürdig darstellen". Der flämische Theologe E. Dhanis, herausragender Kenner dieser Materie, stellt zusammenfassend fest, daß die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung drei Elemente umfaßt: Die betreffende Botschaft enthält nichts, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und die Gläubigen sind autorisiert, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken (Sguardo su Fatima e bilancio di una discussione, in: La Civiltà cattolica 104, 1953 II. 392-406, hierzu 397). Eine solche Botschaft kann eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deswegen soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muß Der Maßstab für Wahrheit und Wert einer Privatoffenbarung ist demgemäß ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, wenn sie sich verselbständigt oder sich gar als eine andere und bessere Ordnung, als wichtiger denn das Evangelium ausgibt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt. Das schließt nicht aus, daß eine Privatoffenbarung neue Akzente setzt, daß sie neue Weisen der Frömmigkeit herausstellt oder alte vertieft und erweitert. Aber in alledem muß es doch darum gehen, daß sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind. Wir können hinzufügen, daß Privatoffenbarungen häufig primär aus der Volksfrömmigkeit kommen und auf sie zurückwirken, ihr neue Impulse geben und neue Formen eröffnen. Dies schließt nicht aus, daß sie auch in die Liturgie selbst hineinwirken, wie etwa Fronleichnam und das Herz-Jesu-Fest zeigen. In gewisser Hinsicht bildet sich im Verhältnis von Liturgie und Volksfrömmigkeit das Verhältnis zwischen Offenbarung und Privatoffenbarungen ab: Die Liturgie ist das Maß, sie ist der direkt aus dem Evangelium genährte Lebensausdruck der Kirche im ganzen. Volksfrömmigkeit bedeutet, daß der Glaube im Herzen der einzelnen Völker Wurzel schlägt, so daß er in die Welt des Alltags hineingetragen wird. Die Volksfrömmigkeit ist die erste und grundlegende Weise von "Inkulturation" des Glaubens, die sich immer wieder von der Weisung der Liturgie her ordnen und leiten lassen muß, aber umgekehrt sie vom Herzen her befruchtet. Damit sind wir schon von den eher negativen Abgrenzungen, die zunächst notwendig waren, zur positiven Bestimmung der Privatoffenbarungen übergegangen: Wie kann man sie von der Schrift her richtig einordnen? Was ist ihre theologische Kategorie? Der älteste uns erhaltene Paulusbrief, wohl überhaupt das älteste Schriftstück des Neuen Testaments, der erste Brief an die Thessalonicher, scheint mir da eine Wegweisung zu geben. Der Apostel sagt da: "Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!" (5,19-21) Zu allen Zeiten ist der Kirche das Charisma der Prophetie gegeben, die geprüft werden muß, aber auch nicht verachtet werden darf. Dabei müssen wir bedenken, daß Prophetie im Sinn der Bibel nicht Wahrsagerei bedeutet, sondern Deutung von Gottes Willen für die Gegenwart, die auch den rechten Weg in die Zukunft zeigt. Der Wahrsager antwortet auf die Neugier des Verstandes, die den Schleier der Zukunft wegreißen will; der Prophet begegnet der Blindheit des Willens und des Denkens und macht Gottes Willen als Anspruch und Wegweisung für die Gegenwart deutlich. Das Moment der Vorhersage von Zukünftigem ist dabei sekundär. Wesentlich ist die Vergegenwärtigung der einen Offenbarung, die mir so auf den Leib rückt: Das prophetische Wort ist Ermahnung oder auch Tröstung oder beides ineinander. Insofern kann man das Charisma der Prophetie mit der Kategorie der "Zeichen der Zeit" in Verbindung bringen, die vom II. Vaticanum herausgestellt worden ist: "...Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?" (Lk 12,56) Unter den "Zeichen der Zeit" ist in diesem Wort Jesu sein eigener Weg, er selbst zu verstehen. Die Zeichen der Zeit im Licht des Glaubens deuten heißt, die Anwesenheit Christi in der jeweiligen Zeit erkennen.

In den von der Kirche anerkannten Privatoffenbarungen - also auch in Fatima - geht es darum: uns die Zeichen der Zeit verstehen zu helfen und auf sie die richtige Antwort im Glauben zu finden. Die anthropologische Struktur der Privatoffenbarungen Nachdem wir mit diesen Überlegungen eine theologische Ortsbestimmung der Privatoffenbarungen versucht haben, müssen wir vor dem Mühen um eine Auslegung der Botschaft von Fatima auch noch kurz ihren anthropologischen (psychologischen) Charakter etwas aufzuhellen versuchen. Die theologische Anthropologie unterscheidet in diesem Zusammenhang drei Arten von Wahrnehmung oder "Schau": das Schauen mit den Sinnen, also die äußere körperliche Wahrnehmung; das Wahrnehmen von innen her und die geistige Anschauung (visio sensibilis - imaginativa - intellectualis). Es ist klar, daß es sich bei den Visionen von Lourdes, Fatima usw. nicht um die gewöhnliche äußere Sinneswahrnehmung handelt: Die Bilder und Gestalten, die gesehen werden, stehen nicht äußerlich im Raum da, wie etwa ein Baum oder ein Haus da sind. Das ist zum Beispiel bei der Höllenvision oder auch bei der im dritten Geheimnis geschilderten Vision ganz offenkundig, läßt sich aber auch für die anderen Visionen leicht zeigen, zumal nicht alle Anwesenden die Gesichte sahen, sondern eben nur die "Seher". Ebenso ist deutlich, daß es sich nicht um bildlose intellektuelle "Schau" handelt, wie sie in den hohen Stufen der Mystik vorliegt. So geht es um die mittlere Kategorie, das innere Wahrnehmen, das freilich für den Seher eine Gegenwartskraft erhält, die für ihn der äußeren sinnlichen Erscheinung gleichkommt. Schauen von innen bedeutet nicht, daß es sich um Fantasie handelt, die nur Ausdruck subjektiver Einbildung wäre. Vielmehr bedeutet es, daß die Seele vom Impuls realer, wenngleich übersinnlicher Wirklichkeit berührt und für das Sehen des Nichtsinnlichen, des nicht den Sinnen Sichtbaren geöffnet wird - ein Schauen mit den "inneren Sinnen".

Es handelt sich um echte "Gegenstände", die die Seele berühren, obwohl sie nicht unserer gewohnten Sinnenwelt zugehören. Dazu ist eine innere Wachheit des Herzens erfordert, die unter dem Druck der gewaltigen äußeren Wirklichkeiten und der die Seele erfüllenden Bilder und Gedanken meistens nicht gegeben ist. Der Mensch wird aus dem bloß Äußeren herausgeführt, und tiefere Dimensionen der Wirklichkeit rühren ihn an, machen sich ihm sichtbar. Vielleicht wird von daher sogar verständlich, warum gerade Kinder bevorzugte Empfänger solcher Erscheinungen sind: Die Seele ist noch weniger verstellt, die innere Wahrnehmungsfähigkeit noch weniger versehrt. "Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen schaffst du dir Lob", antwortet Jesus mit einem Psalmwort (Ps 8,3) auf die Kritik der Hohenpriester und Ältesten, die den Hosanna-Ruf der Kinder als unangemessen empfanden (Mt 21,16). Die "innere Schau" ist nicht Fantasie, sondern eine wirkliche und eigentliche Weise der Wahrnehmung, sagten wir. Aber sie bringt auch Einschränkungen mit sich. Schon bei der äußeren Schau ist immer auch der subjektive Faktor beteiligt: Wir sehen nie das reine Objekt, sondern es kommt zu uns durch den Filter unserer Sinne, die einen Übersetzungsvorgang zu leisten haben. Das ist bei der Schau von innen noch deutlicher, vor allem dann, wenn es sich um Wirklichkeiten handelt, die an sich unseren Horizont überschreiten. Das Subjekt, der Schauende, wird noch stärker in Anspruch genommen. Er sieht mit seinen Möglichkeiten, mit den für ihn zugänglichen Weisen des Vorstellens und Erkennens. In der inneren Schau liegt noch weit mehr als in der äußeren ein Übersetzungsvorgang vor, so daß das Subjekt an der Bildwerdung dessen, was sich zeigt, wesentlich mitbeteiligt ist. Das Bild kann nur nach seinen Maßen und seinen Möglichkeiten ankommen. Deswegen sind solche Schauungen nie die reine "Fotografie" des Jenseits, sondern sie tragen auch die Möglichkeiten und Grenzen des wahrnehmenden Subjekts an sich. Das kann man an allen großen Visionen der Heiligen zeigen; es gilt natürlich auch für die Schauungen der Kinder von Fatima. Die von ihnen aufgezeichneten Bilder sind keineswegs bloß Ausdruck ihrer Fantasie, sondern Frucht einer wirklichen Wahrnehmung von oben und innen her, aber sie sind auch nicht so vorzustellen, daß ein Augenblick der Schleier vom Jenseits weggerückt würde und der Himmel in seinem reinen An-sich-sein erschiene, wie wir ihn einmal in der endgültigen Vereinigung mit Gott zu sehen hoffen. Die Bilder sind vielmehr sozusagen zusammengesetzt aus dem von oben kommenden Anstoß und aus den dafür vorliegenden Möglichkeiten des wahrnehmenden Subjekts, das heißt der Kinder. Deswegen ist die Bildsprache dieser Schauungen symbolische Sprache. Kardinal Sodano sagt dazu: "...Sie beschreiben nicht im fotografischen Sinn die Einzelheiten der zukünftigen Ereignisse, sondern fassen auf einem gemeinsamen Hintergrund Tatsachen verdichtend zusammen, die sich zeitlich in einer nicht präzisierten Abfolge und Dauer erstrecken." Dieses Zusammenfassen von Zeiten und Räumen in einem einzigen Bild ist typisch für solche Visionen, die meist erst im Rückblick angemessen entschlüsselt werden können. Nicht jedes Bildelement muß dabei einen konkreten historischen Sinn ergeben. Es zählt die Schauung als ganze und von der Ganzheit der Bilder her müssen die Details eingeordnet werden. Was die Mitte eines Bildes ist, enthüllt sich letztlich aus dem, was die Mitte christlicher "Prophetie" überhaupt ist: Die Mitte ist da, wo Schauung zum Anruf wird und auf den Willen Gottes zuführt.

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Versuch einer Auslegung des "Geheimnisses" von Fatima

Der erste und der zweite Teil des Geheimnisses von Fatima sind von der Literatur schon so ausführlich diskutiert worden, daß sie hier nicht noch einmal ausgelegt werden müssen. Ich möchte nur in Kürze auf den springenden Punkt aufmerksam machen. Die Kinder haben einen schrecklichen Augenblick lang eine Vision der Hölle erlebt. Sie haben den Fall der "Seelen der armen Sünder" gesehen. Und nun wird ihnen gesagt, warum sie diesem Augenblick ausgesetzt wurden: "per salvarle" - um einen Weg der Rettung zu zeigen. Das Wort aus dem ersten Petrusbrief kommt einem in den Sinn: "Ziel eures Glaubens ist die Rettung der Seelen" (1,9). Als Weg dafür wird - für Menschen aus dem angelsächsischen und deutschen Kulturraum überraschend - angegeben: die Verehrung für das unbefleckte Herz Mariens. Zum Verständnis muß hier ein kurzer Hinweis genügen. "Herz" bedeutet in der Sprache der Bibel die Mitte der menschlichen Existenz, das Zusammenströmen von Verstand, Wille, Gemüt und Sinnen, in dem der Mensch seine Einheit und seine innere Richtung findet. Das "unbefleckte Herz" ist gemäß Mt 5,8 ein Herz, das ganz zu einer inneren Einheit von Gott her gefunden hat und daher "Gott sieht". "Devozione" (Verehrung) zum Unbefleckten Herzen Mariens ist daher Zugehen auf diese Herzenshaltung, in der das "Fiat" - dein Wille geschehe - zur formenden Mitte der ganzen Existenz wird. Wenn jemand einwenden möchte, wir sollten doch nicht einen Menschen zwischen uns und Christus stellen, so ist daran zu erinnern, daß Paulus sich nicht scheut, zu seinen Gemeinden zu sagen: Ahmt mich nach (1 Kor 4,16; Phil 3,17; 1 Thess 1,6; 2 Thess 3,7.9). Am Apostel können sie konkret ablesen, was Nachfolge Christi heißt. Von wem aber könnten wir es über alle Zeiten hin besser erlernen als von der Mutter des Herrn?

So kommen wir endlich zu dem hier erstmals ungekürzt veröffentlichten dritten Teil des Geheimnisses von Fatima. Wie aus der vorangehenden Dokumentation hervorgeht, ist die Auslegung, die Kardinal Sodano in seiner Rede vom 13. Mai geboten hat, zuerst Schwester Lucia persönlich vorgelegt worden. Schwester Lucia hat dazu zunächst bemerkt, daß ihr das Gesicht, aber nicht seine Auslegung geschenkt wurde. Die Auslegung komme nicht dem Seher, sondern der Kirche zu. Sie hat aber nach der Lektüre des Textes gesagt, daß diese Auslegung dem entspricht, was sie erfahren hatte und daß sie von ihrer Seite diese Interpretation als sachgerecht anerkennt. Im folgenden kann also nur noch versucht werden, diese Auslegung von den bisher entwickelten Maßstäben her zu begründen und zu vertiefen.

Wie wir als Schlüsselwort des ersten und zweiten Geheimnisses "salvare le anime" (die Seelen retten) erkannten, so ist das Schlüsselwort dieses Geheimnisses der dreimalige Ruf: "Penitenza, Penitenza, Penitenza" (Buße, Buße, Buße)! Wir werden an den Anfang des Evangeliums erinnert: "Tut Buße und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15). Die Zeichen der Zeit verstehen heißt: Die Dringlichkeit von Buße - Umkehr - Glaube begreifen. Das ist die richtige Antwort auf den historischen Augenblick, der von großen Gefahren umstellt ist, die in den folgenden Bildern gezeichnet werden. Ich darf hier eine persönliche Erinnerung einflechten: In einem Gespräch mit mir hat Schwester Lucia mir gesagt, ihr werde immer mehr deutlich, daß das Ziel der ganzen Erscheinungen gewesen sei, mehr in Glaube, Hoffnung und Liebe einzuüben - alles andere sei nur Hinführung dazu.

Gehen wir nun etwas näher auf die einzelnen Bilder ein. Der Engel mit dem Flammenschwert zur Linken der Muttergottes erinnert an ähnliche Bilder der Geheimen

Offenbarung. Er stellt die Gerichtsdrohung dar, unter der die Welt steht. Daß sie in einem Flammenmeer verbrennen könnte, erscheint heute keineswegs mehr als bloße Fantasie: Der Mensch selbst hat das Flammenschwert mit seinen Erfindungen bereitgestellt.

Die Vision zeigt dann die Gegenkraft zur Macht der Zerstörung - zum einen den Glanz der Muttergottes, zum anderen, gleichsam aus ihm hervorkommend, den Ruf zur Buße. Damit wird das Moment der Freiheit des Menschen ins Spiel gebracht: Die Zukunft ist keineswegs unabänderlich determiniert, und das Bild, das die Kinder sahen, ist kein im voraus aufgenommener Film des Künftigen, an dem nichts mehr geändert werden könnte. Die ganze Schauung ergeht überhaupt nur, um die Freiheit auf den Plan zu rufen und sie ins Positive zu wenden. Der Sinn der Schauung ist es eben nicht, einen Film über die unabänderlich fixierte Zukunft zu zeigen. Ihr Sinn ist genau umgekehrt, die Kräfte der Veränderung zum Guten hin zu mobilisieren. Deswegen gehen fatalistische Deutungen des Geheimnisses völlig an der Sache vorbei, die zum Beispiel sagen, der Attentäter vom 13. Mai 1981 sei nun einmal ein von der Vorsehung gelenktes Werkzeug göttlichen Planens gewesen und habe daher gar nicht frei handeln können, oder was sonst an ähnlichen Ideen umläuft. Die Vision spricht vielmehr von Gefährdungen und vom Weg der Heilung. Die folgenden Sätze des Textes lassen den Bildcharakter der Schauung noch einmal sehr deutlich werden: Gott bleibt das unmeßbare und all unser Sehen berschreitende Licht. Die Menschen erscheinen wie in einem Spiegel. Diese innere Einschränkung der Vision, deren Grenzen hier anschaulich angegeben werden, müssen wir fortwährend gegenwärtig halten. Das Künftige zeigt sich nur "in Spiegel und Gleichnis" (vgl. 1 Kor 13,12). Wenden wir uns nun den einzelnen Bildern zu, die in dem Text des Geheimnisses folgen. Der Ort des Geschehens wird mit drei Symbolen beschrieben: ein steiler Berg, eine halb in Trümmern liegende große Stadt und schließlich ein gewaltiges Kreuz aus unbehauenen Stücken. Berg und Stadt symbolisieren die Orte der menschlichen Geschichte:

- Geschichte als mühevollen Aufstieg zur Höhe, 

- Geschichte als Ort menschlichen Bauens und Zusammenlebens, 

- zugleich als Ort der Zerstörungen, in denen der Mensch sein eigenes Werk vernichtet. 

Die Stadt kann Ort der Gemeinsamkeit und des Fortschritts, aber auch Ort der Gefährdung und der äußersten Bedrohung sein. Auf dem Berg steht das Kreuz - Ziel und Orientierungspunkt der Geschichte. Im Kreuz ist die Zerstörung in Rettung umgewandelt; es steht als Zeichen der Not der Geschichte und als Verheißung über ihr.

Dann erscheinen da menschliche Personen: Der weißgekleidete Bischof ("wir hatten die Ahnung, daß es der Papst war"), weitere Bischöfe, Priester, Ordensleute und schließlich Männer und Frauen aus allen Klassen und Ständen. Der Papst geht offenbar den anderen voraus, zitternd und leidend ob all der Schrecken, die ihn umgeben. Nicht nur die Häuser der Stadt liegen teils in Trümmern - sein Weg führt an den Leichen der Getöteten vorbei. Der Weg der Kirche wird so als ein Kreuzweg, als Weg in einer Zeit der Gewalt, der Zerstörungen und der Verfolgungen geschildert. Man darf in diesem Bild die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts abgebildet finden. Wie die Orte der Erde in den beiden Bildern von Berg und Stadt zusammengeschaut und auf das Kreuz hingeordnet sind, so sind auch die Zeiten zusammengezogen: In der Schau können wir das abgelaufene Jahrhundert als Jahrhundert der Martyrer, als Jahrhundert der Leiden und der Verfolgungen der Kirche, als das Jahrhundert der Weltkriege und vieler lokaler Kriege erkennen, die die ganze zweite Hälfte des Jahrhunderts ausgefüllt und neue Formen der Grausamkeit hervorgebracht haben. Im "Spiegel" dieser Vision sehen wir die Blutzeugen von Jahrzehnten vorüberziehen. Hier scheint es angebracht, einen Satz aus dem Brief anzuführen, den Schwester Lucia am 12. Mai 1982 an den Heiligen Vater gerichtet hat: "Der dritte Teil des Geheimnisses bezieht sich auf die Worte Unserer Lieben Frau: "Wenn nicht, wird es (Rußland) seine Irrtümer über die Welt ausbreiten und Kriege und Verfolgungen der Kirche anstiften. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden"".

Im Kreuzweg eines Jahrhunderts spielt die Figur des Papstes eine besondere Rolle. In seinem mühsamen Hinaufsteigen auf den Berg dürfen wir ruhig mehrere Päpste zusammengefaßt finden, die von Pius X. angefangen bis zum jetzigen Papst die Leiden des Jahrhunderts mittrugen und in ihnen auf dem Weg zum Kreuz voranzugehen sich mühten. Auf der Straße der Martyrer wird in der Vision auch der Papst ermordet. Mußte der Heilige Vater, als er sich nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 den Text des dritten Geheimnisses vorlegen ließ, darin nicht sein eigenes Geschick erkennen? Er war sehr nahe an der Grenze des Todes gewesen und hat selber seine Rettung mit den folgenden Worten gedeutet: "...es war eine mütterliche Hand, die die Flugbahn der Kugel leitete und es dem Papst, der mit dem Tode rang, erlaubte, an der Schwelle des Todes stehen zu bleiben" (13. Mai 1994). Daß da eine "mano materna" (mütterliche Hand) die tödliche Kugel doch noch anders geleitet hat, zeigt nur noch einmal, daß es kein unabänderliches Schicksal gibt, daß Glaube und Gebet Mächte sind, die in die Geschichte eingreifen können und daß am Ende das Gebet stärker ist als die Patronen, der Glaube mächtiger als Divisionen.

Der Schluß des Geheimnisses erinnert an Bilder, die Lucia in frommen Büchern gesehen haben mag und deren Inhalt aus frühen Einsichten des Glaubens geschöpft ist. Es ist ein tröstendes Bild, das eine Geschichte aus Blut und Tränen durchsichtig machen will auf Gottes heilende Macht. Engel fangen unter den Kreuzarmen das Martyrerblut auf und tränken damit die Seelen, die sich auf den Weg zu Gott machen. Das Blut Christi und das Blut der Martyrer werden hier zusammengeschaut: Das Blut der Martyrer fließt aus den Armen des Kreuzes. Ihr Martyrium gehört mit dem Leiden Christi zusammen, ist mit diesem eins geworden. Sie ergänzen für den Leib Christi, was an seinen Leiden noch fehlt (Kol 1,24). Ihr Leben ist selbst Eucharistie geworden, eingegangen in das Mysterium des gestorbenen Weizenkorns und nimmt an dessen Fruchtbarkeit teil. Das Blut der Martyrer ist Samen christlicher Existenz, hat Tertullian gesagt. Wie aus dem Tode Christi, aus seiner geöffneten Seite, die Kirche entsprungen ist, so ist das Sterben der Zeugen fruchtbar für das weitere Leben der Kirche. Die an ihrem Anfang so bedrückende Vision des dritten Geheimnisses schließt also mit einem Bild der Hoffnung: Kein Leiden ist umsonst, und gerade eine leidende Kirche, eine Kirche der Martyrer, wird zum Wegzeichen auf der Suche der Menschen nach Gott. In Gottes guten Händen sind nicht nur die Leidenden geborgen wie Lazarus, der den großen Trost fand und geheimnisvoll Christus darstellt, der zum armen Lazarus für uns werden wollte; mehr als das: Vom Leiden der Zeugen kommt eine Kraft der Reinigung und der Erneuerung, weil es Vergegenwärtigung von Christi eigenem Leiden ist und seine heilende Wirkung an die Gegenwart weiterreicht.

Damit sind wir bei einer letzten Frage angelangt: Was hat das Geheimnis von Fatima als ganzes (in seinen drei Teilen) zu bedeuten? Was sagt es uns? Zunächst müssen wir mit Kardinal Sodano festhalten, daß "...die Geschehnisse, auf die sich der dritte Teil des Geheimnisses von Fatima bezieht, nunmehr der Vergangenheit anzugehören scheinen...".

Soweit einzelne Ereignisse dargestellt werden, gehören sie nun der Vergangenheit an: Wer auf aufregende apokalyptische Enthüllungen über das Weltende oder den weiteren Verlauf der Geschichte gewartet hatte, muß enttäuscht sein. Solche Stillungen unserer Neugier bietet uns Fatima nicht, wie denn überhaupt der christliche Glaube nicht Futter für unsere Neugierde sein will und kann. Was bleibt, haben wir gleich zu Beginn unserer Überlegungen über den Text des Geheimnisses gesehen:

bulletdie Führung zum Gebet als Weg zur "Rettung der Seelen" und im gleichen Sinn 
bulletder Hinweis auf Buße und Bekehrung.

Ich möchte am Ende noch ein weiteres mit Recht berühmt gewordenes Stichwort des Geheimnisses aufgreifen: "Mein Unbeflecktes Herz wird siegen". Was heißt das?

