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HABEN TIERE EINE SEELE?

Tiere bieten uns ihre Dienste an. So hält man beispielsweise den Hund als den treuesten Gefährten des Menschen. Was ein treuer Hund in der Einsamkeit des Alters, aber auch in der Krankheit, zum Beispiel der Blindenhund, bedeuten kann, muss weder bewiesen werden noch kann man es um keinen materiellen Wert dieser Erde kaufen. Das Ableben eines geliebten Hundes kann tiefe Traurigkeit, bei alten und einsamen Menschen sogar den Tod hervorrufen. Unsere heutige Welt ist gegenüber der Tierwelt, die in den letzten Jahrzehnten arg dezimiert wurde, empfindlich geworden. Doch während man sich energisch für den Tierschutz einsetzt, bleibt der Schutz des Ungeborenen auf der Strecke. Noch mehr: Esoterisches Gedankengut will dem Tier sogar eine Seele zusprechen. Die Frage, was eigentlich die menschliche Seele ist und ob diese dem Tier zugesprochen werden kann – oder ob man nicht doch das Leben selbst irrtümlicherweise oder ideologisch gewollt mit „Seele" verwechselt, muss einer dringlichen Klärung unterzogen werden. Immer öfter wird daher gefragt: Haben Tiere eine Seele?

Wir wollen dieses Thema von mehreren Seiten her beleuchten, ehe eine vorschnelle, stereotype Antwort jede Diskussionsgrundlage vereitelt.

 

1. Der biblische Schöpfungsbericht

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1.1. Die Erschaffung der Artenvielfalt

„Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen, und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen. Gott schuf alle Arten von grossen Seetieren, und alle Arten von gefiederten Vögeln. Gott sah, dass es gut war. Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehret euch, und bevölkert das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren" (Gen 1,20-22)

In letzter Abstraktion sagt dieser Text nicht mehr und nicht weniger aus, als dass am Anfang aller geschaffenen Dinge, das heisst aller sichtbaren, uns umgebenden Dinge, ein Schöpfer steht. Diese Glaubensaussage ist erstes Ziel – nicht aber die wissenschaftliche Beweisführung. Ginge es um Letzteres, dann müssten schon zumindest einige Namen von „Meerestieren" und „Vögeln am Himmelsgewölbe" genannt werden.

Die Erschaffung der Artenvielfalt steht hier im Vordergrund. Einzig „Adam" und „Eva" werden unter den ins Leben Gerufenen mit einem Namen bedacht, Sonne und Mond werden einzeln genannt, „beim Namen gerufen". Alles andere, was Gott erschaffen hat, sind Schöpfungsakte der Art und nicht des Einzelnen. Hat Moses die anderen Himmelsgestirne nicht gekannt? Schon möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Im alten Ägypten des Moses gab es eine sehr genaue Kenntnis der Sternenkonstellationen. Auch daraus ist ersichtlich, was Moses in letzter Instanz durch den Schöpfungsbericht sagen wollte. Nicht menschliches Wissen sollte vermittelt werden – das er mit Sicherheit aus seiner Zeit im Palast des Pharao kannte. Vielmehr sollte der Auftrag Gottes, das in Gefangenschaft schuftende Volk Israels zum Eingottglauben hin und aus der „menschlichen" Sklaverei herausgeführt werden. Die Richtung, in die die Menschheit zu gehen hat ist somit dieselbe, aus welcher sie gekommen ist. Diesen Schöpfungsauftrag teilt uns Moses mit!

 

1.2. Gott hat uns beim Namen gerufen

Die hl. Schrift des Neuen Testaments führt diese Tradition weiter, bei bestimmten „Berufungen" den Namen zu nennen, bei anderen wiederum begnügt sich der biblische Bericht auf die Nennung der „Art". So kennen wir keinen einzigen Namen der 72 Jünger Jesu, obschon sie eine sehr wichtige Vorbereitungsarbeit auf den ihnen folgenden Jesus leisteten. Dann wird hingewiesen, dass viele kranken Menschen die Strassen säumten, und als der Schatten Jesu auf sie fiel, wurden sie gesund (vgl. Mk 6,56). Auffallend ist, dass das Neue Testament selbst bei Heilungen von einzelnen Menschen kaum den Name mitteilt. So werden zwar die Schwiegermutter des Petrus, der „Mann mit der verdorrten Hand", die zehn Aussätzigen usw. erwähnt, der Name jedoch fehlt.

Ganz anders verhält es sich bei jenen, deren Namen mitgeteilt wird:

Als Christus die Apostel beruft, ruft er sie beim Namen! Gottes Ruf hat einen Namen!

Der hl. Apostel Paulus spricht von vielen Charismen, Geistesgaben, von uns innewohnenden „Stärken", die uns von Gott zum Wohl der Mitmenschen gegeben werden (vgl. Röm 12,1-8).

