Hauptseite: ENGEL / HEILIGE

bullet

Seligsprechung von Anna Katharina Emmerick am 3. Oktober 2004 in Rom

bullet

Mutter Teresa: Sicher eine Heilige für's 3. Jahrtausend

bullet

Motu proprio: Redemptoris Custos - Der Beschützer des Erlösers. Über Gestalt und Sendung des heiligen Josef im Leben Christi und der Kirche

bullet

Motu proprio "Mitpatroninen Europas": Hl. Birgitta von Schweden, Hl. Katharina von Siena, Hl. Edith Stein

bullet

Josef - Patron der Kirche Christi. Predigt

bullet

Den hl. Josef heute entdecken. Predigt

bullet

Engeln hat er befohlen, dich zu beschützen. Predigt

bullet

Pater Pio  - Der Heilige für unsere Zeit!

bullet

Grosse Heilige der Eucharistie 

 

 

Seinen Engeln hat er befohlen, dich zu beschützen

Verwirrende Meinungen       Gute und böse Geister

 "Heiliger Erzengel Michael, schirme uns im Streite. Gegen die Bosheit und Arglist des Teufels sei unser Schutz. Gott gebiete ihm! Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle! Amen."

"Seinen Engeln hat er befohlen, dich zu beschützen"

Über den Engelglauben der Kirche

 

"Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden." (Lk 12,8-9).

Es muß etwas Großes um die Engel sein, wenn Jesus sich "vor den Engeln" zu uns bekennt. Nicht vor den Heiligen, nicht vor den Aposteln - nein, "vor den Engeln" wird Jesus sich zu uns bekennen als Gegenstück dafür, daß wir ihn vor den Menschen bekannt haben.

Es gehört zum Glaubensgut der Kirche, daß jeder einzelne Mensch schon bei der Empfängnis einen Engel von Gott zugeteilt bekommt, der uns schützt. Gott wußte es, daß der Mensch als ein Geist-Materie-Wesen so sehr an der Materie haften wird, daß er darob sogar seinen Schöpfer vergessen wird können. Unserer Seele Schutz und Hilfe zu gewähren, hat er Schutzengel abgeordnet, und sie verlangen sehnsüchtig danach, uns in unserem Geist-Materie-Kampf beistehen zu dürfen. Ein Beispiel dafür ist der hl. Josef, "der gerecht war und Maria nicht bloßstellen wollte" (vgl. Mt 1,19). Rein menschlich gesehen hätte er Maria verlassen müssen. Ein Engel, ein Bote Gottes, war es, der ihm, dem Kenner der alttestamentarischen Verheißungen, auf die Geist-Ebene seines Menschseins verhalf. Zu sehr war er auf das "nur-irdisch-Logische" konzentriert. Doch jetzt, sich seiner geistig-seelischen Dimension gewahr, "nahm er Maria zu sich" (Mt 1,24), umsorgte sie und das Kind, das, wie der Engel ihm kundtat, "vom Heiligen Geist" ist. Hier entdecken wir klar den Auftrag der Engel in unserem Leben, nämlich unsere Seele zu begleiten, beschützen und zum Guten anzuleiten.

Wenn Jesus, der Erlöser, sich vor den Engeln des Himmels zu uns bekennen wird, dann, so sagten wir, muß es etwas Großes um die Engel sein! Als wollte Jesus sagen: Ihr beide, Engel und Seele, ihr seid mir in eurem, wenn auch sehr verschiedenen Kampf, treu geblieben. Ja, noch mehr! Den gefallenen Engeln wurde kein Bußsakrament gegeben, keine Heilsgnade vermittelnden Sakramente; es gab keine "Engelwerdung" Gottes ähnlich der Menschwerdung.

Im Lobgesang der Engel bei der Menschwerdung Jesu in Bethlehem tut sich uns jene unendliche Zuneigung Gottes auf, die der geretteten, erlösten Seele durch Leid, Kreuz und Auferstehung zuteil wurde.

Engel schickt Gott dem aus Ägypten ausziehenden Volk der Israeliten voraus, um das gelobte Land zu erreichen und sie sind es, die Moses auf der Bundeslade zum Zeichen der Präsenz Gottes unter seinem Volk aufstellen ließ; Engel sind es, die auf der Leiter Jakobs auf- und abstiegen (vgl. 1 Mos 28,11); Engel dienten dem "Menschensohn" nach der dreimaligen Versuchung in der Wüste; Engel sind es, die "im Himmel stets das Angesicht des himmlischen Vaters sehen" (Mt 18,10), und schließlich waren es Engel, die den Aposteln die Kunde von der Auferstehung mitteilten!

Durch seine Menschwerdung gab uns Jesus - so Johannes in seinem Prolog - "die Macht, Kinder Gottes zu werden!" (Joh 1,12). Kraft dieser Macht erhob er die Seele, durch sein Blut der Vergebung gereinigt, in den Himmel über die Chöre der Engel, die sich über jeden freuen, der "seinen" Kampf für Gott bestanden hat (vgl. 2 Tim 4,7). Im irdischen Dasein helfen uns die Schutzengel. Sie erwarten von uns, daß wir keinen Tag vergehen lassen, ohne an sie zu denken. Ihre Pflicht ist es - wie beim hl. Josef - unsere Schritte auf jene Wege zu führen, auf denen wir oft plötzlich einleuchtend und klar den Willen Gottes in unserem Leben erkennen. Es gibt viele Heilige, die uns mit ihrer Fürbitte beistehen, aber es gibt nur einen schützenden Geist, der in unmittelbarem Auftrag Gottes unser Leben begleitet!

In der dogmatischen Konstitution über die Kirche "Lumen Gentium" sagt das II. Vatikanum wörtlich: "Alle Christgläubigen mögen inständig zur Muttergottes und Mutter der Menschen flehen, daß sie, die den Anfängen der Kirche mit ihren Gebeten zur Seite stand, auch jetzt im Himmel über alle seligen und heiligen Engel erhöht, in Gemeinschaft mit allen Heiligen bei ihrem Sohn Fürbitte einlegen möge ... zur Ehre der heiligsten und ungeteilten Dreifaltigkeit." Diesen einmaligen Gnadenvorzug begründet dieselbe Konstitution wie folgt: "Maria wird durch Gottes Gnade nach Christus, aber vor allen heiligen Engeln und Menschen erhöht, mit Recht, da ja sie die heilige Mutter Gottes ist und bei den Mysterien Christi dabei war." Die bevorzugte Stellung Mariens über die Engel hat auch ihren kultischen Niederschlag in der Kirche gefunden als "Königin der Engel". Indem aber das Konzil Maria nicht nur als Gottesmutter und Mitsiegerin über Satan, als Herrscherin über die Engel bezeichnet, sondern ihr auch eine besondere Verehrung zuspricht, welche über die der Engel hinausgeht, bestätigt es zugleich auch die besondere Verehrungswürdigkeit der Engel.

Die Engel sind reine Geisteswesen, mit einem freien Willen und einem klaren Verstand ausgestattet, also personale Wesen.

Der Glaube an die Schöpfung der Engel kann nicht marginalisiert werden, ohne an unserem Glauben allgemein Schaden zu nehmen. Im großen Glaubensbekenntnis der hl. Messe bekennen wir: "Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge" (d.h. "Wesen"). Wir wissen, daß der Mensch innerhalb der Schöpfung eine besondere Stellung genießt: Dank seines Leibes gehört er der sichtbaren Schöpfung an, während er sich durch die Seele gleichsam an der Grenze zwischen sichtbarer und unsichtbarer Schöpfung bewegt. Der Schöpfung aber gehören - im Lichte der ganzen hl. Schrift betrachtet - noch andere, rein geistige Wesen an, die nicht zur sichtbaren, materiellen Welt gehören, auch wenn sie in ihr gegenwärtig und tätig sind.

Verwirrende Meinungen

Man muß zugeben, daß die Verwirrung bisweilen groß ist, wenn es um diese Geisteswesen geht. Die Gefahr ist gross, etwas als Glaube der Kirche über die Engel hinzustellen, was nicht zum Glauben gehört. So zögert unsere materiell geprägte Welt nicht, die reinen Geisteswesen mit jenen guten Menschen auf eine Stufe zu stellen, denen wir die Eigenschaft eines "Engels" zuerkennen. Doch bei näherem Hinsehen ist hier eine Umdrehung der Tatsachen, eine gänzliche Umwertung der Realitäten erkennbar. "Sie war ein Engel der Armen", sagen viele über Mutter Teresa; "heute bin ich einem Engel begegnet" sagen viele, wenn sie es mit einem guten, hilfreichen Menschen zu tun hatten. So wahr dies sein mag, müssen die Werte ins rechte Licht gerückt werden. Eigenschaften der guten Engel auf Menschen übertragen zu können setzt voraus, daß es tatsächlich auch Engel gibt, die diese Eigenschaften besitzen! Ihr Tätigwerden auf Erden kann menschliches Handeln analog bezeichnen. Jedoch menschliches Tun nur noch in sich, abstrahiert von der Geisteswelt und um seiner selbst willen, ja unter Leugnung der von Gott geschaffenen geistigen Wesen zu akzeptieren, heißt, nur noch die Eigenschaft, nicht aber das personale Wesen anzuerkennen, was die Substanz christlichen Glaubens angreift. 

Der Schutzengel beschützt uns!

Freilich waren die Engel auch zur Zeit Christi schon Objekt der Leugnung, so bei den Sadduzäern (Apg 23,8) und seither bei allen Denominationen von Materialismus und Rationalismus. Doch wollte man die Engel auf rein menschliches Handeln reduzieren, sozusagen sie "zum Sprichwort" machen, müßte man die Bibel neu schreiben und die ganze Heilsgeschichte revidieren. Ihnen allen muß Paulus entgegengehalten werden, der an die Kolossergemeinde schreibt (1,16): "Denn in Christus wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten, alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen". Die Bezugnahme auf den Primat Christi in der Schöpfung durch Paulus hilft uns zu verstehen, wie und wo wir die Engel - und zwar die guten und die gefallenen - im Heilsgeschehen einzuordnen haben.

In der Offenbarung redet Gott vor allem den Menschen an, sind doch die Engel nicht Subjekte derselben! Die Lehre über die Engel ist in der christlichen - und einzigen - Offenbarungsreligion gewissermaßen sekundär. Doch gerade deshalb ist sie nicht von der Hauptoffenbarung, nämlich der Existenz eines Schöpfergottes, trennbar. Darin liegt wohl der Denkfehler all jener, welche die Engel nur als "Eigenschaft", nicht aber als "Wesen" definieren möchten. In der Wirklichkeit der Offenbarungsordnung sind die Engel in der Tat nicht Geschöpfe ersten Ranges, da sich die Offenbarung in Jesus Christus auf die Menschen bezieht. Heißt das nun, daß man jenseits der Offenbarungsordnung befindliche Wesen, durch ein und denselben Schöpfergott erschaffen, beiseite legen oder gar leugnen darf? Eindeutig nein! Denn gerade die Engel sind es, die im Namen des Schöpfergottes nicht selten grundlegende Aufgaben innerhalb der Offenbarung wahrnehmen. Als Beispiel sei hier nur der hl. Erzengel Gabriel erwähnt, durch den Gott bei der Jungfrau Maria anfragen ließ, ob sie unwiderruflich und endgültig zu ihrem Auftrag steht, "Magd des Herrn" zu sein! Alles, was zur Schöpfung gehört, gehört nach der Offenbarung auch zum für uns Menschen undurchschaubaren Geheimnis der Vorsehung Gottes. Diese aber umfaßt nicht nur das Materielle, sondern auch die Welt der Geister, die mehr noch als wir Menschen freie Vernunftswesen sind. Als Geisteswesen sind sie Gott, der absoluter Geist ist, näher als die menschliche Kreatur. Die hl. Schrift berichtet uns in eindrücklichen Erlebnissen von dieser Nähe der Engel zu Gott.

Zum Textanfang

Nach oben

 

Gute und böse Geister

 

Tatsächlich scheiden sich die reinen Geister, wie die Offenbarung deutlich zeigt, in gute und in böse. Doch die Spaltung wurde nicht durch Gottes Schöpfung bewirkt, sondern auf Grund der Freiheit ihrer geistig-personalen Natur. Sie wurde bewirkt durch jene Erst-Entscheidung, die bei den reinen geistigen Wesen einen unvergleichlich radikaleren Charakter hat als bei der Erst-Entscheidung des Menschen. Sie ist irreversibel in Anbetracht des hohen geistigen Grades von intuitiver Erkenntnis und Durchdringung des Guten, mit denen ihr Verstand ausgestattet ist. In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß auch die reinen Geister einer moralischen Prüfung unterworfen wurden. Es ging um die Entscheidung im Hinblick auf Gott selbst, einem Gott, der seinem Wesen nach von ihnen stärker und intensiver erkannt wurde, als dies menschlicher Verstand jemals erreicht. Während beim Menschen eine moralische Probe, zum Beispiel in der Versuchung, zur Tugend bzw. zur Sünde führen kann, ging die Erst-Entscheidung für oder gegen Gott bei den reinen Geisteswesen mit einer Wesensverwandlung einher, die, wie erwähnt, unwiderruflich ist. In dieser Wahl, die auf Grund ihres hohen Intellekts in der dem Menschen weit überlegenen Wahrheitserkenntnis über Gott getroffen wurde, ist die Ursache für die Spaltung der reinen Geisteswesen in gute und böse zu suchen. Während die einen Gott als ihr höchstes und endgültiges Gut erwählten und mit ihrer ganzen inneren Kraft der Freiheit sich ihm endgültig zugewandt haben, wandten sich die anderen in eben derselben tiefen Einsicht ihres Intellekts von Gott ab. Das gerade im Gegensatz zu der erkannten Wahrheit, oder anders gesagt, entgegen besserem Wissen. Dadurch aber wandten sie sich nicht nur gegen ihren Schöpfer, sondern auch gegen die noch zu erfolgende Erlösung in Jesus Christus, das heißt gegen die Gnaden-Ordnung.

Kampf der bösen Geister richtet sich gegen die Gnadenordnung

Von hier aus ist zu erklären, warum die abgefallenen Engel auch heute noch die Ordnung der Gnade bekämpfen und die Menschen durch Abwendung von ihrem Schöpfer auf den Pfad der Auflehnung, des Ungehorsams und der Sünde führen wollen. Der Kampf der gefallenen reinen Geister ist also niemals ein "Kampf gegen Gott", sondern immer ein Kampf gegen die Ordnung der Gnade, die jedem Menschen durch den Erlösertod Jesu angeboten wurde. So ist die Stossrichtung dieses Kampfes ausschließlich der Mensch und nur indirekt Gott.

Die Engel und die Menschen, intelligente und freie Geschöpfe, müssen ihrer letzten Bestimmung aus freier Wahl entgegengehen und ihr aus Liebe den Vorzug geben. Sie können darum auch vom Weg abirren und sie haben auch tatsächlich gesündigt. So ist das moralische Übel in die Welt gekommen, das unvergleichlich schlimmer ist als das physische Übel. (Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 311).

Zugegeben, eine solche Rebellion gegen Gott bei Wesen mit ungebrochen klarem Intellekt und absolut tiefer Einsicht ist schwer zu verstehen. Die Kirchenväter zögern nicht von Verblendung zu sprechen, hervorgerufen von der Überschätzung der Vollkommenheit des eigenen Seins. Dies führte dazu, daß die Größe Gottes in ihrem Intellekt getrübt wurde. Die verblendeten Engel traten ihrem Schöpfer entgegen, als dieser einen Akt des willigen Gehorsams und der Unterwerfung von ihnen verlangte. Ihre Reaktion der Verblendung darauf, angeführt von Luzifer, war: "Ich will nicht dienen!" So ist es verständlich, daß Satan sein eigenes Reich - und nicht das Reich des Schöpfergottes aufbauen will und in seiner Verblendung sich als Widersacher Gottes betrachtet, obwohl er doch nur ein geschaffenes Wesen ist. Wir müssen endlich damit aufhören, in "Luzifer und seinem Anhang" einen direkten "Widersacher" Gottes zu sehen, da dies zu dem falschen Schluss führen könnte, als gebe es im Christentum zwei - möglichweise sogar gleichartige - Prinzipien: das des Guten, also Gott und das des Bösen, also Satan! Wer diese dualistische Ansicht vertritt und in Gott nur noch "ein Prinzip" sieht, wird früher oder später den Teufel leugnen müssen! Daher noch einmal:

Der Teufel ist das Personal-Böse, das jedoch als Gegenpart nicht den Schöpfergott hat, sondern die Gnadenordnung, und somit den Menschen!

Hier, und nur hier ist sein Betätigungsfeld! So ist der Mensch es, der erneut vor die Entscheidung der Annahme des absolut Guten, also Gott oder der Hinwendung zum Bösen, also zu Satan, gestellt ist. Gott ist es, der das Böse zu unserer Prüfung zuläßt. Die gefallenen Geisteswesen aber wirken im Menschen durch mancherlei Versuchung gegen die Gnadenordnung der Erlösung. Die Lehre aus der Entzweiung der Geisterwelt kann daher nur lauten: Der Stolz führt zur Verblendung - und die Verblendung ins Verderben. Tatsache ist, dass der Teufel keine Macht über uns hat, wenn wir ihm diese nicht zugestehen!

   Abschließend noch ein Blick auf die Parusie, auf die Wiederkunft Christi. Hierzu finden wir die Aussage Christi, daß "der Menschensohn mit den heiligen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen wird". Man kann also sagen, daß die Engel als reine Geisteswesen nicht nur in der ihnen eigenen Weise an der Heiligkeit Gottes selbst Anteil haben, sondern auch in den entscheidenden Augenblicken des Erlösungswerkes Christus umgeben und ihn begleiten bei der Erfüllung seiner Heilssendung für die Menschen. Die Heilige Schrift bezeichnet jene Geisteswesen als Engel, die bei der grundlegenden Prüfung der freien Entscheidung sich für Gott, für seine Ehre und für sein Reich entschieden haben. Sie sind mit Gott verbunden in der verzehrenden Liebe, die aus der beseligenden Schau der Heiligsten Dreifaltigkeit von Angesicht zu Angesicht hervorgeht. Jesus selbst sagt: "Die Engel des Himmels sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters" (Mt 18,10). Diese "Anschauung" bedeutet aber den höchsten Ausdruck der Anbetung Gottes, eine Art "himmlische Liturgie", die im Namen des ganzen Universums vollzogen wird. (Ps 91,9.11).

Zum Textanfang

Nach oben

 

 

Enzyklika

REDEMPTORIS CUSTOS

I. Die Darstellung des hl. Josef im Evangelium

II. Der Hüter des Geheimnisses Gottes

Der Dienst der Vaterschaft     Die Volkszählung     Die Geburt in Betlehem    Die Beschneidung    Die Namensgebung

Die Darstellung Jesu im Tempel   Die Flucht nach Ägypten     Jesus im Tempel     Aufziehen und Erziehung Jesu

III. Der gerechte Mann - der Gemahl Mariens

IV. Die Arbeit als Ausdruck der Liebe

V. Der Vorrang des Innenlebens

VI. Patron der Kirche unserer Zeit

horizontal rule

 

Einleitung

1. Zum Beschützer des Erlösers berufen, "tat Josef, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich" (Mt 1,24). In Anlehnung an das Evangelium haben schon die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte hervorgehoben, daß der hl. Josef so, wie er für Maria liebevoll Sorge trug und sich voll Freude und Eifer der Erziehung Jesu Christi widmete(1), seinen mystischen Leib, die Kirche, deren Gestalt und Vorbild die heilige Jungfrau ist, behütet und beschützt. Zum Hundertjahrjubiläum der Veröffentlichung der Enzyklika "Quamquam pluries" Papst Leos XIII.(2) und in der Spur der jahr- hundertealten Verehrung des hl. Josef möchte ich euch, liebe Brüder und Schwestern, einige Betrachtungen über den Mann vorlegen, dem Gott "den Schutz seiner kostbarsten Schätze anvertraut hat".(3) Ich komme dieser pastoralen Pflicht mit Freude nach, damit die Verehrung für den Schutzpatron der Gesamtkirche und die Liebe zum Erlöser, dem er in vorbildlicher Weise gedient hat, in allen wachse. So wird das ganze christliche Volk den hl. Josef nicht nur eifriger anrufen und vertrauensvoll um seinen Schutz und Beistand bitten, sondern stets die demütige, reife Art seines Dienstes und seiner "Mitwirkung" am Heilsplan vor Augen haben.(4) Ich glaube nämlich, das neuerliche Nachdenken über die Teilnahme des Gemahls Mariens am göttlichen Geheimnis wird es der Kirche, die zusammen mit der ganzen Menschheit auf dem Weg in die Zukunft ist, gestatten, ständig ihre eigene Identität im Rahmen des Erlösungsplanes wiederzuentdecken, der seine Grundlagen im Geheimnis der Menschwerdung hat. Eben an diesem Geheimnis hatte Josef von Nazaret teil, wie kein anderes menschliches Geschöpf, ausgenommen Maria, die Mutter des menschgewordenen Wortes. Er hatte zusammen mit ihr daran teil, weil er in das tatsächliche Heilsgeschehen einbezogen worden war, und wurde zum Hüter derselben Liebe, durch deren Macht der ewige Vater "uns im voraus dazu bestimmt [hat], seine Söhne zu werden durch Jesus Christus!" (Eph 1,5)

Zum Textanfang

Nach oben

 

I. Die Darstellung des hl. Josef im Evangelium

2. "Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen" (Mt 1,20-2 1). Diese Worte enthalten den zentralen Kern der biblischen Wahrheit über den hl. Josef, den Augenblick seines Daseins, auf den im besonderen die Kirchenväter Bezug nehmen. Der Evangelist Matthäus erläutert die Bedeutung dieses Augenblicks, indem er auch beschreibt, wie ihn Josef erlebt hat. Um jedoch den Inhalt und Zusammenhang seiner Aussage ganz zu verstehen, muß man sich die Parallelstelle des Lukasevangeliums vergegenwärtigen. Denn im Verhältnis zu dem Vers, wo es heißt: "Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte es sich, daß sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes" (Mt 1,18), findet die Herkunft der Schwangerschaft Mariens "durch das Wirken des Heiligen Geistes" eine ausführlichere und genauere Beschreibung in dem, was wir bei Lukas über die Verkündigung der Geburt Jesu lesen: "Der Engel Gabriel wurde von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria" (Lk 1,26-27). Die Worte des Engels: "Sei gegrüßt, du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir" (Lk 1,28), lösten in Maria eine tiefe Beunruhigung aus und hielten sie zugleich zum Nachdenken an. Da berunigte der Bote die Jungfrau und offenbarte ihr Gottes besonderen Plan in bezug auf sie:" Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben" (Lk 1,30-32)

Wenige Verse vorher hatte der Evangelist gesagt, daß Maria bei der Verkündigung "mit einem Mann namens Josef verlobt war, der aus dem Haus David stammte". Das Wesen dieser "Vermählung" wird indirekt erklärt, als Maria, nachdem sie die Worte des himmlischen Boten bezüglich der Geburt des Sohnes gehört hat, fragt: "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" (Lk 1,34). Darauf erhält sie folgende Antwort: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden" (Lk 1,35). Maria wird, auch wenn sie schon mit Josef "verheiratet" ist, Jungfrau bleiben, weil das schon bei der Verkündigung in ihr empfangene Kind durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen worden war.

In diesem Punkt stimmt auch der Text des Lukas mit jenem von Mt 1,18 überein und kann uns zur Erklärung dessen dienen, was wir dort lesen. Wenn sich nach der Vermählung Mariens mit Josef "zeigte, daß sie ein Kind erwartete durch das Wirken des Heiligen Geistes", so entspricht diese Aussage durchaus dem Inhalt der Verkündigung und insbesondere den abschließend von Maria gesprochenen Worten: "Mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lk 1,38). Nachdem Maria auf den klaren Plan Gottes geantwortet hat, wird in den folgenden Tagen und Wochen vor den Leuten und vor Josef offenkundig, daß sie "ein Kind erwartet", daß sie gebären soll und das Geheimnis der Mutterschaft in sich trägt.

3. Unter diesen Umständen "beschloß Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, sich in aller Stille von ihr zu trennen" (Mt 1,19). Er wußte nicht, wie er sich angesichts der "wunderbaren" Mutterschaft Mariens verhalten sollte. Er suchte natürlich eine Antwort auf die beunruhigende Frage, vor allem aber suchte er nach einem Ausweg aus der für ihn schwierigen Situation. "Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen" (Mt 1,20-21).

Zwischen der "Verkündigung" bei Matthäus und jener bei Lukas besteht eine enge Übereinstimmung. Der Bote Gottes weiht Josef in das Geheimnis der Mutterschaft Mariens ein. Sie, die dem Gesetz nach seine "Frau" ist, auch wenn sie Jungfrau bleibt, ist kraft des Heiligen Geistes Mutter geworden. Und wenn der Sohn, den Maria im Schoß trägt, zur Welt kommt, soll er den Namen Jesus erhalten. Das war ein bei den Israeliten bekannter Name, der ab und zu den Söhnen gegeben wurde. In diesem Fall jedoch handelt es sich um den Sohn, der - entsprechend der göttlichen Verheißung - die Bedeutung dieses Namens voll erfüllen wird: Jesus - Yehošua, was bedeutet: Gott ist Heil.

Der Bote wendet sich an Josef als den "Mann Mariens", der dem Sohn, der von der mit ihm verlobten Jungfrau aus Nazaret geboren werden wird, dann diesen Namen geben soll. Er wendet sich also an Josef und überträgt ihm für den Sohn Mariens die Aufgaben eines irdischen Vaters.

"Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich" (Mt 1,24). Er nahm sie zu sich mit dem ganzen Geheimnis ihrer Mutterschaft, er nahm sie zu sich zusammen mit dem Sohn, der durch das Wirken des Heiligen Geistes zur Welt kommen würde: damit bewies er in bezug auf das, was Gott ihm durch seinen Boten aufgetragen hatte, eine willige Verfügbarkeit, die jener Mariens ähnlich ist.