Das für Gott geöffnete, durch das Hinschauen auf Gott rein gewordene Herz ist stärker als Gewehre und Waffen aller Art. Das "Fiat" Marias, das Wort ihres Herzens, hat die Weltgeschichte gewendet, weil es den Retter eingelassen hat in diese Welt - weil im Raum dieses Ja Gott Mensch werden konnte und es nun ewig bleibt. Das Böse hat Macht in der Welt, wir sehen es und erfahren es immer wieder; es hat Macht, weil unsere Freiheit sich immer wieder von Gott abdrängen läßt. Aber seit Gott selbst ein menschliches Herz hat und so die Freiheit des Menschen ins Gute hinein, auf Gott zu, gewendet hat, hat die Freiheit zum Bösen nicht mehr das letzte Wort. Seitdem gilt: "In der Welt werdet ihr Drangsal haben, aber seid nur getrost, ich habe die Welt überwunden" (Joh 16,33). Dieser Verheißung uns anzuvertrauen, lädt uns die Botschaft von Fatima ein.

 

JOSEPH Kard. RATZINGER

Präfekt

der Kongregation für die Glaubenslehre

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ANMERKUNGEN:

  1. Aus dem Tagebuch von Johannes XXIII, 17. August 1959: "Audienzen: P. Philippe, Kommissar des Heiligen Offiziums, der mir den Brief überbringt, der den dritten Teil der Geheimnisse von Fatima enthält. Ich behalte mir vor, ihn mit meinem Beichtvater zu lesen".

(2) Es ist auf den Kommentar zu verweisen, den der Heilige Vater bei der Generalaudienz am 14. Oktober 1981 über "Das Ereignis vom Mai: eine große göttliche Prüfung" gegeben hat, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, IV, 2, Città del Vaticano 1981, 409?412.

(3) Radiobotschaft während des Gottesdienstes in der Basilika Santa Maria Maggiore, Verehrung, Dank und Vertrauensakt an die Jungfrau und Gottesmutter Maria, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, IV, 1, Città del Vatica no 1981, 1246.

(4) Am Tag der Familie im Rahmen des Jubeljahres vertraut der Papst die Menschen und die Nationen der Madonna an, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II,

VII, 1, Città del Vaticano 1984, 775-777.

(5)(Handschrift von Sr. Lucia eingefügt)

(6) In der vierten Erinnerung vom 8. Dezember 1941 schreibt Schwester Lucia: "Ich beginne also meine neue Aufgabe und ich erfülle den Befehl Eurer Exzellenz und die Wünsche von Dr. Galamba. Ich werde Ihnen alles sagen, ausgenommen einen Teil des Geheimnisses, den mir jetzt zu offenbaren nicht erlaubt ist. Bewußt werde ich nichts auslassen. Möglicherweise vergesse ich manche Einzelheiten, die aber nicht wichtig sind".

(7) In der zitierten "vierten Erinnerung" fügt Schwester Lucia an: "In Portugal wird man stets das Dogma des Glaubens bewahren, usw".

(8) In der Übersetzung wurde der Originaltext auch in den Ungenauigkeiten der Interpunktion geachtet. Diese behindern übrigens das Verständnis dessen, was die Seherin sagen wollte, nicht.

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Verheißungen U.L.F. von Fatima:

Ich verspreche meinen Gnadenbeistand in der Sterbestunde allen, die an fünf aufeinander folgenden ersten Monatssamstagen:

1. beichten

2. die hl. Kommunion würdig empfangen

3. den Rosenkranz beten, und

4. mir eine Viertelstunde Gesellschaft leisten, indem sie die Rosenkranzgeheimnisse betrachten, um mir Sühne zu leisten!

„O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden; bewahre uns vor dem Feuer der Hölle; führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen."

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Warum fünf Sühnesamstage?

Jesus zu Sr. Lucia in Pontevedra

„Meine Tochter, es geht um die fünf Arten von Beleidigungen und Lästerungen gegen das Unbefleckte Herz Mariens:

1. gegen die Unbefleckte Empfängnis

2. gegen die Jungfräulichkeit

3. gegen die Gottesmutterschaft, zugleich mit der Ablehnung, sie als Mutter der Menschen anzuerkennen

4. jene, die öffentlich versuchen, den Kinderherzen die Gleichgültigkeit, die Verachtung und sogar den Hass gegen diese Unbefleckte Mutter einzuflössen.

5. jene, die sie direkt in ihren heiligen Bildern verunehren.

 

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Das "Dritte Geheimnis" ist seit dem 26. Juni 2000 kein Geheimnis mehr

– oder vielleicht seither umso mehr?

 

Die Veröffentlichung des 3. Geheimnisses hat weltweit ein riesiges Echo ausgelöst. Es steht eigentlich im Kontrast zur Tatsache, dass "Fatima" in unserer Zeit – und speziell auch in unserem Land - nur wenigen Leuten bekannt war (sogar katholische Priester gehören dazu!).

Fast scheint es, die Veröffentlichung dieses "Geheimnisses" wäre besser gar nie erfolgt. Unzählige – selbst tief überzeugte Katholiken – erwarteten von diesem 3. Geheimnis mögliche Aufschlüsse über die Zukunft von Kirche und Welt. Und nun sind diese Vermutungen und auch Spekulationen wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Nach der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses stellen sich – so könnte man argumentieren – mehr Fragen als je zuvor!

Vielleicht sind auch Sie über den Inhalt des 3. Geheimnisses etwas verwundert oder gar enttäuscht. Es wurde darüber jahrzehntelang so viel geschrieben und auch ebenso viel spekuliert, dass nun – nach Bekanntgabe – tatsächlich ein Gefühl der Ernüchterung eintreten könnte. Das wäre aber bestimmt nicht die richtige Reaktion – obschon ich sie von allen Seiten immer wieder zu hören bekomme.

Warum wird – so fragt man sich – von einem Geheimnis gesprochen?

Warum wird es erst jetzt veröffentlicht?

Was soll man konkret daraus ableiten?

Ich will versuchen, auf diese Frage schlüssige Antworten zu geben, im Bewusstsein, dass es sich auch meinerseits nur um Interpretationen handelt.

Für die Seherin Lucia, der ja dieses dreiteilige Geheimnis 1917 anvertraut wurde, handelt es sich ganz klar um Geheimnisse, da ja deren Eintreffen aus ihrer damaligen Sicht

a) in der Zukunft liegen und

b) erst noch in Abhängigkeit von gewissen Dingen gesehen werden müssen.

Wir sollten uns den Wortlaut des ganzen dreiteiligen Geheimnisses vorerst nochmals in Erinnerung rufen. 

Im zweiten Teil des "Geheimnisses" (das ja schon lange keines mehr war) gibt es nach wie vor Stellen, die noch nicht alle als "in Erfüllung gegangen" bezeichnet werden können.

Hat sich etwa Russland wirklich bekehrt? Mit Sicherheit nicht. Schauen wir uns aber den ganzen Satz aus dem 2. Teil des Geheimnisses an: "Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein" bzw. "der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt".

Die Weihe wurde nach Aussagen von Lucia zwar am 25. März 1984 gültig vollzogen (endlich, muss man sagen!), aber die Bekehrung Russlands lässt noch immer auf sich warten – das zeigt sich auch an der Tatsache, dass Papst Johannes Paul II. die Reise nach Russland leider noch immer verwehrt bleibt!

Würde der 2. Teil des Geheimnisses nur der Vergangenheit angehören, wäre die Veröffentlichung des 3. Teiles gar nicht mehr nötig geworden, da ja dann "der Welt eine Zeit des Friedens geschenkt worden wäre".

Es ist für mich deshalb offensichtlich, dass der 3. Teil des Geheimnisses unsere Gegenwart und Zukunft betrifft. Dies wird auch der Grund dafür sein, dass der Papst den Zeitpunkt für die Veröffentlichung (erst jetzt) als gekommen sah. Bestimmt teilt er die Meinung von Kardinal Ratzinger, das Schlüsselwort des 3. Geheimnisses laute mit den Worten des Engels: Busse, Busse, Busse! Dieser eindringliche Ruf zur Busse erfolgt im übrigen nicht nur in diesem Geheimnis, sondern an vielen andern gegenwärtigen Erscheinungsorten der Erde. Fatima ist aber von der Kirche offiziell anerkannt, und nicht umsonst wird in der Einführung des Dokumentes der Kongregation für die Glaubenslehre festgehalten, Fatima sei unter den modernen Erscheinungen zweifellos die prophetischste. Dass der Aufruf zur Busse ausgerechnet im Heiligen Jahr 2000 durch die "Botschaft von Fatima" der ganzen Welt kund getan wird, zeigt wie hochaktuell die Angelegenheit für den Papst ist.

Die Frage, weshalb mit der Veröffentlichung so lange zugewartet wurde, hängt wohl damit zusammen, dass der Papst nach den unglaublichen Umwälzungen im Ostblock (ab 1989, im Anschluss an das Marianische Jahr 1987/1988!) erst einmal abwarten wollte, ob als Folge davon auch die Bekehrung Russlands erfolgen würde. Wäre sie eingetreten, dann würde uns ja nach der Verheißung der Gottesmutter eine Zeit des Friedens geschenkt. Nun scheint dieser Friede aber noch in weiter Ferne. Die Konflikte haben leider nicht abgenommen und der größte Krieg, den die Menschheit je geführt hat, ist jener gegen das ungeborene Leben. Das ist – dessen bin ich sicher – der Hauptgrund dafür, dass der Welt der so sehnlich erwünschte Frieden (noch) nicht "geschenkt" worden ist!

Es stehen also sowohl der Triumph des Unbefleckten Herzens wie auch die verheißene Zeit des Friedens nach wie vor aus. Und um diesen Triumph zu erreichen, braucht es nach wie vor viele Gebete und Opfer. Im 2. Teil wurde die Drohung ausgesprochen, wenn Gott weiterhin beleidigt werde, folge ein schlimmerer Krieg (als der 1. Weltkrieg).

Fragen wir uns: Wird denn Gott heute weniger beleidigt als in den Jahren vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges? Die meisten werden – bei nüchterner Betrachtung – bestimmt mit mir übereinstimmen, dass dem leider überhaupt nicht so ist: Der Zustand unserer Welt und unserer Kirche - insbesondere der katholischen Kirche in der Schweiz -ist in jeder Beziehung besorgniserregend. Gerade deshalb gewinnt die Veröffentlichung des dritten Geheimnisses zusätzliche Bedeutung. "Das Aussehen von Himmel und Erde könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?" (Lk 12, 56).

Wäre das dritte Geheimnis in früheren Jahren veröffentlicht worden, hätte es auch nicht schlagartig – mittels elektronischer Medien wie Internet, Mondovision, etc. – der ganzen Welt zur gleichen Stunde übermittelt werden können und wäre längst vergessen. Die Welt kann ab dem 26. Juni 2000 nicht mehr sagen, sie hätte nichts gewusst! Die Zeit zu Umkehr und Busse drängt offensichtlich sehr.

Mit der Fixierung alleine auf den 3. Teil des Geheimnisses besteht die große Gefahr, dass die Haupt-Botschaften der sechs Erscheinungen ins Abseits gerückt werden. Die wesentlichsten Aussagen bestehen nämlich nicht in Form dieser drei Geheimnisse, sondern in den Ereignissen während der Jahre 1916 (Engelerscheinungen) und 1917 (Muttergottes-Erscheinungen in den Monaten Mai bis Oktober). Und alle jene damals gegebenen Botschaften bleiben auch für unsere gegenwärtige Zeit hoch aktuell! Es ist anzunehmen, dass die meisten Kommentatoren diese Botschaften noch nie in ihrem Leben gelesen haben, sich aber trotzdem eigenwillige Interpretationen erlauben, die niemals im Sinne der Botschaften von Fatima stehen.

Gemäss Darlegungen von Kardinal Ratzinger war das Schlüsselwort des ersten und zweiten Geheimnisses "die Seelen zu retten" (durch Opfer und Gebete anderer). Auf diese Geheimnisse wird im Dokument der Glaubenskongregation bewusst nicht eingegangen, da darüber schon eine immense Literatur vorhanden ist. Immerhin wird – wohl nicht zufällig – auf die Höllenvision der Seherkinder verwiesen und damit erneut auch von der obersten Kirchenführung die Existenz der Hölle und des Teufels unterstrichen!

Das Schlüsselwort des dritten Geheimnisses ist also der dreimalige Ruf des Engels mit dem Flammenschwert: "Busse, Busse, Busse".

Und eines ist sicher: Die Muttergottes hat selbstverständlich vorausgesehen, wann das dritte Geheimnis veröffentlicht werden würde. Sie wusste, dass dies (erst) im Jahr 2000, im Heiligen Jahr, im Jahr der Seligsprechung der beiden Seherkinder Francisco und Jacinta erfolgen würde. Und gerade deshalb kann und darf dieses Geheimnis nicht auf die Vergangenheit, sondern muss auf die Gegenwart und Zukunft bezogen werden! Die Botschaft und das eben erwähnte Schlüsselwort richten sich an unsere heutige Welt!

Im Zusammenhang mit dem erwähnten Schlüsselwort folgen nun wichtige Zitate aus den Ausführungen von Kardinal Ratzinger:

"Wir werden an den Anfang des Evangeliums erinnert: "Tut Busse und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15).

Die Zeichen der Zeit verstehen heißt: Die Dringlichkeit von Busse – Umkehr – Glaube begreifen. Das ist die richtige Antwort auf den historischen Augenblick, der von großen Gefahren umstellt ist......"

In diesen Zusammenhang muss – wiederum nach Interpretation von Kardinal Ratzinger - der Engel mit dem Flammenschwert zur Linken der Muttergottes gestellt werden.

Er erinnert an ähnliche Bilder der Geheimen Offenbarung. Er stellt die Gerichtsdrohung dar, unter der die Welt steht. Dass sie in einem Flammenmeer verbrennen könnte, erscheint heute keineswegs mehr als bloße Fantasie: Der Mensch selbst hat das Flammenschwert mit seinen Erfindungen bereit gestellt.

Die Vision zeigt dann die Gegenkraft zur Macht der Zerstörung – zum einen den Glanz der Muttergottes, zum anderen, gleichsam aus ihm hervorkommend, den Ruf zur Busse.

Und jetzt folgt eine sehr wichtige, ja entscheidende Stelle:

"Damit wird das Moment der Freiheit des Menschen ins Spiel gebracht: Die Zukunft ist keineswegs unabänderlich determiniert (also vorausbestimmt), und das Bild, das die Kinder sahen, ist kein im voraus aufgenommener Film des Künftigen, an dem nichts mehr geändert werden könnte. Die ganze Schauung ergeht überhaupt nur, um die Freiheit auf den Plan zu rufen und sie (die Schauung) ins Positive zu wenden. Der Sinn der Schauung ist es eben nicht, einen Film über die unabänderlich fixierte Zukunft zu zeigen. Ihr Sinn ist genau umgekehrt, die Kräfte der Veränderung zum Guten hin zu mobilisieren. Deswegen gehen fatalistische Deutungen des Geheimnisses völlig an der Sache vorbei, die zum Beispiel sagen, der Attentäter vom 13. Mai 1981 sei nun einmal ein von der Vorsehung gelenktes Werkzeug göttlichen Planens gewesen und habe daher gar nicht frei handeln können, oder was sonst an ähnlichen Ideen umläuft. Die Vision spricht vielmehr von Gefährdungen und vom Weg der Heilung.

Soweit Auszüge aus der Interpretation von Kardinal Ratzinger.

Wie wir sehen, ist mit der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses die Botschaft von Fatima nicht weniger aktuell geworden, im Gegenteil: Alles deutet darauf hin, dass – wenn die Menschheit die Aufforderung zur Busse (und damit zur Umkehr) nicht ernst nimmt - die Konsequenzen sehr gravierend ausfallen können; dafür steht "der Engel mit dem Feuerschwert, als sollte es die Welt anzünden".

Es ist bedauerlich, dass im offiziellen Wortlaut des "Vatikans" geschrieben wird, man müsse an diese Erscheinungen (und damit auch an die entsprechenden Botschaften) nicht glauben! Genau diesen Kommentar haben sehr viele Journalisten – noch so gerne – aufgenommen....und damit lässt man es dann bewenden.

Die Botschaft von Fatima ist eine große Chance und vielleicht die letzte Warnung des Himmels an die Menschheit, endlich umzukehren!

Diese Aufforderung an unsere so gottlos gewordene Zeit darf nicht ungehört verstreichen. Gott lässt sich erbarmen – Er ist äußerst langmütig (siehe auch das Tagesgebet des 26. Juni 2000). Wir müssen diese Warnung sehr ernst nehmen.

Im Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre heißt es im Zusammenhang mit der Definition und Einordnung von Privat-Offenbarungen: "Eine solche Botschaft kann eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deswegen soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muss." Und etwas später heißt es unter Bezug auf das Neue Testament: "Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!" (Paulusbrief 5,19-21).

Kardinal Sodano erwähnte in seiner Rede am 13. Mai 2000 in Fatima, die Vision betreffe besonders den Kampf der atheistischen Systeme gegen die Kirche und die Christen. Und dann etwas später: "Die Ereignisse, die im Jahre 1989 folgten, führten sowohl in der Sowjetunion als auch in zahlreichen östlichen Ländern zum Fall des kommunistischen Regimes, das den Atheismus verfochten hatte." (Persönliche Anmerkung: Die Sowjetunion wurde am 8. Dezember 1991, also am Festtag der Unbefleckten Empfängnis Mariens, offiziell "zu Grabe getragen").

Kardinal Sodano weiter: "Dennoch haben in anderen Teilen der Welt die Angriffe gegen die Kirche und die Christen mit der Last des Leidens, die sie mit sich bringen, leider nicht aufgehört. Selbst wenn die Geschehnisse, auf die sich der dritte Teil des Geheimnisses von Fatima bezieht, nunmehr der Vergangenheit anzugehören scheinen, so bleibt der am Anfang des 20.Jahrhunderts ergangene Ruf der Gottesmutter zu Umkehr und Busse auch heute aktuell und anregend (andere Übersetzung: "von stimulierender Aktualität"). Die eindringliche Aufforderung Marias zur Busse ist nichts anderes als der Ausdruck ihrer mütterlichen Sorge um das Los der Menschenfamilie, die der Umkehr und Verzeihung bedarf" (Johannes Paul II., Botschaft zum Welttag der Kranken 1997).

Die Ankündigung der Veröffentlichung erfolgte übrigens nur gerade 14 Tage nach der Heiligsprechung von Schwester Faustina (30.4.2000 in Rom). Es lohnt sich, das Leben dieser Heiligen zu studieren und den möglichen Zusammenhang mit Fatima zu erkennen. Sie hat den Auftrag von Jesus die "Verehrung der göttlichen Barmherzigkeit" ins Leben gerufen.

Jesus hat der Hl. Faustina (1905 bis 1938 – wie Jesus mit 33 Jahren gestorben) u.a. gesagt:

"Ehe Ich als gerechter Richter erscheine, komme Ich noch zuvor als König der Barmherzigkeit. Ehe der Tag des Gerichtes anbricht, wird am Himmel und auf der Erde ein Zeichen sein. Dann wird vom Himmel her das Zeichen des Kreuzes erscheinen: aus jeder Wunde Meiner Hände und Füße werden Lichtstrahlen hervorbrechen, die für kurze Zeit die Erde erhellen. Dies wird geschehen, kurze Zeit vor dem Jüngsten Tag."

Ein Zusammenhang zwischen dieser Botschaft und jener von Fatima kann eindeutig erkannt werden: Den Menschen wird die große Barmherzigkeit Gottes kundgetan. Das kann ja auch den Botschaften von Fatima entnommen werden. Was anderes als Barmherzigkeit ist es, wenn die Menschheit eindringlich zur Busse gemahnt wird, mit dem alleinigen Ziel, uns vor dem Verderben und möglichem großen Unheil zu bewahren. Wird man nicht unweigerlich an den Propheten Jonas erinnert, der der Stadt Ninive in vierzig Tagen den Untergang ankündigte, dieser jedoch durch Busse und Umkehr abgewendet werden konnte? Ob dies unserer tauben Welt auch gelingt??

Ein Beispiel für Gottes Barmherzigkeit müssen wir unbedingt im Zusammenbruch des gewaltigen Sowjetreiches ab 1989 sehen, das ohne jedes Blutvergießen erfolgte und bestimmt durch das fürbittende Eingreifen der Gottesmutter bewirkt worden ist.

Die Wichtigkeit und große Aktualität der "Botschaft von Fatima" wird erneut dadurch unterstrichen, dass unser Papst die Statue der Fatima-Madonna auf den 8. Oktober 2000 von Fatima nach Rom bringen lässt und dann – an diesem Oktober-Sonntag – die Welt der Muttergottes weihen wird. 

Der Papst wird wissen, weshalb er diese erneute Weihe vornehmen will: Denken wir an die Früchte, die vom 25. März 1984 ausgingen, als der Papst auf dem Petersplatz in geistlicher Einheit mit den zuvor "zusammengerufenen" Bischöfen der Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens die Menschen und Völker anvertraute. (Nur wenige Monate danach gelangte Gorbatschow an die Spitze der Sowjetunion). Das vom Papst vorgetragene Fürbitt-Gebet kann der von der Glaubenskongregation erschienenen "Bot- schaft von Fatima" entnommen werden. Hoffen wir, dass diese Weihe der ganzen Welt den in Fatima vorhergesagten Triumph des Unbefleckten Herzens Marias beschleunigen wird (am Ende wir mein Unbeflecktes Herz triumphieren)!

Aus den veröffentlichten Kommentaren in den Schweizer Zeitungen (aber auch jenen des Auslandes) kommt man um den Eindruck nicht herum, mit der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses seien nun apokalyptische Geschehnisse nicht (mehr) zu erwarten. Dies will man noch so gerne glauben, anderes hingegen wird entweder nicht erwähnt, geflissentlich uminterpretiert oder dann aber für Katholiken als nicht bindend (weil eben Privatoffenbarung) erklärt!

Man vergisst, dass die in der Bibel (sowohl im Alten wie im Neuen Testament) enthaltenen Zukunftsvisionen nach wie vor gültig sind und – im Gegensatz zu den Privatoffenbarungen – einen verbindlichen Charakter aufweisen.

Im weiteren gibt es ja unzählige andere – zwar von der Kirche teilweise noch nicht anerkannte – Erscheinungsorte, an denen der Welt eindringlichst verkündet wird, sie befinde sich am Abgrund und sei nur durch Umkehr und Busse zu retten. (Blutige Tränen vergießende Statuen und andere übernatürliche Phänomene in verschiedensten Ländern! )

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Es ist im übrigen höchst interessant, die am Montag 26. Juni 2000 – also am Tag der Veröffentlichung – von der Kirche in jeder Hl. Messe der ganzen Welt vorgesehene Lesung im Zusammenhang mit der "Botschaft von Fatima" zu vernehmen.

Tages-Lesung vom 26. Juni 2000 (Tag der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses von Fatima) aus dem zweiten Buch der Könige (2 Kön 17, 5-8, 13-15a.18)

In jenen Tagen fiel der König von Assur über das ganze Land her, rückte gegen Samaria vor und belagerte es drei Jahre lang. Im neunten Jahr Hoschéas eroberte er die Stadt, verschleppte die Israeliten nach Assur und siedelte sie in Halach, am Habor, einem Fluss von Gosan, und in den Städten der Meder an.

Das geschah, weil die Israeliten sich gegen den Herrn, ihren Gott, versündigten, der sie aus Ägypten, aus der Gewalt des Pharao, des Königs von Ägypten, heraufgeführt hatte. Sie verehrten fremde Götter, ahmten die Bräuche der Völker nach, die der Herr vor den Israeliten vertrieben hatte, und folgten dem Beispiel, das die Könige von Israel gaben.