Gott ruft zur Verantwortung für alles, was wir im Leben getan haben, besonders, was wir „dem Geringsten" getan haben, das haben wir für ihn getan (vgl. Matt 25). Gott identifiziert sich mit dem Armen, dem Schwachen, dem Verfolgten, dem Hilfsbedürftigen (vgl. Apg 9,4: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich")

Da uns also Gott „beim Namen ruft", kann uns der Heiland versprechen, dass jedem einzelnen von uns „eine Wohnung beim Vater, der im Himmel ist", bereit steht (vgl. Joh 14,2).

Als erstes können wir somit festhalten: Die biblischen Berichte beider Testamente unterscheiden zwischen höherer Schöpfung und die Schöpfung erfüllenden Wesen.

 

1.3. Herrschaft und Verantwortung

Die aus Gottes Hand als Erstursache hervorgehenden Tiere werden nicht beim Namen gerufen. Dafür aber erhalten sie den Auftrag, das trockene Land und die Wasser zu „bevölkern". Dem schliesst sich nahtlos auch der Zweck dieser „Bevölkerung" an:

„Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land" (Gen 1,26).

Als die Menschen ab etwa Mitte des 20. Jahrhunderts staunend feststellten, wohin sie ihre „Herrschaft", zu der sie eigentlich berufen sind, geführt hat, begann das grosse Umdenken. Gott sei Dank!, muss man sagen. Denn obwohl es jeder weiss, wird es kaum oder nur zögerlich ausgesprochen: Wo Herrschaft gegeben wird, da muss unbedingte und bedingungslose Zucht „herrschen". Wo Rechte eingefordert werden, da müssen unbedingt und bedingungslos auch Pflichten geltend gemacht werden. „Herrschaft" ohne die Bescheidenheit der Selbstzucht, Rechte geniessen ohne die volle und lückenlose Wahrnehmung der Pflichten, führt zum sicheren, wenn auch langsamen Abstieg und zur Selbstzerstörung. Die Zusatzfrage sei hier erlaubt: Hat nicht die heutige Menschheit durch zuchtloses Geniessen der Herrschaft über die Natur und der vermeintlich pflichtenlosen Rechte gegenüber der Schöpfung – weil nicht mehr an den Schöpfer glaubend – den eigenen Untergang betrieben? Es scheint, als wäre den Menschen die zuchtvolle Herrschaft abhanden gekommen, jedoch statt der Umkehr zum Schöpfer, ergiesst man sich über „Rettungsprogramme der bedrohten Welt" und hält Symposien ab über „Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung". Nichts dagegen – aber ohne Schöpfer kann Seine Schöpfung eben nicht gerettet werden! An den Anfang all dieser Programme gehört daher die Anrufung des Schöpfers! Die tiefe Ehrfurcht vor dem Schöpfer allein kann uns erneut zu einer grossen Verantwortung den erschaffenen Dingen gegenüber führen.

 

2. Mensch zwischen Engel und Tier

 

2.1. Wesen der Engel

Um die uns eingangs gestellte Frage nach der Seele des Tieres beantworten zu können, halten wir es für unumgänglich, nach dem biblischen Schöpfungsbericht auf jene beiden Wesen einen Blick zu werfen, die im Zentrum der Schöpfung Gottes stehen. Dabei geht es auch hier nicht um streng wissenschaftliche Beweise, denn die Wissenschaft kann die Seele mit ihren Methoden nicht bezeugen. Das Leugnen der Seele mit so genanntem wissenschaftlichem Werkzeug deutet daher eher auf unseriöse Behauptungen denn auf forschende Wissenschaft hin. Hier ist also die Zäsur, wo sich Wissenschaft und Religion ergänzen.

Da die Menschwerdung Gottes in der Zweiten Göttlichen Person Jesus Christus Mitte und Ziel der gesamten Menschheit ist, müssen wir von Ihm selbst ausgehen, um in unserer Fragestellung weiter zu kommen. Ohne Vorwegnahme dessen, was das Christentum unter „menschlicher Seele" versteht – wir kommen später darauf zu sprechen – beobachten wir zuerst jene Wesen, deren „Geistigkeit" mit Sicherheit nicht geleugnet werden kann. Die erste Frage muss demnach lauten: Warum ist Gott Mensch geworden?

2.1.1. Sicher gibt es darauf viele und richtige Antworten. In der Geburt Jesu zu Bethlehem hat jenes Erlöserwerk Gottes seinen Anfang genommen, welches den Menschen ermöglicht, zu Gott in den Himmel zu kommen und hat die Gottferne von uns genommen. Auch dies ist wohl eine der Antworten. Die Bibel selbst gibt uns noch viele weitere Antworten: der Erlöser selbst wird, wenn er "erhöht ist, alle an sich ziehen" (vgl. Joh 12,32); er wird uns vorausgehen "und eine Wohnung bereiten, damit auch wir dort sind, wo er ist" (vgl. Joh 14,3); er wird "sich vor den Engeln Gottes zu uns bekennen, wenn wir uns auf Erden vor den Menschen zu ihm bekannt haben" (Vgl. Lk 12,8). Unter den biblischen Antworten muss der letzt zitierte Satz ganz besonders hervorgehoben werden, geht es doch bei der Menschwerdung nicht in erster Linie nur um das Tätigwerden Gottes an uns - auch unser Tätigwerden ist gefordert! Denn obwohl die „Menschwerdung Gottes" sich direkt an die Menschen wendet, verknüpft Christus unser irdisches Bekenntnis an ihn mit seinem Bekenntnis im Himmel vor den Engeln.

