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TREFFEN DER KATHOLISCHEN SCHWEIZER-JUGEND MIT DEM HEILIGEN VATER in Bern am 7. Juni 2004

Anwesend sind 70'000 Katholische Christen

Stimmern, Kommentare, Ansprachen des Papstes und der Bischöfe

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Stimme eines Jugendlichen   

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PAPST: "Ich bin glücklich, bei euch zu sein"

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Gott segne die Schweiz.

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70.000 bei Papst-Messe   

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Bischof Koch: Papstbesuch spornt zu Neuevangelisierung an

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Allen Schweizer Gläubigen erneuere ich voll Zuneigung meinen Segen / Telegramm des Hl. Vaters

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Im Namen der Schweizer Bischofskonferenz / Antwort auf das Telegramm des Hl. Vaters

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Papstmesse in Bern, 8. Juni 2004. Ansprache des Hl. Vaters

 

 

Papstmesse in Bern, 8. Juni 2004


'Die Zeit ist gekommen, junge Generationen von Aposteln heranzubilden'

Ansprache von Johannes Paul II. bei der heutigen Papstmesse in Bern

"Gepriesen sei der Dreieinige Gott: der Vater und sein eingeborener Sohn und der Heilige Geist; denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt. (Eröffnungsvers)

1. An diesem ersten Sonntag nach Pfingsten lädt uns die Kirche ein, das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit zu feiern. Das tun wir, liebe Schwestern und Brüder, vor der herrlichen Kulisse der schneebedeckten Gipfel, der sattgrünen, an Blumen und Früchten reichen Täler sowie der zahlreichen Seen und Bäche, welche euer Land so schön machen. Zu dieser Betrachtung führt uns die erste Lesung, die uns Gottes Weisheit schauen läßt, als „er den Himmel baute ... als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer, als er dem Meer seine Satzung gab ... als er die Fundamente der Erde abmaß" (Spr 8, 27-29).

Unser Blick richtet sich jedoch nicht nur auf die Schöpfung, „das Werk der Finger Gottes" (Antwortpsalm), sondern gibt auch acht auf die Menschen um uns herum. Mit Zuneigung grüße ich jeden von euch, liebe Brüder und Schwestern, in dieser prachtvollen Landschaft im Herzen Europas. Ich wünschte, ich könnte jedem von euch die Hand geben, um ihn persönlich zu begrüßen und ihm zu sagen: „Der Herr ist mit dir und liebt dich!".

Brüderlich begrüße ich die Schweizer Bischöfe mit ihrem Präsidenten, Bischof Amédée Grab aus Chur. Bischof Kurt Koch aus Basel danke ich in euer aller Namen für seine freundlichen Worte. Ein Zeichen meiner Hochachtung ergeht an den Herrn Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft und an alle zivilen und militärischen Autoritäten, die uns mit ihrer Anwesenheit beehren.

Einen besonders herzlichen Gruß möchte ich den jungen Schweizer Katholiken vorbehalten, denen ich gestern Abend in der Bern-Arena begegnen durfte, wo wir miteinander erneut den fordernden und enthusiastischen Ruf Jesu hören durften: „Steh auf!". Liebe junge Freunde, ihr sollt wissen, daß euch der Papst gern hat, euch mit seinem täglichen Gebet begleitet, auf eure Mitarbeit in der Sache des Evangeliums zählt und euch ermutigt, mit Zuversicht auf dem Weg des christlichen Lebens voranzuschreiten.

2. „Was wir auf deine Offenbarung hin von deiner Herrlichkeit glauben, das bekennen wir", werden wir gleich in der Präfation beten. Unsere eucharistische Versammlung ist Zeugnis und Verkündigung der Herrlichkeit des Allmächtigen Gottes und seiner wirkmächtigen Gegenwart in der Geschichte. Gestützt auf den Geist, den der Vater uns durch den Sohn gesandt hat, „rühmen wir uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung" (Röm 5, 3-4).

Liebe Freunde, ich bitte den Herrn, mitten unter euch ein Zeuge der Hoffnung sein zu dürfen, jener Hoffnung, die „nicht zugrunde geht", weil sie auf der Liebe Gottes aufbaut, „die ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist" (Röm 5, 5). Das hat die Welt heute besonders nötig: eine Zulage an Hoffnung!

3. „Du bist der eine Gott und der eine Herr" (Präfation). Die drei Personen, gleich und verschieden, sind ein einziger Gott. Ihre tatsächliche Verschiedenheit teilt die Einheit ihres göttlichen Wesens nicht.

Solch eine unzertrennliche Gemeinschaft hat Christus uns, seinen Schülern, als Vorbild empfohlen: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast" (Joh 17, 21). Jedes Jahr erhalten die Christen bei der Feier des Dreifaltigkeitsgeheimnisses sozusagen einen dringenden Ruf zum Einsatz für die Einheit. Dieser Ruf ist an alle gerichtet. Die Seelsorger und die Laien, alle werden angestoßen, sich ihrer Verantwortung für die Kirche bewußt zu werden. Die Kirche ist die Braut Christi. Muß man da nicht auch das ökumenische Anliegen als drängend empfinden? Machen wir jetzt bei dieser Gelegenheit unseren Willen deutlich, auf dem schwierigen Weg voranzuschreiten, der uns jedoch mit Freude erfüllt und der vollkommenen Gemeinschaft dient.

Es ist jedoch klar, daß ein starker Beitrag zur ökumenischen Sache vom Einsatz abhängt, den die Katholiken für ihre Einheit untereinander leisten. Im Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte habe ich die Notwendigkeit hervorgehoben, „die Kirche zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft zu machen" (Nr. 43). Dabei halten wir den Blick des Herzens fest auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit gerichtet, das in uns wohnt und dessen Licht auch auf dem Angesicht der Brüder und Schwestern wahrgenommen wird (vgl. ebd.). Wir stärken so die „Spiritualität der Gemeinschaft", die von den Orten ausgeht, wo der Mensch und der Christ geformt werden, und die Pfarreien, die Verbände und die Bewegungen erreicht. Eine Ortskirche, in der die Spiritualität der Gemeinschaft blüht, weiß sich beständig von den „Rauschgiften" des Egoismus zu reinigen, die Eifersucht, Mißtrauen, Sucht nach Selbstbestätigung und schädliche Gegensätze hervorrufen.

4. Die Aufzählung dieser Gefahren möge in uns ein spontanes Gebet an den Heiligen Geist erwecken, den Jesus uns zu senden versprochen hat: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen" (Joh 16, 13).

Auf die Frage „Was ist Wahrheit?" hat Jesus mit Nachdruck geantwortet: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Joh 14, 6). Im Licht dieser Aussage versteht man auch die richtige Formulierung der Frage: nicht „Was ist Wahrheit?", sondern „Wer ist Wahrheit?" muß es heißen.

Das ist gerade die Frage, die der heutige Mensch an die Christen des Dritten Jahrtausends richtet. Wir dürfen die Antwort nicht verschweigen, weil wir sie ja wissen! Die Wahrheit ist Jesus Christus, der in die Welt gekommen ist, um uns die Liebe des Vaters zu offenbaren und zu schenken. Wir sind aufgerufen, mit unserem Wort und vor allem mit unserem Leben diese Wahrheit zu bezeugen!

5. Liebe Brüder und Schwestern, Kirche heißt Sendung! Sie braucht „Propheten", die fähig sind, in den Gemeinden den Glauben an das Wort, das uns Gott offenbart, der voll an Erbarmen ist (vgl. Eph 2, 4), wiederzuerwecken. Die Zeit ist gekommen, junge Generationen von Aposteln heranzubilden, die keine Angst haben, das Evangelium zu verkünden. Für jeden Getauften ist es notwendig, von einem Gewohnheitsglauben zu einem reifen Glauben zu gelangen, der in klaren, überzeugten und mutigen Entscheidungen zum Ausdruck kommt.

Nur ein solcher Glaube, der in der Liturgie und in brüderlicher Liebe gefeiert und geteilt wird, kann die Gemeinschaft der Jünger nähren und stärken und sie zu einer missionarischen Kirche auferbauen, die frei ist von falschen Ängsten, weil sie sich der Liebe des Vaters sicher ist.

6. „Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist" (Röm 5, 5). Dies ist nicht unser Verdienst; es ist ein unentgeltliches Geschenk. Trotz der Last unserer Sünden hat uns Gott geliebt und durch das Blut seines Sohnes erlöst. Seine Gnade hat uns im Innern geheilt.

Daher können wir mit dem Psalmisten ausrufen: „Wie gewaltig, Herr, ist deine Liebe auf der ganzen Erde!" Wie gewaltig ist sie in mir, in den anderen, in jedem Menschen!

Dies ist die wahre Quelle der Größe des Menschen, dies ist der Grund seiner unzerstörbaren Würde. In jedem Menschen spiegelt sich das Bild Gottes wieder. Darin besteht die tiefere „Wahrheit" des Menschen, die auf keinem Fall verleugnet oder verletzt werden kann. Jede Beleidigung, die dem Menschen zugefügt wird, richtet sich letztlich gegen seinen Schöpfer, der ihn wie ein Vater liebt.

In diesem Bewußtsein erheben wir unseren Lobpreis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist. Ehre sei dem einen Gott, der war und der ist und der kommen wird" (Ruf vor dem Evangelium). Amen!

 

Allen Schweizer Gläubigen erneuere ich voller Zuneigung meinen Segen

Telegramm von Papst Johannes Paul II. an die Schweizer Bischofskonferenz nach dem Besuch

an Mgr Amédée Grab, Bischof von Chur, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz 

Rom, 8. Juni 2004

Am Tag nach meinem Aufenthalt in der Schweiz, möchte ich Ihnen ganz besonders für Ihren herzlichen Empfang und die Sorgfalt danken, mit der Sie mit Mgr Kurt Koch, Bischof von Basel und seinem Weihbischof, Mgr Denis Theurillat, meinen Besuch in Ihrem Land vorbereitet haben STOP ich danke ebenfalls allen Schweizer Bischöfen für ihren brüderlichen Empfang und ihr Engagement für eine erneuerte Evangelisierung, besonders gegenüber den Jugendlichen, deren Enthusiasmus und spirituelle Erwartungen ich erfahren durfte STOP Mit der Bitte all jenen meinen Dank und die Zusicherung meines Gebetes zu übermitteln, die sich an der Vorbereitung dieser Begegnung beteiligten und all jenen, die daran teilnahmen sowie allen Schweizer Gläubigen erneuere ich voller Zuneigung meinen päpstlichen Segen.

Ioannes Paulus PP. II

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70.000 bei Papst-Messe in Bern

 Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag auf der Allmend-Wiese in Bern unter freiem Himmel einen Gottesdienst gefeiert. Rund 70.000 großteils jugendliche Gläubige waren zu dem Höhepunkt seines zweitägigen Schweiz-Besuches gekommen. Der Heilige Vater mahnte die Schweizer Katholiken mit ungewöhnlich scharfen Worten zur Einheit.

"Eine Ortskirche, in der die Spiritualität der Gemeinschaft blüht, weiß sich beständig von den Rauschgiften des Egoismus zu reinigen, die Eifersucht, Misstrauen, Sucht nach Selbstbestätigung und schädliche Gegensätze hervorrufen", sagte das 84-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche. Der Einsatz, den die Katholiken für die Einheit untereinander leisteten, sei auch ein starker Beitrag zur Ökumene mit den anderen christlichen Kirchen, betonte er.

Rund 70.000 Gläubige waren nach Polizeiangaben zu dem Höhepunkt des zweitägigen Schweiz-Besuches des Papstes gekommen, seiner ersten Auslandsreise in diesem Jahr und der 103. seit seinem Amtsantritt 1978. Die Messe fand im Rahmen eines katholischen Jugendtreffens statt, zu dem auch Jugendliche aus zahlreichen anderen Ländern gekommen waren.

Nach seiner Ankunft in der Schweizer Hauptstadt am Vortag hatte der besonders gebrechlich wirkende Papst an einem Treffen mit mehr als 10.000 Jugendlichen teilgenommen. Vor allem das Verlesen seiner Rede bereitete dem an der Parkinson-Krankheit leidenden Kirchenführer große Mühe. Er wird am Abend seine erste Auslandsreise in diesem Jahr beenden und nach Rom zurückfliegen. 

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 Bischof Koch: Papstbesuch spornt zur Neuevangelisierung an
8. Juni 2004, nach dem Papstbesuch:


„Für uns war der Papstbesuch ein großes Ereignis, und wir sind dem Papst sehr dankbar, dass er unsere Einladung angenommen hat.“

„Ich bin mir ganz sicher, dass der Papstbesuch Ansporn für die Neuevangelisierung in der Schweiz sein wird.“ Das erklärte Bischof Kurt Koch von Basel im Gespräch mit dem Fidesdienst. Die Schweiz und ganz Europa bräuchten eine solche Neuevangelisierung; der Besuch des Papstes in der Schweizer Eidgenossenschaft sei mit Sicherheit Anlass gewesen, über die christlichen Wurzeln dieses zunehmend säkularisierten Kontinents nachzudenken.

„Alle und vor allem die jungen Menschen haben gesehen, dass der Papst den Glauben auch als Person lebt“, sagte Bischof Koch. „Die Jugendlichen applaudierten immer wieder begeistert, vor allem als der Papst betonte, dass das Christentum keine Ideologie sei sondern eine Person, eine Gegenwart, ein Gesicht: Jesus Christus, der dem Leben der Menschen Sinn und Inhalt gibt. Dies ist genau die Botschaft, die die Jugendlichen hören wollten und aufgenommen haben, und ausgehend von diesem konkreten und gelebten Glauben wird es in unserem Land eine Neuevangelisierung geben können.“

Zu dem Gottesdienst mit dem Papst am 6. Juni auf der Berner Allmend waren mit rund 70.000 Menschen weit mehr gekommen, als die Veranstalter selbst erwartet hatten. „Für uns war der Papstbesuch ein großes Ereignis, und wir sind dem Papst sehr dankbar, dass er unsere Einladung angenommen hat. Dabei wollte der Papst vor allem den jungen Katholiken begegnen. Aber es war auch beeindruckend, wie viele Menschen am Papstgottesdienst am Sonntag teilnahmen. Dies hat uns sehr gefreut und in unserer Sendung bestärkt“, betonte der Bischof von Basel.

Koch bedauerte, dass die SEK, in der sich die reformierten Kirchen der Schweiz zusammenschließen, nicht offiziell beim Gottesdienst vertreten waren. Der Papst sei jedoch besonders herzlich von den Altkatholiken empfangen worden, die als Willkommens-Geschenk das erste Exemplar ihres neuen Gesangbuches überreichten.

„Persönlich war ich vor allem von der geistigen Lebendigkeit des Papstes beeindruckt“, erklärte der Bischof. „Trotz seines Alters und seiner Gebrechen ist er geistig sehr präsent. Er realisiert jede Reaktion aus dem Publikum und geht auch gern spontan mit Worten und Gesten auf Zurufe ein. Besonders wurde dies auch deutlich, als einer seiner Mitarbeiter ihm bei der Begegnung mit den Jugendlichen das Manuskript aus der Hand nehmen wollte und der Papst mit einer sehr energischen Handbewegung zu verstehen gab, dass er selbst die Ansprache halten würde, fast als ob er sagen wollte: ‚Der Papst bin ich!’“.

Der Sprecher der Schweizer Bischöfe, Marc Aellen, bezeichnete den Papstbesuch im Interview mit Radio Vatikan als „historischen Moment für die Kirche in der Schweiz“. Zum offenen Brief mit Rücktrittsforderungen an den 84jährigen Papst meinte er: „Ich glaube, dass viele Medien gewissen Themen und Stimmen ein Übergewicht einräumen. Wenn 40 Leute einen offenen Brief an den Papst schreiben, drucken alle Zeitungen und Zeitschriften der Schweiz das auf der ersten Seite. Und wenn 70.000 Menschen zu einem solchen Anlass wie dieser Messe zusammenkommen, genauso - wo ist da der Unterschied? Ich glaube, da muss man als Journalist, und ich bin selbst auch Journalist, sich fragen, wo habe ich meine Prioritäten und wie beurteile ich die Ereignisse während meiner Arbeit.“

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'Gott segne die Schweiz'

Ansprache von Papst Johannes Paul II. bei der Ankunft in der Schweiz

Sehr geehrter Herr Präsident,

Verehrte Mitbrüder,
sehr geehrte Damen und Herren!

1. Zum dritten Mal führt mich die Göttliche Vorsehung in die Schweiz, in dieses schöne Land, in dem sich verschiedene Sprachen und Kulturen begegnen. Erneut darf ich hier einem Volk nahe sein, das zugleich alten Traditionen verpflichtet und für Neues offen ist.

Meinen ganz herzlichen Gruß richte ich an den verehrten Herrn Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft, dem ich für die guten Willkommensworte danke. Ebenso grüße ich die anwesenden Autoritäten. Ich bin Ihnen für den freundlichen Empfang sowie für alles dankbar, was auch dieses Mal unternommen wurde, um meinen Aufenthalt in der Schweiz zu erleichtern.

Brüderlich grüße ich den Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz und die übrigen anwesenden Bischöfe. Über sie richte ich meinen Gruß auch an alle Gemeinden in jedem Kanton eures Landes. Mit Respekt gehen meine Gedanken auch zu den Christen der anderen Konfessionen und zu allen Menschen guten Willens, die in diesem Land tätig sind.

2. Ziel dieser apostolischen Pilgerfahrt ist es, den katholischen Jugendlichen der Schweiz anläßlich ihres nationalen Jugendtreffens zu begegnen. Ich werde mit ihnen heute Abend in der Bern Arena zusammenkommen. Für sie wie auch für mich wird es ein Fest sein.

Es ist die Pflicht, das Evangelium zu verkündigen, die mich drängt, mich auf die Pfade der Welt zu begeben, um es den Männern und Frauen des dritten Jahrtausends, besonders den jungen Generationen, erneut vorzustellen. Christus ist der Erlöser des Menschen! Wer an ihn glaubt und ihm folgt, baut mit an der Gesellschaft der Liebe und des Friedens.

3. Liebe Einwohner der Schweiz, wenn ich in eure Häuser eintrete und die verschiedenen Orte besuche, an denen ihr lebt und eure täglichen Aktivitäten verrichtet, erlaube ich mir geistigerweise an das Herz jedes einzelnen von euch zu klopfen. Allen möchte ich die frohe Botschaft des Evangeliums von Christus dem Erlöser bringen und jedem den guten Wunsch seines Friedens entbieten. In dieser Gesinnung erflehe ich vom Herrn die überfließende Fülle seiner Gnade über das ganze Land. Gott segne die Schweiz!

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Johannes Paul II. brachte den jungen Schweizern genau das, was sie brauchen: Jesus. Persönliche Impressionen vom nationalen Jugendtreffen:

Stimme eines Jugendlichen

Als unser Heiliger Vater letztes Mal die Schweiz besuchte, war ich halb so alt wie heute. Damals war für mich klar: Ich bin katholisch und der Glaube ist wichtig für mich. Aber der ganze Rummel um den Papst - nein, damit konnte ich damals überhaupt nichts anfangen. Und jetzt, nach vielen Jahren, kam Papst Johannes Paul II. wieder in die Schweiz. Ich bin froh, dass ich mein Versäumnis von damals wettmachen konnte.

Allein schon die Rede unseres Papstes zur Eröffnung des Jugendtreffens hat sich gelohnt. Tiefe Worte die ins Herz gehen, gesprochen von einem Mann, der durchtränkt ist vom Glauben, der sich anstrengen muss zu sprechen, der aber ein einziges lebendiges Zeugnis ist dafür, dass sich der Glaube an Jesus Christus lohnt. Ein Westschweizer Priester hat mir gesagt: "Er macht das, was wir von ihm erwarten: Er bringt uns Jesus. Genau das ist es, was wir brauchen."

Diesmal war es für mich klar, als ich hörte, der Papst komme: Da möchte ich hin! Und nun bin ich also in Bern am ersten katholischen Jugendtreffen der Schweiz - sogar ausgerüstet mit einem Presse-Pass, denn die Umstände haben es ergeben, dass ich bei einem katholischen Radio mithelfe, welches in der Zentralschweiz aus Anlass des Papstbesuchs für einen Monat sendet. Bei meiner Ankunft am Samstagmorgen war es noch etwas chaotisch. Die Presseakkreditierung klappte zwar einwandfrei, aber ich hatte noch Material für einen Stand, und niemand konnte mir sagen, wo das genau hin gehört.

Dafür treffe ich in der Halle schon sofort auf eine Bekannte, eine junge Frau aus unserer Nachbarrpfarrei, die beim Aufbau mithilft und mit vielen andern jungen Freiwilligen schon seit Donnerstagabend auf dem Berner Messeareal ist. Sie ist jetzt schon begeistert von dem, was sie hier bisher erlebt hat. Es herrscht eine gute Stimmung.

Am Nachmittag dann Pressekonferenz. Man weiss noch nicht genau, wieviele Jugendliche kommen werden. Sicherlich mehr als die erhofften 10.000. Schlussendlich sind es dann über 14.000, da sich viele erst am Veranstaltungstag eine Eintrittskarte gekauft haben. Es gibt eine kleine Demo mit 150 Teilnehmern in der Stadt - das ist in unserer Bundeshauptstadt, wo fast jeden Samstag demonstriert wird, nicht viel mehr als ein Privatanlass.

Zuerst besuche ich die Stände der katholischen Organisationen und Gemeinschaften. Ermutigend, welche Vielfalt es gibt, auffällig auch die gute Westschweizer Präsenz. Ich führe einige interessante Gespräche, mache Aufnahmen fürs Radio, gebe Situationsberichte live übers Telefon durch. In der BernArena ist in der Zwischenzeit das "Eröffnungsspektakel" in vollem Gang. Ein fetziges Konzert der Gruppe Aquero reisst die Leute mit. Wer französisch versteht, merkt, dass diese "Blues Brothers de Dieu" den Retter Jesus Christus verkünden.

Dann kommt der erwartete Moment: Papst Johannes-Paul II. wird auf einem Stuhl hereingefahren. Ich bin tief bewegt, von der Begrüssung durch drei Jugendliche, die auf Französich, Italienisch und Deutsch ein kurzes Glaubenszeugnis ablegen. Bewegt vor allem, weil alle vom offiziellen Text abweichen und den Heiligen Vater herzlicher begrüssen. "uno fra di noi, uno per noi, uno di noi" (einer unter uns, einer für uns, einer von uns) sagt der Tessiner. Und die Deutschschweizerin: "Ich versichere Ihnen im Namen der Jugendlichen der Deutschschweiz, dass wir für Sie beten."

Dann spricht der Heilige Vater. Es fällt ihm nicht leicht, und er ist auch nicht immer gut zu verstehen. Doch seine Rede auf Deutsch, Französisch und Italienisch ist für mich der Höhepunkt dieses Treffens. Da spricht ein tiefgläubiger alter und kranker Mann mit einer reichen Lebenserfahrung. Er ruft dazu auf, aufzustehen und Jesus nachzufolgen, denn Jesus ist die Wahrheit, die uns frei macht.

Das Christentum ist keine Ideologie und kein Wertesystem sondern eine Person. Jesus gibt unserem Leben Sinn. Auf ihn sollen wir hören und unser Leben mit ungeteiltem Herzen Jesus Christus und der Kirche schenken. Er wisse sehr wohl, dass dieser Vorschlag für uns beängstigend sei, aber er wolle uns dazu ermutigen, denn es sei schön, sich bis zum Ende der Sache Gottes hinzugeben.

Immer wieder minutenlanger, tosender Applaus. Da sitzt einer, der sich bis zum Ende der Sache Gottes konsequent hingibt. Er gibt uns sein Vermächtnis. Einmal ist er fast zu schwach, das Blatt zu wenden. Als man ihm aber das Blatt aus der Hand nehmen will, da richtet er sich blitzschnell auf, ein kurzer, energischer Schlag mit der Hand auf das Blatt und er ist wieder voll da. Energisch auch der Schluss seiner Rede: "Christus ist es, der zu euch spricht. Ascoltatelo! (Hört auf ihn!)

Nach der Eröffnung mache ich Aufnahmen von der Katechese mit Bischof Amédée Grab von Chur. Er vertieft einzelne Punkte der Papstrede. "Wisst ihr eigentlich, wofür ihr geklatscht habt?" fragt der Bischof die anwesenden Jugendlichen. Auf einen Punkt, der ihm gefällt, geht er noch besonders ein: die Beichte, etwas das bei uns gar nicht modern ist. Und nach seiner Rede meldet sich spontan eine junge Frau und sagt vor allen, dass sie das Beichtsakrament nur empfehlen könne, und berichtet von einer grossen, befreienden Erfahrung, die sie damit in Medjugorie erlebt habe.

Unterdessen sind die Hallen randvoll. Feststimmung überall. Aufnahmen fürs Radio zu machen ist beinahe zwecklos - zuviel Lärm. Und unser Studio ist nicht mehr besetzt. Also kann ich mich etwas auf dem Gelände umsehen. In einer Halle werden Volkstänze getanzt, es finden Workshops statt, es gibt ein Konzert. Im Bischofsbistro höre ich eine interessante Diskussion zwisschen Weihbischof Martin Gächter von Basel und einem Vertreter der Organisation "Wahre Liebe wartet". Zum Tagesabschluss gönne ich mir eine ruhige Zeit bei eucharistischer Anbetung.

Das Jugendtreffen ist sehr vielfältig und interessant gewesen. Ich habe gute Gespräche geführt mit Vertretern verschiedener Gemeinschaften. In der Menge bin ich auch immer wieder einmal plötzlich jemandem gegenübergestanden, denn ich kenne - oder ich habe eine Person kennengelernt, mit welcher ich schon übers Internet einmal Kontakte hatte. Wenn man wollte, konnte man sich ein reichhaltiges, gutes Programm zusammenstellen - oder man konnte einfach ausgelassen sein.

Es waren verschiedenartige Gruppen da: Gruppen von Firmlingen, Jugendgruppen von Gemeinschaften, Jugendliche von Pfarreien, die für diesen Anlass besonders Werbung gemacht haben. Meine persönliche Befürchtung vor diesem Jugendtreffen war, dass es zu verweltlicht sein werde - zuviel Party, zu wenig Heiliger Geist. Ich bin froh, dass es nicht so war: Man konnte beides haben, wenn man wollte. In allem erlebte ich ein sehr gutes Jugendtreffen.

Eines empfand ich aber als schade: Papst Johannes-Paul II. legt uns die Sakramente sehr ans Herz. Daher wäre es gut gewesen, ihnen auch organisatorisch einen besseren Platz einzuräumen: Beichte und eucharistische Anbetung hätte man an Orten anbieten sollen, die gut auffindbar sind. Und ein Raum mit Platz für vielleicht 150 Leute ist einfach zu klein für eine eucharistische Anbetung an einem solchen Grossanlass - gerade auch, weil unsere Westschweizer Gemeinschaften erfreulicherweise die eucharistische Anbetung sehr pflegen.

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'Ich bin glücklich, heute bei euch zu sein'

Rede von Johannes Paul II. beim Schweizer Jugendtreffen

Liebe Schweizer Jugendliche, Ich bin glücklich, heute bei euch zu sein. Euer Enthusiasmus hat mein Herz erfrischt. Danke für eure Herzlichkeit. Ihr seid die gute Zukunft der Schweiz.