Der Herr warnte Israel und Juda durch alle seine Propheten, durch alle Seher: Kehrt um von euren bösen Wegen, achtet auf meine Befehle und meine Gebote genau nach dem Gesetz, das ich euren Vätern gegeben und euch durch meine Knechte, die Propheten, verkündet habe.

Doch sie wollten nicht hören, sondern versteiften ihre Nacken wie ihre Väter, die nicht auf den Herrn, ihren Gott, vertrauten. Sie verwarfen seine Gebote und den Bund, den er mit ihren Vätern geschlossen hatte und verschmähten die Warnungen, die er an sie richtete. Darum wurde der Herr über Israel sehr zornig. Er verstieß es von seinem Angesicht, so dass der Stamm Juda allein übrigblieb."

Soweit diese Lesung des 26. Juni 2000, die uns doch sehr an vieles der "Botschaft von Fatima" und an unsere von Gott zum größten Teil abgefallene Welt erinnern muss.

Auch das Tagesgebet passt wunderbar in den ganzen Rahmen der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses von Fatima:

Tagesgebet des 26. Juni 2000

"Verborgener Gott. Du lässt uns Menschen gewähren, du wartest und greifst nicht ein. Du gibst uns Zeit, du öffnest uns Wege, du redest zu uns in Langmut und Liebe. Wir danken dir für deine Geduld. Bring uns heute zur Besinnung. Mach uns offen für dich. Lass die ganze verlorene Menschheit hinfinden zu dir. Darum bitten wir durch Jesus Christus."

Es ist unbestritten, dass unser Papst Johannes Paul II. in seinem langen Pontifikat eine unglaubliche, sogar von Atheisten anerkannte - die Weltgeschichte maßgeblich beeinflussende - Wirkung ausgeübt hat. Deshalb war es ja auch so eminent wichtig, dass dieser große Verehrer der Muttergottes von ihr selbst an der Schwelle des Todes gerettet wurde und der so führungslosen Welt erhalten geblieben ist. Insofern ist es richtig, dass ein Kernpunkt der "Botschaft von Fatima" den Papst betrifft.

Es gibt übrigens noch eine weitere äußerst interessante Parallele zum 3. Geheimnis von Fatima: Die Vison des Hl. Don Bosco über die Zukunft der Kirche vom Mai 1862. Lesen Sie diese spannende Vision im separaten Artikel (auf Seite 6).

Unser Papst Johannes Paul II. ist ein wahrer Leuchtturm inmitten eines stürmischen, aufgepeitschten Meeres. Er wird allerdings vielfach verkannt und – vor allem von vielen Medien – völlig verzerrt wiedergegeben. Hätte man die Gnade, seine äußerst wertvollen Botschaften, Predigten, Enzykliken und Ansprachen nicht nur oberflächlich zu lesen, sondern sich diese zu Herzen zu nehmen, würden die Welt und die Kirche!! anders dastehen. Dieser Papst ist ein würdiger Diener und Kämpfer für die Sache Gottes; er ist anderseits ein riesiges, aber leider verkanntes Geschenk an diese mit Blindheit beschlagene, durch falsche Lehren (die - gemäss 2 Timotheus 4 - den Ohren schmeicheln) irregeführte Menschheit.

Fassen wir kurz das Allerwichtigste zusammen:

1. Das Schlüsselwort des dritten Geheimnisses von Fatima lautet: Busse, Busse, Busse. (Anmerkung: Es besteht die große Gefahr, dass unsere hedonistische Welt, die für solche Botschaften auf beiden Ohren taub ist, Buße, Buße, Buße versteht!)

2. Die Botschaften der sechs Erscheinungen von 1917 bleiben hochaktuell: Es geht auch weiterhin um die Rettung von Seelen.

3. Der am Anfang des 20. Jahrhunderts ergangene Ruf der Gottesmutter zu Umkehr und Busse ist auch heute von "stimulierender Aktualität".

4. Die Zukunft ist keineswegs unabänderlich determiniert (vor- ausbestimmt). Sie kann durch Gebet und Opfer ins Positive verändert werden!

5. Der Kampf der atheistischen Systeme gegen die Kirche und die Christen hat leider mit dem Untergang der Sowjetunion und anderer Ost-Staaten nicht aufgehört.

6. Mit der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses werden bezüglich der weiteren Zukunft weder die Bibel noch andere Erscheinungen außer Kraft gesetzt.

7. Am 8. Oktober 2000 wird Papst Johannes Paul II. die Welt erneut dem Unbefleckten Herz Mariens weihen.

Und was können wir beitragen?

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Dritte Erscheinung vom 13.7.1917: "Betet weiterhin jeden Tag den Rosenkranz zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, um den Frieden für die Welt (...) zu erlangen, denn nur sie allein kann es erreichen!"

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Vierte Erscheinung vom 19.8.1917: "Betet, betet und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet."

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10. Dezember 1925, Pontevedra: Feiern der ersten Samstage des Monats (Herz-Mariä-Sühne-Samstage). 

(Georges Inglin)

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Die nichterfüllte Bitte von Fatima

Am 13. Juli 1917 spricht die Gottesmutter eindeutig vom Ende des staatsgetragenen Atheismus, auch wenn dieser für eine längere Zeit seine Herrschaft über Völker und Kontinente ausbreiten wird. Und sie legt es in unsere Hände, an der Befreiung aus dem diktatorischen Joch des Atheismus mitzuwirken. Haben wir - hat der vom Atheismus verschont gebliebene Teil der Welt diese Bitte gehört, ernst genommen?

«Wenn man auf meine Worte hört, wird Rußland sich bekehren und es wird Friede sein, wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören; die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden.» Nimmt man diese Sätze einzeln, so fällt auf, daß die Gottesmutter den Sieg des Glaubens über den Atheismus (was wohl unter «Rußland» zu verstehen ist) an die Weihe Rußlands durch die Kirche bindet. Dem fügt sie noch ein Gnadenmittel hinzu: die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats. 

  Fatima heißt: Beten - Busse - Sühne! 

Doch Gott zwingt nicht - er will uns gewinnen! Deshalb fügt die Gottesmutter hinzu: «wenn nicht ... » Nun, der Staatsatheismus Rußlands ist seit einiger Zeit nur noch Geschichte. Hätte sich Rußland bekehrt im Sinne des Wunsches der Gottesmutter, wäre eine "scheinbare Selbstauflösung des Kommunismus" nicht notwendig gewesen; die Gnade hätte die Menschen umwandeln können. Ich sagte «scheinbare», denn tatsächlich sind weder der Kommunismus weltweit, noch viel weniger seine Ideale überwunden. Unter den verschiedensten neuen, noch nicht gebrandmarkten Namen tauchen dieselben Vorstellungen heute weltweit auf; ja selbst im christlichen Abendland, das sich zunehmend seiner Gottlosigkeit rühmt («säkularisierte Gesellschaft»), dringen die von jener atheistischen Ideologie verbreiteten Auffassungen in Leben und Umwelt ein und führen so, ungestört durch eine sichtbare, für ihre Verbreitung eher hinderliche Weltmacht, ihr schreckliches, seelenzersetzendes Werk fort. Nur eine «scheinbare» Auflösung der konzentrierten und faßbaren atheistischen Gewalt durch das Sprengen der engen nationalen Grenzen eines Gemeinwesens konnte die atheistischen Irrlehren «Rußlands der ganzen Welt» auftischen: « ... wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die ganze Welt verbreiten ... » Wir sind in unseren Tagen also nicht Zeugen der Auflösung des Staatsatheismus («Rußland»), sondern der weltweiten hemmungslosen Verbreitung der von dort ausgegangenen und entwickelten Irreführungen! Dies wurde in Fatima vorausgesagt für den Fall der Nichtbeachtung der Wünsche der Gottesmutter.

Bleibt uns nur zu hoffen, daß die anschließende Prophezeiung der Gottesmutter, wonach diese Irrlehren «Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören» werden, durch das Gebet des Rosenkranzes, durch Umkehr, Buße und Sühne abgemildert oder gar abgewendet werden kann. Bedingungslos hingegen steht das Versprechen Mariens: "Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren."

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Die Vision des Hl. Don Bosco vom Mai 1862

"Stellt euch vor, wir befinden uns an der Küste des Meeres oder besser noch auf einer einsamen Klippe und sehen kein Land außer dem Boden unter unseren Füssen. Auf dem weiten Meer erkennen wir eine unzählbare Menge von Schiffen, die sich für eine Seeschlacht geordnet haben. Sie verfügen über eiserne Schiffsschnäbel und sind mit Kanonen, Gewehren, sonstigen Waffen jeglicher Art und Brandsätzen ausgerüstet. Sie nähern sich einem Schiff, das viel größer ist als das ihrige und versuchen, dieses mit ihren spitzigen Schnäbeln zu beschädigen, es anzuzünden und ihm jeden nur möglichen Schaden zuzufügen. Das große Schiff wird von vielen kleinen Booten begleitet, die von ihm Befehle empfangen und das majestätische Schiff gegen die feindliche Flotte verteidigen. Sie haben starken Gegenwind und das aufgewühlte Meer scheint die Angreifer zu begünstigen.

Mitten im weiten Meer stehen in geringem Abstand voneinander zwei mächtige Säulen. Die eine wird von einer Statue der Immaculata gekrönt, zu deren Füssen steht:" Auxilium christianorum" (Hel- ferin der Christen), auf der zweiten, viel höheren und mächtigeren Säule sehen wir eine übergroße Hostie, darunter auf einem Schild die Worte: "Salus credentium" (Heil der Gläubigen).

Der Papst als Kommandant des großen Schiffes erkennt die Wut der Feinde und damit die Gefahr, in der sich seine Getreuen befinden. Er ruft deshalb die Steuermänner der Begleitboote zur Beratung auf sein Schiff. Der Sturm wird immer heftiger; die Kommandanten müssen auf ihre Boote zurückkehren. Nach Beruhigung der See ruft der Papst die Kommandeure ein zweites Mal zu sich. Plötzlich bricht der Sturm von Neuem los. Der Papst steht am Steuer und versucht mit aller Kraft sein Schiff zwischen die beiden Säulen zu lenken, an denen viele Anker und große Haken angebracht sind. Die feindlichen Schiffe beginnen nun mit dem Angriff und wollen das päpstliche Schiff versenken. Immer wieder versuchen sie Brandmaterial an Bord des großen Schiffes zu schleudern und feuern mit ihren Bordgeschützen aus allen Rohren. Trotz des leidenschaftlichen Kampfes der feindlichen Schiffe und des Einsatzes aller Waffen scheitert jedoch der Angriff, und das päpstliche Schiff durchpflügt, obwohl auf beiden Seiten bereits schwer angeschlagen, frei und sicher das Meer, denn kaum getroffen, schließt ein sanfter Wind, der von den beiden Säulen ausgeht, sofort jedes Leck.

  .

Auf den Schiffen der Angreifer platzen jetzt die Kanonenrohre, die Schiffsschnäbel zerbrechen, viele Schiffe bersten auseinander und versinken im Meer. Plötzlich wird jedoch der Papst von einer feindlichen Kugel getroffen. Seine Helfer stützen ihn und richten ihn wieder auf, wenig später trifft ihn erneut ein feindliches Geschoss, und er sinkt tot zu Boden.

Bei der feindlichen Flotte erhebt sich ein Freuden- und Siegesgeschrei. Die auf dem päpstlichen Schiff versammelten Kommandeure wählen in solcher Eile einen neuen Papst, dass die Nachricht vom Tod des Steuermanns zugleich mit der Nachricht von der Wahl des Nachfolgers bei den Feinden ankommt. Jetzt verlieren diese plötzlich allen Mut, das päpstliche Schiff aber überwindet alle Hindernisse und fährt sicher zwischen die beiden Säulen, wo es vor Anker geht. Die Feinde flüchten, rammen sich gegenseitig und gehen zugrunde. Die kleinen Begleitboote des päpstlichen Schiffes rudern mit voller Kraft ebenfalls zu den beiden Säulen und machen dort fest. Auf dem Meer tritt eine große Stille ein."

An dieser Stelle fragte Don Bosco seinen späteren Nachfolger als Generaloberer, Don Michael Rua: "Was hältst Du von dieser Erzählung?" Don Rua antwortete: "Mir scheint, das Schiff des Papstes ist die Kirche, deren Oberhaupt er ist. Die andern Schiffe sind die Menschen, das Meer ist die Welt. Jene, die das große Schiff verteidigen, sind die treuen Anhänger des Papstes, die anderen seine Feinde, die mit allen Mitteln die Kirche zu vernichten suchen. Die beiden Säulen bedeuten, wie mir scheint, die Verehrung Mariens und der hl. Eucharistie."

Don Bosco sagte: "Du hast gut gesprochen. Nur ein Ausdruck muss richtig gestellt werden: Die feindlichen Schiffe bedeuten die Verfolgungen der Kirche. Sie bereiten schwerste Qualen für die Kirche vor. Das, was bisher war, ist beinahe nichts im Vergleich zu dem, was noch kommen wird. Die Schiffe symbolisieren die Feinde der Kirche, die das Hauptschiff zu versenken versuchen, wenn es ihnen gelänge. Nur zwei Mittel verbleiben uns zur Rettung in dieser Verwirrung: Die Verehrung der Gottesmutter und die häufige hl. Kommunion."

Diese Vision von Don Bosco hatte vor allem zum Ziel:

Uns zum Gebet für die Kirche und den Papst zu ermuntern und auf die Verehrung des Altarsakramentes und Maria, der Immaculata, hinzuweisen.

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PROPHETIE UND ERFÜLLUNG

 

Der Heilige Vater hat die Botschaft von Fatima ausdrücklich als "Prophetie" bezeichnet. Hier eine kurze – wenn auch nicht vollständige - Deutung des Wortes "Prophetie".

1) Schon im Alten Testament sandte Gott den Menschen, dem auserwählten Volke Israel, den Nachfahren der Patriarchenväter Abraham, Isaak und Jakob, Propheten. Sie waren Menschen, von Gott auserkoren, um jenem Volke, aus dem der Messias stammen sollte, seine Botschaft zu übermitteln. Propheten waren denn auch vom alten Bundesvolk als der "Lebensnerv", als die "Gewissheit", dass Gott zu ihm hält, angesehen worden. Gab es einmal eine lange Zeit ohne Propheten, wehklagte man: "Es gibt kein Zeichen mehr dafür, dass Du noch bei uns bist. Kein Prophet spricht mehr; niemand von uns weiß, wie lange das noch dauert. Gott, wie lange darf der Feind Dich verhöhnen?

Hört das nie auf, dass er Deinen Namen beschimpft? ... Hör doch, Herr, wie sie toben; immer lauter wird ihr Geschrei" (Ps 74, 9-10,23).

Propheten sandte Gott immer in großer Glaubensnot; wenn die Gefahr groß war, dass das Volk des kommenden Erlösers vom Wege Gottes abirrt und sich dem Heidentum zuwendet - aber auch in den Bedrängnissen des irdischen Fortbestandes des auserwählten Volkes.

2) Die doppelte Botschaft

- Zuerst einmal mussten die Propheten dem Volk das selbstverschuldete Unrecht, seine Abwege, seine Gottlosigkeit vor Augen halten. Das Volk musste zur Einsicht gebracht werden, dass der eingeschlagene Weg ein Irrweg ist. Das war wohl ihre schwierigste Aufgabe, denn nicht selten standen an der Spitze des Irrweges der König selbst [die Staatsmacht], die Priesterschaft und die Führer des Volkes. Das Wort der Propheten klang hart und unnachgiebig. So wurden sie nicht selten ein Opfer ihres Auftrags - um anschließend dennoch Recht zu erhalten. Über jene Generationen sagt Jesus: "Weh euch, Gesetzeslehrer und Pharisäer. Ihr Scheinheiligen! Ihr baut den Propheten wunderbare Grabmäler und schmückt die Gräber der Gesetzestreuen ... Damit gebt ihr zu, dass ihr die Nachkommen dieser Prophetenmörder seid. Macht nur das Maß eurer Väter voll!" (Mt 23,29-32).

- Wollte das Volk sich der Botschaft des Propheten nicht beugen durch Umkehr und Busse, gab Gott den Auftrag, das Ende ihres bösen Treibens (wenn das "Maß voll ist"...) in einer Schau der Zukunft ihnen vor Augen zu führen. Das Ende des Unglaubens, der Gottferne, führt immer und unausweichlich in eine menschliche Katastrophe. Nicht als ob Gott diese Katastrophe verhängen würde in Form einer Bestrafung, sondern vielmehr weil die gottgegebene Ordnung, einmal zerstört, sich selbst gegen ihre Zerstörer erhebt!

Drohbotschaft? Ja und Nein! Die Prophetie stellte sie in Aussicht, aber nicht um mit unausweichlicher Konsequenz ein Strafgericht anzudrohen, sondern um mit den letzten menschenmöglichen Mitteln zur Umkehr und Busse zu bewegen!

- Eine Prophetie wird also immer den "hier und jetzt" lebenden Menschen gegeben, damit diese sich erneut Gott zuwenden und zur Einsicht ihrer Gottferne gelangen. Trifft dies ein, so kann unmöglich die Katastrophe am Ende stehen, sondern die wiedererstellte göttliche Ordnung! Natürlich muss - auch wenn es uns nicht gefällt, dies wahrzunehmen - die Katastrophe, das Aufbäumen der von Gott uns gesetzten Ordnung in Kauf genommen werden für den Fall, dass die Umkehr ausbleibt! So "straft" nicht Gott - das wird ER nie tun! -, sondern wir selbst besorgen durch die Gottferne die eigene Bestrafung! Schließlich muss noch erwähnt werden, dass der große Feind der Erlösung und des Seelenheils, der Satan, seine Macht ganz besonders in der Zerstörung zeigt: in der Zerstörung des Seelenheils des Menschen ("Gottferne") durch das Einschenken des Giftes des Unglaubens genau so, wie in der Zerstörung der vom Schöpfer gewollten Ordnung menschlicher Kultur und Werte!

3) Die Botschaft von Fatima ist eine Prophetie. Sie ist dem Menschen von heute, "hier und jetzt", gegeben. 1917 wurde sie der Menschheit durch die Gottesmutter übermittelt. Lucia schrieb sie ab und übergab sie dem Hl. Vater. Es lag in seinen Händen zu entscheiden, wann diese Prophetie "aktuell" ist; wann die Menschheit in Gefahr gerät, in das Heidentum zurückzufallen, in die Gefahr der Gottferne sich zu begeben. Am 13. Mai 2000 hielt der Hl. Vater die Zeit für gekommen, den Menschen diese Prophetie bekannt zu geben. Wohl wird - so Kardinal Ratzinger in einer Ansprache - keine Katastrophe "vor- hergesagt", aber das Wesentliche der Prophetie enthält diese Botschaft: Der Aufruf zur Umkehr und Busse! Doch das ist - wer Fatima kennt - nichts Neues. Diese Botschaft zieht sich wie ein roter Faden durch alle Erscheinungen in Fatima 1917. Ist die Botschaft von Fatima aber ein Prophetie - und der Hl. Vater hat sie als solche bezeichnet -, dann wird sie sich mit imperativem Ton an die heutige Menschheit wenden; eine Menschheit, die im Begriffe ist, Jesus Christus nicht mehr als den Sohn Gottes, als wahren Gott und wahren Menschen anzuerkennen.

Ebenso wird die Magnifikat-Prophetie Mariens missachtet: "Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter!" Unsere heutige Welt ist kaum noch gewillt, auf Maria, die reine, keusche, unbefleckte Magd Gottes zu schauen und sie als Vorbild der Frau zu nehmen! Ein "Geschlecht", das Maria nicht mehr "selig preisen" will?

Nun, Prophetien haben es in sich, verworfen oder angenommen zu werden... Wie tröstlich lautet schließlich die unwiderrufliche Aussage Mariens in Fatima 1917: "Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!" Denn in der göttlichen Ordnung kann am Ende nie die Katastrophe, sondern die liebende Umarmung des Schöpfergottes stehen. (af)

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ZEITUNGSECHO

Dieser Artikel wurde vor Veröffentlichung des 3. Geheimnisses geschrieben und ist deshalb umso mehr beachtenswert! (Hervorhebungen durch die Red.)

"Die Kirche, die sich in diesem Jubiläumsjahr in Fatima versammelt hat, erlebte dort einen prunkvollen Augenblick ihrer Geschichte: die Seligsprechung der beiden Hirtenkinder Jacinta und Francisco. Eine prophetische Seligsprechung!"

Am Schluss des ausführlichen Artikels schreibt der Verfasser:

"UND JETZT?"

Nichts wäre der Botschaft von Fatima entgegengesetzter als zu glauben, dass sie keine Gültigkeit mehr habe, wenn dieses dritte Geheimnis veröffentlicht sein wird. Das Wesentliche besteht nicht in dem Geheimnis, sondern in der Botschaft, die dieses Geheimnis umhüllt. Von dieser Botschaft sagte der Heilige Vater am 13. Mai 1982, dass sie "evangeliumsgemäß, dringend, aktuell, aktueller als jemals zuvor, außerordentlich" sei.

Der Triumph der beiden heiligen Herzen steht vor unserer Tür. Aber so lange er noch nicht tatsächlich eingetreten ist, dürfen wir in unserer Wachsamkeit gegenüber demjenigen, "der nicht schläft", nicht nachlassen. In Übereinstimmung mit den Bitten Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz sollen wir die klugen Jungfrauen nachahmen, um "dem Bräutigam entgegenzugehen". Die letzte Vorbereitung dieses Triumphes darf nun nicht verzögert werden. Sie ist eine Angelegenheit der ganzen Kirche...

Die Botschaft von Fatima beinhaltet noch weitere drängende Prophezeiungen, die sich noch nicht erfüllt haben:

Die Verehrung an den ersten Samstagen im Monat, die eine Bedingung für die Bekehrung Russlands ist, wurde von der Kirche noch immer nicht offiziell eingeführt. Man muss daher "die Axt an der Wurzel des Baumes anlegen."

Das Schreckgespenst des Marxismus ist von der ehemaligen UdSSR und den früheren Ostblockstaaten gewichen, aber Russland hat noch nicht zur Einheit zurückgefunden und aufgrund der fehlenden Bekehrung hat sich die Vorhersage von P. Maximilian Kolbe noch nicht erfüllt ("eines Tages werdet ihr die Statue der Immaculata auf der höchsten Zinne des Kremls sehen!"). Es geht darum, viel zu beten und Gott anzurufen, damit Johannes Paul II. Russland besuchen kann, um dort, vom Landesinneren aus, dieses Land (...) zu weihen. Vergessen wir nicht, dass noch immer 1,3 Milliarden Menschen unter dem Joch des Kommunismus leben – vor allem im gemarterten China. Der Heilige Vater leidet sehr darunter.

Fatima ist das Präludium zum großen Sieg der Eucharistie (die wir in diesem Jahr ganz besonders verehren!). Mögen sich die westlichen Kirchen, die durch unseren Glaubensmangel willentlich geschlossen wurden, wieder öffnen! Mögen die Prozessionen wieder eingeführt werden!

Möge die Realpräsenz anerkannt werden. Machen wir uns den Gedanken unseres Papstes zu eigen: "Man darf, was die Interpretation der Realpräsenz betrifft, keinen Millimeter abweichen".

Maria hat bei den drei Hirtenkindern mit der Neuevangelisierung der Welt begonnen. Johannes Paul II. hat den "Staffelstab" übernommen: unablässige Katechesen auf dem ganzen Erdball, die Urbi et Orbi verkündete Wahrheit, die Veröffentlichung des katholischen Katechismus. Trotz dieses unvergleichlichen Bemühens werden die Zehn Gebote mit Füssen getreten. Auf was warten wir noch, um zu reagieren?