II. Der Hüter des Geheimnisses Gottes

4. Als sich Maria kurz nach der Verkündigung in das Haus des Zacharias begab, um ihre Verwandte Elisabet zu besuchen, vernahm sie bei der Begrüßung die Worte, die Elisabet, "vom Heiligen Geist erfüllt", sprach (vgl. Lk 1,41). Nach den Worten, die sich mit dem Gruß des Engels bei der Verkündigung verbanden, sagte Elisabet: "Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ" (Lk 1,45). Diese Worte waren der Leitgedanke der Enzyklika Redemptoris Mater, mit welcher ich die Lehre des II. Vatikanischen Konzils vertiefen wollte, die besagt: "Die selige Jungfrau ging den Pilgerweg des Glaubens. Ihre Vereinigung mit dem Sohn hielt sie in Treue bis zum Kreuz"5 und ist damit allen "vorangegangen",6 die aufgrund des Glaubens Christus folgen. Am Anfang dieses Pilgerweges trifft sich der Glaube Mariens mit dem Glauben Josefs. Wenn darum Elisabet von der Mutter des Erlösers sagte: "Selig ist die, die geglaubt hat", so kann man gewissermaßen dieses Seligsein auch auf Josef beziehen, weil er positiv auf das Wort Gottes antwortete, als es ihm in jenem entscheidenden Augenblick überbracht wurde. Um genau zu sein: Josef antwortete auf die "Verkündigung" des Engels nicht wie Maria, sondern "er tat, was der Herr ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich". Was er getan hat, ist reinster "Gehorsam des Glaubens" (vgl. Röm 1,5; 16,26; 2 Kor 10,5-6). Man kann darum sagen: Das, was Josef getan hat, verband ihn in ganz besonderer Weise mit dem Glauben Mariens; er nahm als von Gott kommende Wahrheit an, was sie bereits bei der Verkündigung angenommen hatte. Das Konzil lehrt: "Dem offenbarenden Gott ist der ‚Gehorsam des Glaubens’ zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich ‚dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft’ und seiner Offenbarung willig zustimmt".(7) Der eben zitierte Satz, der das innerste Wesen des Glaubens berührt, trifft voll und ganz auf Josef von Nazaret zu.

5. Er wurde daher der Vermittler und Hüter des einzigartigen Geheimnisses, das "von Ewigkeit her in Gott verborgen war" (vgl. Eph 3,9), so wie es Maria in jenem entscheidenden Augenblick wurde, den der Apostel die "Fülle der Zeit" nennt, als nämlich "Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, sandte, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen" (vgl. Gal 4,4-5). "Gott hat - so lehrt das Konzil - in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun (vgl. Eph 1,9): daß die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur (vgl. Eph 2,18; 2 Petr 1,4)". [8] Der erste Hüter dieses göttlichen Geheimnisses ist Josef, zusammen mit Maria. Zusammen mit Maria - und auch in Beziehung zu Maria - hat er, und zwar von allem Anfang an, teil an diesem entscheidenden Ereignis der Selbstoffenbarung Gottes in Christus. Wenn wir nun die Berichte beider Evangelisten, Matthäus und Lukas, vor Augen haben, können wir auch sagen, daß Josef der erste ist, der am Glauben der Gottesmutter teilhat, und daß er dadurch seine Frau im Glauben an die göttliche Verkündigung unterstützt. Er ist es auch, der von Gott als erster auf den "Pilgerweg des Glaubens" gestellt wurde, auf dem Maria - vor allem seit Golgota und Pfingsten - in vollkommener Weise "vorangegangen ist".[9]

6. Josefs eigener Weg, sein Pilgerweg des Glaubens wird früher enden, das heißt: noch bevor Maria am Fuße des Kreuzes auf Golgota steht und bevor sie - nachdem Christus zum Vater zurückgekehrt ist - an Pfingsten im Abendmahlssaal zugegen ist, an dem Tag, wo die aus der Kraft des Geistes der Wahrheit geborene Kirche vor der Welt offenbar gemacht wird. Doch der Glaubensweg Josefs schlägt dieselbe Richtung ein, er bleibt vollständig von demselben Geheimnis bestimmt, dessen erster Hüter er zusammen mit Maria geworden war. Menschwerdung und Erlösung bilden eine organische und unauflösliche Einheit, in der "sich das Offenbarungsgeschehen in Tat und Wort ereignet, die innerlich miteinander verknüpft sind."[10] Wegen dieser Einheit verfügte Papst Johannes XXIII., der eine große Verehrung für den hl. Josef hegte, daß in den römischen Meßkanon als dem ewigen Erinnerungsbuch der Erlösung der Name des hl. Josef neben dem Mariens und vor den Namen der Apostel, der Päpste und der Märtyrer aufgenommen werde.[11]

Der Dienst der Vaterschaft

7. Wie man aus der Heiligen Schrift ableitet, bildet die Ehe mit Maria die Rechtsgrundlage der Vaterschaft Josefs. Um Josefs väterlichen Schutz für Jesus sicherzustellen, hat Gott ihn als Mann Mariens auserwählt. Daraus folgt, daß Josefs Vaterschaft - eine Beziehung, die ihn in größtmögliche Nähe zu Christus, dem Ziel jeder Erwählung und Vorherbestimmung (vgl. Röm 8,28 f), stellt - über die Ehe mit Maria, das heißt über die Familie, führt. Die Evangelisten nennen, auch wenn sie mit aller Klarheit sagen, daß Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen und daß in jener Ehe die Jungfräulichkeit gewahrt worden ist (vgl. Mt 1,18-25; Lk 1,26-34), Josef den Mann Mariens und Maria die Frau Josefs (vgl. Mt 1,16.18-20.24; Lk 1,27; 2,5). Und auch für die Kirche ist es, so bedeutsam das Bekenntnis zur jungfräulichen Empfängnis Jesu ist, nicht weniger wichtig, die Ehe Mariens mit Josef zu verteidigen, weil rechtlich von dieser Ehe die Vaterschaft Josefs abhängt. Daraus wird auch verständlich, warum die Geschlechter nach der Ahnenreihe Josefs aufgezählt werden: "Warum - fragt sich der hl. Augustinus - sollte sie es nicht durch Josef sein? War Josef etwa nicht der Gemahl Mariens? Die Schrift bestätigt durch die Autorität des Engels, daß er der Gemahl war. Fürchte dich nicht, sagt er, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Es wird ihm befohlen, dem Kind den Namen zu geben, auch wenn es nicht von ihm gezeugt wurde. Sie wird, heißt es, einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Die Schrift weiß, daß Jesus nicht aus dem Samen Josefs geboren wurde, denn als Josef wegen des Ursprungs der Schwangerschaft seiner Frau beunruhigt ist, wird ihm gesagt: sie kommt vom Heiligen Geist. Und dennoch wird ihm die väterliche Autorität nicht abgesprochen, seitdem ihm befohlen wurde, dem Kind den Namen zu geben. Schließlich nennt auch die Jungfrau Maria selbst, die sehr wohl weiß, daß sie Christus nicht durch die eheliche Vereinigung mit ihm empfangen hat, Josef dennoch Vater Christi".[12] Kraft des Ehebandes, das Maria und Josef verbindet, ist der Sohn Mariens auch der Sohn Josefs: "Aufgrund jener treuen Ehe verdienten es beide, Eltern Christi genannt zu werden, nicht nur seine Mutter, sondern auch sein Vater, und zwar in derselben Weise, wie er der Gemahl seiner Mutter war, beides in geistiger, nicht in fleischlicher Hinsicht".[13] In dieser Ehe fehlt keines der für die Begründung einer Ehe konstitutiven Erfordernisse: "Bei den Eltern Christi haben sich alle Güter der Ehe verwirklicht: Nachwuchs, eheliche Treue, Sakramentalität. Wir wissen Bescheid über den Nachwuchs, denn das ist der Herr Jesus selbst; über die Treue, denn es gab keinen Ehebruch; über die Sakramentalität, denn es kam zu keiner Scheidung".[14]

Sowohl der hl. Augustinus wie der hl. Thomas sprechen, wenn sie die Natur der Ehe analysieren, von dieser stets als der "unteilbaren Einheit der Seelen", der "Einheit der Herzen", dem "Einvernehmen",[15] Elementen, die in jener Ehe in vorbildlicher Weise offenkundig geworden sind. Als im entscheidenden Augenblick der Heilsgeschichte Gott seine Liebe zur Menschheit durch die Gabe des Wortes offenbart, verwirklicht gerade die Ehe von Maria und Josef im Empfangen und Äußern einer solchen Liebe in voller "Freiheit" die "eheliche Selbsthingabe"[16] "In diesem großen Unterfangen, alle Dinge in Christus zu erneuern, wird die gleichfalls geläuterte und erneuerte Ehe zu einer neuen Wirklichkeit, zu einem Sakrament des Neuen Bundes. Und so steht wie schon am Anfang des Alten auch an der Schwelle des Neuen Testamentes ein Ehepaar. Während aber Adam und Eva Quelle des Bösen waren, das die Welt überschwemmt hat, stellen Josef und Maria den Höhepunkt dar, von dem aus sich die Heiligkeit über die ganze Erde verbreitet. Der Heiland hat das Werk der Heilsrettung mit diesem jungfräulichen und heiligen Bund begonnen, in dem sich sein allmächtiger Wille offenbart, die Familie, Heiligtum der Liebe und Wiege des Lebens, zu läutern und zu heiligen".[17] Wie viele Lehren lassen sich daraus für die Familie heute ableiten! Da "das Wesen und die Aufgaben der Familie letztlich von der Liebe her bestimmt sind" und "die Familie die Sendung empfängt, die Liebe zu hüten, zu offenbaren und mitzuteilen als lebendigen Widerschein und wirkliche Teilhabe an der Liebe Gottes zu den Menschen und an der Liebe Christi, unseres Herrn, zu seiner Braut, der Kirche",[18] soll sich die Heilige Familie, diese Ur-"Hauskirche",[19] in allen christlichen Familien widerspiegeln. Denn "durch den geheimnisvollen Ratschluß Gottes hat in ihr für viele Jahre der Sohn Gottes verborgen gelebt. Sie ist deshalb Urbild und Beispiel für alle christlichen Familien".[20]

8. Der hl. Josef wurde von Gott dazu berufen, durch die Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen: auf diese Weise wirkt er in der Fülle der Zeit an dem großen Geheimnis der Erlösung mit und ist tatsächlich "Diener des Heils".[21] Seine Vaterschaft kommt konkret darin zum Ausdruck, daß er "sein Leben zu einem Dienst, zu einem Opfer an das Geheimnis der Menschwerdung und an den damit verbundenen Erlösungsauftrag gemacht hat; daß er die ihm rechtmäßig zustehende Autorität über die heilige Familie dazu benutzt hat, um sich selbst, sein Leben und seine Arbeit ganz ihr hinzugeben; daß er seine menschliche Berufung zur familiären Liebe in die übermenschliche Darbringung seiner selbst, seines Herzens und aller Fähigkeiten verwandelt hat, in die Liebe, die er in den Dienst des seinem Haus entsprossenen Messias gestellt hat".[22]

Nachdem die Liturgie erwähnt hat, daß "Josefs aufmerksamer Obhut die Anfänge unserer Erlösung" anvertraut worden sind, [23] heißt es erläuternd: "Gott hat ihn als treuen und klugen Diener an die Spitze seiner Familie gestellt, damit er als Vater seinen eingeborenen Sohn behüte".[24] Leo XIII. unterstreicht die Erhabenheit dieses Sendungsauftrags: "Er ragt unter allen hervor in seiner erhabenen Würde, denn durch göttliche Verfügung war er Hüter und in der Meinung der Menschen Vater des Sohnes Gottes. Daraus ergab sich, daß das Wort Gottes dem Josef untergeordnet wurde, ihm gehorchte und ihm jene Ehre und Achtung erwies, die die Kinder ihrem Vater schulden".(25)

Da nicht anzunehmen ist, daß einer so erhabenen Aufgabe nicht auch die Eigenschaften entsprechen, die für ihre angemessene Erfüllung erforderlich sind, muß man einräumen, daß Josef "durch besondere Eingebung des Himmels für Jesus jene ganz natürliche Liebe, jene ganze liebevolle Sorge empfand, die ein Vaterherz aufzubringen vermag".(26) Zugleich mit der väterlichen Macht über Jesus hat Gott Josef auch die entsprechende Liebe mitgeteilt, jene Liebe, die ihre Quelle in dem Vater hat, "nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird" (Eph 3,15). In den Evangelien wird Josefs Aufgabe als Vater gegenüber Jesus klar dargelegt. Das Heil, das über das Menschsein Jesu führt, verwirklicht sich in der Tat in den Haltungen, die unter Beachtung jener "Fügsamkeit", die dem Plan der Menschwerdung innewohnt, zum Alltag des Familienlebens gehören. Die Evangelisten legen großen Wert darauf zu zeigen, daß im Leben Jesu nichts dem Zufall überlassen war, sondern sich alles nach einem von Gott vorherbestimmten Plan vollzog. Die häufig wiederkehrende Formel: "So geschah es, damit erfüllt würde ..." und die Beziehung des beschriebenen Geschehens auf einen Text des Alten Testamentes zielen darauf ab, die Einheit und Kontinuität des Planes zu unterstreichen, der in Christus seine Erfüllung erreicht.

Mit der Menschwerdung Gottes werden die "Verheißungen" und die "Gestalten" des Alten Testamentes "Wirklichkeit": Orte, Personen, Ereignisse und Bräuche verflechten sich nach genauen göttlichen Anordnungen, die von dem Engel überbracht und von Geschöpfen, die für die Stimme Gottes besonders empfänglich sind, aufgenommen werden. Maria ist die demütige Magd des Herrn, die von Ewigkeit her auf die Aufgabe, die Mutter Gottes zu sein, vorbereitet wurde; Josef ist der, den Gott dazu auserwählt hat, "die Geburt Jesu zu regeln",(27) dem aufgetragen ist, für die "geordnete" Eingliederung des Gottessohnes in die Welt, unter Beachtung der göttlichen Verfügungen und der menschlichen Gesetze, zu sorgen. Das ganze sogenannte "private" oder "verborgene" Leben Jesu ist seiner Obhut anvertraut.

Die Volkszählung

9. Als sich Josef in Befolgung der Anordnungen der staatlichen Behörden zur Eintragung in die Einwohnerlisten nach Betlehem begab, erfüllte er in bezug auf das Kind die wichtige und bedeutsame Aufgabe, den Namen "Jesus, Sohn Josefs aus Nazaret" (vgl. Joh 1,45), offiziell in die Einwohnerliste des Römischen Reiches eintragen zu lassen. Diese Eintragung bezeugt offenkundig Jesu Zugehörigkeit zum Menschengeschlecht, Mensch unter Menschen, Bürger dieser Welt, der den zivilen Gesetzen und Einrichtungen unterworfen ist, aber auch "Retter der Welt". Origenes beschreibt sehr gut die theologische Bedeutung, die diesem keineswegs nebensächlichen historischen Ereignis zukommt: "Da unter Kaiser Augustus die erste Volkszählung auf dem ganzen Erdkreis stattfand und unter allen anderen sich auch Josef zusammen mit Maria, seiner Frau, die ein Kind erwartete, eintragen ließ, und da Jesus noch vor Abschluß der Volkszählung zur Welt kam, wird jeder, der die Dinge aufmerksam überlegt, den Eindruck haben, die Tatsache, daß bei der behördlichen Einwohnererfassung des ganzen Erdkreises auch Christus eingetragen werden sollte, sei Ausdruck irgendeines Geheimnisses: auf diese Weise konnte er, der mit allen erfaßt war, alle heiligen; er, der mit dem ganzen Erdkreis in die Einwohnerliste eingetragen worden war, bot der Erde die Gemeinschaft mit ihm an, und nach dieser Erfassung schrieb er alle Menschen auf Erden in das Buch der Lebenden ein, womit alle, die an ihn geglaubt haben, darin in den Himmel eingeschrieben werden würden, zusammen mit den Heiligen desjenigen, dem die Ehre und Herrschaft gehört von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen".(28)

Die Geburt in Betlehem

10. Als Hüter des Geheimnisses, "das von Ewigkeit her in Gott verborgen war" und das, "als die Zeit erfüllt war", vor seinen Augen Wirklichkeit zu werden beginnt, ist Josef zusammen mit Maria in der Nacht von Bethlehem privilegierter Zeuge des Kommens des Sohnes Gottes in die Welt. Lukas schreibt:

"Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war" (Lk 2,6-7).

Josef war Augenzeuge dieser Geburt, die unter menschlich erniedrigenden Umständen erfolgte und damit erste Ankündigung jener "Entäußerung" (vgl. Phil 2,5-8) war, die Christus um der Vergebung der  Sünden willen freiwillig auf sich nahm. Ebenso war Josef Zeuge der Anbetung der Hirten, die am Ort der Geburt Jesu eintrafen, nachdem ihnen der Engel diese große frohe Kunde überbracht hatte (vgl. Lk 2,15-16); später war er auch Zeuge der Huldigung, die die Magier aus dem Osten dem Kind erwiesen. (vgl. Mt 2,11).

Die Beschneidung

11. Da die Beschneidung des Sohnes die erste religiöse Pflicht des Vaters ist, erfüllt Josef mit diesem Ritus (vgl. Lk 2,21) sein Recht und seine Pflicht gegenüber Jesus.

Das Prinzip, nach welchem sämtliche rituellen Bräuche des Alten Testamentes der Schatten der Wirklichkeit sind (vgl. Hebr 9,9 f; 10,1), erklärt, warum Jesus sie annimmt. Wie die anderen Bräuche, so findet auch der Ritus der Beschneidung in Jesus die "Erfüllung". Der Bund Gottes mit Abraham, dessen Zeichen die Beschneidung war (vgl. Gen 17,13), erreicht in Jesus seine volle Gültigkeit und seine vollkommene Verwirklichung, da Jesus das "Ja" zu allen früheren Verheißungen ist (vgl. 2 Kor 1,20).

Die Namensgebung

12. Josef gibt dem Kind bei der Beschneidung den Namen Jesus. Allein in diesem Namen ist das Heil zu finden (vgl. Apg 4,12); und dessen Bedeutung war Josef bei "Verkündigung" seiner eigenen Aufgabe enthüllt worden: "Ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen" (Mt 1,21). Mit der Namensgebung erklärt Josef seine rechtmäßige Vaterschaft über Jesus, und mit der Nennung des Namens verkündet er Jesu Sendung als Retter.

Die Darstellung Jesu im Tempel

13. Dieser Brauch, von dem Lukas (2,22 f) berichtet, schließt die Weihe und Einlösung des Erstgeborenen ein und erhellt den späteren Aufenthalt des zwölfjährigen Jesus im Tempel. Die Einlösung des Erstgeborenen ist eine weitere Pflicht des Vaters, die von Josef erfüllt wird. Im Erstgeborenen war das Volk des Alten Bundes verkörpert, das aus der Sklaverei freigekauft worden war, um Gott anzugehören. Auch in dieser Hinsicht "erfüllt" Jesus, der der wahre "Preis" der Einlösung ist (vgl. 1 Kor 6,20; 7,23; 1 Petr 1,19), nicht nur den Brauch des Alten Testaments, sondern geht zugleich über ihn hinaus, da er ja nicht ein Freizukaufender, sondern selbst der Urheber der Einlösung ist.

Wie der Evangelist hervorhebt, "staunten der Vater und die Mutter Jesu über die Worte, die über ihn gesagt wurden" (vgl. Lk 2,33), und besonders über das, was Simon sagte, als er in seinem an Gott gerichteten Hymnus Jesus als das "Heil" bezeichnete, "das Gott vor allen Völkern bereitet hat, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für sein Volk Israel", und etwas später auch als "ein Zeichen, dem widersprochen wird" (vgl. Lk 2,30-34).

Die Flucht nach Ägypten

14. Nach der Darbringung im Tempel schreibt der Evangelist Lukas: "Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm" (Lk 2,39-40).

Nach dem Text des Matthäus ist jedoch vor dieser Rückkehr nach Galiläa ein sehr wichtiges Ereignis anzusetzen, für das sich die göttliche Vorsehung wieder des Josef bedient. Wir lesen dort: "Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten" (Mt 2,13). Durch das Eintreffen der Sterndeuter aus dem Osten hatte Herodes von der Geburt des "Königs der Juden" erfahren (Mt 2,2).

Und als die Sterndeuter abgezogen waren, "ließ er in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten" (Mt 2,16). Dadurch, daß er alle töten ließ, wollte er jenen neugeborenen "König der Juden" töten, von dem er während des Besuches der Sterndeuter an seinem Hof Kenntnis erhalten hatte. Nachdem Josef im Traum die Warnung vernommen hatte, "stand er in der Nacht auf und floh mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen" (Mt 2,14-15; vgl. Hos 11,1).

So führte also die Rückkehr Jesu von Betlehem nach Nazaret über Ägypten. Wie Israel den Weg des Auszugs "aus der Sklaverei" angetreten hatte, um den Alten Bund zu beginnen, so behütet Josef, Hüter und Mitwirkender des Geheimnisses der Vorsehung Gottes, auch in der Verbannung den, der den Neuen Bund verwirklicht.

Jesus im Tempel

15. Seit der Verkündigung befand sich Josef zusammen mit Maria gewissermaßen im Innersten des von Ewigkeit her in Gott verborgenen Geheimnisses, das Menschengestalt angenommen hatte: "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14). Es wohnte mitten unter den Menschen, und sein Lebensbereich war die heilige Familie von Nazaret - eine der vielen Familien dieses Städtchens in Galiläa, eine der vielen Familien Israels. Dort wuchs Jesus heran und "wurde kräftig; Gott erfüllte ihn mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm" (Lk 2,40). Die Evangelien fassen in wenigen Worten den langen Zeitraum des "verborgenen" Lebens zusammen, währenddessen sich Jesus auf seine messianische Sendung vorbereitete. Ein einziger Augenblick entzieht sich dieser "Verborgenheit" und wird vom Lukasevangelium beschrieben: das Paschafest in Jerusalem, als Jesus zwölf Jahre alt war.

Jesus nahm als junger Pilger mit Maria und Josef an diesem Fest teil. "Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne daß seine Eltern es merkten" (Lk 2,43). Nach einem Tag bemerkten sie es und begannen, ihn "bei den Verwandten und Bekannten" zu suchen: "Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten" (Lk 2,46-47). Maria fragte: "Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht" (Lk 2,48). Die Antwort Jesu war so, daß die beiden "nicht verstanden, was er damit sagen wollte". Er hatte gesagt: "Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört?" (Lk 2,49-50).

Diese Antwort hörte Josef, den Maria soeben mit dem Wort "dein Vater" bezeichnet hatte. Tatsächlich redeten und dachten alle so: "Man hielt Jesus für den Sohn Josefs" (Lk 3,23). Nichtsdestoweniger sollte die Antwort Jesu im Tempel dem "mutmaßlichen Vater" wieder ins Bewußtsein zurückrufen, was er eines Nachts vor zwölf Jahren vernommen hatte: "Josef, ... fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist". Bereits seit damals wußte er, daß er Hüter des Geheimnisses Gottes war, und der zwölfjährige Jesus rief ihm genau dieses Geheimnis ins Gedächtnis zurück: "Ich muß in dem sein, was meinem Vater gehört".

Zum Textanfang

Nach oben

Aufziehen und Erziehung des Jesus von Nazaret

16. Jesus wuchs heran und nahm zu "an Weisheit, Alter und Gnade" (vgl. Lk 2,52) im Kreis der heiligen Familie, unter den Augen Josefs, der die hohe Aufgabe hatte, Jesus "aufzuziehen", das heißt ihn zu ernähren, zu kleiden und im Gesetz und in einem Handwerk zu unterweisen, wie es den Pflichten, die dem Vater aufgetragen sind, entspricht.

Im eucharistischen Opfer ehrt die Kirche "zunächst das Gedächtnis der seligen immerwährenden Jungfrau Maria, aber auch des heiligen Josef",29 weil "er den ernährt hat, den die Gläubigen als Brot des ewigen Lebens essen sollten".(30)

Jesus seinerseits "war ihnen gehorsam" (Lk 2,51), indem er die aufmerksame Sorge seiner "Eltern" mit Ehrfurcht erwiderte. Damit wollte er die Pflichten der Familie sowie die der Arbeit, die er an der Seite Josefs leistete, heiligen.

 

III. Der gerechte Mann - der Gemahl Mariens

17. Während seines ganzen Lebens, das ein Pilgerweg im Glauben war, blieb Josef wie Maria bis zum Ende dem Ruf Gottes treu. Das Leben Mariens war die äußerste Erfüllung jenes ersten fiat, das sie bei der Verkündigung gesprochen hatte, während Josef, wie bereits gesagt wurde, bei seiner "Verkündigung" kein Wort hervorbrachte: er "tat" einfach, "was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte" (Mt 1,24). Und dieses erste "Tun" wurde der Anfang von "Josefs Weg". Entlang dieses Weges berichten die Evangelien nicht ein Wort, das von Josef gesprochen worden wäre. Aber Josefs Schweigen hat eine besondere Bedeutung: man kann daran die Wahrheit ablesen, die in dem Urteil des Evangeliums über ihn enthalten ist: er war "gerecht" (Mt 1,19). Man muß diese Wahrheit richtig zu lesen verstehen, denn sie enthält eines der wichtigsten Zeugnisse über den Menschen und seine Berufung. Im Laufe der Generationen liest die Kirche immer aufmerksamer und bewußter ein solches Zeugnis, wobei sie aus dem reichen Vorrat dieser einzigartigen Gestalt "Neues und Altes" hervorholt (vgl. Mt 13,52).