2.1.2. Es muss etwas Großes um die Engel sein, wenn Jesus sich "vor den Engeln" zu uns bekennt. Nicht vor den Heiligen, nicht vor den Aposteln - nein, "vor den Engeln" wird Jesus sich zu uns bekennen als Gegenstück dafür, dass wir ihn vor den Menschen bekannt haben.

Die Engel sind reine Geisteswesen, mit einem freien Willen und einem klaren Verstand ausgestattet, also personale Wesen. Es gehört zum Glaubensgut der Kirche, dass jeder einzelne Mensch schon bei der Empfängnis einen Engel von Gott zugeteilt bekommt, der uns schützt. Gott wusste es, dass der Mensch, als ein Geist-Materie-Wesen, so sehr an der Materie haften wird, dass er darob sogar seinen Schöpfer vergessen wird können. Unserer Seele Schutz und Hilfe zu gewähren, hat er Schutzengel abgeordnet, und sie verlangen sehnsüchtig danach, uns in unserem Geist-Materie-Kampf beistehen zu dürfen. Ein Beispiel dafür ist der hl. Josef, "der gerecht war und Maria nicht bloßstellen wollte" (vgl. Mt 1,19). Rein menschlich gesehen wollte oder müsste er sie verlassen. Ein Engel, ein Bote Gottes, war es, der ihm, den Kenner der alttestamentarischen Verheißungen, auf die Geistebene seines Menschseins verhalf. Zu sehr war er auf das "nur-irdisch-Logische" konzentriert. Doch jetzt, sich seiner geistig-seelischen Dimension gewahr, "nahm er Maria zu sich" (Mt 1,24), umsorgte sie und das Kind, das, wie der Engel ihm kundtat, "vom Heiligen Geist" ist. Hier entdecken wir klar den Auftrag der Engel in unserem Leben, nämlich unsere Seele zu begleiten, beschützen und zum Guten anzuleiten.

Wenn Jesus, der Erlöser, sich vor den Engeln des Himmels zu uns bekennen wird, dann, so sagten wir, muss es etwas Großes um die Engel sein! Als wollte Jesus sagen: Ihr, die Engel, und du, die Seele, ihr beide seid mir in eurem, wenn auch sehr verschiedenen Kampf, treu geblieben. Ja, noch mehr! Den gefallenen Engeln wurde kein Bußsakrament gegeben, keine Heilsgnaden vermittelnden Sakramente; es gab keine "Engelwerdung" Gottes ähnlich der Menschwerdung.

2.1.3. Im Lobgesang der Engel bei der Menschwerdung Jesu in Bethlehem tut sich uns jene unendliche Zuneigung Gottes auf, die der geretteten, erlösten Seele durch Leid, Kreuz und Auferstehung zuteil wurde.

Engel schickt Gott dem aus Ägypten ausziehenden Volk der Israeliten voraus, um das gelobte Land zu erreichen und sie sind es, die Moses auf der Bundeslade zum Zeichen der Präsenz Gottes unter seinem Volk aufstellen ließ; Engel sind es, die auf der Leiter Jakobs auf und abstiegen (vgl. Gen. 28,11); Engel dienten dem „Menschensohn" nach der dreimaligen Versuchung in der Wüste; Engel sind es, die „im Himmel stets das Angesicht des himmlischen Vaters sehen" (Mt 18,10), und schließlich waren es Engel, die den Aposteln die Kunde von der Auferstehung mitteilten!

Durch seine Menschwerdung gab uns Jesus - so Johannes in seinem Prolog - "die Macht, Kinder Gottes zu werden!" (Joh 1,12). In ihr erhob er die Seele, durch sein Blut der Vergebung gereinigt, in den Himmel über die Chöre der Engel, die sich über jeden freuen, der "seinen" Kampf für Gott bestanden hat (vgl. 2 Tim 4,7).

Im irdischen Dasein helfen uns die Schutzengel. Sie erwarten von uns, dass wir keinen Tag vergehen lassen, ohne an sie zu denken. Ihre Pflicht ist es, - wie beim hl. Josef - unsere Schritte auf jene Wege zu führen, auf denen wir oft plötzlich einleuchtend und klar den Willen Gottes in unserem Leben erkennen. Es gibt viele Heilige, die uns mit ihrer Fürbitte beistehen, aber es gibt nur einen schützenden Geist, der in unmittelbarem Auftrag Gottes unser Leben begleitet!