Fatima hat eine Verehrung für den Heiligen Vater hervorgerufen. Von den einen wird er geliebt, von den andern sehr angegriffen. Die Botschaft von Fatima und ihre Geheimnisse bezeugen es. Ein bewegender Punkt seiner Predigt war, als Johannes Paul II. sagte: "Ich danke der seligen Jacinta für ihre Opfer und ihre Gebete, die sie für den Heiligen Vater dargebracht hat, den sie so sehr leiden sah". Macht uns diese Erklärung nicht betroffen? Der Papst ist der Stellvertreter Christi. Die Katholiken sollen stark und eins sein, um ihn zu verteidigen. Wir sollten immer seine Gefährten und solche "Jacintas" sein.

Ja, Fatima ist die Morgendämmerung der neuen Zeit; die Botschaft von Fatima, die von Seiner Heiligkeit, Johannes Paul II. ausgeweitet wurde, ist die Grundlage des neuen Zeitalters: Nach Jahrzehnten der Wüste zeigt uns die mit der Sonne bekleidete Frau den neuen Mose, unseren Anführer und unseren Hirten, "der Papst, der für alle Gläubigen betet".

(Bernard Balayn, in: „Maria heute", Parvis-Verlag, 7/8 2000)

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Am 2. Juli 2000 veröffentlichte "il Mattino della domenica" (Lugano) folgenden lesenswerten Artikel:

DAS GEHEIMNIS VON FATIMA

(Übersetzung: Paola Haeberli-Geiger)

"Als der Kardinal-Staatssekretär das dritte Geheimnis von Fatima bekannt gab, wurde eine große Nachforschung entfesselt, es zu begreifen und zu erforschen, aber auch deshalb, um eine legitime Neugierde zu befriedigen. Eine Neugierde, mit welcher Kartenhäuser gebaut worden sind und jene enttäuschen musste, die diese eigenen Erwartungen nicht erfüllt sahen. Eines ist sicher: Die Kirche als Mutter und Lehrerin wollte diesen Teil des Geheimnisses mit einer Katechese über den Wert der Privat-Offenbarungen begleiten; sie fügen den Offenbarungen Christi, die mit dem letzten Apostel abgeschlossen wurden, nichts hinzu, und wir bewahren sie in ihrer Ganzheit von der Genesis bis zur Apokalypse in der Bibel auf. Obschon diese Offenbarungen also nichts hinzufügen, haben sie ihre Funktion in den geheimnisvollen Plänen der Ökonomie Gottes, in der göttlichen Pädagogik. Man kann bestätigen, dass diese Offenbarungen eine spezielle Funktion einnehmen, welche uns helfen sollen, die Bedeutung des Evangeliums immer besser zu verstehen, und es ist unleugbar, dass in Fatima, wie an anderen marianischen Erscheinungsorten, (hauptsächlich im 20. Jahrhundert) Botschaften erfolgten, die ganz klar und konkret zur Bekehrung, zum Gebet, zur zentralen Bedeutung der Eucharistie, zur Treue zur Kirche und zum Gehorsam gegenüber den Hirten aufrufen. Dies sind alles konkrete Signale, dass das angenommene und gelebte Evangelium zum glaubwürdigen Lebensgesetz wird.

Die Muttergottes ist besorgt, die Menschheit zu dieser großen Einladung zu rufen: Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium. Das Jubeljahr, welches die Pforten zum dritten Jahrtausend öffnet, ist zum Jahr geworden, in welchem man mit immer größerer Hoffnung in die Zukunft schaut. Möge die Jungfrau alle begangenen Attentate gegen die Menschheit und die Fehler der Vergangenheit hinter uns legen. Möge der Glaube im Zeugnis von uns Gläubigen leuchten, damit das Evangelium der Liebe zum Herz von allen gelangen kann. Zu nichts würde es führen, diesen letzten Teil des Fatima-Geheimnisses zu kennen, wenn wir dann nicht die ersten Seiten dieses Geheimnisses in die Praxis umsetzen: Es sind konkrete Aufrufe der Bekehrung, der Busse, des Gehorsams und der spirituellen Erneuerung, gemacht stets in der Absicht der vollen Ehrerbietung gegenüber dem Gesetz des Herrn."

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Die Gnadenstatue U. L. Frau von Fatima ein zweites Mal in Rom

Am 8. Oktober 2000 hat die Gnadenstatue U. L. Frau für kurze Zeit das Heiligtum in Fatima verlassen und wurde nach Rom gebracht. Mons. Crescenzio Sepe, der Sekretär des Zentralkomitees für das Jubeljahr 2000, bestätigte, dass die Ankunft der Statue der Gottesmutter einer der bedeutendsten marianischen Aspekte des Jubiläumsjahres 2000 sein wird. Zugleich mit der Ankunft der Fatima-Madonna in Rom wird S. Heiligkeit, Papst Johannes Paul II., während einer großen Feier in Gemeinschaft mit den Bischöfen der ganzen Welt, das dritte Jahrtausend der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter feierlich weihen und anvertrauen. 

Die Gnadenstatue steht auf dem Baumstumpf jener Steineiche, wo die Erscheinungen 1917 stattfanden. In all den Jahren hat die Statue U. L. Frau nur ein einziges Mal diesen Ort verlassen, und zwar vom 24. bis 27. März 1984, ebenfalls auf Wunsch von Papst Johannes Paul II., anlässlich der Weltweihe an das Unbefleckte Herz in Rom. Damals weihte der Heilige Vater zusammen mit den Bischöfen die Welt der Gottesmutter.

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Der Engel mit dem Flammenschwert

Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in Fatima geoffenbart worden ist, beginnt mit einer Vision, von der Sr. Lucia schreibt: "Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert in der linken Hand hielt. Es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden! Doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn (den Engel) ausströmte. Der Engel zeigte mit der rechten Hand auf die Erde und rief mit lauter Stimme: Busse, Busse, Busse!"

Als ich am Tag nach der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses den Text zum ersten Mal las, hatte ich den Eindruck, dass ich jetzt zum erstenmal die unfassbare Bedeutung und Vollmacht der Muttergottes auf ganz neue Weise erkannt hatte. Dieser "Engel mit dem Flammenschwert" erinnerte mich an jenen Engel, der mit seinem Flammenschwert die Stammeltern der Menschheit aus dem Paradies vertrieb, als sie dem Gebot Gottes getrotzt hatten und dem Versucher folgten, der ihnen versprach: "Dann werdet ihr sein wie Gott!" Da wurden sie aus der innigen Gottes-Gemeinschaft des Paradieses verstoßen. Und Gott stellte Engel auf und das "lodernde Flammenschwert", damit sie das Paradies bewachten (vgl. Gen 3,24).

Dieser "Engel mit dem Flammenschwert" ist ein Gerichts-Engel! Er warnt heute die Menschen vor jenem Feuer, das sie selber entzünden, wenn sie "wie Gott sein" wollen und sich gegen Gott erheben.

Der Engel mit dem Flammenschwert.

Der "Engel mit dem Flammenschwert" sagt uns heute bildhaft: Die Erde ist reif für das Gericht Gottes! Denn der "Mensch ohne Gott" baut kein "Paradies", sondern errichtet einen Vorhof der Hölle: die Zerstörung der Seelen, der Familien, der Luft und des Wassers, der Wälder und der Felder, der Nahrung und der Religion. Wenn sich die Menschen nicht zu Gott hin bekehren, werden sie ebenso zugrunde gehen wie in den Tagen der Sintflut. Aber diesmal nicht durch das Wasser, sondern durch das Feuer. Die Bibel spricht in dramatischen Bildern von diesem Feuer, das die "große Stadt Babylon" zerstört (vgl. Offb 17,16; 18,8.9; 18,18).

Diese "große Stadt Babylon" ist ein symbolisches Bild für jenen Teil der Christenheit, der von Gott abgefallen ist, zur "Hure" (Offb 17,1) geworden ist, weil sie ihren Bräutigam - Jesus Christus - verlassen hat und sich fremden Liebhabern an den Hals geworfen hat: dem Mammon und der Macht, allen Arten von Frevel, Verkehrtheiten, Lästerung, Verführung, Verfolgung der Propheten und der wahrhaft Gläubigen...

Dieser "Engel mit dem Flammenschwert" ist wie ein Gerichts-Engel, der die Völker aufruft: "Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre! Die Stunde seines Gerichtes ist gekommen!" (vgl. Offb 14,7). Dieser Gerichts-Engel kündigt das Gericht über "Babylon, die große Stadt" an: "Gefallen ist Babylon" (Offb 14,8). In einer einzigen Stunde bricht diese "große Stadt" in drei Teile auseinander, wenn sie sich nicht bekehrt. Das ist das Strafgericht Gottes durch Erdbeben und Feuer" (Offb 16,19).

Aber nicht Gott ist es, der straft, sondern die Menschen selber sind es, die sich strafe bereiten. Denn sie lassen sich nicht mehr führen von Gott auf jenen Wegen, die Gott uns zeigt in seinen Geboten und durch Seinen Heiligen Geist. Die sich vom Geist Gottes führen lassen, die sind Kinder Gottes! Aber der Mensch lässt sich heute so schwer von der Stimme des Guten Hirten zurückrufen von jenen Abgründen, die Verderben bringen. Deswegen entzünden heute die Menschen selber jenes unermessliche Feuer, das sie in ihrer Vermessenheit in ihre Hände gebracht haben: das atomare Feuer der Bomben und das "Feuer des Lebens", das sie nach eigenen Vorstellungen und Wünschen beherrschen wollen, als wären sie wie Gott, Herren über das Leben!

Dieser "Engel mit dem Flammenschwert" zeigt heute mit seiner rechten Hand auf die Erde und ruft ihr mit lauter Stimme zu: "Busse, Busse, Busse!" Aber hat es jemand gehört? Hat eine große Buß-Bewegung begonnen? Haben sich die Männer und Frauen Gottes erhoben, um eine radikale Erneuerung der Herzen auszurufen? Hat jene "Neu-Evangelisierung" begonnen, die Papst Johannes-Paul II. schon jahrelang ausruft wie ein einsamer Rufer aus der Wüste? - Es war nur eine Zeitungsnotiz: "Das dritte Geheimnis von Fatima veröffentlicht." Einige Zeilen, einen Tag lang. Nachher nichts mehr..

Kardinal Ratzinger sagt in seinem Kommentar zum 3. Geheimnis von Fatima: "Der Engel mit dem Flammenschwert stellt die Gerichtsdrohung dar, unter der die Welt steht. Dass sie in einem Flammenmeer verbrennen könnte, erscheint heute keineswegs als große Fantasie. Die Vision zeigt dann die Gegenkraft zur Macht der Zerstörung: der Glanz der Muttergottes und der Ruf zur Busse."

Das innerste Geheimnis dieses dritten Teiles besteht in diesem außerordentlichen Wunder, das durch Maria geschieht: von ihr geht ein Licht aus, ein "Glanz", der auf den "Engel mit dem Flammenschwert" ausströmt. Dieser Licht-Glanz der Gottesmutter ist so mächtig, dass er jenes alles zerstörende Feuer auslöscht, das vom "Flammenschwert" ausgeht und die Welt zu verbrennen droht! "Doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau auf den Engel ausströmte!"

Was ist das für ein Lichtglanz, der von Maria so machtvoll ausströmt, so dass die ganze Erde gerettet wird? Es ist jenes "ungeheuere Licht, das Gott ist!" Denn Maria trägt jenes Licht in sich, das Jesus Christus ist. Er ist "das Licht der Welt". Und dieses "ungeheuere Licht, das Gott ist", ist stärker als jenes Feuer, das die ganze Welt in Flammen setzen kann. Diese Verheißung wird sich erfüllen, die uns die Muttergottes gegeben hat: "Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!"
Der Mensch kann die Erde anzünden, aber das Feuer löschen kann er nicht. Das kann nur die "Mutter der Barmherzigkeit". Sie ist uns gegeben, damit sie uns vor uns selber rettet, wenn wir in unserer Torheit die letzte Gelegenheit verpasst haben, die uns noch einmal zu Gott zurückführen wollte.

Der Tod der Gläubigen Christen auf dem Gipfel des Gottes-Berges

Der dritte Teil des "Geheimnisses von Fatima enthält noch ein weiteres wuchtiges Bild, das ganz erfüllt ist von prophetischer Kraft und Symbolik. Zuerst wird gesagt, dass der Heilige Vater durch eine halbzerstörte große Stadt hindurchgeht, "zitternd, mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt. Er betet für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füssen des Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genau so starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen."

Dieses prophetische Bild beschreibt jenen langen Kreuzweg der Kirche und des Papstes, der Priester und der Bischöfe, der gläubigen Männer und Frauen, die Christus auf seinem Kreuzweg nachfolgen. Denn die Kirche hat Anteil am ganzen Schicksal Jesu Christi, an Seinem Leidensweg, an Seinem Kreuzweg, an Seinem Todeskampf und an Seiner Auferstehung. Die Kirche geht heute jener Zeit entgegen, von der Jesus gesagt hat: "Jetzt hat die Finsternis Macht" (Lk 22,53). So wie Jesus verfolgt wurde, so geht auch die Kirche am Ende in die grosse Verfolgung hinein: "Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen" (Joh 15,20).

Warum wird die Kirche am Ende der Zeit "ans Kreuz geschlagen"? (vgl. Hebr 6,6). Weil sie der "Einheit der Welt" scheinbar im Wege steht. Jesus ist der Einzige, der uns wirklich von unseren Sünden erlösen kann. "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Er ist der Einzige, der von sich mit Recht sagen konnte: "Ich bin die Auferstehung und das Leben." Dieser Anspruch auf Einzigkeit wird im Zeitalter der zusammenwachsenden Welt-Einheit immer mehr zum Ärgernis. Deswegen drängt und bedrängt man die Kirche schon jetzt in unserer Zeit, diesen Anspruch aufzugeben und sich "einzureihen in die Weltreligionen".

Dieser Kampf gegen das Wort Christi hat im Verlauf der letzten 150 Jahre zu einem immer stärkeren Abweichen vom Wort Gottes geführt. Zunächst im protestantischen Bereich, dann auch im katholischen Denken. Man rückt immer stärker vom wörtlichen Führ-Wahr-Halten der Bibel ab. Aber Jesus hat uns die Verheißung gegeben: "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen" (Mk 23,31). Denn Er ist das Wort Gottes (Joh 1,1-17).

Die Verfolgungen von außen her und die innerkirchliche Verfolgung der Christus-Gläubigen führt zu einem "unheilvollen Gräuel", von dem Jesus Christus gesprochen hat (vgl. Mt 24,15). Wenn jene, die nicht mehr an die Gottheit Christi glauben, innerhalb der Kirche bleiben, um sie von innen her zu verändern, dann ist die Zeit der "falschen Propheten" gekommen, die mit den antichristlichen Machthabern der Welt zusammenwirken: der "falsche Prophet" (Offb 19,20). Durch ihn kommt die Zeit der großen Verfolgung des Glaubens und der Gläubigen.

Diese "falschen Propheten" (vgl. Mt 24,11) haben verantwortliche, machtvolle Stellen innerhalb der Kirche. Sie hören aber nicht mehr auf das, was der Papst sagt und was die Lehre der Kirche sagt. Sie machen es dem Papst und den Bischöfen unmöglich, ihr Lehramt wirksam auszuüben, als Hirten der Kirche wirkungsvoll zu führen und das Heiligtum vor dem "Gräuel der Verwüstung" zu schützen. Diese Revolte gegen das Wort Gottes, gegen das Lehramt des Papstes, gegen das Hirtenamt der Bischöfe und gegen das Priesteramt war in der katholischen Kirche noch niemals so stark wie heute. Der Zweifel an den Worten des Evangeliums zerstört heute den Glauben vieler Christen. Kardinal Ratzinger hat diese Situation wiederholt mit dramatischen Worten ausgedrückt: "Der Verzicht auf die Wahrheit ist der Kern unserer Krise!"

Europa hat die Kraft der Offenbarung Christi verworfen. Die falschen Propheten arbeiten seit Jahrhunderten daran, das Christentum in eine Humanitäts-Religion umzuwandeln. Deswegen ergeht es der Kirche heute so, wie Jesus es vorausgesagt hat: Als Er in den letzten Tagen seines Lebens nach Jerusalem hinaufging, weinte Er über die Stadt und sagte voraus, wohin das führen würde und wie das endet: die Zerstörung der Stadt Jerusalem!

Wir erleben heute diese zunehmende Zerstörung "Jerusalems", der Kirche in unserer Zeit. Das ehemalige christliche Abendland ist ähnlich geworden dem alten Rom: ein halbes "Babylon".

Die ganze Geschichte der Kirche ist wie ein langer Kreuzweg der Bekenner und Märtyrer. Aber heute kommt dieser Zug am Gipfel des Gottesberges an, dort wo das Kreuz des Gekreuzigten steht. "Der Papst wird erschossen." Leiblich, oder in jener tiefen Wirklichkeit, die hier bildhaft ausgerückt wird: Er kann die "Wahrheit" nicht mehr wirksam verkünden, weil der Widerspruch innerhalb und außerhalb der Kirche zu groß geworden ist! Er kann nicht mehr der Hirte sein, der die Herde vor den Wölfen schützt. Denn die Wölfe sind mitten unter den Schafen, und sie bewirken das Werk der Zerstörung, den "Gräuel der Verwüstung", den Zweifel, den "großen Abfall". Ebenso ergeht es den Bischöfen, Priestern und gläubigen Christen.

Das "dritte Geheimnis" will uns warnen vor jenem Augenblick, von dem Jesus sagt: "das ist eure Stunde, jetzt hat die Finsternis Macht." Wenn man den Stellvertreter Christi und alle gläubigen Christen "mundtot" macht, tötet oder mit den Giftpfeilen der Verleumdung bewirft, dann wird der Herr selber kommen und selber Seine Kirche regieren. Dann erfüllt sich das Wort des Herrn: "Wenn der Besitzer des Weinberges kommt, wird er diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt" (Mt 21,43).

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Ankündigung der Veröffentlichung des 3. Teils des Fatimageheimnisses

WORTE DES KARDINALS ANGELO SODANO 
BEZÜGLICH DES "DRITTEN TEILS" 

DES
GEHEIMNISSES VON FÁTIMA
AM ENDE DER HEILIGEN MESSE 

MIT JOHANNES PAUL II. 

FATIMA, 13. MAI 2000

Die Ansprache des Kardinals im vollen Wortlaut


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am Ende dieser festlichen Feier erachte ich es als meine Pflicht, stellvertretend für alle hier Anwesenden unserem geliebten Heiligen Vater unsere herzlichsten Glückwünsche zu seinem bevorstehenden 80. Geburtstag auszusprechen und ihm für sein wertvolles Hirtenamt zum Wohl der ganzen heiligen Kirche Gottes zu danken.

Anläßlich der Feier seines Kommens nach Fatima hat mich Seine Heiligkeit beauftragt, Ihnen etwas mitzuteilen. Ziel seines Besuches in Fatima war bekanntlich die Seligsprechung der zwei "Hirtenkinder". Doch möchte er mit seiner Pilgerreise auch noch einmal der Muttergottes für den Schutz danken, die sie ihm während dieser Jahre des Pontifikats gewährt hat. Es ist ein Schutz, der auch den sogenannten "dritten Teil" des Geheimnisses von Fatima zu berühren scheint. Dieser Text stellt eine prophetische Schau dar, die man mit jenen der Heiligen Schrift vergleichen kann. Sie beschreiben nicht im fotografischen Sinn die Einzelheiten der zukünftigen Ereignisse, sondern fassen auf einem gemeinsamen Hintergrund Tatsachen verdichtend zusammen, die sich

zeitlich in einer nicht präzisierten Abfolge und Dauer erstrecken. Daher kann der Schlüssel zum Verständnis des Textes nur symbolisch sein.
 Die Vision von Fatima betrifft besonders den Kampf der atheistischen Systeme gegen die Kirche und die Christen und beschreibt das schreckliche Leiden der Glaubenszeugen des letzten Jahrhunderts des zweiten Jahrtausends. Es handelt sich um einen endlosen Kreuzweg, der von den Päpsten des zwanzigsten Jahrhunderts angeführt wird.
Nach der Interpretation der "Hirtenkinder", die auch vor kurzem von Schwester Lucia bestätigt wurde, ist der "weiß gekleidete Bischof", der für alle Gläubigen betet, der Papst. Auch er fällt, von Schüssen getroffen, wie tot zu Boden, während er alle Mühe aufwendet, um unter den Leichnamen der Gemarterten (Bischöfe, Priester, Ordensleute und zahlreicher Laien) auf das  Kreuz zuzugehen.

Nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 erschien es Seiner Heiligkeit klar, daß "eine mütterliche Hand die Kugel der Flugbahn leitete" und es dem "Papst, der mit dem Tode rang" erlaubte, "an der Schwelle des Todes" stehen zu bleiben (Johannes Paul II., Meditation mit dem italienischen Bischöfen aus dem Poliklinikum Gemelli, in: Insegnamenti, Bd. XVII/1, 1994, S. 1061).

Anlässlich eines Kurzbesuches des damaligen Bischofs von Leiria-Fatima in Rom traf der Papst die Entscheidung, ihm die Kugel zu überlassen, die nach dem Attentat im Jeep geblieben war, um sie im Heiligtum aufzubewahren. Auf Initiative des Bischofs hin wurde sie daraufhin in die Krone der Statue der Madonna von Fatima eingefasst.


Die Ereignisse, die im Jahre 1989 folgten, führten sowohl in der Sowjetunion als auch in zahlreichen östlichen Ländern zum Fall des kommunistischen Regimes, das den Atheismus verfochten hatte. Auch dafür dankt der Heilige Vater der Jungfrau Maria aus ganzem Herzen.

Dennoch haben in anderen Teilen der Welt die Angriffe gegen die Kirche und die Christen mit der Last des Leidens, die sie mit sich bringen, leider nicht aufgehört. Selbst wenn die Geschehnisse, auf die sich der dritte Teil des Geheimnisses von Fatima bezieht, nunmehr der Vergangenheit anzugehören scheinen, so bleibt der am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ergangene Ruf der Gottesmutter zu Umkehr und Buße auch heute von stimulierender Aktualität. "Die Hohe Frau dieser Botschaft liest gleichsam 'die Zeichen der Zeit' mit besonderer Eindringlichkeit, die Zeichen unserer Zeit (...). Die eindringliche Aufforderung Marias zur Buße ist nichts anderes als der Ausdruck ihrer mütterlichen Sorge um das Los der Menschenfamilie, die der Umkehr und der Verzeihung bedarf" (Johannes Paul II., Botschaft zum Welttag der Kranken 1997, n.1, in: Insegnamenti, Bd. XIX/2, 1996, S. 561).

Um es den Gläubigen zu ermöglichen, die Botschaft der Jungfrau von Fatima besser zu erfassen, hat der Papst der Kongregation für die Glaubenslehre den Auftrag erteilt, den dritten Teil des Geheimnisses zu veröffentlichen und vorher einen entsprechenden Kommentar vorzubereiten.

Wir danken der Muttergottes von Fatima für ihren Schutz. Ihrer mütterlichen Fürsprache vertrauen wir die Kirche des dritten Jahrtausends an.

Sub tuum praesidium confugimus, Sancta Dei Genetrix!

[Unter Deinen Schutz fliehen wir, heilige Gottesgebärerin!]

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Fatima:  DIE ZEIT NACH 1917

 

BOTSCHAFTEN AN SR. LUCIA NACH 1917. PONTEVEDRA - TUY

"Ich werde wiederkommen!"