18. Der "gerechte Mann" aus Nazaret besitzt vor allem die klaren Wesensmerkmale des Ehemannes. Der Evangelist spricht von Maria als "einer Jungfrau, die mit einem Mann namens Josef verlobt war" (Lk 1,27). Ehe "das Geheimnis, das von Ewigkeit an in Gott verborgen war" (Eph 3,9), Wirklichkeit zu werden beginnt, stellen uns daher die Evangelien das Bild des Ehemanns und der Ehefrau vor Augen. Nach der Gepflogenheit des jüdischen Volkes wurde die Eheschließung in zwei Abschnitten vollzogen: zuerst wurde die gesetzliche Eheschließung (eigentliche Ehe) gefeiert, und erst nach einiger Zeit nahm der Mann die Frau zu sich in sein Haus. Bevor Josef mit Maria zusammenlebte, war er also bereits ihr "Mann"; Maria jedoch bewahrte in ihrem Inntersten das Verlangen, sich Gott allein ganz hinzugeben. Man könnte sich fragen, wie sich dieses Verlangen mit der "Vermählung" in Einklang bringen lasse. Die Antwort kommt einzig und allein von der Entwicklung des Heilsgeschehens, das heißt vom besonderen Handeln Gottes selbst. Bereits im Augenblick der Verkündigung weiß Maria, daß sie ihren Vorsatz, jungfräulich zu bleiben und sich Gott in vollkommener und ausschließlicher Weise zu weihen, ausführen muß, um überhaupt in den Stand zu gelangen, Mutter des Gottessohnes zu sein. Die Mutterschaft durch das Wirken des Heiligen Geistes ist die Form der Hingabe, die Gott selbst von der Jungfrau, die mit Josef "verlobt ist", erwartet. So spricht Maria ihr "Fiat". Der Umstand, daß sie mit Josef "verlobt" ist, ist in dem Plan Gottes enthalten. Darauf weisen die beiden von uns zitierten Evangelisten, besonders aber Matthäus, hin. Die an Josef gerichteten Worte sind sehr bezeichnend: "Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist" (Mt 1,20). Sie erläutern das Geheimnis der Frau Josefs: Maria ist trotz ihrer Mutterschaft Jungfrau. In ihr nimmt "der Sohn des Höchsten" einen menschlichen Leib an und wird "der Menschensohn".

Als sich Gott mit den Worten des Engels an Josef wendet, wendet er sich an ihn als den Mann der Jungfrau von Nazaret. Was sich in ihr durch das Wirken des Heiligen Geistes vollzogen hat, ist zugleich Ausdruck und besondere Bestätigung der ehelichen Bindung, die bereits vorher zwischen Josef und Maria bestand. Der Himmelsbote sagt ganz klar zu Josef: "Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen". Das, was vorher geschehen war - seine Vermählung mit Maria - war also nach dem Willen Gottes geschehen und wurde daher bewahrt. In ihrer Gottesmutterschaft muß Maria als "eine Jungfrau und Frau eines Mannes" (vgl. Lk 1,27) weiterleben.

19. In den Worten der nächtlichen "Verkündigung" vernimmt Josef´ nicht nur die göttliche Wahrheit über die unaussprechliche Berufung seiner Frau, sondern er hört außerdem wieder die Wahrheit über die eigene Berufung. Dieser "gerechte" Mann, der ganz im Geist der vornehmsten Traditionen des auserwählten Volkes die Jungfrau aus Nazaret liebte und sich mit ihr in ehelicher Liebe verbunden hatte, wird von Gott nochmals zu dieser Liebe berufen. "Josef tat, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich" (Mt 1,24); das Kind, das sie erwartet, "ist vom Heiligen Geist": muß man nicht aus diesen Aussagen schließen, daß auch seine Liebe als Mann vom Heiligen Geist neu belebt wird? Muß man nicht daran denken, daß die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in das Herz des Menschen ausgegossen ist (vgl. Röm 5,5), jede menschliche Liebe in vollkommenster Weise gestaltet? Sie gestaltet auch - und das in einzigartiger Weise - die bräutliche Liebe der Ehegatten, indem sie in ihr all das vertieft, was menschlich würdig und schön ist, was die Merkmale der ausschließlichen Hingabe, der Verbundenheit der Personen und der echten Gemeinschaft nach dem Vorbild der Dreifaltigkeit an sich trägt. "Josef ... nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar" (Mt 1,24-25). Diese Worte weisen auch auf eine andere eheliche Nähe hin. Die Tiefe dieser Nähe und die Intensität der geistigen Einheit und des Kontakts zwischen den Personen - des Mannes und der Frau - stammen letztlich aus dem Geist, der lebendig macht (vgl. Joh 6,63). Josef, der dem Geist gehorsam war, fand eben in ihm aufs neue die Quelle der Liebe, seiner ehelichen Liebe als Mann, und diese Liebe war größer als jene, die sich "der gerechte Mann" nach der Möglichkeit seines menschlichen Herzens hätte erwarten können.

20. In der Liturgie wird Maria als die gefeiert, "die durch ein Band ehelicher und jungfräulicher Liebe mit Josef, einem gerechten Mann, verbunden ist".31 Es handelt sich tatsächlich um zwei Weisen der Liebe, die gemeinsam das Geheimnis der Kirche als Jungfrau und Braut darstellen, die in der Ehe von Maria und Josef ihr Symbol findet. "Die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit für das Reich Gottes stehen in keinerlei Widerspruch zum hohen Wert der Ehe, sondern setzen ihn voraus und bekräftigen ihn. Ehe und Jungfräulichkeit sind die beiden Weisen, das eine Geheimnis des Bundes Gottes mit seinem Volk darzustellen und zu leben",(32) der eine Liebesgemeinschaft zwischen Gott und den Menschen ist. Durch seine völlige Selbstübereignung bringt Josef seine hochherzige Liebe zur Gottesmutter zum Ausdruck, indem er mit ihr die Ehe eingeht. Obwohl er beschlossen hatte sich zurückzuziehen, um dem Plan Gottes, der in ihr Wirklichkeit werden sollte, nicht im Wege zu stehen, behält er sie auf die ausdrückliche Anweisung des Engels hin bei sich und respektiert ihre ausschließliche Zugehörigkeit zu Gott. Andererseits erwachsen Josef aus der Ehe mit Maria seine einzigartige Würde und seine Rechte über Jesus. "Sicher steht die Würde der Muttergottes so hoch, daß es nichts Erhabeneres geben kann; da aber zwischen der seligen Jungfrau und Josef ein Eheband geknüpft worden war, besteht kein Zweifel, daß er jener höchsten Würde, aufgrund welcher die Muttergottes alle Geschöpfe weit überragt, näherkommt als sonst irgendjemand. Da die Ehe die höchste Gemeinschaft und Freundschaft ist, mit der sich ihrer Natur nach die Gütergemeinschaft verbindet, ergibt sich daraus, daß Gott, wenn er Josef der Jungfrau zum Mann gegeben hat, ihn ihr nicht nur als Lebensgefährten, Zeugen ihrer Jungfräulichkeit und Beschützer ihrer Ehre gegeben hat, sondern auch, damit er durch den Ehevertrag an ihrer herausragenden Größe teilhabe".(33)

21. Ein solches Band der Liebe bestimmte das Leben der heiligen Familie, zunächst in der Armseligkeit in Betlehem, dann im Exil in Ägypten und danach am Wohnsitz in Nazaret. Die Kirche umgibt diese Familie mit tiefer Verehrung und stellt sie allen Familien als Vorbild hin. Die direkt in das Geheimnis der Menschwerdung einbezogene Familie von Nazaret stellt selbst ein Geheimnis besonderer Art dar. Und zu diesem Geheimnis gehört - so wie bei der Menschwerdung - die wahre Vaterschaft: die menschliche Gestalt der Familie des Gottessohnes - eine vom göttlichen Geheimnis gestaltete echte menschliche Familie. In ihr ist Josef der Vater; seine Vaterschaft geht nicht auf die Zeugung von Kindern zurück; trotzdem ist sie nicht "scheinbar" oder nur "Ersatz", sondern sie besitzt die volle Authentizität der menschlichen Vaterschaft, des väterlichen Auftrags in der Familie. Darin ist eine Folge der hypostatischen Einheit enthalten: das in der Einheit der göttlichen Person des Sohn gewordenen Wortes, Jesus Christus, angenommene Menschsein. Mit der Annahme des Menschseins wird in Christus auch alles "angenommen", was menschlich ist, insbesondere die Familie als erste Dimension seiner irdischen Existenz. In diesem Zusammenhang wird auch die menschliche Vaterschaft Josefs "angenommen". Aufgrund dieses Prinzips gewinnen die Worte Mariens an den zwölfjährigen Jesus im Tempel ihre richtige Bedeutung: "Dein Vater und ich haben dich ... gesucht". Das ist keine herkömmliche Redensart: die Worte der Mutter Jesu weisen auf die ganze Wirklichkeit der Menschwerdung hin, die zum Geheimnis der Familie von Nazaret gehört. Josef, der von Anfang an durch den "Gehorsam des Glaubens" seine menschliche Vaterschaft über Jesus angenommen hat, indem er dem Licht des Heiligen Geistes folgte, das dem Menschen durch den Glauben zuteil wird, entdeckte gewiß in immer größerem Maße das unsagbare Geschenk dieser seiner Vaterschaft.

Zum Textanfang

Nach oben

 

IV. Die Arbeit als Ausdruck der Liebe

22. Alltäglicher Ausdruck dieser Liebe im Leben der Familie von Nazaret ist die Arbeit. Der Text des Evangeliums gibt genau die Art der Arbeit an, mit der Josef sich bemühte, den Unterhalt der Familie sicherzustellen: das Zimmermannshandwerk. Hinter diesem einfachen Wort verbirgt sich der ganze Umkreis von Josefs Leben. Für Jesus sind es die Jahre des verborgenen Lebens, von denen der Evangelist nach der Episode im Tempel sagt: "Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam" (Lk 2,51). Diese "Fügsamkeit", das heißt der Gehorsam Jesu im Haus in Nazaret, ist auch als Teilnahme an der Arbeit Josefs zu verstehen. Er, der als der "Sohn des Zimmermanns" galt, hatte von seinem vermeintlichen "Vater" das Handwerk gelernt. Wenn die Familie von Nazaret in der Ordnung des Heils und der Heiligkeit das Beispiel und Vorbild für die menschlichen Familien ist, so gilt das analog auch für die Arbeit Jesu an der Seite des Zimmermanns Josef. In unserer Zeit hat die Kirche das auch mit dem auf den ersten Mai festgesetzten liturgischen Gedächtnis Josefs des Arbeiters unterstrichen. Die menschliche Arbeit und im besonderen die manuelle Arbeit finden im Evangelium besondere Beachtung. Zusammen mit dem Menschsein des Gottessohnes ist sie in das Geheimnis der Menschwerdung aufgenommen, so wie sie auch in besonderer Weise erlöst wurde. Dank seiner Werkbank, an welcher er sein Handwerk zusammen mit Jesus ausübte, brachte Josef die menschliche Arbeit dem Geheimnis der Erlösung näher.

23. Einen beachtlichen Anteil an seinem menschlichen Heranwachsen und seiner Zunahme "an Weisheit, Alter und Gnade" hatte bei Jesus die Tugend des Fleißes, da ja "die Arbeit ein Gut für den Menschen ist", das "die Natur umwandelt" und bewirkt, daß der Mensch "gewissermaßen mehr Mensch wird".(34) Die Bedeutung der Arbeit im Leben des Menschen erfordert, daß man sie in ihren Einzelheiten kennenlernt und sich aneignet, "um allen Menschen zu helfen, durch die Arbeit Gott, dem Schöpfer und Erlöser, näherzukommen, an seinem Heilsplan für Mensch und Welt mitzuwirken und in ihrem Leben die Freundschaft mit Christus zu vertiefen und durch den Glauben lebendig teilzunehmen an seiner dreifachen Sendung als Priester, Prophet und König".(35)

24. Schließlich geht es um die Heiligung des Alltagslebens, die ein jeder seinem Stand entsprechend erlangen soll und die nach einem für alle annehmbaren Vorbild gefördert werden kann: "Der hl. Josef ist das Vorbild der Demütigen, die das Christentum für große Ziele bestimmt; ... er ist der Beweis dafür, daß es, um gute und glaubwürdige Nachfolger Christi zu sein, keiner ,großartigen Dinge’ bedarf, sondern nur allgemeine, menschliche, schlichte, aber wahre und glaubwürdige Tugenden erforderlich sind".(36)

V. Der Vorrang des Innenlebens

25. Auch über die Arbeit des Zimmermanns im Haus von Nazaret breitet sich dieselbe Atmosphäre des Schweigens aus, die alles, was sich auf die Gestalt des heiligen Josef bezieht, begleitet. Tatsächlich ist das Schweigen das hervorragende Kennzeichen des inneren Wesens dieser Gestalt. Die Evangelien sprechen ausschließlich von dem, was Josef "tat"; übereinstimmend decken sie jedoch in seinen bisweilen von Schweigen umhüllten "Handlungen" eine Atmosphäre tiefer Beschaulichkeit auf. Josef stand in täglichem Kontakt mit dem "von Ewigkeit her verborgenen" Geheimnis, das unter dem Dach seines Hauses "Wohnung genommen hat". Dies erklärt, weshalb zum Beispiel die hl. Theresia von Jesus, die große Reformatorin des beschaulichen Karmel, die Erneuerung der Verehrung des hl. Josef in der abendländischen Christenheit so nachdrücklich förderte.

26. Josefs völlige Übereignung seiner ganzen Existenz an die Erfordernisse des Kommens des Messias in sein Haus findet den angemessenen Grund "in seinem unerforschlichen Innenleben, aus dem ihm einzigartige Anweisungen und Tröstungen zukommen und ihm die einfachen, reinen Seelen eigene Logik und Kraft zu großen Entscheidungen erwachsen, wie jener, seine Freiheit, seine rechtmäßige menschliche Berufung, sein Eheglück sogleich den göttlichen Plänen zur Verfügung zu stellen, indem er den Stand, die Verantwortung und die Last der Familie auf sich nimmt und um einer unvergleichlichen jungfräulichen Liebe willen auf die natürliche eheliche Liebe, die sie begründet und nährt, verzichtet".(37) Diese Fügsamkeit gegenüber Gott, die Bereitschaft zur Hingabe in allem, was seinen Dienst betrifft, ist nichts anderes als die Ausübung der Frömmigkeit, die eine der Ausdrucksformen der Tugend der Gottesfurcht darstellt.(38)

27. Die Lebensgemeinschaft zwischen Josef und Jesus läßt uns noch einmal das Geheimnis der Menschwerdung eben unter dem Gesichtspunkt des Menschseins Christi als wirksames Werkzeug des göttlichen Willens zur Heiligung der Menschen betrachten: "Kraft seiner Göttlichkeit waren die menschlichen Handlungen Christi für uns heilbringend, indem sie, sei es wegen des Verdienstes oder aufgrund einer gewissen Wirksamkeit, in uns die Gnade verursachten".(39) Unter diesen Handlungen geben die Evangelisten jenen den Vorrang, die das Ostergeheimnis betreffen, unterlassen es aber nicht, die Bedeutung der physischen Berührung mit Jesus in bezug auf die Heilungen (vgl. z.B. Mk 1,41) und den Einfluß hervorzuheben, den er auf Johannes den Täufer ausübte, als beide noch im Mutterschoß waren (vgl. Lk 1,41-44). Das apostolische Zeugnis hat - wie man sieht - die Erzählung von der Geburt Jesu, von der Beschneidung, von der Darbringung im Tempel, von der Flucht nach Ägypten und vom verborgenen Leben Jesu in Nazaret nicht vernachlässigt, wegen des in solchen "Geschehnissen" enthaltenen "Geheimnisses" der Gnade, die alle Heilscharakter besitzen, weil sie an derselben Quelle der Liebe teilhaben: der Göttlichkeit Christi. Wenn sich diese Liebe durch sein Menschsein über alle Menschen ausbreitete, so waren davon wohl an erster Stelle diejenigen gesegnet, die der göttliche Wille in die engste, vertraulichste Nähe zu ihm gestellt hatte: Maria, seine Mutter, und Josef, der vermeintliche Das apostolische Zeugnis hat - wie man sieht - die Erzählung von der Geburt Jesu, von der Beschneidung, von der Darbringung im Tempel, von der Flucht nach Ägypten und vom verborgenen Leben Jesu in Nazaret nicht vernachlässigt, wegen des in solchen "Geschehnissen" enthaltenen "Geheimnisses" der Gnade, die alle Heilscharakter besitzen, weil sie an derselben Quelle der Liebe teilhaben: der Göttlichkeit Christi. Wenn sich diese Liebe durch sein Menschsein über alle Menschen ausbreitete, so waren davon wohl an erster Stelle diejenigen gesegnet, die der göttliche Wille in die engste, vertraulichste Nähe zu ihm gestellt hatte: Maria, seine Mutter, und Josef, der vermeintliche Vater.(40) Wie soll man, da die "väterliche" Liebe Josefs nicht ohne Einfluß auf die "kindliche" Liebe Jesu und umgekehrt die "kindliche" Liebe Jesu nicht ohne Einfluß auf die "väterliche" Liebe Josefs bleiben konnte, in die Tiefgründigkeit dieser einzigartigen Beziehung vordringen? Die für die Anregungen der göttlichen Liebe empfänglichsten Seelen sehen mit Recht in Josef ein leuchtendes Beispiel des inneren Lebens. Außerdem wird die scheinbare Spannung zwischen dem tätigen und dem beschaulichen Leben in ihm in idealer Weise überwunden, was nur dem möglich ist, der die Vollkommenheit der Liebe besitzt. Der bekannten Unterscheidung zwischen der Liebe zur Wahrheit (caritas veritatis) und der Notwendigkeit der Liebe (necessitas caritatis) folgend,41 können wir sagen, daß Josef sowohl die Liebe zur Wahrheit, das heißt die reine betrachtende Liebe zur göttlichen Wahrheit, die von der Menschheit Christi ausstrahlte, gelebt hat als auch notwendige Nächstenliebe, das heißt die ebenso reine Liebe des Dienstes, den die Obhut und Entfaltung eben dieser Menschheit von ihm verlangte.

Zum Textanfang

Nach oben

 

VI. Patron der Kirche unserer Zeit

28. Da Pius IX. in schwieriger Zeit die Kirche dem besonderen Schutz des heiligen Patriarchen Josef anvertrauen wollte, erklärte er ihn zum "Patron der katholischen Kirche".42 Der Papst wußte, daß er damit nicht eine weit hergeholte Geste vollzog, denn aufgrund der herausragenden Würde, die Gott diesem treuen Diener gewährt hatte, "hielt die Kirche nach der seligen Jungfrau, seiner Frau, stets den heiligen Josef hoch in Ehren und bedachte ihn mit Lob und wandte sich vorzugsweise in ihren Bedrängnissen an ihn".(43) Welches sind die Gründe für ein so großes Vertrauen? Leo XIII. legt sie wie folgt dar: "Die Gründe dafür, daß der heilige Josef als besonderer Patron der Kirche angesehen werden und die Kirche ihrerseits sich von seinem Schutz und Beistand sehr viel erwarten darf, rühren hauptsächlich daher, daß er der Mann Mariens und vermeintliche Vater Jesu ist ... Josef war zu seiner Zeit rechtmäßiger und natürlicher Hüter, Haupt und Verteidiger der göttlichen Familie. Es ist daher für den heiligen Josef angebracht und seiner höchst würdig, daß er, so wie er einst die Familie von Nazaret in allen Belangen heiligmäßig zu beschützen gewohnt war, jetzt die Kirche Christi mit seinem himmlischen Beistand beschützt und verteidigt".(44)

29. Dieser Schutz muß erfleht werden; die Kirche braucht ihn immer noch, nicht nur zur Verteidigung gegen die aufkommenden Gefahren, sondern auch und vor allem zur Stärkung ihrer erneuten Anstrengung für die Evangelisierung der Welt und für die Neuevangelisierung in jenen "Ländern und Nationen - wie ich im Apostolischen Schreiben Christifideles laici festgestellt habe -, in denen früher Religion und christliches Leben blühten ... und die nun harte Proben durchmachen".45 Um die erste Botschaft von Christus zu bringen oder um sie neu zu verkünden, wo sie vernachlässigt wurde oder in Vergessenheit geriet, braucht die Kirche eine besondere "Gnade von oben" (vgl. Lk 24,49; Apg 1,8), gewiß ein Geschenk des Geistes des Herrn und verbunden mit der Fürsprache und dem Beispiel seiner Heiligen.

30. Außer auf den sicheren Schutz vertraut die Kirche auch auf das herausragende Beispiel des hl. Josef, ein Beispiel, das über die einzelnen Lebenslagen hinausgeht und sich der ganzen Kirche anbietet, in welcher Situation auch immer sie sich befindet und welches die Aufgaben jedes einzelnen Gläubigen auch sind. Wie es in der Konstitution des II. Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung heißt, muß die Grundhaltung der ganzen Kirche sein, "Gottes Wort voll Ehrfurcht zu hören",46 das heißt die absolute Bereitschaft, dem in Jesus geoffenbarten Heilswillen Gottes in Treue zu dienen. Bereits am Anfang der Erlösung des Menschen finden wir das Vorbild des Gehorsams nach Maria eben in Josef verkörpert, der sich durch die treue Ausführung der Gebote Gottes auszeichnet. Papst Paul VI. forderte dazu auf, Josef, "wie es die Kirche in letzter Zeit zu tun pflegt", um seinen Beistand anzurufen, "zunächst durch eine spontane theologische Reflexion über die Verbindung des göttlichen mit dem menschlichen Tun in dem großen Heilsplan, in welchem das erste, nämlich das göttliche, ganz sich selbst genügt, aber das zweite, das menschliche, also unser Tun, obwohl allein zu nichts imstande (vgl. Joh 15,5), niemals einer zwar bescheidenen, aber bedingenden und adelnden Mitwirkung enthoben ist. Außerdem ruft die Kirche den Beschützer aus einem tiefen und höchst aktuellen Verlangen an, ihre irdische Existenz mit wahren evangelischen Tugenden, wie sie im heiligen Josef erstrahlen, wiederzubeleben".(47)

31. Die Kirche setzt diese Erfordernisse in Gebet um. Eingedenk der Tatsache, daß Gott "die Anfänge unserer Erlösung dem aufmerksamen Schutz des hl. Josef anvertraut hat", bittet sie ihn zu ermöglichen, daß sie in Treue am Heilswerk mitwirkt, daß ihr dieselbe Treue und Reinheit des Herzens, die Josef im Dienst am fleischgewordenen Wort beseelte, zuteil wird, und daß sie nach dem Beispiel und durch die Fürsprache des Heiligen vor Gott hergeht auf den Wegen der Heiligkeit und Gerechtigkeit.(48) Bereits vor hundert Jahren rief Papst Leo XIII. die katholischen Gläubigen auf, um den Schutz des hl. Josef, des Patrons der ganzen Kirche, zu beten. Die Enzyklika Quamquam pluries berief sich auf jene "väterliche Liebe", die Josef "dem Knaben Jesus entgeg enbrachte", und empfahl dem "vorsorglichen Hüter der göttlichen Familie" "das teure Erbe, das Jesus Christus mit seinem Blut erworben hatte". Seit damals erfleht die Kirche - wie ich eingangs erwähnt habe - "wegen jener heiligen Liebesbande, die ihn an die unbefleckte Jungfrau und Gottesmuttter band", den Schutz des hl. Josef und empfiehlt ihm alle ihre Sorgen, auch hinsichtlich der Bedrohungen, die über der ganzen Menschheitsfamilie liegen. Noch heute aben wir zahlreiche Gründe, in derselben Weise zu beten: "Entferne von uns, geliebter Vater, diese Seuche von Irrtum und Laster ..., stehe uns wohlgesinnt bei in diesem Kampf gegen die Macht der Finsternis ...; und wie du einst das bedrohte Leben des Jesuskindes vor dem Tod gerettet hast, so verteidige jetzt die heilige Kirche Gottes gegen feindselige Hinterlist und alle Gegner".(49) Auch heute noch haben wir bleibende Gründe, um jeden einzelnen Menschen dem hl. Josef zu empfehlen.

32. Ich wünsche lebhaft, daß die vorliegende Erinnerung an die Gestalt des hl. Josef auch in uns das Gebet, das vor hundert Jahren mein Vorgänger an ihn zu richten empfohlen hat, erneuern möge. Denn gewiß gewinnen dieses Gebet und Josefs Gestalt in bezug auf das neue christliche Jahrtausend eine erneuerte Aktualität für die Kirche in unserer Zeit. Das II. Vatikanische Konzil hat alle in neuer Weise empfänglich gemacht für die "großen Dinge Gottes", für jenen "Heilsplan", dessen besonderer Diener Josef war. Wenn wir uns also dem Schutz dessen empfehlen, dem Gott selber "den Schutz seiner kostbarsten und größten Schätze anvertraut hat",50 dann wollen wir zugleich von ihm lernen, dem "Heilsplan" zu dienen. Möge der hl. Josef für alle ein einzigartiger Lehrmeister im Dienst an der Heilssendung Christi werden, einem Dienst, der in der Kirche jeden einzelnen und alle angeht: die Eheleute und die Eltern, jene, die von ihrer Hände Arbeit oder jeder anderen Arbeit leben, die Personen, die zum beschaulichen Leben wie jene, die zum Apostolat berufen sind.

Der gerechte Mann, der das ganze Erbe des Alten Bundes in sich trug, ist auch in den "Anfang" des Neuen und Ewigen Bundes in Jesus Christus eingeführt worden. Möge er uns die Wege dieses heilbringenden Bundes weisen, jetzt, an der Schwelle des nächsten Jahrtausends, in welchem dieser Bund fortdauern und die "Fülle der Zeit" weit fortschreiten muß, die dem unaussprechlichen Geheimnis der Fleischwerdung des Wortes eigen ist.