Steh auf! Lève-toi! Alzati! Sto se! (Lk 7, 14). Voll Kraft ertönt dieses Wort Christi an den jungen Mann von Nain heute bei unserem Treffen. An euch, liebe Jugendliche und Freunde, an euch junge Schweizer Katholiken richtet sich dieses Wort! Der Papst ist aus Rom zu euch gekommen, um gemeinsam mit euch diesen Ruf Christi neu zu hören und als Echo widerhallen zu lassen. Mit Freude grüße ich euch und danke euch für den herzlichen Empfang. Ich grüße auch eure Bischöfe sowie die Priester, Ordensleute und Jugendleiter, die euch auf eurem Lebensweg begleiten und nahe sind.

Besonders begrüße ich den Herrn Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft Joseph Deiss. Gerne heiße ich Pastor Samuel Lutz, Präsident des Synodalrates der Reformierten Kirchen von Bern-Jura- Solothurn, willkommen und alle eure Freunde anderer religiöser Bekenntnisse, die an diesem Treffen teilnehmen.

Das Lukasevangelium erzählt von einer Begegnung: Auf der einen Seite zieht der Trauerzug mit dem toten Sohn einer Witwe zum Friedhof, auf der anderen Seite kommt die freudige Schar der Jünger, die Jesus nachfolgen, um ihn zu hören. Auch heute, liebe Jugendliche, mag sich mancher im Trauerzug wiederfinden, der auf den Straßen Nains dahinzieht. Dies ist der Fall, wenn euch Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung überkommen, wenn ihr euch von den Illusionen der Konsumgesellschaft blenden laßt, die euch von der wahren Freude wegführen, um euch mit vergänglichen Vergnügungen in Bann zu ziehen und zu verschlingen. Ebenso trifft dies zu, wenn sich Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit in euch breit machen, wenn ihr vor dem Bösen und dem Leid in der Welt an der Gegenwart Gottes und seiner Liebe zu allen Menschen zweifelt, wenn ihr auf der Suche, den inneren Durst nach wahrer und reiner Liebe zu stillen, in ein ungeordnetes Gefühlsleben abdriftet. Genau in solchen Augenblicken kommt Christus zu einem jeden von euch wie zum jungen Mann aus Nain, um euch durch sein Wort wachzurütteln und aufzuwecken: ?Steh auf! Nimm diese Einladung an, die dich wieder aufrichtet!

Dies sind nicht bloß Worte. Jesus selbst steht euch gegenüber, das menschgewordene Wort Gottes. Er ist "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet" (Joh 1, 9), die Wahrheit, die uns frei macht (vgl. Joh 14, 6), das Leben, das uns der Vater in Fülle gibt (vgl. Joh 10, 10). Das Christentum ist nicht einfach eine Art Kultur oder eine Ideologie, selbst nicht ein System von noch so erhabenen Grundsätzen und Werten. Das Christentum ist eine Person, eine Gegenwart, ein Gesicht: Jesus Christus, der dem Leben der Menschen Sinn und Inhalt gibt.

Dann fuhr er auf Französisch fort:

Liebe Jugendliche, ich sage euch: Habt keine Angst, Jesus zu begegnen: Im Gegenteil, sucht ihn vielmehr im aufmerksamen und bereitwilligen Lesen der Heiligen Schrift als auch im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet; sucht ihn in der tätigen Teilnahme an der heiligen Eucharistie; sucht ihn im Empfang des Sakraments der Versöhnung durch einen Priester; sucht ihn in der Kirche, die sich euch in den Pfarrgruppen, geistlichen Bewegungen und in den Verbänden zeigt; sucht ihn im Angesicht der notleidenden Brüder, Bedürftigen und Fremden. Diese Suche ist für das Leben vieler Jugendliche eures Alters typisch, die sich auf den Weltjugendtag in Köln im Sommer nächsten Jahres vorbereiten. Schon jetzt lade ich euch herzlich zu diesem großen Treffen ein, das im Zeichen des Glaubens und des Zeugnisgebens stehen wird.

Auch ich war einmal zwanzig Jahre alt wie ihr heute. Ich studierte und arbeitete, machte gern Sport, liebte das Skifahren und das Theaterspielen. Ich hatte Wünsche und Sorgen. In diesen Jahren, die nun schon in Ferne liegen und in denen meine Heimat unter dem Krieg und dann unter dem Totalitarismus litt, suchte ich nach dem Sinn meines Lebens. Ich habe ihn gefunden in der Nachfolge des Herrn Jesus.

Die Jugend ist die Zeit, in der auch du, lieber Jugendlicher, liebe Jugendliche, dich fragst, was du in deinem Leben machen sollst, wie du helfen kannst, die Welt ein wenig besser zu machen, wie du zum Aufbau von Gerechtigkeit und Frieden beitragen kannst. So richte ich eine zweite Einladung an euch: "Höre!" Werde nicht müde beim Training in der schwierigen Disziplin des Hörens. Höre auf die Stimme des Herrn, der auch durch die alltäglichen Geschehnisse zu dir spricht, in Freud und Leid, die dich begleiten, durch die Menschen um dich herum und durch die Stimme des Gewissens, das nach Wahrheit und Glück, nach dem Guten und Schönen verlangt.

Wenn du dein Herz und deinen Geist bereitwillig zu öffnen weißt, wirst du "deine Berufung" entdecken, jenen Plan, den Gott immer schon in seiner Liebe für dich vorgesehen hat.

In Italienisch sagte er:

Du kannst eine Familie gründen, die auf der Ehe beruht, welche einen Liebesbund zwischen Mann und Frau darstellt, die sich um eine feste und treue Lebensgemeinschaft bemühen. Du kannst persönlich bezeugen, daß es trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse möglich ist, voll und ganz eine christliche Ehe zu führen als sinnerfüllte Erfahrung und "gute Nachricht" für alle Familien.

Du kannst, wenn dies deine Berufung sein sollte, Priester, Ordensmann oder Ordensfrau werden und mit ungeteiltem Herzen dein Leben Christus und der Kirche schenken. So wirst du zu einem Zeichen der liebevollen Gegenwart Gottes in der Welt von heute. Wie viele andere vor dir kannst du ein unerschrockener und unermüdlicher Apostel sein, der im Gebet wachsam ist und freudig und froh der Gemeinschaft dient Ja, wenn auch du einer von ihnen sein könntest! Ich weiß sehr wohl, daß du vor einem solchen Vorschlag zögerst. Ich fühle mit dir. Ich sage dir aber: Hab keine Angst! Gott läßt sich in seiner Freigebigkeit nicht übertreffen! Nach fast sechzig Priesterjahren freue ich mich, hier vor euch allen dafür Zeugnis zu geben: Schön ist es, sich bis zum Ende der Sache des Reiches Gottes hingeben zu können!

Die Kirche braucht eure Energien, eure Begeisterung, eure jugendlichen Ideale, um dafür zu sorgen, daß das Evangelium das gesellschaftliche Gefüge durchdringt und eine Zivilisation wahrer Gerechtigkeit und Liebe ohne Unterschied hervorruft. Heute mehr denn je, in einer oft dunklen und mutlosen Welt ohne höhere Ideale, ist nicht die Zeit, sich des Evangeliums zu schämen (vgl. Röm 1, 16). Es ist vielmehr die Zeit, das Evangelium von den Dächern zu verkünden (vgl. Mt 10, 27). Der Papst, eure Bischöfe, ja die ganze Christenheit zählen auf euren Einsatz, eure Freigebigkeit und sie begleiten euch mit Vertrauen und Hoffnung: Schweizer Jugendliche, macht euch auf den Weg! Der Herr geht mit euch.

Haltet das Kreuz Christi in den Händen. Aus eurem Mund mögen Worte des Lebens kommen. Tragt die heilbringende Gnade des auferstandenen Herrn im Herzen.

Steh auf! Lève-toi! Alzati! Sto se! Christus ist es, der zu euch spricht. Hört auf ihn!

Nach der darauf folgenden Musik betete der Heilige Vater mit der Jugend das Vaterunser, erteilte den päpstlichen Segen und schloss mit: 

"Je vous invite demain matin à la messe!" (Ich lade euch morgen zur Messe ein!)

 

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Bischöfinnen inszenieren Frauenweihe auf der Donau

Exkommuniziertes Trio will sechs Diakoninnen „weihen“ - Illegale Priesterinnen in Oberösterreich hochaktiv - Von Manfred Maurer / NEUES VOLKSBLATT, Linz

Linz 20. Juni 2004
Zwei Jahre nach der spektakulären Weihe von sieben Katholikinnen zu „Priesterinnen“ durch den illegalen argentinischen „Bischof“ Romulo Braschi auf der Donau bei Engelhartszell wird die Amtskirche auf die gleiche Weise erneut herausgefordert: Sechs Frauen sollen am kommenden Samstag auf einem Schiff zu Diakoninnen geweiht werden. Braschi wird als Weihespender freilich nicht mehr benötigt.

Blitzkarriere zur „Oberhirtin“

Zwei der 2002 illegal geweihten Damen haben nämlich in der Gruppe „Weiheämter für Frauen“ bereits eine steile Karriere hingelegt: Die Linzer Lehrerin Christine Mayr-Lumetzberger und die bayerische Religionsphilosophin Gisela Forster sind selbst schon „Bischöfinnen“, katholische, wie sie betonen. Wer sie zu „Bischöfinnen“ geweiht hat, bleibt geheim. Es kann, muss aber nicht unbedingt Braschi gewesen sein. Die Frauen haben auch vor Ort einen Mann, der sich für einen richtigen Bischof hält. Denn als dritter im Bund fungiert der ehemalige Kremsmünsterer Benediktinerpater Ferdinand Regelsberger, den Braschi im Mai 2002 in Scharnstein zum „Bischof“ gemacht hat. Nach dieser Aktion, die das VOLKSBLATT seinerzeit aufgedeckt hatte, waren alle Beteiligten schon vor dem Donauspektakel am 29. Juni 2002 gemäß Kirchenrecht automatisch exkommuniziert: „Ein Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt, zieht sich die ... Exkommunikation als Tatstrafe (tritt mit dem Vergehen ein, Anm.) zu“ (Canon 1382).

Dennoch wird das Trio nun selbst als Spender der Diakoninnenweihe aktiv. Ziel der Weihefahrt am Samstag ist zwar Regensburg, von Passau aus wird das Schiff jedoch zuerst stromabwärts steuern: „Wir müssen auf österreichischem Hoheitsgebiet sein, weil der Notar, der die Diakoninnenweihe beglaubigt, Österreicher ist und in Deutschland nicht tätig werden darf“, begründet „Bischöfin“ Forster den Abstecher in die Gefilde von Bischof Maximilian Aichern, der schon 2002 sehr verärgert war. Mayr-Lumetzberger betont, sie wolle den Konflikt nicht schüren. Sie glaubt auch, dass er dieses Mal ausbleiben wird: „Nein, ganz bestimmt nicht“, antwortet sie auf die VOLKSBLATT-Frage, ob sie mit dem Zorn des Bischofs rechne. Ihren Optimismus begründet sie so: „Es hat sich für mich vieles, was vor zwei Jahren anders ausgeschaut hat, sehr zum Positiven gewendet. Es hat sehr viel an Bewegung gegeben, die die Sache vorangetrieben haben“. Details verrät sie nicht. Weil das „Kollegen“ in Verlegenheit bringen könnte? „Ja durchaus, das kann ich so sagen“, so Mayr-Lumetzberger.

Tatsache ist: Die „Bischöfinnen“ sind hochaktiv. Dass jedes Wochenende eine Eheschließung stattfindet, wie Forster erzählt, bestätigt Mayr-Lumetzberger zwar nicht, „aber wir haben jede Woche pastorale Termine und spenden auch Sakramente“. All das wird in einer „virtuellen Diöezese“ angeboten: Und die Nachfrage ist groß, wie die Homepage suggeriert: „Da die Anfrage nach Eheschließungen immer mehr zunimmt, können wir Priesterinnen die Trauungen nicht mehr nur ehrenamtlich leisten.“ 100 Euro sind nun für eine Eheschließung zu berappen.

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An die Priester zum Gründonnerstag 2000

EUER DIENST IST EINZIGARTIG, NOTWENDIG UND UNERSETZLICH"

Papst Johannes Paul II. aus dem Abendmahlssaal in Jerusalem:

Liebe Brüder im Priesteramt!

Da Jesus "die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung" (Job 13, 1). Tief bewegt lese ich hier in Jerusalem noch einmal die Worte, mit denen der Evangelist Johannes den Bericht vom Letzten Abendmahl einleitet. Ich tue es an dem Ort, wo der Überlieferung nach Jesus und die Zwölf einkehrten, um das Paschamahl und die Einsetzung der Eucharistie zu feiern. Ich lobe den Herrn, der es mir im Jubiläumsjahr der Menschwerdung seines Sohnes gewährt hat, mich auf die irdischen Spuren Christi zu begeben und den Wegen zu folgen, die er zwischen seiner Geburt in Bethlehem und seinem Tod auf Golgota zurückgelegt hat. Gestern verweilte ich in der Geburtsgrotte in Bethlehem. In den nächsten Tagen werde ich mich an verschiedene Orte des Lebens und Wirkens des Erlösers begeben: angefangen vom Haus der Verkündigung über den Berg der Seligpreisungen bis zum Ölberg. Am Sonntag schließlich werde ich auf Golgota und am Heiligen Grab sein. Der heutige Besuch im Abendmahlssaal bietet mir die Gelegenheit, einen umfassenden Blick auf das Geheimnis der Erlösung zu werfen. Hier, an dieser Stelle, hat er uns mit der unermesslichen Gabe der Eucharistie beschenkt. Hier ist auch die Wiege unseres Priestertums.

2. Ein Brief aus dem Abendmahlssaal.

Der Hl. Vater betet im Abendmahlssaal zu Jerusalem für die Priester

So möchte ich gerade von diesem Ort aus mein Schreiben an euch richten, mit dem ich mich seit über zwanzig Jahren am Gründonnerstag, dem Tag der Eucharistie und schlechthin "unserem" Tag, an euch wende. Ja, ich schreibe euch aus dem Abendmahlssaal. Dabei wird in mir noch einmal all das lebendig, was sich in diesen Mauern an jenem vom. Geheimnis durchwalteten Abend ereignet hat. Vor meinem geistigen Auge kommt Jesus in den Blick, es erscheinen die Apostel, die mit ihm zu Tisch saßen. Ich verweile besonders bei Petrus und meine ihn zu sehen: wie er zu sehen, wie er mit den anderen Jüngern voller Staunen die Gesten, des Herrn beobachtet und tief bewegt seine Worte hört; wie er, freilich mit der Last seiner Schwäche, sich dem Geheimnis öffnet, das sich da ankündigt und sich in Kürze erfüllen soll. In diesen Stunden vollzieht sich der große Kampf zwischen der Liebe, die sich vorbehaltlos hingibt, und dem mysterium iniquitatis, das sich in seine Feindseligkeit verschließt. Der Verrat des Judas nimmt sich aus wie eine Art Emblem der Sünde der Menschheit. "Es war Nacht", bemerkt der Evangelist Johannes (13, 30): die Stunde der Finsternis, die Stunde der Trennung und unendlicher Trauer. Doch in den betrübten Worten Christi schimmert bereits das Licht der Morgenröte durch: "Ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude" (Joh 16, 22).

3. Über das Geheimnis jener Nacht müssen wir immer wieder neu nachdenken und häufig im Geiste in diesen Abendmahlssaal zurückkehren. Dort dürfen besonders wir Priester uns in gewissem Sinn "zu Hause" fühlen. Was der Psalmist von den Völkern in bezug auf Jerusalem ausspricht, könnte man von uns im Hinblick auf den Abendmahlssaal sagen: "Der Herr schreibt, wenn er die Völker verzeichnet: Er ist dort geboren" (Ps 87, 6). Von diesem heiligen Raum aus denke ich spontan an euch, die ihr in den verschiedensten Teilen der Welt lebt, mit euren tausend Gesichtern, jüngeren und fortgeschritteneren Alters, in euren unterschiedlichen Gemütsverfassungen: Aus vielen spricht, Gott sei Dank, Freude und Begeisterung, bei anderen überwiegen vielleicht Schmerz oder Müdigkeit oder auch Unsicherheit. In allen verehre ich jenes Bild von Christus, das ihr mit der Priesterweihe empfangen habt, jenen "Charakter", der jeden von euch unauslöschlich kennzeichnet. Es ist das Zeichen der Liebe, die den "Lieblingskindern" gilt. Diese Liebe gilt jedem Priester. Auf sie kann er immer zählen, wenn es darum geht, voll Freude voranzugehen oder mit Begeisterung einen Neuanfang zu wagen, damit die Treue immer größer werde. Aus der Liebe geboren

4. Da Jesus die Seinen, die in der Weit waren, liebte, erwies er ihnen seine "Liebe bis zur Vollendung". Im Unterschied zu den anderen Evangelien hält sich das Johannes-Evangelium bekanntlich nicht bei der Erzählung von der Einsetzung der Eucharistie auf, die Jesus bereits in seiner ausführlichen Rede in Kafarnaum angesprochen hatte (vgl. Joh 6, 26-65). Statt dessen verweilt es bei der Fußwaschung. Diese Initiative Jesu, die bei Petrus Befremden auslöst, will weniger ein Beispiel von Demut sein, das uns zur Nachahmung empfohlen würde, als vielmehr die Radikalität offenbaren, mit der Gott uns entgegenkommt. Denn in Christus hat Gott "sich entäußert" und "Knechtsgestalt angenommen" bis zur äußersten Erniedrigung am Kreuz (vgl. Phil 2, 7), um der Menschheit den Zugang zum Innersten des göttlichen Lebens zu eröffnen: Die großen Reden, die im Johannes-Evangelium auf die Geste der Fußwaschung folgen und sie gleichsam kommentieren, stellen eine Art Einführung in das Geheimnis der dreifaltigen Gemeinschaft dar, zu der uns der Vater beruft, indem er uns in Christus aufnimmt durch die Gabe des Heiligen Geistes. Diese Gemeinschaft soll nach der Logik des neuen Gebotes gelebt werden: "Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben" (Job 13, 34). Nicht durch Zufall liegt die Krönung dieser "Mystagogie" im Hohepriesterlichen Gebet, das Christus in seiner Einheit mit dem Vater zeigt. Christus war bereit, durch seine Selbsthingabe zum Vater zurückzukehren, und hegte für seine Jünger nur einen einzigen Wunsch: die Teilhabe an seiner Einheit mit dem Vater. "Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns eins sein" (Joh 17, 21).

5. Aus jener kleinen Gruppe von Jüngern, die diese Worte hörten, hat sich die ganze Kirche herausgebildet, die sich zeitlich und räumlich ausbreitete als "ein Volk, das von der Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zusammengeführt wird" (Hl. Cyprian, De Orat. Dom., 23). Die tiefe Einheit dieses Volkes schließt nicht aus, dass es darin untereinander verschiedene und einander ergänzende Aufgaben gibt. So stehen diejenigen mit den ersten Aposteln in einer besonderen Verbindung, die dazu bestellt wurden, in persona Christi die Handlung zu erneuern, die Jesus beim Letzten Abendmahl mit der Einsetzung des eucharistischen Opfers als "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (Lumen gentium, 11) vollzogen hat. Der sakramentale Charakter, der sie kraft der empfangenen Weihe auszeichnet, sorgt dafür, dass ihr Dasein und ihr Dienst einzigartig, not- wendig und unersetzlich sind. Seit jenem Augenblick sind fast zweitausend Jahre vergangen. Wie viele Priester haben diese Handlung wiederholt! Oft waren es vorbildliche Jünger, Märtyrer, Heilige. Wie könnten wir in diesem Jubiläumsjahr die vielen Priester vergessen, die mit ihrem Leben Christus bis zum blutigen En- de bezeugt haben? Und Martyrium begleitet die ganze Kirchengeschichte. Es durchzieht auch das Jahrhundert, das wir soeben hinter uns gelassen haben und das von verschiedenen diktatorischen und; kirchenfeindlichen Regimen gekennzeichnet war. Vom Abendmahlssaal aus möchte ich dem Herrn Dank sagen für den Mut dieser Priester. Blicken wir auf sie, um von ihnen zu lernen und dem Beispiel des guten Hirten zu folgen, "der sein Leben hingibt für die Schafe (Joh 10, 11)

Ein Schatz in zerbrechlichen Gefäßen

6. Es stimmt: Wie in der Geschichte des ganzen Gottesvolkes, so hat auch in der Geschichte des Priestertums die dunkle Existenz der Sünde ihren Platz. Wie oft hat die menschliche Gebrochenheit der Amtsträger in ihnen das vom Licht durch- glänzte Antlitz Christi verdunkelt! Doch wie sollte man sich gerade hier im Abendmahlssaal darüber wundern? Hier ereignete sich nicht nur der Verrat des Judas, sondern selbst Petrus musste mit seiner Schwachheit rechnen, als er die bittere Voraussage der Verleugnung vernahm. Als Jesus Christus Männer wie die Zwölf auswählte, hat er sich gewiss keine falschen Hoffnungen gemacht: Es war diese menschliche Schwachheit, der er das sakramentale Siegel seiner Gegenwart einprägte. Den Grund dafür nennt uns Paulus: "Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt" (2 Kor 4, 7). Deshalb hat das Volk Gottes trotz aller Schwächen seiner Priester nicht aufgehört, an die Kraft Christi zu glauben, die durch ihren Dienst wirksam wird. Muss man in diesem Zusammenhang nicht an das herrliche Zeugnis des Poverello aus Assisi denken? Er, der aus Demut nicht Priester wer- den wollte, hinterließ in seinem Testament die Darstellung seines Glaubens an das Mysterium des in den Priestern gegenwärtigen Christus: Er tat es dadurch, dass er sich bereit erklärte, selbst dann die Priester als seinen Bezugspunkt zu wählen, wenn sie ihn verfolgt hätten, ohne ihnen ihre Sünde anzurechnen. "Ich tue das - so erklärte er -, weil ich vom allerhöchsten Sohn Gottes leibhaftig in dieser Welt nichts anderes sehe außer seinen heiligsten Leib und sein heiligstes Blut, die sie allein konsekrieren und sie allein den anderen spenden" (Fonti Francescane, Nr. 113).

7. Von diesem Ort aus, an dem Christus die heiligen Worte zur Einsetzung dar Eucharistie gesprochen hat, lade ich euch, liebe Priester, ein, das "Geschenk" und das "Geheimnis", das wir empfangen haben, wiederzuentdecken. Um es an der Wurzel zu erfassen, müssen wir über das Priestertum Christi nachdenken. An ihm hat gewiss das ganze Volk Gottes kraft der 'Taufe teil. Doch das Zweite Vatikanische Konzil erinnert uns auch daran, dass es außer dieser Art der Teilhabe, die allen Getauften gemeinsam ist, noch eine andere und besondere Weise gibt: das Amtspriestertum, das sich dein Wesen nach vom Priestertum aller Gläubigen unter- scheidet, auch wenn es ganz eng auf dieses hingeordnet ist (vgl. Lumen gentium, 10). Dem Priestertum Christi nähern wir uns in einer besonderen Sichtweise im Rahmen des Jubiläums der Menschwerdung an. Dieses lädt uns ein, uns in Christus in den engen Zusammenhang zu versenken, der zwischen seinem Priestertum und dem Geheimnis seiner Person besteht. Das Priestertum Christi ist nichts "Zufälliges"; es ist keine Aufgabe, die er genauso gut hätte ausschlagen können. Das Priestertum gehört vielmehr zu seiner Identität als menschgewordener Gottessohn, es gehört zum Gottmenschen. Alles, was sich in den Beziehungen zwischen der Menschheit und Gott abspielt, läuft nunmehr über Christus: "Niemand kommt, zum Vater außer durch mich" (Joh 14, 6). Darum ist Christus der Hohepriester eines ewigen und allumfassenden Priestertums, wofür der erste Bund vorbereitendes Sinnbild war (vgl. Hebr 9, 9). Er übt es in Fülle aus, seitdem er sich als Hoherpriester "zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel gesetzt hat" (Hebr 8, 1). Seitdem hat sich der Stellenwert des Priestertums in der Menschheit geändert: Es gibt nur mehr ein einziges Priestertum, nämlich das Priestertum Jesu Christi, an dem man in unterschiedlicher Weise teilhaben und mitwirken kann.

Sacerdos et Hostia

8. Gleichzeitig wurde auch der Sinn des Opfers, die Opferhandlung schlechthin, zur Vollendung gebracht. Christus hat auf Golgota sein eigenes Leben zu einer Opfergabe von ewigem Wert gemacht: zu einem "Erlösungsopfer", das für immer den von der Sünde unterbrochenen Weg der Gemeinschaft mit Gott wieder eröffnet hat. Licht in dieses Geheimnis bringt der Hebräerbrief, indem er Christus einige Verse aus dem 40. Psalm sprechen lässt: "Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen... Ja, ich komme.... um deinen Willen, Gott, zu tun" (Hebr 10, 5-7; vgl. Ps 40, 7-9). Dem Verfasser des Briefes zu- folge wurden diese prophetischen Worte von Christus bei seinem Eintritt in die Welt gesprochen. Sie bringen sein Geheimnis und seine Sendung zum Ausdruck. Ihre Verwirklichung beginnt also schon im Augenblick der Menschwerdung, auch wenn diese ihren Höhepunkt im Opfer von Golgota erreicht. Seitdem ist jede Opferhandlung des Priesters nur die erneute Darstellung des einzigen, ein für allemal erbrachten Opfers Christi an den Vater.

Sacerdos et Hostia! Priester und Opfer. Dieser Gesichtspunkt des Opfers macht zutiefst die Eucharistie aus. Zugleich ist er die grundlegende Dimension des Priestertums Christi und infolgedessen auch unseres Priestertums. Lesen wir in diesem Licht die Worte, die wir täglich sprechen und die zum ersten Mal hier im Abendmahlssaal erklungen sind. "Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hinge- geben wird... Nehmet und trinket alle dar- aus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden«. Das sind die Worte, die von den Evangelisten und von Paulus in Fassungen bezeugt werden, die in ihrem Kein übereinstimmen. An diesem Ort wurden sie am späten Abend des Gründonnerstags von Christus ausgesprochen. Indem er den Aposteln seinen Leib zu essen und sein Blut zu trinken gab, brachte er die tiefe Wahrheit der Handlung zum Ausdruck, die er kurz danach auf Golgota vollbringen sollte. Denn im eucharistischen Brot ist derselbe Leib, der von Maria geboren wurde und am Kreuz hingeopfert wurde:

Ave verum Corpus natum

de Maria Virgine,

vere passum, immolatum

in cruce pro homine!

9. Muss man nicht immer wieder zu diesem Geheimnis zurückkehren, in dem das ganze Leben der Kirche eingeschlossen ist? Dieses Sakrament hat zweitausend Jahre lang unzählige Gläubige gespeist. Aus ihm ist ein Gnadenstrom entsprungen. Wie viele Heilige haben in ihm nicht nur das Unterpfand, sondern gleichsam die Vorwegnahme des Paradieses gefunden! Lassen wir uns mitreißen von der betrachtenden Bewegung, die so reich ist an Poesie und Theologie! Aus ihr hat der heilige Thomas von Aquin im Pange lingua das Mysterium besungen. Das Echo jener, Worte erreicht mich heute hier im Abendmahlssaal. Es klingt wie die Stimme der vielen, über die Welt verstreuten christlichen Gemeinden, der vielen Priester, Ordensleute und einfachen Gläubigen, die jeden Tag innehalten, um das eucharistische Geheimnis anzubeten:

Verbum caro, panem verum

verbo carnem efficit,

fitque sanguis Christi merum,

et, si sensus deficit,

adfirmandum cor sincerum

sola fides sufficit.