Pontevedra       "... dem Unbefleckten Herzen Sühne zu leisten"         Dreifaltigkeitsvision in Tuy

Pontevedra

Die Andacht der fünf Sühnesamstage zum Unbefleckten Herzen Mariä

Am Ende der Erscheinung vom 13. Juli sprach die Gottesmutter: "Ich werde wiederkommen, um die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu erbitten." Dieses Versprechen wurde zu einer Zeit eingelöst, als die junge Postulantin Lucia für kurze Zeit von Tuy nach Pontevedra versetzt wurde.

"Am 10. Dezember (1925) erschien mir die Heiligste Jungfrau in Pontevedra", schreibt Schwester Lucia zurückblickend. Die Erscheinung war in der Zelle der Postulantin, die heute zu einer kleinen Hauskapelle umgebaut ist, "in einer leuchtenden Wolke"; an der Seite der Gottesmutter war ein Kind zu sehen. Die Gottesmutter legte ihre Hand auf die Schultern Lucias "und zeigte ein von Dornen umgebenes Herz, das sie in der rechten Hand hatte. Das Kind sagte:

» Habe Mitleid mit dem Herzen deiner Heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen es ständig durchbohren, ohne daß jemand einen Sühneakt machen würde, um sie herauszuziehen

Darauf sagte die Heiligste Jungfrau: » Meine Tochter, schau mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen durch ihre Lästerungen und Undankbarkeiten es ständig durchbohren. Suche  wenigstens du mich zu trösten und teile mit, daß ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mir während 15 Minuten durch Betrachtung der 15 Rosenkranzgeheimnisse Gesellschaft leisten in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten.« "

  In der Zelle von Sr- Lucia verlangt die Gottesmutter die Verehrung Ihres Herzens.

Lucia war, wie erwähnt, nur für kurze Zeit in Pontevedra. Wie ernst es der Gottesmutter mit dieser Sühneleistung war, ist aus einer kurz darauf erfolgten Erscheinung ersichtlich. Lucia hatte über die Worte der Gottesmutter mit ihrem Beichtvater und mit der Oberin gesprochen. Doch beide hatten Schwierigkeiten mit dieser neuen Andachtsform. Als ihr am 15. Februar 1926, knapp zwei Monate nach dem Auftrag, das Jesuskind allein im Klostergarten erschien und danach fragte, ob die Andacht zu Seiner Mutter schon verbreitet werde, sprach sie von den Schwierigkeiten, der sie, eine Ordensfrau, bei solch einem Vorhaben, innerhalb der Klostermauern und zum Gehorsam verpflichtet, begegne. Weiter berichtete sie dem Jesuskind, daß die Oberin schon einiges getan habe, um die Sühnesamstage zu verbreiten, der Beichtvater jedoch ihr mit dem Argument entgegentrat, daß sie allein nichts vermöge. Jesus gab ihr zur Antwort: "Es ist wahr, daß deine Oberin allein nichts vermag, aber mit meiner Gnade kann sie alles."

Dann legte sie Jesus die Schwierigkeiten dar, die einige Seelen, welche mit den Samstagen begannen, gleich von Beginn an hatten, nämlich, daß es ihnen unmöglich war, an jenem Samstag zu beichten. Deshalb bat Lucia darum, daß eine vorhergehende Beichte doch acht Tage lang gültig sein möge.

Jesus antwortete ihr: "Ja, es kann sogar viel länger sein, vorausgesetzt, daß sie im Stande der Gnade sind, wenn sie mich empfangen, und daß sie die Absicht haben, dem Unbefleckten Herzen Sühne zu leisten." Lucia notierte von diesem Zwiegespräch noch eine Frage, die sie gestellt hatte: "Mein Jesus, und wenn jemand vergißt, diese Meinung zu erwecken? Jesus gab ihr zu verstehen: » Das können sie bei der nächstfolgenden Beichte tun, sofern sie die erste Gelegenheit ausnutzen, die sie zur Beichte haben.« "

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"... dem Unbefleckten Herzen Sühne zu leisten"

Es entspricht der göttlichen Barmherzigkeit, den Menschen Heilmittel im Kampf gegen die Sünde zur Verfügung zu stellen. Nach der Andachtsübung der neun ersten Freitage, den Herz-Jesu-Freitagen, wird nun der Weg zum Herz-Mariä-Samstag erschlossen. Der Text dieses Versprechens unterscheidet sehr klar fünf Bedingungen und eine ausschließliche Meinung:

1. An fünf aufeinanderfolgenden Samstagen

Der Beichtvater Lucias fragte eines Tages nach dem Grund der Fünferzahl. Lucia gab ihm nach einer inneren Eingebung folgende Antwort Jesu wieder:

"Meine Tochter, der Grund ist einfach: Es geht um die fünf Arten von Beleidigungen und Lästerungen, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden:

a) die Lästerungen gegen die Unbefleckte Empfängnis,

b) gegen ihre Jungfräulichkeit,

c) gegen ihre Gottesmutterschaft, zugleich mit der Ablehnung, sie als Mutter der Menschen anzuerkennen;

d) jene, die öffentlich versuchen, den Kinderherzen die Gleichgültigkeit, die Verachtung und sogar den Haß gegen diese unbefleckte Mutter einzuflößen;

e) jene, die sie direkt in ihren heiligen Bildern verunehren."

 

2. Die persönliche Beichte

Wir sahen, daß die persönliche Beichte nicht am selben Tag sein muß, jedoch muß für jeden der fünf ersten Samstage eine persönliche Beichte aufgeopfert werden in der ausgesprochenen Absicht, durch diese Beichte dem Unbefleckten Herzen einen Sühnebeitrag leisten zu wollen. Diese Absicht wird so sehr gefordert, daß am 15. Februar 1926 ausdrücklich das Nachholen gefordert wird, und zwar muß "die erste Gelegenheit" ausgenutzt werden, "die sie zur Beichte haben".

Liegt darin nicht auch ein katechetischer Wert im zu Ende gehenden Jahrhundert, das die Beichte fast völlig marginalisiert und vergessen hat? Die Worte Jesu stehen diesem Trend diametral entgegen!

 

3. Heilige Kommunion

Es geht hier eindeutig um den Kommunionempfang im Stande der heiligmachenden Gnade, insbesondere für den Fall, daß die hl. Beichte nicht am selben Tag abgelegt werden kann. Auch hier wird die ausdrückliche Bedingung verlangt, die hl. Kommunion als Sühneakt zu verstehen.

4. Beten des Rosenkranzes

In allen Erscheinungen bat die Gottesmutter um das tägliche Beten des Rosenkranzes. Hier wird dieses Beten in ein Versprechen eingebaut.

5. Betrachtung über das geheimnisvolle Leben Jesu

Zusätzlich zum Rosenkranzgebet verlangt die Gottesmutter, daß wir in der Betrachtung der Geheimnisse aus dem Leben Jesu für mindestens 15 Minuten verweilen. So genommen darf dies als ein Hinweis gelten, daß man die 5 Sühnesamstage mindestens dreimal nacheinander machen sollte, wobei an jedem der Samstage über ein Geheimnis nachgedacht wird. Es wäre empfehlenswert, sich anschließend während des ganzes Monats in allen unseren weltlichen Unternehmungen wie im geistigen Leben auf die in der Betrachtung entdeckten Aussagen einzulassen, alles durch das Prisma dieses Geheimnisses zu betrachten. Lassen wir bei den Betrachtungen den Heiligen Geist, den göttlichen Bräutigam der Jungfrau und Gottesmutter, zu uns sprechen, öffnen wir uns ihm - und er wird uns mit Gedanken und Weisungen erfüllen, auf die wir vielleicht sonst nie im Leben gekommen wären.

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Dreifaltigkeitsvision in Tuy/Spanien

Ende Juli 1926 begann Lucia das Noviziat in Tuy, nachdem sie kurz vorher aus Pontevedra, wo sie als Postulantin lebte, zurückkam. Am 13. Juni 1929 wurde Schwester Lucia Zeuge einer weiteren Erscheinung, in der die Gottesmutter die zweite Aussage vom Schluß der Höllenvision weiterführte: "Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen!"

Lucia schreibt, daß in ihr die innere Gewißheit heranreifte, "der Augenblick sei gekommen, wo ich der heiligen Kirche ihren Wunsch bezüglich der Weihe Rußlands und ihr Versprechen, es zu bekehren, mitteilen soll. Dies geschah folgendermaßen:

Ich hatte von meinen Oberinnen und meinem Beichtvater die Erlaubnis erbeten und erhalten, jeweils in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von elf Uhr bis Mitternacht eine heilige Stunde zu halten. Eines Nachts war ich allein; ich kniete mich an das Geländer in der Mitte der Kapelle, um die Gebete des Engels zu beten. Da ich mich müde fühlte, richtete ich mich auf und betete weiter mit ausgebreiteten Armen. Nur das ewige Licht brannte. Plötzlich erhellte sich die ganze Kapelle durch ein übernatürliches Licht, und auf dem Altar erschien ein Kreuz aus Licht, das bis zur Decke reichte. In einem klaren Licht sah man im oberen Teil des Kreuzes das Antlitz und den Oberkörper eines Menschen, über der Brust eine Taube, ebenfalls aus Licht, und an das Kreuz genagelt den Körper eines anderen Menschen. Ein wenig unterhalb der Taille, in der Luft schwebend, sah man den Kelch und eine große Hostie, auf die einige Tropfen Blutes herabliefen. Von der Hostie herabgleitend, fielen diese Tropfen in den Kelch. Unter dem rechten Arm des Kreuzes stand Unsere Liebe Frau; es war Unsere Liebe Frau von Fatima mit ihrem Unbefleckten Herzen in der linken Hand. Unter dem linken Arm des Kreuzes bildeten sich einige große Buchstaben, die auf den Altar zuliefen, gleichsam als wären sie aus kristallklarem Wasser, die die Worte bildeten: 

GRATIA ET MISERICORDIA - Gnade und Erbarmen!

Dreifaltigkeitsvision in Tuy.

Ich verstand, daß mir das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit gezeigt worden war, und empfing Erleuchtungen über dieses Geheimnis, die zu offenbaren mir nicht gestattet ist. Anschließend sagte mir Unsere Liebe Frau:

» Es ist der Augenblick gekommen, in dem Gott den Heiligen Vater auffordert, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen; er verspricht, es durch dieses Mittel zu retten. - So viele Seelen werden von der Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden, die gegen mich begangen werden, verdammt, so daß ich komme, um Sühne zu bitten. Opfere dich für diese Meinung und bete.« "

Papst Johannes Paul II. hat eine Weltweihe bei seinem Besuch in Fatima am 13. Mai 1982 vorgenommen, in der auch Rußland einen eigenen Platz hatte. Am 25. März 1984 und am 8. Oktober 2000 (beides Mal in ROM) wiederholte der Papst in Rom die Weltweihe an das Unbefleckte Herz Mariens.

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FATIMA - EINE KATECHESE

Fatima ist kein isoliert dastehendes Ereignis      Fatima ruft zum Zeugnisgeben auf        Himmel und Hölle   

Engel im Dienst der Vermittlung      Das Unbefleckte Herz Mariens verehren      Der Sühnesamstag

Täglich den Rosenkranz beten     Der hl. Josef mit dem Jesuskind      Selbstüberwindung und Opfer nicht scheuen

Sich Maria weihen     Die Weihe Rußlands        Tun, was Maria sagt

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Am 13. Oktober 1996 wurde in der Diözese Sathmar, im Nordwesten Rumäniens, eine neu erbaute Fatimakirche eingeweiht. Seither durfte ich zum Wiederholten Male dort Volksmission halten. Anschließend an die Oktober-Volksmission von 1997 startete der dortige Diözesanbischof eine "Fatima-Wandermadonna-Aktion". Eine große Statue ging jeweils von Sonntag bis Samstag in eine Pfarrkirche und parallel dazu gingen 16 kleinere Statuen davon unabhängig in den einzelnen Pfarreien von Haus zu Haus. Der Erfolg war so überwältigend, daß der Bischof an einem Abend mich anrief und vor Freude weinend mir darüber berichtete: er nannte es ausdrücklich als "Das Wunder von Fatima in meiner Diözese". In jedem Haus kamen jeweils drei Tage lang 20-30 Personen zusammen, um am dritten Tage der feierlichen Marienweihe dieser Familie beizuwohnen. Dann ging die Wandermadonna ins Nachbarhaus. Dasselbe spielte sich auch in den Kirchen ab. Es gab Pfarreien, wo die Pfarrer anfänglich eher skeptisch waren, dem Bischof zuliebe aber nicht Nein sagten. Doch nur am Anfang. Manche Kirchen waren so voll, daß man Rosenkranz und Pfarreiweihe eine Woche lang zweimal nacheinander halten mußte. "Das Wunder von Fatima in meiner Diözese" nannte es der Bischof. Im Frühjahr 1998 traf ich ihn erneut. Da erzählte er mir, daß aus den einzelnen Pfarreien so viele Priesteramtskandidaten vorauszusehen sind, daß er eigentlich nicht so recht weiß, was er mit all den guten Jungs anfangen soll in seiner eher kleinen Diözese! Und übrigens plage ihn jetzt der Gedanke, daß er selbst für die vorhandenen Priesteramtskandidaten finanziell nicht mehr aufkommen könne.

Welche Sorgen eines Bischofs! Seither bin ich auf der Lauer, wo es bei uns einen Bischof gibt, der darüber klagt, daß er zu viele Priesteramtskandidaten hätte... Hier zeigt sich eindeutig, daß die Gottesmutter alles – auch ihre eigenen Botschaften – in die Hände der Kirche legt. Nie wünscht sie etwas ohne die Kirche. Nicht von ungefähr liegt der Dritte Teil des Fatimageheimnisses in der Hand des Heiligen Vaters! Nicht von ungefähr verlangte die Gottesmutter die Weihe der Welt und Rußlands an ihr Unbeflecktes Herz durch den Hl. Vater zusammen mit allen Bischöfen der Welt! Hier hat es ein Bischof nach dem Fall der "Mauer" nachgeholt, was dort vorher unter Todesstrafe stand: Und die Gottesmutter hat "Das Wunder von Fatima in seiner Diözese" vollbracht. Das gläubige Volk steht zur Gottesmutter – haben wir ihre Bitte, jetzt schon über 80 Jahre danach – vernommen? Haben Gläubige und Bischöfe danach gehandelt? Wäre dem so – ich wage es zu behaupten -, dann sähe die Welt heute ganz anders aus!

Haben wir jene Botschaft gehört, die uns am Anfang dieses Jahrhunderts der Himmel gegeben hat, wir, die wir uns so sehr am Ende des Jahrhunderts auf das neue Jahrtausend vorbereiten! Kein Wunder, daß antikirchliche Kräfte nicht nur außerhalb der Kirche ihr Haupt erheben, sondern, was schlimmer ist, auch in der Kirche tut man vieles, um jene Frau zu verdrängen, die einzig und allein die Rettung der Menschheit ist. Das muß man so sagen, will man zu jenen gehören, die Fatima ernst nehmen.

Fatima ist kein isoliert dastehendes Ereignis.

Fatima ist die konsequente Frucht einer langen, ihrem Höhepunkt zustrebenden Entwicklung. Die Menschheit wendet sich immer mehr von Gott ab, Gott aber will sie nicht in ihr Verderben laufen lassen. Er sendet Seine Mutter und läßt den Menschen sagen:

"Man soll aufhören, Gott zu beleidigen, der schon zuviel beleidigt worden ist."

Gott hat noch immer Geduld und hört nicht auf zu mahnen. Auch wenn das vielen sehr unangenehm ist.

Viele machen es sich leicht und sagen: Das ist nur eine "Privatoffenbarung", und an die muß man nicht glauben. Das ist einwandfrei falsch. Sobald feststeht, daß Gott wirklich gesprochen hat und der Inhalt einer besonderen Offenbarung sich mit dem Glauben der Kirche deckt, hat niemand mehr das Recht, sich öffentlich dagegen zu stellen. Und wenn eine besondere Offenbarung, wie es bei den großen Marienerscheinungen geschehen ist, sich ausdrücklich an die Öffentlichkeit wendet, da alle Menschen zur Umkehr aufgerufen sind, ist es (zumindest latenter) Ungehorsam, eine an die ganze Weit gerichtete Botschaft des Himmels zu verschweigen. Was heißt "privat"? Gott hat immer nur zu einzelnen Menschen gesprochen, ob sie Abram, Mose, Jesaja oder Apostel Johannes heißen. War Maria nicht eine höchst "private" Person, unbekannt und unbedeutend, als der Engel zu ihr kam? Hat der Engel zu ihr nun als "Privatperson" gesprochen, so daß die an sie ergangene Offenbarung eine "Privatoffenbarung" war? Das Evangelium bildet zwar immer die Grundlage, darum überläßt die Gottesmutter auch das Schicksal ihrer eigenen Botschaften der oft recht träge und menschlich berechnend handelnden Kirche; die "Privat"-Offenbarung ist nur die Illustration und der Anstoß, neu und gründlicher über die hl. Schrift nachzudenken. Sich durch Verschweigen aus der Verantwortung stehlen zu wollen heißt, sich gegen Gott taub stellen.

Die kommunistische Revolution ist zwar in Rußland ausgebrochen, sie wurde aber in Westeuropa geboren. Bischof Fulton Sheen sagt: "Der Westen ist verantwortlich für die Philosophie des Kommunismus und in gewissem Grade für die kommunistische Revolution. In der ganzen kommunistischen Philosophie findet sich nicht eine einzige russische Idee. Sie ist in ihrem Ursprung bourgeois, westlich, materialistisch und kapitalistisch." Die Abkehr von Christus hat sich im europäischen Geistesleben verheerend ausgewirkt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse wurden verwischt, die Moral aus dem Handels- und Wirtschaftsleben ausgeschaltet, ja das Anhäufen von Reichtum sogar als Zeichen göttlichen Wohlgefallens gedeutet, so daß der Russe Berdjajew schreiben konnte: "Die Christen, die den Kommunisten Gottlosigkeit und antireligiöse Verfolgungen vorwerfen, können die Schuld an dieser atheistischen Welle nicht einzig den Kommunisten zur Last legen. Vor dem höheren Gericht können denn auch die Christen nicht als Richter und Ankläger, sondern nur als reuige Sünder erscheinen." Inzwischen hat der Westen mit der Gottlosigkeit des Ostens gleichgezogen. Hat der im Osten an die Macht gekommene dialektische Materialismus die Materie buchstäblich an die Stelle Gottes gesetzt, so hat der praktische Materialismus des Westens zur Selbstvergottung des Menschen geführt, der sein eigener Schöpfer, Herr, Gesetzgeber und Richter ist.

Die Weit ist kurzgeschlossen, die Fenster nach oben sind zu.

Um unserem Titel gerecht zu werden, nehmen wir einige grundlegende Aussagen der Fatimabotschaften und probieren sie zu deuten. Natürlich kann eine solche "Katechese" nur Anstöße zum Weiterdenken geben.

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1. Fatima ruft zum Zeugnisgeben auf

Am Morgen des 13. August lag große Spannung über den Elternhäusern von Lucia bzw. Francisco und Jacinta. Schon am Abend vorher kam das Volk aus allen Gegenden Portugals. Man hatte allen Grund dazu, denn schon meldete sich die atheistische Staatsmacht, die damals von den Freimaurern gestellt wurde, lautstark zu Wort, die im ganzen Geschehen um Fatima nichts anderes als eine Machenschaft der Kirche und des Klerus gegen die Pläne des Staates vermutete. Kurz zuvor hatte man als Staatsziel erklärt, daß in zwei Generationen der Gottesglaube in Portugal zur Gänze ausgerottet sein werde. Konfessionelle Schulen wurden gesperrt, öffentliche Gottesdienste verboten, Klöster aufgehoben. Und jetzt stand diese geballte Macht ratlos vor drei Kindern. Unter dem Vorwand, die Kinder vor dem Ortspfarrer zur Rechenschaft zu ziehen, wurden sie buchstäblich aus der Hand ihrer Eltern entführt und kurzerhand ins Gefängnis der Kreisstadt Ourem geworfen. Dort verbrachten sie die Zeit zwischen dem 13. und 15. August. Im Gefängnis selber spielten sich ergreifende Szenen ab. Lucia schreibt: "Es war die Abwesenheit der Eltern, die Jacinta am schwersten fiel. Mit tränenüberströmtem Gesicht klagte sie: » Weder deine noch meine Eltern kamen, um uns zu besuchen. Sie haben nichts mehr für uns übrig.« - » Weine nicht« , sagte Francisco zu ihr, » opfern wir es Jesus für die Sünder auf.« Augen und Hände zum Himmel gehoben, sprach er das Aufopferungsgebet: » O mein Jesus, es ist aus Liebe zu Dir und für die Bekehrung der Sünder.« Jacinta fügte hinzu: » Und auch für den Heiligen Vater und zur Wiedergutmachung der Sünden, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden.« "

Die beiden Kinder Marto wurden im Gefängnis von Lucia getrennt verhört. Als man sie wieder zusammenbrachte, drohte man ihnen, falls sie nicht zugäben, die Erscheinungen seien bloße Sinnestäuschung oder eine erfundene Lüge gewesen, sie bei lebendigem Leib zu braten. Die Kinder nahmen das Wort der Erwachsenen ernst und bereiteten sich darauf vor, bald gebraten zu werden. Jacinta hatte, trotz des Willens, für das Gesehene zu sterben, Tränen in den Augen. Lucia fragte die Kleine, warum sie weine: "Weil wir sterben werden, ohne unsere Väter und Mütter wiedergesehen zu haben", antwortete sie, "ich möchte wenigstens meine Mutter sehen!" Auf die Frage Lucias, ob sie denn nicht wirklich alles für die Bekehrung der Sünder aufopfern möchte, rief sie: "Ich will, ich will!" Und um dies zu bekräftigen, verrichtete sie sofort das Aufopferungsgebet, das sie vor einigen Minuten zusammen mit ihrem Bruder Francisco schon einmal gebetet hatte. Das Verhalten der drei Kinder machte einen gewaltigen Eindruck auf die weiteren Insassen des Gefängnisses; als die Seher den Rosenkranz zu beten begannen, betete so manch ein Insasse aus Rührung und Staunen mit.

Schließlich wurden die Kinder dennoch freigelassen. Die kirchenfeindliche Staatsmacht hatte vor drei kleinen Kindern, die sich nicht scheuten, selbst ihr Leben für ihre Überzeugung zu opfern, kapituliert. Hat Gott diese Verhöre zugelassen, damit wir nachträglich aus dem schriftlichen Zeugnis der Feinde Fatimas wissen, was damals geschah?

Zeugnis geben in unserer Welt – hier und jetzt – heißt aber auch, unbefangen und vorbehaltlos zum Lehramt der Kirche zu stehen. Es scheint in den letzten Jahren "in" geworden zu sein, sich ja nicht offen an die Seite der Kirche und des Lehramtes zu stellen, ja, selbst vor dem Heiligen Vater macht die genau so überflüssige wie lieblose Kritik keinen Halt mehr! Nehmen wir den Unglauben und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Allerheiligsten Altarsakrament hinzu, haben wir allen Grund, uns endlich offen und in absoluter Treue zum Lehramt der Kirche Christi zu bekennen. Hören wir, was die Kinder über den Heiligen Vater berichten:

An einem warmen Sommertag verbrachten die drei Kinder die Mittagsruhe am Brunnen im Hofe von Lucia. Während sich Francisco mit dem Suchen von wildem Honig in den Ginsterbüschen beschäftigte, saß Jacinta regungslos auf den Steinen des Brunnens. Plötzlich rief sie: "Habt ihr den Heiligen Vater gesehen?"

"Nein", antwortete Lucia. Jacinta berichtete daraufhin: "Ich weiß nicht, wie es kam. Ich sah den Heiligen Vater; in einem sehr großen Haus kniete er vor seinem Tisch, verbarg das Gesicht in den Händen und weinte. Draußen standen viele Leute, und einige warfen Steine nach ihm, andere beschimpften ihn und riefen häßliche Worte. Der arme Heilige Vater! Wir müssen sehr viel für ihn beten!"