Der hl. Josef erwirke für die Kirche und für die ganze Welt sowie für jeden von uns den Segen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Gegeben zu Rom, bei St. Peter,

am 15. August, dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel,

im Jahr 1989, dem elften meines Pontifikates

JOHANNES PAULUS II

Zum Textanfang

Nach oben

 

Anmerkungen

1 Vgl. IRENÄUS, Adversus haereses, IV,23,1: Sources Chrètiennes 100/2, S.692-694.

2 LEO XIII., Enzyklika Quamquam pluries (15. August 1889): Leonis XIII P.M. Acta, IX (1890), S.175-182.

3 Ritenkongregation, Dekret Quemadmodum Deus (8. Dezember 1870): Pii IX P.M. Acta, pars I, vol. V, S.282; PIUS IX., Apost. Schreiben Inclytum Patriarcham (7. Juli 1871), a.a.O., S.331-335.

4 Vgl. JOHANNES CHRYSOSTOMOS, In Matth. Hom. V,3: PG 57,57f. Kirchenlehrer und Päpste haben auch aufgrund der Namensgleichheit auf Josef von Ägypten als Urbild des Josef von Nazaret hingewiesen, um auf irgendeine Weise dessen Dienst und Größe als Hüter der kostbarsten Schätze Gottvaters, nämlich des fleischgewordenen Wortes und seiner allerseligsten Mutter, verhüllt angedeutet zu haben: vgl. z.B. BERNHARD, Super "missus est", Hom. II,16: S. Bernardi Opera, Ed. Cist., IV, 33 f; LEO XIII., Enzyklika Quamquam pluries (15. August 1889): a.a.O., S.179.

5 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 58.

6 Vgl. ebd., Nr. 63.

7 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, Nr. 5.

8 Ebd., Nr. 2.

9 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 63.

10 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, Nr. 2.

11 RITENKONGREGATION, Dekret Novis hisce temporibus (13. November 1962): AAS 54 (1962), S.873.

12 AUGUSTINUS, Sermo, 51,10,16: PL 38,342.

13 AUGUSTINUS, De nuptiis et concupiscentia, I,11,12: PL 44,421; vgl. De consensu evangelistarum, II,1,2: PL 34,1071; Contra Faustum, III,2: PL 42,214.

14 AUGUSTINUS, De nuptiis et concupiscentia, I,11,13: PL 44,421; vgl. Contra Iulianum, V,12,46: PL 44,810.

15 AUGUSTINUS, Contra Faustum, XXIII,8: PL 42,470 f; De consensu evangelistarum, II,1,3: PL 34,1072; Sermo 51,13,21: PL 38,344 f; THOMAS VON AQUIN, Summa theologica, III, q.29, a.2 in conclus.

16 Vgl. Ansprachen vom 9. u. 16. Januar; 20. Februar 1980: Insegnamenti, III/I (1980), S.88-92; 148-152; 428-431.

17 PAUL VI., Ansprache an die Bewegung "Equipes Notre-Dame" (4. Mai 1970), Nr. 7: AAS 62 (1970), S.431.

Ähnliche Lobpreisung der Familie von Nazaret als absolutes Vorbild der Hausgemeinschaft z.B. bei LEO XIII., Apostolisches Schreiben Neminem fugit (14. Juni 1892): Leonis XIII P.M. Acta, XII (1892), S.149 f; BENEDIKT XV., Motu proprio Bonum sane (25. Juli 1920): AAS 12 (1920), S.313-317.

18 Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), Nr. 17: AAS 74 (1982), S.100.

19 Ebd., Nr. 49: a.a.O., S.140; vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 11; Dekret über das Laienapostolat Apostolicam Actuositatem, Nr. 11.

20 Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), Nr. 85: AAS 74 (1982), S.189-190.

21 Vgl. JOHANNES CHRYSOSTOMOS, In Matth. Hom. V,3: PG 57,57 f.

22 PAUL VI., Ansprache (19. März 1966): Insegnamenti, IV (1966), S.110.

23 Vgl. Missale Romanum, Collecta in "Sollemnitate S. Ioseph Sponsi B.M.V.".

24 Vgl. ebd., Praefatio in "Sollemnitate S. Ioseph Sponsi B.M.V.".

25 Enzyklika Quamquam pluries (15. August 1889): a.a.O., S.178.

26 PIUS XII., Rundfunkbotschaft an die Studenten der katholischen Schulen der Vereinigten Staaten von Amerika (19. Februar 1958): AAS 50 (1958), S.174.

27 ORIGENES, Hom. XIII in Lucam, 7: Sources Chrètiennes 87, S.214.

28 Vgl. ORIGENES, Hom. XI in Lucam, 6: Sources Chrètiennes 87, S.194 und 196.

29 Vgl. Missale Romanum, Prex Eucharistica I.

30 RITENKONGREGATION, Dekret Quemadmodum Deus (8. Dezember 1870): a.a.O., S.282.

31 Collectio Missarum de Beata Maria Virgine, I, "Sancta Maria de Nazareth", Praefatio.

32 Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), Nr. 16: a.a.O., S.98.

33 LEO XIII., Enzyklika Quamquam pluries (15. August 1889): a.a.O., S.177 f.

34 Vgl. Enzyklika Laborem exercens (14. September 1981), Nr. 9: AAS 73 (1981), S.599 f.

35 Ebd., Nr. 24: a.a.O., S.638. Die Päpste der jüngsten Zeit haben immer wieder den hl. Josef als "Vorbild" der Arbeiter hingestellt; vgl. z.B. LEO XIII., Enzyklika Quamquam pluries (15. August 1889): a.a.O., S.180; BENEDIKT XV., Motu proprio Bonum sane (25. Juli 1920): a.a.O., S.314-316; PIUS XII., Ansprache (11. März 1945), Nr. 4: AAS 37 (1945),

S.72; Ansprache (1. Mai 1955): AAS 47 (1955), S.406; JOHANNES XXIII., Rundfunktbotschaft (1. Mai 1960): AAS

52 (1960), S.398.

36 PAUL VI., Ansprache (19. März 1969): Insegnamenti, VII (1969), S.1268.

37 Ebd.: a.a.O., S.1267.

38 Vgl. THOMAS VON AQUIN, Summa theologica, II-IIae, q.82, a.3, ad 2.

39 Ebd., III, q.8, a.1, ad 1.

40 Vgl. PIUS XII., Enzyklika Haurietis aquas (15. Mai 1956), III: AAS 48 (1956), S.329 f.

41 Vgl. THOMAS VON AQUIN, Summa theologica, II-IIae, q.182, a.1, ad 3.

42 Vgl. RITENKONGREGATION, Dekret Quemadmodum Deus (8. Dezember 1870), a.a.O., S.283.

43 Ebd., a.a.O., S.282 f.

44 LEO XIII., Enzyklika Quamquam pluries (15. August 1889): a.a.O., S.177-179.

45 Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988), Nr. 34: AAS 81 (1989), S.456.

46 Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, Nr. 1.

47 PAUL VI., Ansprache (19. März 1969): Insegnamenti, VII (1969), S.1269.

48 Vgl. Missale Romanum, Collecta: Super oblata in "Sollemnitate S. Ioseph Sponsi B.M.V."; Post commun. in "Missa votiva S. Ioseph".

49 Vgl. LEO XIII., "Oratio ad Sanctum Iosephum", unmittelbar nach dem Text der Enzyklika Quamquam pluries (15.August 1889): Leonis XIII P.M. Acta, IX (1890), S.183.

50 RITENKONGREGATION, Dekret Quemadmodum Deus (8. Dezember 1870): a.a.O., S.282.

Zum Textanfang

Nach oben

 

 

 

 

 

 

Mitpatroninen Europas

»MOTU PROPRIO«

APOSTOLISCHES SCHREIBEN 
ZUR ERKLÄRUNG DER HL. BIRGITTA VON SCHWEDEN, 
DER HL. KATHARINA VON SIENA UND
DER HL. TERESIA BENEDICTA A CRUCE 
ZU MITPATRONINNEN EUROPAS

JOHANNES PAUL II. 
ZU IMMERWÄHRENDEM GEDENKEN 

Lob der Grösse und Heiligkeit     

Die erste dieser drei großen Gestalten, die hl. Birgitta

Die hl. Katharina von Siena

Die hl. Edith Stein

Zu: KIRCHLICHES LEHRAMT

Nach oben

Zum Textanfang



1. Die Hoffnung auf den Aufbau einer gerechteren und menschenwürdigeren Welt, eine Hoffnung, die von der Erwartung des nunmehr vor der Tür stehenden dritten Jahrtausends noch angefacht wird, muß von dem Bewußtsein getragen sein, daß menschliche Anstrengungen nichts nützen würden, wenn sie nicht von der göttlichen Gnade begleitet wären: »Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut« (Ps 127,1). Dem müssen auch alle Rechnung tragen, die in diesen Jahren vor dem Problem stehen, Europa eine neue Ordnung zu geben, die dem alten Kontinent helfen soll, sich durch Beseitigung des traurigen Erbes der Vergangenheit die Reichtümer seiner Geschichte zunutze zu machen, um mit einer in den besten Traditionen verwurzelten Originalität auf die Erfordernisse der sich wandelnden Welt zu antworten. 
In der Gesamtgeschichte Europas stellt das Christentum zweifellos ein zentrales und prägendes
Element dar, das sich auf dem starken Fundament des klassischen Erbes und der vielfältigen
Beiträge gefestigt hatte, die von den im Laufe der Jahrhunderte aufeinanderfolgenden unterschiedlichen ethnisch-kulturellen Strömungen eingebracht wurden. Der christliche Glaube hat die Kultur des Kontinents geformt und sich mit seiner Geschichte so unlösbar verflochten, daß diese gar nicht verständlich wäre, würde man nicht auf die Ereignisse verweisen, die zunächst die große Zeit der Evangelisierung und dann die langen Jahrhunderte geprägt haben, in denen sich das Christentum, wenn auch in der schmerzlichen Spaltung zwischen Orient und Okzident, als die Religion der Europäer durchgesetzt hat. Auch in Neuzeit und Gegenwart, wo die religiöse Einheit sowohl infolge weiterer Spaltungen unter den Christen als auch wegen der Loslösungsprozesse der Kultur vom Horizont des Glaubens mehr und mehr zerbröckelte, kommt der Rolle des Glaubens  auch weiterhin eine wichtige Bedeutung zu. 

Der Weg in die Zukunft muß dieser Gegebenheit Rechnung tragen. So sind die Christen aufgerufen, sich des Glaubens neu bewußt zu werden, um zu zeigen, was er an Möglichkeiten ständig in sich birgt. Sie haben die Pflicht, zum Aufbau Europas einen besonderen Beitrag zu leisten. Dieser wird um so wertvoller und wirksamer sein, je mehr es den Christen gelingt, sich selbst im Lichte des Evangeliums zu erneuern. Auf diese Weise werden sie jene lange Geschichte der Heiligkeit fortführen, welche die verschiedenen Regionen Europas im Laufe dieser zweitausend Jahre durchzogen hat, in denen die offiziell anerkannten Heiligen nur die als Vorbilder für alle Menschen ausgewiesenen Höhepunkte sind. Denn zahllos sind die Christen, die durch ihr von der Liebe zu Gott und zum Nächsten beseeltes, rechtschaffenes und aufrichtiges Leben in den verschiedensten Berufen als Geistliche, Ordensleute und Laien eine Heiligkeit erlangt haben, die in ihrer Verborgenheit echt und weit verbreitet war. 

Lob der Grösse und Heiligkeit

2. Die Kirche zweifelt nicht daran, daß gerade dieser Schatz der Heiligkeit das Geheimnis ihrer
Vergangenheit und die Hoffnung ihrer Zukunft ist. In ihm drückt sich nämlich am besten das
Geschenk der Erlösung aus, durch das der Mensch von der Sünde befreit wird und die Möglichkeit zu einem neuen Leben in Christus erhält. In ihm findet das Volk Gottes auf seinem Weg durch die Zeit eine unvergleichliche Stütze, fühlt es sich doch zutiefst mit der verherrlichten Kirche verbunden, die im Himmel dem Lamm den Lobpreis singt (vgl. Offb 7,9–10), während sie für die noch auf Erden pilgernde Gemeinschaft Fürbitte einlegt. Darum hat das Volk Gottes seit ältesten Zeiten die Heiligen als Beschützer angesehen. Durch eine einzigartige Gepflogenheit, an der sicher der Einfluß des Heiligen Geistes nicht unbeteiligt war, wurden dann die einzelnen Kirchen, Regionen und sogar Kontinente dem besonderen Schutz einiger Heiliger anvertraut. Manchmal geschah es auf Drängen der Gläubigen, dem die Bischöfe nachgaben, dann wieder auf Initiative der Bischöfe selbst. 

Da gerade die Zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa tagt, schien mir aus der oben gezeichneten Perspektive und angesichts des bevorstehenden Großen Jubiläums des Jahres 2000, daß die europäischen Christen aus der Betrachtung und der Anrufung mancher Heiliger, die auf ihre Weise besonders repräsentativ für ihre Geschichte sind, geistlichen Nutzen ziehen könnten. Die Christen in Europa erleben ja zusammen mit ihren Mitbürgern einen epochalen Übergang, der zwar reich an Hoffnung, aber zugleich nicht frei von Sorgen ist. Ich habe mir daher nach entsprechender Beratung überlegt, das zu vollenden, was ich am 31. Dezember 1980 begonnen habe, als ich zwei Heilige des ersten Jahrtausends, die Brüder Cyrill und Methodius, als Pioniere der Evangelisierung Osteuropas dem hl. Benedikt an die Seite stellte und zu Mitpatronen Europas erklärte. So will ich nunmehr die Schar der himmlischen Schutzpatrone durch drei Gestalten ergänzen, die gleichfalls als Sinnbilder für entscheidende Augenblicke des zu Ende gehenden zweiten Jahrtausends stehen: die hl. Birgitt a von Schweden, die hl. Katharina von Siena und die hl. Teresia Benedicta a Cruce (Edith Stein). Drei große Heilige, drei Frauen, die sich in verschiedenen Epochen – zwei im Hochmittelalter und eine in unserem Jahrhundert – durch die tatkräftige Liebe zur KircheChristi und durch das Zeugnis für sein Kreuz ausgezeichnet haben. 

3. Das Panorama der Heiligkeit ist natürlich so vielfältig und reich, daß die Wahl neuer himmlischer Schutzpatrone auch auf andere sehr würdige Gestalten hätte fallen können, deren sich jede Epoche und jede Region rühmen dürfen. Im Rahmen der von der Vorsehung bestimmten Tendenz, die sich in Kirche und Gesellschaft unserer Zeit durch die immer klarere Anerkennung der Würde und der eigentlichen Gaben der Frau durchgesetzt hat, halte ich jedoch die Option für diese Heiligkeit mit weiblichem Antlitz für besonders bedeutsam. 

In Wirklichkeit hat es die Kirche von ihren Anfängen an nicht versäumt, die Rolle und Sendung der Frau anzuerkennen, auch wenn sie sich bisweilen von den Bedingtheiten einer Kultur beeinflussen ließ, die der Frau nicht immer die gebührende Aufmerksamkeit schenkte. Doch die christliche Gemeinschaft ist auch in dieser Hinsicht allmählich gereift, und gerade die von der Heiligkeit entfaltete Rolle hat sich dafür als entscheidend erwiesen. Ein ständiger Impuls ist vom Bild Mariens, der »idealen Frau«, der Mutter Christi und der Kirche, ausgegangen. Aber auch der Mut der Märtyrinnen, die mit erstaunlicher Seelenkraft die grausamsten Qualen auf sich genommen haben, das Zeugnis der Frauen, die sich mit beispielhafter Radikalität zum asketischen Leben verpflichtet haben, die tägliche Hingabe so vieler Ehefrauen und Mütter in der Familie als »Hauskirche«, die Charismen so vieler Mystikerinnen, die zur theologischen Vertiefung beigetragen haben: Sie alle haben der Kirche eine wertvolle Anleitung dafür gegeben, den Plan, den Gott für die Frauen hat, voll zu erfassen. Seinen unmißverständlichen Ausdruck findet dieser Plan übrigens bereits auf einigen Seiten der Heiligen Schrift und besonders in der im Evangelium bezeugten Haltung Christi. Auf dieser Linie liegt auch die Wahl, die hl. Birgitta von Schweden, die hl. Katharina von Siena und die hl. Teresia Benedicta a Cruce zu Mitpatroninnen Europas zu erklären. 

Der Grund, der dann mein besonderes Augenmerk auf diese Frauen gelenkt hat, liegt in deren
Leben. Ihre Heiligkeit äußerte sich nämlich unter historischen Gegebenheiten und im Rahmen
»geographischer« Räume, die sie für den europäischen Kontinent besonders bedeutsam erscheinen lassen. Die hl. Birgitta ver weist auf den äußersten Norden Europas, wo sich der Kontinent mit den übrigen Teilen der Welt gleichsam zu einer Einheit verbindet; von dort ist sie aufgebrochen, um schließlich in Rom ihr Ziel zu finden. Auch Katharina von Siena ist wegen der Rolle bekannt, die sie damals, als der Nachfolger Petri in Avignon residierte, durch die Vollendung eines geistlichen Werkes spielte, das bereits die hl. Birgitta begonnen hatte: Denn sie hatte die Rückkehr des Papstes an seinen eigentlichen Sitz in der Nähe des Grabes des Apostelfürsten gefördert. Die erst vor kurzem heiliggesprochene Teresia Benedicta a Cruce schließlich verbrachte nicht nur ihr Leben in verschiedenen Ländern Europas, sondern schlug mit ihrer ganzen Existenz als Denkerin, Mystikerin und Märtyrerin gleichsam eine Brücke zwischen ihren jüdischen Wurzeln und der Zugehörigkeit zu Christus. Sie tat es, indem sie mit sicherer Intuition im Dialog mit dem modernen philosophischen Denken stand und indem sie schließlich durch ihr Martyrium in der entsetzlichen und beschämenden »Shoah« die Gründe gleichsam herausschrie, die für Gott und den Menschen sprechen. So ist sie zum Ausdruck einer menschlichen, kulturellen und religiösen Pilgerschaft geworden, die den tiefen Kern der Tragödie und der Hoffnungen des europäischen Kontinents verkörpert.

Nach oben

Zum Textanfang

 



4. Die erste dieser drei großen Gestalten, Birgitta, 

stammte aus einer Adelsfamilie und wurde im
Jahr 1303 in Finsta in der schwedischen Region Uppland geboren. Sie ist vor allem als Mystikerin
und Gründerin des Ordens des Heiligsten Erlösers bekannt. Man darf jedoch nicht vergessen, daß
sie in der ersten Lebenshälfte dem Laienstand angehörte und mit einem frommen Christen glücklich verheiratet war, von dem sie acht Kinder hatte. Wenn ich auf sie als Mitpatronin Europas hinweise, möchte ich damit bewirken, daß sich ihr nicht nur diejenigen nahe fühlen, die die Berufung zu einem besonderen geistlichen Stand empfangen haben, sondern auch jene, die als Laien ihren gewöhnlichen Tätigkeiten in der Welt nachgehen und denen vor allem die hohe und verpflichtende Berufung zukommt, eine christliche Familie zu bilden. Ohne sich vom Wohlstandsleben ihrer gesellschaftlichen Klasse beirren zu lassen, lebte Birgitta mit ihrem Gemahl Ulf die Erfahrung eines Ehepaares, bei dem sich die eheliche Liebe mit intensivem Gebet, Studium der Heiligen Schrift, Abtötung und Nächstenliebe verband. Gemeinsam gründeten die Eheleute ein kleines Spital, wo sie häufig den Kranken Beistand leisteten. Birgitta hatte es sich sodann zur Gewohnheit gemacht, persönlich den Armen zu dienen. Zugleich wurde sie wegen ihrer pädagogischen Gaben geschätzt, die sie besonders dann entfalten konnte, wenn man sie am Hof von Stockholm um ihren Dienst ersuchte. Aus dieser Erfahrung sollten die Ratschläge heranreifen, die sie bei verschiedenen Gelegenheiten Fürsten und Herrschern für die richtige Erfüllung ihrer Aufgaben erteilte. Aber an erster Stelle kam diese Fähigkeit natürlich ihren Kindern zugute, und es ist kein Zufall, daß eine ihrer Töchter, Katharina, als Heilige verehrt wird.

Doch diese Periode ihres Familienlebens war nur eine erste Etappe. Die Wallfahrt nach Santiago de Compostela, die sie 1341 zusammen mit ihrem Ehemann Ulf unternahm, bildete den symbolischen Abschluß dieser Phase. Für Birgitta war sie die Vorbereitung auf das neue Leben, das sie einige Jahre später begann, als sie nach dem Tod des Gatten die Stimme Christi vernahm, der ihr eine neue Sendung übertrug, während er sie durch eine Reihe außerordentlicher mystischer Gnaden Schritt für Schritt begleitete.

5. Nachdem sie 1349 Schweden verlassen hatte, ließ sich Birgitta in Rom nieder, dem Sitz des
Nachfolgers Petri. Der Umzug nach Italien stellt einen Abschnitt in Birgittas Leben dar, der nicht für die geographische und kulturelle, sondern vor allem für die spirituelle Erweiterung ihres Geistes und Herzens entscheidend war. Viele Orte Italiens haben sie als Pilgerin gesehen, deren tiefster Wunsch es war, die Reliquien der Heiligen zu verehren. Orte, die davon erzählen können, sind: Mailand, Pavia, Assisi, Ortona, Bari, Benevento, Pozzuoli, Neapel, Salerno, Amalfi und das Heiligtum des hl. Erzengels Michael auf dem Monte Gargano. Die letzte Wallfahrt, die sie zwischen 1371 und 1372 unternahm, führte sie nach Überquerung des Mittelmeeres in Richtung Heiliges Land und gestattete ihr, außer den vielen heiligen Stätten des katholischen Europa die eigentlichen Quellen des Christentums gleichsam geistlich zu umarmen, die als Orte vom Leben und Tod des Erlösers geheiligt sind.

Noch mehr als durch dieses fromme Wallfahrten hat Birgitta aber durch den tiefen Sinn für das
Geheimnis Christi und der Kirche in einem äußerst kritischen Augenblick ihrer Geschichte am
Aufbau der kirchlichen Gemeinschaft mitgewirkt. Die innige Verbundenheit mit Christus war nämlich begleitet von besonderen Offenbarungscharismen, die sie zu einem Bezugspunkt machte, an dem sich viele Personen der Kirche ihrer Zeit ausrichteten. In Birgitta spürt man die Kraft der Prophetie.
Die Töne, die sie anschlägt, erscheinen manchmal wie ein Echo der Stimmen der großen alten
Propheten. Sicher und entschlossen spricht sie zu Fürsten und Päpsten. Ihnen enthüllt sie die Pläne Gottes in bezug auf die geschichtlichen Ereignisse. Sie spart auch nicht mit strengen Ermahnungen, was die sittliche Erneuerung des christlichen Volkes und selbst des Klerus betrifft (vgl. Revelationes, IV. 49; vgl. auch IV, 5). Manche Aspekte ihres außergewöhnlichen mystischen
Schaffens lösten in der damaligen Zeit verständliche Fragen aus. Ihnen gegenüber verwies die
Prüfung durch die Kirche auf die einzige öffentliche Offenbarung, die in Christus ihre Erfüllung und in der Heiligen Schrift ihren maßgebenden Ausdruck gefunden hat. Denn auch die Erfahrungen der großen Heiligen sind nicht frei von jenen Grenzen, die den Empfang der Stimme Gottes durch den Menschen immer begleiten.

Es besteht jedoch kein Zweifel, daß die Kirche, als sie die Heiligkeit Birgittas anerkannte, die
Authentizität ihrer inneren Erfahrung insgesamt billigte, auch ohne sich zu den einzelnen
Offenbarungen zu äußern. Sie erscheint als eine bedeutende Zeugin des Raumes, den das Charisma in der Kirche haben kann, wenn es in voller Fügsamkeit gegenüber dem Geist Gottes und in voller Übereinstimmung mit den Ansprüchen der kirchlichen Gemeinschaft gelebt wird. Insbesondere nachdem sich die skandinavischen Länder, also die Heimat Birgittas, im Verlauf der traurigen Geschehnisse des 16. Jahrhunderts aus der vollen Gemeinschaft mit dem Römischen Stuhl losgelöst hatten, bleibt die Gestalt der schwedischen Heiligen ein wertvolles ökumenisches »Band«, das den Einsatz noch verstärkt, den ihr Orden in diesem Sinne leistet.

Nach oben

Zum Textanfang

 



6. Nur wenig jünger ist die andere große Frauengestalt, 

die hl. Katharina von Siena

deren Rolle in den Entwicklungen der Kirchengeschichte und selbst bei der lehrmäßigen Vertiefung der
geoffenbarten Botschaft tiefe Anerkennung gefunden hat, die in der Verleihung des Titels einer
Kirchenlehrerin gipfelte. 