Tut dies zu meinem Gedächtnis

10. Das Geheimnis der Eucharistie, in dem der Tod und die Auferstehung Christi in Erwartung seiner Wiederkunft verkündet und gefeiert wer- den, ist das Herz des kirchlichen Lebens. Für uns hat es zudem eine ganz besondere Bedeutung: Denn es steht im Mittelpunkt unseres Amtes. Sicher beschränkt sich dieses nicht auf die Eucharistiefeier, umfaßt es doch einen Dienst, der von der Verkündigung des Wortes über die Heiligung der Menschen durch die Sakramente bis zur Leitung des Gottesvolkes in Gemeinschaft und Dienst reicht. Aber die Eucharistie ist der Punkt, von dem strahlenförmig alles ausgeht und auf den alles zustrebt. Zusammen mit der Eucharistie ist im Abendmahlssaal auch unser Priestertum entstanden. "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (Lk 22, 19): Die Worte Christi wurden, auch wenn sie an die ganze Kirche gerichtet sind, denjenigen als eine besondere Aufgabe anvertraut, die den Dienst der ersten Apostel weiterführen sollen. Ihnen trägt Jesus die soeben vollzogene Handlung auf, das Brot in seinen Leib und den Wein in sein Blut zu verwandeln. Es ist die Handlung, in der Christus sich als Priester und Opfer zum Ausdruck bringt. Er will, dass von nun an dieses sein Tun durch die Hände der Priester in sakramentaler Weise auch zum Tun der Kirche wird. Wenn er sagt: "tut dies", weist er nicht nur auf die Handlung hin, sondern auch auf das zum Handeln aufgerufene Subjekt. So setzt er das Amtspriestertum ein, das auf diese Weise zu einem der grundlegenden Elemente der Kirche wird.

11. Diese Handlung soll man "zu seinem Gedächtnis" begehen. Das ist ein wichtiger Hinweis. Die von den Priestern gefeierte eucharistische Handlung soll in jeder christlichen Generation, an jedem Ort der Erde das von Christus vollbrachte Werk gegenwärtig machen. Überall dort, wo man Eucharistie feiert, wird auf unblutige Weise das blutige Opfer von Golgota gegenwärtig gemacht. Christus, der Erlöser der Weit, wird selbst gegenwärtig sein.

"Tut dies zu meinem Gedächtnis". Wenn man diese Worte hier zwischen Mauern des Abendmahlssaales neu hört, ist man versucht, sich die Gefühle Christi vorzustellen. Es waren die dramatischen Stunden, die seinem Leiden und Sterben vor- ausgingen. Der Evangelist Johannes lässt die betrübten Töne in der Rede des Meisters anklängen, der die Apostel auf seinen Abschied vorbereitet. Welch tiefe Trauer sieht er in ihren Augen: "Vielmehr ist euer Herz von Trauer erfüllt, weil ich euch das gesagt habe" (Joh 16, 6). Aber Jesus macht sie wieder froh: "ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch" (Joh 14, 18). Wenngleich ihn das Ostermysterium ihren Blicken entzieht, wird er mehr denn je in ihrem Leben gegenwärtig sein. Das gilt für "alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28, 20).

Eine Gedächtnisfeier, die Gegenwart schafft

12. Christi Gegenwart wird sich in vielen Formen äußern. Aber die erhabenste wird sicher die Eucharistie sein: Sie ist nicht bloße Erinnerung, sondern eine Gedächtnisfeier, die Gegenwart schafft; kein symbolischer Hinweis auf die Vergangenheit, sondern lebendige Gegenwart des Herrn inmitten der Seinen. Garant dafür wird stets der Heilige Geist sein! Ständig wird er bei der Eucharistiefeier ausgegossen, damit das Brot und der Wein zum Leib und Blut Christi werden. Es ist derselbe Geist, der am Abend des Ostertages in diesem Abendmahlssaal die Apostel "angehaucht" hat (vgl. Joh 20, 22) und der sie später am Pfingsttag mit Maria. hier versammelt fand. Damals kam er als heftiger Sturm und Feuer über sie (vgl. Apg 2, 1-4) und spornte sie an, in alle Himmelsrichtungen hinauszugehen, um das Wort zu verkünden und das Volk Gott- es zu sammeln im "Brechen des Brotes" (vgl. Apg 2, 42).

13. Zweitausend Jahre nach der Geburt Christi müssen wir in diesem Jubiläumsjahr in besonderer Weise an die Wahrheit dessen erinnern und darüber nachdenken, was wir seine "eucharistische Geburt" nennen könnten. Gerade der Abendmahlssaal ist der Ort dieser "Geburt". Hier hat für die Welt eine neue Gegenwart Christi begonnen, eine Gegenwart, die ununterbrochen überall dort entsteht, wo man Eucharistie feiert und ein Priester seine Stimme Christus leiht, indem er die heiligen Einsetzungsworte spricht. Diese eucharistische Gegenwart hat die zweitausendjährige Geschichte der Kirche durch- zogen und wird sie bis an deren Ende begleiten. So eng mit diesem Geheimnis verbunden zu sein, ist für uns eine Freude und Quelle der Verantwortung zugleich. Dessen wollen wir uns heute mit dem von Staunen und Dankbarkeit erfüllten Herzen bewusst werden. Mit diesen Gefühlen laßt uns eintreten in das österliche Triduum, in dem wir das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi feiern.

Das Vermächtnis des Abendmahlssaales

14. Meide lieben Brüder im Priesteramt! Wenn ihr euch. am Gründonnerstag in den Kathedralen um eure Bischöfe versammelt, wie die Priester der Kirche von Rom sich um den Nachfolger Petri scharen, dann empfangt diese Gedanken, die ich in der eindrucksvollen Atmosphäre des Abendmahlssaales betrachtet habe! Es ließe sich wohl kaum ein Ort finden, der besser an das eucharistische Geheimnis und zugleich an das Geheimnis unseres Priestertums zu erinnern vermag. Bleiben wir dem "Vermächtnis" des Abendmahlssaales treu. Es ist das große Geschenk des Gründonnerstags. Feiern wir stets mit Hingabe und Eifer die heilige Eucharistie. Verweilen wir häufig und lange in Anbetung vor dem eucharistischen Christus. Lasst uns gleichsam "in die Schule" der Eucharistie gehen. In ihr haben im Laufe der Jahrhunderte so viele Priester den von Jesus beim Letzten Abendmahl verheißenen Trost gefunden, den geheimen Schlüssel, um einen Ausweg aus der Einsamkeit zu finden, den Halt, um ihre Leiden zu ertragen, die Nahrung, um nach jeder Entmutigung wieder neu aufzubrechen, die innere Kraft, um ihre Entscheidung zur Treue zu bestärken. Das Zeugnis, das wir dem Volk Gottes in der eucharistischen Feier werden geben können, hängt sehr von unserem persönlichen Verhältnis zur Eucharistie ab.

15. Entdecken wir im Lichte der Eucharistie unser Priestertum neu! Lassen wir unsere Gemeinden diesen Schatz wiederentdecken bei der täglichen Feier der heiligen Messe und besonders bei der festlichen Versammlung zum, Sonntagsgottesdienst. Möge dank eurer apostolischen Arbeit die Liebe zu dem in der Eucharistie gegenwärtigen Christus wachsen. Das ist eine Aufgabe, der in diesem Jubiläumsjahr eine besondere Bedeutung zukommt. Ich denke an den Internationalen Eucharistischen Kongress, der unter dem Thema "Jesus Christus einziger Retter der Weit, Brot für unser Leben" vom 18. bis 25. Juni in Rom stattfinden, wird: ein zentrales Ereignis des Großen Jubiläums, das ein "intensiv Eucharistisches Jahr" sein soll. Der erwähnte Kongress wird genau diesen engen Zusammenhang herausstellen zwischen dem Geheimnis der Fleischwerdung des Wortes und der Eucharistie, dem Sakrament der Realpräsenz Christi. Ich sende euch aus dem Abendmahlssaal den eucharistischen Friedensgruß. Das Bild Jesu Christi, der beim Letzten Abendmahl von den Seinen umgeben war, lasse das Herz eines jeden von uns für Brüderlichkeit und Gemeinschaft schlagen. Große Maler haben sich darin versucht, das Antlitz Christi zwischen seinen Aposteln in der Szene vom Letzten Abendmahl zu zeichnen. Wie könnte man hier das Hauptwerk Leonardos vergessen? Aber nur die Heiligen vermögen mit der Intensität ihrer Liebe in die Tiefe dieses Geheimnisses vorzu- dringen, indem sie gleichsam wie Johannes ihr Haupt an die Brust des Herrn lehnen (vgl. Joh 13, 25). Hier befinden wir uns in der Tat auf dem Gipfel der Liebe: "Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine, Liebe bis zur Vollendung".

16. Ich möchte diese Betrachtung, die ich euch voll Liebe ans Herz lege, mit den Worten eines alten Gebetes schließen:

"Wir danken dir,. unser Vater,

für das Leben und die Erkenntnis,

die du uns offenbar gemacht hast durch Jesus, deinen Knecht.

Dir sei Herrlichkeit in Ewigkeit.

Wie dieses gebrochene Brot

zerstreut war auf den Bergen und zusammengebracht eines geworden ist,

so soll zusammengeführt werden deine Kirche von den Enden der Erde

in dein Reich [...]

Du, allmächtiger Herrscher,

hast das All geschaffen um deines Namens willen,

Speise und Trank hast du den Menschen gegeben zum Genuss,

damit sie dir danken.

Uns aber hast du geistliche Speise und Trank

und ewiges Leben durch deinen Sohn geschenkt.

Dir sei die Herrlichkeit in Ewigkeit!" (Didaché 9, 3-4; 10, 3-4).

Aus dem Abendmahlssaal umarme ich im Geiste euch alle, geliebte Brüder im Priesteramt, und senge euch aus ganzem Herzen.

Jerusalem, am 23. März 2000

Johannes Paul II.

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AN DIE PRIESTER ZUM GRÜNDONNERSTAG 2001

BRIEF DES HEILIGEN VATERS 

Liebe Brüder im Priesteramt!

1. An dem Tag, da der Herr Jesus der Kirche die Eucharistie geschenkt und mit ihr unser Priestertum eingesetzt hat, kann ich nicht umhin, an euch - wie es nun schon Tradition ist - ein freundschaftliches, ja ich möchte sagen, vertrauliches Wort zu richten und damit den Wunsch zu verbinden, Dank und Lob mit euch zu teilen.

Lauda Sion, Salvatorem, lauda ducem et pastorem, in hymnis et canticis!

Wahrlich groß ist das Geheimnis, dessen Diener wir geworden sind: Geheimnis einer grenzenlosen Liebe, denn »da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung« (Joh 13,1); Geheimnis der Einheit, die sich aus den Quellen des trinitarischen Lebens auf uns ergießt, um uns »eins« zu machen in der Gabe des Geistes (vgl. Joh 17); Geheimnis der göttlichen diakonia, die das fleischgewordene Wort seinem Geschöpf die Füße waschen läßt und damit im Dienst den hohen Weg jeder echten Beziehung der Menschen untereinander aufzeigt: »Wie ich gehandelt habe, so sollt auch ihr handeln...« (vgl. Joh 13,15).

Wir sind in besonderer Weise Zeugen und Diener dieses großen Geheimnisses geworden.

2. Dieser Gründonnerstag ist der erste nach dem Großen Jubiläum. Die Erfahrung, die wir zweitausend Jahre nach der Geburt Jesu mit unseren Gemeinden bei der Feier der Barmherzigkeit gemacht haben, wird nun zum Ansporn, den Weg weiterzugehen. Duc in altum! Der Herr fordert uns auf, seinem Wort zu trauen und wieder auf den See hinauszufahren. Beherzigen wir die Erfahrung des Jubiläumsjahres und setzen wir  das engagierte Zeugnis für das Evangelium mit der Begeisterung fort, die in uns die Betrachtung des Antlitzes Christi weckt!

Denn wie ich in dem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte unterstrichen habe, müssen wir wieder von ihm ausgehen, um uns in ihm mit dem Seufzen des Geistes, »das wir nicht in Worte fassen können« (Röm 8,26), der Umarmung des Vaters zu öffnen: »Abba, Vater!« (Gal 4,6). Wir müssen wieder von ihm ausgehen, um die Quelle und tiefe Logik unserer Brüderlichkeit neu zu entdecken: »Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben« (Joh 13,34). 

3. Ich möchte heute jedem von euch danken für alles, was ihr während des Jubiläumsjahres getan habt, damit das Volk, das eurer Sorge anvertraut ist, möglichst tief in die Heilsgegenwart des auferstandenen Herrn eindringe. Ich denke in diesem Augenblick auch an die Arbeit, die ihr tagtäglich leistet: eine oft verborgene Arbeit, die zwar keine Schlagzeilen macht, aber das Reich Gottes in die Gewissen der Menschen eindringen läßt. Ich spreche euch meine Bewunderung aus für diesen unaufdringlichen, beharrlichen, kreativen Dienst, wenn er auch manchmal durchtränkt ist von jenen Tränen der Seele, die nur Gott sieht und »in seinem Krug sammelt« (vgl. Ps 56,9). Er ist ein Dienst, der um so mehr Achtung verdient, je stärker er den Widerstand einer weithin säkularisierten Umgebung zu spüren bekommt, die das Wirken des Priesters der Anfechtung von Erschöpfung und Entmutigung aussetzt. Ihr wißt es wohl: In den Augen Gottes ist dieser tägliche Einsatz wertvoll.

Gleichzeitig möchte ich mich  zur Stimme Christi machen, der uns aufruft, unsere Beziehung zu ihm immer mehr zu stärken. »Ich stehe vor der Tür und klopfe an« (Offb 3,20). Als Verkündiger Christi sind wir vor allem eingeladen, in enger Vertrautheit mit ihm zu leben: Man kann den anderen nicht geben, was wir selber nicht haben! Es gibt einen Durst nach Christus, der sich trotz vieler gegenteiliger Erscheinungen auch in unserer modernen Gesellschaft zeigt, der unter den Widersprüchen neuer Spiritualitätsformen zum Vorschein kommt, der sogar dann sichtbar wird, wenn bei den großen ethischen Kernfragen das Zeugnis der Kirche zum Zeichen des Widerspruchs wird. Dieser - mehr oder weniger bewußte - Durst nach Christus läßt sich nicht mit leeren Worten stillen. Nur echte Zeugen können das rettende Wort glaubwürdig ausstrahlen. 

4. Im Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte habe ich gesagt, daß das wahre Erbe des Großen Jubiläums die Erfahrung einer intensiveren Begegnung mit Jesus Christus ist. Unter den vielen Sichtweisen dieser Begegnung möchte ich heute für diese Überlegung die sakramentale Versöhnung auswählen: Das ist übrigens ein Aspekt, der auch deshalb im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres stand, weil er eng mit dem Geschenk des Ablasses zusammenhängt. Ich bin sicher, daß auch ihr in den Ortskirchen damit Erfahrungen gemacht habt. Hier in Rom war der bemerkenswerte Zustrom von Menschen zum Sakrament der Barmherzigkeit gewiß eines der auffälligsten Phänomene des Jubiläums. Auch Laien, die es beobachtet haben, waren davon beeindruckt. Die Beichtstühle in Sankt Peter ebenso wie in den anderen Basiliken wurden geradezu »bestürmt« von den Pilgern, die sich oft in langen Schlangen anstellen und geduldig warten mußten, bis sie an der Reihe waren. Besonders bezeichnend war das Interesse, das die Jugendlichen in der wunderbaren Woche ihres Jubiläums für dieses Sakrament zeigten.

5. Ihr wißt nur zu gut, daß dieses Sakrament in den vergangenen Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen eine gewisse Krise zu verzeichnen hatte. Um ihr zu begegnen, wurde im Jahr 1984 eine Bischofssynode abgehalten, deren Schlußfolgerungen in das Nachsynodale Apostolische Schreiben Reconciliatio et paenitentia eingeflossen sind. Es wäre naiv zu glauben, daß allein der verstärkte Empfang des Sakramentes der Vergebung im Jubiläumsjahr der Beweis für eine nunmehr eingetretene Tendenzwende sei. Dennoch handelte es sich um ein ermutigendes Signal. Es drängt uns zu der Erkenntnis, daß man die tiefgründigen Bedürfnisse des menschlichen Geistes, auf die Gottes Heilsplan Antwort gibt, von vorübergehenden Krisen nicht auslöschen kann. Dieses Zeichen des Jubiläums muß man als eine Weisung von oben aufgreifen und zum Anlaß machen, mit neuem Mut den Sinn und die Praxis dieses Sakraments wieder vorzustellen. 

6. Aber ich will nicht so sehr bei der pastoralen Problematik verweilen. Der Gründonnerstag als eigentlicher Tag unserer Berufung ruft uns dazu auf, vor allem über unser »Sein« und insbesondere über unseren Weg der Heiligkeit nachzudenken. Daraus entspringt dann auch der apostolische Eifer. Wenn wir also auf Christus beim Letzten Abendmahl blicken, der sich zum »gebrochenen Brot« für uns  machte und sich in demütigem Dienst zu den Füßen der Apostel niederbeugte, müssen wir da nicht angesichts der Größe der empfangenen Gabe dasselbe Gefühl von Unwürdigkeit empfinden wie Petrus? »Niemals sollst du mir die Füße waschen!« (Joh 13,8). Petrus hatte unrecht, die Geste Christi zurückzuweisen. Aber er hatte recht, sich ihrer unwürdig zu fühlen. An diesem Tag, dem Tag der Liebe schlechthin, kommt es darauf an, daß wir die Gnade des Priestertums als ein Übermaß an Barmherzigkeit empfinden. Barmherzigkeit ist das absolute Ungeschuldetsein, mit dem Gott uns erwählt hat: »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt« (Joh 15,16).

Barmherzigkeit ist das Entgegenkommen, mit dem er uns beruft, an seiner Stelle zu handeln, obwohl er weiß, daß wir Sünder sind.

Barmherzigkeit ist die Vergebung, die er uns niemals verweigert, so wie er sie Petrus nach der Verleugnung nicht verwehrt hat. Auch für uns gilt die Beteuerung, wonach »im Himmel mehr Freude herrschen wird über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren« (Lk 15,7).

7. Entdecken wir also wieder unsere Berufung als »Geheimnis der Barmherzigkeit«. Im Evangelium stoßen wir darauf, daß Petrus gerade mit dieser geistlichen Haltung sein besonderes Amt empfängt. Seine Geschichte ist Vorbild für alle, die in den verschiedenen Graden des Weihesakramentes den apostolischen Auftrag empfangen haben. Unsere Gedanken kehren zurück zum wunderbaren Fischfang, wie er im Lukasevangelium (5,1-11) beschrieben ist. Jesus verlangt von Petrus einen Akt des Vertrauens in sein Wort, als er ihn auffordert, zum Fischfang auf den See hinauszufahren. Eine menschlich befremdliche Forderung: Wie soll er ihm glauben, nachdem er eine schlaflose Nacht voller Mühen, aber letztlich ergebnislos damit verbracht hat, die Netze auszuwerfen? Aber der nochmalige Versuch »auf Jesu Wort hin« ändert alles. Die Fische gehen in solchen Mengen in die Netze, daß diese zu zerreißen drohen. Das Wort enthüllt seine Macht. Darüber erhebt sich Staunen, aber zugleich auch Furcht und Schrecken, wie wenn man plötzlich von einem intensiven Lichtstrahl getroffen würde, der alle eigenen Grenzen freilegt. Petrus ruft aus: »Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder« (Lk 5, 8). Aber kaum hat er sein Bekenntnis zu Ende gesprochen, da wird die Barmherzigkeit des Meisters für ihn zum Anfang eines neuen Lebens: »Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen« (Lk 5,10). Der »Fischer« wird zum Diener der Barmherzigkeit. Der einst Fische fing, wird nun zum »Menschenfischer«!

8. Das ist ein großes Geheimnis, liebe Priester: Christus hatte keine Angst, seine Diener unter den Sündern auszuwählen. Ist das nicht unsere Erfahrung? Wieder trifft es Petrus, dem dies in dem ergreifenden Gespräch mit Jesus nach der Auferstehung noch lebendiger bewußt wird. Bevor ihm der Meister das Hirtenamt überträgt, stellt er ihm die peinliche Frage: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?« (Joh 21,15). Der Angesprochene ist derjenige, der ihn einige Tage zuvor dreimal verleugnet hat. Man versteht gut den demütigen Ton seiner Antwort: »Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebhabe« (ebd., Vers 17). Auf Grund dieser Liebe in Erfahrung der eigenen Schwäche, einer ebenso bange wie vertrauensvoll eingestandenen Liebe, erhält Petrus das Amt: »Weide meine Lämmer«, »Weide meine Schafe« (ebd., Verse 15.16.17). Auf Grund dieser Liebe, noch gestärkt vom Feuer an Pfingsten, wird Petrus das empfangene Amt erfüllen können.

9. Und entsteht nicht auch die Berufung des Paulus in einer Erfahrung der Barmherzigkeit? Keiner hat wie er die Ungeschuldetheit der Wahl Christi empfunden. Seine Vergangenheit als verbissener Verfolger der Kirche wird ihm immer auf der Seele brennen: »Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe« (1 Kor 15,9). Und dennoch wird diese Erinnerung keineswegs seine Begeisterung schwächen, sondern ihn immer wieder beflügeln. Je mehr er von der Barmherzigkeit umfangen wurde, desto mehr fühlt er das Bedürfnis, sie zu bezeugen und auszustrahlen. Die »Stimme«, die ihn auf dem Weg nach Damaskus erreicht, führt ihn zum Herzen des Evangeliums und läßt ihn dieses als barmherzige Liebe des Vaters entdecken, der in Christus die Welt mit sich versöhnt. Auf dieser Grundlage wird Paulus auch den apostolischen Dienst als Dienst der Versöhnung verstehen: »Aber das alles kommt von Gott, der in Christus die Welt mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute« (2 Kor 5,18-19).

10. Die Zeugnisse von Petrus und Paulus, liebe Priester, enthalten für uns wertvolle Hinweise. Sie fordern uns auf, mit einem Gefühl unendlicher Dankbarkeit das Geschenk des Dienstamtes zu leben: Wir haben nichts verdient, alles ist Gnade! Zugleich veranlaßt uns die Erfahrung der beiden Apostel, uns der Barmherzigkeit Gottes zu überlassen, um in ehrlicher Reue unsere Schwächen bei ihm abzuladen und mit seiner Gnade unseren Weg der Heiligkeit wieder aufzunehmen. In Novo millennio ineunte habe ich auf das Bemühen um Heiligkeit als den Hauptpunkt einer klugen pastoralen »Planung« hingewiesen. Es ist die grundlegende Verpflichtung aller Gläubigen; um wieviel mehr muß es das also für uns sein (vgl. Nr. 30-31)! Zu diesem Zweck ist es wichtig, daß wir das Sakrament der Versöhnung als grundlegendes Mittel unserer Heiligung wiederentdecken. An einen priesterlichen Mitbruder herantreten, um ihn um jene Absolution zu bitten, die wir selbst so oft unseren Gläubigen erteilen, das läßt uns die große und tröstliche Wahrheit erleben, daß wir, noch ehe wir Amtsträger sind, Glieder eines einzigen Volkes sind, eines Volkes von »Erlösten«. Was Augustinus von seiner bischöflichen Aufgabe sagte, gilt auch für den priesterlichen Dienst: »Auch wenn es mich erschreckt, für euch dazusein, so tröstet es mich, mit euch zu sein. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ ... Jener ist der Name für eine Gefahr, dieser für die Rettung« (Sermones, 340,1). Es ist schön, unsere Sünden bekennen zu können und wie Balsam das Wort zu vernehmen, das uns mit Barmherzigkeit überströmt und auf den Weg zurückbringt. Nur wer die Zärtlichkeit der Umarmungdes Vaters gespürt hat, wie sie das Evangelium im Gleichnis vom verlorenen Sohn beschreibt - »er fiel ihm um den Hals und küßte ihn« (Lk 15,20) -, vermag dieselbe Herzlichkeit an die anderen weiterzugeben, wenn er vom Empfänger der Vergebung zu ihrem Ausspender wird.  

11. So laßt uns an diesem heiligen Tag Christus bitten, daß er uns helfe, die Schönheit dieses Sakramentes für uns selbst in Fülle neu zu entdecken. War es nicht Jesus selbst, der Petrus bei dieser Entdeckung half? »Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir« (Joh 13,8). Sicher, Jesus bezog sich hier nicht direkt auf das Sakrament der Versöhnung, aber er zielte es gleichsam an, indem er auf jenen Reinigungsprozeß anspielte, den sein Erlösungstod und der sakramentale Heilsplan, der auf die einzelnen angewandt wird, einleiten sollte. Greifen wir, liebe Priester, regelmäßig zu diesem Sakrament, damit der Herr ständig unser Herz reinigen kann, indem er uns würdiger macht für die Geheimnisse, die wir feiern. Da wir berufen sind, das Antlitz des Guten Hirten zu verkörpern und somit das Herz Christi selbst zu haben, müssen wir uns mehr als andere die inständige Anrufung des Psalmisten zu eigen machen: »Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist!« (Ps 51, 12). Das für jedes christliche Dasein unverzichtbare Sakrament der Versöhnung erweist sich auch als Hilfe, Orientierung und Medizin des priesterlichen Lebens. 

12. So ist es für den Priester, der die freudige Erfahrung der sakramentalen Versöhnung in Fülle macht, ganz selbstverständlich, an die Brüder die Worte des Paulus zu wiederholen: »Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Laßt euch mit Gott versöhnen!« (2 Kor 5,20) Die Krise des Sakraments der Versöhnung, auf die ich zuvor hingewiesen habe, hängt von mannigfachen Faktoren ab: angefangen vom Schwinden des Sündenbewußtseins bis hin zu der geringen Wahrnehmung des sakramentalen Heilsplanes, mit dem Gott uns rettet; doch wir müssen vielleicht zugeben, daß sich manchmal auch ein gewisses Nachlassen unserer Begeisterung oder unserer Verfügbarkeit bei der Ausübung dieses anspruchsvollen und schwierigen Dienstes zum Schaden des Sakraments ausgewirkt haben mag. Es gilt hingegen mehr denn je, das Sakrament dem Volk Gottes neu zu erschließen. Man muß mit Festigkeit und Überzeugung aufzeigen, daß das Bußsakrament der normale Weg ist, um die Vergebung und den Erlaß der nach der Taufe begangenen schweren Sünden zu erlangen. Das Sakrament muß auf die bestmögliche Weise, in den liturgischvorgesehenen Formen, vollzogen werden, damit es seine volle Gestalt als Feier der göttlichen Barmherzigkeit bewahre.

13. Das Vertrauen auf die Möglichkeit, daß dieses Sakrament wieder neu geschätzt und praktiziert wird, können wir auf Grund der Tatsache zurückgewinnen, daß sich - obgleich unter vielen Widersprüchen - in vielen Bereichen der Gesellschaft nicht nur ein neues Bedürfnis nach Spiritualität abzeichnet, sondern auch das lebhafte Verlangen nach zwischenmenschlicher Begegnung, das sich bei vielen Menschen als Reaktion auf eine anonyme Massengesellschaft durchsetzt, die den einzelnen häufig zu innerer Isolation verurteilt - auch dann, wenn sie ihn in einen Strudel funktionaler Beziehungen hineinzieht. Sicher darf die sakramentale Beichte nicht mit einer praktischen menschlichen Hilfe oder einer psychologischen Therapie verwechselt werden. Man soll jedoch den Umstand nicht unterschätzen, daß das Sakrament der Versöhnung, wenn es recht gelebt wird, mit Sicherheit eine »humanisierende« Rolle spielt, die sich  gut mit seinem vorrangigen Wert der Versöhnung mit Gott und mit der Kirche verbindet.  Wichtig ist, daß auch in dieser Situation der Diener der Versöhnung seine Aufgabe gut erfüllt. Seine Fähigkeit zur Annahme, zum Zuhören, zum Dialog und seine stetige Verfügbarkeit sind wesentliche Elemente, damit der Dienst der Versöhnung in seinem ganzen Wert deutlich werden kann. Die getreue und rückhaltlose Verkündigung der radikalen Ansprüche des Wortes Gottes muß den Umgang Jesu mit den Sündern nachahmen und immer mit großem Verständnis und Taktgefühl einhergehen. 