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2. Himmel und Hölle

In diese sich selbst genügende Welt platzte im Mai 1917 Maria:

"Ich komme vom Himmel."

Wäre sie zu uns westlichen Aufgeklärten gekommen, hätte sie schallendes Gelächter geerntet; die Kinder aber, zu denen sie sprach, glaubten, gewannen Zutrauen und fragten: ob sie auch in den Himmel kommen. Der Himmel interessiert sie, vom Himmel möchten sie gern mehr hören. Zwei Monate später hat ihnen Maria die Hölle gezeigt. Sie

"sahen etwas wie ein großes Feuermeer, und in ihm versunken schwarze, verbrannte Wesen, Teufel und Seelen in Menschengestalt, die fast wie durchsichtige, glühende Kohlen aussahen. Sie wurden innerhalb der Flammen in die Höhe geschleudert und fielen von allen Seiten herab wie Funken bei einer großen Feuersbrunst, gewichtslos und doch nicht schwebend; - dabei stießen sie so entsetzliche Klagelaute, Schmerzens- und Verzweiflungsschreie aus",

daß die Kinder vor Grauen und Schreck zitterten, berichte Schwester Lucia. Hätte es anders sein können? Die Hölle ist schrecklich, das hat uns Jesus sehr deutlich gesagt -, dort herrscht äußerste Finsternis, Heulen und Zähneknirschen. Wenn es einen Himmel gibt, dann gibt es auch eine Hölle. Wir können uns weder den einen noch die andere vorstellen, deshalb ist es notwendig, an das eine wie an das andere erinnert zu werden. Am Ende eines jeden Menschenlebens gibt es unausweichlich nur eines - den Himmel oder die Hölle, Jesus hat darüber keinen Zweifel gelassen. Wer anderes sagt, lügt oder träumt.

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3. Engel im Dienst der Vermittlung

Wenn es den Himmel gibt, gibt es auch die Engel. Gott hat sie erschaffen, damit sie Ihn loben, Ihn anbeten, Ihm dienen. Er bestellt sie aber auch zum Dienst an uns Menschen. Sie sollen uns schützen, leiten und auf den Weg des Heiles führen. Sie stehen ganz im Dienste Gottes und kennen nichts als die vollkommene Erfüllung des göttlichen Willens.

Ein Engel hat die Kinder auf die Erscheinung der Himmelskönigin vorbereitet. Er hat ihnen gezeigt, wie man sich Gott nahen und wie man Ihn anbeten muß.

Es war zwei Jahre vorher, als die Kinder beim Schafehüten über den Bäumen freischwebend eine Gestalt sahen, die einer Statue aus Schnee glich und in der Sonne leicht durchsichtig schien. Die Erscheinung wiederholte sich einige Zeit später in genau derselben Weise. Die Kinder wußten sie nicht zu deuten. Klarheit brachte erst die dritte Erscheinung, bei der sich dieser zu erkennen gab:

"Habt keine Angst! Ich bin der Engel des Friedens."

Er zeigte sich als 14-15jährier Jüngling, weißer als Schnee, durchsichtig wie ein Kristall und von großer Schönheit. Unvermittelt ging er auf den Zweck seines Kommens ein:

"Betet mit mir!"

Dann kniete er nieder, beugte seine Stirn bis zur Erde und ließ sie dreimal das Gebet wiederholen:

"Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die nicht glauben, Dich nicht anbeten, nicht hoffen und Dich nicht lieben."

Danach erhob er sich und sagte:

"So sollt ihr beten. Die Herzen Jesu und Mariens hören auf eure Bitten."

Worte, die sich den Herzen der Kleinen unvergeßlich eingruben.

Der Engel kam wieder, diesmal zur Zeit der Mittagsruhe, als die Kinder daheim beim Brunnen spielten.

"Was macht ihr?" fragte er sie. "Betet! Betet viel! Die heiligsten Herzen Jesu und Mariens wollen euch Barmherzigkeit erweisen. Bringt ständig dem Allerhöchsten Gebete und Opfer dar." - "Wie?" - "Bringt alles, was ihr könnt, als Opfer dar, als Akt der Wiedergutmachung für die Sünden, durch die Er verletzt wird und als Bitte um die Bekehrung der Sünder. Gewinnt so für euer Vaterland den Frieden. Ich bin sein Schutzengel, der Engel Portugals. Vor allem nehmt an und tragt mit Ergebung die Leiden, die der Herr euch schicken wird."

So berichtet Schwester Lucia. Und noch einmal kam, einige Zeit später, der Engel, diesmal als die Kinder mit ihren Herden auf der Weide waren und unzählige Male, kniend, das Gesicht am Boden, das Gebet des Engels beteten. Über ihnen erschien ein unbekanntes Licht, und als sie sich aufrichteten, sahen sie den Engel. Er hatte in der linken Hand einen Kelch, über dem eine Hostie schwebte, von der einige Blutstropfen in den Kelch fielen. Er ließ den Kelch frei in der Luft schweben, kniete nieder und forderte die Kinder auf, dreimal zu beten:

"Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich opfere Euch auf den kostbaren Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Weit, zur Sühne für die Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und durch die des Unbefleckten Herzens Mariens erflehe ich von Euch die Bekehrung der armen Sünder."

Danach erhob er sich, ergriff den Kelch und die Hostie, reichte die Hostie Lucia, teilte den Kelch zwischen Jacinta und Francisco und sprach:

"Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnt ihre Sünden und tröstet euren Gott."

Hierauf kniete er wieder nieder, betete mit den Kindern neuerlich dreimal das Sühnegebet an die Allerheiligste Dreifaltigkeit und verschwand. Ein umwerfendes Ereignis, auf das Gott die Kleinen äußerlich durch die Führung des Engels und innerlich durch die Gnade vorbereitete, das die Kinder aber in bewunderungswürdiger Weise begriffen und fortan in ihrem jungen Leben in die Tat umsetzten.

Müssen wir Erwachsene uns vor dem Glauben dieser Kinder nicht schämen? Wie blind, wie dumpf, wie gleichgültig stehen wir dem Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit gegenüber! Wie wenig machen wir uns daraus, daß Gott Tag für Tag, und das in unserer nächsten Umgebung, oft und schwer beleidigt wird! Es scheint, als wäre uns der Sinn für die Heiligkeit Gottes erstorben. Der Gedanke an Sühne und Wiedergutmachung ist selbst im noch gläubigen Volk fast völlig verschwunden.

Jacintas kindlich reine Seele wurde oft in der Liebe zum göttlichen Heiland entrückt. Oft drückte sie ein Herz-Jesu-Bildchen an sich und sagte: "Ich küsse ihm das Herz, denn das habe ich am liebsten." Als Lucia ihr ein Bildchen mit dem Kelch und einer Hostie zum Krankenbett brachte, nahm sie es, küßte es und sagte freudestrahlend: "Es ist der verborgene Heiland! Ich habe ihn so gern, ich möchte ihn so sehr in der Kirche empfangen! Kommuniziert man auch im Himmel? Wenn man dort kommuniziert, gehe ich jeden Tag zur Kommunion. Wenn der Engel doch zum Krankenhaus käme, um mir wieder die hl. Kommunion zu bringen!" Wenn Lucia sie zuweilen auf dem Heimweg von der Kirche besuchte, fragte sie neugierig: "Hast du kommuniziert?" Wenn Lucia die Frage bejahte, bat sie sofort: "Komm hierher, ganz in meine Nähe, denn du hast den verborgenen Heiland in deinem Herzen!"

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4. Das Unbefleckte Herz Mariens verehren

Fatima hat nicht mit dem überwältigenden Sonnenwunder am 13. Oktober 1917 geendet, Fatima ging und geht weiter. Schon bei der zweiten Erscheinung, am 17. Juni, hatte Maria zu Lucia gesagt:

"Du bleibst noch einige Zeit hier. Jesus möchte sich deiner bedienen, damit die Menschen mich erkennen und lieben. Er möchte auf Erden die Verehrung meines Unbefleckten Herzens begründen. Mein unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird."

Einen Monat später sagte sie, traurig, doch überaus gütig:

"ihr habt die Hölle gesehen, auf welche die armen Sünder zugehen. Um sie zu retten, will der Herr die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen in der Welt einführen. Wenn man das tut, was ich euch sage, werden viele gerettet und der Friede wird kommen."

Der zweite Teil des Geheimnisses von Fatima hat seinen Ursprung ebenfalls in den abschließenden Aussagen der Höllenvision und bezieht sich auf die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens. Lucia selbst spricht der Verehrung des Unbefleckten Herzens große Gnadenwirkkraft zu, die jedem zuteil wird, der sich um das richtige Verständnis dieser Verehrung bemüht. In einem Jahrhundert, in dem die Menschen, gehetzt durch Technik und Computer, innerlich kalt und herzlos werden, in der viele Ehen zerrüttet sind und das millionenfache Weinen von Waisenkindern den Tagesablauf der Welt bestimmt, schenkt uns Maria die Wärme ihres Mutterherzens. Lucia schreibt, daß ihr die Einsicht in die Notwendigkeit dieser Verehrung durch Maria selbst gegeben wurde. Im Brief über den zweiten Teil des Geheimnisses schreibt sie an ihren Bischof, die Gottesmutter habe sie am 13. Juni wissen lassen, "sie werde mich nicht verlassen, und ihr Unbeflecktes Herz werde meine Zuflucht sein und der Weg, der mich zu Gott führen soll. Bei diesen Worten öffnete sie ihre Hände; helle Strahlen kamen daraus hervor, die sie uns in die Brust dringen ließ. Es scheint mir, daß das Licht an diesem Tag hauptsächlich den Zweck hatte, uns die Erkenntnis und die besondere Liebe zum Unbefleckten Herzen Mariens einzugießen, so wie das in den beiden anderen Fällen hinsichtlich Gottes und des Geheimnisses der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geschah, wie mir scheint." Daß es sich hier offenbar um eine "eingegossene Gabe" handelt, was man nur durch eine hohe mystische Gnade erklären kann, liegt auf der Hand.

Die Heilige Jungfrau kam wieder, als Lucia schon Postulantin bei den Dorothea-Schwestern in Pontevedra war. Sie hatte am 13. Juli 1917 angekündigt, sie werde, um den drohenden Zweiten Weltkrieg abzuwenden, kommen, um die Weihe Rußlands an ihr Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu fordern. Sie unter- scheidet die Weihe Rußlands von der Weihe einzelner Menschen und Gemeinschaften. Die Weihe Rußlands und die Einführung der Sühnesamstage muß Hand in Hand gehen. Rußland wird sich nicht bekehren, wenn sich der Westen nicht bekehrt.

Bevor Maria die Weihe Rußlands an ihr Unbeflecktes Herz gefordert hat, hat sie den Sühnesamstag mit der Sühnekommunion gefordert. Dies geschah am 1 0. Dezember 1925.

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5. Der Sühnesamstag

Lucia war in ihrer Zelle, vor ihr stand die Heilige Jungfrau und legte ihr mütterlich die Hand auf die Schulter, während sie in der anderen Hand ein von Dornen umwundenes Herz hielt. Neben ihr stand in einer leuchtenden Wolke das Jesuskind. Auf Maria deutend sagte es zu Sr. Lucia:

"Habe Mitleid mit dem Herzen deiner heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen es ständig durchbohren, ohne daß jemand einen Sühneakt leisten würde, um sie herauszuziehen."

Maria selbst sprach:

"Meine Tochter, siehe mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen durch ihre Lästerungen durchbohren. Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten, und mache bekannt, daß ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden beizustehen, die für das Heil der Seelen notwendig sind, die fünf Monate jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mit mir eine Viertelstunde verbringen, indem sie die Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten."

Gott verlangt Sühne für die Seiner Mutter zugefügten Beleidigungen, und wenn jene, die sie beleidigen - gehören vielleicht wir selbst dazu? - das ihr angetane Unrecht nicht gutmachen, dann müssen es andere an ihrer Stelle tun. Das ist ja das Wunderbare an der Gemeinschaft der Heiligen, daß einer für den anderen eintreten kann und Gott das Werk der Liebe des einen für den anderen annimmt. Jesus hat Mitleid mit Seiner Mutter, und wir sollten mit unserer Mutter - ist Seine Mutter doch auch unsere Mutter - kein Mitleid haben? Nur mißratene Kinder kümmert das Leid ihrer Mutter nicht. Auf die Frage, warum es gerade fünf Sühnesamstage sein sollen, erhielt Schwester Lucia vorn Herrn später die Antwort:

"Meine Tochter, der Grund ist einfach. Es gibt fünf Arten von Beleidigungen und Lästerungen, die gegen das unbefleckte Herz Mariens begangen werden:

1 Die Lästerungen gegen die Unbefleckte Empfängnis;

2 Die Lästerungen gegen ihre immerwährende Jungfräulichkeit;

3 Die Lästerungen gegen ihre göttliche Mutterschaft, wobei man sie zugleich als Mutter der Menschen ablehnt;

4 Die Lästerungen jener, die versuchen, in den Herzen der Kinder öffentlich die Gleichgültigkeit, Verachtung oder gar den Haß gegen die unbefleckte Mutter zu säen;

5 Die Beleidigung jener, die sie in ihren heiligen Bildern beschimpfen."

Es ist keine Frage, daß jede Beleidigung Mariens auch eine Beleidigung des Sohnes und des himmlischen Vaters ist und daß Gott es nicht zuläßt, daß Seine gebenedeite Mutter von den Menschen beiseite geschoben wird! Wer Maria Sühne leistet, versöhnt und besänftigt.

Schwer zu begreifen ist, warum dieses Gnadenangebot so wenig angenommen, ja geflissentlich überhört und verächtlich zur Seite geschoben wurde. Lauen und oberflächlichen Christen werden die Forderungen zu hoch sein. Beichten fällt heute schon "guten" Christen schwer. Und die heilige Kommunion zur Sühne für die Maria zugefügten Sünden Gott aufopfern, verlangt einen klaren Begriff von der Heiligkeit Mariens, der Abscheulichkeit der Sünde und der absoluten Unverletzlichkeit der Majestät Gottes. Täglich einen Rosenkranz beten mag viel verlangt erscheinen, zumindest denen, die keine Freunde des Rosenkranzes sind. Und eine Viertelstunde bei Maria sein, um mit ihr über die Geheimnisse des Rosenkranzes nachzudenken, fällt nur der Liebe leicht. Wem die Liebe fehlt, dem ist alles schwer. Und an der Liebe fehlt es vielen. Allzu viel redet man zur Zeit über die Liebe – aber auf dem Markt wird meistens nur darüber gesprochen, was Mangelware ist!

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6. Täglich den Rosenkranz beten

Man mag sich zuweilen fragen, warum den Rosenkranz? Und es mögen auch viele plausiblen Argumente dafür sprechen, im Grunde genommen jedoch bleibt die Antwort das Geheimnis der Gottesmutter. Viel wichtiger scheint mir an dieser Stelle der Hinweis darauf zu sein, daß es die Mutter Jesu und unsere himmlische Mutter war, die diesen Wunsch äußerte und Großes durch ihn versprach. Ziemt es sich für ein wohlerzogenes Kind nicht, den Wunsch einer Mutter zu erfüllen?

Von den drei Hirtenkindern in Fatima konnte zum Zeitpunkt der Erscheinungen noch keines lesen, sie konnten alle aber den Rosenkranz beten. Sie taten dies täglich; so auch am 13. Mai 1917. Als es Mittag wurde, unterbrachen sie ihr Spiel, knieten nieder und beteten andächtig den Rosenkranz. Im Gespräch mit der Erscheinung sagte diese Lucia auf die Frage, ob auch Francisco in den Himmel komme: Ja, auch er, aber er muß noch viele Rosenkränze beten. Zum Schluß mahnte sie:

"Betet täglich den Rosenkranz, um den Frieden der Welt und um das Ende des Krieges zu erlangen!"

Sie wiederholte die Aufforderung, täglich den Rosenkranz zu beten, bei jeder der folgenden Erscheinungen. Am 13. Oktober nannte sie sich die

"Königin des heiligen Rosenkranzes".

Täglich den Rosenkranz beten! Das fällt dem nicht schwer, der den Rosenkranz kennt, schätzt und liebt - und ihn deshalb gerne betet. Das Rosenkranzbeten muß man lernen und üben, ans Rosenkranzbeten muß man sich gewöhnen. Wer den Rosenkranz beten will, wird ganz gewiß auch die Zeit dazu finden.

Dem Teufel ist der Rosenkranz schrecklich, deshalb unternimmt er alles, um die Menschen vom Rosenkranzbeten abzuhalten. Was ist von den Gegnern des Rosenkranzes nicht alles gesagt worden! Wie werden Rosenkranzbeter bis zur Stunde oft lächerlich gemacht. Und doch sind gerade sie es, die den Mut zum öffentlichen Glaubensbekenntnis aufbringen und die Kraft haben, dem Trend zur Entchristlichung zu widerstehen. Die Gebete, aus denen sich der Rosenkranz zusammensetzt, sind die Gebete des Christen schlechthin. Das Glaubensbekenntnis bildet den Inbegriff der christlichen Wahrheiten, das Vaterunser hat uns der Herr selbst gelehrt, und das Ave Maria besteht aus dem Gruß des Engels an die Gottesmutter, aus dem Lobpreis Elisabeths und aus der gläubigen Bitte, die die Kirche auf dem Konzil von Ephesus, 431, in Abwehr der Irrlehre des Nestorius hinzugefügt hat: "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes." Schließlich der Große Lobpreis an die Allerheiligste Dreifaltigkeit: "Ehre sei dem Vater", und seit Fatima die dringliche Bitte: "0 mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden."

Schwester Lucia schreibt einer Freundin: "Das Gebet des Rosenkranzes ist jenes, das uns nach der heiligen Liturgie der Messe am meisten mit Gott vereinigt... Es führt unseren Geist auch am besten hin zu den Mysterien des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe... Der Rosenkranz ist das Gebet der Armen und der Reichen, der Gelehrten und der Unwissenden. Wer den Seelen diese Andacht wegnimmt, entzieht ihnen die tägliche geistliche Nahrung. Dieses Gebet entfacht von neuem die kleine Flamme des Glaubens, die in vielen Seelen nicht ganz erloschen ist. Dies geschieht sogar bei denen, die den Rosenkranz nicht betrachtend beten. Allein die Tatsache, daß sie den Rosenkranz zur Hand nehmen, ist schon eine Erinnerung an Gott, an das Übernatürliche. Die einfache Erinnerung an das Geheimnis bei jedem Gesätzchen ist mehr als ein Lichtstrahl, der in den Seelen den glimmenden Docht am Leben erhält. Das ist der Grund, weshalb der Teufel das Rosenkranzgebet so sehr bekämpft." Soweit Sr. Lucia.

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7. Der hl. Josef mit dem Jesuskind

Die Seher selbst bemerkten bei der Erscheinung vom 13. Oktober kaum etwas von dem, was um sie herum geschah. Noch schauten sie der im Horizont verschwindenden Lichtflut nach, in der die Gottesmutter in den Himmel verschwand, als ihnen plötzlich weitere Schauungen zuteil wurden. Lucia beschreibt das Folgende mit sehr einfachen, schlichten Worten als ein unvergeßliches, eindrückliches Erlebnis und bemerkt dazu, daß sie, um alles richtig zu beschreiben, keine passenden menschlichen Worte fände.

"Nachdem Unsere Liebe Frau in der unendlichen Ferne des Firmaments verschwunden war, sahen wir dann zur Seite der Sonne den heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau in Weiß gekleidet mit einem blauen Mantel. Der heilige Josef mit dem Jesuskind schien die Welt mit einer Handbewegung in Kreuzesform zu segnen. Kurz darauf verschwand die Erscheinung."

Die Gottesmutter hatte schon in der Erscheinung vom September angedeutet, daß sie im Oktober nicht allein kommen werde. Als erstes sah Lucia den hl. Josef, der seinen Segen der Welt spendet. Dies darf als Hinweis gewertet werden, daß die Familie in dem eben begonnenen Jahrhundert schwerwiegenden Belastungsproben ausgesetzt sein werde. Fatima zeigt hier einen Weg auf, wie die Familien aus der Krise kommen können: Die demütige Bescheidenheit, mit der der hl. Josef seinerzeit den Willen Gottes ohne große Nachforschungen erfüllte, ist, bei näherem Hinsehen, genau der Gegenpol jenes Familienbildes, in dem jeder nur auf seine Freiheit, seine zu erreichenden Ziele, seine Ideale pocht und vielfach Partner und Kinder auf der Strecke - von Streit, Zwietracht und Auseinandergehen - bleiben. Der hl. Josef hat unserer heutigen Welt, gerade im Hinblick auf die Familie, einiges zu sagen!

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8. Selbstüberwindung und Opfer nicht scheuen

So wenig wie sich Jesus zum Spaß hat kreuzigen lassen, so wenig kommt Maria vom Himmel, um mit den Kindern zu scherzen. Sie ist unsagbar schön, sie ist voll Herablassung, Güte und mütterlicher Liebe, sie ist aber bei jeder Erscheinung in Fatima ernst. Ernst ist auch ihre Botschaft. Die Beleidigungen, die Gott von den Menschen ununterbrochen - und wie es scheint, in steigendem Maße - zugefügt werden, rufen nach Wiedergutmachung und Sühne. Deshalb schon bei der ersten Erscheinung ihre Bitte an die Kinder:

"Wollt ihr euch Gott schenken, bereit, jedes Opfer zu bringen und jedes Leiden anzunehmen, das Er euch schicken wird, als Sühne für die vielen Sünden, durch die die göttliche Majestät beleidigt wird, um die Bekehrung der Sünder, von denen so viele auf die Hölle zueilen, zu erlangen, und als Genugtuung für die Flüche und alle übrigen Beleidigungen, die dem Unbefleckten Herzen Mariens zugefügt werden?"

Die unschuldigen Kleinen haben der Bitte der Gottesmutter in großartiger Weise entsprochen. Sie ermunterten sich gegenseitig zu heroischen Werken der Selbstverleugnung und Abtötung. Eines Tages fragt Lucia Francisco: "Was wäre dir lieber: den Heiland zu trösten oder die Sünder zu bekehren, damit keine Seelen mehr in die Hölle kommen?" - "Ich möchte lieber den Heiland trösten", gab dieser zur Antwort. "Hast du nicht bemerkt, wie traurig die Madonna im letzten Monat war, als sie sagte, wir sollten den Heiland nicht mehr beleidigen, der schon zuviel beleidigt wurde? Ich möchte erst den Heiland trösten und dann die Sünder bekehren, damit sie Ihn nicht mehr beleidigen."

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9. Sich Maria weihen

Sich weihen heißt, sich in besonderer Weise in den Dienst Gottes stellen, sich Gott übergeben. Wenn wir uns Maria weihen, dann ist nicht Maria der letzte Sinn und Zweck dieser Weihe, sondern Gott. Er hat uns geschaffen, Ihm gehören wir, Ihm müssen wir dienen. Sinn und Zweck der Marienweihe ist es, mit und durch Maria Jesus Christus vollkommener zu gehören und durch Ihn Gott mehr zu verherrlichen. Es ist daher recht und gut, sich Maria zu übergeben, damit sie uns führe und forme und unser der Sünde zugeneigtes Herz nach ihrem heiligen, gottentflammten Herzen bilde. Indem wir uns Maria weihen, räumen wir ihr über unser Leben das Verfügungsrecht ein; sie darf - mit unserer Zustimmung - unser Leben bestimmen. Dazu hat sie als Gottesmutter und Gefährtin des Erlösers, als immerwährende Braut des Heiligen Geistes, als Mutter der Kirche und jedes einzelnen ihrer Glieder von Gott das Recht und die Vollmacht erhalten. Die Weihe ans Unbefleckte Herz Mariens ist eine Huldigung an die Gottesmutter und eine Gott überaus wohlgefällige Bitte an sie, unser zur Unbeständigkeit und Untreue geneigtes Herz ihrem ganz Gott hingegebenen sündelosen Herzen ähnlich zu machen. Ein Leben, das ganz in die Hände Mariens gelegt und im Herzen Mariens gelebt wird, verherrlicht Gott und bringt reiche Frucht für die Ewigkeit.