Die 1347 in Siena geborene Katharina war von frühester Kindheit an mit außerordentlichen Gnaden ausgestattet, die es ihr erlaubten, auf dem vom hl. Dominikus vorgezeichneten geistlichen Weg zwischen Gebet, asketischer Strenge und Werken der Nächstenliebe rasch zur Vollkommenkeit voranzuschreiten. Sie war zwanzig Jahre alt, als Christus ihr durch das mystische Symbol des Brautringes seine besondere Liebe offenbarte. Es war die Krönung einer Vertrautheit, die in der Verborgenheit und Kontemplation, auch außerhalb der Mauern eines Klosters, durch das ständige Verweilen an jener geistlichen Wohnung herangereift war, die sie gern die »innere Zelle« nannte. Das Schweigen dieser Zelle, das Katharina für die göttlichen Eingebungen in hohem Maße bereit machte, konnte sich schon bald mit einem ganz außerordentlichen apostolischen Eifer verbinden. Viele Menschen, darunter auch Kleriker, sammelten sich als Schüler um sie und sprachen ihr die Gabe einer geistlichen Mutterschaft zu. Ihre Briefe verbreiteten sich in Italien, ja über ganz Europa. Denn die junge Frau aus Siena traf mit sicherem Ton und glühenden Worten den Kern der kirchlichen und gesellschaftlichen Probleme ihrer Zeit. 
Mit unermüdlichem Einsatz verwendete sich Katharina für die Lösung der vielfältigen Konflikte, von denen die Gesellschaft ihrer Zeit zerrissen wurde. Ihre Bemühungen um Friedensstiftung erreichten europäische Herrscher wie Karl V. von Frankreich, Karl von Durazzo, Elisabeth von Ungarn, Ludwig den Großen von Ungarn und Polen sowie Johanna von Neapel. Bedeutend war ihre Initiative zur Versöhnung der Stadt Florenz mit dem Papst. Indem sie die Parteien auf den
»gekreuzigten Christus und die sanftmütige Maria« hinwies, zeigte sie, daß es für eine an den
christlichen Werten orientierte Gesellschaft niemals einen Anlaß zu einem so schwerwiegenden Streit geben kann, daß man die Vernunft der Waffen den Waffen der Vernunft vorziehen darf. 

7. Katharina wußte freilich genau, daß man nicht wirksam zu dieser Schlußfolgerung gelangen
konnte, wenn nicht zuvor die Herzen von der Kraft des Evangeliums geformt worden waren. Daher rührt die Dringlichkeit der Reform der Gewohnheiten, die sie allen ohne Ausnahme vorschlug. Die Könige erinnerte sie daran, daß sie nicht regieren konnten, als wäre das Königreich ihr »Eigentum«: Vielmehr sollten sie sich bewußt sein, daß sie Gott über die Machtausübung Rechenschaft geben müssen. Aus diesem Wissen heraus sollten sie die Aufgabe annehmen, »die heilige und wahre Gerechtigkeit« dadurch zu erhalten, daß sie sich zu »Vätern der Armen« machen (vgl. Brief Nr. 235 an den König von Frankreich). Die Ausübung der Herrschergewalt war nämlich nicht von der Übung der Nächstenliebe zu trennen, die zugleich die Seele des persönlichen Lebens und der politischen Verantwortung ist (vgl. Brief Nr. 357 an den König von Ungarn). 
Mit derselben Eindringlichkeit wandte sich Katharina an die Geistlichen jeden Ranges, um von ihnen die strengsten Konsequenzen im Leben und im pastoralen Dienst zu verlangen. Der freie, kraftvolle und eindringliche Ton, mit dem sie Priester, Bischöfe und Kardinäle ermahnt, macht Eindruck. Im Garten der Kirche – sagte sie – müßten die faulenden Pflanzen ausgerissen und durch frische, duftende »neue Pflanzen« ersetzt werden. Gestärkt durch ihre Vertrautheit mit Christus scheute sich die Heilige aus Siena nicht, selbst den Papst, den sie als »sanftmütigen Christus auf Erden« zärtlich liebte, mit aller Offenheit auf den Willen Gottes hinzuweisen, der ihm gebot, das von irdischer Vorsicht und weltlichen Interessen diktierte Zaudern und Zögern endlich aufzugeben und von Avignon nach Rom zum Petrusgrab zurückzukehren.

Mit derselben Leidenschaft opferte sich Katharina dafür auf, die Spaltungen abzuwenden, die sich bei der Papstwahl nach dem Tod Gregors XI. abzeichneten: Auch in dieser Situation appellierte sie noch einmal leidenschaftlich an die unverzichtbaren Gründe, die für den Erhalt der Gemeinschaft sprachen. Das war das höchste Ideal, an dem sie ihr ganzes Leben ausgerichtet hatte, während sie sich vorbehaltlos für die Kirche verzehrte. Das sollte sie selbst auf dem Sterbebett ihren geistlichen Kindern bezeugen: »Seid gewiß, meine Lieben, daß ich das Leben für die heilige Kirche hingegeben habe« (Seliger Raimondo da Capua, Leben der heiligen Katharina von Siena, Lib. III, c. IV). 

Nach oben

Zum Textanfang

 


8. Mit Edith Stein

— befinden wir uns in einem ganz anderen historisch-kulturellen Umfeld. Sie führt uns nämlich mitten in unser geplagtes Jahrhundert. Aus dieser Gestalt werden die Hoffnungen deutlich, die das Jahrhundert entzündet hat, aber auch die Widersprüche und das Scheitern, die es gekennzeichnet haben. Edith kommt nicht, wie Birgitta und Katharina, aus einer christlichen Familie. Alles in ihr drückt die Qual der Suche und die Mühsal der existentiellen »Pilgerschaft« aus. Auch nachdem sie im Frieden des kontemplativen Lebens bei der Wahrheit angekommen war, mußte sie das Geheimnis des Kreuzes bis zum Letzten leben. 
Edith wurde 1891 in einer jüdischen Familie in der Stadt Breslau geboren, die damals deutsches
Staatsgebiet war. Aufgrund des Interesses, das sie für die Philosophie entwickelte, während sie die religiöse Praxis, in die sie von der Mutter eingeführt worden war, aufgab, hätte man bei ihr eher mit einem Leben im Zeichen des reinen »Rationalismus« gerechnet als mit einem Weg der Heiligkeit.
Aber die Gnade erwartete sie gerade auf den verschlungenen Wegen des philosophischen Denkens. Als sie den Weg der phänomenologischen Richtung einschlug, meinte sie, darin die Instanz einer objektiven Wirklichkeit zu erfassen, die keineswegs beim Subjekt endet, sondern vielmehr dessen Erkenntnis vorausgeht, sie ausmißt und deshalb mit strengem Bemühen um Objektivität geprüft werden muß. Man muß sich in diese objektive Wirklichkeit hineinhören, indem man sie vor allem im Menschen erfaßt. Dies geschieht mit Hilfe jenes Einfühlungsvermögens, das »Empathie« heißt (ein Wort, das Edith Stein sehr teuer war) und einem erlaubt, sich das von anderen Erlebte gewissermaßen zu eigen zu machen (vgl. Edith Stein, Das Problem der Empathie). 
In dieser Spannung des Hinhörens traf sie sich einerseits mit den Zeugnissen der christlichen
spirituellen Erfahrung, wie sie die hl. Theresa von Avila und andere große Mystiker boten, deren
Jüngerin und eifrige Nachahmerin sie wurde. Andererseits berührte sie damit die alte Überlieferung des christlichen Denkens, die im Thomismus eine feste Form erhalten hatte. Auf diesem Weg gelangte Edith zunächst zur Taufe, um sich dann für das kontemplative Leben im
Karmelitinnenorden zu entscheiden. Das alles spielte sich im Rahmen eines ziemlich bewegten
Lebensweges ab, der außer von der inneren Suche auch von Forschungs- und Lehrverpflichtungen geprägt war, die sie mit bewundernswerter Hingabe erfüllte. Besonders anerkennenswert in der damaligen Zeit war ihr aktives, ja geradezu kämpferisches Eintreten für die gesellschaftliche Förderung der Frau. Wirklich eindringlich sind die Abschnitte in ihren Schriften, wo sie den Reichtum des Frauseins und die Sendung der Frau unter menschlichem und religiösem Gesichtspunkt untersucht hat (vgl. E. Stein, Die Frau. Ihre Aufgabe gemäß Natur und Gnade). 
9. Die Begegnung mit dem Christentum veranlaßte sie nicht dazu, ihren jüdischen Wurzeln
abzuschwören, sondern bewirkte, diese in ihrer ganzen Fülle wiederzuentdecken. Das ersparte ihr jedoch nicht das Unverständnis von seiten ihrer Angehörigen. Unsagbaren Schmerz bereitete ihr vor allem die von ihrer Mutter zum Ausdruck gebrachte Mißbilligung. In Wirklichkeit vollzog sich ihr Weg christlicher Vervollkommnung nicht nur im Zeichen der menschlichen Solidarität mit ihrem Volk, sondern auch einer echten geistlichen Teilhabe an der Berufung der Kinder Abrahams, die das Zeichen des Geheimnisses der Berufung und der »unwiderruflichen Gaben« Gottes in sich tragen (vgl. Röm 11, 29).

Sie machte sich insbesondere das Leiden des jüdischen Volkes zu eigen, je mehr sich dieses in jener grausamen nazistischen Verfolgung zuspitzte, die neben anderen schwerwiegenden Äußerungen des Totalitarismus einer der dunkelsten Schandflecke Europas in unserem Jahrhundert bleibt. Da ahnte sie, daß in der systematischen Ausrottung der Juden ihrem Volk das Kreuz Christi aufgebürdet wurde. Als persönliche Teilhabe an diesem Kreuz erlebte sie ihre eigene Deportation und Hinrichtung in dem zu trauriger Berühmtheit gelangten Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Ihr Schrei verschmilzt mit dem aller Opfer jener schrecklichen Tragödie. Vorher hat er sich jedoch mit dem Schrei Christi vereint, der dem menschlichen Leiden eine geheimnisvolle, ewige Fruchtbarkeit verspricht. Das Bild ihrer Heiligkeit bleibt für immer mit dem Drama ihres gewaltsamen Todes verbunden, an der Seite der vielen, die ihn zusammen mit ihr erlitten haben. Dieses Bild bleibt als Verkündigung des Evangeliums vom Kreuz, in das sie mit dem von ihr als Ordensfrau gewählten Namen hineingenommen sein wollte.  
Wir blicken heute auf Teresia Benedicta a Cruce. In ihrem Zeugnis als unschuldiges Opfer erkennen wir einerseits die Nachahmung des Opferlammes und den Protest, der sich gegen alle
Vergewaltigungen der Grundrechte der Person erhebt, andererseits das Unterpfand für jene neu
belebte Begegnung zwischen Juden und Christen, die auf der vom Zweiten Vatikanischen Konzil
gewünschten Linie eine vielversprechende Zeit gegenseitiger Öffnung erfährt. Wenn heute Edith
Stein zur Mitpatronin Europas erklärt wird, soll damit auf dem Horizont des alten Kontinents ein
Banner gegenseitiger Achtung, Toleranz und Gastfreundschaft aufgezogen werden, das Männer und Frauen einlädt, sich über die ethnischen, kulturellen und religiösen Unterschiede hinaus zu verstehen und anzunehmen, um eine wahrhaft geschwisterliche Gemeinschaft zu bilden. 

10. Europa soll also wachsen! Es soll wachsen als Europa des Geistes auf dem Weg seiner
besseren Geschichte, die gerade in der Heiligkeit ihren erhabensten Ausdruck findet. Die Einheit des Kontinents, die im Bewußtsein der Menschen allmählich reift und sich auch in politischer Hinsicht immer klarer abzeichnet, verkörpert gewiß eine sehr hoffnungsvolle Perspektive. Die Europäer sind aufgerufen, die historischen Rivalitäten, die ihren Kontinent oft zur Bühne verheerender Kriege gemacht haben, endgültig hinter sich zu lassen. Gleichzeitig müssen sie sich darum bemühen, die Bedingungen für einen größeren Zusammenhalt und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu schaffen. Vor ihnen liegt die große Herausforderung, eine Kultur und eine Ethik der Einheit aufzubauen. Denn wenn diese fehlen, ist jede Politik der Einheit früher oder später zum Scheitern verurteilt.

Um das neue Europa auf solide Grundlagen zu stellen, genügt es sicher nicht, nur an die
wirtschaftlichen Interessen zu appellieren, die manchmal zusammenführen und dann wieder spalten. Vielmehr gilt es, die für Europa authentischen Werte zu betonen, deren Fundament das in das Herz eines jeden Menschen eingeschriebene allgemeine Sittengesetz ist. Ein Europa, das den Wert der Toleranz und der allgemeinen Achtung mit ethischem Indifferentismus und Skeptizismus in bezug auf die unverzichtbaren Werte verwechselte, würde sich den riskantesten Abenteuern öffnen und früher oder später die erschreckendsten Gespenster seiner Geschichte in neuer Gestalt wiederauftauchen sehen.

Um diese Bedrohung zu bannen, erweist sich wieder einmal die Rolle des Christentums als
lebenswichtig. Denn es weist unermüdlich auf den idealen Horizont hin. Auch im Lichte der
vielfältigen Berührungspunkte mit den anderen Religionen, die das Zweite Vatikanische Konzil
erkannt hat (vgl. Dekret Nostra aetate), muß man nachdrücklich betonen, daß die Öffnung für das
Transzendente eine lebenswichtige Dimension der Existenz ausmacht. Es kommt daher wesentlich auf ein erneuertes engagiertes Zeugnis aller Christen an, die in den verschiedenen Nationen des Kontinents leben. Ihnen ist es aufgetragen, die Hoffnung auf das vollkommene Heil zu nähren durch die Verkündigung des Evangeliums, das heißt der »Frohbotschaft«, daß Gott zu uns gekommen ist und uns in seinem Sohn Jesus Christus die Erlösung und die Fülle des göttlichen Lebens angeboten hat. Kraft des Geistes, der uns geschenkt wurde, können wir unseren Blick zu Gott erheben und ihn mit dem vertraulichen Namen »Abba«, Vater, anrufen (vgl. Röm 8, 15; Gal 4,6). 

11. Genau diese Verkündigung der Hoffnung wollte ich stärken, indem ich diese drei großen
Frauengestalten, die in verschiedenen Epochen einen so bedeutenden Beitrag zum Wachstum nicht nur der Kirche, sondern auch der Gesellschaft geleistet haben, in »europäischer« Sicht zu neuer Verehrung empfehle.

Durch jene Gemeinschaft der Heiligen, die auf geheimnisvolle Weise die irdische mit der himmlischen Kirche verbindet, nehmen sie sich in ihrer ewigen Fürbitte vor dem Thron Gottes unser an. Zugleich müssen die innigere Anrufung sowie die eifrigere und sorgfältigere Rückbindung an ihre Worte und ihr Vorbild in uns wieder ein schärferes Bewußtsein unserer gemeinsamen Berufung zur Heiligkeit wecken.So werden wir angespornt, Vorsätze zu hochherzigerem Einsatz zu fassen.  Nach reiflicher Überlegung ernenne und erkläre ich daher kraft meiner apostolischen Vollmacht die hl. Birgitta von Schweden, die hl. Katharina von Siena und die hl. Teresia Benedicta a Cruce zu himmlischen Mitpatroninnen bei Gott für ganz Europa. Gleichzeitig gewähre ich ihnen alle Ehren und liturgischen Privilegien, die den Hauptpatronen der Orte rechtmäßig zustehen. Gepriesen sei die Allerheiligste Dreifaltigkeit, die in ihrem Leben und im Leben aller Heiligen ineinzigartiger Weise aufstrahlt. Friede sei den Menschen guten Willens in Europa und in der ganzen Welt.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 1. Oktober 1999, 

dem einundzwanzigsten Jahr meines Pontifikates.

JOANNES PAULUS II.

Zu: KIRCHLICHES LEHRAMT

Nach oben

Zum Textanfang

 

 

 

 

Den hl. Josef heute entdecken

Josef aus Nazareth

1. Den hl. Josef heute entdecken

Josef für unsere Zeit      Josef, der Vater     Josef der Kirchenpatron     Josef - der Beschützer Marias    

Josef der Arbeiter     Überlebensnotwendiges Beispiel heute    Gebet zum heiligen Josef,

 

Kaum ein biblischer Heiliger geniesst heute in der Volksfrömmigkeit einen so grossen Stellenwert als der hl. Josef. Doch erschöpft sich das Bild dieses grossen und letzten Patriarchen, der aus dem Geschlechte Davids stammend, das auserwählte Volk des Alten Bundes und die Morgenröte der messianischen Ankunft in seiner  Person verbindet, nur zu oft in einer übermenschlichen Person, die aus der Ferne Gutes tut, hilft, beisteht und errettet. Der "Patron der Kirche, der Familie und der Sterbenden" dringt kaum bewusst in unseren Alltag ein, wo er im Hier und Heute des Einzelnen sein Mitspracherecht geltend machen könnte.Anhand des Lebensbeispiels des Närhvaters Jesu soll versucht werden, die Probleme und Nöte unserer Zeit anzusprechen und einen Ausweg aufzuzeigen.

"Josef aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloß, sie heimlich zu entlassen. Während er aber solches erwog, siehe da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria als deine Gemahlin zu dir zu nehmen; denn das in ihr Gewordene stammt vom Heiligen Geist" Mt 1,19-20.

"Josef - er ist der Mann am Rande, im Schatten, der Mann der schweigenden Hilfe, der Mann, in dessen Leben Gott dauernd eingreift mit neuen Weisungen und Sendungen... Er ist der Mann, der ging. Das ist sein Gesetz: der dienstwillige Gehorsam... Das ist sein Geheimnis: die dienstwillige Bereitschaft" (A. Delp).

Es fällt uns heute schwer, auf ein Wort, auf ein Zeichen hin aufzubrechen, wie Josef. Die Evangelien geben über diesen Mann aus Nazareth nicht viel preis, lediglich die Evangelisten Mattäus und Lukas erwähnen ihn. Nach beiden ist er ein Nachkomme des Königshauses David. So verbindet er, der letzte Patriarch des alten Bundes, das königliche Geschlecht des auserwählten Volkes Gottes Israel mit dem erwarteten Messias. Doch deutet er nur die Morgenröte der messianischen Zeit an; er ist nur die Morgenröte, die schnell vergessen ist, wenn die Sonne scheint. Denn wenn die Evangelisten etwas über ihn aussagen, ist dies immer ein Auftrag im Dienste Mariens oder Jesu. Ein Lob wird ihm dabei kaum gespendet. Und dennoch sagt Matthäus das Schönste über ihn aus, nämlich daß "Josef gerecht war", der den Mut hatte, zu seinem Auftrag zu stehen.

Nach oben

Zum Textanfang

 

 

1. Josef für unsere Zeit

Josef, gehe zurück zu Maria! Josef, geh nach Bethlehem! Josef, nimm das Kind und fliehe nach Ägypten! Josef steh auf und kehre in deine Heimat zurück! Josef, wo ist dein 12jähriger Sohn geblieben? Josef gehe! Josef komme! Josef tue! - Und er kommt, und geht und tut! Zwar erlaubt sich die Mutter Jesu dem Zwölfjährigen gegenüber die Frage: "Sohn, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht?" (Lk 2,49), doch Josef bleibt still. Schon einmal, als der greise Simeon der Gottesmutter bei der Darstellung Jesu im Tempel voraussagt, daß ihr Herz von einem Schwert des Leidens durchbohrt werde und daß dieses Kind als Zeichen stehen wird zur Freude und Erhebung, aber auch zum Fall vieler Menschen, durchdringt das Herz des geduldigen Bräutigams ein Schmerz. Er trägt an den Schmerzen der Gottesmutter mit. Als er nach Ägypten muß, klagt er nicht: Herrgott, warum vernichtest Du nicht Herodes um des Kindes willen? Über seine Lippen kommt keine Frage, kein Vorwurf, keine Klage! Darin besteht Josefs Größe! Dafür beschenkt ihn Gott mit dem Gehorsam des Erlösers. Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazareth zurück "und war ihnen gehorsam" (Lk 2,51). Seine Größe liegt in der Erfüllung des Willens Gottes, in der treuen Erfüllung seines Auftrags im Heilsplan Gottes!

Im Beispiel des hl. Josef liegt die erste und wichtigste Aussage für unsere Zeit. Der Mensch von heute will sehen, betasten, verstehen; er will Erklärungen, Einsichten, Überprüfbares. Und weil heute kein Mensch mehr den Gesamtüberblick haben kann, glauben wir sehr schnell an Oberflächliches, Plausibles; wir tun nur zu gerne "was alle anderen auch tun". Von Josef ausgehend entdecken wir vor allem, daß wir bei den Äußerlichkeiten nicht stehen bleiben dürfen. Der gesunde Fisch schwimmt im tiefen, klaren Wasser...

2. Josef, der Vater

Das Leben Jesu ist ein Mysterium. Und dies hat Josef begriffen - nicht das Mysterium selbst, sondern seinen persönlichen Auftrag in diesem Mysterium!

Josef nimmt seinen Auftrag ernst. "Er tat, was der Engel ihm befohlen hatte" (Mt 1,24). Zufälle gibt es bei ihm nicht, genau so wenig, als es Zufälle in der Ehe gibt. Denn auch hier gilt als oberstes Gebot der Gehorsam Gott gegenüber und die Treue zueinander. So wird Josef als Vorbild und der Schutzpatron der Familie gepriesen, da er vorlebte, was Gehorsam, Fürsorge und Treue bedeutet. Treue steht heute nicht mehr hoch im Kurs, sollten wir sie nicht um so mehr von Josef ausgehend ins Gedächtnis rufen?

- Wenn wir keine Treue mehr kennen - daran scheiterte das Römische Reich. Vor seinem Zerfall nahmen die Ehescheidungen so sehr zu, daß man danach die Jahre zählen konnte...

- Wenn wir keinen Gehorsam mehr kennen - daran scheiterte die Revolution gegen die Kirche und gegen Gott in der Zeit der Reformation. Echte Reformation geschieht innerhalb eines Körpers - und nicht durch Loslösen. Ein Franz von Assisi, eine Theresia von Avila, Katharina von Siena, Theresia von Lisieux, Edith Stein, ein Ignatius von Loyola, Petrus Kanisius, Maximilian Kolbe - sie haben auch Reformationen in der Kirche bewirkt! Aber eben in der Kirche!

- Wenn wir keine Fürsorge mehr kennen - daran scheitern viele Waisenkinder. Und wer die bittere Klage von Kindern der um sich selbst kreisenden Eltern vor der Scheidung kennt, weiß um den bitteren Lebensweg so mancher Waisen.

Der hl. Josef verkündete nicht das Evangelium als Priester, als Bischof, aber er behütete fürsorglich jenen, von dem alle kommenden Zeiten predigen werden, Jesus Christus. Er war auch kein Märtyrer, aber sein Glaubenszeugnis war echt; es entsprach der inneren und äußeren Realität seines Glaubens, seines Gottvertrauens, es entsprach dem Auftrag, den er von Gott erhalten und den er durchgeführt hat bis an sein Ende, von dem wir biblisch nichts wissen.

3. Josef der Kirchenpatron

Als Bräutigam der makellosen Jungfrau, als Beschützer der Braut des Hl. Geistes und Nährvater des Göttlichen Kindes war er auserkoren, die Gnadengeheimnisse Gottes in Jesus Christus, seinem Erlöser, dessen Kreuzesopfer er nicht mehr erleben durfte, zu hüten. Einst hat er Jesus durch den eigenen Lebenseinsatz aus größter Lebensgefahr gegen Herodes beschützt, wie sehr liegt es ihm wohl am Herzen, die Lebensfähigkeit der Kirche "seines Sohnes" zu erhalten! Er wird sich für die Kirche, den mystischen Leib Christi, vom Himmel aus in aller Stille einsetzen und die Kirche wird unter seinem Schutz Geborgenheit finden. Die Kirche ist der durch die Jahrhunderte schreitende Jesus Christus und somit das pilgernde Volk Gottes. Niemals wird der hl. Josef diesen Leib Christi ungeschützt lassen. Um dieser Erwählung willen preist ihn heute die Kirche als ihren Schutzpatron. Seit 1621 steht sein Fest im römischen Kalender und Papst Pius XI. erklärte ihn zum Schutzpatron der Kirche.

Der hl. Augustinus sagt in der Osternacht zu den Neugetauften: "Wir wollen uns Glück wünschen und Dank sagen, daß wir nicht bloß Christen geworden sind, sondern Christus... Staunet, freuet euch, Christus sind wir geworden. Denn wenn jener das Haupt ist, wir die Glieder, dann ist der ganze Leib Er und wir!" (In Joan. tr.21,8).

Das ist ein hoher Anspruch an uns. Wir sind Christus geworden in der Taufe, Glieder seines durch die Jahrhunderte schreitenden Leibes. Die Kirche hat in ihrem Patron einen Fürsprecher, der die Menschen immer sammeln wird, damit der Leib Christi, gerade wenn er verfolgt, gegeißelt und mit Dornen gekrönt wird, lebensfähig dasteht bis zur Wiederkunft Christi. Dann wird Christus selbst sich verherrlichen in seiner Kirche. Die Aufgabe des hl Josef, des Kirchenpatrons, besteht nun darin, diese Glieder Christi in der Einheit zu erhalten. Und für diesen Auftrag Gottes dankt ihm die heilige katholische Kirche an seinem Fest, dem 19. März.

Im Gehorsam des hl. Josef erstrahlt das Lebenswerk Christi hell auf. Auf ihn kann man die Bibelstellen anwenden: Er war der Stern, der am Himmel von Bethlehem zu leuchten begann! Er war der König, der Gold, Weihrauch und Myrrhe Jesus zu Füßen legte! Er war der Rufer in der Wüste gegen Ungehorsam und Untreue! Er war der Vorläufer Jesu, der dem Herrn den Weg bereitete und er war der gute und treue Knecht, dem der Herr sein Anwesen anvertraute.

Wir sind nicht nur die Kirche, wie man das heute gerne sagt, wir sind Christus, wie dies Augustinus sagt. "Wir sind Kirche" scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Wir sind Christus! Das ist die ganze Wahrheit. Christus ist unser Haupt und wir sind die Glieder seines Leibes. Als solche müssen wir uns, muß sich die Kirche betrachten. In und mit uns schreitet Jesus durch dieses unser Jahrhundert. Daher können und dürfen wir nicht unsere Wege gehen, nein, wir müssen den Weg Jesu gehen! So gesehen, entdecken wir sehr bald den, dem die Kirche auf Erden anvertraut wurde, den hl. Josef! Vielleicht muß er still und verborgen, wie einst auf Erden, als himmlischer Fürsprecher der Kirche im Schatten dienen, damit Christus in uns wirken kann.