2.1.4. In der dogmatischen Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium" sagt das II. Vatikanum wörtlich: „Alle Christgläubigen mögen inständig zur Muttergottes und Mutter der Menschen flehen, dass sie, die den Anfängen der Kirche mit ihren Gebeten zur Seite stand, auch jetzt im Himmel über alle seligen und heiligen Engel erhöht, in Gemeinschaft mit allen Heiligen bei ihrem Sohn Fürbitte einlegen möge ... zur Ehre der heiligsten und ungeteilten Dreifaltigkeit." Diesen einmaligen Gnadenvorzug begründet dieselbe Konstitution wie folgt: „Maria wird durch Gottes Gnade nach Christus, aber vor allen heiligen Engeln und Menschen erhöht, mit Recht, da ja sie die heilige Mutter Gottes ist und bei den Mysterien Christi dabei war." Die bevorzugte Stellung Mariens über die Engel hat auch ihren kultischen Niederschlag in der Kirche gefunden als „Königin der Engel". Indem aber das Konzil Maria nicht nur als Gottesmutter und Mitsiegerin über Satan und als Herrscherin über die Engel bezeichnet, sondern ihr auch eine besondere Verehrung zuspricht, welche über die der Engel hinausgeht, bestätigt es zugleich auch die besondere Verehrungswürdigkeit der Engel.

Der Glaube an die Schöpfung der Engel kann nicht marginalisiert werden, ohne an unserem Glauben allgemein Schaden zu nehmen. Im großen Glaubensbekenntnis der hl. Messe („nizänokonstantinopolitanisches Credo") bekennen wir: „Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge" (d.h. „Wesen"). Wir wissen, dass der Mensch innerhalb der Schöpfung eine besondere Stellung genießt: Dank seines Leibes gehört er der sichtbaren Schöpfung an, während er sich durch die Seele gleichsam an der Grenze zwischen sichtbarer und unsichtbarer Schöpfung bewegt. Der Schöpfung aber gehören - im Lichte der ganzen hl. Schrift betrachtet - noch andere, rein geistige Wesen an, die nicht zur sichtbaren, materiellen Welt gehören, auch wenn sie in ihr gegenwärtig und tätig sind.

2.1.5. Man muss zugeben, dass die Verwirrung bisweilen groß ist, wenn es um diese Geisteswesen geht und die Gefahr in sich birgt, etwas als Glaube der Kirche über die Engel hinzustellen, was nicht zum Glauben gehört. So zögert unsere materiell geprägte Welt nicht, die reinen Geisteswesen mit jenen guten Menschen auf eine Stufe zu stellen, denen wir die Eigenschaft eines „Engels" zuerkennen. Doch bei näherem Hinsehen ist hier eine Umdrehung der Tatsachen, eine gänzliche Umwertung der Realitäten erkennbar. „Sie war ein Engel der Armen", sagen viele über Mutter Teresa; „heute bin ich einem Engel begegnet" sagen viele, wenn sie es mit einem guten, hilfreichen Menschen zu tun hatten. So wahr dies sein mag, müssen die Werte ins rechte Licht gerückt werden. Um Eigenschaften der guten Engel auf Menschen übertragen zu können, setzt voraus, dass es tatsächlich auch Engel gibt. Ihr Tätigwerden auf Erden kann menschliches Handeln analog bezeichnen. Jedoch menschliches Tun nur noch in sich, abstrahiert von der Geisteswelt und um seiner selbst willen, ja unter Leugnung der von Gott geschaffenen geistigen Wesen, zu akzeptieren, das heißt, nur noch die Eigenschaft, nicht aber das personale Wesen anzuerkennen, greift die Substanz christlichen Glaubens an. Freilich waren die Engel auch zur Zeit Christi schon Objekt der Leugnung, so bei den Sadduzäern (Apg 23,8), und seither bei allen Denominationen von Materialismus und Rationalismus. Doch wollte man die Engel auf rein menschliches Handeln reduzieren, sozusagen sie „zum Sprichwort" machen, müsste man die Bibel neu schreiben und die ganze Heilsgeschichte revidieren. Ihnen allen muss Paulus entgegengehalten werden, der an die Kolossergemeinde schreibt (1,16): „Denn in Christus wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten, alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen". Die Bezugnahme auf den Primat Christi in der Schöpfung durch Paulus hilft uns zu verstehen, wie und wo wir die Engel - und zwar die guten und die gefallenen - im Heilsgeschehen einzuordnen haben.