Der Teufel wütet wie nie zuvor. Maria hat uns ausdrücklich davor in Marienfried gewarnt: "Der Teufel wird solche Macht nach außen bekommen, daß alle, die nicht fest in mir gegründet sind, sich täuschen lassen... Der Teufel wird die Menschen so blenden, daß er auch die Besten zu täuschen und auf seine Seite zu ziehen. versteht... Überall dort, wo die Menschen nicht auf mein Unbeflecktes Herz vertrauen, hat der Teufel Macht." Eine Prophezeiung, die in unseren Tagen bereits in erschreckendem Maße in Erfüllung gegangen ist.

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10. Die Weihe Rußlands

Gleich zu Beginn der Erscheinungen hat Maria angekündigt, daß sie kommen und bitten werde, Rußland ihrem Unbefleckten Herzen zu weihen. Wenn man ihre Bitten erfüllt, "wird Rußland sich bekehren und es wird Friede sein". Zwölf Jahre später war es soweit. Am 13. Juni 1929 sprach Maria zu Schwester Lucia in Tuy:

"Die Zeit ist gekommen, wo Gott den Heiligen Vater bittet, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Weit die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz vorzunehmen, wobei Er verspricht, es durch dieses Mittel zu retten."

Leider ist man auf diese Forderung des Himmels nicht eingegangen. Es kam der Zweite Weltkrieg mit all seinen Gräueln, und "Rußland", darunter ist der Atheismus zu verstehen, der dank des kommunistischen Regimes innerhalb menschlicher Grenzen zur Reife gelangen konnte, hat, wie vorausgesagt, seine Irrtümer in der ganzen Welt verbreitet, eine Kirchenverfolgung ungeheuren Ausmaßes hervorgerufen, und der Papst ist zunehmend in Bedrängnis geraten. Pius XII. hat am 31. Dezember 1942, als der Zweite Weltkrieg seinen Höhepunkt erreichte, die Weihe vollzogen, leider nicht in der von Gott gewünschten Form; er weihte nicht Rußland, sondern das Menschengeschlecht dem Unbefleckten Herzen Mariens, und zwar ohne die geforderte Einbindung der Bischöfe. Dies tat erst Johannes Paul II. 1982 in Fatima und 1984 in Rom. Nach den Aussagen Lucias entsprach diese Weihe den gestellten Bedingungen; trotzdem muß man sich fragen, ob dieses für die ganze Welt so entscheidende Ereignis nicht eine größere Öffentlichkeit erfordert hätte. Vom Vollzug der Weihe durch den Papst hat die Welt sozusagen nur am Rande erfahren, und vom Mitvollzug der Bischöfe soviel wie gar nichts. Durch einen feierlichen, in aller Öffentlichkeit vollzogenen Weiheakt wäre Gott zweifellos größere Ehre erwiesen worden und die inzwischen eingeleitete aber noch längst nicht vollzogene Bekehrung Rußlands wäre zweifellos überzeugender ausgefallen. Rußland ist Muttergottesland; davon zeugen die unzähligen Ikonen, die Hymnen und die Weihe des Landes an die Muttergottes durch den Fürsten Andrey Bogoljubskij im 12. Jahrhundert. Dimitrij von Rostov spricht aus, was der gläubige Russe von der heiligen Gottesgebärerin denkt: "Wenn mich jemand fragte, was die stärkste Macht im Weltall sei, würde ich antworten: nach Unserem Herrn ist niemand mächtiger als unsere reinste Herrin und Gottesmutter, die Immerjungfrau Maria. Denn sie kann durch ihre Bitten selbst Gott überreden. Gott, den sie einst in Windeln hüllte, Ihn hüllt sie jetzt in ihre Gebete ein." Der "Kirchenbote" des Moskauer Patriarchats vom 1. August 1990 sprach die Hoffnung auf eine religiöse Neugeburt Rußlands aus: "Es wird eine Zeit kommen, daß unser Land wieder ein Heiliges Rußland sein wird."

Inzwischen ist die Botschaft der Fatimamadonna auch nach Rußland gedrungen und in Ufa im Ural ist die Errichtung eines Fatimaheiligtums im Gange. Doch der Weg bis zur endgültigen Bekehrung Rußlands ist noch weit. Die Lage im Land ist angespannt. Atheismus und Bekehrung ringen miteinander einen erbitterten Kampf. Der Westen ist für den Osten keine Hoffnung: Ex Oriente lux und Ex Occidente Luxus. Der Kommunismus, umarmt vom Faschismus, ist wieder im Vormarsch. "Ja, der kommt", kann man hören. In Mittel- und Osteuropa ist die Lage ähnlich.

In der Höllenvision sind verschiedene Aussagen, was die Zukunft betrifft, gemacht. So die Möglichkeit eines zweiten, noch schlimmeren Krieges, als es dies der erste Weltkrieg war. Ferner die Ankündigung, wiederzukommen und zweierlei zu verlangen: die Weihe Rußlands an ihr Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats. "Wenn man auf meine Worte hört, wird Rußland sich bekehren und es wird Friede sein; wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören; die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden." Nimmt man diese Sätze einzeln, so fällt auf, daß die Gottesmutter den Sieg des Glaubens über den Atheismus (was wohl unter "Rußland" zu verstehen ist) an die Weihe Rußlands durch die Kirche bindet. Dem fügt sie noch ein Gnadenmittel hinzu: die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats. Doch Gott zwingt nicht - er will uns gewinnen! Deshalb fügt die Gottesmutter hinzu: "wenn nicht..."

Nun, der Staatsatheismus Rußlands ist seit einiger Zeit nur noch Geschichte. Eine tiefere Betrachtungsweise jedoch sagt uns, daß dies notwendigerweise so kommen musste für den Fall, daß der Ruf der Gottesmutter zu Buße, Sühne, Rosenkranzgebet und Umkehr nicht gehört und befolgt wird. Hätte sich Rußland bekehrt im Sinne des Wunsches der Gottesmutter, wäre eine scheinbare Selbstauflösung des Kommunismus nicht notwendig gewesen; die Gnade hätte die Menschen umwandeln können. Ich sagte "scheinbare", denn tatsächlich sind weder der Kommunismus noch seine Ideale überwunden. Unter den verschiedensten neuen, noch nicht gebrandmarkten Namen tauchen dieselben Ideale heute weltweit auf; ja selbst im christlichen Abendland, das sich zunehmend seiner Gottlosigkeit rühmt ("säkularisierte Gesellschaft"), dringen die von jener atheistischen Ideologie verbreiteten Auffassungen in Leben und Umwelt ein und führen so, ungestört durch eine sichtbare, für ihre Verbreitung eher hinderliche Weltmacht, ihr schreckliches, seelenzersetzendes Werk fort. Nur durch eine "scheinbare" Auflösung der konzentrierten und faßbaren atheistischen Gewalt, durch das Sprengen der engen nationalen Grenzen eines Gemeinwesens konnten die atheistischen Irrlehren "Rußlands der ganzen Welt" aufgetischt werden.

"...wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die ganze Welt verbreiten..."

Außerordentlich wichtig scheint mir dabei die richtige Interpretation des Wortes "Rußland" zu sein! Mit Sicherheit geht es hier nicht um "Rußland" als Staat, der sich die ganze Welt etwa militärisch unterwerfen wird, sondern um die in "Rußland" entwickelten atheistischen Ideale und Wertvorstellungen, die ohne Buße und Sühne die Grenzen dieses einen Landes (der ehemaligen Sowjetunion) sprengen werden, um sich ungehindert auf der ganzen Welt verbreiten zu können. Wir sind in unseren Tagen also nicht Zeugen der Auflösung des Staatsatheismus ("Rußland"), sondern der weltweiten hemmungslosen Verbreitung der von ihm verkündeten Irrlehren! Dies wurde in Fatima vorausgesagt für den Fall der Nichtbeachtung der Wünsche der Gottesmutter. Seit Fatima wird keiner mehr sagen können, er habe "es nicht gewußt...", wie dies am Ende des 2. Weltkrieges der Fall war... Bleibt uns nur zu hoffen, daß die anschließende Prophezeiung der Gottesmutter, wonach diese Irrlehren "...Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören..." werden, durch das Gebet des Rosenkranzes, durch Umkehr, Buße und Sühne abgemildert oder gar abgewendet werden kann.

Bedingungslos hingegen steht der Abschlusssatz der Höllenvision: "Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!" Er gibt uns Mut, den von der Gottesmutter eindeutig angekündigten Ereignissen hoffnungsvoll in die Augen zu schauen.

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Tun, was Maria sagt

Probieren wir aus diesen 10 angedeuteten "Katechese-Themen" die Konsequenz zu ziehen und fassen wir kurz zusammen, was der Himmel in Fatima von uns fordert.

Die Lage ist ernst, weil die Christen auf Maria, und damit auf Gott, nicht gehört haben. Es ist schon spät, und die mütterlich angemahnte Umkehr duldet keinen Aufschub. Daher halten wir die folgenden sieben Konsequenzen als äußerst dringlich:

  1. Gott wieder die Ehre geben. Nicht irgendeinem "Gott", sondern dem Einen und Dreifaltigen, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat.

  2. Jesus Christus in Seiner Kirche als den einzigen Erlöser annehmen. Er ist für uns Mensch geworden und hat sich für uns kreuzigen lassen. Er hat der Kirche Seine Lehre und Seine Sakramente übergeben; Ihm müssen wir vor allem im Allerheiligsten Sakrament des Altares die schuldige Anbetung und Ehre erweisen.
  3. Die Sünde ernst nehmen und wie Aids fliehen. Sie schmerzt Gott und tötet den Sünder. "Man soll den Herrn, unseren Gott, der schon zuviel beleidigt worden ist, nicht mehr beleidigen."
  4. Auch Maria die Ehre geben und tun, was sie sagt. Sie ist die Gottesmutter und spricht im Auftrag Gottes. Gott läßt die Mutter Seines Sohnes nicht abweisen und verhöhnen.
  5. Ihr Unbeflecktes Herz verehren und die ihr angetane Schmach gutzumachen suchen. Gott verlangt das von uns. "So viele Seelen werden von der Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden, die gegen mich begangen werden, verdammt, so daß ich komme, um Sühne zu bitten. Opfere dich für diese Meinung und bete."
  6. Täglich den Rosenkranz beten. Ohne Gebet schenkt uns Gott nicht die Gnade, christlich leben zu können; am wenigsten in einer Welt, in der Gott zum Fremden geworden ist. Er will sie uns aber durch die Vermittlung Mariens schenken, damit sie als Mutter Seines Sohnes und treue Gehilfin beim Werk der Erlösung von allen anerkannt und geehrt werde.
  7. Für die Bekehrung Rußlands, das heißt des Atheismus, der Gottlosigkeit, der gottfernen Menschen nicht aufhören zu beten. Bevor sich die Atheisten nicht bekehrt haben, sondern munter weiterbauen an einer "säkularisierten", von Gott getrennten, "wertefreien" Welt, wird es in der Welt keinen Friede geben. Ein Frieden ohne Gott gleicht der Stille des Friedhofs und entartet unausweichlich in den grausamsten Diktaturen. Das sollte die Menschheit aus der eigenen Geschichte schon gelernt haben! Den Frieden hat Gott in die Hände Mariens gelegt, und von ihr müssen ihn die Menschen erbitten. Wenn wir tun, was Maria sagt, wird das irdische Leben wieder schön und uns das ewige Leben im Himmel gewiß sein.

 

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Das 3. Geheimnis von Fatima aus soteriologischer und

eschatologischer Sicht

 

1. Prophetie der Zeitenwende

 

Die Fatima-Botschaft ist zweifelsohne eine prophetisch-apokalyptische Botschaft, die am Ende einer Zeit anzusiedeln ist. Die hl. Schrift kennt ein solches Zeitenende (vgl. Mt 25), in dessen Zentrum die Wiederkunft des Erlösers in Herrlichkeit steht, nachdem sein erstes Kommen im Zeichen der Sühne und Wiedergutmachung für alle Menschen stand.

Darüber hat Papst Johannes Paul II. mehrmals gesprochen, z. B. beim Angelus am 3. Dezember 1995: „Die liturgische Zeit des Advents bereitet uns auf die Feier der Menschwerdung des Sohnes Gottes vor, während sie uns erinnert, dass Er jeden Tag in unser Leben kommt und am Ende der Zeiten in Herrlichkeit zurückkehren wird. Diese Gewissheit bewirkt, dass wir mit Vertrauen in die Zukunft schauen" (Insegnamenti 1995,2,1307). Es geht somit hier um eine Gewissheit des Glaubens, jenseits jeder oberflächlichen Annahme, was uns ermutigt, mit Vertrauen in die Zukunft zu schauen.

Christus wird überall sein herrliches Reich errichten, in der ganzen Welt. In diesem großartigen Rahmen erschließt sich uns auch eine Gesamtsicht sowohl der Geheimnisse als auch der Rolle von Fatima und der Botschaft der Gottesmutter im Leben der Kirche.

Nach seiner Wallfahrt nach Fatima sagte Johannes Paul II. am 15. Mai 1991: „Die Botschaft Mariens in Fatima kann man mit diesen ernsten und klaren Worten Christi zusammenfassen: „Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15). (Insegnamenti 1991,1,1247). Und am 13. Mai des Jubiläumsjahres 2000 erklärte der Papst: „Nach dem göttlichen Plan ist eine Frau, mit der Sonne bekleidet, vom Himmel auf die Erde herabgekommen." Es ist der göttliche Plan der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit und damit auch die Wiederherstellung von allen Dingen, insbesondere des glorreichen Reiches Christi in der Welt.

Vor dem öffentlichen Auftritt Jesu Christi kam Johannes der Täufer, und verkündete die Buße und Umkehr dem ganzen auserwählten Volk, in gewissem Sinne auch den Heiden. Nach dem göttlichen Plan ist die Muttergottes in Fatima auf die Erde herabgestiegen, um das „neue Israel", die Kirche, das pilgernde Volk Gottes, den mystischen Leib Christi auf die Ankunft des Herrn vorzubereiten.

Am 13. Mai 1982, ein Jahr nach dem Attentat auf ihn auf dem Perstesplatz, sagte der Papst in Fatima: „Die Botschaft der Frau von Fatima, so mütterlich sie auch ist, ist zugleich stark und entschlossen. Sie scheint streng. Es ist so, wie wenn Johannes der Täufer am Ufer des Jordans gesprochen hätte. Sie lädt zur Buße ein. Macht aufmerksam. Ruft zum Gebet" (Insegnamenti 1982,2,1582). Nicht ein Prophet, oder gar mehrere Propheten wie im Alten Bunde, führen in die Vorbereitung der biblisch versprochenen Wiederkunft Christi ein; die Muttergottes selbst erhielt diese Sendung von der Heiligen Dreieinigkeit, die Kirche, und in gewissem Sinn auch die Menschheit, auf die Ankunft des Herrn in Herrlichkeit vorzubereiten. Von Menschen zwar schwer zu verstehen ist dennoch dies der göttliche Plan, von dem der Hl. Vater redet. Maria ist so die Prophetin der Zeitenwende geworden. Kardinal Ratzinger hat am 26. Juni 2000 bei der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses die Worte gesagt: Fatima ist die prophetischste aller Botschaften.

 

Das dritte Geheimnis

In diesem großartigen Rahmen findet das dritte Geheimnis von Fatima seinen Platz und seine Erklärung. Der dritte Teil des einen Fatima-Geheimnisses wurde am 26. Juni 2000 vom Heiligen Vater veröffentlicht; Kardinal Ratzinger kommentierte es. Er nannte seinen Kommentar den „Versuch einer Auslegung des Geheimnisses von Fatima". In der Pressekonferenz betonte Kardinal Ratzinger ausdrücklich, dass der Heilige Stuhl diese Interpretation auf keinen Fall aufzuzwingen beabsichtigt. Es ist den Spezialisten erlaubt, diese Auslegungsversuch weiter zu vertiefen oder sogar andere Auslegungsperspektiven zu eröffnen. Schwester Lucia erklärte hinsichtlich des dritten Geheimnisses: „Ich habe das geschrieben, was ich gesehen habe. Mir steht die Deutung nicht zu, sondern dem Papst."

Der Weisung von Schwester Lucia zu folgen scheint mir richtig, weil der jetzige Papst ein Zeuge von Fatima ist, und er wurde vom Heiligen Geist am tiefsten in die Botschaft von Fatima eingeführt. Schliesslich kann von ihm gesagt werden, der Papst des dritten Geheimnisses zu sein. Das bestätigte er selbst in Fatima am 13. Mai 2000, indem er nach deren Seligsprechung der seligen Jacinta dankte für ihre Gebete für den Heiligen Vater. Jacinta sah den Papst in einer Vision, wie er viel zu leiden hatte. Zum 13. Mai 1991 sagte die himmlische Mutter im „Blauen Buch* (der Marianischen Priesterbewegegung – wir berichteten darüber in der letzten Ausgabe): „ Heute bestätige ich euch, dass dieser der Papst meines Geheimnisses ist, der Papst, über den ich zu den Kindern während der Erscheinungen gesprochen habe, der Papst meiner Liebe und meines Schmerzes. "

Zurück aus Fatima, erklärte der Papst bei der Generalaudienz am 17. Mai 2000: „Da mir die Zeit nun reif schien, hielt ich es für angebracht, den Inhalt des sogenannten dritten Teiles des Geheimnisses an die Öffentlichkeit zu bringen." Was bedeutet das: „Die Zeit ist reif?" Wenn wir einen Weingarten besuchen - wann ist die Zeit reif? Wenn die Weintrauben reif sind. Dann ist die volle Verwirklichung der Reben gekommen. Dann ist die Zeit reif. Es kommt die Zeit der Weinlese. Das ist dir eigentliche Reife der Zeit.

Jetzt ist das dritte Geheimnis bekannt. Nun meine Frage: „Hat Johannes Paul II. dieses Geheimnis erklärt?" Und die Antwort ist: „Ja." Das hat er gemacht und zwar hauptsächlich bei den ersten zwei Besuchen in Fatima. Und dann auch noch etwas beim dritten Besuch in Fatima. Auch den Brief vom 1. Oktober 1997 an den Bischof von Leiria­Fatima können wir dazuzählen.

 

2. Das Spiel des Drachen

 

Die Vision der Kinder am 13. Juli 1917 besteht in der Offenbarung des dritten Geheimnisses. Sie sahen im Spiegel der Ewigkeit, also im Spiegel des ewigen Gottes, zukünftiges Geschehen. Der hl. Gregor von Nyssa, ein Kirchenvater aus dem 4. Jahrhundert, präzisiert: „In der Ewigkeit Gottes sind alle Ereignisse der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft gegenwärtig." Sicher, Gott ist nicht der Vergangenheit oder der Zukunft unterworfen, er ist ewig.

In der Mitte der Vision über das 3. Geheimnis erhebt sich der Kalvarienberg, auf den der Papst, die Bischöfe, Priester, Ordensleute, Laien hinaufsteigen. Ein steiler Weg, ein Kreuzweg. Am 13. Mai 2000 sprach der Papst in Fatima vom „Spiel des Drachen" mit der Menschheit, mit den Christen, und dass er „mit seinem Schwanz ein Drittel der Sterne vom Himmel fegte und sie auf die Erde herabwarf" (vgl. Offb 12,4). Das letzte Ziel des Menschen ist der Himmel, seine wahre Wohnung, wo der himmlische Vater in seiner barmherzigen Liebe auf alle wartet. Das ist also Ziel und Sinn des Lebens für alle Menschen. Dieser Wirklichkeit entgegengesetzt entwickelt sich – man könnte es so nennen - das „Spiel des Drachen".

In seiner Ansprache vom 13. Mai 82 in Fatima gab Johannes Paul II. erklärende Hinweise zum *Spiel des Drachen" im 20. Jahrhundert. Dieses Spiel hat mehrere Aspekte: „Was ganz dem Weg des Menschen zu Gott entgegengesetzt ist, ist die Sünde, das Verbleiben in der Sünde, und schliesslich die Leugnung Gottes. Das programmatische Wegwischen Gottes aus der menschlichen Gedankenwelt. Die Trennung der ganzen irdischen Tätigkeit des Menschen von ihm. Das ewige Heil des Menschen ist tatsächlich nur in Gott. Die Verleugnung Gottes durch den Menschen, wenn sie endgültig wird, führt logisch zur Verwerfung des Menschen durch Gott - zur Verdammung. (Vgl. Mt 7,23: „Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!" Und Mt 10,33: „Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen). (Insegnamenti 1982,2,1581).

Hier wird klar ersichtlich, was das eigentliche das letzte Ziel des Spieles des Drachen bezweckt: Die ewige Verdammnis der Seelen. Liegt darin der Schlüssel zum Verständnis dessen, warum diese gerade dieses letzte Ziel des Drachen – die Verdammnis - im 20. Jahrhundert immer wieder geleugnet wurde? War die Aussage so mancher Theologen Teil dieses hinterhältigen Spiels, die behauptete: „Die Hölle ist leer, den Teufel gibt es nicht?" Das ist das Spiel des Drachen: „Die Hölle ist leer, niemand wird verdammt". Aber die Heilige Schrift, die göttliche Offenbarung, redet ganz andere Worte. Und auch der Papst. Das „Spiel" geht in unseren Tagen weiter: Der Bau einer Welt, einer Zivilisation ohne Gott und als ob es kein Kreuz auf Golgotha gäbe. Die Betonung der Ewigkeit ist fast verschwunden durch das Spiel des Drachen. Ein Christentum ohne Kreuz, ohne Kalvarienberg, ohne Buße, ohne Gebet, ohne Selbstabtötung... Und darum auch ohne Auferstehung und ohne Himmel. Die Menschen wollen sich den Himmel schon hier auf Erden bauen. Darauf aufbauend – das Fundament haben die Theologen selbst gelegt – vollendet die Säkularisierung ihr Werk: keine Hölle, dann auch kein Himmel; der Mensch: ein hochentwickeltes Tier, dem auf Erden ein materialistisches Paradies aufgebaut werden muss; Tierschutz geht vor Seelenheil, da es diese nicht gibt. Das ist das Spiel des Drachen.

Johannes Paul ll. konstatierte in Fatima am 13. Mai 1982, dass „viele Menschen und viele Gesellschaften, viele Christen, in die Gegenrichtung von der Botschaft von Fatima gegangen sind. (...) Das Zusammenbrechen der Sitten bringt das Zusammenbrechen der Gesellschaft mit sich" (Insegnamenti 1982,2,1584. 1582). „Die Sünde dieses (20.) Jahrhunderts ist der Verlust des Sündenbewußtseins" (Betrachtung beim Kreuzweg am Kolosseum in Rom, 28. 3.1986.1,879). Davor warnte schon früher Papst Pius XII.

 

Die Folgen des Spiels

Das ist das Spiel des Drachen mit dem Menschen und mit der Menschheit, mit den Nationen. In ihm offenbart der Drache seine große Macht, seine außerordentlich listige Macht. Die Folgen des Spieles zeigt die Vision der Hölle auf. Die drei Hirtenkinder von Fatima, Lucia, Francisco und Jacinta, haben die Hölle geschaut und viele Seelen in der Hölle. Die Leute laufen sozusagen in Richtung Hölle.