14. Sodann gilt es, der liturgischen Gestaltung des Sakramentes die notwendige Bedeutung zu geben. Das Sakrament steht in der Logik der Communio, die das Wesen der Kirche kennzeichnet. Man begreift die Sünde nicht bis zum Letzten, wenn man sie nur als »Privatangelegenheit« versteht und vergißt, daß sie unvermeidlich die ganze Gemeinschaft berührt und den Stand ihrer Heiligkeit sinken läßt. Um so mehr ist das Angebot der Vergebung Ausdruck eines Geheimnisses übernatürlicher Solidarität, deren sakramentale Logik auf der tiefen Einheit beruht, die zwischen Christus, dem Haupt, und seinen Gliedern besteht. Die Wiederentdeckung dieses »gemeinschaftlichen« Aspekts des Sakramentes auch durch Bußgottesdienste mit der Gemeinde, die mit der persönlichen Beichte und der Einzelabsolution schließen, ist von großer Bedeutung, weil sie den Gläubigen ermöglicht, die doppelte Dimension der Versöhnung besser wahrzunehmen, und sie stärker verpflichtet, ihren Weg der Buße in seiner ganzen erneuernden Fülle zu leben.

15. Da ist noch das Grundproblem einer Katechese über das moralische Bewußtsein und über die Sünde, die die Forderungen des Evangeliums in ihrer Radikalität klarer bewußt machen soll. Es gibt leider eine Tendenz zur Minimalisierung, die das Sakrament daran hindert, alle erstrebenswerten Früchte zu erbringen. Für viele Gläubige wird die Wahrnehmung der Sünde nicht am Evangelium gemessen, sondern an den »Gemeinplätzen«, an der soziologischen »Normalität«, die zu der Meinung verleitet, nicht besonders verantwortlich zu sein für Dinge, die »alle tun«, um so mehr, wenn sie staatlicherseits legalisiert sind. Die Evangelisierung des dritten Jahrtausends muß der Dringlichkeit einer lebendigen, vollständigen und anspruchsvollen Darbietung der Botschaft des Evangeliums Rechnung tragen. Das Christentum, das es zu bewahren gilt, kann sich nicht auf ein mittelmäßiges Bemühen um Rechtschaffenheit nach soziologischen Kriterien beschränken, sondern muß ein echtes Streben nach Heiligkeit sein. Wir müssen mit neuer Begeisterung das V. Kapitel aus Lumen gentium wiederlesen, das von der universalen Berufung zur Heiligkeit handelt. Christsein heißt, ein »Geschenk« heiligmachender Gnade empfangen, das seine Umsetzung im »Bemühen« um persönliche Entsprechung im täglichen Leben erfahren muß. Nicht von ungefähr habe ich in diesen Jahren versucht, auf breitester Ebene die Anerkennung der Heiligkeit in allen Bereichen, in denen sie zu Tage tritt, zu fördern, damit allen Christen vielfältige Modelle der Heiligkeit angeboten werden können und sich alle daran erinnern, persönlich zu jenem Ziel berufen zu sein. 

16. Schreiten wir, liebe Brüder im Priesteramt, in der Freude unseres Dienstes voran im Wissen darum, daß wir den an unserer Seite haben, der uns gerufen hat und der uns nicht verläßt. Die Gewißheit seiner Gegenwart stütze und tröste uns. Am Gründonnerstag spüren wir noch lebendiger seine Gegenwart, da wir uns in die ergreifende Betrachtung der Stunde versetzen, in der Jesus im Abendmahlssaal sich uns im Zeichen von Brot und Wein hingibt und damit das Kreuzesopfer sakramental vorwegnimmt. Im vergangenen Jahr habe ich euch anläßlich meines Besuches im Heiligen Land aus dem Abendmahlssaal geschrieben. Wie könnte ich jenen ergreifenden Augenblick vergessen? Ich lasse ihn heute wieder lebendig werden, nicht ohne Traurigkeit wegen der Leiden, in denen sich das Land Christi nach wie vor befindet. Unsere geistliche Begegnung zum Gründonnerstag findet noch immer dort statt - im Abendmahlssaal, während wir vereint um die Bischöfe in den Kathedralen der ganzen Welt das Mysterium vom Leib und Blut Christi leben und uns voll Dankbarkeit der Ursprünge unseres Priestertums erinnern. In der Freude über das unermeßliche Geschenk, das wir alle gemeinsam empfangen haben, umarme ich euch und segne euch.

Aus dem Vatikan, am 25. März, dem vierten Fastensonntag des Jahres 2001,

 im 23. Jahr meines

Pontifikates.

JOHANNES PAUL II.

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Kardinal Martino beklagt neue Inquisition gegen Christen

Auf der Anklagebank dieser neuen Inquisition voller Geld und Arroganz landen vor allem die katholische Kirche und die Christen, die mit allen Mitteln zum Schweigen gebracht werden sollen.“

Vatikan, 19. Oktober 2004

Von einer „neuen Inquisition“ sprach Kardinal Renato Martino im Zusammenhang mit der Ablehnung des designierten EU-Justiz- und Innenkommissar Rocco Buttiglione. Wie Radio Vatikan berichtete, meinte Martino, Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, am Montag, 18. Oktober,  bei einer Buchvorstellung im Vatikan: „Die Stimme des Papstes und der katholischen Kirche werden heute vor allem in reichen Ländern zum Schweigen gebracht, indem man sie im organisierten Lärm mächtiger Lobbys untergehen lässt, die hauptsächlich vom Vorurteil gegen alles, was christlich ist, bewegt werden.

Kardinal Martino: „Man denke nur an die sorglose Art, in der diese Lobbys hartnäckig die Vermischung der Geschlechterrollen propagieren, die Ehe zwischen Mann und Frau verhöhnen und das Leben angreifen, indem sie gefährliche Experimente damit machen. Auf der Anklagebank dieser neuen Inquisition voller Geld und Arroganz landen vor allem die katholische Kirche und die Christen, die mit allen Mitteln zum Schweigen gebracht werden sollen: von Einschüchterung über öffentliche Missachtung bis zur kulturellen Diskriminierung und zur Ausgrenzung.“

Die Kirche sei jedoch “stark in der Kraft des Herrn” und werde weiterhin ihre Heilsbotschaft verkünden und die „volle Wahrheit über den Menschen gegen jegliche Relativismen und Verdunkelungen der postmodernen Aufklärung“. Die Grundrechte seien im Denken der Kirche nicht in einem „individualistischen Subjektivismus“ begründet, sondern in einer „objektiven Wahrheit“, stellte Martino klar, nämlich der „transzendenten Würde der menschlichen Person“. 

bulletWANN ENDLICH WACHEN DIE KATHOLIKEN AUF! 
bulletWANN ENDLICH SIND WIR BEREIT ZUR KENNTNIS ZU NEHMEN, WIE WEIT WIR MIT UNSEREM UNGLAUBEN UND NICHTSSAGENDEN ÖKUMENE IN DIE EIGENE FALLE GERATEN SIND - DIE FALLE DER SELBSTVERNICHTUNG!
bulletWANN ENDLICH SIND WIR WIEDER INNERLICH SO ERSTARKT, DASS WIR GESCHLOSSEN GEGEN DIE ÄUSSEREN FEINDE DER KIRCHE UNTER DEM SCHUTZ DER GOTTESMUTTER AUFTRETEN!
bulletWANN ENDLICH HÖREN WIR AUF, MITTEN IN UNSERER KIRCHE  SELBSTZERSTÖRERISCHE KRÄFTE ZU DULDEN!
bulletWANN ENDLICH HÖREN WIR AUF, DIE VERLEUMDUNG VON BISCHÖFEN UND PRIESTERN, DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN GLAUBENS, DIE NICHT AUSSCHLIESSLICH DEM KATHOLISCHEN GLAUBEN GEWIDMETEN RELIGIONSSTUNDEN AN UNSEREN SCHULEN WORTLOS HINZUNEHMEN, ZU DULDEN!
bulletWANN, O HERR, WIE LANGE NOCH?

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Man will das Prinzip der Kriminalisierung eines Katholiken durchsetzen

Designierter EU-Kommissar Rocco Buttiglione: In Europa ist ein Versuch im Gange, eine Art neue Gleichschaltung auf Kosten der Gedankensfreiheit aufzubauen- "Ich glaube, dass man entschieden reagieren sollte."


Brüssel, 12.10.2004
"Ich bin sehr besorgt. Man will das Prinzip der Kriminalisierung eines Katholiken durchsetzen". Dies sagte der designierte EU-Innen- und Justizkommissar Rocco Buttiglione im Interview mit Radio Vatikan nach seiner Ablehnung durch einen Ausschuss des Europaparlaments am Montag. Buttiglione, der sich kritisch zur Homosexualität geäußert hatte, zeigte sich besorgt, dass das EU-Parlament offensichtlich eine "Glaubenserklärung über die moralische Positivität der Homosexualität" verlange. "Man verlangt, eine positive moralische Bewertung, was meiner Ansicht nach nicht möglich ist. Dies stößt gegen das Recht der Gewissensfreiheit", betonte Buttiglione." Der italienische Politiker und Freund von Papst Johannes Paul II. beruft sich auf das Gewissen und betont: "Wenn man ein Gewissen hat, ist man daran gebunden. Und um dem eigenen Gewissen zu folgen, muss man oft Opfer machen". Der designierte EU-Kommissar zeigt sich besorgt, dass in Europa ein Versuch im Gange sei, "eine Art neue Orthodoxie auf Kosten der Gedankensfreiheit aufzubauen". Buttiglione rief im Interview mit "Radio Vatikan" alle auf, sich dagegen zu wehren: "Ich glaube, dass man entschieden reagieren sollten. Die Christen haben das Recht, Christen zu sein."
Auch die katholische Kirche Italiens hat am Dienstag auf die Ablehnung des designierten EU-Innen- und Justizkommissars Rocco Buttiglione empört reagiert. Kardinal Ersilio Tonini sieht hinter der Ablehnung Buttigliones "antikatholische Tendenzen" in Europa.

Die Schuld Buttigliones: Er gestand offen vor dem EU-Parlament: Homosexualität sei Sünde!

 

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  Kardinal Sodano rückt Fall Buttiglione ins richtige Licht

EU: Von 455 Millionen EU-Bürgern sind rund 263 Millionen Katholiken

England: Jugend entdeckt Rosenkranz als Mode-Artikel

Der Mann, der die Kirche von Golgatha aus leitet

Was da passiert ist, ist schlimm

 



ROM. Kardinal Angelo Sodano äußerte diese Meinung am letzten Freitag gegenüber der italienischen Tageszeitung La Republica im Zuge der Debatte, welche durch die Ablehnung von Rocco Buttigliones Kandidatur als Justiz- und Sicherheitskommissar der EU durch das Bürgerrechtskomitee des Europaparlaments entfacht worden war.

  Christen in Europa werden diskriminiert, aber die wirklichen Probleme des Kontinents liegen in der Beziehung zum Islam und im Verständnis von Religionsfreiheit, sagt der Kardinalstaatssekretär.


Zuvor hatte Buttiglione seinen katholischen Überzeugungen zur Homosexualität Ausdruck verliehen. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es schwierig, zu diesem speziellen Fall und den Vorkommnissen der vergangenen Tage in Brüssel Stellung zu nehmen“, sagte Kardinal Sodano. „Vielleicht sollte man lieber schweigen.“

„Ich rate dringend dazu, die wechselnden Meinungen und die jüngsten Geschehnisse in den europäischen Institutionen nicht zu wichtig zu nehmen“, sagte er. „Es ist nicht das erste Mal, dass Katholiken, Christen oder kirchliche Personen mit solchen Problemen, mit Isolation und Diskriminierung konfrontiert sind.“
„Ein Blick auf die Geschichte des Christentums zeigt das sofort. Die Kirche musste in ihrer 2000-jährigen Geschichte immer wieder mit Schwierigkeiten kämpfen und sah sich scheinbar unüberwindlichen Hindernissen gegenüber.“
Der Kardinal fuhr fort: „Wir dürfen uns über solche Fälle, wie sie sich in Europa ereignet haben, nicht wundern. Wichtig ist, mit Vertrauen und Gelassenheit voranzugehen und zuversichtlich darauf zu hoffen, dass am Ende die Wahrheit siegen wird.“

Kardinal Sodano stellte fest, dass es „über die soziopolitischen Schwierigkeiten hinaus“, größere Herausforderungen für das Christentum gebe. „Das große Problem der Zukunft wird jenes unserer Beziehungen zur muslimischen Welt sein. Das ist eine Herausforderung, mit der nicht nur die Kirche konfrontiert ist“, sagte er.

Der Kardinalstaatssekretär des Vatikan schlug vor, das Prinzip der Gegenseitigkeit in der Beziehung mit der muslimischen Welt anzuwenden. „Genauso wie muslimische Gemeinden im Westen das Recht auf Gebetsorte und freie Glaubensausübung genießen, so müssen auch Christen in jedem anderen Teil der Welt dieselbe Freiheit haben, auch in muslimischen Ländern“, erklärte er.

Außerdem begegne Europa neuen Schwierigkeiten bei der Ausübung der Religionsfreiheit, gab er zu bedenken. In diesem Zusammenhang sei „die Kirche zunehmend dazu aufgerufen, gegenüber denen, die dieses Recht nicht anerkennen, zum Ausdruck zu bringen, dass wir als christliche Gläubige die Wahrheit des Evangeliums verkünden dürfen“, fügte der Kardinal hinzu. Es ist ein Recht, das „direkt mit dem heiligen Prinzip der Freiheit verbunden ist, die jede Person, unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Religion oder ihrer politischen Neigung, genießt“, betonte er.

„Ich glaube, Europa darf seine Geschichte, seine authentischen Wurzeln nicht vergessen; es darf nicht vergessen, was das Christentum jedem Land auf kultureller, künstlerischer und literarischer Ebene geschenkt hat“, ergänzte er. „Ich denke, dass die Versuchung des moralischen Relativismus und des blinden Agnostizismus bald überwunden sein werden, weil die Wahrheit am Ende siegen wird.“

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EU: Von 455 Millionen EU-Bürgern sind rund 263 Millionen Katholiken.

Der Umgang mit dem italienischen EU-Politiker Rocco Buttiglione brüskiere die Mehrheit der Bürger des Kontinents. Das stellt die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), Mechthild Löhr, an Montag in einer Aussendung fest. „Wer in diesen Tagen nach Brüssel blickt und die Empörung um die Ernennung des Innen- und Justiz-Kommissars Buttiglione beobachtet, kann nur den Kopf schütteln angesichts der dort demonstrierten Bürgerferne mancher ideologisierter Abgeordneter“, schreibt Löhr.

Es disqualifiziere den „Ausschuss für bürgerliche Freiheiten“, nicht aber Rocco Buttiglione, wenn diesem profilierten, christlichen Europapolitiker und Repräsentanten Italiens seine Eignung für das Amt des Innen- und Justiz-Kommissars abgesprochen werde. Indem sozialdemokratische und liberale Abgeordnete den Vorwurf der Nichteignung ausgerechnet an dessen christlichen Menschen- und Familienbild festmachen, werden nicht nur die Katholiken, sondern alle Bürger mit christlicher Glaubensorientierung brüskiert.

“Auf ihrer Brüsseler Parlamentsinsel vergessen offensichtlich etliche Abgeordnete, wen sie eigentlich vertreten. Ein offenes Bekenntnis zu Glaubensgrundsätzen soll hier mit politischem Berufsverbot belegt werden. Ist das die Zukunft in einem freiheitlichen und weltoffenen Europa?“, fragt Löhr.

Sie verweist auf die oft vernachlässigte religiöse Struktur innerhalb der EU-Bevölkerung: Zur Zeit sind von 455 Millionen Einwohnern rund 263 Millionen Bürger (= rund 58 Prozent) Mitglieder der katholischen Kirche, rund 20 Prozent protestantische, anglikanische oder orthodoxe Christen und nur rund 16 Prozent religions- bzw. konfessionslos. Diese Zahlen zeigen, dass die EU ganz wesentlich und eindeutig aus einer gemeinsamen christlichen Werte- und Traditionsgemeinschaft besteht.

Wenn der deutsche Fraktionsvorsitzende Schulz (SPD) Buttiglione aufgrund seiner expliziten christlichen Überzeugung als einen Mann abqualifiziere, der Europa „auf den Wertvorstellungen des 19. Jahrhunderts aufbauen“ wolle, beleidige er damit gleichzeitig eine große Mehrheit der EU-Bürger, für die das christliche Familienbild nach wie vor lebensgestaltend ist, hält Löhr fest.

Auch dem sozialdemokratischen Fraktionsvorsitzenden müsse bekannt sein, dass die revolutionären Ideale des 18. Jahrhunderts, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, nicht irgendwo, sondern im zweitausendjährig christlich geprägten europäischen Kulturraum entwickelt und lebendig geworden sind. „Es lässt nichts Gutes für die Offenheit und Toleranz der sozialdemokratischen Fraktion in der neuen Legislaturperiode hoffen, wenn sie schon jetzt ein so beispiellos intolerantes Theater veranstaltet.“

Für Christdemokraten und Lebensrechtsorganisationen nicht nur in Deutschland sei es selbstverständlich, weltanschauliche Gegenpositionen zu achten und die Integrität der Person zu respektieren. Dieses Minimum politischen Anstands ließen manche EU-Parlamentarier in dieser Situation völlig vermissen und förderten damit in unverantwortlicher Weise die ohnehin schon große Skepsis und Distanz der Bürger zur EU.

„Eine peinliche Kampagne, die gerade bei engagierten Christen die Europaverdrossenheit weiter wachsen lassen wird“, so Löhr. Sie forderte mehr Respekt der EU-Parlamentarier vor den persönlichen Glaubens- und Wertüberzeugungen ihrer Bürgerinnen und Bürger und ein Ende der Diskriminierung von Christen. CDL ist eine Lebensrechtsinitiative innerhalb der CDU/CSU und Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL). 

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gland: Jugend entdeckt Rosenkranz als Mode-Artikel

Wer in England einen Rosenkranz als Modeaccessoire kauft, bekommt von manchen Händlern einen Handzettel mit, der über die religiöse Bedeutung des Rosenkranzes informiert.

London. Die Bischofskonferenz von England und Wales hat als Antwort auf den Modetrend bei jungen Leuten, Rosenkränze als Halsketten und Armbänder zu tragen, einen Handzettel herausgebracht. Das Amt für Liturgie der bischöflichen Abteilung für christliches Leben und Gottesdienst teilte mit, dass das Tragen von Rosenkränzen in diesem Jahr sehr im Trend sei, Schmuckgeschäfte meldeten bereits Rekordverkäufe.

„Offenbar ist der Rosenkranz zum Kreuz als begehrenswertem weltlichen Modeaccessoire hinzugekommen“, erklärte Pater Allen Morris, Leiter der Abteilung. „Jedoch ist er im Gegensatz zum Kreuz im Allgemeinen nur bei religiösen Lieferanten zu beziehen und nicht beim Juwelier zu kaufen.“

„Einige dieser Lieferanten halten es daher für notwendig, dass die Käufer etwas über die religiöse Bedeutung des Rosenkranzes erfahren. Zu diesem Zweck hat das Amt für Liturgie einen zweiseitigen A5-Handzettel erstellt, den die Lieferanten, die es wünschen, gratis anbieten oder als Beilage in die Verpackung des Rosenkranzes einlegen können“, fügte er hinzu.

Kristina Cooper, Herausgeberin des Magazins „Good News“ der katholischen charismatischen Erneuerungsbewegung, hat viele Rosenkränze an junge Leute verteilt und begrüßt den Handzettel. „Ich lebe in einer Siedlung in Südlondon, und viele Teenager dort sind wirklich am Rosenkranz interessiert“, sagte Cooper.

„Wenn mich jemand um einen bittet, erkläre ich, wozu dieser gut ist und fordere sie auf mir zu beweisen, dass sie das Vater Unser kennen, bevor ich ihnen einen gebe. Wenn sie um einen Zweiten bitten, frage ich sie je nach der Person nach einer guten Tat, die sie getan haben, oder ich bringe ihnen das ,Gegrüßet seist du Maria’ bei“, erzählte Cooper.

Während sich manche Beobachter wegen der Profanisierung religiöser Gegenständen Gedanken machen, sieht Cooper eine positive Seite an diesem Phänomen. „Diese Mode ist eine großartige Gelegenheit zur Evangelisierung. Ich freue mich sehr, von diesem Handzettel zu hören“, sagte sie. „Ich halte den Rosenkranz für eine sehr gute Möglichkeit, Menschen den Glauben nahe zu bringen, die nie in die Kirche gehen.“ Der Handzettel ist in englischer Sprache unter www.catholic-ew.org.uk veröffentlicht. 

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Der Mann, der die Kirche von Golgatha aus leitet

ROM / New-York, 20. Oktober 2004

Wie das Pontifikat von Johannes Paul II. durch dessen zunehmende körperliche Schwäche beeinflusst wird: Interview mit Papst-Biograph George Weigel.

 Wie hat sich das Pontifikat von Johannes Paul II. in diesen letzten Jahren, in denen er gesundheitlich schwächer geworden ist, verändert? ZENIT hat den päpstlichen Biographen George Weigel gefragt, ob er irgendwelche Veränderungen beim alternden Heiligen Vater sieht, der am Samstag das 26-jährige Jubiläum seines Pontifikates feierte.

Wie haben die körperlichen Gebrechen von Johannes Paul II. sein Pontifikat verändert?

Weigel: Ich denke, dass das Leiden des Papstes den evangelikalen Charakter seines Pontifikats unterstrichen hat. Vielleicht war die weiseste Zeile, die jemals über Johannes Paul II. geschrieben wurde, die des französischen Journalisten Andre Frossard, die er seiner Zeitung in Paris am Tag der Amtseinführung Johannes Pauls schrieb, „Das ist kein Papst aus Polen, das ist ein Papst aus Galiläa.“ Die Welt ist nun Zeuge dieses „Papstes aus Galiläa“, der die Kirche nicht von einem Thron aus leitet, sondern vom Kreuzweg, von Golgatha aus. Wenn er die Kirche und die Welt dazu einlädt, die „via crucis“ mit ihm zu gehen, setzt Karol Wojtyla seine Predigt über Jesus Christus bis zum Ende fort.

Unsere Welt hat oft Schwierigkeiten, mit Krankheit und Leid umzugehen. Was können wir von der Art und Weise lernen, wie der Papst mit seinen körperlichen Gebrechen umgeht?

Weigel: Der Papst lehrt die Welt, dass jeder Mensch unersetzlich ist: jeder ist unendlich wertvoll, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Sind der verstorbene Christopher Reeve oder Michael J. Fox die einzigen Menschen, an denen wir uns bei der verbrauchenden Embryonenforschung orientieren? Warum sehen wir uns nicht Johannes Paul II. an, der seine Überzeugung nicht auf seine persönlichen Umstände abgestimmt hat? Ist sein Zeugnis nicht ebenso aussagekräftig?

Was bewirkt der Anblick eines Papstes im Rollstuhl bei der Kirche und in der Welt? Wie beeinflusst das die Sicht der Menschen auf das Papsttum und auf sich selbst?

Weigel: Einer der ältesten Titel der Päpste ist „servus servorum Dei“, Diener der Diener Gottes. Die Kirche und die Welt sehen einen Papst, der sein Leben bis zuletzt in den Dienst der Wahrheit stellt, auf die er in seinem Leben gesetzt hat. Ich hoffe, dass dieses Zeugnis die gesamte Kirche zu ähnlicher Hingabe inspiriert.

Das „R-Wort“ wurde in den vergangenen Jahren diskutiert. Was würden sie zu denen sagen, die meinen, der Rücktritt sei für Johannes Paul II. eine mögliche Option?

Weigel: Ich würde ihnen das wiederholen, was der Papst bei zahlreichen Gelegenheiten gesagt hat, dass er diese Bürde dann niederlegen werde, wenn Gott sie von ihm nimmt.

Mit all den Initiativen – dem Jahr des Rosenkranzes, dem Jahr der Eucharistie – wie hat sich der Schwerpunkt dieses Pontifikats verlagert?

Weigel: Ich glaube nicht, dass es sich verlagert hat – der wichtigste Schwerpunkt ist und bleibt die Neuevangelisierung als Antwort der Kirche auf die weltweite Krise der heutigen Gesellschaft – aber vielleicht können wir sagen, dass sich der Schwerpunkt spirituell vertieft hat. Wenn die Neuevangelisierung ihren Ursprung nicht im Gebet hat, kann sie keinen Erfolg haben. Die Kirche bringt der Welt das Evangelium durch die Leben schenkende Erfahrung der Eucharistie und durch den regelmäßigen Rhythmus ihres Gebets.

Eine zusammenfassende Frage: Erleben wir heute stärker den Mystiker Johannes Paul im Gegensatz zum Weltpolitiker der ersten Jahre?

Weigel: Diese beiden Dimensionen waren immer da. Der Mann, den wir heute sehen, der die Kirche von Golgatha aus leitet, ist derselbe Mann, der eine zentrale Rolle beim Zusammenbruch des europäischen Kommunismus spielte. Der Führungsstil des Papstes ist schon immer von seinem reichen und vielfältigen inneren Leben geprägt gewesen

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Was da passiert ist, ist schlimm

Giorgio Salina von "Christen für Europa": 'Buttiglione hat nichts gesagt, was Anlass für solch intolerante Reaktionen geben könnte'

Rom.  Zenit, 20. Oktober 2004


Die Ablehnung des EU-Kommissarkandidaten Rocco Buttiglione durch das Bürgerrechtskomitee des Europaparlaments wirft Fragen über den Respekt vor der Vielfalt in Europa auf. Buttiglione äußerte seine katholischen Überzeugungen zur Homosexualität und war deswegen heftigen Angriffen ausgesetzt. Im folgenden Interview mit ZENIT, stellt Giorgio Salina, Vizepräsident des Verbands „Christen für Europa“, seine Sicht der Kontroverse dar.

ZENIT: In Spanien gibt es Stimmen, die eine Anerkennung der Ehe von Homosexuellen und ihr Recht auf Adoption von Kindern fordern; in Frankreich wurde ein Priester von seinem Institut verwiesen, weil er im Unterricht seine Soutane getragen hatte, Kommissar Rocco Buttiglione wird nun diskriminiert weil er sagt, dass die Ehe aus Mann und Frau besteht. Was passiert da in Europa? Hat die Jagd auf Katholiken begonnen?

Salina: Ich denke, die Lage ist sehr ernst. Was da passiert ist, ist schlimm. Buttiglione hat nichts gesagt, was Anlass für solch intolerante Reaktionen geben könnte. Es tritt mehr und mehr zutage, was in der Kulturkommission des Europaparlaments gesagt wurde als der Fünfjahresplan vorgestellt wurde. Ich habe den Text nicht zur Hand, aber der Inhalt war mehr oder weniger folgender: Europas Reichtum ist die Vielfalt der Kulturen, die nach der Aufklärung gedeihen konnte, weil die katholische Hegemonie sie davor unterdrückt hatte.
Das heißt, es gibt Freiheit für alle, einschließlich Katholiken, solange diese nicht versuchen, das Recht zu beanspruchen, ihre Meinung zu soziopolitischen Fragen zu äußern, weil sie schon genug Schaden angerichtet haben.
Lassen wir die Willkür dieser Geschichtsdeutung beiseite. Die europäischen Säkularisten – Liberale, Sozialisten, Radikale usw. – treten mit dieser antidemokratischen und vorgefassten Meinung als Verbündete gegen die katholische Kultur auf. Der Respekt vor der Vielfalt ist offensichtlich nur dann und dort anzuwenden, wo es in das Konzept passt.