2.1.6. In der Offenbarung redet Gott vor allem den Menschen an, sind doch die Engel nicht Subjekte derselben! Die Lehre über die Engel ist in der christlichen - und einzigen - Offenbarungsreligion gewissermaßen „collateral", also sekundär. Doch gerade deshalb ist sie nicht von der Hauptoffenbarung, nämlich der Existenz eines Schöpfergottes, trennbar. Darin liegt wohl der Denkfehler all jener, welche die Engel nur als „Eigenschaft", nicht aber als „Wesen" definieren möchten. In der Wirklichkeit der Offenbarungsordnung sind die Engel in der Tat nicht Geschöpfe ersten Ranges, da sich die Offenbarung in Jesus Christus auf die Menschen bezieht. Heißt das nun, dass man jenseits der Offenbarungsordnung befindliche Wesen, durch ein und denselben Schöpfergott erschaffen, beiseite legen oder gar leugnen darf? Gerade die Engel sind es, die im Namen des Schöpfergottes nicht selten fundamentale Aufgaben auch innerhalb der Offenbarung wahrnehmen. Als Beispiel sei hier nur der hl. Erzengel Gabriel erwähnt, durch den Gott bei der Jungfrau Maria anfragen ließ, ob sie unwiderruflich und endgültig zu ihrem Auftrag steht, „Magd des Herrn" zu sein! Alles, was zur Schöpfung gehört, gehört nach der Offenbarung auch zum für uns Menschen undurchschaubaren Geheimnis der Vorsehung Gottes. Diese aber umfasst nicht nur das Materielle, sondern auch die Welt der Geister, die mehr noch als wir Menschen freie Vernunftswesen sind. Als Geisteswesen sind sie Gott, der absoluter Geist ist, näher als die menschliche Kreatur. Die hl. Schrift berichtet uns in eindrücklichen Erlebnissen von dieser Nähe der Engel zu Gott.

Tatsächlich scheiden sich die reinen Geister, wie die Offenbarung deutlich zeigt, in gute und in böse. Doch die Spaltung wurde nicht durch Gottes Schöpfung bewirkt, sondern auf Grund der Freiheit ihrer geistig-personalen Natur. Sie wurde bewirkt durch jene Erst-Entscheidung, die bei den reinen geistigen Wesen einen unvergleichlich radikaleren Charakter hat als bei der Erst-Entscheidung des Menschen. Sie ist irreversibel in Anbetracht des hohen geistigen Grades von intuitiver Erkenntnis und Durchdringung des Guten, mit denen ihr Verstand ausgestattet ist. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass auch die reinen Geister einer moralischen Prüfung unterworfen wurden. Es ging um die Entscheidung im Hinblick auf Gott selbst, einem Gott, der seinem Wesen nach von ihnen stärker und intensiver erkannt wurde, als dies menschlicher Verstand jemals erreicht. Während beim Menschen eine moralische Probe, zum Beispiel in der Versuchung, zur Tugend bzw. zur Sünde führen kann, ging die Erst-Entscheidung für oder gegen Gott bei den reinen Geisteswesen mit einer Wesensverwandlung einher, die, wie erwähnt, unwiderruflich ist. In dieser Wahl, die auf Grund ihres Intellekts in der dem Menschen weit überlegenen höheren Form der Wahrheitserkenntnis über Gott getroffen wurde, ist die Ursache für die Spaltung der reinen Geisteswesen in gute und böse zu suchen. Während die einen Gott als ihr höchstes und endgültiges Gut erwählten, mit ihrer ganzen inneren Kraft der Freiheit, die Liebe ist, sich ihm endgültig zugewandt haben, wandten sich die anderen in ebenderselben tiefen Einsicht ihres Intellekts von Gott ab, und das gerade im Gegensatz zu der erkannten Wahrheit, oder anders gesagt, entgegen besserem Wissen. Dadurch aber wandten sie sich nicht nur gegen ihren Schöpfer, sondern auch gegen die noch zu erfolgende Erlösung in Jesus Christus, das heißt gegen die Ordnung der Gnade.

2.1.7. Von hier aus ist zu erklären, warum die abgefallenen Engel auch heute noch die Ordnung der Gnade bekämpfen und die Menschen durch Abwendung von ihrem Schöpfer auf den Pfad der Auflehnung, des Ungehorsams und der Sünde führen wollen. Der Kampf der gefallenen reinen Geister ist also niemals ein „Kampf gegen Gott", sondern immer ein Kampf gegen die Ordnung der Gnade, die jedem Menschen durch den Erlösertod Jesu angeboten wurde. So ist die direkte Stossrichtung dieses Kampfes ausschließlich der Mensch und sein Seelenheil, und nur indirekt Gott.

Ich gebe zu, dass eine solche Rebellion gegen Gott bei Wesen mit ungebrochen klarem Intellekt und absolut tiefer Einsicht schwer zu verstehen ist. Die Kirchenväter hingegen zögern nicht von Verblendung zu sprechen, hervorgerufen von der Überschätzung der Vollkommenheit des eigenen Seins, diese dann so weit getrieben, dass die Größe Gottes in ihrem Intellekt getrübt wurde und dem Schöpfer entgegentrat, als dieser einen Akt des willigen Gehorsams und der Unterwerfung verlangte. Ihre Reaktion der Verblendung darauf war: „Ich will nicht dienen!" So ist es verständlich, dass Satan sein eigenes Reich - und nicht das Reich des Schöpfergottes aufbauen will und in seiner Verblendung sich als Widersacher Gottes betrachtet, obwohl er doch nur ein geschaffenes Wesen ist.