Nach oben

Zum Textanfang

 

 

4. Josef - der Beschützer Marias

Es scheint, als könnte unsere heutige Welt mit dem unbefleckten Wesen der Gottesmutter nicht mehr viel anfangen. Heißt das nun, daß wir darüber nicht reden sollen? Das Christentum hat keinen Grund, irgend eine Tugend nicht zu verkünden. Es hat ewig gültige Wertvorstellungen, da es nicht Wahrheiten predigt, sondern die Wahrheit ist! Das unterscheidet es von allen anderen Philosophien und Religionen dieser Welt. Das Christentum ist die Wahrheit, weil es der durch die Jahrhunderte schreitende Christus ist. Und Christus war auf dieser Erde der einzige, der von sich sagen konnte: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich wiederhole: Christentum lehrt nicht Wahrheit, Christentum ist Wahrheit!

Josef erkannte die außergewöhnliche Tugend der Keuschheit, die einzigartige Auserwählung Marias. Durch Gottes Boten gemahnt, wurde er zum treuen Beschützer seiner Braut. Wenn die Menschen mit der Unbefleckten nichts mehr anfangen können, dann begeben sie sich auf den Weg der Befleckung und Sünde. Wenn man das Unbefleckte nicht mehr haben will, dann befleckt man sich. Es gibt keinen dritten Weg.

Auf vielerlei Weise werden die Kinder heute "aufgeklärt". Doch statt sie natürlich heranwachsen zu lassen in einem Milieu der Keuschheit, des Unbeflecktseins, der Unbesorgtheit, tut man alles, um sie aufzuklären, sie in den Streß des Erfolgs von Sport und Kunst zu stürzen. Würde man sie über die Keuschheit aufklären, wäre das eine Wohltat für die Menschheit. Schaut man das Ausmaß dieser Aufklärung an, das Ausmaß dieses moralischen Sumpfes, der dadurch in den letzten Jahrzehnten angerichtet wurde, dann kann man vieles, was in unseren Tagen geschieht, leichter verstehen und erklären.

5. Josef der Arbeiter

Als Papst Pius XII. Josef zum Vorbild der Arbeiter erkor, hatte er auf die Tatsache aufmerksam machen wollen, daß Josef, "der Zimmermann" (Mt 13,55), "mit seiner Hände Arbeit die Heilige Familie ernährte". Von ihm soll der Arbeiter lernen, "mit Kraft und Ausdauer" den Auftrag auf Erden so zu erfüllen, daß er dadurch "den verheißenen Lohn" in der Ewigkeit empfange (Tagesgebet zum 1. Mai). Erst von der Perspektive der Ewigkeit her erlangt irdisches Tun Würde und Sinn. Die Arbeit, wie sie heute von einem großen Teil der Menschen getan und erlitten wird, ist sicher verschieden von der Welt des Josef. Aber immer geht es darum, daß der Mensch durch den Einsatz seiner körperlichen und geistigen Kräfte sein eigenes Leben verwirklichen, seine Persönlichkeit entfalten und sein Leben lebenswert machen kann. Wo dies nicht mehr der Fall ist, wird der Mensch zum modernen Sklaven, trostlosem Kapitalstreben oder eigenwilliger Ideologie ausgeliefert. Der Christ weiß, daß er seine Arbeit von Gott her und zu Gott hin tut. Es ist anzunehmen, daß der tiefgläubige Josef aus Nazareth das Sabbath-Gebot, die Sabbath-Ruhe, strengstens befolgte. Auch hier müssen wir Josef für unsere Zeit neu entdecken, denn niemals kann die Sonntagsruhe dem Kapital geopfert werden.

"Es gibt im Grunde nur Gebete!

So sind die Hände uns geweiht,

daß sie nichts schufen, was nicht flehte;

ob einer malte oder mähte.

Schon aus dem Ringen der Geräte

entfaltete sich Frömmigkeit." (R.M. Rilke)

Nach oben

Zum Textanfang

 

 

6. Josef - Überlebensnotwendiges Beispiel heute

Das Beispiel Josefs, des Gerechten, ist in der Tat nur etwas für Menschen mit hohen Ansprüchen an sich selbst. Der Pöbel hat schon immer "panem et circensem", Brot und Zerstreuung, verlangt. Das Brot ist oft ausgegangen und die Lampen sind erloschen, weil sie törichterweise kein Öl mit sich hatten, damit ihre Lampen auf dem Weg leuchten könnten.

Josef, dem Gerechten, wurde in wunderbarer Auserwählung der Vorsehung "die jungfräuliche Gottesmutter anvertraut" und ihn, den "treuen und klugen Knecht", hat Gott "zum Haupt der Heiligen Familie bestellt. An Vaters Statt sollte er den eingeborenen Sohn beschützen, der durch die Überschattung des Heiligen Geistes empfangen war, unseren Herrn Jesus Christus" (Präfation vom hl. Josef). So trägt er diese Vaterschaft bis zur Wiederkunft Christi weiter. Wir sagten, daß die Christen zugleich auch "Christus" sind, sein als mystischer Leib durch die Jahrhunderte pilgerndes Volk. Und wie Maria dem Kreuzweg Jesu bis auf Golgatha folgte, so begleitet auch der hl. Josef diesen Leib Christi auf Erden, ganz gleich, welche Menschen am Rande des Kreuzweges stehen: die weinenden Frauen, die helfenden Veronikas, die kreuztragenden Simons oder die Peiniger und Henkersknechte! Erkennen wir doch gerade in dieser Tatsache, da Jesu Kreuztragen heute so sichtbar ist, die Zeichen der Kirche Christi!

Christus - das ist zu jeder Zeit: Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag. "Christus" - das heißt immer wieder den schrecklichen Verrat am Gründonnerstag Abend mitzuerleben; heißt Karfreitag mit seinem Ruf nach Blutbefleckung: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder", durchzustehen; heißt die schreckliche Stille des Karsamstag, die zuweilen auch unsere Kirche befällt, zu ertragen!

Starren wir nicht gebannt und gelähmt auf Kirchenaustritte und Glaubensabfall. Um den Abfall muß man sich nicht kümmern. Das tut auch die Natur nicht! Sie läßt das Blatt, das sich vom Baum getrennt hat, auf den Boden fallen und es geht seinem gewollten Schicksal entgegen! Nur die neuen Blätter, das neue Grün am Baum, wird neue Blüten sprießen lassen!

Das Lebensbeispiel des hl. Josef, dieses großen und letzten Patriarchen, neu zu entdecken wird immer mehr zu einer zwingenden Notwendigkeit für die heutigen Menschen, wenn sie überleben wollen. Keiner will hier den Unheilspropheten spielen. Aber Christus hat genau dasselbe getan: Was gesagt werden muß, das muß man sagen.

Wir müssen erneut lernen, die Meßlatte der göttlichen Vorsehung an uns selbst anzulegen und in der Hinwendung zum hl. Josef unseren Auftrag in der heutigen Welt erkennen.

Vergessen wir nicht, unsere Familien ihm anheimzustellen, und dann getrost dieses unser Leben als Teil von Christus, der in uns durch dieses Jahrhundert geht, zu verstehen und unseren Glauben unversehrt unseren Kindern weiterzugeben.

Nach oben

Zum Textanfang

 

 

 

 

 

Josef - Patron der Kirche Christi

JOSEF   -   der Vater-Stellvertreter Gottes auf Erden

PATRON DER KIRCHE CHRISTI

 

Der Stellvertreter Gott-Vaters auf Erden

 

Die hl. Schrift berichtet über den hl. Josef, dass er "gerecht war, und Maria nicht dem Gesetz ausliefern wollte". . "Gerecht sein" bedeutete, ein treuer und zuverlässiger Beobachter der Gesetzesvorschriften sein. Demnach wäre Josef nicht gerecht, wenn er an der Unschuld seiner Braut irgendwelche Zweifel gehabt und sie nicht angezeigt hätte. Zweifelsohne war sich der hl. Josef der Unschuld Marias sicher. Denn schon auf den Verdacht hin war das Gesetz unerbittlich: "Wenn der Vorwurf aber zutrifft, wenn sich keine Beweisstücke für die Unberührtheit des Mädchens beibringen lassen, soll man die Frau hinausführen und vor die Tür ihres Vaterhauses bringen." (Dtn 22, 20 f.). Die Tatsache, daß sie ein Kind erwartete, führte er offensichtlich nicht auf den Verlust ihrer Jungfräulichkeit zurück, sondern vertraute darauf, dass sie ja den Grund kenne. Deswegen wollte er sie "im Geheimen verlassen". Die erfahrene Heiligkeit und Reinheit Mariens ließen in ihm keine Zweifel an ihrer Unschuld aufkommen. Umso mehr musste er sich wundern über das Geschehene. Er hüllte in Schweigen ihr und sein Geheimnis, die er nicht ergründen konnte.

Nur in Gott ist es wahr, daß alle Tugenden eins mit seinem Wesen sind. Für Josef muß eine andere Erklärung gefunden werden. In einer Homilie, die Origenes zugeschrieben wird, ist eine Lösung angedeutet und sie ist voll befriedigend: Josef war gerecht und die Jungfrau schuldlos. Wenn Josef sie aber entlassen wollte, dann nur, nur weil er in ihr das Wirken der Kraft Gottes sah und ein so großes Geheimnis, dem er nahezukommen sich unwürdig sah. Demütig wie er war, betrachtete er ein so großes Wunder, und fand keine andere Lösung, als sich zu entfernen. Er war wie später Petrus: Weiche von mir, Herr, ich bin ein sündiger Mensch! Oder wie der Hauptmann, der den Herrn nicht in sein Haus empfangen wollte und bekannte: Ich bin nicht würdig, daß Du unter mein Dach trittst. Oder wie Elisabeth zu Maria: Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt! So demütig und gerecht war Josef. Er fürchtete sich, mit einer so großen Heiligkeit in Verbindung zu treten. Soweit die Ausführungen Origenes‘. Diese Lösung ist "gerecht". Josef wußte, wie Maria Mutter geworden war, wußte aber nicht, was für eine Aufgabe Gott ihm gedacht hatte; dies mußte der Engel ihm offenbaren.

 

Wie wußte der hl. Josef vom Wunder der Empfängnis Jesu?

 

Hier müssen wir das Evangelium nach Lukas befragen: "Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" (Lk 1,34). Daraus leiten viele das Versprechen der Jungfräulichkeit Marias ab. Wäre dem aber so, dann hätte sie dieses Versprechen nicht ohne die Zustimmung ihres zukünftigen Mannes ablegen können; ohne dies zu tun, wäre Josef betrogen worden. Nach Auffassung der Kirchenväter wäre eine solche Ehe ungültig. Hat Maria jedoch ihr Jungfräulichkeitsversprechen Josef mitgeteilt, dann hätte sie auch von der Botschaft des Engels, die auf ihre Frage folgte, Josef berichtet. Dies wäre eine ähnlich intime Angelegenheit, wie das Versprechen zur Jungfräulichkeit. So aber konnte Maria mit dem Verständnis des hl. Josef rechnen.

Die Antwort des Engels bejaht diesen Zustand: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; deshalb wird das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden" (Lk 1,35).

Was folgt, spricht für sich: "Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa" (Lk 1,39), um der Base zu helfen. Maria nimmt sich einige Tage Zeit, bevor sie diese Reise antritt. Sie berichtete dem hl. Josef von der frohen Botschaft, die aber im Kenner der Messiasprophezeiungen angesichts des heiligen Geschehens die Frage bestärkte: Wie soll ich die Magd des Herrn zu meiner Frau nehmen? Maria kann auch darauf nicht antworten, eilte zu Elisabeth und erwartete betend, daß Gott das Seine tut. So kam es, dass während Josef „noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: <Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.>" (Mt 1, 19 f.)

Dann gab der Engel ihm den Hinweis, worin seine Aufgabe bei der Menschwerdung des Sohnes Gottes besteht: "Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen" (Mt 1,21).

Der Engel erklärt Josef eine sich auf den kommenden Messias beziehende Prophezeiung: "Ihm wird man den Namen Immanuel geben, das heißt: Gott mit uns" (Mt 1,23 bzw. Jes 7,14). Die Namensgebung war ein Privileg des Vaters. Man denkt unwillkürlich an die Frage, welche die Verwandten des Kindes an Zacharias stellten bezüglich des Namens (Lk 1,59-65). Auch die Beschneidung wurde vom Vater vollzogen. Im Bericht von der Geburt Jesu scheint Josef diese Zeremonie vollzogen zu haben (Lk 2,21). Man brachte zwar das Kind 40 Tage nach der Geburt in den Tempel von Jerusalem, jedoch nicht des Kindes, sondern der Reinigung der Mutter wegen; die Beschneidung vollzog man am Geburtsort des Kindes (vgl. Lk 2,21-22). Josef ist so vor der Welt „der Vater" des Kindes.

Das Geheimnis der wunderbaren Empfängnis und Geburt Jesu wäre uns ohne die Offenbarung verborgen geblieben. So trug die demütige Haltung des hl. Josef dazu bei, uns dieses Geheimnis besser zu verstehen. Im Plan Gottes war dem hl. Josef die irdische Aufgabe des Vaters zugedacht. Er war auf dieser Erde der Stellvertreter Gottes des Vaters.

Wenn die Kirche Christi den hl. Josef als ihren Patron ehrt, dann wohl auch deshalb, weil er, der so nahe wie kein anderer Mensch beim wunderbaren Geschehen der Menschwerdung Gottes stand, uns als Beispiel dafür dient, das Geschenk der Erlösung dankbar und demütigen Herzens anzunehmen und dort, wo die göttliche Vorsehung uns vor Aufgaben stellt, die wir im gegebenen Augenblick noch nicht verstehen, lernen, im Gebet auf die Hilfe Gottes zu vertrauen.

Zum Textanfang

Nach oben

 

Gebet zum heiligen Josef,

Patron der Kirche

Zu dir, heiliger Josef, fliehen wir in unserer Not und bitten voll Vertrauen um deinen Schutz. Bei der Liebe, welche dich mit der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter verband, und deiner väterlichen Sorge für das Jesuskind flehen wir dich an: blicke in Milde auf das Erbe, das Jesus Christus mit seinem Blut erworben hat. Hilf uns in unseren Nöten mit deinem mächtigen Beistand, fürsorglicher Beschützer der Heiligen Familie, und wache über die auserwählte Schar Jesu Christi.

Halte fern von uns, liebreicher Vater, alle Ansteckung durch Irrtum und Verderbnis. Steh uns vom Himmel her gnädig bei, du starker Helfer im Kampf mit den Mächten der Finsternis. Wie du einst das Jesuskind aus der höchsten Lebensgefahr errettet hast, so verteidige jetzt die heilige Kirche Gottes gegen die Nachstellungen der Feinde und jede Widerwärtigkeit. Nimm uns alle unter deinen beständigen Schutz, auf dass wir nach deinem Beispiel und mit deiner Hilfe heilig leben, fromm sterben und die ewige Seligkeit im Himmel erlangen. Amen.

 

Zum Textanfang

Nach oben

 

Rom (www.kath.net / welt, pb)

Mutter Teresa: Sicher eine Heilige für's 3. Jahrtausend

Ein Interview über Mutter Teresa mit ihrem langjährigen geistlichen Begleiter, P. Leo Maasburg, führte "Welt"-Korrespondent Paul Badde in Rom.


DIE WELT: Wieso wurde Mutter Teresa so bald selig gesprochen?

MAASBURG: Der Papst hatte die Anweisung gegeben, ihren Fall schnell, aber gründlich zu prüfen. Doch es waren 35 000 Seiten zu sichten, zu ordnen und zu exzerpieren. Das war nur möglich mit dem Einsatzes von Computern. Zum ersten Mal in der Geschichte der Seligsprechungen wurde bei ihr eine Datenbank eingesetzt.

DIE WELT: Was heißt das: selig?

MAASBURG: Sie war keine Wunderheilerin. Sie hat Charaktere gewandelt. Menschen, die sie sahen, nahmen ein Licht und eine Stärke in ihr wahr, dass viele plötzlich weinen mussten und sahen, sie müssen ihr Leben ändern – oft ohne ein einziges Wort.

DIE WELT: Welches Wunder hat ihre Seligsprechung bestätigt?

MAASBURG: Das Wunder schlechthin war sie selbst. Das Wunder für die Zeitungen ist eine Dame, die in der Nähe von Kalkutta lebt und einen sehr weit entwickelten Krebs hatte. Die Frau hatte eine Geschwulst, dass es aussah, als sei sie im 6. Monat schwanger. Sie war keine Katholikin. Die Schwestern haben der Sterbenden nach Art von Mutter Teresa eine wundertätige Medaille mit Klebestreifen auf den Bauch gelegt und sie ihr danach im Gebet anempfohlen. Daraufhin ist eingeschlafen. Als sie aufwachte, war sie gesund und vollkommen geheilt. Sogar die Narbe von der Endoskopie war weg.

DIE WELT: Welche Rolle spielte die Kritik an ihr bei dem Prozess?

MAASBURG: Jede Kritik muss restlos aufgeführt werden, während von positiven Aussagen nur die beste ausgewählt werden darf. Die Kritik war meist einfach. Warum sie etwa ihren Bekanntheitsgrad nicht nutzte, um politischen Einfluss zu nehmen? Oder warum sie den Armen Fisch gab, anstatt sie fischen zu lehren? Sie antwortete: Meine Armen könnten keine Angel halten. Sie hat nur das gemacht, was andere nicht wollten. Sie schaute nur, wo die größte Not war. Im Haus für die Leprakranken sagte ihr ein Journalist: Nicht für eine Million Dollar könnte ich tun, was sie hier tun. Ich auch nicht, antwortete sie da nur.

DIE WELT: Wie haben sie sie kennen gelernt?

MAASBURG: Ich musste für meinen Bischof übersetzen. Danach fragte sie mich: Haben sie ein Auto? Ich sagte: Ja. Ob ich denn am Nachmittag drei Schwestern zum Flughafen bringen könnte. Kein Problem, sagte ich. Als ich sie abholte, kam sie mit drei Schwestern und drei Schachteln mit zwei Saris. Ich fragte: Wo geht’s den hin? Zum Picknick? Nein, zum Flughafen, nach Argentinien. Für acht Tage? Nein, für 5 oder 10 Jahre. Mehr Gepäck hatten sie nicht. Am Vormittag hatten sie die ewigen Gelübde abgelegt.

DIE WELT: Erinnern sie sich noch an ihren allerersten Eindruck von ihr?

MAASBURG: Ich dachte an meine Großmutter: furchtbar gütig, geduldig, nett, diszipliniert, sehr streng gegen sich selbst und gütig mit allen, die um sie herum waren. Doch eigentlich habe ich nichts verstanden, auch später nicht. Wir wussten, dass sie eine Heilige ist. Das konnten ja Blinde sehen. Aber dass sie in der Tiefe ihrer Heiligkeit eine Jahrtausendfigur war wie Franz von Assisi oder Benedikt von Nursia, haben wir nicht geahnt.

DIE WELT: Die je aus dem 2. und dem 1. Jahrtausend stammen?

MAASBURG: Ja, und sie ist sicher eine Heilige für’s 3. Jahrtausend. Gott schaut immer voraus. Das wurde mir erst durch den Prozess bewusst. Denn sie hat allein 5.400 theologische Briefe hinterlassen und unzählige Briefe an die Schwestern geschrieben. Ihre Produktivität ist unbegreiflich. Und zwar bei einer Reisetätigkeit, die sie etwa alle 3 Tage an einen anderen Ort führte, 30 Jahre lang.

DIE WELT: Wurde sie nie krank?

MAASBURG: Sie hatte ein Herzleiden und ständig Migräne. Sie hatte eine schwere Arthritis, so dass sie kaum schreiben konnte. Sie war sich bewusst, dass sie keine besonderen Talente hatte, keine besondere Begabung. Ihr Geheimnis war ihre Leere, diese innere Leere und Offenheit auf Gott hin. So hat sie Jesus so unbeschreiblich klar widergespiegelt. Sie hat nichts dazwischen gesetzt. Daher auch ihre ungewöhnlichen Einfälle. In Äthiopien war ich dabei, als wir große Hilfslieferungen, aber keine Mittel zum Transport hatte. Da ging sie zum Telefon und rief Ronald Reagan an: Mr. President, können sie nicht ein paar Helikopter schicken? Er sagte ja. Das war von einer Telefonzelle an der Straße.

DIE WELT: Wie ging es nach ihrem Tod weiter?

MAASBURG: Ihr Orden wächst ständig. Als sie starb, hatten sie 594 Tabernakel, wie sie ihre Häuser nannte. Heute sind es über 700 mit rund 5000 Schwestern.

DIE WELT: Im Tabernakel werden die eucharistischen Hostien aufbewahrt. Wieso Tabernakel?

MAASBURG: Es war für sie ein einziges Zentrum der Gegenwart Gottes: der Tabernakel und Ärmsten der Armen – vor denen sie ständig betete, in einem fast personifizierten Staunen. Sie betete ununterbrochen den Rosenkranz. Es war für sie ein einziges Spiel.

DIE WELT: Gab es für sie keine dunklen Zeiten?

MAASBURG: In Briefen, die jetzt erst aufgetaucht sind, lesen wir im Detail, wie sie die Nacht der Seele in erschreckender Art beschreibt. Wie sie vom verschlossenen Himmel spricht und davon, dass sie nicht wusste, ob es etwas hinter dem Himmel gibt. Ob es Gott überhaupt gibt. Wenn ich meine Gebete zum Himmel schicke, schreibt sie einmal, kommen sie wie Schwerter in meine Seele zurück. Doch je ferner ihr Gott war, desto größeres Sehnen erfasste sie nach ihm und seiner Liebe. Es war diese verzehrende Sehnsucht, Gott zu begegnen, die sie keine Zeit verschwenden ließ. Darum war ihr erster Weg immer in die Slums. Sie lief und rannte zu den Ärmsten der Armen: praktisch immer auf der Suche nach ihrem Geliebten.

(c) Text  Paul Badde 

Nach oben

Zum Textanfang

 

Der Heilige Pater Pio von Pietrelcina

 

LEBENSLAUF DES HEILIGEN

25. Mai 1887 - 23. September 1968

Wundmale Christi (Stigma): 20. September 1918

Der heilige Pio von Pietrelcina, in der ganzen Welt als Pater Pio bekannt, wurde am 25. Mai 1887 als Sohn des Kleinbauern Grazio Forgione in Pietrelcina (Italien, Prov. Benevent) geboren. In der Taufe erhielt er den Namen Francesco. Am 6. Januar 1903 trat er ins Noviziat der Kapuziner zu Mormone ein, wo er am 22. desselben Monats eingekleidet wurde und den Namen Pio erhielt. Am 10. August 1910 wurde er im Dom zu Benevent zum Priester geweiht.

Am 28. Juli 1916 kam Pater Pio zum ersten Mal nach San Giovanni Rotondo auf dem Gargano (Apulien) ins dortige Kapuzinerkloster, wo er dann, bis auf wenige Unterbrechungen, 52 Jahre lang blieb, bis zu seinem Tod am 23. September 1968. Am Morgen des 20. September 1918, einem Freitag, erhielt er vor dem Chorkreuz der kleinen, alten Kirche die Gnadengabe der Wundmale Christi, welche 50 Jahre hindurch offen, frisch und blutig blieben. Sein Leben widmete er ausschließlich seinem Amt als Priester und Beichtvater, er gründete die "Gebetsgruppen" und das große Krankenhaus "Casa Solievo della Sofferenza". Er starb im Ruf der Heiligkeit.

Das Verfahren zu seiner Selig- und Heiligsprechung wurde am 20. März 1983 eingeleitet. Die weiteren Etappen: Abschluss des Diözesanprozesses am 21. Januar 1990; Zuerkennung des heroischen Tugendgrads am 18. Dezember 1997; Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. in Rom am 2. Mai I 999; Anerkennung eines weiteren Wunders durch seine Fürbitte und Promulgation des Dekrets am 20. Dezember 2001. Heiligsprechung durch denselben Papst am 16. Juni 2002.

- - - - - - - - - 

GEBET ZUM HL. PATER PIO ZUR ERLANGUNG EINER GNADE

O Gott, der Du dem heiligen Pio von Pietrelcina,

Priester aus dem Orden der Kapuziner,

das unvergleichliche Privileg verliehen hast,

auf wunderbare Weise am Leiden Deines Sohnes teilzuhaben,

gewähre mir durch seine Fürbitte die Gnade...,

die ich mir sehnlichst wünsche;

vor allem aber gewähre mir,  Jesus im Tode gleich zu werden,

um danach zur Herrlichkeit der Auferstehung zu gelangen.

Dreimal: Ehre sei dem Vater

Nihil obstat, Manfredonia, den 26. Februar 2002

+ Vincenzo D'Addario

Erzbischof von Manfredonia- Vieste

 - - - - - - - - - - - - -

 

GEBET ZUM HEILIGSTEN HERZEN JESU

Dieses Gebet wurde täglich von Pater Pio für diejenigen gesprochen, die sich seinen Gebeten anvertraut hatten. Es wird daher den Gläubigen nahe gelegt, dasselbe zu tun, um sich im Geiste dem Gebet des Heiligen anzuschließen.

O mein Jesus, der Du gesagt hast: "Wahrlich ich sage euch, bittet und ihr werdet empfangen, suchet und ihr werdet finden, klopfet an und es wird euch aufgetan werden", siehe, ich klopfe an, ich suche, ich bitte um die Gnade...

Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue und hoffe auf Dich!

Vater unser... Gegrüßet seist du Maria... Ehre sei...

O mein Jesus, der Du gesagt hast: "Wahrlich ich sage euch, um was immer ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, wird Er euch gewähren", siehe, in Deinem Namen erbitte ich von Deinem Vater die Gnade... ",

Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue und hoffe auf Dich!