ZENIT: War der Widerstand gegen die Berücksichtigung der christlichen Wurzeln in der europäischen Verfassung etwa nicht nur eine Folge der Säkularisierung, sondern Aversion gegen die katholische Kultur?

Salina: Ohne Zweifel, genauso ist es. Säkularisierung der Institutionen bedeutet eine neutrale Einstellung und die Unterstützung aller kultureller Positionen, welche die Menschenrechte respektieren. Stattdessen liegt hier säkularistischer Fundamentalismus vor, der ebenso gefährlich ist wie alle Fundamentalismen: eine Kultur zu ächten bedeutet, eine andere aufzwingen zu wollen. Die Gefahren für die Freiheit sind offensichtlich.

ZENIT: Was war die Reaktion der Katholiken im Europaparlament?

Salina: Anders als es oft bei anderen Gelegenheiten war, bei denen die Kirche und die katholische Kultur angegriffen wurde, war dieser Fall so schwerwiegend, dass es Reaktionen gegeben hat. Auf eine gute Art, korrekt, aber stark, sowohl von katholischen Abgeordneten als auch von der europäischen Volkspartei (EVP).

ZENIT: Was wird Ihre Organisation, „Christen für Europa“, in dieser Angelegenheit tun?

Salina: Wir werden Kommissar Buttiglione umgehend unsere Solidarität ausdrücken und uns vehement gegen die Aussagen von Präsident Josep Borrell Fontelles wehren. Außerdem bereiten wir eine Kampagne vor, in der wir erklären, dass ein beträchtlicher Teil der europäischen Bevölkerung damit verletzt wurde. Diesen Teil der europäischen Bevölkerung möchten wir sensibilisieren, damit sie ihren Gefühlen Ausdruck verleihen.

ZENIT: Warum gibt es im Europaparlament soviel Ablehnung gegenüber der Familie?

Salina: Wie in anderen europäischen Staaten – beispielsweise neben Spanien in Frankreich und in Großbritannien – haben bestimmte politische Kräfte dem Land und seinem Parlament einen Solidaritätspakt für Paare vorgelegt, die sich entschieden haben zusammen zu leben – homosexuelle wie heterosexuelle. Ihr rechtlicher Status in Bezug auf Steuern, Krankenversicherung, Arbeitsrecht und Erbrecht soll dem einer Ehe zwischen Mann und Frau gleichgestellt werden. Es kann durchaus sein, dass es unter den Anhängern solche guten Glaubens gibt, dass dies Toleranz und Respekt für andere bedeutet, sich aber nicht der Konsequenzen bewusst sind, die solche radikale Maßnahmen für die Zukunft der Gesellschaft haben.
Jedoch komme ich nicht umhin zu glauben, dass das Motiv hier zumindest auch ein Schielen nach Wählerstimmen ist. In Italien – und nicht nur in Italien – zitieren nicht wenige wegen des Kriegs den Heiligen Vater und erklären, dass sie ihn als höchste moralische Instanz anerkennen.
Viele von ihnen haben bei anderer Gelegenheit im Europaparlament den Papst gegenüber dem UN-Hochkommissariat der Verletzung der Menschenrechte angeprangert und rechtfertigen sich damit, das sie schon unterscheiden könnten, wann der Papst richtig liege und wann nicht. Aber was ist das für eine moralische Autorität, die man der Verletzung der Menschenrechte anklagt? Auch hier glaube ich, ist man einfach auf Stimmenfang, insbesondere in katholischen Kreisen. 

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Zeit zum Einsatz für eine Demokratie ohne Maulkorb für Christen. Ein unerträglicher Maulkorb für einen Christen

Der Fall Buttiglione: Warum man auch in Zukunft seine Meinung sagen darf - Ein Kommentar von Hartmut Spiesecke

Wer Homosexualität für eine Sünde hält, befindet sich in guter Gesellschaft. Denn gleiches hat immerhin Gott erklärt; gleiches denkt auch Rocco Buttiglione, der als EU-Kommissar für Justiz- und Innenpolitik kandidiert. Es ist aber ein Irrtum, wenn man denkt, in einem weltanschaulich pluralistischen Europa könne man diese Ansicht äußern und dabei, wenn nicht auf Zustimmung, so doch auf Toleranz auch anderer Meinungen setzen. Das hat der Italiener Buttiglione in der vergangenen Woche erfahren. Zwar unterschied der frühere Philosophieprofessor mit Berufung auf Kant streng zwischen moralischem Urteil („Sünde“) und rechtlicher Einschätzung („legal“), aber das ging im Gewitter des angeblichen Skandals unter. In der aktuellen Politik darf man durchaus dafür streiten, daß ein homosexuelles Paar (eine sogenannte „eingetragene Lebenspartnerschaft“) Kinder adoptieren darf. Die Fast-Gleichstellung „eingetragener Lebenspartnerschaften“ mit der Ehe durch die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 war nur der erste Schritt. Nur mit Mühe und einigem verfassungsrechtlichen Aufwand wurden weitere Regelungen, z.B. im Steuerrecht, damals verhindert. Viele homosexuelle Prominente wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) oder FDP-Chef Guido Westerwelle fordern jedoch weitere Rechte.

Demokratie ohne freie Meinungsäußerung?

Natürlich darf man über solche Forderungen streiten! Wie anders als in Diskussion und Streit soll sich unsere Gesellschaft auf Werte und Rechte verständigen können? Für eine Diskussion ist aber Meinung Voraussetzung, und genau diese wird nun den Gegnern praktizierter Homosexualität verwehrt. Viele Christen halten Homosexualität für Sünde. Bedeutet das nun, daß sie alle auf politisches Engagement verzichten müssen? Haben diese Christen in unserer Welt kein Recht mehr darauf, ihre Meinungen auch zu äußern? Doch, lautet hierauf die klare Antwort. Gerade in solchen Fragen sind auch Christen aufgerufen, ihre Meinung zu sagen. Denn wie auch immer man eine Sachfrage einschätzt – das Recht darauf, diese Meinung zu äußern, ist ein elementares Recht unserer Demokratie. Es gibt schon zu denken, daß der Katholik Buttiglione im Innenausschuß des Europäischen Parlamentes kaum Zustimmung fand. Der Skandal aber liegt in einer Äußerung des EU-Abgeordneten Alexander Alvaro (FDP), ein Mann mit solchen Ansichten sei als EU-Kommissar nicht tragbar. Mit einem solchen Urteil wird ein Meinungsmaulkorb verhängt, der unangemessen und letztlich undemokratisch ist. Immerhin wiesen Abgeordnete wie Ewa Klamt (CDU) die Kritik klar zurück.

Wo sich Christen zu Wort melden müssen

Mehr denn je müssen Christen sich in unserer Gesellschaft zu Wort melden. Und sie haben auch einiges zum Streit der Meinungen beizutragen. Fast 150.000 offiziell gemeldete Abtreibungen jährlich in Deutschland, Möglichkeiten zur Aussonderung behinderten Lebens schon vor der Geburt durch PID (Präimplantationsdiagnostik), Familienpolitik, die sich in mehr Kindergartenplätzen und mehr Ganztagsschulen erschöpft – es gibt reichlich aktuelle Themen, an deren Diskussion Christen sich beteiligen sollten. Wo Hartz IV wochenlang öffentliche Medienberichte dominiert, können Christen auch andere inhaltliche Akzente setzen: Nicht jede Diskussion muß sich nur ums (liebe?) Geld drehen. „Darf, wer wie Buttiglione denkt und redet, im ansonsten meinungsfreudigen Brüssel also nicht Kommissar werden? Er darf und soll sogar: Diese Union ist eine Gesellschaft der Toleranz und Differenz“, schrieb Joachim Fritz-Vannahme in der „Zeit“. Begründete Meinungen sind hier nicht nur gefragt, sie sind in der Demokratie notwendig. Ich wünsche uns die nötige Kraft und Konsequenz, unsere Meinungen auch zu vertreten.


(idea)
(Der Autor, Dr. Hartmut Spiesecke (Berlin), leitet beruflich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft.

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Der Antikatholizismus  an Stelle des Antisemitismus gerückt, jeder könne unbehelligt über die Katholiken herziehen, erklärte der italienische Schriftsteller.


Rom, 22. Oktober 2004

In Europa ist der Antikatholizismus an die Stelle des Antisemitismus gerückt. Diese These vertrat der italienische Publizist Vittorio Messori. Er gab der italienischen Zeitung „Il Messaggero“ ein Interview, in dem er die Debatte um den designierten EU-Justiz und Innenkommissar Rocco Buttiglione zum Anlass nahm, um über die Situation der Katholiken in Europa zu sprechen.

„Katholisch“ falle heute nicht in die Kategorie „politisch korrekt“, und jeder könne deswegen unbehelligt über die Katholiken herziehen. „Gottseidank ist der Antisemitismus zu Ende“, stellte Messori fest. „Aber er wurde in der westlichen Kultur durch den Antikatholizismus ersetzt“, erklärte er.

Trotz zahlreicher Menschenrechtsverletzungen in islamischen Ländern „wagt niemand, schlecht über den Islam zu sprechen“, erklärte Messori. Angriffe auf die katholische Kirche bekämen jedoch öffentlichen Applaus. Nach Ansicht des Schriftstellers gibt es jedoch Hoffnung: Die Gläubigen könnten durch die „antikatholische Wut“ ihre eigene Identität neu entdecken.

„Das Christentum, und im Besonderen der Katholizismus, braucht einen Gegenspieler, um seine eigene Identität und seine eigene Kraft wieder zu entdecken“, erklärte der italienische Publizist. Die Katholiken stünde heute vor der Gefahr, „gewöhnliche Talk-Show-Persönlichkeiten zu werden, die ein freundliches Blabla von sich geben und bereit sind, mit allen in Dialog zu treten, auch mit dem, der sie einen Kopf kürzer machen will.“

„Wenn die Kirche neutrale oder gewöhnliche Dinge friedlicher Art sagt, werfen alle sich ihr zu Füßen“, bemerkte Messori. Wenn sich der Papst jedoch überhaupt nicht an das „politisch Korrekte“ halte, wie es im Fall der Veröffentlichung des Dokuments von Kardinal Ratzinger über die Frauen in der Kirche gewesen sei, „dann explodiert, mehr oder weniger gut maskiert, der Antiklerikalismus von allen Seiten“. 

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EU-Parlament von atheistischen Fundamentalisten unterwandert?

Ein Kommentar von Stephan Baier / DIE TAGESPOST  (28.10.2004)

 "Die Ideologen der linken Fraktionen wollen die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe. Wer sich diesem Ziel in den Weg stellt, darf nicht auf Schonung hoffen"

Der Streit um Rocco Buttiglione ist eskaliert: so sehr, dass der designierte Kommissionspräsident Barroso seine gesamte Mannschaft zurückziehen musste und der alte Kommissionspräsident Prodi seine Präsenz in Brüssel verlängern muss. Der Streit ist eskaliert, weil die linke Seite des Europäischen Parlaments – Kommunisten, Sozialisten, Grüne und Teile der Liberalen – ihn eskalieren lassen wollte. Und sie wollte dies, um ein unübersehbares Zeichen zu setzen: Wer, wie Rocco Buttiglione, aus seinem persönlichen Glauben heraus praktizierte Homosexualität für „Sünde“ und die so genannte traditionelle Familie für verteidigenswert hält, darf nicht auf Toleranz hoffen.

Die Ideologen der linken Fraktionen wollen die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe. Wer sich diesem Ziel in den Weg stellt, darf nicht auf Schonung hoffen. Die europäische Christdemokratie hingegen gab sich staatstragend: Von Anfang an war sie bereit, ehemalige Kommunisten und überproportional viele Linksliberale in der künftigen Kommission zu dulden, bei Interessenskonflikten und Inkompetenzen ein Auge zuzudrücken, um einer insgesamt guten Kommission freie Fahrt zu lassen. Buttiglione verteidigten die Christdemokraten eher halbherzig. EVP-Chef Hans-Gert Pöttering betonte, wie wichtig die Vielfalt des kulturellen und religiösen Hintergrunds bei den Kommissaren sei.

Der Streit um Buttiglione beweist, dass die weltanschauliche Auseinandersetzung um die Gesellschaftspolitik nur eine Alternative kennt: Kampf oder Kapitulation. Die für Europa entscheidende Frage ist nicht, wie Barroso eine Mehrheit findet, sondern ob Buttiglione in seiner persönlichen Beurteilung der Familie Recht hat. Hier muss Europas Christdemokratie noch viel mutiger Farbe bekennen.

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Meisner: 'Königsteiner Erklärung' war 'verheerend'

Kölner Kardinal: "Eines der Grundübel, daß die Deutsche Bischofskonferenz 1968 nach der Veröffentlichung der Papstenzyklika "Humanae Vitae" die "Königsteiner Erklärung" verabschiedet habe"

Kassel (idea, 27. Oktober 2004)
Die Forschung an embryonalen Stammzellen bedeutet eine "Mitwirkung an einer Tat zum Bösen" und ist deshalb aus ethischer Sicht abzulehnen. Das sagte Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, beim Treffen Christlicher Lebensrechtsgruppen (TCLG) am 23. Oktober in Kassel. Da zur Gewinnung der Stammzellen ein Embryo getötet werde, handele es sich um eine Instrumentalisierung des Menschen. Das sei nicht vertretbar, auch wenn man mit der Stammzellenforschung neue Heilverfahren für schwere Krankheiten finden wolle. "Ich kann und darf nicht einen Menschen opfern, um einen anderen zu heilen", so Meisner. Nach Ansicht des Erzbischofs hat sich in den vergangenen Jahren in den westlichen Kulturen ein Wandel "von Weltanschauungsfragen zu Menschenanschauungsfragen" vollzogen. In manchen Gesellschaften würden Christen daran erkannt, daß sie als einzige Gruppe das menschliche Leben von seinem Anfang bis zu seinem Ende für schützenswert halten. Negativbeispiele sind für Meisner die Niederlande und Belgien, die "barbarische Euthanasiegesetze" eingeführt hätten.

Den Kirchen stellte der Kardinal kein uneingeschränkt positives Zeugnis in ihrem Kampf für einen besseren Lebensschutz aus. So sei eine Fortschreibung des Papiers "Gott ist ein Freund des Lebens", das 1989 von EKD und katholischer Deutscher Bischofskonferenz veröffentlicht wurde, heute nicht mehr möglich. Meisner macht dafür die Erweiterung der EKD um die Landeskirchen in den neuen Bundesländern verantwortlich. Diese hätten bereits in der DDR-Zeit der Fristenregelung bei der Abtreibung wenig entgegengesetzt. Kritik übte der Erzbischof aber auch an seiner eigenen Kirche. Es sei eines der Grundübel der weiteren Entwicklung gewesen, daß die Deutsche Bischofskonferenz 1968 nach der Veröffentlichung der Papstenzyklika "Humanae Vitae", in der künstliche Verhütung verworfen wird, die "Königsteiner Erklärung" verabschiedet habe, die die Entscheidung über Verhütung ins Gewissen der Eheleute stellt. Meisner nannte es "verheerend", daß die Bischöfe von einem falschen Gewissensbegriff ausgegangen seien. Das Gewissen schaffe keine Werte, sondern orientiere sich an einer vorhandenen Norm, betonte er. Diese sei durch die Papstenzyklika formuliert worden. Heute werde "Humanae Vitae" sogar von einem Teil der feministischen Bewegung respektiert, weil die Antibabypille zur "Vermarktung der Sexualität" geführt habe.

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Ökumene in der Kontroverse


Mit einem Festakt in der evangelischen St.-Anna-Kirche gedachten heute evangelische und katholische Christen der 1999 erfolgten Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“. Der Regensburger Bischof Professor Dr. Gerhard Ludwig Müller, Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, und der evangelische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich würdigten das damalige Ereignis und warfen einen Blick in die ökumenische Zukunft. „Wir können auch heute ein Te Deum anstimmen“, sagte Bischof Gerhard Ludwig. Denn es gehe letztlich um die alles bestimmende Frage nach der Relation des Menschen zu Gott. „Der Feind des ökumenischen Gedankens ist heute nicht mehr ein enger Konfessionalismus, sondern die Indifferrenz in Glaubensfragen“, so der Ökumene-Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. - Lesen Sie mehr im Bericht der Pressestellte des Bistums Regensburg! - Mit fünf Antithesen zu der vor fünf Jahren am 31. Oktober 1999 in Augsburg unterzeichneten "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung" (GE) erinnerte der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg daran, daß die Rechtfertigung nach katholischer beziehungsweise protestantischer Lehre zutiefst unterschiedlich verstanden werde. "Einen Fortschritt in der Sache habe es in Augsburg nicht gegeben", so das Fazit des Hamburger Initiativkreises. Die Formel vom "differenzierten Konsens" sei bloß ein semantischer Kunstgriff und täusche eine Übereinstimmung vor, die nicht existiere. 

Lesen Sie die fünf Antithesen zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung, wie sie von kath.net dokumentiert werden!

Antithesen-Anschlag am Großen Michel in Hamburg

Der „Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg“ stellt fünf Antithesen zur „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung“ auf.

Hamburg (kath.net, 28.10.2004) Ein Thesen-Anschlag der besonderen Art findet am Freitag in Hamburg statt: Mit fünf Antithesen zu der vor fünf Jahren am 31. Oktober 1999 in Augsburg unterzeichneten „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung“ (GE) will der „Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg“ daran erinnern, dass Rechtfertigung in katholischer und in protestantischer Lehre zutiefst unterschiedlich verstanden wird.

Einen Fortschritt in der Sache habe es seit Augsburg auch nicht mehr gegeben, erklärt der Initiativkreis in einer Presseaussendung am Donnerstag. Die Formel vom „differenzierten Konsens“ sei bloß ein semantischer Kunstgriff und täusche eine Übereinstimmung vor, die nicht existiere. Die Rechtfertigungserklärung sei ein „Meisterwerk der Eloquenz“, dem es aber an der gemeinsamen Sprache des Glaubens fehle, zitiert der Initativkreis unter anderem den Dogmatiker Leo Kardinal Scheffczyk aus einem 2003 erschienenen Werk.

Der Initiativkreis wird die Antithesen zur Rechtfertigungserklärung am Freitag, 29. Oktober, um 14.00 Uhr, symbolisch an das Hauptportal der Hauptkirche St. Michaelis (Großer Michel) anbringen. Anlass dafür ist der ökumenische Gottesdienst am 31. Oktober 2004 mit Landesbischöfin Maria Jepsen und Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, mit dem der 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Rechtfertigungserklärung gefeiert werden soll. 

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 „Fünf Antithesen zur Rechtfertigungserklärung“:

Antithese 1: Katholiken lehnen die protestantischen Prinzipien „sola scriptura“ (allein durch die Schrift), „sola fide“ (allein durch den Glauben) und „sola gratia“ (allein durch die Gnade) als gegen den Glauben gerichtet ab (GE 8, 15, 19). Nicht „sola scriptura“, sondern Heilige Schrift und apostolische Überlieferung beinhalten die göttliche Offenbarung, deren verbindliche Auslegung nur dem Lehramt der katholischen Kirche anvertraut ist! Nicht „sola fide“, sondern Glaube, Liebe und Reue bewirken die Rechtfertigung! Nicht „sola gratia“, sondern Gnade und Mitwirkung des Menschen führen zum ewigen Heil!

Antithese 2: Katholiken bekennen im Gegensatz zu den Protestanten, dass das Bußsakrament für den Getauften, der schwer sündigt, zum Heil notwendig ist.

Antithese 3: Katholiken lehnen die Lehre der Lutheraner ab, wonach der rechtfertigende Glaube ein bloßes Vertrauen des Menschen auf Gott, den Schöpfer und Erlöser (Fiduzialglaube) ist (GE 31, 35). Vielmehr ist der rechtfertigende Glaube Glaubensakt und Glaubensinhalt zugleich (fides quae et fides qua creditur). Wer Dogmen der Kirche leugnet, verliert die Rechtfertigung.

Antithese 4: Katholiken lehnen die Auffassung der Protestanten ab, wonach die Begierlichkeit (Konkupiszenz), die im Gerechtfertigten nach der Taufe bleibt, „wahrhaft Sünde“ (GE 29) ist. Sie stammt vielmehr aus der Sünde und macht zur Sünde geneigt.

Antithese 5: Katholiken lehnen die Auffassung der Protestanten ab, Gott würde dem Christen rein äußerlich „die Gerechtigkeit Christi“ zusprechen (GE 29) und dem Sünder seine Sünde bloß nicht anrechnen (GE 22). Vielmehr wird der Gerechtfertigte von aller Sünde befreit und in ein neues „Sein in Christus“, in den Stand der Gnade, erhoben. Der Christ ist nicht „zugleich Gerechter und Sünder“ (simul iustus et peccator) (GE 29), wie die Lutheraner sagen, sondern entweder im Stand der Gnade oder im Stand der schweren Sünde.  

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DAS BIBLISCHE FUNDAMENT DER KATHOLISCHEN KIRCHE

Es gibt keine 100 Leute in Europa, die die römisch-katholische Kirche hassen.

Es gibt aber Millionen, die hassen, was sie fälschlicherweise für die katholische Kirche halten.

Mit diesem Beitrag wird versucht zu zeigen, wie sehr die katholische Kirche auf dem biblischen Fundament ruht. Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass die katholische Tradition die biblischen Grundwahrheiten hinter sich gelassen hat. Tatsächlich sind aber alle wesentlichen Merkmale der katholischen Lehre (wie z.B. das Papsttum, die Marien- und die Heiligenverehrung) fest in der Schrift verankert. Es soll hier auch aufgezeigt werden, dass die zwei Grundpfeiler der protestantischen Lehre („Sola Fide" und „Sola Scriptura") wohl dem theologischen Verständnis der Reformatoren entsprechen aber in keiner Weise biblisch begründbar sind. Die aufgeführten Argumente und Bibelstellen können von jedem Menschen guten Willens überprüft werden. Denn wenn wir einmal vor unserem Schöpfer stehen, werden wir auf die Frage antworten müssen, wie wir unser Leben genutzt haben, um die Wahrheit zu erkennen und danach zu leben. 

Die Verheißung aber ist uns gewiss: „Wer sucht der findet, wer klopft, dem wird aufgetan" und „wer Ohren hat zum hören, der höre".

 

"GLAUBE ALLEIN" (SOLA FIDE) ODER "GLAUBE UND WERKE"?

Die protestantische Lehre steht auf zwei Pfeilern: dem „Sola Fide" (Rechtfertigung nur aufgrund des Glaubens) und dem „Sola Scriptura" (Akzeptanz der Bibel als alleinige Autorität). Beide Pfeiler halten einer kritischen Überprüfung nicht stand.

Die Rechtfertigung des Menschen aus dem Glauben alleine, leitete Luther aus dem Römerbrief 3,28 ab:

· „Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes".

Dabei wird aber das Schriftwort aus dem Galater Brief, der ebenfalls von Paulus stammt, außer Acht gelassen:

· „Denn in Christus Jesus kommt es nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist." (Galater 5,6).

Der hl. Paulus lehrte an keiner Stelle, wir würden gerechtfertigt allein aufgrund des Glaubens. Vielmehr wollte er in Römer 3,28 sagen, dass die mechanistische Befolgung der jüdischen Rituale und Regeln (Paulus war vor seiner Bekehrung Pharisäer), nicht zum Heil führen. Wie die Stelle im Galater Brief zeigt, sagte Paulus selbst, dass nur ein Glaube, der in Liebe wirksam ist, zum Heil führt.

Wenn wir den Jakobusbrief beiziehen, wir der Sachverhalt noch klarer. Im Jakobusbrief 2,24 steht:

· „Ihr seht, dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein."

Und in 1 Korinther 13,2 steht:

· „Wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts." (1 Kor, 13,2).

„Sola Fide" ist also gar nicht biblisch! Es scheint, dass Luther mit seiner eigenen theologischen Ansicht offen der Bibel widersprach. Er ging sogar soweit, dass er in seiner Übersetzung des Römerbriefes 3,28 nach dem Wort „Glauben" eigenmächtig das Wort „alleine" hinzufügte. Weil im Jakobusbrief steht, dass der Mensch nicht durch den Glauben alleine gerechtfertigt wird sondern auch durch gute Werke, bezeichnete Luther den Brief gar als eine recht „stroherne Epistel".

"SCHRIFT ALLEIN" (SOLA SCRITPURA) ODER "SCHRIFT UND KIRCHE"?

Der zweite Pfeiler der reformierten Lehre ist das „Sola Scriptura". Nach dieser Lehre, ist die Bibel die absolute Autorität - kein Papst, keine Konzilien der Kirche und keine Tradition.

Aber wo lehrt die Schrift „Sola Scriptura". Es ist anzunehmen, dass Christus den Jüngern nicht einfach nur ein Buch und seinen Geist hinerlassen hat. Er sagt auch den Aposteln an keiner Stelle in den Evangelien, sie sollten etwas aufschreiben. Bei genauer Betrachtung wird klar, dass die Bibel selbst die mündliche Überlieferung erlaubt. „Sola Scriptura „ ist unbiblisch und nicht haltbar!

In 2 Tessalonicher 2,15 heißt es:

· „Seid also standhaft, Brüder, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief."

Außerdem sagt die Schrift in 1 Timotheus 3,15, dass die Säule und das Fundament der Wahrheit die Kirche ist:

· „Falls ich nicht länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Hauswesen Gottes verhalten muss, das heißt in der Kirche des lebendigen Gottes, die die Säule und das Fundament der Wahrheit ist."

Was ist dem noch beizufügen.

Die Protestanten führen zur Begründung von „Sola Scriptura" gerne 2 Timotheus 3,16 an:

· „Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit."

Hier heißt es aber „jede" von Gott eingegebene Schrift, nicht die Schrift alleine. Gebet, Verkündigung und viele andere Dinge sind auch wichtig.

Das „Sola Scriptura" stellt das historische Bekenntnis der Reformatoren gegenüber dem katholischen Anspruch von Schrift plus Kirche und Tradition dar. Dies ist aber eine theologische Voraussetzung der Reformation und keine bewiesene Schlussfolgerung. Die Schrift bestätigt eindeutig die katholische Position von Schrift plus Kirche und Tradition.

Die Frage ist nun, welche Kirche „die Säule und das Fundament der Wahrheit" ist. Seit der Reformation sind weltweit mehr als 25'000 verschiedene protestantische Kirchen entstanden, und Experten sagen, dass zur Zeit jede Woche fünf neue dazukommen. Jede einzelne erhebt für sich den Anspruch, dem Heiligen Geist und dem einfachen Sinn der Schrift zu folgen.... Gott weiß, dass wir da noch etwas anderes brauchen. Mir ist außer der Katholischen Kirche keine bekannt, die den Anspruch erhebt „Säule und Fundament" der Wahrheit zu sein, und in lückenloser Folge bis auf Petrus zurückzugehen.

Schließlich legen auch praktische Überlegungen nahe, dass „Sola Scriptura" unsinnig ist. Es ist vergleichbar mit der absurden Idee, sich voll und ganz auf die deutsche Verfassung zu verlassen ohne ein Parlament, einen Kanzler und einen Gerichtshof zu wählen.

Wenn die katholische Kirche in diesem entscheidenden Punkt falsch läge, dann wäre es mehr als eine Macke; denn keine Konfession der Welt erhebt so unerhörte Ansprüche wie Rom. Wenn die Katholische Kirche andererseits aber Recht hätte, dann müsste sie göttlichen Ursprungs und göttlich bewahrt worden sein.