Wir müssen endlich damit aufhören, in „Luzifer und seinem Anhang" einen direkten „Widersacher" Gottes zu sehen, da dies zu dem falschen Schluss führen könnte, als gebe es im Christentum zwei - möglichweise sogar gleichartige - Prinzipien: das des Guten, also Gott und das des Bösen, also Satan! Wer diesem dualistischen Prinzip Vorschub leistet, wird eher oder später den Teufel leugnen müssen! Daher noch einmal: Wohl ist der Teufel das Prinzip des Bösen, jedoch hat er nicht als Gegenpart den Schöpfergott, sondern die Gnadenordnung, und somit den Menschen! Hier, und nur hier ist sein Betätigungsfeld! So ist der Mensch es, der erneut vor die Entscheidung der Annahme des absolut Guten, also Gott oder der Hinwendung zum Bösen, also zu Satan, gestellt ist. Gott ist es, der das Prinzip des Bösen zu unserer Prüfung zulässt, die gefallenen reinen Geisteswesen aber wirken im Menschen durch mancherlei Versuchung gegen die Gnadenordnung der Erlösung.

Die Lehre aus der Entzweiung der Geisterwelt kann daher nur lauten: Der Stolz führt zur Verblendung - und die Verblendung ins Verderben.

2.1.8. Abschließend möchte ich noch einen Blick auf die Parusie, auf die Wiederkunft Christi werfen. Hierzu finden wir die Aussage Christi, dass „der Menschensohn mit den heiligen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen wird". Man kann also sagen, dass die Engel als reine Geisteswesen nicht nur in der ihnen eigenen Weise an der Heiligkeit Gottes selbst Anteil haben, sondern auch in den entscheidenden Augenblicken des Erlösungswerkes Christus umgeben und ihn begleiten bei der Erfüllung seiner Heilssendung für die Menschen.

Die Heilige Schrift bezeichnet jene Geisteswesen als Engel, die bei der grundlegenden Prüfung der freien Entscheidung sich für Gott, für seine Ehre und für sein Reich entschieden haben. Sie sind mit Gott verbunden in der verzehrenden Liebe, die aus der beseligenden Schau der Heiligsten Dreifaltigkeit von Angesicht zu Angesicht hervorgeht. Jesus selbst sagt: „Die Engel des Himmels sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters" (Mt 18,10). Diese „Anschauung" bedeutet aber den höchsten Ausdruck der Anbetung Gottes, eine Art „himmlische Liturgie", die im Namen des ganzen Universums vollzogen wird.

Wer Großes denkt von Gott, darf auch Großes denken von seinen Geschöpfen, darunter vor allem auch von den Engeln. Möge sich an jedem von uns erfüllen, was der Psalmist vertrauensvoll ausspricht: „Der Herr ist meine Zuflucht ... er befiehlt seinen Engel, dich zu behüten auf all deinen Wegen". (Ps 91,9.11).

 

2.2. Wesen des Menschen

„Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen" (Gen 1,7).

Es ist schon sonderbar, wie „der Lebensatem" auch heute noch Menschen verzaubern, verändern, umgestalten kann. Nicht von ungefähr suchen zwei Verliebte am ehesten dort die Nähe des Partners, wo der „Lebensatem" zu spüren ist!

2.2.1. Der Atem ist das Ureigenste, was der Mensch von sich gibt. Unverfälschlich, unsteuerbar, absolut eigenartig, immer derselbe.

Wenn Gott, der Schöpfer, die ersten Menschen anhauchte, „den Lebensatem in seine Nase blies" (die Nase ist das eigentliche Atmungsorgan, wie der Mund zur Nahrungsaufnahme da ist), dann gab Er ihm etwas von sich – das Ureigenste, aus dem Innern heraus. Da Gott aber reiner Geist ist, kann er nur von Seinem Wesen etwas mitteilen: Den Geist. Bei näherer Betrachtung des Textes erhellt klar, dass Moses einen Unterschied macht zwischen „dem Menschen aus dem Ackerboden", also der Körperlichkeit, des Materialhaften und dem ihm verliehenen Geist. Beide scheinen zum Menschsein wesenhaft zu gehören. Das eine ohne das andere kann nicht existieren. Während das eine, der Geist in sich als reine Existenz, ein Engel wäre, ist das andere ohne den Geist „Ackerboden". Wobei unter „Ackerboden" sicher auch die Existenz der lebenden, nicht mit dem Hauch Gottes versehenen Lebewesen zu verstehen sind, wie etwa das Gras und die Bäume, die Tiere und die Bäume.

2.2.2. Der Dreifaltige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, hat im Gott-Menschen Jesus Christus dieselbe symbolhaften, sichtbaren Zeichen gesetzt, um von Seinem Wesen Wesentliches mitzuteilen. Diese Mitteilung hat im Neuen Testament eine unerhörte, zeitlich unbegrenzte Sprengkraft, die Ketten lösen und Menschen aus der Verstrickung in die Sünde befreien kann.

„Jesus sagte noch einmal zu seinen Jüngern: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem Er das gesagt hatte, hauchte Er sie an und sprach zu ihnen: Empfanget den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20.22-23).