Vaterunser.. Gegrüßet seist du Maria... Ehre sei...

O mein Jesus, der Du gesagt hast: "Wahrlich ich sage euch, Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen", siehe, gestützt auf die Unfehlbarkeit Deiner Worte bitte ich um die Gnade...

Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue und hoffe auf Dich!

Vater unser... Gegrüßet seist du Maria... Ehre sei...

O Heiligstes Herz Jesu, dem es unmöglich ist, kein Mitleid zu haben mit den Unglücklichen, habe Erbarmen mit mir armen Sünder und bewillige mir die Gnade, um die ich Dich bitte durch das Unbefleckte Herz Mariens, Deiner und unserer zärtlichen Mutter.

Heiliger Josef, innigst mit dem Heiligsten Herzen Jesu verbunden, bitte für uns!

Gegrüsset seist Du, Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsre Wonne und unsre Hoffnung, sei gegrüßt! Zu Dir rufen wir verbannte Kinder Evas, zu Dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende Deine barmherzigen Augen uns zu, und  nach diesem Elende zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht Deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

- - - - - - - - - - - - - -

KONTAKT:

Wallfahrtskirche SANTA MARIA DELLE GRAZIE 

Kloster der Minderen Brüder der Kapuziner 

IT – 71013 San Giovanni Rotondo

Webseite: www.conventopadrepio.it

eMail: cappuccini@conventopadrepio.it

 

- - - - - - - - - - - - -

 

Nach oben

Zum Textanfang PATER PIO

 

 

Seligsprechung von Anna Katharina Emmerick am 3. Oktober in Rom

Dies gab heute das Bistum Münster bekannt - Emmerick ist die "Autorin" des Buches "Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus" (Passion Christi)

Münster/Rom, 25. Mai 2004
Anna Katharina Emmerick (1774 - 1824) soll am 3. Oktober in Rom selig gesprochen werden. Dies teilte das Päpstliche Staatssekretariat dem Bistum Münster jetzt mit. Bischof Reinhard Lettmann gab den Termin am Dienstag im Rahmen eines Empfangs im Bischöflichen Generalvikariat in Münster bekannt. "Die Seligsprechung der als Mystikerin des Münsterlandes bekannten Ordensfrau erfüllt uns mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit", betonte der Bischof. Er rief die Gläubigen seines Bistums auf, in großer Zahl an den Seligsprechungsfeierlichkeiten in Rom teilzunehmen. "Dieses Ereignis kann uns allen - jedem einzelnen aber auch unserem ganzen Bistum - eine große Kraft für unseren Weg geben", versicherte der Bischof.

Lettmann würdigte die 1824 in Dülmen gestorbene Frau als ein Beispiel für eine intensive Christusbeziehung: "Anna Katharina Emmerick verweist uns in ihrer Liebe zu Jesus auf das Fundament unseres Christseins." Darüber hinaus zeige das Wirken der künftigen Seligen, dass jemand selbst vom Krankenbett aus anderen Rat, Trost und Glaubenshilfe geben könne. "Dies stellt unsere gängigen Nützlichkeitserwägungen in Frage und kann uns ein Fingerzeig in den aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen sein."

In der in Coesfeld geborenen Anna Katharina Emmerick werde eine besondere Freundin Gottes, wie sie der damalige Generalvikar Clemens August Droste zu Vischering genannt hatte, als Selige zur Verehrung gegeben. Von ihr könnten die Christen lernen, im Alltag als Christen zu leben und dem Glauben Gesicht zu geben.

"Die Seligsprechung soll ein Ereignis werden, das uns lange in Erinnerung bleiben wird und das vor allem auch Früchte trägt", hob Generalvikar Norbert Kleyboldt hervor. Er stellte den voraussichtlichen Rahmen der Feiern in Rom vor. Die eigentliche Seligsprechung in einem feierlichen Gottesdienst mit dem Papst auf dem Petersplatz ist am Sonntag (3. Oktober). Am Tag zuvor bereiteten sich die Gläubigen auf den festlichen Akt vor. Ihren Abschluss finden die Festlichkeiten mit einer Papstaudienz und einem Gottesdienst der Münsteraner vermutlich am Montag (4. Oktober).

Dazu gebe es verschiedene Angebote für die Reise und den Aufenthalt in Rom, erläuterte Kleyboldt. Bus-, Bahn- und Flugreisen würden von unterschiedlichen Veranstaltern angeboten. Überdies denkt die Diözese an eine offizielle Bistumswallfahrt nach Rom aus Anlass der Seligsprechung. "Die Koordinierung aller Angebote liegt bei der Diözesanpilgerstelle Emmaus-Reisen in Münster", betonte der Prälat

Nach oben

 

Grosse Heilige der Eucharistie

Die Heilige Eucharistie und die Heiligen

9 wichtige Heilige der Hl. Eucharistie

Hl. Tarzisius (+ 257), Hl. Gregor der Grosse (+ 604) “Gregorianischen Messen”,  Hl. Hildegard von Bingen (+ 1179), 

Selige Eva (+ 1266) und die Hl. Juliana v. Lüttich (+1258)Fronleichnamsfest,  Hl. Gertrud die Grosse von Helfta (+1301), 

Hl. Thomas von Aquin (+ 1274),  Hl. Pius X. (+ 21. August+ 1914),  Hl. Peter Julian Eymard (+ 1868),  Gründer der Eucharistiener, 

Theresia von Konnersreuth,  Maria, die Königin aller Heiligen.

 

Vorwort

Jesus sagte zu den Juden: "Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben. Das Brot aber, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch für das Leben der Welt... Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esset und sein Blut trinket, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, hat ewiges Leben und Ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und Mein Blut ist wahrhaft ein Trank.

Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Wie Mich der lebendige Vater gesandt hat und Ich durch den Vater lebe, so wird auch der, der Mich ißt, durch Mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, nicht wie jenes, das eure Väter gegessen haben und gestorben sind. Wer dieses Brot ißt, wird in Ewigkeit leben." (Joh 6,48-58)

Die Juden murrten weil Jesus das gesagt hatte. Viele seiner Jünger sagten: "Diese Rede ist hart. Wer kann sie anhören?" (Joh 6,60). Von da an zogen sich viele von seinen Jüngern zurück und wanderten nicht mehr mit Ihm (Joh 6,66). Da fragte Jesus die zwölf: "Wollt etwa auch ihr weggehen?" Da trat nun Petrus als Wortführer der Apostel vor und erklärte: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Nur Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, dass Du der Heilige Gottes bist.” (Joh 6,68f)

Der Hl. Paulus schreibt: Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe: Der Herr Jesus nahm in der Nacht, in der er verraten wurde, Brot, sagte Dank,. brach es und sprach: »Nehmt hin und eßt, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis.« Ebenso nahm er nach dem Mahl auch den Kelch und sprach: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; tut dies, sooft ihr davon trinkt, zu meinem Gedächtnis!« Denn sooft ihr dieses Brot eßt und den Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer daher unwürdig dieses Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig an Leib und Blut des Herrn. Es prüfe ein jeder sich selbst (Hl. Beichte), und so esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, wenn er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. (1.Kor.11.)

Das Allerheiligste, das der Kirche von Christus anvertraut worden ist, ist die Heilige Eucharistie, "aus der die Kirche immerfort lebt und wächst" (Lumen Gentium, 26); sie ist "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (Lumen Gentium,11), sie ist "Mitte und Höhepunkt des gesamten Lebens der christlichen Gemeinde" (Christus Dominus, 30), denn "die Heilige Eucharistie enthält das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle, Christus selbst" (Presbyterorum ordinis).

Diese und ähnliche Aussagen über die Heilige Eucharistie, ihr Wesen, ihre Würde, ihre Bedeutung gibt es in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils in beachtlicher Zahl. So schön und vielsagend solche Texte über die Heilige Eucharistie sind, so beschämend ist daneben das, was seit dem II. Vatikanischen Konzil bisweilen mit der Heiligen Eucharistie getrieben wird: Viele halten sich nicht an die Konzilsbeschlüsse. Man sieht, wie heute das Allerheiligste, die Heilige Eucharistie als Opfer und Sakrament, entsakralisiert, abgewertet, umgedeutet und zu einem bloßen Symbol degradiert wird. Man leugnet die für das rechte, gläubige Verständnis der Heiligen Eucharistie wesentliche Wesensverwandlung von Brot und Wein, oder stellt man es in Frage. Man leugnet die wahre, wirkliche Gegenwart Jesu Christi und deutet sie zu einer bloß symbolischen Gegenwart Christi um. Manchmal wird die Eucharistiefeier überhaupt nur zu einem symbol-trächtigen Gemeinschaftsmahl umgedeutet.

Da ist von einer Gegenwärtigsetzung des Kreuzes-opfers Christi keine Rede mehr. Dass mit solchen Reduzierungen des Glaubens an das eucharistische Geheimnis auch eine erschreckende Zunahme von Ehrfurchtslosigkeit dem Allerheiligsten gegenüber zusammenhängt, ist leider eine schmerzliche Wahrheit. Man übersieht, verschweigt oder verharm-lost solche Mißstände. Seit dem II. Vatikanischen Konzil sind auch manche unnötigen oder zuwenig überlegten liturgischen Reformen eingeführt worden. Wie etwa den Spender und die Art der Spendung der Heiligen Eucharistie betreffend. Dies hat zum Abbau der Ehrfurcht vor dem eucharistischen Geheimnis und in der Folge zum Schwinden des Glaubens an die Realpräsenz Christi in der Heiligen Eucharistie beigetragen.

Es ist daher sinnvoll, auf Vorbilder starken Glaubens und ehrfürchtiger Frömmigkeit der Heiligen Eucharistie gegenüber hinzuweisen.

Es hat Heilige der Eucharistie tatsächlich in allen Jahrhunderten der Kirchengeschichte gegeben. Das ist das Anliegen dieses vorliegenden Heftes.

 

Der heilige Tarzisius

Die einzige geschichtliche Quelle, die uns über diese liebenswerte Gestalt berichtet, ist die Inschrift, die Papst Damasus am Grab dieses Märtyrers in den Callistus-Katakomben in Rom anbringen liess. Der kostbare Text dieser Inschrift lautet: "Der wütende Pöbel drängte den heiligen Tarsicius, der die “Sakramente Christi” trug, sie den Unheiligen zu zeigen. Er aber wollte lieber unter Schlägen sein Leben verlieren, als die himmlischen Glieder den wütenden Hunden überliefern."

Ein Kirchenhistoriker, ein Jesuit, bemerkt zu dieser Inschrift: "Diese Damasus - Inschrift zeigt uns mit voller Klarheit, dass die alten Christen an die reale Gegenwart Christi im Sakrament des Altares glaubten. Sie waren der Überzeugung, dass die “himmlischen Glieder” Christi, wie sich Papst Damasus ausdrückt, jederzeit unter den konsekrierten Gestalten verborgen sind." Man nimmt an, daß Tarsicius die heilige Eucharistie, den Leib Jesu Christi in das Gefängnis den christlichen Bekennern und Märtyrern gebracht hat. Auf dem Weg dorthin wurde er von pöbelhaften heidnischen Menschen überfallen, die ihm das Geheimnis entreissen wollten. Er aber schützte es und mußte dabei als Märtyrer der Heiligen Eucharistie sein Leben lassen. Es soll das am 15. August 257 geschehen sein. Wer war nun dieser Märtyrer Tarsicius? In den Alten Schriften deutet manches darauf hin, dass er vielleicht schon Diakon war, da er sehr früh schon mit dem Diakon Stephanus von Jerusalem verglichen wurde. Jedenfalls ist dieser Märtyrer der Heiligen Eucharistie ein prachtvoller Zeuge des Glaubens der frühchristlichen Kirche, die an die Realpräsenz Christi in der Heiligen Eucharistie fest glaubte.

Die Christen jener Zeit behandelten mit Ehrfurcht die Heilige Eucharistie. Von daher kommt diesem Heiligen höchste Aktualität zu in unserer Zeit, in der der Glaube an die Realpräsenz Christi in der Heiligen Eucharistie am Schwinden ist und die Ehrfurcht vor diesem "Geheimnis des Glaubens" immer mehr schwindet. Die gläubige Ehrfurcht eines Tarsicius vor der Heiligen Eucharistie kann besonders den heutigen Christen ein großes Beispiel sein, diese vor sakrilegischer Profanierung zu bewahren.

Papst Paul I.(+767) liess die Reliquien des heiligen Tarsicius aus den Callistus-Katakomben in die römische Kirche S. Silvestro in Capite bringen. Ein Teil davon kam später in die Peterskirche in Rom. In der Ewigen Stadt gibt es seit 1939 eine dem heiligen Tarsicius geweihte Kirche.

 

Der heilige Papst Gregor der Grosse (+ 604)

Dieser aus vornehmem römischem Adelsgeschlecht stammende Heilige, der zuerst als Stadtpräfekt oberster römischer Staatsbeamte war, dann aber Mönch wurde und sein eigenes Wohnhaus im Clivus Scauri in Rom in ein Kloster verwandelte, um dort mit anderen dem Gebet, der Betrachtung und sühnenden Busse zu leben, wurde durch Papst Pelagius II. aus der Stille des Klosters wieder herausgeholt und als Geschäftsträger der römischen Kirche nach Konstantinopel geschickt. Im Jahre 590 wurde er zum Nachfolger von Papst Pelagius II. gewählt. Der heilige Gregor der Große hat von der Heiligen Eucharistie ganz gross gedacht und sehr klar gelehrt, dass der Priester bei der Eucharistiefeier das Kreuzesopfer Jesu Christi mit all seiner Kraft und Wirksamkeit gegenwärtig setzt.

Das Messopfer vermag nach der Lehre des heiligen Gregors d. Gr. nicht bloß den Lebenden, sondern auch den Verstorbenen im Läuterungszustand des Fegfeuers zu helfen. Bekannt ist, wie der heilige Papst in seinen "Dialogen" erzählt, dass er für die Seelenruhe des in seinem Kloster zum heiligen Andreas auf dem Monte Celio in Rom verstorbenen Mönches Justus 30 heilige Messen an 30 unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagen feiern liess; nach der30. Messe aber erschien der Verstorbene seinem leiblichen Bruder Copiosus und kündigte ihm an, daß er nun aus den Qualen des Fegfeuers befreit sei. Von daher rührt der kirchlich gutgeheißene Brauch der sogenannten “Gregorianischen Messen”.

Wie das Messopfer den Lebenden zu nützen vermag, schildert Papst Gregor d. Gr. an Beispielen in seinem Buch "Dialoge". Er äußert sich besonders klar über das Wesen des Messopfers und die rechte Art, es mitzufeiern: "Wir müssen diese Welt, von der wir ja sehen, dass sie bereits dahinschwindet, von ganzer Seele geringachten und täglich Gott Opfer sühnender Busse mit Reuetränen, aber auch täglich das Opfer des Fleisches und Blutes Jesu Christi darbringen. Dieses Opfer rettet in ganz einzigartiger Weise die Seele vor dem ewigen Verderben, da es uns den Sühnetod des eingeborenen Gottessohnes in geheimnisvoller Weise gegenwärtigsetzt, der... in diesem geheimnisvollen Opfer für uns aufs neue hingeopfert wird... Bedenken wir deshalb, was dieses Opfer zu bieten vermag, da es immer wieder das Leiden des eingeborenen Gottessohnes zur Vergebung unserer Sünden darstellt... Daß auf das Wort des Priesters hin sich der Himmel öffnet, dass die Chöre der Engel diesem Geheimnis Jesu Christi beiwohnen und dass sich hier das Höchste mit dem Niedrigsten verbindet, das Irdische sich mit dem Himmlischen vereint... Bei dieser heiligen Handlung müssen wir aber auch uns selber in Reue... zum Opfer bringen. Denn wenn wir das Geheimnis des Leidens unseres Herrn feiern, müssen wir das nachahmen, was wir feiern. Dann wird die heilige Messe ein Opfer für uns bei Gott, wenn wir uns selbst zu einem Opfer gemacht haben..."

Auch in seinen Schriften lehrt er: “Im heiligsten Sakrament ist Jesu Fleisch und Blut wirklich gegenwärtig, indem der Heilige Geist durch die Konsekration Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt. Dieses hochheilige Sakrament vermittelt die Gnade Gottes, befreit von den Sünden, vereinigt die Gläubigen mit Christus und untereinander, wirkt aber nur, wenn man mit Gott ausgesöhnt ist (Hl. Beichte).”

Gregor der Grosse war er auch um die rechte, ehrfurchtsvolle Gestaltung der Liturgie und um die rechte, ehrfurchtsvolle Haltung bei ihrer Feier bemüht. Er ist der Verfasser des ersten Hochgebetes vor der Wandlung in der Hl. Messe: "Nimm gnädig an, o Gott, diese Gaben deiner Diener und deiner ganzen Gemeinde: ordne unsere Tage in deinem Frieden, rette uns vor dem ewigen Verderben und nimm uns auf in die Schar deiner Erwählten!"

 

Die heilige Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen, eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters, ist deshalb, weil sie uns in der sechsten Schau des zweiten Buches ihres großartigen Werkes "Scivias" (Wisse die Wege) in mystischer Tiefe die Eucharistielehre der Kirche dargestellt hat, unter die eucharistischen Heiligen einzureihen. Sie wurde 1098 geboren. Im Alter von acht Jahren wurde sie einer Frauenklause auf dem Disibodenberg zur Erziehung übergeben.

Das Wort Gottes und die benediktinische Lebens-ordnung wurden so zum tragenden Fundament ihres Lebens. Hildegard war mit reichen Gaben des Herzens und des Verstandes von der göttlichen Weisheit beschenkt, hatte von Kindheit an (mit 3-4 Jahren) die Fähigkeit, Unsichtbares zu schauen.

Sie erhielt in einer Vision von Gott den Auftrag (im Jahre 1141), das Geschaute niederzuschreiben und es den Menschen mitzuteilen. Nach anfänglichem Sträuben gegen den Auftrag Gottes überwand sie schließlich ihre Furcht und begann mit der Niederschrift ihres Erstlingswerkes "Scivias" ("Wisse die Wege"). Einen Wendepunkt im Leben der bis dahin unbekannten Ordensfrau brachte die Synode zu Trier 1147/48, welcher Papst Eugen III. vorstand. Abt Kuno von Disibodenberg liess dem Papst durch Erzbischof Heinrich von Mainz über Hildegard berichten. Dieser entsandte unter dem Vorsitz von Bischof Albero von Verdun eine Kommission in das Kloster Hildegards, um die Echtheit ihrer Sehergabe zu prüfen.

Die Kommission kehrte, tief beeindruckt von Hildegards Persönlichkeit, mit positivem Ergebnis zurück und überreichte dem Papst einen Teil der Schrift "Scivias". Dieser las öffentlich daraus vor und bestätigte unter dem Beifall aller Anwesenden Hildegards Charisma.

Die heilige Hildegard schrieb über ihre Sehergabe im Alter von 77 Jahren an den Mönch Wigbert (Guibert) von Gembloux: "Die Worte, die ich spreche, habe ich nicht von mir noch von einem anderen Menschen, sondern ich sage sie aus der Schau, die ich von oben empfange. Ich sehe die Schau einzig in meiner Seele, mit offenen leiblichen Augen, so dass ich niemals die Bewusstlosigkeit einer Ekstase erleide, sondern wachend schaue ich dies, bei Tag und Nacht.” Was hat nun die heilige Hildegard über die Heilige Eucharistie geschaut!

Sie schaut in der sechsten Schau des zweiten Buches von "Scivias" wie in den vorausgehenden Schauungen - die Kirche als Braut Christi, die als unsagbar kostbare "Hochzeitsgabe" Leib und Blut Christi im heiligsten Altarssakrament empfängt...

...Als nun ein Priester, mit den heiligen Gewändern bekleidet, zur Feier der göttlichen Geheimnisse an den Altar trat, kam plötzlich heller Lichtglanz vom Himmel. Engel stiegen herab, und das Licht umflutete den Altar. Das blieb so, bis sich nach Vollendung des heiligen Opfers der Priester entfernte. Nachdem das Evangelium des Friedens verlesen und die Opfergabe für die Konsekration auf dem Altar bereitgelegt war, sang der Priester den Lobpreis des allmächtigen Gottes: “Sanctus, sanctus, sanctus, Dominus Deus Sabaoth!” und begann das unaussprechliche Geheimnis. In diesem Augenblick öffnete sich der Himmel. Ein feuriges Blitzen von unbeschreiblich lichter Klarheit fiel auf die Opfergaben nieder und durchströmte sie ganz mit seiner Herrlichkeit, wie die Sonne den Gegenstand, den sie bestrahlt, mit ihrem Lichte durchdringt. Und der blitzende Schein trug die Opfergabe in unsichtbare Höhen bis in das Innerste des Himmels empor und liess sie wieder auf den Altar hernieder, ähnlich wie ein Mensch beim Atmen die Luft einzieht und sie wieder aushaucht. Obgleich nun die Opfergaben für das Auge der Menschen noch das Aussehen von Brot und Wein hatten, waren sie doch in wahres Fleisch und wahres Blut umgewandelt...

Aber als der Priester das Lied von dem unschuldigen Lamme “Agnus Dei, qui tollis peccata mundi” sang und sich zum Empfang der heiligen Kommunion anschickte, zog sich das feurige Blitzen zurück. Der Himmel schloss sich, doch hörte ich aus seinem Innern eine Stimme: “Esset und trinket den Leib und das Blut meines Sohnes, auf dass die Sünde Evas getilgt werde und ihr in euer rechtmäßiges Erbe eingeht!” Als sich nach Vollendung des heiligen Geheimnisses der Priester vom Altar entfernte, zog sich auch der helle Lichtglanz, der den Altar bis dahin umstrahlt hatte, wieder nach oben in die Verborgenheit des Himmels zurück..."

Ausführlich spricht die heilige Hildegard über die heilige Kommunion. Über die Art und Weise, wie sie empfangen werden soll, und über ihre Wirkungen: Zunächst verlangt sie entsprechende Vorbereitung auf den Empfang der heiligen Kommunion: Wie der Leib des Herrn im reinsten Schoss der Jungfrau entstand, so darf er auch, weil eben überaus rein, von den Gläubigen nur mit reinem und einfältigem Herzen empfangen werden. Wer zum Empfang der heiligen Kommunion hinzutreten will, muss sich hüten, in einem Gottes unwürdigen Zustand zu erscheinen; darum muss er zuerst eine gewissenhafte Selbstprüfung (Hl. Beichte) anstellen:

Nach dem Maß der Herzensreinheit, des Glaubens und Verlangens des Kommunikanten richten sich die Gnadengaben beim Empfang der heiligen Kommunion. Die Wirkungen der heiligen Kommunion im richtig disponierten Empfänger sind gross und zahlreich. Die heiligste Dreifaltigkeit selber kommt; darum hört die heilige Hildegard, wie Gott spricht: "Anderswo gebe ich meinen Auserwählten, die Mich suchen, Meine Gnaden nach den verschiedenen Gaben des Heiligen Geistes. In diesem Sakrament aber zeige Ich Mich ihnen ganz; denn Mein Sohn ist in Mir und Ich in Ihm, und der Heilige Geist ist in Uns und Wir sind in Ihm und sind eins in der Gottheit!" Solch gnadenreiche Einwohnung des dreifaltigen Gottes reinigt die Kommunikanten von ihren Gebrechen und stärkt sie gegen den bösen Feind. Aus diesem Sakrament erwächst den Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe neue Anregung. Keine Gnaden empfängt, ja neue Schuld lädt auf sich, wer dieses heiligste Sakrament in schwerer Sündenschuld empfängt. Ein solcher "schickt den Herrn,... in den Sumpf seines Elends." Hildegard hat diesen Glauben an das heiligste Sakrament hochgehalten bis an ihr Lebensende. Sie starb nach dem Empfang der heiligen Wegzehrung am 17. Sept. 1179.

 

Die selige Eva (+1265) und die heilige Juliana von Lüttich (+ 1258)

Die Urheberinnen des Fronleichnamsfestes, Eva und Juliana von Lüttich, gehören zusammen gesehen in ihrer Beziehung zur Heiligen Eucharistie; sie waren nicht bloß Freundinnen, sie waren beide von inniger Liebe zum eucharistischen Heiland erfüllt und wollten, dass dem Altarssakrament grösste Verehrung entgegengebracht werde.

Eva ist zwischen 1205 und 1210 geboren. Nach einem weltlichen Leben erkannte sie ihre Berufung zur Rekluse (Einsiedlerin). Sie wurde von Juliana dazu angespornt. Das Leben als Rekluse war damals im 13. Jahrhundert bei vielen Personen, die nach Vollkommenheit strebten, üblich.

Juliana, die Freundin der seligen Eva von Lüttich, wurde zu Retinne bei Lüttich um 1191-92 geboren. Mit fünf Jahren verlor Juliana ihre Eltern. Sie wurde als Waisenkind den Klosterfrauen von Cornillon zur Erziehung übergeben. Im Jahre 1207 wurde Juliana eingekleidet. Bereits zwei Jahre später, 1209, setzten ihre Visionen ein, die sich mehr und mehr auf die Heilige Eucharistie bezogen, die von Kindheit an den Mittelpunkt ihrer Frömmigkeit bildete. Sie verstand nicht, sie zu deuten. Darum erkundigte sie sich bei ihren Vorgesetzten und bei theologisch gebildeten Priestern. Als ihr niemand eine befriedigende Deutung geben konnte und viele ihr diese Visionen als wertlose Träumereien auslegten, suchte Juliana mit aller Anstrengung diese Visionen zu vergessen.