 

DER PAPST – DER FELS, AUF DEM CHRISTUS SEINE KIRCHE BAUT

Viele Protestanten glauben, dass der Papst der Antichrist und die Katholische Kirche „die Hure Babylon" sei. Aus biblischer Sicht ist aber die Rolle des Papstes ganz klar. Jesus gibt gab Simon dreierlei: erstens den neuen Namen Petrus (der Fels); zweitens die Zusage, seine Kirche auf Petrus zu gründen; und drittens die Schlüssel des Himmelreiches.

In Matthäus 16, 17-19 lesen wir:

16   Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
17   Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir

nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.
18   Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, und des Hades

Pforten werden sie nicht überwältigen.
19  Und ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was immer du auf der Erde binden wirst, wird

in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.

Die Schlüssel sind ein Symbol für das Amt und den Primat des Petrus, die an seine Nachkommen weitergegeben

werden sollen; so ist es durch die Jahrhunderte geschehen. Die Bedeutung der Schlüssel kann auch aus Jesaja 22, 20 – 22 erkannt werden.

Protestanten und Katholiken sind sich einig, dass Gott Petrus zumindest bei einigen Gelegenheiten ganz sicher unfehlbar machte, zum Beispiel als er den ersten und den zweiten Petrusbrief schrieb. Wenn Gott ihn somit in seiner autoritativen schriftlichen Lehre unfehlbar sein ließ, warum sollte er ihn nicht vor Irrtümern bewahren können, wenn er als Autorität in Person spricht? Außerdem, wenn Gott es bei Petrus und bei den anderen Aposteln, die an der Bibel schrieben, so machen konnte, warum kann er es dann nicht auch genauso bei ihren Nachfolgern machen, zumal er ja das Durcheinander vorhersehen konnte, das kommen würde, wenn er es nicht machte? Und schließlich... wie können wir denn sicher sein, dass selbst die siebenundzwanzig Bücher des Neuen Testamentes das unfehlbare Wort Gottes sind, da doch fehlbare Konzilien und Päpste der Kirche diese Liste aufgestellt haben?

 

DAS ABENDMAHL – KEIN SYMBOL SONDERN GOTT SELBST

Nach dem Hebräerbrief ist die Feier der Liturgie für den Bund ganz entscheidend. Liturgie bedeutet die Weise, in der Gott sich seiner Bundesfamilie väterlich annahm und seinen Bund regelmäßig erneuerte.

Entscheidend für das Verständnis der Bedeutung des Abendmahles ist die Bibelstelle Joh 6,52-68. Wenn man diese Bibelstelle genau studiert ist es unverständlich, wie man annehmen kann, dass Jesus „symbolisch" gesprochen habe, als er uns lehrte, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken.

Joh 6,52-68

52   Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?
53   Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschebsohnes eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst.
54   Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag;
55   denn mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank.
56   Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm.
57   Wie der lebendige Vater mich gesandt hat, und ich lebe um des Vaters willen, so auch, wer mich ißt, der wird auch leben um meinetwillen.
58   Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Nicht wie die Väter aßen und starben; wer dieses Brot ißt, wird leben in Ewigkeit.
59   Dies sprach er, als er in der Synagoge zu Kapernaum lehrte.
60   Viele nun von seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?
61   Da aber Jesus bei sich selbst wußte, daß seine Jünger hierüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch dies?
62   Wenn ihr nun den Sohn des Menschen [dahin] auffahren seht, wo er zuvor war?
63   Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben;
64   aber es sind einige unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wußte von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer es war, der ihn überliefern würde.
65   Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, daß niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben.
66   Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.
67   Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr etwa auch weggehen?
68   Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens;

Wenn es sich bei der Aufforderung Jesu, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken um ein bloßes Symbol gehandelt hätte, dann wären die Juden nicht so empört und schockiert gewesen. Die Juden haben deshalb Jesus so empört verlassen, weil sie dachten, er sage ihnen etwas über Kannibalismus.

Warum hätte Jesus es zulassen sollen, dass die meisten seiner Jünger ihn wegen eines Missverständnisses verließen? Hätte er nicht zumindest seinen engsten Jüngern erklären müssen, dass er nur den Glauben an ein symbolisches Opfer meinte? Denn auch an anderen Stellen in der Schrift klärt er Missverständnisse auf.

Die Frage stellt sich, wie es möglich ist, dass Jesus seinen Jüngern als Mensch tatsächlich beim letzten Abendmahl seinen Leib und sein Blut geben konnte. Der Schlüssel zu dieser Frage liegt in der Brotvermehrung, über die vorher im selben 6. Kapitel des Johannesevangeliums berichtet wird. Die Brotvermehrung sollte ein Hinweis sein auf die wunderbare Vermehrung des Leibes und Blutes Jesu für das Leben der Welt. Und obwohl Jesus im Abendmahlssaal allein seiner Menschheit nach seinen Leib und sein Blut nicht hätte trennen und sich seinen Jüngern nicht so hätte hingeben können, so war er niemals nur menschlich. Jesus war ganz göttlich und ganz menschlich.

Wenn das Gesagte stimmt, stellt sich die Frage, weshalb viele Katholiken das Abendmahl nicht würdiger begehen. Es ist zu beobachten, wie Leute die Kommunion empfangen und gleich zur Tür hinauslaufen. Kann man sich vorstellen, zu einem Essen eingeladen zu sein und sich nicht einmal beim Gastgeber zu bedanken, der alles bereitet hat? Diese Leute empfangen den Herrn der ganzen Welt, den Gottmenschen, der sein Leben hingegeben hat für ihre Erlösung und sie haben keine Zeit, ihm für dieses unglaubliche Geschenk zu danken. Die Haltung nach der Kommunion ist oft die des Judas: nehmen und gehen.

Übrigens: die Bibel und die Liturgie gehören zusammen wie die Speisekarte und das Essen.

 

MARIA – MUTTER GOTTES UND MUTTER ALLER MENSCHEN

Viele Katholiken können sich nicht vorstellen, wie schwer den Bibelchristen die Marianischen Lehren und Gebetsformen fallen. Den Protestanten fällt es schwer zu verstehen, dass die Katholiken Maria nicht „anbeten" sondern sie nur verehren. Gründe für diese Verehrung gibt es viele:

· Christus hat als Mensch das Gesetz Gottes vollkommen erfüllt, einschließlich des Gebotes, seinen Vater und seine Mutter zu ehren. Christus ehrte somit nicht nur seinen himmlischen Vater; er ehrte auch vollkommen seine irdische Mutter Maria, indem er ihr seine göttliche Herrlichkeit verlieh.

· Der zweite Gedanke liegt in der Nachfolge Christi. Wir folgen Christus einfach darin nach indem wir nicht nur unsere eigene Mutter lieben, sondern auch all jene, die er ehrt – mit derselben Ehre, die er erweist.

Maria ist Gottes Meisterwerk. Könnte man sich vorstellen, dass ein Künstler, der in einem Museum seine Werke ausstellt beleidigt ist, wenn man sein Meisterwerk genauer betrachtet? Würde er es uns übel nehmen, dass wir das Bild anstatt ihn selbst anschauen. Und wenn jemand die Kinder einer Mutter lobt, würde sich die Mutter dann ärgern und sagen „Ehre wem Ehre gebührt"? Würde sie sich nicht eher über das Lob der Kinder freuen, wissend, dass es indirekt auf sie selbst zurückfällt.

Marias Sendung besteht einzig darin, über sich hinaus auf ihren Sohn zu verweisen und uns zu sagen: „Was er euch sagt, das tut". (vgl. Johannes 2,4-5). Aus der Geschichte der „Hochzeit zu Kana" (Johannes 2, 1-12) kann auch die führbittende Rolle Mariens abgeleitet werden. Obwohl Jesu Zeit noch nicht gekommen ist, verwandelt er auf die Bitte Mariens hin Wasser in Wein. Wenn Jesus zu Lebzeiten den Wünschen seiner Mutter entsprach, wie viel mehr wird er dies jetzt tun, da er mit ihr im Himmel vereint ist.

Seit jeher bezog die Katholische Kirche das 17. Kapitel der Offenbarung („Die Frau und der Drache") auf Maria. Aus Offenbarung 12,17 kann gefolgert werden, dass wir zu den „Nachkommen" Mariens zählen, dass wir wahrhaft ihre geistigen Kinder sind.

„Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes gehorchten und an dem Zeugnis für Jesus festhalten".

Diese Bibelstelle hilft uns Johannes 19, 26-27 richtig zu deuten; die so wichtige Bibelstelle, in der Jesus vom Kreuz herab seine Mutter Maria, zur Mutter der gesamten Menschheit macht (Johannes steht hier stellvertretend für die gesamte Menschheit).:

· „Als Jesus seine Mutter sah und ihr bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau siehe dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter!"

Aufgrund dieser Stelle lehrt die Katholische Kirche, dass Jesus, der dem „geliebten Jünger" Maria gegeben hat, sie damit auch jedem seiner geliebten Jünger im voraus gegeben hat. Wir sind geliebte Jünger Jesu. Sollten wir denn nicht Maria, so wie Johannes, auch als unsere Mutter annehmen?

Einige Gedanken zum Rosenkranzgebet. In Lukas 1,28 und 1,48 heißt es:

· „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir." und „von nun an preisen dich selig alle Geschlechter".

Auf diese Bibelstellen bezieht sich das Rosenkranzgebet, welches Maria mit dem englischen Gruß aus Lukas 1,28 anspricht und sie durch das Gebet selig preist. Im Zentrum dieses Gebetes steht nicht Maria sondern Jesus. In diesem Gebet werden wir „durch die Schule Mariens" betrachtend zu Jesus hingeführt.

Viele denken, dass der Rosenkranz ein plapperndes Beten ist, das Jesus ablehnt. Dem ist aber nicht so. Das Rosenkranzgebet fordert uns auf, uns nicht als erwachsene Christen zu betrachten, sondern als kleine Kinder vor dem Herrn. Wenn unsere eigenen kleinen Kinder immer wieder sagen würden „Ich liebe Dich, Mama, bitte für mich", würden wir ihnen doch nicht antworten, „mein Kleines, dies ist doch alles Plapperei". Genauso sagen wir durch den Rosenkranz zu Maria, „ich liebe dich, Mama, bitte für mich".

Ein letztes, für Protestanten ist es ein Gottesdienst, wenn gesungen, gebetet und eine Predigt gehalten wird. Wenn daher Katholiken Marienlieder singen, in ihren Gebeten um etwas bitten und über Maria predigen, dann schließen Protestanten draus, dass sie gottesdienstlich verehrt wird. Diese Annahme ist aber falsch. Für Katholiken bedeutet Gottesdienst das Opfer des Leibes und Blutes Jesu, und Katholiken würden nie Maria auf dem Altar als Opfer oder ein Opfer zu Maria im Gottesdienst feiern.

 

DIE KINDERTAUFE – BIBLISCH  KLAR VERANKERT

Im Alten Testament war das Zeichen für den Beitritt zum Bund Gottes die Beschneidung. Im Neuen Testament änderte Christus dies durch die Taufe. Verschiedene Bibelstellen rechtfertigen die Kindertaufe und stellen sie als älteste Praxis der Christen darstellen.

Als Petrus zu Pfingsten seine erste Predigt beendet hatte, riefe er alle dazu auf, Christus anzunehmen und in den Neuen Bund einzutreten:

· „Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung ..." (Apg 2,38-39).

Es ist auch bekannt wie sehr Jesus die Kinder liebte:

· „Lasset die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich" (Mt 19,14).

 

DIE GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN – UNSERE FAMILIE IM HIMMEL

Das 11. Kapitel des Hebräerbriefes enthält eine großartige Aufzählung all der Heiligen, die aufgrund ihres Glaubens so viel für Gott auf sich genommen haben, bis hin zur Hingabe ihres eigenen Lebens.

Nach protestantischem Verständnis ist die Gemeinschaft der Heiligen im Himmel getrennt von der Gemeinschaft der Menschen. Eine Beziehung besteht nur zwischen jedem von uns und dem Herrn. Doch im Hebräerbrief Kapitel 12, 1 heißt es, dass wir hier als Menschen umgeben sind (Präsens!) von all den Brüdern und Schwestern, die uns vorangegangen sind.

· „Da uns eine Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in den Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist."

Wir dürfen also annehmen, dass wir ständig in Gemeinschaft mit den bereits Verstorbenen sind. Schließlich dürfen wir – wie bei Maria – auch annehmen, dass die „uns im Glauben Vorangegangenen" für uns betend bei Gott eintreten können. Denn wenn schon das inständige Gebet eines Gerechten viel vermag, wie es im Jakobusbrief heißt, wie viel mehr vermag dann erst das Gebet eine Vollkommenen?

· „Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten" (Jakobus 4, 16).

Wenn ich meine irdische Mutter bitten kann, für mich zu beten, und weiß, dass Gott ihre Bitten erhöht, warum sollte ich dann nicht auch die Mutter Jesu und die Heiligen bitten können, für mich zu beten? Dies wäre keine Totenbeschwörung. Diese Seelen leben ja; sie sind nicht tot.

Außerdem sagt die Schrift uns, dass die im Himmel an derselben Liturgie teilnehmen wie die auf Erden. Wir sind somit eine Familie in der Gegenwart des Herrn.

In diesem Sinne können wir auch glauben, dass verstorbene Familienmitglieder zu wertvollen Fürsprechern im Himmel werden.

 

DAS FEGEFEUER – FEUER DAS REINIGT UND ZU GOTT FÜHRT

Im Hebräerbrief 12, 29 wird Gott als „verzehrendes Feuer" bezeichnet. Dies bezieht sich nicht auf Gottes Zorn. Es gibt das Feuer der Hölle, es gibt aber auch das unendlich viel größere Feuer des Himmels. Das ist Gott selbst. Feuer bezieht sich hier auf Gottes unendliche Liebe. Gottes Wesen ist wie ein brodelndes Feuer der Liebe.

Deswegen sagt der heilige Paulus in 1 Korinther 3,13, dass alle Heiligen durch eine Feuerprobe hindurch müssen, in der „das Werk eines jeden offenbar wird".

Vers 15 macht deutlich, dass einige Heilige, die für den Himmel bestimmt sind, durch Feuer und Leiden hindurchgehen werden:

· „Brennen die Werke eines Menschen nieder dann muss er den Verlust tragen; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch".

Das Feuer ist da, um die Heiligen zu reinigen. Es ist ein reinigendes Feuer, das läutert und darauf vorbereitete, vom verzehrenden Feuer der liebenden Gegenwart Gottes für immer umfangen zu werden.

„DU SOLLST DIR KEIN BILDNIS MACHEN"

Wie kann man erklären, dass Statuen und Bilder von Jesus und Maria und den Heiligen erlaubt und sogar gefördert werden, wo doch eines der 10 Gebote es verbietet, sich Götzenbilder zu machen und sie zu verehren?

Die Antwort ist einfach. Genauso, wie Familienfotos, erinnern uns die Statuen und Gemälde von Jesus, Maria und von Heiligen an sie. Mit dem Gebot sich keine Götzenbilder zu machen, ist gemeint, dass wir die Bilder nicht per se verehren dürfen (so wie die Juden das goldene Kalb auf dem Berg Sinai).

Ja, wir sollten die Bilder und Statuen sogar verbreiten, denn sie können uns helfen die Beziehung zu Jesus, Maria und den Heiligen zu vertiefen.

Wenn die Oblate, die von den Katholiken verehrt wird, nicht Christus ist, dann ist das Hinknien und Beten vor der Eucharistie, wie die Katholiken es praktizieren, abgöttisch und gotteslästerlich. Wenn es aber tatsächlich Christus ist, ist dann nicht sogar das „Hinknien" zu wenig... Was können wir überhaupt tun, um uns vor dem Angesicht des Schöpfers, vor dem König der Könige, würdig zu verhalten.

 

ZUM SCHLUSS

Glaubt, was ihr lest. Sprecht darüber. Betet darüber. Lernt es auswendig. Taucht darin ein, wie in ein warmes Bad! Begreift es so gut, dass ihr noch mehr daraus leben und noch freudiger darüber sprechen könnt. So wird euer Glaube ansteckend werden. Katholiken können und müssen die Schrift auswendig lernen! Wir brauchen mehr ansteckende Katholiken!

Viele der hier erwähnten Gedanken sind dem Buch „Unser Weg nach Rom" von Scott und Kimberly Hahn entnommen (Christiana Verlag). Die Lektüre dieses spannenden und leicht lesbaren Buches ist sehr zu empfehlen.

Adrian H.B. Fopp

 

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Schweiz (kath.net) Segnungsfeiern statt Taufen, gelockerte Bestimmungen bei den Sonntagsgottesdiensten und Trauungen außerhalb der Kirche: Diese geplanten Änderungen der Kirchenordnung diskutieren die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn auf ihrer Sommersynode, wie laut Bericht der "Aargauer Zeitung" am Samstag bekannt wurde. Die Kirchenordnung stammt aus dem Jahr 1990. Die Teilrevision sei nötig, da sich das Verständnis des Gottesdienstes und der kirchlichen Handlungen geändert habe sowie die theologischen Anschauungen. Das Kirchenparlament will auf seiner Sitzung vom 2. bis 4. Juni 2003 die geplanten Änderungen beschließen.

Segensfeiern wird es künftig für jene Eltern geben, die ihre Kinder nicht taufen lassen wollen mit dem Argument, ihnen die Entscheidung für einen Beitritt zur Kirche selbst zu überlassen. Immer mehr Pfarrerinnen und Pfarrer seien bereit, Kindersegnungen zu vollziehen, schreibt der Synodalrat in der Begründung des Antrags. Theologisch sei gegen Kindersegnungen nichts einzuwenden. Weiters sollen Trauungen künftig nicht mehr strikt an Gotteshäuser gebunden sein. Sie können außerhalb der Kirche, jedoch "in einem würdigen Rahmen" stattfinden. "Event"-Trauuungen seien nicht zu rechtfertigen. Im reformierten Verständnis sei auch die Natur ein "kirchlicher Raum".

Die Regelung, wonach jede Kirchengemeinde jeden Sonntag einen Gottesdienst zu feiern hat, wird ebenso gelockert. Ursache sei die Kürzung von Pfarrstellenprozenten sowie die Beliebtheit von Alternativen zum Sonntagmorgen-Gottesdienst in manchen Gemeinden, schreibt der Synodalrat. Der Sonntagsgottesdienst soll künftig offiziell "gelegentlich" auf Samstag oder einen anderen Wochentag verlegt werden oder in begründeten Fällen ausfallen können. Geregelt wird auch die kirchliche Bestattung von Personen, die nicht Mitglied der Kirche waren. Der Pfarrer kann künftig aus seelsorgerischen Gründen die Bestattung übernehmen, die Gemeinde muss jedoch einen Beitrag zu den Kosten leisten. Laut Kirchenordnung "sollte" der Pfarrer die Bestattung solcher Personen nicht verweigern.

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Bedeutende Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten

1. In der Schrift:

Nach katholischer Lehre wird die Offenbarung durch Schrift und Überlieferung weitergegeben und vom unfehlbaren Lehramt ausgelegt. Nach Ansicht der Reformatoren gilt die Schrift allein (sola scriptura), die nach Ansicht der Reformatoren jeder richtig lesen kann;

2. In der Rechtfertigungslehre:

Nach katholischer Lehre muß die Gnade, die von Gott ausgeht und dem Handeln des Menschen zuvorkommt, im Glauben angenommen und durch Werke des Menschen begleitet werden. Durch die Gnade wird die Sünde getilgt und der Mensch zum Gotteskind. Nach Ansicht der Reformatoren tilgt die Gnade die Sünde nicht, sondern deckt sie nur zu (keine Heiligen); jeder Mensch ist Sünder und Gerechter zugleich (simul justus es peccator). Der Mensch von sich aus kann auch nach der Taufe nichts zum Heil beitragen (sola gratia).

3. In der Sakramentenlehre:

Die katholische Kirche kennt 7 Sakramente, nämlich Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Priesterweihe und Ehe, welche durch Christus bewirken, was sie bezeichnen. Die Reformatoren kennen nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl.

4. Im Meßopferverständnis:

Nach katholischer Lehre wird das Kreuzesopfer bei jeder heiligen Messe vergegenwärtigt. Für Luther ist die Messe nur Mahl, kein Opfer.

5. Bei der Heiligenverehrung:

Nach katholischer Lehre ist Christus unser einziger Erlöser und Gnadenmittler, der uns durch sein Opfer am Kreuz mit Gott versöhnt hat. Nach dem Willen Christi ist seine Mutter Gnadenmittlerin und die Heiligen im Himmel können Fürsprache für uns einlegen. Nach Ansicht der Reformation verdunkelt die Marienverehrung die alleinige Mittlerschaft Christi. Daher darf Maria ebensowenig wie die Heiligen verehrt oder angerufen werden (solus Christus).

6. Im Kirchenverständnis, vor allem im hierarchischen Leitungsamt:

Die katholische Kirche wird vom Papst als Petrusnachfolger und den Bischöfen geleitet, sie haben das Lehr-, Hirten- und Priesteramt inne. Die Kirche gliedert sich in Priester und Laien. Nach Ansicht Luthers ist jeder Getaufte zugleich Priester, Bischof und Papst. 

 

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Die Oekumenismusfalle: Eucharistie und Abendmahl

Katholische Lehre und protestantische Ansichten

Das größte Heiligtum der katholischen Kirche und der größte Schatz des katholischen Gläubigen ist das eucharistische Opfersakrament, die heilige Messe. Hier hat ein falsch verstandener Ökumenismus Verwüstungen angerichtet. Sie wurden möglich, weil die wesentlichen Unterschiede zwischen der katholischen Lehre von der Eucharistie und der protestantischen Meinung vom Abendmahl außer acht gelassen wurden. Prof. Dr. Georg May behandelt dieses Thema in seinem neuen Buch mit wissenschaftlicher Präzision und theologisch fundierter Argumentation und bringt so Ordnung in die bestehende Verwirrung der Begriffe.

1. Opfer und Priester

Nach katholischer Lehre ist die Messe ein Opfer, und zwar sakramentale Vergegenwärtigung und Darbringung des Kreuzesopfers Christi. Die Messe steht und fallt mit dem Opfercharakter. Ohne den Opfercharakter gibt es keine Messe mehr.

Wer das Opfer ablehnt, feiert nicht Eucharistie im katholischen Verständnis. Nach protestantischer Ansicht ist die Abendmahlsfeier lediglich das Gedächtnis des Opfers am Kreuze. Das protestantische Abendmahl mag an Tod und Auferstehung Christi erinnern. Aber diese Erinnerung reicht nicht auch nur entfernt an die Repräsentation des Kreuzesopfers in der katholischen Messe heran. Die katholische Messopferlehre wird von den Protestanten strikt abgelehnt. Sie erwarten von unserer Kirche, daß sie den Opfercharakter der heiligen Messe fallen läßt.

Nach katholischer Lehre ist der Priester der einzige berechtigte Vollzieher des Messopfers. Die Repräsentation des Kreuzesopfers geschieht nicht ohne den Priester. Allein durch das Tun des Priesters vollzieht sich die Wandlung der Elemente Brot und Wein. Nach protestantischer Ansicht kann jeder das Abendmahl halten, die Einsetzungsworte über die Gaben sprechen. Für den Vollzug des protestantischen Abendmahls wird nicht einmal ein von der Gemeinde beauftragter Amtsträger benötigt.

Das Abendmahl wird keineswegs stets unter Vorsitz von „Ordinierten" gehalten. Die Synode der anglikanischen australischen Diözese Sydney beschloß folgerichtig mit Zweidrittelmehrheit, dass Laien und Diakone der Eucharistie vorstehen können. Diese Gegensätze lassen sich weder eliminieren noch vermitteln. Sie sind so unüberbrückbar wie Wahrheit und Irrtum.

 

2. Realpräsenz

Nun wird behauptet, Katholiken und Protestanten seien sich im Glauben an die "Realpräsenz" Christi in der Eucharistie bzw. im Abendmahl einig. Ist diese Behauptung zutreffend?

Realpräsenz im katholischen Sinn besagt Gegenwart des (wirklichen) Leibes Christi. Sie ist die wahre und wesenhafte Anwesenheit des verklärten Leibes Christi unter den Gestalten von Brot und Wein. Die Gegenwart wird bewirkt durch die Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die ganze Substanz des Leibes Christi und der ganzen Substanz des Weines in die ganze Substanz des Blutes Christi, wobei nur die Gestalten bleiben. Die Gegenwart Christi ist eine ganze (totale), d.h. Christus ist mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit in der Eucharistie und unter jeder der beiden Gestalten sowie nach der Zerteilung unter jedem Teil der Gestalten gegenwärtig. Die Gegenwart Christi ist eine dauernde. Das heißt: Christus ist nicht nur im Augenblick des Empfangs, sondern auch vorher und nachher gegenwärtig. Der unter den Gestalten gegenwärtige Herr wird angebetet, zur Anbetung ausgestellt und in feierlichen Umgangen mitgeführt. Nun wird, wie gesagt, behauptet, Katholiken und Protestanten seien sich im Verständnis der Realpräsenz einig. Diese Behauptung ist unzutreffend. Zunächst einmal sei klargestellt: Mit dem gemeinsamen Besitz des Wortes Realpräsenz ist so lange nichts gewonnen, als die Bedeutung, die jede Seite damit verbindet, divergiert. Über Worte kann man sich leicht einigen, wenn man es jedem überläßt, wie er sie versteht und welche Vorstellung er damit verbindet. Eben das geschieht auf protestantischer Seite. Aber gerade darauf kommt es an; es ist entscheidend, wie Christus gegenwärtig ist. Das Lima-Dokument1 sagt zwar ebenfalls die Realpräsenz Christi in der Eucharistie aus. Aber auch hier besteht keine Eindeutigkeit des Inhalts des Begriffes. Jeder kann sich darunter etwas anderes vorstellen. Welcher Art die angenommene "Gegenwart Christi" im protestantischen Abendmahl ist, bleibt dunkel und ist kontrovers.

Luther hielt zwar an der konsubstantianisch2 verstandenen realen Gegenwart von Leib und Blut Christi in den Elementen fest, gesteht aber, Anfechtungen darin gehabt zu haben. Seine Anhänger hatten keine Anfechtungen mehr, weil sie seine Vorstellungen aufgaben. Nicht einmal die Protestanten untereinander verstehen die Realpräsenz im gleichen Sinne. Zwischen Lutheranern und Reformierten klafft in dem Verständnis des Begriffs ein unüberbrückbarer Gegensatz. Im Unterschied zu Luther lehnte Calvin die reale Präsenz von Leib und Blut Christi in den Elementen ab. Reale Gegenwart Christi besteht nach ihm lediglich im Geist. Diese Realpräsenz ist also in Wirklichkeit eine Spiritualpräsenz. So kam es zu gegenseitigen Verwerfungen. Der reformierte Consensus Tigurinus (Zürcher Übereinkunft, 1549) andererseits verwarf die lutherische Ansicht von der Realpräsenz Christi im Abendmahl. Für Zwingli gibt es erst recht keine irgendwie geartete Realpräsenz beim Abendmahl des Leibes Christi in den Elementen. Christus ist gegenwärtig lediglich im Glauben der Teilnehmer. An den Elementen Brot und Wein ändert sich nichts. Sie bleiben, was sie waren. Eine Konsekration findet nicht statt. Ein protestantischer Autor beschreibt diese Meinung richtig: "Die Realpräsenz ist genau die des Wortes, nicht mehr und nicht weniger. Sie ist Ereignis, nicht Sache; Begegnung, nicht Naturphänomen; Handeln Christi mit seiner Gemeinde, nicht Übereignung einer Substanz" (E. Schweizer, Abendmahl). Mit diesen klaren Worten ist alles gesagt: Genau das, was hier verneint wird, gehört zum Verständnis der Realpräsenz im katholischen Sinne.