Damit ist klar ausgedrückt, dass der Mensch sündigen kann – und dass er von seinen Sünden genau so befreit werden kann anhand der in Jesus Christus uns geschenkten Gnadenordnung. Die Vergebung geschieht durch Geist der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Es ist kaum anzunehmen, dass die Verstrickung in die Sünde das Materielle am Menschen betrifft, vielmehr ist es jener „Lebensatem", den der Schöpfer am Anfang dem Menschen aus seinem tiefsten Inneren heraus gab, auf den sich Schuld und Sünde anhäufen. Das soll im nächsten Punkt schematisch dargestellt werden.

2.2.3. Eine Welt, die sich ihrer materialistischen Orientierung, ihrer säkularen Verfasstheit rühmt und daher im Leben des Menschen den Schöpfer und Erlöser marginalisiert, an den Rand der Beliebigkeit verdrängt, ist schnell bereit, Geist und Seele auf eine Stufe zu stellen. Das aber ist ein fataler Denkfehler! Darum sind diese Zeilen auch nicht für „gegen den Heiligen Geist" sündigenden Menschen (vgl. Mt 12,31), das heisst in der Verstocktheit der Sünde und des Unglaubens bis zum Tode verharrenden Menschen, geschrieben, sondern für jene, die auf der Suche nach den Spuren der Schöpfung und der Göttlichen Offenbarung sind. Unsere Aufgabe ist es nun, den Materie – Geist – Seele-Menschen näher zu betrachten.

Einige Skizzen können uns die Unterschiede deutlich machen.

a). MENSCH = Materie + Leben

Die Materie übernimmt lebenswichtige, vom Menschen nicht gesteuerte, unbewusste, so genannte naturhafte bzw. triebgebundene Funktionen, wie: Herzschlag, Lungenfunktion, Verdauung etc. Diese Funktionen haben wir mit allen Tieren ohne jedwelchem Unterschied gemeinsam.

Dass all dies nur das Lebewesen vermag, muss nicht erst bewiesen werden. Schwindet das Leben, bleibt nur ein Leichnam übrig, gerade noch gut genug, um in die Erde versenkt zu werden. Gerade die moderne Genforschung zeigt uns, wie interessant es wäre, wenn bestimmte Gene von – sagen wir mal Wissenschaftlern, von einem „grossen Geist" - über den Tod hinaus gerettet werden könnten. Was ist im Tode passiert? Ein neues, erweitertes Bild muss her!

 b) MENSCH = Materie + Geist + Seele

Dabei dürfen wir als untrennbar miteinander verbunden die Materie (den Körper) und den Geist ansehen. Denn im Tode wird nicht nur die Materie zur Leiche, sondern auch der Geist schwindet. Der Geist aber ist es, der den Menschen vom Tier unterscheidet. Auch wenn man Darwins „Sprünge" in der Entwicklung der Lebewesen Gehör schenken wollte (obwohl schon längst überholt), bleibt doch die Tatsache, dass eine Kuh niemals Miau-en, ein Hund niemals Muh-en und eine Katze niemals bellen wird! Der Körper möge sich anpassen können – Geist passt sich niemals an! Und er entsteht auch nicht durch Entwicklungssprünge! Er entwickelt sich im Einzelnen und das erst noch individuell. Daher sind die Geistfunktionen des Menschen weit erhabener als jene seiner „Materie": vom lallenden Kind, dem geschult denkenden Erwachsenen bis hin zum erfahrungsvollen grauen Haupt des Greisen. Diese Entwicklung machen die Tiere nicht mehr mit! Sie bleiben auf der Stufe des triebhaften, unbewussten, sich stets wiederholenden Lebens haften. Es fehlt der Geist! Wäre ein Geist bei den Tieren voraussetzbar, müsste beispielsweise das neugeborene Rehkitz nicht nach 20 Minuten vor dem Löwen flüchten können, sondern die Mutter würde sich bei jeder Geburt eine andere Strategie zum Schutz ihres Neugeborenen ausdenken können. Ausdenken – das ist eben die typische Art des geistbegabten Menschen. Denken heisst: Rückschau halten, erinnern – reagieren – für die Zukunft planen können. Aber genau das können Tiere nicht. Wenn sie für den Winter Vorrat besorgen, ist das nichts weiteres, als Instinkt, Überlebenstrieb. Selbst der grösste aller Triebe, der Arterhaltungstrieb ist nicht geplant (wie beim Menschen), sondern in zeit und Auswahl von der Eigenart der einzelnen Tiergruppen abhängig.

In einem weiteren Schema soll nun der Unterschied zwischen Geist und Seele hervorgehoben werden.

[] Materie + Geist >>> mit einer spezifischen Fähigkeit: den Verstand

                  c)  MENSCH =    

                                                   [] Seele >>> mit der spezifischen Fähigkeit: dem Gewissen

Es ist unerlässlich, zwischen Geist/Verstand sowie Seele/Gewissen zu unterscheiden!