Dann gibt es auch die irdischen Folgen des Spieles des Drachen, wie zum Beispiel zwei Weltkriege, Konzentrationslager, Gulags, Kriegsgeschehen ohne Unterbruch, ethnische Säuberungen, Verfolgungen, Terrorismus, Drogen, Attentate gegen das Leben von Anfang an, Zerstörung der Familie, weil Sakramente nicht mehr beachtet werden (was nicht zuletzt als eine Spätfrucht der Verwerfung der Sakramente durch den Protestantismus angesehen werden darf), schliesslich die ständige Bedrohung der Selbstzerstörung der Menschheit. Die Liste könnte beliebig weitergeführt werden

Am 13. Mai 1982 und am 13. Mai 1991 betonte der Papst in seiner Ansprache in Fatima:

Das Kreuz Christi auf dem Kalvarienberg steht im Zentrum der Heilsgeschichte aller Zeiten, also auch des 20. Jahrhunderts. Unter dem Kreuz steht die Muttergottes. Ganz besonders sicher in diesem 20. Jahrhundert, weil ja da das Spiel des Drachen besonders schrecklich und hinterlistig ist. Sie ist die Mutter aller Menschen und Nationen. Sie sieht das Spiel des Drachen. Und sie kämpft gegen den ihn. „Frau, siehe dein Sohn." Sie ist besorgt um das ewige Heil der Menschen, der Nationen. Sie umarmt mit mütterlicher Liebe die Menschen dieses Jahrhunderts. Den Wert eines Menschen vor Gott kann man daran ablesen, dass der ewige Sohn Gottes selbst Mensch geworden ist und für die Rettung des Menschen am Kreuze starb. Ob der Mensch sich dessen noch voll bewusst ist?

 

Der Aufstieg zum Berg

Das 20. Jahrhundert wurde zum Schauplatz des großen Kampfes zwischen Christus und dem Antichrist, zwischen „der Frau, die mit der Sonne bekleidet ist", und dem Drachen, zwischen der Stadt Gottes und der Stadt Babylon. In diesem Kampf steigen die treuen Christen auf den Kalvarienberg. Das sind die Märtyrer des 20. Jahrhunderts und andere treue Christen. Wir wissen, dass es im 20. Jahrhundert mehr Märtyrer des Glaubens gab, als in jedem Jahrhundert zuvor, ja sogar mehr, als in den ersten drei Jahrhunderten der römischen Christenverfolgung.

Die Christen steigen auf den Kalvarienberg. Eine besondere Hilfe Gottes, eine unermessliche Gnade begleitet sie: Die Frau, mit der Sonne bekleidet (13. Oktober 1917), ist in Fatima erschienen, um allen auf dem Weg des ewigen Heiles zu helfen, das einzig in Christus, dem Gekreuzigten ist. Nur er ist das Heil mit seinem Kreuz, es gibt keinen anderen Weg des Heiles. Doch dieser Weg muss erkämpft, erklommen werden, denn der Kampf ist schrecklich. Die Verführungen des materialistischen Paradieses sind teuflisch und verlockend. Wir brauchen zu unserer eigenen Sicherheit beim Aufstieg auf den Berg eine besondere Zufluchtsstätte, und Gott hat sie uns in Fatima gegeben: Das Unbefleckte Herz Mariens. Nicht von ungefähr gehört dieses Gnadengeschenk zum zweiten Teil des Geheimnisses von Fatima. Tritt der dritte Teil erst ein, ist gerade dieser zweite Teil jener Zufluchtsort, ohne den wir „den Berg" nicht besteigen können.

 

3. Das dritte Geheimnis findet seine Erfüllung in der Marienweihe

 

„Frau, siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter! (Joh 19,26.27). Das Heiligtum von Fatima ist ein auserkorener Ort; mit einem besonderen Wert ausgestattet. Fatima hat in sich eine bedeutende Botschaft für die Epoche, in der wir leben. Es ist so, wie wenn hier am Anfang unseres Jahrhunderts die auf Golgotha ausgesprochenen Worte mit einem neuen Widerhall ertönt wären" (Johannes Paul II., Ansprache in Fatima, 13.5.1991,1,1233).

In dem apokalyptischen Kampf zwischen der Frau, die mit der Sonne bekleidet ist, und dem Drachen (vgl. Offb 12,13) steigt das verfolgte treue Volk Gottes in die Höhen des Kalvarienberges und erlebt so seine Kreuzigung. Es ist dies rein äusserlich gesehen eine menschliche, im Wesentlichen aber vor allem eine große göttliche Prüfung. In ihr will Gott die Kirche und die Menschheit durch ein außerordentliches Eingreifen des Unbefleckten Herzen Mariens reinigen, retten und auf die Wiederkunft in Herrlichkeit ihres göttlichen Sohnes vorbereiten.

Darum verlangt Gott (nicht Maria) die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz. Diese Weihe ist eine besondere Aktualisierung der Worte des gekreuzigten Christus an den Jünger Johannes, der die Kirche und die Menschheit auf Golgotha repräsentiert: „Siehe, deine Mutter" (Joh 19,27). Auf dem Gipfel des Kalvarienberges steht und leidet die Muttergottes mit ihrem gekreuzigten Sohn Jesus als Mutter der Kirche und der Menschheit. Und sie stellt sich ganz besonders am Ende des zweiten christlichen Jahrtausends erneut unter dasselbe Kreuz, um die Menschheit erneut als Mutter entgegen zu nehmen. Es sollte daher kein Mensch ohne die Marienweihe bleiben.

Johannes Paul II. in Fatima am 13.5.1982: „Die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, bedeutet, sich durch die Fürbitte der Mutter der Quelle des Lebens selbst zu nahen, die sich auf Golgotha öffnete. Aus dieser Quelle strömen ununterbrochen die Erlösung und die Gnade. (...). Die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, bedeutet, unter das Kreuz des Sohnes zurückzukehren. Noch mehr: Es bedeutet, diese Welt dem durchbohrten Herzen des Heilandes zu weihen, und sie so wieder zur Quelle ihrer Erlösung zu bringen. Die Erlösung ist immer größer als die Sünde des Menschen und die ,Sünde der Welt'. Die Kraft der Erlösung übersteigt unendlich die ganze Bandbreite des Bösen, das im Menschen und in der Welt ist" (Insegnamenti 1982,2,1582).

Durch die Weihe an das Unbefleckte Herz der geistlichen Mutter Maria ergiessen sich Ströme der übergroßen Gnade Christi auf die Kirche und Menschheit in dieser apokalyptischen Bedrängnis, in der die Bandbreite des Bösen außerordentlich gross und intensiv ist.

Das dritte Geheimnis zeigt zuerst den Engel mit dem Feuerschwert. Seine Flammen sollten die Welt anzünden. Und er ruft der Erde zu: „Buße, Buße, Buße!"

Das ist die grundlegende Aussage von Fatima von Anfang an. In der Perspektive der Abwehr des Flammenschwertes befindet sich Unsere Liebe Frau, die die Strafe mit ihrer Hand zurückhält. Gelingt es dem Menschen nicht, aus eigenem Entschluss und mittels seines freien Willens, die Umkehr zu Gott zu bewerkstelligen, wird auch die Gottesmutter keine Macht über das angedrohte Flammenschwert haben; Kriege, die Verbreitung des Atheismus, Verfolgung der Kirche sind die Folgen. „Die Guten werden gemartert werden, ganze Nationen werden vernichtet, der Hl. Vater wird viel zu leiden haben…" Das alles sehen wir zurzeit vor unseren Augen abrollen, weil der Aufruf zur Buße, die freudige, selbstgewählte Sühne kaum wahrgenommen wurde. Darum ist es an der Zeit, nachzuholen, was möglich ist – und das ist eindeutig die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens!

 

4. Die Prozession auf den Berg und der Tod des Papstes

 

So kommen wir zum zweiten Moment des dritten Geheimnisses: Die Prozession der Bischöfe, Priester, Ordensleute und Gläubigen, die auf den Kalvarienberg hinaufsteigen; allen voran geht der in weiß gekleidete Bischof, der Papst. Vorher durchschreitet der Heilige Vater eine große Stadt mit vielen Leichen, die halb zerstört ist.

Als erstes stellt sich die Frage: Was ist diese Stadt? Der Kalvarienberg – das ist die Kirche. Warum? Weil der gekreuzigte und auferstandene Herr nur in seiner Kirche lebt. Sie ist sein mystischer Leib, mit dem er sein Kreuz durch alle Jahrhunderte trägt. Die Stadt - das sind grosse, zusammenhängende Teile der Kirche, wie auch die Städte grosse, zusammenhängende Teile der Welt sind. Deswegen wird auch „die Stadt" in Zusammenhang mit „dem Berg" beschrieben: Grosse Teile der Kirche, halb zerstört, viele Seelenleichen… Sie sind nicht mit dem Kreuz tragenden Christus – mit der Kirche – auf Kalvaria gestiegen, sondern unterwegs zu Leichen jener Welt geworden, der sie dienen wollten. Der Papst betete für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Wer sind diese Leichen? Das sind die geistlich toten Menschen, die äußerlich lebendig zu sein scheinen durch die sogenannte „Häresie der Aktion" (Pius XII.). Er begegnet ihnen auf seinem Weg. Überall sieht man ihn mit dem Rosenkranz in der Hand, er betet viel für die Verstorbenen. Am Berg angekommen, kniet der Papst zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wird er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schiessen.

In den letzten Jahren haben wir es erlebt, wie der Papst kaum noch weitergehen kann. Und dies nicht nur physisch! Er zittert auch vor seiner undankbaren Umgebung - Würdenträger der Kirche, die eigentlich ausnahmslos alle von ihm in diese Würde gehoben wurden... Und er zittert auch physisch – das Äussere gibt sein Inneres bekannt! Szene des Papstes der Zeitenwende!

Bei dem Attentat auf dem Petersplatz (1981) hat nur eine Person auf den Papst geschossen. Aber im 3. Geheimnis steht: „Eine Gruppe von Soldaten." Und nach dem Attentat ist der Papst am Leben geblieben, während er hier auf dem Gipfel des Kalvarienberges getötet wird: er stirbt. Die Vision vom 13. Juli 1917 schildert ein Ereignis - das Martyrium des Papstes - das damals in der Zukunft lag. Prophezeiungen gehen immer in Erfüllung, doch nie in einer unabänderlichen, fatalistischen Weise. Vielmehr wollen sie uns aufrütteln, alles zu unternehmen, dass sie nicht, oder zumindest nicht so, eintreten, wie vorhergesagt. Echte Prophezeiungen geben immer auch das Heilmittel an, anhand dessen das Vorhergesagte abgemildert, ja sogar abgewendet werden kann. Je nachdem sich die Menschen diesem Mittel zuwenden, hat eine Prophezeiung ihr Ziel erreicht oder nicht.

Was weiter geschrieben steht, geschah auch noch nicht: „Genauso starben nach und nach Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen." Das geschieht nach dem Tod des Papstes. Es steht genau im Text: „Nach dem Tod des Papstes." Wohl können wir sagen, dass etwas vom dritten Geheimnis sich schon im 20. Jahrhundert erfüllte, weil einige Bischöfe, viele Priester, Ordensleute und Gläubige als Märtyrer gestorben sind. Doch halten wir fest: Das Martyrium von solchen Personen, die im 3. Geheimnis erwähnt werden, geschieht nach dem Tode des Papstes. Darum ist es falsch zu meinen: Das dritte Geheimnis ist schon erfüllt, ist schon vorbei, und uns interessiert es nicht mehr. Oder gar: „Fatima" – insbesondere die bedeutungsschwere Vision vom 13. Juli 1917 - sei ein abgeschlossenes Ereignis und gehört der Vergangenheit an. Dem ist gerade nicht so! Das Martyrium des Papstes, der Bischöfe, der Priester, der Ordensleute und der Gläubigen steht uns mit Sicherheit noch bevor und darf als eine systematische Verfolgung, die versucht, die Kirche auszurotten, zu vernichten, betrachtet werden, was mir wie eine Zusammenfassung von allen Verfolgungen, einschliesslich die Christenverfolgung der römischen Kaiser und die des Kommunismus, scheint. Die Kirchenväter sprechen von einer solchen Verfolgung in der Zeit des Antichristen.

Das dritte Geheimnis schildert diese Verfolgung. Und obwohl nicht direkt, so ist doch implizit darin die Rede vom Antichristen bzw. über die Zeit des Antichristen und seine Auswirkungen auf die Christen.

Im „Blauen Buch" sagte die Gottesmutter am 11. März 1995 Don Stefano Gobbi in Fatima: „Deshalb möchte ich euch heute am gleichen Ort, an dem ich erschienen bin, mein Geheimnis offenbaren. Mein Geheimnis betrifft die Kirche. In der Kirche wird der große Abfall, der sich in der ganzen Welt verbreitet, seinen Abschluss finden. Die Spaltung der Kirche wird sich in der allgemeinen Abwendung vom Evangelium und vom wahren Glauben vollziehen. Der Mensch der Sünde, der sich Christus entgegenstellt, wird in sie eintreten und den Greuel der Verwüstung in ihr Inneres hineintragen und so das furchtbare Sakrileg vollenden, von dem der Prophet Daniel gesprochen hat (Mt 24,2-15). Mein Geheimnis betrifft die Menschheit. Die Menschheit wird den Gipfel der Verdorbenheit und Bosheit, der Auflehnung gegen Gott und der offenen Ablehnung seines Gesetzes der Liebe erreichen. Sie wird die Stunde ihres größten Strafgerichtes erleben, das euch vom Propheten Sacharja vorhergesagt worden ist" (Sacharja 13,7-9).

Nach meiner Meinung spricht hier die himmlische Mutter zu Don Gobbi vom Dritten Geheimnis, also vom Antichristen, von der Läuterung der Menschheit durch das Feuer. In einem Text im „Blauen Buch" erklärte die Muttergottes am 13. Oktober 94: „Feuer wird vom Himmel herabfallen und die Menschheit wird geläutert und vollkommen erneuert werden, so dass sie bereit sein wird, den Herrn Jesus, der in Herrlichkeit wiederkommen wird, zu empfangen."

Kardinal Ratzinger sagte ganz offen in seiner Erklärung bei der Präsentation des 3. Geheimnisses in Rom am 26. Juni 2000: Der Engel mit dem Feuerschwert in der linken Hand „erinnert an die analogen Bilder in der Apokalypse. Er stellt die Drohung des Strafgerichtes dar, die über der Welt schwebt. Die Perspektive, dass die Welt in einem Meer der Flammen zu Asche werden könnte, erscheint heute nicht mehr als eine bloße Phantasie. Der Mensch selbst mit seinen Erfindungen hat das Feuerschwert vorbereitet."

 

5. Neue Erde – neuer Himmel

 

Den Abschluss des Dritten Geheimnisses bildet die folgende Szene: Unter den beiden Balken des Kreuzes waren zwei Engel. Ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten. Hier eröffnet sich eine andere Perspektive: Die Fruchtbarkeit des Leidens der Märtyrer, der Kirche. „Sanguis martyrum semen christianorum est!" (Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit).

 

Die erste Perspektive: der Kalvarienberg, Christus am Kreuze, Maria unter dem Kreuze, der Kampf zwischen Christus und dem Antichristen im 20. Jahrhundert, die gekreuzigte Kirche. „Der alte Himmel und die alte Erde vergehen", sagt der Papst. „Das Kreuz auf Golgotha ist das Kreuz unserer Erlösung. Am Kreuze manifestiert sich die ganze Geschichte des Menschen, die zugleich die Geschichte der Sünde und des Leidens ist" (Johannes Paul lI., Ansprache in Fatima, 13. 5. 1991,1,1230).

 

Die zweite Perspektive eröffnete Johannes Paul II. am 13. Mai 1991 in Fatima, indem er den Horizont des dritten Geheimnisses erweitert: „Durch das Kreuz seines Sohnes auf Golgotha wiederholt Gott von Generation zu Generation: ,Seht, ich mache alles neu' (Offb 21,5). Durch das Kreuz auf Golgotha steigt von Gott her in die Geschichte der Menschheit, in die Geschichte von jedem Jahrhundert, die heilige Stadt, das „Neue Jerusalem"... gekleidet wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat' (Offb 21,2) hernieder" (Insegnamenti 1991,1,1231).

Was bedeutet diese zweite Perspektive? Wir haben im vergangenen 20. Jahrhundert eine immer weiter fortschreitende große Kreuzigung der Kirche im Kommunismus (im Osten) erlebt, die aber ihren Höhepunkt (im Westen) erst erreichen wird. Was dort der staatliche Druck war, der viele Märtyrer hervorgebracht hat, das wird hier der Indifferentismus und der perfekte Materialismus sein! Letzterer aber bringt weniger Märtyrer, dafür aber eine lautlosere und viel verheerendere seelische Katastrophe hervor! Und obwohl beide Systeme vom Atheismus geleitet werden, ist der Materialismus verführerischer, da er ein dauerndes Spiegelbild des Wohlstandes und des irdischen Paradieses vorgauckelt. So wird die Kirche wird dem gekreuzigten Christus mehr und mehr ähnlich, wird auf das Kreuz erhoben. Durch das Kreuz, durch das Leiden des Kreuzes, sozusagen, steigt der auferstandene Christus hernieder. Durch das Herabsteigen Christi steigt die Kirche hinauf, also die Kirche erlebt mehr und mehr das Paschamysterium Christi an und in sich. Mit dem Herabsteigen Christi steigt das neue Jerusalem vom Himmel herab. Je mehr die Kirche gekreuzigt wird, desto mehr wird dieses Jerusalem herabsteigen, sodass gerade auf dem Höhepunkt der Kreuzigung das „Neue Jerusalem" vom Himmel ganz herabsteigt und der Sieg des Kreuzes Christi, der Triumph des UNBEFLECKTEN HERZENS MARIENS kommt in eben diesem Rahmen des Paschamysteriums.

Im 20. Jahrhundert beginnt die Kirche ihre apokalyptische Bedrängnis zu erleben, die sich dem Höhepunkt nähert: Ihr schmerzhaftes Kreuz wächst im gekreuzigten Christus. Und es erscheint, wie im einzige prophetischen Buch des Neuen Testaments vorhergesagt, „der neue Himmel und die neue Erde" (Offb 21,1 ff.). Der auferstandene Christus steigt mit seinem glorreichen Kreuz hernieder. Das also ist der eingangs erwähnte „Plan Gottes": Durch das Kreuz Jesu und die Vermittlung der Muttergottes, die geläuterte Kirche in den neuen Himmel und die neue Erde zu überführen.

Von hier aus kann man die Szene des Engels mit dem Feuerschwert, mit dem er die Erde anzünden sollte, besser verstehen. Diese apokalyptische Strafe, die es noch nie in der Menschheitsgeschichte gab, markiert zugleich auch das Ende der Herrschaft des Bösen unter den Menschen und seine endgültige Hinwendung zu Gott. Es gab die Sintflut, aber nicht die Strafe des verzehrenden Feuers.

Der hl. Irenäus von Lyon, Bischof und Märtyrer (+ 200) schreibt: Einige Propheten „haben Christus als Menschensohn gesehen, der auf den Wolken gekommen ist (vgl. Dan 7,13: „Da kam mit den Wolken des Himmels / einer wie ein Menschensohn") und sagten von ihm: <Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben> (Sach 12,10 ). Damit bezeichnen sie seine Ankunft, von der er sagt: <Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?> (Lk 18,8). Und Paulus sagt von derselben Ankunft: <Denn es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, denen mit Bedrängnis zu vergelten, die euch bedrängen, euch aber, den Bedrängten, zusammen mit uns Ruhe zu schenken, wenn Jesus, der Herr, sich vom Himmel her offenbart mit seinen mächtigen Engeln in loderndem Feuer>" (2 Thess 1,6-8). (Adversus haereses 4,33,11).

 

Die Zeichen der Ankunft des Herrn

Feuer ist Zeichen der Theophanie (Erscheinung Gottes), so lesen wir in Jesaja 66,15-16. In diesem zitiert Irenäus Jesaja 13,9: Der Prophet spricht von dem großen Tag des Herrn, von einer großen Sintflut des Feuers, mit dem Christus die ganze Welt läutern wird, um sein herrliches Reich zu errichten.

Der hl. Augustinus beschreibt in seinem großen Werk „Die Stadt Gottes" die Verfolgung der Kirche in der Zeit des Antichristen von außen und von innen. Und dann zitiert er Offb 20,9: „Aber Feuer fiel vom Himmel und verzehrte sie" (die Feinde der Kirche). Dann heißt es im 2. Thessalonicherbrief 2,8-11: „Jesus, der Herr, wird ihn (den Antichristen) durch den Hauch seines Mundes töten und durch den Glanz seiner Wiederkunft vernichten." Das Auftreten des Antichrists, des zur Perfektion geführten Atheismus, „geschieht mit Teufelskraft und allen möglichen Trugzeichen und Lügenwundern und allerlei Verführung zur Bosheit bei denen, die verloren gehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, um gerettet zu werden. Darum wird Gott ihnen einen starken Irrwahn schicken, dass sie der Lüge glauben."

Andererseits deutet Feuer auch auf das zweite Pfingsten hin, eine außerordentliche Ausgießung des Heiligen Geistes, die die ganze Erde, die Kirche und die Menschheit bis zum Grunde läutern und erneuern wird.

 

Die dritte Perspektive. In der großen apokalyptischen Bedrängnis steigt die mit der Sonne bekleidete Frau nach dem göttlichen Plan vom Himmel herab, um der Kirche mütterlich bei ihrem Aufsteigen auf den Kalvarienberg und in der schrecklichen Schlacht mit den Mächten der Finsternis zu helfen und sie auf die Rückkehr Jesu Christi in Herrlichkeit vorzubereiten. Denn durch das große Leiden der heutigen Kirche in der ganzen Welt, nähert sich - durch das Unbefleckte Herz Mariens - das herrliche Reich Christi. Das Sonnenwunder in Fatima kündigt die Ankunft der Sonne der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit an; einerseits durch die in der Strafe sichtbar werdenden außerordentlichen Manifestation der göttlichen Gerechtigkeit, andererseits wiederum durch die in die Rettung und Läuterung eingebaute göttliche Barmherzigkeit. (Vgl. Tagebuch der hl. Sr. Faustyne). Dann wird das Blut der vielen Märtyrer seine Frucht bringen.

In einer Ansprache kurz vor seinem Tod, eilt Pius XII., innerlich erleuchtet, geistig seiner Zeit weit voraus, und bewegt sich in der Richtung, die im dritten Geheimnis von Fatima angegeben ist. Der Papst sieht voraus, dass nach dem großen derzeitigen (seelischen) Winter ein fruchtbarer und lichtvoller Sommer kommen wird: „Der Sommer ist nahe" (Mt 24,32). Indem der Papst diese Worte parallel zur eschatologischen (endzeitlichen) Rede Jesu benützt, deutet er an, dass der jetzige Winter apokalyptische Züge aufweist (vgl. Mt 24,15 ff.) und somit der Rückkehr des Herrn in Herrlichkeit vorangeht. Dann sagt der Heilige Vater unter anderem: „Tausende von modernen Irrtümern sind durch ihr Scheitern selbst bestraft worden (...). Andere Irrtümer müssen noch verschwinden; Götzenbilder müssen stürzen und zügelloser Ehrgeiz muß gebrochen werden. Dieser Zusammenbruch wird umso schwindelerregender sein, je größer die Kühnheit gewesen ist, sich mit Gott zu messen. Dann wird der Sommer kommen und uns eine überreiche Ernte bringen, und die Erde, mit Tränen getränkt, wird in Perlen der Liebe lächeln, und, vom Tau des Blutes der Märtyrer benetzt, sprießt sie die Christen hervor" (Pius XII., Ansprache vom 19. 3. 1958: Discorsi XX,25).

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