Trotz dieser grundsätzlichen Tatsachenlage gibt es Priester, welche die Interzelebration (gemeinsame Messe) mit protestantischen Religionsdienern praktizieren. Man kann nur hoffen, daß von ihnen der Satz gilt: Sie wissen nicht, was sie tun. Denn wenn sie es wissen, machen sie sich fremder Sünden teilhaftig.

 

3. Abendmahlsgemeinschaft

Der Gipfel interkonfessioneller Praktiken ist die so genannte Abendmahlsgemeinschaft. Seit Jahrzehnten wird sie von protestantischer Seite gefordert. Abendmahlsgemeinschaft besagt, daß Protestanten die Kommunion von katholischen Priestern und Katholiken das Abendmahl von protestantischen Religionsdienern jederzeit und bedingungslos empfangen können. Katholische Ökumeniker sind inzwischen auf diese Position eingeschwenkt. Das Ökumenische Forschungsinstitut des Lutherischen Weltbundes in Straßburg, das Institut für ökumenische Forschung der katholisch-theologischen Fakultät Tübingen und das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim erklärten die Abendmahlsgemeinschaft für möglich. In Wirklichkeit bestehen gegen Begriff und Sache nicht überwindbare Schwierigkeiten. Zunächst einmal: Mit dem Ausdruck "gemeinsames Abendmahl" wird nicht nur der protestantische Begriff an die Stelle des katholischen gesetzt, sondern auch der Inhalt des Geschehens tiefgehend verfälscht. Wer von Abendmahlsgemeinschaft spricht, ist schon verbal vom katholischen Eucharistieglauben abgewichen. Protestantisches Abendmahl und eucharistisches Opfersakrament sind um Welten verschieden. Wenn Katholiken sich die Redeweise vom Abendmahl zu eigen machen, vergehen sie sich gegen die katholische Lehre. Man kann nicht Wesensverwandlung und sakramentales Priestertum übergehen, um von dem gemeinsamen Abendmahl zu sprechen; ein solches existiert nicht. Sodann ist zu bemerken: Das Drängen nach Abendmahlsgemeinschaft erwächst vornehmlich aus dem im Protestantismus beherrschenden Prestigedenken: Durch Gleichstellung von Abendmahl und Kommunion sollen die protestantischen Religionsverbände aufgewertet und mit der katholischen Kirche gleichberechtigt werden.

 

Zweideutiges „noch"

Auf katholischer Seite werden bezüglich der "Abendmahlsgemeinschaft" von hohen Amtsträgern der Kirche Erwartungen genährt, die sich nicht erfüllen können, sofern die Kirche sich selbst treu bleibt. Dabei spielt das Wörtchen "noch" eine große Rolle. Der frühere Rottenburger Bischof und heutiger Kardinal Walter Kasper hofft "noch" den Tag zu erleben, an dem das gemeinsame Abendmahl (!) gefeiert wird. Worauf sich eine solche "Hoffnung" stützt, ist unerfindlich. Die deutschen Bischöfe erklärten am 12. Januar 2003, die eucharistische Gastfreundschaft sei "derzeit" noch nicht möglich. Auch der Papst schreibt, es sei jetzt "noch nicht möglich", miteinander Eucharistie zu feiern ("Ut unum sint" Nr. 45). Man fragt sich, wie es jemals möglich sein soll, wenn die katholische Kirche bei ihrem Glauben bleibt und die Protestanten an ihren Ansichten festhalten. Bei anderer Gelegenheit sprach Johannes Paul II. von Hindernissen, "die der innig ersehnten Einheit am Tisch des Herrn noch entgegenstehen". Es ist nicht zu erkennen, daß diese Hindernisse aus dem Weg geräumt werden könnten. Aus gegebenem Anlaß erklärte der Papst von neuem, man könne "noch nicht gemeinsam" Eucharistie feiern. Es wäre besser, wenn er offen einräumte, daß dies undenkbar ist. Wie erkennbar ist, spielt bei den erwähnten (und zahllosen nicht erwähnten) Äußerungen das Wort "noch" bzw. "noch nicht" eine große Rolle. "Noch" könne nur an getrennten Altären "Eucharistie" gefeiert werden, gemeinsame Feier der Eucharistie sei "noch nicht" möglich. Vor allem Walter Kasper ist ein eifriger Verwender des Wörtchens "noch": „Wir sind uns noch nicht völlig einig", es gibt "die noch offenen Fragen", "es gibt noch viel zu tun", man weiß um "die – leider - noch bestehenden Unterschiede".

Die Hierarchen (Bischöfe) der Kirche mögen sich nicht täuschen lassen! Der Ökumenismus der Hierarchie ist längst vom Ökumenismus der Basis überrollt worden. Die radikalen Ökumenisten auf katholischer Seite verwerfen das "noch nicht" und sind ganz im Gegenteil davon überzeugt, daß die gemeinsame Abendmahlsfeier „jetzt schon" oder „jetzt endlich" möglich, ja geboten sei. "Wer also daran teilnimmt, empfangt gültig die Eucharistie" (Quadt, Evangelische Ämter, 96). Die Feier der "Eucharistie" ist nach ihm im Protestantismus gültig, weil es ein von Christus eingesetztes Weihesakrament nicht gibt und ein solches für eine gültige Eucharistie nicht erforderlich ist (!).

Hier wird deutlich, wo der Ökumenismus endet: im Glaubensabfall. Es sei auch hier an die Äußerung der protestantischen "Bischöfin" Maria Jepsen erinnert, wonach ihr wiederholt katholische Bischöfe versichert hätten: "Ihr Abendmahl ist für uns genauso gültig wie unsere Eucharistie, und Sie sind genauso eine Bischöfin, wie wir Bischöfe unserer kirchlichen Ordnung sind." Wenn das zuträfe, dann wäre gegen Abendmahls- bzw. Kommuniongemeinschaft wenig einzuwenden, aber es trifft eben nicht zu, sondern die genannten Äußerungen sind eine Entgleisung. Angesichts solcher Verirrungen im Bischofskollegium nimmt es nicht wunder, daß im katholischen Volk die Verwirrung einen Gipfelpunkt erreicht hat.

Nach einer Umfrage des "Spiegel" sprachen sich 88 % der Katholiken und 86 % der Protestanten für ein "gemeinsames Altarsakrament" aus.

Am Geschick, das der Erklärung Dominus Jesus (Enzyklika von Papst Johannes Paul II.) widerfahren ist, kann das ganze Unheil abgelesen werden, das der Ökumenismus über die Kirche gebracht hat.

Gekürzt aus: Prof. Dr. Georg May, Die Ökumenismusfalle, 5. Kapitel, S. 159 – 179, Sarto-Verlag Stuttgart 2004

 

 

Fussnoten

1. Taufe, Eucharistie und Amt. Konvergenzerklärung der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen, 1982.

2. Konsubstantiation. Im Gegensatz zur katholischen Lehre der Transsubstatiation oder Wesensverwandlung von Brot und Wein lehrt Luther eine Koexistenz des wahren Leibes und Blutes Christi mit Brot und Wein. Es findet also keine Wandlung statt, sondern beim Empfang der Kommunion empfangen nur Brot, geistigerweise aber Christus. Das übriggebliebene „Brot" wird daher nicht mehr aufbewahrt!

 

(Bestelladresse: Sarto-Versandbuchhandlung, Dornbirnerstr. 3, D-70467 Stuttgart, Tel. 0711 553 6719. Georg May: Die Ökumenismusfalle

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1) Aufregung im Heiligtum von Fatima                    2) Die offizielle Antwort...

Von mehreren Seiten wurden wir angefragt, was sich in der Erscheinungskapelle in der Cova da Iria, in der Capelinha von Fatima im letzzten Herbst und im Sommer 2004 zugetragen hat. 

Fall 1:

Es ist eine schlimme und irreführende Behauptung, im Herbst letzten Jahres (11. und 12. Oktober 2003) habe eine "ökumenische Versammlung" im Heiligtum stattgefunden, die den Weg des Heiligtums in ein "ökumenisches Weltzentrum" vorbereitet habe. Diese sogenannte "ökumenische Versammlung" wurde NICHT VOM HEILIGTUM, geschweige denn vom Rektor des Heiligtums oder sogar vom Bischof von Leiria-Fatima einberufen noch präsidiert. Zudem war es überhaupt keine "ökumenische Versammlung"!!! (Denn dann hätte sie von den verschiedenen Kirchen einberufen werden müssen). Im Gegenteil. Der Organisator war eine UNO-Menschrechtskommission! Und was die Delegierten dieser Versammlung OHNE DIE VERANTWORTLICHEN DES HEILIGTUMS in Fatima diskutierten, darauf kann auch ein Bischof keinen Einfluss nehmen. Vielmehr ist zu fragen, ob der Ort FATIMA nicht absichtlich ausgesucht wurde, um über dieses Thema zu diskutieren??? Jene, die nun deswegen gegen das Heiligtum polemisieren,  tun - wenn unsere Annahme richtig ist - genau das, was mit der Ortswahl wohl beabsichtigt war. Alle anders lautenden Informationen - auch wenn dies "katholische Blätter" wären - sind falsch und bedürfen der dringenden Gegendarstellung, um ihre eigenen Leser nicht in der Irreführung zu belassen! Es zeugt von sehr wenig Vertrauen auf die Gottesmutter, wenn man ohne Anfrage im Heiligtum Informationen übernimmt, die den Ohren zwar "kitzeln" (vgl. 2 Tim 4,4), aber das Heiligtum in Verruf bringen! Und das genau dort, wo die Gottesmutter die klaren und unmissverständlichen Worte sprach: AM ENDE WIRD MEIN UNBEFLECKTES HERZ TRIUMPHIEREN!

 

Diese und die in "Fall 2" erwähnte Nachricht werden von einer Zeitung, die sich CHRISTLICH nennt, verbreitet. Dem aufmerksamen Leser entgeht dabei nicht, 

- dass es sich hier um eine Aktion zur Vermehrung der Zeitungs-Abonnenten handelt ("... verbreiten und an ... Redaktion zusenden...")

- dass mit keinem einzigen Wort die Quelle erwähnt wird, aus der die wörtlichen Zitate (P. J. Dupuis etc...) stammen

- dass keine Anfrage an das Heiligtum gemacht wurde. Wie oft haben sich solche Meldungen als "Zeitungsente" entpuppt!

- dass KEINE Antwort des Heiligtums auf die Anfrage abgedruckt wird. Erst diese Antwort könnte angegriffen und von der eigenen Sicht her interpretiert werden!

- dass die "Hindu-Gruppe" laut unserer persönlichen Anfrage KEINE OPFER darbrachte, ja nicht einmal in die Nähe des Altares kam, sondern lediglich um den Frieden betete! (Siehe unten: ERKLÄRUNG DES REKTORATES VON FATIMA). 

Das alles bleibt die Redaktion ihren Lesern schuldig, obwohl der christliche Journalismus von der genauen und seriösen Recherche lebt! Man muss sich ob all dieser Art von Journalismus fragen, ob wir Christen es nötig haben, mit einem solchen unseriösen Journalismus unsere Gläubigen noch mehr zu verunsichern, als sie es schon sind! Warum scheut sich eine  sich CHRISTLICH nennende Zeitung, vor dem Abdruck solcher Texte bei den vermeintlichen "Verursachern" anzufragen, auch dann, wenn dies mal ein Uni-Professor wäre?? Warum scheut man sich, die Originalquellen der angeblich gesprochenen Worte anzugeben?

Des weiteren bleibt die Zeitung - nebst der unseriösen Recherchen - ihren Lesern die Antwort schuldig, warum sie nicht einen ähnlichen Protest erhoben, als andere nicht katholische Persönlichkeiten, das Heiligtum besuchten und dort beteten,  "wie zum Beispiel den Dalai Lama, den Präsidenten der Republik der Indischen Union und die Gattinnen der Präsidenten Clinton und Arafat zum Heiligtum führte. Die Gruppen nicht katholischer Christen kommen ebenfalls mit der Intention, um die Einheit der Kirche zu bitten. Obwohl dies nicht häufig vorkommt, wurden auch einige hohe Vertreter der Orthodoxen Kirchen empfangen. Neulich kamen einige Dutzend anglikanischer Priester, begleitet von ihrem Bischof. Sie nahmen an Geistlichen Übungen in einem der Häuser des Heiligtums teil." (Aus:"ERKLÄRUNG DES REKTORATES VON FATIMA" - siehe weiter unten). 

Was steckt hinter dieser Aktion, die sich kaum von den Aktionen antikirchlicher Kräfte unterscheidet?

 

Unsere persönlichen Anfragen haben des weiteren eindeutig ergeben, dass es sich bei dem Kirchen-Neubau eben NICHT um ein "interreligiöses Zentrum", sondern um eine der ALLERHEILGSTEN DREIFALTIGKEIT gewidmeten Kirche handelt! Dies entspricht dem 

Gebet des Engels von Fatima:

»Habt keine Angst! Ich bin der Engel des Friedens! Betet mit mir!«

Dann kniete er nieder, senkte sein Haupt bis zum Boden, forderte die Kinder auf, ihm die Worte nachzusprechen, und betete dreimal:

„Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich.

Ich bitte dich um Verzeihung für jene, die nicht glauben, Dich nicht anbeten, nicht hoffen      und Dich nicht lieben.“

Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist!

Ich opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit

unseres Herrn Jesus Christus, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt:

zur Sühne für die Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten,

durch welche Er selbst beleidigt wird.

Durch die unendlichen Verdienste Seines heiligsten Herzens

und durch die des Unbefleckten Herzens Mariens

erflehe ich von Dir die Bekehrung der armen Sünder.“

Wir rufen alle Fatimafreunde und Pilger in allem Ernst auf, sich an der Hetzkampagne einer Zeitung, die sich sogar noch "christlich" nennt, nicht weiterhin teil zu nehmen und schon in Umlauf befindlichen Unterschriftenlisten zu stoppen und zu vernichten!

Fall 2:

Eine Vorstandsmitglied des Fatima-Vereins Schweiz weilte im August in Fatima. Auf persönliche Anfrage erhielten wir folgende Antwort:

Der Ablauf des Vorkommnisses vom Sommer (5. Mai 2004) darf so beschrieben werden:

Eine Gruppe von Personen hinduistischen Glaubens („Hindus"), die alle aus Mosambique stammen und in Lissabon wohnen, besuchte Fatima. Ohne eine  Anmeldung vor Ort, trat die Gruppe vor die Muttergottesstatue der Erscheinungskapelle und verrichtete dort Gebete. Anschliessend verliessen sie die Kapelle. Leider hat die immer gegenwärtige Wache des Heiligtums nicht sofort eingegriffen. Katholiken, die diesen Vorgang beobachten konnten, verbreiteten dann in Windeseile eine Nachricht, ohne im Heiligtum selbst nachzufragen. 

Mit unseren folgenden Gedanken wollen wir der offiziellen Antwort des Heiligtums nicht vorgreifen und verweisen ausdrücklich auf Punkt 2)

Zu Bedenken…

ist bei dieser Gelegenheit Folgendes:

1) Die Gottesmutter ist 1917 IN FATIMA erschienen. Fatima ist der Name einer Tochter Mohammeds, des Begründers des Islam. Der Ortsname „Fatima" ist eindeutig auf die Gründung durch eine muslimische Frau namens „Fatima" zurückzuführen. Doch diese Frau bekehrte sich zum Katholischen Glauben und nahm bei der Taufe den Namen „Aureana" an. Nach ihr wurde die Kreisstadt, heute „OUREM", benannt. Hier, in dieser "katholischen Stadt",  waren die drei Hirtenkinder, denen die Gottesmutter in dem Ort mit dem "heidnischen" Namen erschienen ist, am 13. August 1917 eingekerkert und hier stellten sie sich den schlimmsten Verhören durch den damals gottlosen Staatsapparat.

2) Es gibt in der näheren oder weiteren Umgebung berühmte Orte des Glaubens, die für die kath. Kirche von Portugal von geschichtlicher Tragweite sind. Aber die Gottesmutter ist nicht in AUREANA (Ourem), noch in Batalha, Alcobaça, Braga oder Coimbra – um nur einige zu erwähnen – erschienen, sondern IN FATIMA!

3) Darf nicht auch darin ein Zeichen des Himmels erkannt werden, das wir „Katholiken" und Pilger bisher – seit 1917 – vielleicht gar nicht zur Kenntnis genommen haben?

4) Ich persönlich habe es schon erlebt, das (Mitte der 80-er Jahre) eine ganze Flugzeugladung von muslimischen Frauen Fatima besuchten – unauffällig, aber tatsächlich! Ist MARIA, unsere gute MUTTER, nicht die MUTTER ALLER MENSCHEN? Ausdrücklich: Auch der Heiden! Will sie nur die Katholiken – oder MUSS SIE ALLE MENSCHEN Ihrem Sohne entgegen führen? Wer weiss, welche Gnade der Bekehrung die Gottesmutter auch diesen Hindus in Herz gelegt hat, von JESUS CHRISTUS für sie erbeten hat? Was sagt Jesus zu den Pharisäern beim festlichen Einzug in Jerusalem am Palmsonntag: „Wenn diese (die Kinder) mich nicht loben, werden die Steine schreien" (Lk 19,40). Ist unser christliches Abendland nicht drauf und dran, das zu tun, was die damaligen Pharisäer (und heutigen „Gelehrten") sagen: „Meister, bring deine Jünger zum Schweigen!" (Lk 19,29). Schweigen wir nicht schon viel zu viel, wenn es um unsere Glaubenswahrheiten geht? Die Frage scheint berechtigt zu sein: Erweckt sich Gott „aus den Steinen" gläubige Menschen?                         (Pfr. A. Fugel)

 

2) Die offizielle Antwort des Rektorates des Heiligtums 

ERKLÄRUNG DES REKTORATES VON FATIMA
 
vom 29. Juni 2004

    Die Dreifaltigkeitskirche wird nicht eine „ökumenische Kirche“ werden!
 
 
1. Die Leser der „Stimme von Fatima“ werden sich an eine Mitteilung des Rektorates erinnern, 
 
die im Januar 2004 unter dem Titel „Fatima ein Heiligtum für alle Religionen?“ erschienen ist.

 
2. Die Strömungen, die aus der Opposition gegen unseren Kongress im Oktober 
 
entstanden sind, benutzten nun das Kommen einer Gruppe von Hindus im 
 
Heiligtum nach einer Notiz der „Stimme von Fatima“ vom Mai 2004, um ihren massiven 
 
anti-ökumenischen Feldzug, ja selbst gegen einen inter-religiösen Dialog zu verstärken.

 
3. Angesichts der Bitten um Aufklärung, und um eine Form zu finden,

möglichst schnell allen eine Antwort zu geben, haben wir diese kurze

Mitteilung zusammengestellt. Darin geben wir die Grundsätze, die für den

Empfang der Brüder und Schwestern anderer Konfessionen und Religi-onen

gelten, zur Kenntnis. Wir legen uns fest auf zwei Brennpunkte: Der Besuch

einer Gruppe von Hindus und die neue Zweckbestimmung der Neuen

Dreifaltigkeitskirche.

 
4. Die Hindugruppe schrieb uns im voraus und sagte, sie wünschten „den

Besuch, den Sr.’Morari Bapur’ gemacht hatte, wieder aufzunehmen, der dem

Besuch Seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II. im Mai 1982,

vorausgegangen war.

 
5. Der Priester, den sie mitgebracht hatten, stieg mit einem Dolmetscher bis

zum Bild Unserer Lieben Frau, während die anderen Teilnehmer unten

verblieben.

 
6. Der Priester sang während einigen Minuten ein Gebet. Dies erfolgte ohne

jede Handlung und Ritus auf dem Altar und um den Altar. Der Dolmetscher

erklärte, er bitte „die Heiligste Mutter, sie möge allen Regierenden der

Nationen Weisheit und Unterscheidungsvermögen geben, damit in der Welt

Friede, Friede, Friede möglich werde.“

 
7. Wir geben zur Kenntnis, dass diese Intention des Friedens universal und

dieselbe ist, welche andere nicht katholische Persönlichkeiten, wie zum

Beispiel den Dalai Lama, den Präsidenten der Republik der Indischen Union

und die Gattinnen der Präsidenten Clinton und Arafat zum Heiligtum führte.

Die Gruppen nicht katholischer Christen kommen ebenfalls mit der Intention,

um die Einheit der Kirche zu bitten. Obwohl dies nicht häufig vorkommt,

wurden auch einige hohe Vertreter der Orthodoxen Kirchen empfangen. Neulich

kamen einige Dutzend anglikanischer Priester, begleitet von ihrem Bischof.

Sie nahmen an Geistlichen Übungen in einem der Häuser des Heiligtums teil.

 
8. Nach dem Gebet in der Erscheinungskapelle wurden die indischen Pilger in

einem Saal durch den Herrn Bischof von Leiria-Fatima und den Rektor des

Heiligtums empfangen. Sie sagten den beiden, sie seien aus Verehrung der

„Heiligsten Mutter“ gekommen. So sprachen sie ohne Bezug oder Übertragung

auf eine Persönlichkeit ihrer eigenen Religion. Man muss auch nachsichtig

sein gegenüber Äußerungen, die in den Medien, deren Anwesenheit wir nicht

vorbereiten konnten, ausgesprochen wurden, weil sie zu spät darüber

informiert worden waren.

 
9. Im Hinblick auf die Dreifaltigkeitskirche und da die Absicht andauert,

sie „Ökumenische Kirche“ zu nennen, können wir bestätigen, diese Nennung

kann als katholische Interpretation aufgenommen werden, stammt aber nicht

vom Heiligtum. Wir haben und hatten nie die Absicht in der Kirche, die sich

im Bau befindet, irgendwelche Feiern durchzuführen, die nicht den Weisungen

der Katholischen Kirche entsprechen. Das Heiligtum ist besorgt, der

Botschaft gegenüber treu zu sein, die Gott ihr anvertraute. Wir können den

ausgesprochen katholischen Charakter nicht klar genug herausstellen. Dies

betrifft die Engelserscheinungen, die uns auf die Wahl des Titels der

künftigen Kirche hinwiesen. Es geht aber auch Unserer Lieben Frau darum, auf

die dramatischen Andeutungen auf die Mittleraufgabe des Papstes und der

Bischöfe für die Einheit der Kirche und für den Frieden in der Welt zu

verweisen.

 
10. In der Hoffnung, dass wir uns alle als Geschwister verstehen und dass

wir die Einheit aller Christen, die Einheit aller Glaubenden und aller

Menschen ersehnen und erbeten, bringen wir uns und unsere Bitte zu Unserer

Lieben Frau von Fatima. Sie möge uns stärken im Willen zur Einheit und uns

befreien von jedem Geist der Zwietracht und der Polemik.


 
Im Heiligtum von Fatima, 29.Juni 2004, am Fest des heiligen Petrus und des

heiligen Paulus.
 
Der Rektor: P. Luciano Guerra


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Ablaßgebete der katholischen Kirche

Der Sündenstraferlass

1. Der Begriff

Der Schweizer Kardinal Charles Journet schreibt: „Die Kirche will ihren schuldig gewordenen Kindern helfen durch Gebet. Sie lädt sie dazu ein, während sie noch Sklaven der Sünde sind, um ihnen die Kraft zu geben, sich davon zu befreien. Das Gebet geht der Liebe voraus! Das Gebet appelliert in einem gewissen Sinn an die Barmherzigkeit Gottes gegen die Gerechtigkeit Gottes." (Sur la pardon du péché et la part laissée aux indulgences, St. Maurice, 1968). Der „Ablaß" ist der vor Gott gültige Nachlaß „zeitlicher" Strafen, die hier oder im Jenseits abzubüßen sind. Da das Wort „Ablaß" geschichtlich eher belastet ist, scheint es sinnvoller zu sein, über „Sündenstraferlass" zu sprechen, was den Vorgang m.E. auch besser verdeutlicht.

 

2. Straferlaß im menschlichen Bereich

Wenn auch allzu menschlich dargestellt, soll zum besseren Verständnis ein unter Menschen gebräuchlicher Vorgang als Beispiel dienen. Straffälligkeit und die darauffolgende Sühne unter Menschen weist folgende Ordnung auf:

Der Mensch begeht einen Rechtsbruch, eine Straftat.

Er wird vor Gericht dafür zur Verantwortung gezogen. Das Gericht dient aber in erster Linie der Wahrheitsfindung und nicht unbedingt von vornherein der Bestrafung.

Bei Feststellung der Schuld wird der Schuldige verurteilt. Ist das Urteil einmal rechtskräftig, darf und kann der Schuldige nie wieder für dieselbe Tat erneut verurteilt werden! Durch das Urteil ist die schuldhafte Tat ein für allemal getilgt.

Trotzdem die Tat getilgt ist, muß der Schuldige eine „zeitliche" Strafe auf sich nehmen; er muß für die anhand der begangenen Tat auf sich gezogene Schuld büßen. Erst nachdem er die „zeitliche Strafe" verbüßt hat, ist er wieder ein freier Mensch! TAT UND SCHULD sind getilgt.

Bei „guter Führung" wird dem ehemals Schuldig-Gewordenen „Schuld-Tilgung", Schulderlaß („Amnestie") gewährt.

 

Wir müssen somit auch im menschlichen Bereich zwischen „Tat-Tilgung" und „Schuld-Tilgung" unterscheiden.

 

3. Leib und Seele können nicht getrennt betrachtet werden

Als „Mensch" kann und darf nur jenes Lebewesen bezeichnet werden, das aus einem Leib (Körper/Materie) und einer Seele (Geist, „Gottes Ebenbild") besteht. Beide zusammen leiden oder freuen sich gemeinsam über die vom „Menschen" vollzogene Tat: ob man beispielsweise betet oder flucht usw. Was das eine belastet, belastet auch das andere gleichermaßen. Darum ist es unmöglich, zum Beispiel, einem Mitmenschen etwas Böses anzutun, sich anschließend mit ihm zu versöhnen und dann so zu tun, alles sei alles in Ordnung. Dies mit Sicherheit nicht! In Ordnung wurde bloß die „leibliche Seite" der Tat gebracht. Leib und Seele können in nichts voneinander getrennt behandelt werden. So auch in der sündhaften Tat nicht! Wer Gottes Gebot mißachtet, sündigt gegen den Menschen und wer gegen menschliche Gebote verstößt, sündigt gegen Gott. Die Wiedergutmachung jeder vom Menschen verübten „Straftat" bedingt daher eine doppelte Wiedergutmachung: eine auf leiblicher, eine andere auf seelischer Ebene.

 

4. Straferlaß auf der seelischen Ebene

Gehen wir einmal analog zu Punkt 2 vor, um zu verdeutlichen – wenn auch sehr mit menschlichen Begriffen behaftet – was unter „Sündenstraferlass" („Ablaß", altdeutsches Wort für „Nachlaß") zu verstehen ist.

Der Mensch begeht eine Sünde.

Unser Erlöser, Jesus Christus ist der Sünder wegen Mensch geworden. Daher stiftete er das Sakrament der Sündenvergebung, die heilige Beichte. Auch sie dient der „Wahrheitsfindung", insbesondere in der Gewissenserforschung. Denn Gott will nicht strafen – er will, daß der Sünder sich bekehrt!

In der Selbstanklage des Beichtsakramentes unterwirft der „Schuldiggewordene" seine Tat der sakramentalen Lossprechung, was soviel bedeutet wie die Verurteilung und zugleich göttliche Tilgung der schuldbeladenen Tat. Diese Tat existiert nicht mehr vor Gott weder in diesem Leben, noch im Jenseits. Die Tat ist getilgt!