Endlich offenbarte ihr Christus: ...Sein Wille sei es, dass die Erinnerung an die Einsetzung des Altarssakramentes alljährlich besonders begangen werde, und zwar feierlicher als dies am Gründonnerstag in der Karwoche geschehen könne, an welchem Tag die Gläubigen mehr mit seinem Leiden beschäftigt seien. Zugleich gab Christus der jungen Ordensschwester den Auftrag, diesen seinen Willen der Welt zu verkünden. Juliana erschrak darüber, entschuldigte sich mit ihrer Schwäche und unbedeutenden Rolle, die sie als unbekannte Ordensfrau spiele; sie bat den Herrn, er möge doch gelehrte und heilige Priester mit dieser Aufgabe betrauen. Jahrelang hielt Juliana die ihr zuteil gewordene Offenbarung geheim. Erstmalig sprach sie darüber mit ihrer Freundin, der Rekluse Eva. Juliana besuchte ihre eingeschlossene Freundin Eva regelmäßig und teilte ihr ihre Visionen und ihr großes Verlangen mit, es möchte doch das heiligste Altarssakrament noch viel mehr als bisher verehrt und verherrlicht werden. Als Juliana ihrer Freundin Eva mitteilte, der Herr habe ihr in einer Vision seinen Wunsch mitgeteilt, es möge ein eigenes Fest zu Ehren des Altarssakramentes, also das Fronleichnamsfest, eingeführt werden, suchte Eva von da an durch viele Gebete und Bußwerke den Segen Gottes auf die Bemühungen ihrer Freundin Juliana herabzuziehen. Eva wurde nun Zeugin der mystischen Begnadigungen Julianas.

Schliesslich, nach 20-jährigem Beten und Büßen, erkannte Juliana, dass sie dem ihr geoffenbarten Wunsch Jesu Christi nicht länger mehr widerstehen dürfe, und teilte nun dem Stiftsherrn Johannes, dem Dominikaner-Provinzial, sowie anderen theologisch gebildeten Männern die ganze Angelegenheit mit. Alle diese sprachen sich schließlich nach reiflicher Überlegung positiv dafür aus.

Der Bischof von Lüttich, Robert von Thourette, nahm sich ihrer an. Er besprach mit ihr, überlegte die ganze Angelegenheit reiflich und beschloss schließlich im Jahre 1246, das Fronleichnamsfest in seiner Diözese einzuführen. Er bestätigte auch die Tagzeiten (Officium), welche Juliana von einem frommen Priester zur Verherrlichung des heiligsten Altarssakramentes hatte verfassen lassen und die sie selbst mit einigen Zusätzen versehen hatte.

Am Ostertag des Jahres 1258 starb sie. Nach dem Tod Julianas setzte sich Eva mit aller Energie für den Triumph des eucharistischen Heilands in der Angelegenheit des Fronleichnamsfestes ein; Eva betrieb diese Angelegenheit beim Bischof von Lüttich, Heinrich von Geldern, und drang in diesen, sich um ein entsprechendes Dekret des Papstes Urban IV. zu bemühen. Dieser war, bevor er auf den Stuhl Petri erhoben wurde, Archidiakon in Lüttich. Papst Urban IV. sandte schließlich am 8. September 1264 einen Brief, in welchem er die Einsetzung des Fronleichnamsfestes ankündigte. Eva starb um 1265.

Juliana hat die allgemeine Einführung des Fronleichnamsfestes (damals noch ohne Prozession) in der Gesamtkirche (1264) nicht mehr erlebt. Aber ihre Gebete, Bußwerke und Opfer sowie die Bemühungen ihrer Freundin, der seligen Eva, blieben nicht fruchtlos. Die Fronleichnamsprozession mit dem Allerheiligsten kam erst später dazu.

Papst Urban IV., der frühere Archidiakon von Lüttich, erließ im Jahre 1264 die Bulle "Transiturus de hoc mundo", mit der er für die ganze Weltkirche das Fronleichnamsfest einführte.

Erst Papst Clemens V. und das Konzil von Vienne haben die Bulle 1311/12 wiederholt und ihre Ausführung streng befohlen. Der Kardinallegat Hugo von St. Cher hat in seinem Rundschreiben die Gläubigen dazu aufgefordert, "sich am Vortag durch Fasten, Gebet, Nachtwachen, Almosen und andere gute Werke vorzubereiten."

Papst Leo XIII. bestätigte 1902 den Kult, der der Rekluse Eva sogleich nach ihrem frommen Sterben zuteil wurde und erlaubte Messe und Offizium zu Ehren der seligen Eva in der Diözese Lüttich am 14. März jeden Jahres.

 

Die heilige Gertrud die Grosse von Helfta

(+ 17. November 1301/1302)

Das kleine Kloster Helfta bei Eisleben in Sachsen war, als die kleine Gertrud mit fünf Jahren zur Ausbildung und Erziehung dorthin kam, eine Stätte innigster Gottesliebe. Gertrud genoß einen ausgezeichneten Unterricht in Latein und Musik, vor allem aber auch in Theologie. Am 27. Januar 1281 erlebte sie in ihrem 26. Lebensjahr das, was sie dann ihre "Bekehrung" nannte. Es erschien ihr zum ersten Mal Christus. Von da an begann ihr überaus reiches, mystisches Gnadenleben. Sie selbst machte davon Aufzeichnungen. Diese Notizen samt dem, was eine unbekannte Mitschwester der Heiligen über Gertruds Begnadigung zu berichten wusste, sind überliefert in der Schrift "Der Gesandte der göttlichen Liebe".

Die in diesen Schriften zutage tretende innige Frömmigkeit voll der reinsten, zartesten Gottes- und Christusliebe gründet auf einer gläubigen Erfassung der Erlösungstatsache. Die Früchte der Erlösung werden den Menschen vor allem durch die heiligen Sakramente zugeteilt, von denen besonders Taufe, Busse und Eucharistie angeführt werden.

Ganz stark tritt die Liturgie der Kirche in den Mittelpunkt des täglichen religiösen Lebens dieser deutschen Mystikerin. Mittelpunkt der Liturgie aber ist ihr die Eucharistiefeier. Darüber weiss sie im "Gesandten der göttlichen Liebe" so viel zu sagen, dass man sie mit vollem Recht nicht bloß eine erste Verehrerin des göttlichen Herzens Jesu in deutschen Landen, sondern auch eine ganz eucharistisch geprägte Heilige genannt hat.

Ihre tiefe Glaubensüberzeugung von der Realpräsenz Christi in der Heiligen Eucharistie bringt Gertrud die Grosse in der Schilderung mancher Visionen, die ihr zuteil wurden, zum Ausdruck. Das Hauptgewicht legt sie in ihren Darlegungen über die Heilige Eucharistie aber auf den Empfang dieses heiligsten Sakramentes. Als sie einmal dem Herrn für die wunderbare Herablassung der göttlichen Liebe Dank sagte, empfing sie die folgende Erkenntnis: Sooft jemand der heiligen Messe mit Andacht beiwohnt und seine Aufmerksamkeit auf Gott richtet, der sich im heiligsten Sakrament für das Heil der ganzen Welt aufopfert, wird dieser Mensch in Wahrheit von Gott Vater gnädig angesehen des Wohlgefallens wegen, das Er an dem Ihm dargebrachten hochheiligen Opfer hat, wie derjenige, der aus der Finsternis in das helle Sonnenlicht tritt, plötzlich ganz erleuchtet wird. Hierauf fragte sie den Herrn: “Wenn aber, mein Herr, jemand in eine Sünde fällt, verliert er dann sofort wieder jene Seligkeit, ähnlich dem, der aus dem Sonnenlicht in die Finsternis zurückkehrt, wieder die Helle des Lichtes einbüsst?”

Der Herr antwortete ihr: “Nein, denn wenn er in sich auch das Licht der göttlichen Versöhnung einigermaßen wieder verdunkelt, so bewahrt Meine Liebe in ihm dennoch allzeit die Spur jener Seligkeit zum ewigen Leben; und er vermehrt sich dieselbe so oft, als er sich bemüht, andächtig der heiligen Messe beizuwohnen und die Sakramente zu empfangen.”

Während sie einmal nach der heiligen Kommunion darüber nachdachte, mit welcher Sorgfalt man die Zunge bewachen müsste, weil unter allen Gliedern des Leibes vor allem sie das Organ zur Aufnahme des kostbaren Geheimnisses Christi ist, wurde sie durch folgendes Gleichnis belehrt: “Wenn jemand seine Zunge nicht vor eitlen, unwahren, schändlichen, verleumderischen, widersetzlichen und ähnlichen Reden bewahrt und ohne Reue zur heiligen Kommunion hinzutritt, so empfängt er Christus in ähnlicher Weise, wie wenn jemand einen Gast bei dessen Eintritt mit Steinen, die auf der Türschwelle aufgehäuft liegen, überschüttet oder ihm mit einer harten Stange auf den Kopf schlägt.” Wer dies liest, der soll in tiefem Mitleid erwägen, welch schaurige Wildheit dazugehört, denjenigen, der mit solcher Sanftmut und Güte zum menschlichen Heil kommt, so grausam zu verfolgen. Das gilt auch von allen anderen Sünden.

Eines Tages hörte sie eine Predigt über die göttliche Gerechtigkeit. Sie erschrak darüber und scheute davor zurück, zum göttlichen Sakrament hinzuzutreten. Von der Güte Gottes wurde sie jedoch dazu mit folgenden Worten ermutigt: “Wenn du es unterlässt, mit den inneren Augen Meine Güte zu betrachten, so schau wenigstens mit deinen leiblichen Augen auf und siehe, in welch kleinem Kelch eingeschlossen Ich dir entgegenkomme; Und sei gewiss, dass genauso die Strenge Meiner Gerechtigkeit völlig umschlossen ist von Meiner Barmherzigkeit, die Ich bei der Darreichung dieses Sakramentes dem Menschengeschlecht erweise!”

Während Gertrud an einem anderen Kommuniontag das Opfer des Leibes Christi zum Heil aller Seelen im Fegfeuer darbrachte, erkannte sie, daß ihnen daraus die größte Erleichterung zuteil wurde. Jesus erklärte Ihr: “...Ich gewähre, wenn Ich durch das lebenspendende Sakrament des Altares zu einem Gläubigen, der ohne Todsünde ist, Mich hinabneige, ...den Menschen auf Erden und den Seelen im Fegfeuer Anteil an unschätzbaren Gütern.”

 

Der heilige Thomas von Aquin

Einer, der mit ganz besonderem Recht ein eucharistischer Heiliger genannt wird, ist Thomas von Aquin, der wohl grösste Theologe des Mittelalters (+ 7. März 1274).

Aus der akademischen Lehrtätigkeit des jungen Magisters Thomas in Paris wird folgendes erzählt: Es entstand damals unter den Theologen ein Disput über die Gestalten der Heiligen Eucharistie. Sie kamen schließlich überein, die Entscheidung dem jungen Magister Thomas zu überlassen, dessen Scharfsinn in der Lösung schwierigster Fragen nicht unbekannt war. Nachdem die Schrift, in welcher jeder Gelehrte seine Ansicht niedergelegt hatte, ihm übergeben worden war, sammelte sich Thomas, betete, betrachtete und schrieb dann ebenso bestimmt wie geistreich das nieder, was der Geist Gottes ihm eingab. Er wollte aber die Frucht seiner Arbeit und seines Gebetes den Gottesgelehrten nicht vorlegen, ohne zuvor den um Rat gefragt zu haben, von dem er hatte schreiben sollen. So eilte er in die Kirche und legte das, was er geschrieben hatte, vor dem Tabernakel nieder und betete: "Herr Jesus Christus, der Du in diesem wunderbaren Sakrament wahrhaft gegenwärtig bist und dessen Werke unbegreifliche Wunder sind, ich beschwöre Dich demütig, mache mir kund, ob das, was ich über Dich geschrieben habe, mit der Wahrheit übereinstimmt! Verleihe mir die Gabe, es meine Brüder zu lehren und sie davon zu überzeugen! Ist aber im Gegenteil in dieser Schrift etwas dem katholischen Glauben entgegen, so nimm mir die Möglichkeit, es ihnen vorzutragen!" Dem heiligen Thomas waren mehrere Ordensmitbrüder in die Kirche gefolgt. Diese sahen nun, wie Jesus erschien und, auf die von Thomas verfasste Schrift hinweisend, zu ihm sagte: ,Mein Sohn, du hast würdig über das Sakrament meiner Liebe geschrieben!' Während der heilige Thomas sein Gebet noch verlängerte, sah man, wie er in die Luft gehoben wurde. Aus seiner Verzückung erwacht, kehrte er dann still in seine Zelle zurück. Die Theologen aber unterwarfen sich nun ohne Vorbehalt seiner Entscheidung.

Wilhelm von Tocco, der erste Biograf des heiligen Thomas von Aquin, schreibt ausdrücklich:

"Hauptsächlich verehrte Thomas das Allerheiligste Sakrament des Altares. Weil ihm vergönnt war, tiefsinniger als andere darüber zu schreiben, so wurde ihm gewährt, es auch frömmer zu feiern. Täglich las er nämlich eine Messe, wenn ihn nicht Krankheit daran hinderte, und als zweite hörte er die seines Gefährten oder eines anderen, wobei er sehr häufig ministrierte." Fast alle Zeugen, die im Heiligsprechungsprozess über Thomas v. A. aussagten, erwähnten u. a. dies, dass er jeden Tag mit größter Andacht vor allem anderen die heilige Messe feierte und dann noch eine weitere oder zwei gehört habe. Daraus allein schon ersieht man, dass dem heiligen Thomas die Eucharistiefeier ganz besonders viel bedeutet haben muss.

Der biblische Bericht von der Einsetzung der Hl. Eucharistie ist der positive Beweis für die reale Gegenwart Christi im heiligsten Altarssakrament.

Die Gnadenwirkungen der Hl. Kommunion entspringen aus dem Messopfer, das die wahre, wirkliche Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Christi ist. Die herrlichen Wirkungen der heiligen Kommunion werden aber nur jenen zuteil, die würdig die Hl. Eucharistie empfangen und die im Stand der heiligmachenden Gnade sind (ohne schwere Sünde). Auch die Wirksamkeit des heiligen Messopfers, seine sühnende Kraft für Lebende und Verstorbene, wird an vielen Stellen in den Schriften des Hl. Thomas hervorgehoben.

Die Heilige Eucharistie ist die Wegzehrung, mit der der Herr uns stärkt auf der Pilgerreise, damit wir das herrliche Ziel unseres Lebens, die ewige Heimat, erreichen können.

 

Der heilige Papst Pius X.

Josef Sarto ist am 2. Juni 1835 in Riese (Treviso), in Italien geboren. Er ist als der heilige Papst Pius X, als "Papst der Eucharistie", in das Bewußtsein des gläubigen Volkes eingegangen. (+ 1914)

Schon als Bischof empfahl er dringend den häufigen Empfang der heiligen Kommunion und besonders die Kinderkommunion. Auch als Patriarch von Venedig legte er größten Wert darauf, dass die Kinder schon im zarten Alter zur heiligen Kommunion zugelassen würden... Um die Menschen zu einem Leben aus dem Glauben zu bringen und sie zu befähigen, in ihrem Leben auch die sozialen Probleme zu lösen, wusste er nur ein geeignetes Mittel: Rückkehr zum eucharistischen Heiland, Rückkehr zum Tisch des Herrn, an welchem alle Brüder und Schwestern in Christus sind, der sich mit ihnen aufs innigste verbindet und so alle auch untereinander in Liebe verbinden möchte.

Wie in Venedig als Patriarch, so ließ Josef Sarto auch als Papst in Rom schon im zweiten Jahr seiner Regierung einen eucharistischen Kongress abhalten.

Noch im selben Jahr, am 20. Dezember 1905 erschien dann das erste große Kommuniondekret des Papstes der Eucharistie "Sacra- Tridentina Synodus" über die oftmalige und tägliche Kommunion.

Die wichtigsten Abschnitte darin lauten so:

“....dass die Christen durch die im Empfang dieses Sakramentes bewirkte Vereinigung mit Gott Kraft gewinnen zur Beherrschung der Begierlichkeit des Fleisches, Nachlass der lässlichen Sünden, wie sie täglich vorkommen, erhalten und Schutz gegen schwere Sünden bekommen, denen die Menschen in ihrer Gebrechlichkeit sonst zum Opfer fallen. Darum nennt das Konzil von Trient die heilige Kommunion ,eine Arznei, durch die wir von den täglichen lässlichen Sünden gereinigt und vor den Todsünden bewahrt werden! In richtiger Erkenntnis dieser Absichten Gottes pflegten die ersten Christen täglich zum heiligen Tisch zu gehen, um sich dort übernatürliche Lebenskraft zu holen. ,Sie verharrten - so berichtet die Apostelgeschichte 2,42 - in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft des Brotbrechens'. Nach dem Zeugnis der Kirchenväter blieb es auch in den folgenden Jahrhunderten bei dieser Gewohnheit...” Es wurden dann die folgenden klaren Bestimmungen erlassen: "Der Zutritt zur häufigen, ja täglichen Kommunion muss allen Gläubigen jeden Ranges und Standes offenstehen, da dies dem innigen Wunsch des Herrn Jesus Christus und der katholischen Kirche entspricht. Daher darf niemand davon abgehalten werden, der im Gnadenstand und mit der rechten, guten Absicht hinzutreten will... Es wäre allerdings sehr zu wünschen, dass jene, die häufig oder täglich kommunizieren, frei seien von lässlichen Sünden, wenigstens von ganz überlegten, und von der Anhänglichkeit an solche. Indes genügt das Freisein von schwerer Sünde mit dem Vorsatz, in Zukunft nicht mehr so zu sündigen. Wenn dieser aufrichtige Wille vorhanden ist, wird man ohne Zweifel durch die tägliche Kommunion allmählich auch von den lässlichen Sünden und der Anhänglichkeit an sie frei werden... Aus Klugheitsrücksichten und um reichere Verdienste zu haben, soll man in Bezug auf die oftmalige und tägliche Kommunion den Beichtvater um Rat fragen...”

Pius X. schrieb: “...die oftmalige Kommunion sei der kürzeste Weg zur Erlangung des Heils für die einzelnen Gläubigen und für die ganze Gesellschaft.” “Den Kindern soll man daher die oftmalige Beichte und Kommunion anerziehen. Sonst entgeht der Kindesunschuld das innere Wachstum, da sie von der Vereinigung mit Christus, der Lebensquelle, zurückgehalten wird. Ja, noch mehr, die Jugend verliert sogar die Unschuld, da sie in den vielen Gefahren, von denen sie umgeben ist, gerade die stärkste Hilfe entbehren muss; so gerät sie leicht in schwere sündhafte Gewohnheiten, noch bevor sie von den heiligen Geheimnissen des Leibes und Blutes Christi kostet...”

 

Der heilige Peter Julian Eymard

Geboren ist er am 4. Februar 1811 in Frankreich. Er hatte von frühester Kindheit an eine ganz besondere Andacht zu Christus in der Heiligen Eucharistie. Das hing wohl damit zusammen, dass ihn die fromme Mutter schon als Säugling oft zum Eucharistischen Segen in die Kirche mitgenommen hatte, um ihn bei dieser Gelegenheit dem Herrn aufzuopfern.

Nach dem Tod seines Vaters, der sich der Berufung des Sohnes zum Priestertum hartnäckig entgegen-gestellt hatte, konnte Peter Julian Eymard ins Priesterseminar von Grenoble eintreten. Am 20. Juli 1834 wurde er zum Priester geweiht.

Der Zug zur Heiligen Eucharistie und das Verlangen, das eucharistische Reich Jesu Christi auf Erden auszubreiten, wurden in Peter Julian Eymard immer stärker. Bei einer Wallfahrt in ein Marienheiligtum sprach er zur jungfräulichen Gottesmutter die Worte: "Jedes Geheimnis wird in der Kirche durch eine eigens dafür bestimmte religiöse Genossenschaft verherrlicht. Nur die Heilige Eucharistie, das größte aller Geheimnisse, hat noch keine ihr geweihte Ordensgemeinschaft!"

Da offenbarte ihm Maria, sie wünsche, dass er sich ganz und gar der Verherrlichung ihres göttlichen Sohnes in der Heiligen Eucharistie hingebe. Er legte sein Vorhaben Papst Pius IX. vor. Dieser antwortete: "Der Plan zu diesem Werk kommt von Gott, davon bin ich überzeugt: die Kirche bedarf desselben...."

Ohne Mittel und ohne Protektion arbeitete er nun für die Ausbreitung seiner neuen am 13. Mai 1856 bischöflich approbierten Ordensgemeinschaft der Eucharistiner ("Sacerdotes Sanctissimi Sacramenti, SSS). Am 3. Juni 1863 erfolgte die Approbation der Kongregation der Eucharistiner durch den Heiligen Stuhl. 1863 gründete Peter Julian Eymard den weiblichen Zweig seines Instituts mit Hilfe von Margherite Guillot, der ersten Generaloberin der "Dienerinnen des allerheiligsten Sakramentes". Der Zweck dieser weiblichen Ordensgemeinschaft sollte ebenfalls die Anbetung und Verherrlichung der Heiligen Eucharistie sein.

Die Eucharistiner sollten nach dem Willen ihres heiligen Stifters ununterbrochen Jesus Christus in der ausgesetzten Monstranz anbeten, um Ihm so die schuldige Huldigung, die Ihm so oft von den Menschen verweigert wird, zu leisten; in Sühne und Fürbitte vor dem Allerheiligsten weilen und durch dieses Apostolat des Gebetes zur Heiligung und Entsühnung der unsterblichen Seelen beitragen.

Mit Recht hat man den heiligen Peter Julian Eymard den Vorläufer der "Eucharistischen Kongresse" genannt. Er sagte gerne: “Du mußt kommunizieren, nicht weil du heilig bist, sondern damit du heilig wirst.” Der heilige Peter Julian Eymard, der durch die seligste Jungfrau Maria zu seinem Werk angeregt worden war, gab Maria den Titel: "Unsere Liebe Frau vom allerheiligsten Sakrament".

Papst Pius X., der heilige Papst der Eucharistie, hat diesen marianischen Titel mehrmals feierlich bestätigt und einen Ablass verliehen, wenn die Gottesmutter unter diesem Titel angerufen wird.

Peter Julian Eymard wurde am 12. Juli 1925 selig- und am 9. Dezember 1962 heiliggesprochen.

 

Die stigmatisierte Therese Neumann von Konnersreuth

Geboren ist Therese am 8-9. April 1898 in Konnersreuth. Als Kind hat sie schon Jesus in der Hl. Hostie gesehen. Später bekam sie die Stigmen und hatte auch viele Visionen. Sie hat 26 Jahre, von 1926 bis zu ihrem Tod 1962 ohne Speise und ohne Trank gelebt, nur von der Hl. Kommunion. Wenn man Therese fragte, wovon sie denn lebe, sagt sie einfach: “Vom Heiland!” Sie meint: von der heiligen Kommunion. Sie Konnte Jesus in der Hl. Hostie fühlen, überall wo sie sich befand. Wenn sie in fremde Gegenden fuhr, konnte Theresia bei jeder Kirche sagen, ob dies eine katholische sei und darin Christus im heiligsten Sakrament gegenwärtig sei oder nicht. Mitfahrende Priester prüften das sofort, sie hat sich nie getäuscht. Sie kam einmal in das Pfarrhaus und sagte sofort: “Da ist ja der Heiland herinnen!” Pfarrer Naber lachte und sagte: “Resi, da täuscht du dich aber gewiß. Der Heiland ist bestimmt nicht im Pfarrhof.” Sie aber sagte: “Doch, ich spüre es doch! Er ist ganz in der Nähe hier.” Und sie ging dabei auf einen Stoss Briefe zu, die noch ungeöffnet dalagen. Sie hat aus den Briefen am Tisch ein blaues Kuvert herausgezogen und es Pfarrer Naber gegeben. Man machte es auf. Da lag in einem Stück weißen Papiers eine Hostie. Keine Zeile Text dazu, keine Absenderangabe. Man hat herausgefunden wer es war und der Mann hat dann zugegeben, daß er bei der Kommunion die Hostie genommen und an den Pfarrer geschickt hat. Zahllose ähnliche Visionen hat es gegeben, bis zu ihrem Tode. Ihr Seligsprechungsprozess hat schon begonnen.

 

Maria, die Königin aller Heiligen

Anstelle eines Schlußwortes sei noch auf Maria, die Königin aller Heiligen, und ihre Beziehungen zur Heiligen Eucharistie hingewiesen. Nach einer Visitation in Abessinien 1927, berichtete der Visitator dem Papst Pius XI.: Die äthiopischen Katholiken haben für drei weiße Gestalten eine ganz besondere Verehrung:

Für die weiße Hostie im heiligsten Altarssakrament.

Für die weiße Gestalt der unbefleckt empfangenen, jungfräulichen Gottesmutter Maria.

Für den weißgekleideten Stellvertreter Jesu auf Erden, den Papst in seiner Unfehlbarkeit, wenn er als oberster Lehrer und Hirte der Kirche "ex cathedra" eine Entschei-dung fällt in Sachen der Glaubens- und Sittenlehre.

Beide, Maria und die Heilige Eucharistie, hängen ganz innig zusammen. Darum ist es begreiflich: Wo der Glaube an die marianischen Dogmen von der jungfräulichen Gottesmutterschaft Mariens und ihrer unbefleckten Empfängnis und Gnadenfülle schwindet, dort schwindet auch der Glaube an Jesus im heiligsten Sakrament.

Der heilige Franz von Sales hat einmal gesagt: "Willst auch du mit der seligsten Jungfrau Maria verwandt sein, so kommuniziere. Denn wenn du das heiligste Sakrament empfängst, so empfängst du Fleisch von ihrem Fleisch und Blut von ihrem Blut; denn der kostbare Leib des Heilands, gegenwärtig im heiligsten Sakrament, ist gebildet im Schosse der Jungfrau von ihrem reinsten Blut." Daher ist sie auch Mutter und Hilfe der Christen.

 

Nach oben