2.2.4. Was der Verstand für den Körper ist, das ist das Gewissen für die Seele. Wenn Tiere ein anderes Tier umbringen, um zu überleben, können sie keine Gewissensbisse haben. Diese Fähigkeit fehlt ihnen. Dafür können Gewissensbisse den Menschen bis in den Wahnsinn treiben! Wenn wir über den Menschen reden, dürfen wir niemals Geist mit Seele verwechseln! Während die menschlichen Verstandfunktionen ein Produkt materieller-chemischer Vorgänge unseres Gehirns sind, ist für das Gewissen kein ähnlicher Vorgang im Körper des Menschen auszumachen. Dennoch ist das Gewissen da als Fähigkeit des Menschen. Während wir nun mit dem Tier, was Materie+Geist+Verstand anbelangt, im Tode gleichgestellt sind, da auch beim Menschen im Tode alle geistig-verstandesmässigen Funktionen unwiderruflich aufhören, bleibt allein die Seele, „der Lebensatem", „das Abbild Gottes" in uns weiter bestehen. Natürlich geht beim Menschen im Tode viel mehr verloren als beim Tier. Denn während das Tier um Nachwuchs gesorgt hat und dann im Tode zur Leiche wird (es gibt Tiere, die nur deshalb und nur so lange leben, bis sie für Nachkommen gesorgt haben und anschliessend sofort sterben), so wird beim Menschen nicht nur der Körper, sondern auch der Geist ausgelöscht.

Das Gewissen ist es, das uns nach dem Tode selbst-identifiziert. Das Gewissen ist es, das die Seele aus diesem Leben ins Jenseits mitnimmt und vor den Richterstuhl Gottes stellt. Nicht der irrungsfähige Verstand, sondern das Gewissen war es auch im Leben, das Gut und Böse unterschieden hat, das den Verstand durch „Gewissensbisse" zur Umkehr aufforderte, auf das sich Sünde und Gnade gleichermassen abluden. Obsiegt das Gewissen nicht über den Verstand und verharrt der Mensch im Unglauben bis zum Tode, dann tritt ein, was Jesus in aller Deutlichkeit gesagt hat: „Ich sage euch, über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tage des Gerichtes Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden" (Mt 12,26-37). Nun entstehen aber „Worte" aus dem Verstand heraus, dieser hingegen stirbt im Tode. Könnte Gott bestrafen oder freisprechen, was gar nicht vor Ihn hingetragen wird? Hieraus ist die enge Beziehung zwischen vergänglichem Verstand und bleibendem Gewissen ersichtlich. Von Tieren ist uns diese Beziehung nicht bekannt, besser noch: Dort existiert sie nicht!

Fazit

Die Antwort auf unsere im Titel gestellte Frage kann nur eindeutig lauten: Nein. Tiere haben keine Seele! Durch ihre Instinkte und Triebe gelenkt, verspüren auch Tiere sehr wohl Schmerz und können Freude zeigen. Wir geben dem alten Sprichwort recht: „Quäle nie ein Tier aus Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz!" Doch beim Mensch wie beim Tier gehört das Empfinden zum Körper – nicht zur Seele! Letztere ist vom ersten Augenblick ihrer Schöpfung durch Gott bei der Empfängnis im Mutterleib an vollkommen, endgültig und nicht mehr entwicklungsbedürftig!

Wer den Unterschied zwischen Geist – Leben – Seele, also konstituierende und von einander völlig getrennte Begriffe menschlichen Daseins jenseits des Körpers, zu machen vermag, der kann dem Tier wohl Leben zusprechen, ebenso allen Pflanzen, Bakterien, Insekten etc., auch wenn das Leben des einen im Vergleich zum anderen Lebewesen grundsätzlich verschieden ist (Tier/Pflanze). Es gibt keinen Grund, sich in eine esoterische Sicht der „Seele" einzulassen, die meistens nur „Geist/Verstand/Vernunft" meint die und im Tode aufhören. Wegen der Unklarheit der Begriffe flüchtet man dann in die absurdesten Theorien wie: Reinkarnation, Selenwanderung, Ahnenkult – oder man leugnet einfach ein Leben nach dem Tod, ein Leben bei und in Gott! Solche Auffassung wird der christlichen Sicht über die unsterbliche, einmal von Gott erschaffene und unwiederholbare Seele nicht gerecht. Wir Christen glauben eben nicht an ein „vorheriges" Leben, als Prinz, als Katze oder Maus, als Schlange, Kröte oder Gans, sondern wir glauben an den Schöpfer des Himmels und der Erde, wie wir dies im Credo bekennen.

Darum kann es weder ein „Jenseits" für Tiere geben, da Gewissen und Seele fehlen, noch dürfen einem Tier menschliche Eigenschaften zugesprochen werden.

Zu was wir allerdings vom Schöpfer her verpflichtet sind, das ist der verantwortungsvolle Umgang mit ihnen! Alles andere muss „Gewissensbisse" hervorrufen und darf ruhig als Sünde bezeichnet werden!

Dr. theol. Adolf Fugel

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