Was nach der Tilgung der schuldhaften Tat zurückbleibt, ist die „zeitliche" Tilgung der anhand der Tat auf sich gezogenen Schuld. Diese Schuld können wir auf sehr verschiedene Weisen tilgen: durch Fasten, Gebet, Almosen, gute Werke, geistige und leibliche Werke der Barmherzigkeit, durch den „Sündenstraferlass" („Ablaß") der Kirche und schließlich im Jenseits, im Vorhimmel (früher: „Fegefeuer"). Nachdem SÜNDENTAT und SÜNDENSTRAFE getilgt sind, steht dem ewigen Leben in der beglückenden Anschauung Gottes nichts mehr im Wege („man kommt in den Himmel"). Darum beten wir für die Verstorbenen, opfern die hl. Messe auf für sie, erwerben „Sündenstraferlass" („Ablässe") in vollkommener (Tilgung sämtlicher noch vorhandenen Sündenstrafen) oder in „zeitlicher" Art, je nach den von der Kirche vorgegebenen Bedingungen, opfern Almosen und gute Werke für sie auf, im Sinne einer Fürbitte. Da der katholischen Kirche – als der von Christus gestifteten Kirche und des auf Erden pilgernden mystischen Leibes Christi – die unendlichen und unausschöpflichen Gnadenschätze der Erlösung anvertraut sind, ist sie bestrebt, diese den Menschen im Erden- und im jenseitigen Leben in reichlichem Maß zukommen zu lassen! Schließlich besteht die Kirche Christi aus drei miteinander durch die Erlösung in Jesus Christus verbundenen Teilen: Den Menschen auf Erden, den im Vorhimmel Lebenden und den endgültig Erlösten im Himmel („Allerheiligen")

 

5. Die Bedingungen

zum Erwerb eines vollkommenen Sündenstraferlasses (an Allerseelen nach dem Willen der Kirche nur den im Jenseits Lebenden zuwendbar) sind:

Beichte (innert 8 Tagen)

Abkehr von jeglicher Sünde in Reue aus Liebe zu Gott

Gebet nach der Meinung und für den Heiligen Vater (Vaterunser, Gegrüßet seist Du, Maria)

Besuch einer Kirche (oder des Friedhofs, je nach Gelegenheit)

Kommunionempfang im Stand der heiligmachenden Gnade am Tage, an dem man den Sündenstraferlass gewinnen will, (keine bewußte schwere Sünde).

Gebet zur Gewinnung des Sündenstraferlasses (Vaterunser, Glaubensbekenntnis).

 

Stichwort "Allerseelenablass"

Eine besondere Art und Weise, den Verstorbenen zu helfen, ist es, für sie "Ablässe" zu gewinnen. Hier erschrickt der moderne Mensch und äußert sein Unverständnis. "Ablässe" ordnet er dem "finsteren Mittelalter" zu, wo es angeblich üblich war, sich mit Geld den Himmel zu erkaufen. Gewiss hat es hier in der Geschichte bedauerliche Missbräuche gegeben. Aber der Ablass an sich ist nichts Unheiliges, sondern ein großes Geschenk, das es uns möglich macht, für die Verstorbenen auch nach ihrem Tod noch in Liebe Sorge zu tragen. Was ist ein Ablass? Es handelt sich um eine besondere Gnade, also ein Geschenk Gottes, wodurch Gott uns etwas nachlässt, was wir eigentlich noch zu tragen hätten. Es sind dies die noch nicht bewältigten persönlichen Folgen unserer Sünden, die so genannten "Sündenstrafen". Jede Sünde, so klein sie auch ist, hat ja nicht nur einen Unwert in sich, sondern zeitigt auch üble Folgen. Diese müssen auch nach der Vergebung von Schuld vielfach durchgestanden, durchlebt und durchlitten werden. Oft geschieht das schon in diesem Leben. Wer aber nach dem Tod noch etwas zu büßen hat, wird dies im Fegefeuer erleiden. Und da bietet die Kirche ein Hilfsmittel an: Es ist möglich, so sagt sie, dass wir Lebende stellvertretend für die Verstorbenen gewisse Werke der Frömmigkeit und des Gebetes, Taten der Nächstenliebe und der Buße verrichten, um damit die Sündenstrafen der Verstorbenen zu verringern, gewissermaßen "abzukürzen", soweit wir da in zeitlichen Kategorien denken dürfen. Ein Ablass ist also ein von Gott geschenkter und von der Kirche vermittelter Nachlass zeitlicher Sündenstrafen für Lebende und Verstorbene. Voraussetzung für die Gewinnung eines Ablasses ist nicht so sehr die äußere "Leistung", das äußere Werk, sondern vielmehr die innere Bußgesinnung als Haltung der Offenheit gegenüber Gott, der allein Sünden vergibt und das göttliche Leben schenkt.
Vom 1. bis zum 8. November kann täglich einmal ein vollkommener Ablass für die Verstorbenen gewonnen werden ("Allerseelenablass"). Neben den üblichen Voraussetzungen (Beichte, wobei eine zur Gewinnung mehrerer vollkommener Ablässe genügt; entschlossene Abkehr von jeder Sünde; Kommunionempfang und Gebet auf die Meinung des Heiligen Vaters - diese Erfordernisse können mehrere Tage vor oder nach der Verrichtung des jeweiligen Ablasswerkes erfüllt werden - sind vonnöten: a) am Allerseelentag (einschließlich 1. November ab 12 Uhr): Besuch einer Kirche oder öffentlichen Kapelle, mit Gebet des Vaterunser und des Glaubensbekenntnisses; oder: b) vom 1. bis zum 8. November: Friedhofsbesuch und Gebet für die Verstorbenen. Fehlt die volle Disposition oder bleibt eine der Bedingungen unerfüllt, ist es ein Teilablass für die Verstorbenen. Ein solcher kann an diesen und auch an den übrigen Tagen des Jahres durch Friedhofsbesuch wiederholt gewonnen werden.                                           (www.stjosef.at)

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Ich bat Gott...

Ich bat Gott,

 

Er möge mir meinen Stolz nehmen. Und Gott antwortete:  Nein!

Gott sagte, es sei nicht an Ihm, den Stolz zu nehmen, sondern an mir, ihn auf zu geben!

 

Ich bat Gott, Er möge mein lahmes Kind heilen. Und Gott antwortete Nein!

Gott sagte, seine Seele sei gesund, alles andere sei nur vorübergehend.

 

Ich bat Gott, Er möge mir Geduld schenken. Und Gott  antwortete: Nein!

Gott sagte, Geduld sei das Nebenprodukt des Leidens, darum kann sie nicht geschenkt, sondern nur verdient werden.

 

Ich bat Gott, Er möge mir Glück schenken. Und Gott antwortete: Nein!

Gott sagte, Er könne mein Leben segnen und leiten, und damit glücklich werden liege an mir.

 

Ich bat Gott, Er möge meine Schmerzen von mir nehmen. Und Gott antwortete: Nein!

Gott sagte, nichts anderes könne mich so schnell von irdischen Dingen weg und zu Ihm hinführen.

 

Ich bat Gott um eine grosse Seele. Und Gott antwortete: Nein!

Gott sagte, ich müsse selbst wachsen, dann würde Er die wilden Triebe an mir ab und zu entfernen, damit die anderen Äste viel Frucht tragen könnten.

 

Ich bat Gott, Er möge mir helfen, die Menschen so zu lieben, wie Er sie liebt.

Und Gott sagte: Na endlich, ein guter Gedanke! 

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Novene zur Unbefleckten Empfängnis

Ein neuntägiges Gebet – 29. November bis 7. Dezember – bereitet auf das Fest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria vor. Von Kaplan Erich Neidhart.

Vor 150 Jahren (1854) hat die Kirche den Glauben daran, dass Maria von Anfang ihres Lebens an von jeder Sünde bewahrt blieb, als Glaubenssatz (Dogma) festgeschrieben. Vier Jahre später hat sich die Mutter Gottes in ihren Erscheinungen in Lourdes vorgestellt mit den Worten: „Ich bin die unbefleckte Empfängnis“. In diesem Gebet wollen wir Gott danken, dass er uns mit Maria einen Menschen zur Mutter gegeben hat, der die Sünde nichts anhaben konnte.

Eröffnungsgebet für jeden Tag

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Maria, meine liebste Mutter, gib mir dein Herz, so schön, so rein, so unbefleckt, so voll Liebe und Demut, damit ich wie du Jesus empfangen kann, und damit ich eile, IHN anderen zu bringen. (Gebet von Mutter Teresa)

Gebet zum Abschluss jeden Tages (siehe Ende des Textes)

1. Tag: für alle Mütter

Der Engel sprach zu Maria: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast vor Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind bekommen, einen Sohn sollst du gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. (Lk 1,30-31)

für alle Mütter, die ein Kind im Schoß tragen – Jesus, hab Erbarmen
dass sie ihr Kind mit Liebe annehmen –
gib ihnen Stärke und Freude –
für alle Väter, Mütter und Ärzte, die abgetrieben haben –
für alle Mütter, die ihr Kind verloren haben -
tröste die Eltern über den Verlust ihres Kindes –
Maria, Mutter des Lebens – bitte für sie.

Maria, Mutter des Lebens, dir vertrauen wir die Sache des Lebens an: o Mutter, blicke auf die grenzenlose Zahl von Kindern, denen verwehrt wird, geboren zu werden. Vermittle den Menschen die Gnade, das Geschenk des Lebens anzunehmen und in Dankbarkeit zu feiern durch Christus, unseren Herrn.

2. Tag: für alle, die die Liebe Gottes nicht kennen

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie in der Ehe zusammenlebten, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. (Mt 1,18f).

Erhöre uns, Heiliger Geist – Komm, Heiliger Geist, wir brauchen dich
schenke uns den Glauben, dass Gott uns liebt –
gib uns Hoffnung, dass du unsere Zukunft bist -
mach uns offen für dein Wirken –
führe alle dem Glauben Fernstehenden zu Gott -
Maria, du Braut des Heiligen Geistes, bitte für uns.

Maria, du unsere Mutter. Sei allen Menschen nahe, die Jesus nicht kennen und lieben. Führe sie in deiner mütterlichen Liebe immer näher zu deinem Sohn Jesus Christus, der uns seine Liebe bis zum Tod am Kreuz erwiesen hat. Amen.

3. Tag: für unsere Familien

Als Maria und Josef in Betlehem waren, kam für Maria die Stunde der Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe. (Lk 2,6f)

Maria, du bist die Mutter Gottes – Maria, wir danken dir
du hast ganz ja zum Willen Gottes gesagt –
du hast sein Wort im Herzen bewahrt –
du hast Jesus gesucht –
du hast unter dem Kreuz ausgehalten –
Maria, du betest für uns -
Maria, beschütze unsere Familien – bleibe bei uns
segne besonders unsere Kinder –
schütze die Jugendlichen vor allen bösen Einflüssen –
erhalte die Eheleute in der Liebe –

Himmlischer Vater, du hast Maria zur Mutter deines Sohnes erwählt und hast uns unter ihren mütterlichen Schutz gestellt. Wir bitten dich: erhöre das Gebet, das Maria an dich richtet, durch Christus, unsern Herrn.

4. Tag: um das Geschenk eines reinen Herzens

Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du vor allen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. (Lk 1,41f)

Von jeder Oberflächlichkeit – erlöse uns, Herr Jesus
von Mutlosigkeit und Verzagtheit –
vom sinnlosen Dahinleben –
von jedem Egoismus –
von ungesunden Abhängigkeiten –
vom praktisch gelebten Unglauben –
von der Sünde des Neides und der Habsucht –
von Ehekrisen und Zerfall der Familien –

Vater, du hast Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins an vor der Sünde bewahrt. Bewahre uns auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria vor jeder Sünde und allem Bösen durch Christus, unseren Herrn.

5. Tag: für den Frieden in uns und in der Welt

Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut. (Kolosser 1,20)

Maria, du hast das Kind des Friedens der Welt geboren - Erbitte uns den Frieden
dass die Vertriebenen Heimat finden –
dass sich alle Wunden wieder schließen –
du Geliebte unseres Schöpfers –
du Mutter der Schutzlosen –
du Königin des Friedens –

Du Gott des Friedens, schenke uns den Geist der Liebe, damit der Frieden, den du schenkst, in uns und durch uns wirksam wird. Das erbitten wir auf die besondere Fürbitte Marias, der Königin des Friedens, durch Christus, unseren Herrn.

6. Tag: um das Geschenk eines tiefen Glaubens

Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort. (Lk 1,38)

Maria, erbitte uns Glauben – Maria, hilf uns
schenke uns einen vertrauenden Glauben –
rüttle uns aus der Gleichgültigkeit Gott gegenüber –
hilf uns, nicht an Gott irre zu werden –
erhalte uns das Vertrauen auch im Leid –
Maria, du Mutter der Glaubenden – bitte für uns.

Wir danken dir, Vater, für das Vorbild des Glaubens, das uns Maria vorgelebt hat. Schenke uns ihren unerschütterlichen Glauben an deine Güte und Liebe durch Christus, unseren Herrn.

7. Tag: dass wir immer mehr ganz Gott gehören

Gott hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, durch Jesus Christus seine Söhne zu werden und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. (Epheser 1,6)

Hilf uns, dass wir dich auf den ersten Platz stellen – Jesus, schenke uns deine Liebe
hilf uns im Kampf gegen die Sünde –
schenke uns ein waches Gewissen –
lehre uns beten –
gib uns Sehnsucht nach dir –
schenke uns Verlangen nach der Eucharistie –
vergib uns, wenn wir sündigen –

Maria, du gehörst ganz Gott und durch dich wollen auch wir ganz Gott gehören: o meine Gebieterin, o meine Mutter. Dir bringe ich mich ganz dar, und um dir meine Hingabe zu bezeigen, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar. Weil ich also dir gehöre, o gute Mutter, bewahre mich, beschütze mich als dein Gut und Eigentum durch Christus unseren Herrn.

8. Tag: für die Sterbenden und Verstorbenen

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter. (Johannes 19,25)

Maria, du betest mit uns für die Sünder – wir danken dir
du erbittest bei Gott die Gnade der Umkehr –
du hilfst den Sterbenden, gut zu sterben –
Maria, du Mutter aller Menschen –
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

9. Tag: für alle Anliegen der Mutter Gottes

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füssen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. ( ) Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit einem eisernen Zepter herrschen wird. (Offb 12,1f.5)

Maria, hilf uns als Christen zu leben – bitte für uns
mach uns zu Zeugen deines Sohnes –
hilf uns, Boten des Friedens zu werden –
schenke uns, als versöhnte Menschen zu leben –
führe uns und alle Menschen in das Reich des Vaters –

Vater, du hast Maria über Menschen und Engel erhoben und sie zur Königin des Himmels gemacht. Wir danken dir, dass sie als unsere Mutter und Königin für uns betet, uns führt, beschützt und segnet. Lass uns immer ihre mütterliche Hand ergreifen und führe uns mit ihrer Hilfe zu dir durch Christus, unseren Herrn.

Gebet zum Abschluss jeden Tages

ENGEL DES HERRN

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria,….

Maria sprach: Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüßet seist du Maria, …..

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria,….

V Bitte für uns, heilige Gottesmutter,
A dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. – Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

 

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Brief eines Pilgers an den hl. Pater Pio nach dem Besuch der neuen Basilika  in San Giovanni Rotondo im August 2004

Lieber Heiliger Pater Pio!

Die Freude war gross, als ich in diesem Jahr schon zum dritten  Mal an Deinem Grabmal beten durfte. Alle Pilger haben sich gefreut! Was Wunder – du warst einfach in diesem Leben „Mega – Super – Giga". Einfach gross! Wir haben alle überlegt, bis es uns den Schweiss aus der Stirne trieb: Wie konntest du das alles vollbringen? Fünfzig Jahre lang! Na ja, hat der Herr Pfarrer gemeint, halt die Gnade Gottes und so… Eigentlich hatte er Recht. Und weil auch wir an der dir gegebenen Gnade teilhaftig werden möchten, darum sind wir hier in San Giovanni Rotondo. Wir betrachten das Kreuz. Du kannst dich doch dort oben im Himmel noch daran erinnern. Einer deiner Kapuzinerbrüder aus dem Kloster sagte uns, du hättest immer nach dem Essen, oder auch vorher, oder gar immer, wenn du nur ein wenig Zeit hattest, vor diesem Kreuz gekniet und den lieben Heiland im Allerheiligsten Altarsakrament angebetet. Da fiel mir was ein. Der Papst hat schon einige Mal geschrieben (Enzyklika, oder wie man das nennt), die hl. Eucharistie sei das Zentrum unseres Glaubens. Das hat mich so richtig ergriffen und ich habe noch am selben Tag gebeichtet! Dann waren wir auch an deinem Grab. Sei mir bitte nicht böse, lieber hl. Pater Pio, aber irgendwie hat es mich gepackt, Stunden lang in jener Kirche vor dem Tabernakel zu beten, in welcher du die hl. Messe zelebriert hast. Ist es etwas Schlimmes gewesen, dass ich mich dort so richtig wohl fühlte, sogar wohler, als an deinem Grabe? Bitte verzeihe mir diese Unschicklichkeit!

Ich habe dich im Leben nicht gekannt, aber ich weiss, dass du das Allerheiligste oft und lange kniend angebetet hast. Das ist es, lieber Pater Pio, was ich jetzt in dieser kleinen, heimeligen (alten) Kirche dir nachmachen wollte. Es stimmt, dass ich einiges verpasst habe, da ich den Anschluss an die Pilgergruppe an diesem Tag verlor und den Ausflug nicht mitmachen konnte, aber ich habe mich unheimlich wohl gefühlt.

Am nächsten Tag besuchten wir die neu eingeweihte Kirche. Sie trägt stolz deinen Namen! „Pater Pio Basilika!" Da müssen wir hin. Vor genau vier Tagen wurde sie eingeweiht.

Ein riesiger Vorplatz! Treppen und Wasserspiele! Niedrige Steinwände laden zum Absitzen ein (mal schnell noch eine Zigarette rauchen, das begonnene Thema bis zum Ende plaudern, vor dem Gottesdienst noch schnell etwas essen…). Links ein himmelhoher Zeigefinger mit Daumen. Mein Gott, wie waghalsig gebaut, was für eine Betonkonstruktion! (Dachte ich, bis mir Herr Pfarrer sagte, das sei das Kreuz). Ich schämte mich bis in den Boden hinein. Esel, sagte ich mir, jetzt hast du nicht einmal ein Kreuz erkannt. Na ja, es ist halt so gross, dass kein Korpus (Leib Christi) darauf passt, aber, so sagte Herr Pfarrer, das ist doch auf jedem Kirchenturm so! Stimmt eigentlich – vielleicht auch nicht, denn das hier ist eben kein Turm, sondern ein betonerner Zeigefinger. Natürlich sagte ich das nicht, aber für mich blieb’s dabei. Lieber Pater Pio, was sagst du dazu? Darf ich bei meiner Meinung bleiben? Also, ein Kreuz stelle ich mir anders vor. Da sind die Balken gerade und laufen nicht hin und her gebogen gegen das Ende spitz zu. Wie hätte dein lieber Jesus auch an einem solchen Kreuz hängen können?

O weh! Die Gruppe war schon lange in der Kirche und ich habe sie wieder verpasst. Das kommt davon, dass man noch keine Tafel an das Kreuz angeschlagen hat, von der man ablesen könnte, was der Künstler damit sagen wollte. Wie ungebildet ich doch bin! Aber jetzt nichts, wie rein in die neue Basilika!

Die muss sicher so gebaut sein, wie du, lieber Pater Pio, gelebt hast. Der Herr Architekt hat sicher dein Leben studiert und die Kirche danach gebaut. Ich sah mich in dieser riesigen Halle um!

Einen Augenblick lang dachte ich, dass ich jetzt endlich die Kirche suchen sollte, vielleicht bin ich erst irgendwo im Vorraum derselben. Ich ging in eine Bank, und ohne so richtig aufzupassen (habe ich in „deiner kleinen, alten Kirche" auch nicht gemacht), kniete ich nieder. Nein, ich wollte niederknien, flog aber so richtig mit dem Kopf auf die Rücklehne der vorderen Bank und landete mit den Knien auf der Erde. Na wunderbar, dachte ich mir. Die Leute sollen einfach Busse tun, darum hat es keine Kniebänke, sondern nur „Sitzplätze". Hast auch du, lieber Pater Pio, lieber auf der Erde als auf der Kniebank gekniet? Aber warum zeigt man dann „deine" Kniebank in der alten, kleinen Kirche? … Übrigens: Wenn du jetzt hier wärest, würdest du auch auf den Boden knien? Ich frage mich bloss, was machen die Leute während der hl. Wandlung beim hl. Messopfer, wo doch das Messbuch eindeutig vorschreibt, dass man zur Wandlung niederknien muss? Ach ja, das ist sicher wegen der Busse: So, liebe Leute, jetzt kniet euch mal schön auf den Boden, denn gleich kommt die hl. Wandlung – oder so ähnlich wird das ja wohl der Herr Bischof gesagt haben, als er die Basilika eingeweiht hat. Also was mich anbelangt – ich würde sicher niederknien – auf den Boden, versteht sich, wegen der Bussübung! Und dass es nur Sitzplätze und keine Kirchenbänke gibt, das versteht jeder, der nur ein bisschen nachzudenken bereit ist. Man sagt einfach: Komm, lieber Jesus, setz dich neben mich – und das mit dem Kreuztragen und so … weißt du, das musst du in unserem Jahrhundert der Postmoderne nicht mehr so ernst nehmen. Ist doch schon lange her… oder? Zwar redet man überall von der Zeit – von unserer Zeit – in der die „Massenseelsorge" vorbei sei und der „Einzelseelsorge" Platz macht… Schon wieder ertappe ich mich, dass ich über etwas nachdenke, was mich doch gar nichts angeht.

Recht weit weg, aber doch im Blickfeld, sah ich mehrere Treppen, rechts und links von irgend etwas umrahmt – ich habe darauf verzichtet, in einem so heiligen Raum herumzugaffen – und ganz oben ein Felsblock (oder habe ich mich wieder getäuscht, weil ich die Absicht des Architekten wiederum nicht kannte), den ich mal vorerst den „Hauptaltar" nennen möchte.  Schön ist er nicht, dafür aber gross und ganz, ganz sicher künstlerisch wertvoll. Dahinter suchte ich den Tabernakel, ganz so, wie in „deiner" Kirche. Vor was sollte ich eigentlich beten? Etwa vor den Steinen? Nee, kommt nicht in Frage! Aber ich fand keinen Tabernakel! Naiv wie ich scheinbar doch bin, nahm ich an, dass ein Tabernakel sicher da ist, aber der ist sicher irgendwie irgendwo  „künstlerisch" untergebracht, und unsereiner findet dann halt nicht gleich das, was er sucht. Laienschicksal!

Den Kreuzweg wollte ich erst gar nicht suchen, da ich mich in Sachen Kunst ja nicht auskenne…. (Das nur deshalb, weil in „deiner Kirche" einer ist). Gut, dass ich gestern gebeichtet habe. Priester liefen eine Menge herum. Aber … wo ist der Beichtstuhl? Vielleicht ist diese Kirche auch nicht deshalb gebaut, dass man drinnen beichtet und anbetend kniet, sondern dass man grosse Massen mit konzelebrierten Messen „abfertigen" kann. (Au weh, lieber Pater Pio, das ist eine böse Verdächtigung und die musst du mir verzeihen!) Ich frage mich bloss, warum man dann diese Basilika nach dir benannt hat?

Aha! Jetzt habe ich es entdeckt. Da gibt es ja im Untergeschoss noch eine Menge Kirchen, Kapellen, Lifte, Treppen, Korridore, WCs und sonstige Räume. Bis zuletzt hat es mir Spass gemacht, all diese unterirdischen Katakomben  anzusehen und war ehrlich stolz auf mich, dass ich immer sofort erkannte, wo man mal konzelebrieren wird, denn da stand nämlich immer ein schöner Küchentisch (na ja, schon in einer etwas besseren Ausführung), dann  da und dort auch Stühle, damit die müden Pilger den lieben Heiland zum Absitzen einladen können. Lieber Pater Pio, würdest du hier das hl. Messopfer zelebrieren? Ich glaube, unter den vielen Räumen gibt es auch eine Sakramentskapelle, aber die habe ich nicht gefunden und suchte sie auch nicht mehr, da die vielen riesengrossen Treppen mich ermüdeten. Busse, alles ist hier auf Busse ausgerichtet! Doch wo bleibt die Anbetung? Lieber Pater Pio, hast du auch den Riesenlärm gehört, der in der oberen Kirche, na ja, eben in der Basilika, war? Die Leute redeten nicht draussen, wie ich mir das vorstellte… Oder haben die auch alle den Tabernakel, den Beichtstuhl gesucht? Ja, dann muss man halt fragen, reden, zeigen. Möglicherweise haben sie auch etwas viel Wichtigeres getan, wie zu Beispiel die kunstvoll gestreckten Betonbogen sich erklärt, den Baumeister wegen seines kühnen Bauplanes gelobt oder ähnliches. Vielleicht war einer von den vielen Menschen auch Maurer, und der wollte die Bretter zählen, die das Gerüst für den Kunstbau bildeten. Man weiss ja nie…

Schliesslich schritt ich die Basilika noch einmal ab. Nicht von hinten nach vorne – das gibt es bei einer runden Kirche nicht. Ich habe die ganze Zeit an dich, lieber Pater Pio, gedacht. Eigentlich ging ich hinein, um in der „drittgrössten Kirche der Christen", wie die Kirche bei ihrer Einweihung gepriesen wurde, dieselbe Stille, dieselbe Anbetung, denselben seelischen Frieden geniessen zu können, wie in „deiner" kleinen, alten Kirche. Doch wohin sollten sich meine Augen, mein Geist, meine Seele erheben, wenn man statt eines Kreuzes mit Korpus, eines Kruzifix, irgendein Kunstwerk über dem Altarsteinblock hängen sieht (das sicher vergoldet ist, denn es strahlte nur so – oder war’s nur geschliffen… Auf meine Frage sagte Herr Pfarrer, das sei das Kreuz, das beim Altar sein muss. Na ja, ich weiss es halt so, dass nicht ein Kreuz, sondern ein Kruzifix da zu sein hat…), wenn man gar nicht niederknien kann – wie in deiner kleinen, alten Kirche, lieber Pater Pio – weil es keine Kniebänke hat; was soll meine Seele anbeten, wenn ich trotz suchenden Blicken keinen Tabernakel gefunden habe; wie soll ich mich konzentrieren können, wenn Hunderte Menschen dauernd an einem guten Dutzend von Türen rein- und rauslaufen und ihre Gespräche nicht draussen beenden wollen, trotz der netten Sitzgelegenheiten auf dem Vorplatz…

Ich ging innerlich leer und traurig aus diesem Betonbau hinaus. Ein heiliger Ort, weil er von der Kirche geweiht ist! Aber, lieber Pater Pio, verzeihe mir, wenn mich keine sieben Ochsen mehr in diesen Bau hineinziehen werden können! Da gehe ich doch lieber in „deine" kleine, alte Kirche, wo es immer Gedränge hat, ich aber niederknien kann; wo sich mein Geist am Tabernakel oder an einem der Kruzifixe festmachen kann; wo es der Seele so heimelig gut tut, mit dir zusammen auf den Knien unseren kreuztragenden, leidenden Erlöser im Allerheiligsten Sakrament anzubeten.

Ein künstlerisch unbegabter, einfacher, römisch-katholischer Pilger

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